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Mystery Dungeon: Die Legende des Dämons

von Silvers
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
27.11.2020
21.11.2021
49
223.933
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23.09.2021 4.067
 
Die Lage war aussichtslos. Nicht nur Iro, sondern auch Lucy waren zu Eis erstarrt und erneut war es seine Schuld. Hätte er nicht auf die Worte dieses Wesens gehört, so hätte sie sich nicht erneut in den Angriff geworfen.

„Jimmy! Konzentrier‘ dich!“, drang Max‘ Stimme wie von weiter Ferne auf ihn zu. Und panisch erkannte Jimmy, dass die Gefahr deswegen noch lange nicht vorbei war. Er schrie auf, als das Pokémon, gegen das sie kämpften, nun auf ihn herabstürzte. In seinen rot leuchtenden Augen lag ein gieriger und triumphierender Glanz und Jimmy spürte, es würde jeden einzelnen von ihnen zu Statuen gefrieren lassen. Jimmy warf ihm in seiner Hektik einen Schwall Flammen zu, doch das Wesen pustete diese mühelos, geradezu spielerisch aus.

„Erbärmlich!“, kommentierte das Pokémon so kaltherzig wie sein eisiger Körper. „Doch ich habe ohnehin nichts Interessantes bei dir beobachten können!“
Jimmy regte sich nicht, denn die Worte waren doch zu wahr, als dass er sich gegen diese hätte wehren können. Und er hörte schon, wie sein Gegenüber tief Luft holte und Jimmy spürte, wie die Kälte um ihn intensiver wurde. Doch kurz bevor auch er eingefroren werden konnte, schlang sich ein schlanker grüner Arm um Jimmys Brust, der ihn fast plötzlich von der Stelle wegriss. So schnell wie es seine Agilität erlaubte, rettete Max ihn aus dieser misslichen Lage. Scham stieg in Jimmy auf, während er und Max ein paar Schritte vom Gegner entfernt zum Halt kamen. Wie oft noch musste er gerettet werden? Doch eine Ohrfeige von Max holte Jimmy zurück aus seinen Gedanken:
„Wenn du jetzt nachlässt, zieh dich zurück! Ich kann nicht zulassen, dass du auch noch eingefroren wirst!“, sagte Max streng, richtete sich auf und wandte sich mit erhobenen Klingen dem Feind zu. Perplex blickte Jimmy zu Max auf. Nach allem, was er durch seine Fehler an Schaden angerichtet hatte, sorgte sich Max immer noch um sein Wohl?

„Wie rührend!“, sagte das Pokémon vor ihnen und Jimmy hörte, wie es knirschend lachte. „Die Schwachen zu schützen ist wahrlich ein nobler Zug. Schade nur, dass du das nicht von deinem Freund erwarten kannst!“
„Du machst denselben Fehler wie alle anderen zuvor, die wir besiegt haben!“, zischte Max wütend und hob die Klingen hoch. „Wage es ja nicht, Jimmy zu unterschätzen!“
„Max …“, hauchte, doch der Feind vor ihnen stieß einen gezackten hellblauen Blitz aus, ehe er noch was sagen konnte. Diese Art von Eisstrahl war zu schnell, als dass Max hätte ausweichen können. Doch grimmige Entschlossenheit lag in seinem Gesicht. Jimmy ahnte, dass Max nicht weichen würde, ganz gleich was auf ihn zukäme. Und das alles wegen ihm.

