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Mystery Dungeon: Die Legende des Dämons

von Silvers
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
27.11.2020
25.01.2022
54
246.117
2
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16.09.2021 2.225
 
[Einige Momente zuvor]     
„Sicher, dass du nicht zu ihnen stoßen willst, Jimmy?“, fragte Rose mit einem freundlichen Lächeln und blickte den Schimpansen an. Dieser begegnete ihrem Blick, wandte sich aber dann betreten von ihr ab.
„Es ist, wie ich sagte“, sagte Jimmy dann. „Es wäre besser, wenn ich bei euch bleibe. Schließlich wissen wir nicht, ob uns von hinten diese Eisbiester nochmal überraschen werden oder nicht.“
„Nun, da ist was dran“, stimmte Pawo ihm zu, wobei er den Blick ununterbrochen auf den Höhlengang nach unten geheftet hielt. „Die Höhe scheint sich nicht auf die Frequenz auszuwirken, in der diese Mistdinger erscheinen.“

Einen Moment lang schwiegen sie. Eva, die sich auf Roses Schulter zusammengekauert hatte, stieß ein pfeifendes Geräusch aus. Rose und Jimmy sahen sie an, Eva zuckte zusammen und schien sich fast gänzlich in ihren Kokon zurückzuziehen. Anhand eines leichten Bebens vermutete Rose, dass Eva immer noch voller Angst sein musste. Wenn sie nur wüsste, wie sie Eva am ehesten beruhigen könne. Doch was auch immer Rose versuchte, brachte Eva nicht dazu, sich nach draußen auf den Gipfel zu trauen.
„Vielleicht können wir diese Gelegenheit nutzen …“, wandte sich Pawo vom Gang ab und spähte hinüber zu Eva, die seinen Blick nicht erwidern wollte. „Vielleicht magst du uns jetzt mal erzählen, was es mit dir auf sich hat. Ich meine“, und er hob bedeutungsvoll seine Schwanzflosse in die Luft, ehe er mit dieser auf den Boden schlug. Es hallte an den Wänden wider und Rose spürte, wie Eva sich nervös auf ihrer Schulter bewegte.
„Du scheinst tatsächlich sehr viel auf den Kasten zu haben, wie dieses Turtok gesagt hat. Woher kannst du all diese Fähigkeiten?“
„Wie oft denn noch?“, sagte Eva und Rose hörte aus nächster Nahe ihr Unbehagen in der Stimme. „Ich weiß nicht, woher diese Kräfte kommen. Sie sind auf einmal da, und ich kann es mir nicht erklären …“
„Aha …“, erwiderte Pawo und ließ Eva nicht aus den Augen. „Was für ein Pokémon war deine Mutter eigentlich?“
„Jetzt reicht es aber, Pawo!“, fuhr Rose ihn gereizt an. Es machte sie wütend, dass er nicht merkte, wie ungern Eva über dieses Thema sprechen wollte, vor allem nicht über ihre Mutter. Pawo blickte nun Rose finster an: „Stellst du dir nicht dieselbe Frage wie wir?“
Rose warf einen raschen Blick auf Eva, ehe sie antwortete: „Natürlich interessiert es mich, wer die Mutter von Eva ist. Doch wenn sie sich nicht wohl dabei fühlt, sollten wir das respektieren, oder nicht?“
Sie warf einen schnellen Blick, in der Hoffnung, er würde ihr zustimmen. Jimmy druckste und versuchte eine Antwort zu stammeln. Doch bevor er dann etwas sagen konnte, drangen von außen die unverkennbaren Geräusche eines Kampfes. Und dem Rufen nach, das offenbar Lucy zuzuordnen war, hatten sie, Max und Ironhard es mit einem harten Gegner zu tun. Jimmy machte Anstalten, sich zu bewegen, doch hielt er zögerlich inne. Rose blickte ihn verdutzt an: „Willst du ihnen nicht zur Hilfe eilen?“

„Doch …“, entgegnete Jimmy, doch klang er alles andere als zuversichtlich. „Ich habe nur das Gefühl, ich würde eventuell in einen gemeinsamen Angriff reinplatzen oder zur ungewollten Zielscheibe werden … was wenn sie meinetwegen Schaden erleiden?“
Er blickte Rose hilfesuchend an und sie blickte in dessen braunen, nervös zuckenden Augen. Irgendwie fühlte sie seine Anspannung, die offenbar sehr viel tiefer lag, als Jimmy es gerade zeigte. Rose kannte dieses Gefühl zu gut von sich und sie ahnte, dass Jimmy sich nicht gerade zutraute, irgendetwas zu bewirken. Doch sie erinnerte sich, was ihn betraf, an Lucys Worte, dass er ihr Leben gerettet habe. Und auch Rose erinnerte sich dankbar an Vanes Worte, nachdem er sie gerne für die Position der Teamheilerin ihres Erkundungsteams haben wollte. Jimmy zögerte immer noch und Rose warf ihm ein aufmunterndes Lächeln zu: „Ganz gleich, was ihr für einen Streit hattet, du, Max und Ironhard seid bestimmt noch Freunde, oder? Ganz gleich wie, du würdest ihnen auf jeden Fall helfen, wenn du jetzt zu ihnen stoßen würdest?“
Ein lautes "Nein!" drang zu ihnen hinunter und Rose ahnte, dass auf Seiten von Max etwas passiert war. In der Hoffnung, das würde Jimmy endlich dazu motivieren, loszueilen, blickte sie erneut auf den Schimpansen, der einen Moment lang innehielt. Dann endlich lächelte Rose erfreut, als er endlich nach draußen spurtete.

