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Mystery Dungeon: Die Legende des Dämons

von Silvers
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
27.11.2020
21.11.2021
49
223.933
2
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20.10.2021 3.433
 
„Verschwunden? Und darüber grinst du?“, sagte Rose und blickte Shadow entgeistert an. Auch Max überraschte es ein wenig, dass Shadow diese Tatsache fast amüsiert hinnahm. Doch das Gengar schüttelte rasch den Kopf:
„Gewiss ist der Ort nicht ungefährlich, aber dorthin zu reisen bedeutet nicht, sich abermals durch eine Wüste oder Tundra zu schlagen. Tatsächlich braucht man, eben, weil so viele Pokémon dort verschwunden sind, eine Genehmigung vom Oberbürgermeister Großschatzstadts, die dich als die Art von Pokémon kennzeichnet, die eher mit den Gefahren dort zurechtkommt. Und ich bin froh zu sagen, dass ich Beziehungen habe, die uns diese Genehmigung sehr leicht verschaffen kann.“
„Lass mich raten, aufgrund deiner Vorgeschichte?“, sagte Rose spitz, worauf Shadow verschmitzt grinste.

„Du, Max?“, sagte Jimmy, der dicht an ihn herangetreten war und versuchte zu flüstern, sodass nur Max ihn hören konnte. „Wie kommt es, dass ihr mit Shadow, Emil, Rose und diesem Stolloss unterwegs seid? Wollte Shadow nicht Rache an uns nehmen?“
Zu seiner eigenen Erleichterung lachte Max leise und blickte Jimmy aufmunternd an: „Das ist eine lange Geschichte, die aber damit endet, dass wir Shadow und die anderen zu vertrauen gelernt haben. Stimmt doch, Iro?“
Als Max den Blick des Impergators suchte, brummte dieser zustimmend. Jimmy sah ganz danach aus, als wollte er genauer erfahren, wie es zu diesem Zusammenschluss von Erkundern und gesuchten Verbrechern kam, doch er kam nicht mehr dazu danach zu fragen. Vanes Stimme hallte über sie alle hinweg und sie blickten ihn an. Er hielt in seinen stählernen Klauen eine Art Rose aus Eis, deren Blätter diamantartig im Licht der aufgehenden Sonne glitzerten.
„Wächter Arktos? Wäre es in Ordnung, wenn ich diese als Souvenir mitnehmen könnte? Sie hat einfach diese coole und tolle Form!“
„Die ist nicht von hier …“, sagte Arktos langsam und trat langsam an Vane heran, während er die Rose neugierig in Augenschein nahm. Vane strahlte übers Gesicht: „Dann darf ich die also mitnehmen?“
Ehe Arktos etwas sagen konnte, trat Lucy schon an Vane heran und nahm ihm die Rose ohne weiteres aus der Hand.
„Hey!“, rief Vane empört, doch Lucy betrachtete nun selbst die Rose eingehend und ließ ihre blau leuchtenden Pfoten über diese wandern. Und dann warf sie plötzlich die Rose in die Luft und zerschmetterte sie mit einem gezielten Hieb.
„Was soll das denn?“, fuhr Vane sie empört an. Lucy warf ihm einen entschuldigenden Blick zu.
„Tut mir leid, Vane, doch ich habe aus der Rose gespürt, dass wir aus dieser heraus beobachtet wurden. Ich wollte nicht, dass das weiter passiert, wenn wir sie mitnehmen.“
Stille legte sich über sie, in der Vane vergaß, wütend auf Lucy zu sein.
„Bist du sicher?“, fragte Eva.
„Es war nur eine sehr geringfügige Spur, aber sie war wie jene, die vom Lawinenberg ausgegangen war, als Arktos sich noch in Gefangenschaft befand.“
„Aber wir haben doch den Kern des Fluchs zerstört, oder?“, warf Rose beklommen ein.
„Ich glaube eher, dass wir von dieser Hexe höchst selbst beobachtet wurden. Ich vermute, dass sie seit unserem Sieg schon Bescheid weiß, dass Arktos wieder befreit wurde.“
„Soll das heißen“, sagte Jimmy und seine Stimme zitterte nervös, „dass diese Hexe eventuell zurückkehren und Arktos erneut einfrieren könnte?“
„Versuchen soll sie es!“, rief Eva erbost und ihre Flügel spannten sich kampfbereit. Doch Arktos trat an sie heran und warf ihr einen bestimmten Blick zu.
„Sollte sie tatsächlich zurückkehren, müssten wir andere Wege probieren. Eine direkte Konfrontation hat schon einmal nicht funktioniert!“
„Wir können hierbleiben und euch unterstützen!“, schlug Max vor, dem auch Shadow und Vane zustimmten. Nur Jimmy, Iro sowie Emil und Rose wirkten nicht begeistert von der Idee. Auch Arktos schien von dieser nicht viel zu halten.
„Ein ehrenhaftes Angebot, allerdings habt ihr eine dringendere Aufgabe zu erledigen. Wenn ich wählen müsste zwischen einer weiteren Gefangenschaft oder einem frei herumwütenden Kyurem, so ziehe ich die Gefangenschaft einer zerstörten Welt alle Male vor. Ich muss euch daher wie Mew damit beauftragen, dass ihr die verbliebenen Wächter so schnell es geht aufsucht und von der herannahenden Katastrophe in Kenntnis setzt!“
Daran war nichts anzufechten, auch wenn Max nicht wohl dabei war. Noch nie hatte er einen Ort verlassen, den er nicht in Sicherheit wähnte. Und gewiss würden sie alle ihre Kräfte erneut vereinen müssen, um der Hexe entgegen zu treten. Doch Arktos Worte über Kyurem hallten in ihm wieder und er stimmte dem Wächter zu, dass es von größerer Dringlichkeit war, dieses Ereignis abzuwehren.