Max stieß einen lauten Schrei von sich aus und Jimmy war jäh auf den Beinen. Er hatte versucht, den Eisstrahl mit seinen Laubklingen abzuwehren, woraufhin diese sofort zu Eis gefroren waren. Als dann ein neuer Eisstrahl diese traf, zersprangen diese in hundert Eissplitter, die zu Boden fielen. Auch Max sank auf die Knie und hielt mit schmerzerfülltem Gesicht seine beiden nun klingenlosen Arme.
„Max!“, rief Jimmy entsetzt und trat an seine Seite, doch ihr Feind ließ ihnen keine Ruhe zum Atmen. Abermals holte er tief Luft und zum fünften Mal wurde die Luft kälter.
„Nein!“, rief Jimmy. Er wollte verhindern, dass er und Max wie Lucy und Iro zu starren Figuren werden würden. Nie wieder sollten seinetwegen Pokémon zu Schaden kommen. Und wie von einem Wahnsinn erfüllt bäumte sich Jimmy vor Max auf und warf abermals einen Flammenwurf nach ihrem Gegner aus. Dieser warf ihn fast selber nach hinten, so mächtig brach dieser aus seinem Mund hervor. Und das bemerkte auch sein Gegenüber. Knapp wich er dem Flammenwurf und seine Augen blitzten gefährlich auf. Doch bevor er wieder angreifen konnte, sprang ein weißer robbenartiger Körper vom Boden ab und rammte dessen Horn, das sich stumpf auf seinem Kopf befand, in den eisigen Körper des Feindes.
Sofort wich dieses bis zu dem Eiskristall zurück und funkelte Pawo zornig an, der wütend zurückblickte.
„Zu schade, dass dein Horn bereits so abgenutzt ist!“, knirschte der Feind. Pawo schnaubte.
„Es wird trotzdem genug sein, dich zu zerstören!“
„Bist du sicher?“, höhnte sein Gegenüber. „Eine einfache Kerbe hast du mir verpassen können, nichts weiter.“
Und tatsächlich erkannte Jimmy vage einen feinen Riss im sonst so glatten Eiskörper. Doch der Feind lachte nur: „Das ist aber nichts, worüber ich mir groß Sorgen machen müsste. Seht her!“

Und sowohl er als auch der Eiskristall hinter ihm leuchteten in einem violetten Licht auf, das den ganzen Gipfel beleuchtete und Jimmy, Pawo und Max in ein geisterhaftes Licht tauchte, in dem sie alle farblos wirkten. Als es sich dann wieder legte, war der Riss verschwunden, als wäre ihr Feind von Treffern völlig unberührt gewesen. Jimmy sank auf die Knie und auch Pawo stockte der Atem. Selbst wenn es ihnen gelänge, ihren Feind zu treffen, würde sich dieser offenbar mithilfe des Kristalls hinter ihm regenerieren. Ein knirschendes Lachen bestätigte diese niederschlagende Vermutung.
„Seit fünf Jahren schon nähre ich mich von der Kraft des Wächters und des Lawinenbergs, um diesen Fluch aufrecht zu halten. Glaubt ihr etwas, dass Pokémon wie ihr eine Chance hättet, dies mit euren mickrigen Fähigkeiten zunichte zu machen?“
„Es … muss doch …“, stammelte Jimmy, doch angesichts von Max‘ waffenlosen Armen, Lucys und Iros Zustand musste er erkennen, dass die Aussichten alles andere als gut waren. Der Feind war zu mächtig, als dass sie zu dritt was ausrichten würden.
„Beenden wir es nun“, sagte der Feind vor ihnen und Langeweile lag in seiner Stimme.
„Schade, dass ihr mich so enttäuscht habt, ich habe wirklich gehofft, dass ihr-!“

Er verstummte und richtete seinen Blick auf die Treppe hinter ihnen. Auch Jimmy hörte es. Eine Art Klappern, das wie Hufe klang, die auf Gestein trafen. Und dann tauchte Rose Gestalt auf, welche schwer keuchend auf die Knie fiel und sich die Brust hielt.
„Diese Stufen … nach dem ganzen Aufstieg noch Stufen … ich kann nicht mehr …“
Der Feind seufzte, was wie ein leises Windheulen klang. „Ich habe wirklich gehofft, eine Herausforderung würde mir die Langeweile vertreiben!“
Rose blickte auf und sah verdutzt erst den Feind an, ehe ihr Blick mit größer werdendem Entsetzen auf Lucy, Iro und dann auf die drei Pokémon fiel, die dicht beieinander kauerten. Und obwohl es gänzlich nach einer aussichtslosen Lage aussah, schaffte Rose es aus irgendeinem Grund, trotzig zu lächeln.