***

„Sollen wir auch langsam los?“, fragte Pawo und Rose sah es ihm an seinen zuckenden Flossen an, dass auch er auf den Kampf brannte. Er wartete auf eine Antwort der immer noch stummen Eva ab, dann aber hatte er wohl genug und er robbte so schnell er konnte auf den Ausgang zu.

„Sie werden es nicht schaffen …“, flüsterte Eva. Rose hielt inne. Ein flaues Gefühl stieg in ihr hoch und sie wandte den Kopf langsam zu Eva. Todernst starrte sie nach vorne, ohne einen Punkt auf der Wand zu fixieren.
„Wie … meinst du …“, versuchte Rose ruhig zu klingen, doch der leere Blick Evas und der ernste Ton ihrer Worte machte sie nervös. Behutsam nahm sie Eva von der Schulter, die sich nicht wehrte, und legte sie vorsichtig auf dem Boden ab. Endlich blickte Eva Rose gerade heraus an: „Sie können sich so viel Mühe geben, wie sie wollen … sie werden es nicht schaffen, den Wächter zu befreien. Dafür ist dieses … dieses Ding zu mächtig geworden in den fünf Jahren …“
„Welches Ding meinst du?“, fragte Rose beklommen. Erschrocken bemerkte sie, dass Eva abermals zitterte und sofort ließ sich Rose, so gut es ihre breiten Beine erlaubten, zu ihr hinunter und nahm sie, im Versuch sie zu beruhigen, in den Arm. Nun fing Eva an zu schluchzen und Rose wusste nicht, was sie tun sollte, außer Eva noch fester in den Arm zu nehmen.
„Ich bin so ein Feigling! Ich habe mich nicht getraut, ihnen … die Wahrheit zu sagen!“, heulte Eva und vergrub das Gesicht in Roses Schulter.

„Welche Wahrheit denn?“, brach es aus Rose hervor, die verzweifelt versuchte, Eva durch das Tätscheln ihres Kopfes zu beruhigen. Es vergingen lange Minuten, bis Eva wieder einigermaßen Luft holen konnte, um ganze Worte wieder hervorzubringen. Mit geröteten Augen und feuchten Wangen löste sie sich von Rose und sah ihr in die Augen: „Seid ich im Schneeschleierforst erwacht bin, habe ich diese … diese seltsame Verbindung … zuerst wusste ich nicht, was das war, dann aber erinnerte ich mich an etwas, was ich kurz vor meinem Einschlafen erlebt habe.“
Sie blickte Rose eine Weile lang an. Die Miltank wusste nicht, was sie sagen sollte, doch sie bedeutete Eva, dass sie ihr zuhörte. Es war nicht leicht, ruhig dabei zu bleiben, denn Rose hörte draußen das Rauschen und Tosen, das nur von Jimmys Feuer kommen musste. Eva holte tief Luft, ehe sie weitererzählte: „Bevor ich zum Einschlafen gebracht wurde, hat der Wächter mit eine Art Gute-Nacht-Kuss gegeben … er und meine Mutter … hatten in der Tat ein besonderes Verhältnis zueinander … der Wächter …“
„Ist dein Vater?“, beendete Rose Evas Ausführungen und diese nickte. Rose blickte sie eine Weile lang verdutzt an, ehe sie ehrfürchtig einen Pfiff ausstieß, doch Eva schüttelte den Kopf: „Ich kann nicht genau sagen, ob er mein tatsächlicher Vater ist … doch er war stets wie einer zu mir und bevor ich von ihm und meiner Mutter zum Einschlafen gebracht wurde, hat er einen Teil seiner Kräfte auf mich übertragen. Seit ich erwacht bin, habe ich immer Einblicke in seinen Geist und er … er stirbt wirklich, Rose … auf die langsamte und qualvollste Art, die man sich vorstellen kann …“
„Er lebt also noch … und wird da oben gefangen gehalten?“, fragte Rose und ihr Herz pochte vor Aufregung fast hörbar in ihrem Hals. Eva nickte, wenn auch deutlich zitternd.
„Dieses Ding, gegen das die anderen gerade kämpfen … es zehrt von den Kräften meines Vaters … und ich weiß immer noch nicht, wie es um meine Mutter steht, es sei denn … dieses Ding …“, und wieder füllten sich Evas Augen mit Tränen, sodass sie wieder ihr Gesicht in Roses Schultern vergrub und heftig schluchzte.
„Wie können wir erwarten, dieses Ding zu besiegen, wenn es meinen Vater mühelos im Schach halten kann …“, heulte Eva und bebte unaufhörlich. Auch Rose war den Tränen nahe, obwohl sie es sich kaum ausmalen konnte, was Eva fühlen musste, gerade dann, wenn sie Einblicke in den offenbar gequälten Geist ihres Vaters hatte.
„Wie können wir von gewöhnlichen Pokémon erwarten, dass sie dieses Ding schlagen können?“