Er spürte die warmen Strahlen der Sonne auf seinem Arm, der daraufhin kribbelte. Der Schmerz, der diese zuvor erfüllt hatte, war zum größten Teil abgeklungen. Mit sorgenvoller Miene betrachte Max die Überreste seiner einstigen Laubklingen. Sie hatten mehrmals Schäden davongetragen und immer wuchsen sie auch dann zu ihrer gesunden Form nach. Wie lange aber würde es dauern, bis komplett neue Klingen gewachsen waren? Und dazu fühlte sich Max auch noch schutz- und wehrlos. Es waren Momente wie diese, wo er einfach froh war, dass er dann auf seine Freunde zählen konnte für die Zeit, in der er sich regenerieren musste. Er warf verstohlene Blicke zu Jimmy und Iro. Ob die beiden endlich miteinander vertragen würden, jetzt, wo sie den Wächter befreit haben? Doch zu seinem Leidwesen stellte er fest, dass Iro sich immer noch ziemlich abweisend gegenüber Jimmy verhielt und Max fühlte sich, als könne er nicht viel tun, als müsse er einfach abwarten, dass die beiden von sich aus miteinander aussprechen würden. Max hoffte, dass dies sehr bald der Fall sein würde.

Weil nun Arktos befreit und in Kenntnis über Kyurems bevorstehende Rückkehr gesetzt wurde, gab es für das Team Mystery nichts mehr auf dem Gipfel des Lawinenbergs zu erledigen. Und das bedeutete, dass sie wohl oder übel wieder den Heimweg antreten mussten. Und das wiederrum bedeutete, dass sie den ganzen Weg zurückgehen mussten, durch die Firntundra, über den Schlangenpass und dann auch noch durch die Schädelwüste. Max‘ Körper protestierte bemerkbar bei der Aussicht, durch diese Gebiete nochmals zu waten. Und ihm wurde heiß und kalt bei der Vorstellung, dass ihm auch etwas schwindlig wurde.
„Max? Alles in Ordnung?“
Es war Rose, die an ihn herangetreten war und ihn sorgenvoll musterte.
„Du siehst etwas blass aus …“
„Es ist nichts“, sagte Max rasch und bemühte sich um ein zuversichtliches Lächeln. „Ich mag die Vorstellung nicht, dass wir erneut durch die Tundra und Wüste müssen!“
„Glaub‘ mir; wir alle finden das nicht berauschend!“, rief Emil entgeistert aus.