„Keine Sorge, sie ist auf dem Weg!“, sagte sie und ein anderes Geräusch baute sich auf. Es war eine Art heulendes Tosen, das vom unteren Ende der Treppe kam. Und dann brach ein Schneesturm aus, der sich bis zu ihnen erstreckte. Laut heulte der Wind auf und Jimmy hielt sich schützend die Arme vors Gesicht, doch er bemerkte eine Veränderung im Vergleich zu den Schneestürmen davor. Zuvor hatten diese eiskalt und unbarmherzig mit schärferen Eiskristallen auf ihre Körper eingewirkt, als würden sie diese schaden wollen. Dieser Schneesturm hingegen war angenehmer von der Kälte her und die Eiskristalle streiften trotz der starken Brise sanft gegen ihre Brise. Und Jimmy bildete es sich vermutlich ein, doch es war, als würde dieser Schneesturm ihnen sagen wollen, dass er dieses Mal auf ihrer Seite war.
Und nun sahen Jimmy, Max und Pawo, wie ein Schatten aus dem Schneesturm heraus sich ihnen näherte. Ein Augenpaar, das in einem hellen Blau leuchtete, blickte den Feind unnachgiebig an, der stumm diesen Blick erwiderte. Er stieg in die Luft und blies kräftig in die Luft. Der Schneesturm hörte auf und ein schönes Pokémon offenbarte sich.

Jimmy hatte selten ein Pokémon gesehen, dessen Anblick einen in den Bann zog. Die Gestalt über ihnen blickte mit immer noch blau leuchtenden Augen ihren Feind an, der auf gleicher Höhe mit ihr schwebte. Sie hatte einen Körper, der danach aussah, als wäre er rundum mit feinstem Puderschnee überzogen, der dauerhaft seine Form behielt. Und sie schwebte in der Luft, obwohl sie kein einziges Mal mit ihren Flügeln schlug, die dünn wie Glass waren, aber wie eine Schicht aus Eis glänzten. Woher kam dieses Pokémon nur?
„Sieh an …“, sagte der Feind leise. „Das kleine Wesen zeigt sich in seiner richtigen Gestalt …“
Konnte es sein? War das Eva? Jimmy sowie Max und Pawo warfen einen Blick auf Rose, die aber gespannt zur neuen Erscheinung aufblickte.
„Du hast nur eine Chance!“, sagte diese und tatsächlich drang Evas Stimme aus ihr hervor, doch sie klang fester und kräftiger als zuvor und eine sonderbare Aura strömte von ihr aus.
„Verlasse diesen Ort! Oder du, der dem Lawinenberg schadest, wirst hier zerstört!“
Der Feind lachte knirschend. Ihn schien Evas Entwicklung keineswegs zu beeindrucken.
„Nachdem ich den Wächter solange schon unter Verschluss halte, glaubst du, kleines Wesen, dass du es mit mir aufnehmen kannst? Du magst zwar eine neue Form haben, doch wirst du mir gewachsen sein?“
„Wir beide wissen“, donnerte Eva so kühl, dass Jimmy die Nackenhaare aufstanden, „dass du nicht derjenige warst, der den Wächter Arktos in diesen Zustand versetzt hast. Du bist nur stellvertretend für jene Person hier, die für all das verantwortlich ist.“
„Es kommt auf dasselbe hinaus“, sagte der Feind kalt. Evas blau leuchtender Blick verengte sich.
„Das tut es nicht … denn du verfügst nicht annähernd über dieselbe Kraft wie die Hexe, in deren Auftrag du hier bist.“
„So sprichst du nicht über meine Herrin!“, rief der Feind zornig und stieß abermals einen blau leuchtenden Blitz in Richtung Eva. Ihre Augen blitzten in dem hellen Blauton auf und eine Sphäre aus Wind, die Schneeflocken mit sich trug, formte sich um sie und der Blitz prallte von dieser in mehreren Richtungen ab. Abermals blitzte es auf und Jimmy spürte, wie der Wind um sie herum sich ausweitete, doch er erfasste den Feind als einzigen so stark, dass dieser rücklings gegen den Eiskristall geschleudert wurde. Sofort schwebte er vom Kristall weg und auf Eva zu, die sich in die Luft schwang und an Höhe gewann. Mit zornig rot funkelnden Augen setzte der Feind ihr nach.

Und obwohl sie sich in einiger Höhe befanden und deren Angriffe in Form von eisigen Blitzen, Windböen und Schneestürmen leiser in der Luft widerhallten, spürte Jimmy die Macht ihrer Energien auf seiner Haut kribbeln. Er ließ sich auf den Boden herab und atmete mehrmals ein und aus. Auch wenn die Gefahr gewiss alles andere als gebannt war, so konnte er endlich aufatmen.
Dieser Ansicht schien Rose nicht zu sein. Nachdem sie mit sorgenvollem Blick den Kampf zwischen Eva und ihrem Gegner für einige Sekunden beobachtet hatte, wandte sie ihre Aufmerksamkeit auf die Pokémon, die sich auf dem Boden befanden. Sofort sprintete sie an Max‘ Seite und untersuchte eingehend dessen Arm. Beklommenheit lag in ihren Augen, als sie die Überreste von Max‘ ehemaligen Klingen an seinen Armen betrachtete.
„Es geht schon“, sagte Max im Versuch tapfer zu klingen, doch sein Gesicht verzog sich und er keuchte abermals und hielt die Arme eng an sich gepresst.
„Ihr seid irgendwie affin für diese Verletzungen, nicht wahr? Erst Jimmys Arm, dann Ironhards und nun deine …“, sagte Rose und sie schien sich mit einem strengen Ton zurückzuhalten. Ihr Blick fiel auf die erstarrten Körper von Iro und Lucy.
„Sind sie …?“, fing sie an, doch sie schien sich mit ihrer Vermutung zurückzuhalten. Pawo schien zu wissen, woran sie dachte, und robbte auf Lucys Körper zu. Jimmy blickte ihn erschrocken an, als er mit seinem Horn ausholte. Doch er stieß nur sachte gegen Lucys eiskalten Körper und begutachtete das Ergebnis, wobei Jimmy nichts erkennen konnte