Glücklicherweise hatten sie den Wächter nun befreit. Denn dieser versicherte ihnen eine durchaus angenehmere Rückreise. Mit einem großen Schwung seiner Flügel vertrieb er sämtliche graue Wolken vom Himmel und auch sicherte er ihnen zu, dass die Winde für die Dauer ihrer Reise aufhören würden. Arktos selbst entschied sich, auf dem Gipfel zu verweilen, um sich nach seinen fünf Jahren der Gefangenschaft zu erholen. Eva allerdings erklärte sich bereit, sie bis zum Beginn des Schlangenpasses zu begleiten. Zusammen also stiegen sie den Lawinenberg herab. Ohne die Winde, Lawinenfälle und Eisbiester war der Weg in der Tat angenehmer zu begehen als zuvor. Es ging zudem bergab und Max war froh, dass sie nicht erneut irgendwo hinaufsteigen mussten. Im Inneren des Lawinenbergs konnten sie dessen Kern in seinem wahren Licht betrachten. Hellblau und eine angenehme Kühle vermittelnd erleuchtete die riesige Eissäule die gesamte Zentralhöhle und gerne hätte Max die anderen Gänge untersucht.
„Wenn ihr mit eurer Mission fertig seid“, sagte Eva aufgeregt, „könnt ihr sehr gerne zurückkehren und ich führe euch im gesamten Lawinenberg rum. Es gibt zum Beispiel noch einen Fluss, der inmitten in das offene Meer führt und-“
„Das sagst du erst jetzt?!“, rief Pawo erbost aus. Eva wandte sich ihm verdutzt um. Nicht minder perplex blickte Pawo sie alle an.
„Na, glaubt ihr denn, es macht mir Spaß, den ganzen Weg hinter euch her zu robben? Irgendwann würde ich schon gerne wieder im Wasser schwimmen wollen!“
Er wandte sich an Eva:
„Ist dieser Fluss denn wieder zugänglich und ich könnte schon ins Meer schwimmen? Und wo lang geht es, um dorthin zu gelangen?“
Eva wies ihm den Weg, doch sie warf Pawo einen flehenden Blick zu: „Willst du nicht noch etwas bei uns bleiben?“
„Geht nicht, pardon!“, rief Pawo aus. „Je eher ich ins Wasser komme, umso eher kann ich zum See zurück um zu prüfen, ob meine Freunde mittlerweile aus dem Eis befreit sind. Notfalls helfe ich ihnen dabei!“
Und schon robbte er auch los. Doch nach wenigen Metern wandte er sich um und sah, dass alle ihm nachblickten. Pawo schmunzelte, ehe er dann seinen gehörnten Kopf neigte:
„Danke übrigens, dass ihr alle geholfen habt … ich glaube, nur zusammen waren wir in der Lage, all dies zu beenden …“
Er lächelte verlegen. Dann drehte er sich um und robbte auf den Höhlengang zu, auf den Eva zuvor gewiesen hatte.
„Meint ihr, er kommt klar?“, fragte Rose leise und blickte dem Jurob sorgenvoll hinterher. Eva begegnete ihrem Blick und sie lächelte: „Für ein Jurob hat er sich sehr gut geschlagen, wenn er bis zum Gipfel mitgekommen ist. Ich mache mir keine Sorgen, wobei ich es schade finde, dass er jetzt schon von uns geht …“
„Er will halt prüfen, ob es allen anderen seiner Art gut geht. Das ist auch nur verständlich“, sagte Rose mit aufmunternden Lächeln. Auch Eva lächelte wieder schwach und sie gingen weiter den Weg entlang, auf dem sie hergekommen waren.
Max staunte immer wieder, wie viel kürzer der Rückweg war, während der Hinweg sich ewig zu erstrecken schien. Sie brauchten nicht lange, um den langen Höhlengang zu durchqueren, obwohl sie dieses Mal zu Fuß liefen, ohne Shadows Schatten. Vermutlich half die Tatsache, dass die Bedrohung durch den Fluch vorbei war und dass sie alle munter miteinander schwatzten. Von Lucy erfuhren sie, dass sich ihre Gilde vom südpolaren Bereich Ekundas, nahe der Blizzard-Inseln befand, die Max und Jimmy vor vielen Jahren besucht hatten. Als eine vergleichsweise junge Gilde – vor einem Jahr erst wurde sie begründet – erhalte Glacial Hearth auch entsprechende Unterstützung seitens der Regierung, die ihr einen besonderen Auftrag erteilt hatte. Auf die Frage Shadows, um was es bei diesem Auftrag ging, musste Lucy mit entschuldigender Miene erklären, dass die Details einzig den Mitgliedern von Glacial-Hearth bekannt waren und dass sie alle von ihrer Gildenmeisterin zum Schweigen gegenüber Außenstehenden verpflichtet wurden.
„Nun, jede Gilde hat ihre Regeln und Verfahrensweisen“, sagte Shadow mit einem Seufzen und selbst im schwachen Licht des Leuchtorbs sah Max, wie das Gengar lächelte, als würde es an eine glücklichere längst vergangene Zeit denken.