***

Immer wieder wich Eva den Angriffen aus, die der Feind gegen sie schleuderte. Offenbar empfand er dies als Vergnügen, denn immer wieder kam ein knirschendes Lachen aus seiner Richtung.
„Es ist zu früh nach deiner Entwicklung, gegen mich anzutreten!“, rief er laut aus und setzte Eva abermals mehrere Attacken nach. Eisige Blitze sowie feste Eisspeere flogen durch die Luft und Eva wich ihnen immer wieder mit schwingenden Bewegungen ihrer Flügel aus. Sie selber war in der Defensive und konnte selber ihren Feind nicht angreifen, was dieser auch immer wieder ausnutzte. Immer mehr trieben sie vom Gipfel des Lawinenbergs ab und immer mehr gewann der Feind an Höhe, während Eva immer weiter nach unten sank.
„Gib schon endlich auf!“, rief er ihr zu und ließ aus seinem dunklen Eiskörper mehrere Ketten aus Eis schießen, die sich wie Schlangen in der Luft auf sie zu bewegten. Es waren zu viele, Eva konnte ihnen nicht alle ausweichen. Ein paar der Ketten trafen ihren Körper und durchbohrten einen ihrer Flügel. Eva schrie schmerzerfüllt auf und wurde durch die Wucht der Ketten nach unten gedrückt. Hart prallte sie gegen eine Felsspitze, die vom Lawinenberg herausragte. Die Ketten schlangen sich um Evas Flügel, den sie erwischt hatten, und verankerten sich im Felsen. Sie war gefangen, unfähig sich zu bewegen. Der Feind über schwebte langsam zu ihr hinunter und seine roten Augen glänzten gierig.
„Selbst mit der Kraft des Wächters in dir bist du meinen Fähigkeiten nicht gewachsen, sehr enttäuschend. Dass du dich fünf Jahre versteckt hast, war vergeblich. Kein Wunder, dass du Erkunder darum bittest, für dich die Arbeit zu erledigen. Du hast ja gesehen, wie sehr sie mir unterlegen waren!“
Eva erwiderte nichts, sondern kämpfte noch immer gegen die Ketten aus Eis an. Der Feind war nun dicht über ihr und blickte mit unheilvoll rot leuchtenden Augen auf sie herab.
„Hast du nichts zu sagen?“, fragte er in einem spöttischen Ton.
Nicht weniger spöttisch blickte Eva zu ihm auf. Der blau leuchtende Glanz ihrer Augen war verschwunden, doch sie funkelten den Feind in ihrem tiefblauen Ton trotzig an.
„Wir haben einen Fehler gemacht“, sagte sie dann. Der Feind blickte sie mit ausdrucksloser Miene an. Eva grinste nun frech und in ihrer Stimme lag eine Kampfeslust, wie sie zuvor noch nie erklungen war.
„Dieser Fehler war …?“, sagte der Feind über ihr. Eva erwiderte seinen Blick.
„Ich war nicht mutig und bin nicht direkt mit hochgekommen. Aber jetzt …“

Und kaum, dass der Feind etwas erwidern konnte, wurde ihm von hinten eine blau leuchtende Energiekugel auf seine Rückseite geworfen. Er stieß ein wütendes aus und wandte sich abrupt um, um deren Ursprung zu erkennen. Eine Weile blieb er verdutzt in der Luft schweben, als er Lucys finsterem Blick begegnete. Dann stieß er wütend mehrere Eisstrahlen nach ihr aus, die sie aber mit gekonnten Sprüngen und geschicktem Klettern auf dem Lawinenberg ausweichen konnten. Offenbar stellte sie eine größere Bedrohung als Eva dar, denn diese ignorierte er vollkommen. Hastig schwebte er wieder hinauf zum Gipfel, auf den Lucy soeben wieder geklettert war.

Doch kaum, dass er über dessen Rand geschwebt war, ergoss sich eine Wasserfontäne über ihn. Seine Augen blitzten abermals zornig auf, als er sah, wie Iro nun dem Wasser seines Nassschweifes freien Lauf ließ. Den Feind warf es nach unten und er krachte gegen die rauen Felswände des Berges. Es knackte und feine Risse zogen sich über seinen Körper. Er stieß einen wütenden Schrei aus und war schon dabei, wieder hinauf zu schweben, als ein Windhauch ihn umfasste. Das Wasser, das in feinen Tropfen seinen Körper entlang lief, gefror augenblicklich zu Eis, was den Feind in seiner eigenen Bewegung verhinderte. Sein wütender Blick glitt nach hinten und er sah, wie Eva ihm mit nicht weniger zornigen Blick über ihn hinwegschwebte, auch wenn ihre Flugbahn nicht mehr ganz elegant war. Das Loch in ihrem Flügel machte ihr das Fliegen schwer, doch sie schaffte es, sich auf den Gipfel zu kämpfen.