Noch immer versperrte eine hohe und dicke Schneedecke den Ausgang aus dem Lawinenberg. Es wäre anstrengend gewesen, sich durch diese zu graben, wobei Vane schon die Finger seiner diamantüberzogenen Krallen knacken ließ. Doch Eva schloss lässig die Augen und sie leuchtete in einem sanften hellblauen Licht auf. Der Schneehügel erzitterte und unter leisem Knirschen und Brodeln brach dieser auf. Streifen hellen Lichts fielen durch die Risse und als Eva dann den Schnee nach vorne stieß, flutete das helle Sonnenlicht in die Dunkelheit, sodass sie alle, insbesondere Shadow, die Augen schließen mussten.
Sie traten hinaus in das helle Licht und sofort fiel ihnen die Veränderungen der Umgebung auf. Baumblizz war nicht mehr da, doch aufgrund seines vorherigen Verrats an den Wächter scherte es sie nicht sonderlich. Jetzt, wo der scheinbar ewig andauernde Schneesturm aufgehört hatte und Sonnenlicht über die Tundra fiel, glitzerte der Schnee ihnen aus allen Richtungen diamanten entgegen. Vane stieß ein bewunderndes „Wow“ aus und auch Rose hielt vor Begeisterung den Atem an. Max glaubte, ein umfassendes Gemälde vor sich zu sehen, das die Essenz des Winters eingefangen hatte. Eine weite, weiße und glitzernde Fläche erstrecke sich vor ihnen und ganz hinten, vom Licht der Sonne vage überdeckt, sah Max den breiten See, vom dem auftauende Wassermassen zu ihnen hinüber schimmerten. Auch die Mamutel waren da und standen in einer Reihe, um die Erkunder zu empfangen, wie Max hoffte. Und tatsächlich verbeugten sie sich stumm, als Eva an sie herantrat. Im Licht der Sonne bemerkte Max dann auch, wie dünn diese drei Riesen waren und dass sie zitternd auf ihren mächtigen Beinen standen. Fünf Jahre des Hungers ließen die Riesen wie windschiefe Häuser wirken.
„Ihr solltet euch dringend etwas zu essen holen!“, rief Eva zu ihnen hoch. Unruhe, mit einer Spur Panik, lag in ihrer Stimme. Die Mamutel aber, zu ihrer aller Überraschung, schüttelten den Kopf und der Gigant trat dabei einen Schritt vor: „Vergib uns!“
„Du kannst doch sprechen?“, rief Vane überrascht aus, doch keiner achtete in dem Moment auf ihn. Gespannt sahen sie zu, wie das riesige Mamutel sein Haupt und seine Hörner schwang: „Danke! Der Fluch ist fort! Nahrung ist wieder da!“

Auch die anderen stimmten in seine Kopfbewegungen mit ein und tröteten, sodass es mehrfach in der Luft widerhallte. Die Mamutel nickten allesamt mit dem Kopf, wandten sich dann um und gingen, wie Eva es darauf erzählte, in Richtung von Stellen, wo sie meist etwas zu fressen fanden.
„Nach Schneestürmen, ganz gleich, wie lange sie dauern, wächst eine bestimmte Art von Beeren, die es sonst nicht gibt. Mama hat immer gemeint, dass diese Beeren besondere stärkende Wirkung besitzen … wie sieht es aus?“
Sie wandte sich mit fragender Miene den Erkundern um: „Ich weiß, ihr habt es eilig, doch wollt ihr euch vielleicht das ansehen?“