„Vielen Dank!“, keuchte sie, als sie matt auf dem Boden landete. Rose eilte sofort zu ihr herbei und stützte ihren Flügel, doch Eva hatte nur Blick für die anderen, die argwöhnisch und kampfbereit sie anblickten.
„Ich habe ihn vorübergehend festsetzen können, doch er wird gleich wieder hier oben sein!“
„Es wird aber nichts bringen, wenn wir ihm nur einzelne Treffer verpassen!“, rief Pawo hastig ein. „Er kann sich regenerieren!“
„Können wir Pa-, ich meine den Wächter nicht schon befreien?“, wandte sich Eva an Lucy, wobei sie immer wieder einen Blick nach hinten warf, um die Ankunft des Feindes rechtzeitig zu erkennen.
„Ich habe es gerade nochmal versucht, nachdem ich ihm eine Aurasphäre in den Rücken geworfen habe“, erklärte sie ernst. „Doch immer noch schießen Ketten hervor, wenn ich das Eis zerstören will.“
„Dann müssen wir zuerst ihn loswerden, oder?“, sagte Iro mit dem Anflug eines herausfordernden Grinsens und schlug mit seinem Schweif auf den Boden.
„Dann müssen wir alle zusammenarbeiten!“, sagte Max dann.

Doch sie hatten keine Zeit mehr, sich ausführlich über einen Schlachtplan zu einigen. Der Feind war wieder da und dieses Mal spürte Jimmy regelrecht die kraftvolle Aura des Zorns, der von ihm ausging. Seine Augen glühten wie zwei Unheil verkündende rote Kometen vom Nachthimmel zu ihnen herunter und er stieß einen mächtigen Blizzard gegen sie aus. Es war offensichtlich, dass er versuchte, sie alle auf einmal einzufrieren. Doch Eva hatte sich rasch wieder ihm zugewandt. Sie schien die Schmerzen, die ihren Flügel plagen mussten, zu ignorieren und ließ mit blau leuchtenden Augen ebenso Windböen um sie aufbauen, die sie gegen den Blizzard schickte.
Nie zuvor hatte Jimmy die Wirkung von zwei starken Winden gespürt, die aufeinandertrafen. Doch inmitten der Luft bildete sich ein dichter Wirbel aus Schnee und Eis, der die Sicht auf den Feind verdeckte. Jimmy hatte keine Idee, wie sie gegen einen Feind kämpfen sollten, der sich hoch über ihnen in der Luft befand. Doch Lucy keuchte dann aufgeregt auf: „Ironhard, kannst du mich nach oben schmeißen?“
Erst war nicht nur Iro, sondern auch alle anderen verwirrt. Dann aber schien es dem Impergator zu dämmern und er holte mit seinem Schweif mächtig aus. Als er dann mit diesem einen kräftigen Schwung nach oben tat, sprang Lucy geschickt auf diesen, die beiden Pfoten formten derweil eine blau leuchtende Sphäre.
„Ab dafür!“, rief Iro energisch und schleuderte Lucy in die Höhe. Sofort verschwand sie im Wirbel aus Schnee, so dass sie sich nur vorstellen konnten, was dort drinnen passierte. Dann erklang ein Krachen, das durch den Wirbel zu ihnen widerhallte.
„Sie muss wohl getroffen haben!“, rief Jimmy aufgeregt und erfreut aus. Lucys Körper fiel von oben wieder auf sie herab. Der Wirbel aber brachte sie zum Drehen in der Luft und sie wäre deutlich unangenehm und sicher mit Knochenbrüchen auf dem Boden gelandet, wenn Iro ihren Sturz nicht mit einem Schwall Wasser aus seinem Mund gemildert hätte.
„Danke, Iro!“, sagte Lucy rasch und richtete sich. Sie wandte sich hastig an Eva.
„Meinst du, du kannst schon wieder hoch und ihn an Ort und Stelle halten, wo er sich gerade befindet?“
„Ich gebe mein Bestes, doch ich halte nicht mehr lange aus!“, sagte Eva prompt mit ihrem leuchtenden Augenpaar und hob sich wieder empor auf den Feind zu, woraufhin die Luftschlacht wieder von Neuem begann.
„Du hast doch nicht etwa vor …?“, sagte Max verblüfft, nachdem er Lucy dabei beobachtet hatte, wie sie dem Schneesturm und dem Schweif von Iro berechnende Blicke zuwarf. Sie grinste frech: „Auf die Art kann ich den Abstand verkürzen und ihm Aurasphären verpassen, die ihm schaden.“
„Du missbrauchst mich also tatsächlich als Katapult?“, sagte Iro, doch Jimmy hörte, dass er den strengen Ton nicht wirklich ernst meinte. Lucy warf ihm einen fragenden Blick zu. Als Iro nickte, strahlte sie ihn an.
„Hey, dann will ich aber auch meinen Teil machen!“, rief Pawo aus und robbte auf Iro zu. Lucy aber trat zwischen die beiden. „Es wäre zu gefährlich, da du mit deinem Horn ihn direkt treffen müsstest!“
„Und wenn schon!“, entgegnete Pawo wütend und wollte sich an Lucy vorbeischieben. Doch sie hielt ihn mit sanfter Gewalt zurück.
„Tatsächlich …“, sagte sie vorsichtig, „könnte aber wer anders mir helfen … Jimmy?“