Obwohl Kyurems Gebrüll schon von weitester Entfernung zu vernehmen war, wollten alle nicht jene Seiten der Firntundra verpassen, die zur Abwechslung etwas angenehmer waren. Und tatsächlich auch sehr schön anzublicken waren, wie Max feststellen musste, nachdem sie den Mamutel in ein tiefer gelegenes Tal gefolgt waren.
In diesem standen, dicht an dicht, eine Vielzahl von Bäumen und Büschen, die nur wenig Platz boten, sodass man zwischen ihnen sich bewegen konnte. Sie alle hatten, entgegen ihrer grauen Äste und Stämme, schneeweiße Blätter, von denen manche mit Eis überzogen waren. Als seien sie mit Edelsteinen besetzt glitzerten sie den ankommenden Erkundern entgegen und unter diesem Glitzern erkannte Max die schimmernde Oberfläche von Früchten, die ebenso aus Eis zu bestehen schienen. Die Mamutel taten sich bereits genüsslich an diesen, während die anderen andächtig näher traten.
„Ihr könnt sie essen!“, ermutigte Eva sie. Vane, der von dem ultracoolen Anblick, wie er ihn nannte, fasziniert war, trat als erster heran und griff sich eine von einem Baum. Prompt biss er in diese hinein und kaute einige Sekunden. Und dann schauerte er und betrachtete argwöhnisch die Frucht in seinen Händen.
„Schmeckt sie nicht?“, fragte Rose vorsichtig.
„Doch, schon, aber sie ist sehr kalt, dass dir die Zähne wehtun!“, kommentierte er, während er seine Schläfen rieb. Auch die anderen nahmen sich jeweils eine der Früchte, die in ihrer Nähe wuchsen. Als Max in eine kleine, hellblaue und vom Eis her glitzernde Beere in den Mund nahm, musste er wie die anderen einen Schauer über sich ergehen lassen. Sie war bitter im ersten Geschmack, bis sie dann auf seiner Zunge süßer wurde. Als er dann schluckte, bemerkte er direkt, um wieviel wacher sein Körper wurde. Auch die anderen wirkten verblüfft über diese rasche Wirkung.
Ein Krachen hinter Max lenkte dann die Aufmerksamkeit aller auf einen eingefrorenen Teich, der aber schon Risse aufwies, aus denen Wasser langsam hervorquoll.
„Ah!“, sagte Eva mit einem Lächeln und glitt an den Teich heran. Als die anderen ihr folgten, wandte sie sich mit einem Lächeln zu ihnen:
„Ab und an bricht eine Fontäne aus dem Boden hervor. Und offenbar ist es gleich soweit. Wartet noch ein paar Minuten und ihr werdet es sehen!“
„Warum denn warten?“, meldete sich Shadow zu Wort und wandte sich mit einem Grinsen an Jimmy, der verdutzt aufblickte: „Meinst du, du kannst dem nachhelfen?“
Unter den ermutigenden Blicken von Max, Lucy und Eva trat Jimmy an den Rand des Teiches und spie breite Flammenwürfe über die eingefrorene Oberfläche. Das Krachen wurde lauter und folgte in immer kürzer werdenden Intervallen, als dann die Oberfläche aufbrach und eine mächtige Wassersäule in den Himmel schoss. Wie ein rauschender Wasserfall ging diese Säule im Himmel auf und deren Spritzer verteilten sich über den Rand des Teiches hinaus. Sie gefroren sofort in der Luft und segelten als tanzende und funkelnde Edelsteine herab. Im Licht der Sonne glitzerten sie in den Farben des Regenbogen und ein solcher legte sich blass über die Lichtung.
Langgezogene Ohs und Ahs kamen von den Erkundern und Max fühlte sich schlagartig an jenen Geysir vom Nebelsee erinnert. Wie damals tanzten Lichter um sie alle herum und Max wollte in dem Moment nichts sehnlicher als für immer in diesem Moment zu verweilen. Es war ein solcher, wo alle Probleme der Welt einfach nichtig erschienen und diesen Anblick auf gar keine Weise trüben könnten. Sein Blick glitt hinüber auf Jimmy und Iro, die beide auf ihre jeweilige Art vom Anblick des Geysirs fasziniert waren. Und als er dann seinen Blick auf Shadow, Emil, Vane, Rose sowie Lucy und Eva richtete, die gleichermaßen im Moment gebannt waren, fühlte er sich glücklich und zufrieden. Wenn wie damals auch die Mitglieder der Knuddeluff-Gilde anwesend wären, so würde dies den Moment vollkommen machen.