Als sie ihn anblickte, spürte Jimmy, wie ein heißes und schweres Gewicht in seinen Magen fiel.
„Eh … ich?“, sagte er perplex.
„Leute, beeilt euch! Ich glaube, Eva hält es nicht mehr lange aus!“, rief Rose entsetzt auf und sie blickten hoch, gerade als eine eisige Kette Evas anderen Flügel durchbohrte.
„Jimmy, wir müssen es jetzt tun! Es ist keine Zeit, sich den Zweifeln hinzugeben. Das hattest du dir doch vorgenommen, oder?“
Und ohne eine Antwort abzuwarten, nickte sie Iro zu und beide bereiteten sich darauf vor, dass Lucy zu Eva hinauf geschleudert wurde.
„Sie hat recht …“, flüsterte eine andere vertraute Stimme in sein Ohr. „Jetzt stellt sich wirklich für dich die Frage: Kannst du deine Angst für einen Moment vergessen?“

Und als Lucy nach oben geschleudert wurde, fühlte Jimmy, wie eine seltsame Kraft ihn sowohl von hinten anstupste als auch seine Beine erfüllte. Es kam ihm fast wahnsinnig vor, wie auch er Iro mit einem Nicken das Zeichen gab, worauf dieser verdutzt reagierte. Doch fasste er sich schnell wieder, holte aus und Jimmy sprang ebenso auf den Schweif.
Worauf habe ich mich da eingelassen?, fragte er sich in einem Anflug aufkeimender Panik.
Doch nun gab es kein Zurück mehr. Iro schwang seinen Schweif nach oben und Jimmy spürte direkt, wie ihm der Wind ins Gesicht peitschte. Lucys Aurasphäre hatte mittlerweile getroffen, das hatte ein erneutes Krachen und ein erneuter Aufschrei des Feindes verkündet. Und mit einem Mal kamen sowohl Eva, die in Spiralen nach unten segelte, als auch dieser immer näher und näher, sodass Jimmy ihm ein sein gemeines rotglänzendes Augenpaar blicken konnte. Doch kaum, dass er aufhörte an Höhe zuzunehmen, und der Moment gekommen war, spürte er etwas anderes in sich. Eine unbändige Wut hatte Besitz von ihm begriffen. Nachdem, was er in der Höhle des Lawinenbergs von Pawo und den anderen gehört hatte, sah er die Ursache für all das Üble, was die Firntundra heimgesucht hatte, vor sich in der Luft. Ein Antrieb in seinem Inneren wurde in Gang gesetzt, der ihn von innen heraus aufheizte. Und fast zeitgleich holten Jimmy und der Feind Luft und genauso zur selben Zeit spien beide ihre Angriffe aus.