„Das … ist …“, brach Rose in Tränen hervor, doch vor lauter Ehrfurcht brachte sie kein Wort heraus. Als sie weinte, legte Vane ihr tröstend eine Stahlhand auf ihre Schulter. Rose versuchte sich zu fassen und ein Lächeln fuhr über ihr tränenfeuchtes Gesicht: „Es ist einfach ein wundervoller Anblick, Eva! Ich kann es nicht glauben, dass ich … dass wir so etwas erblicken! Nach all dem …“
„Ich schätze“, bestätigte Shadow sie, „das ist in der Tat eine schöne Art der Belohnung! Nur leider …“, und er seufzte schwer, „können wir nicht für immer hierbleiben, nicht wahr?“
„Wir könnten schon …“, erwiderte Emil mit schrägem Lächeln. „Leider nur haben wir wichtigere Dinge zu erledigen!“
„Du meinst den Dämon, nicht wahr?“, sagte Vane ernst. Emil begegnete seinem Blick.
„Eigentlich dachte ich daran, dass wir immer noch diesen Mistsack an Kürbis finden wollen. Ihr erinnert euch?“
„Ihr wollt nicht mit uns kommen?“, sagte Jimmy enttäuscht. Max staunte, dass sowohl das Panflam als auch er sich in der kurzen Zeit an die Anwesenheit dieser vier Pokémon gewöhnt hatte, dass nun die Vorstellung tatsächlich vorkam, sich bald wieder von ihnen verabschieden zu müssen.
„Emil hat Recht … bevor wir uns einem neuen Auftrag zuwenden können, müssen wir den einen erst zu Ende bringen … außer …“, und Shadow wandte sich an Max. „Sollten wir uns wieder einmal über den Weg laufen, während ihr auf der Jagd nach den Wächtern seid, können wir euch gerne wieder zur Hilfe kommen!“
Er hielt Max eine schattenhafte Hand entgegen und Max schlug ohne zu zögern ein. Beide blickten sich in die Augen, ehe sie einander zulächelten.
„Ich wünschte, ich könnte euch unterstützen!“, bedauerte Eva. „Doch ich glaube, dass Arktos meine Hilfe braucht, sich um die Firntundra zu kümmern. Wir sollten übrigens langsam los“, setzte sie mit einem Blick an die anderen gewandt fort. „Ihr habt noch einen langen Weg vor euch und je eher ihr über den Schlangenpass kommt, solange die Garados noch auftauen, desto besser!“
„Auf jeden Fall!“, rief Rose bestürzt aus. „Noch eine Kanonade an Hyperstrahlen werden wir nicht überleben!“
„Na dann?“, setzte Shadow mit fragendem Blick in die Runde an. „Wollen wir los?“
Alle nickten und wandten sich vom schönen Anblick an. Nur eine Gestalt blieb zurück. Max drehte sich um und sah, dass Jimmy mit gesenktem Blick an Ort und Stelle stehen blieb.

„Komm schon, Jimmy!“, rief Max mit ermunternden Lächeln.
Dieser wandte sich nun um und sah Max und Iro eindringlich an. Erschrocken bemerkte Max, wie Tränen seine Augen füllten.
„Max … Iro … ich …“, begann Jimmy, doch sowohl seine Stimme als auch er selbst zitterten heftig. Max spürte sofort, was Jimmy auf dem Herzen lag. Schließlich haben sie dieses Thema noch nicht ausführlich miteinander besprechen können. Wenn es nach Max ginge, würde er Jimmy sofort verzeihen. Doch sein Blick fiel auf Iro, der mit steinerner Miene den Schimpansen betrachtete, der zitternd zu Boden blickte.
Jimmy rang um Worte, die offensichtlich sein Leid zum Ausdruck bringen sollten und Max tat es weh, ihm dabei zuzusehen.
„Lass gut sein, Jimmy!“, rief dann Iro aus. Max und auch Jimmy blickten ihn verdutzt an. Max befürchtete es schon, doch er sah, dass Iro von Jimmy wegblickte und selber mit sich rang.
„Ich sehe es dir schon an … kein Grund, das weiter zu vertiefen. Solche Szenen mag ich nicht, weißt du?“
Und dann schloss Iro die Augen, lächelte sanft und hielt Jimmy auf Augenhöhe seine gesunde linke Faust hin. Jimmy schlotterte ziemlich und wankte auf Iro zu. Zitternd hob nun er seine kleine Faust und schlug sie gegen Iros. Dieser nickte und wandte sich mit verlegender Miene von ihm. Nun begegneten Jimmys feuchte Augen dem Blick von Max. Und endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, konnten sich beide endlich wieder in die Arme schließen. Und beide fühlten eine enorme Last von ihrem Herzen weichen, worauf beide anfingen zu schluchzen.
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