Und dieses Mal legte Jimmy alle Entschlossenheit in diesen einen Flammenwurf, der sich mächtiger als je zuvor entlud. Jimmy hielt die Augen geschlossen, da er sich darauf konzentrieren musste, mit möglichst viel gerechtem Zorn sein Feuer auflodern zu lassen. Das Brausen und Tosen erfüllte seine Ohren und er spürte kaum, wie ihn der Flammenwurf nach hinten warf. Auch hörte er den erschrockenen und dann langgezogenen Aufschrei nicht, den der Feind von sich gab. Erst als Jimmy die Puste ausging, sein Feuer erlosch und er mit dem Rücken voran nach unten fiel, sah er den einstmals perfekt zugeschnittenen Eiskörper des Feindes zur Hälfte geschmolzen zu Boden gleiten. Wo einst dessen rot glühendes Augenpaar zu sehen war, war nur noch ein Spalt im Eis zu sehen.
Erst als zwei grüne Arme ihn in der Luft auffingen, er das schmerzerfüllte Keuchen seines Freundes hörte und dann dessen stolzes Gesicht über ihn sah, wurde Jimmy klar, dass er dem Feind einen mächtigen Schlag verpasst hatte. Endlich brachte Jimmy es über sich, selber über seinen Erfolg schwach zu lächeln.

Doch die Freude hielt nicht lange an. Unter einem „Nicht möglich!“ von Lucy sahen sie, wie der Feind in der Luft schweben blieb und dessen Spalt sich erneut mit jenem rotem Licht füllte. Angst stieg in Jimmy auf, denn er spürte sofort, dass dieses Glühen ihm allein galt.
„DAS! WIRST! DU! BEZAHLEN!“, brach der Feind mit einem derartig verzerrt klingenden Röcheln und Krachen aus, dass Jimmy die Haare zu Berge standen. Auch Max‘ Arme verkrampften sich und beide schrien entsetzt auf, als der Feind wohl zu seiner mächtigsten Attacke ansetzte. Wind, Eis, Schnee sowie dunkle Energie, die aus dem kristallinen Kern des Lawinenbergs herausgesogen wurde sammelten sich um ihn und verdichteten sich zu einer einzigen dunklen Sphäre.
„Wir müssen schnell in Deckung gehen!“, rief Lucy, doch Jimmy fürchtete, dass es dafür zu spät war. Selbst Eva, die deutlich mitgenommen wirkte, schien dem mit ihren Kräften nichts entgegensetzen zu können. War das Ende also gekommen?
Doch dann erklang ein zweifacher Kanonendonner sowie ein zweifaches Rauschen. Vier Lichtstrahlen, zwei in gelblicher und die anderen in jeweils weißer und dunkler Farbe, schossen von unterhalb der Treppe auf die Energiesphäre des Feindes zu. Diese explodierte, als sie sich mit den vier dazukommenden Strahlen verband. Alle hielten sich die Ohren zu und Jimmy glaubte fast, sein Trommelfell würde zerreißen. Ihn selber warf es fast gänzlich vom Gipfel, als die Druckwelle ihn erfasste. Er hörte, wie ihr Feind abermals laut aufschrie, er aber dann schlagartig verstummte.
Als sich dann die Explosion legte, blickten die Erkunder verwirrt nach oben. Vom Feind war keine Spur mehr zu sehen. Von rechts hörten sie, wie drei Gestalten sich nach oben über die Treppe kämpften.
„Was war denn das für einer?“
„Seid ihr alle verletzt?“
„Wir haben wohl ein ziemlich cooles Spektakel verpasst, was?“

Vom Licht der Morgendämmerung angestrahlt, traten Shadow, Emil und Vane breit grinsend auf sie zu.
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