Rose wusste keine Antwort darauf. Sie nahm Eva fest in die Arme und unterdrückte es dabei, selber in Tränen auszubrechen. Noch nie hatte Rose so eine Hoffnungslosigkeit gespürt, die sie zu umschlingen drohte. Und sie gab Eva Recht, dass gewöhnliche Pokémon nicht in der Lage waren, eine solche Situation zu meistern. Dann aber dämmerte es Rose. Sie kannte Eva nicht so gut, und Eva kannte sie genauso wenig. Doch wenn sie es könnte …
„Das Team Mystery …. Also Max, Jimmy und Ironhard …“, begann Rose langsam und versuchte mit sanfter Gewalt, Eva von ihrer Schulter zu lösen, um ihr ins Gesicht zu blicken. „Du kennst es nicht so, wie ich es kenne …“
„Gewiss sind sie vermutlich stark“, entgegnete Eva mit tränenden Augen, „doch sind sie nachwievor gewöhnliche Pokémon, oder?“
Rose aber schaffte es, wieder schwach zu lächeln, und schüttelte den Kopf: „Das mag sein, doch sie haben als Erkundungsteam wahrhaft Großes geleistet. In den letzten vier bis fünf Jahren haben sie zweimal die Welt vor einer Katastrophe bewahrt, was in allen Zeitungen berichtet wurde.“
„Sie … haben sie das?“, würgte Eva unter Schluchzen hervor und blickte Rose mit großen feuchten Augen. Rose nickte, vielleicht etwas zu kräftig, denn ihr Hals knackte laut. Doch sie lachte bei dem Gedanken, dass sie überhaupt an dem Team Mystery gezweifelt hatte: „Max und Jimmy waren nicht mal auf dem mächtigen Stand wie heute und trotzdem haben sie es vollbracht, den Plan eines bösen Pokémons gleich zweimal durchzukreuzen. Dabei haben sie es selbst mit Gottheiten zu tun gehabt, gegen die die beiden kämpfen mussten.“
Rose lächelte, als sie dem ungläubigen Blick Evas begegnete
„Du lügst doch …“, sagte die Raupe mit flackernden Augen und suchte Roses Gesicht auf das Anzeichen einer Lüge ab.
„Wäre Shadow hier, würde ich mir von ihm eine Zeitung geben lassen, die von den Taten des Team Mystery berichtet. Die Chancen stehen daher gut, dass sie – jetzt wo auch Jimmy zu ihnen gestoßen ist -, diesen Kampf auf irgendeine Art und Weise bestreiten werden. Und wir haben schon Lucy in Aktion gesehen, was uns alle beeindruckt haben mag, oder? Und wenn du, ich und Pawo es schaffen, können wir einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Erkunder vielleicht nicht unbeschadet, aber lebend aus diesem Kampf herausgehen können. Und dann werden wir in der Lage sein, auch deinen Vater zu befreien!“

Rose blickte Eva an und erleichtert spürte sie, dass ihr Lächeln ein aufrichtiges war. Sie glaubte selber an diese Worte und auch Eva schien dies zu bemerken. Doch ließ sie den Kopf hängen.
„Ich weiß nicht, ob es längst zu spät ist … ob wir überhaupt noch was bewirken können …“
„Sieh mal, ich kann gerade nur aus meiner Erfahrung berichten“, sagte Rose und richtete sich auf. Sie streckte sich und blickte dann Eva zuversichtlich in die Augen: „Ich habe mir bis vor wenigen Wochen nicht viel … eigentlich gar nichts zugetraut. Ich bin zu fett, ich bin recht unbeweglich, kämpferisch bin ich eine Null … trotzdem haben gewisse Pokémon meine Talente als Heilerin anerkannt und meine Persönlichkeit so akzeptiert, wie sie ist. Ich muss also nicht so stark wie zum Beispiel Vane oder Ironhard, so ruhig und bemessen wie Emil oder Max oder so lebhaft wie Shadow und Jimmy sein. Ich kann meinen Beitrag leisten, von dem die anderen profitieren können. Und auch wenn es eher unwahrscheinlich aussehen mag, so will ich es dennoch versucht zu haben. Denn …“
Mit diesen Worten hob sie Eva vom Boden auf, die verdutzt Rose dabei beobachtete, wie diese sie auf ihre Schulter wieder absetzte.
„Denn es gibt so ein Sprichwort: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und wir alle könnten deine Hilfe gebrauchen, sowohl deinen Vater als auch die ganze Tundra zu befreien. Und mit etwas Glück sehen wir auch deine Mutter, Eva! Du musst nur daran glauben, und wenn du dich immer noch nicht trauen solltest, dann werden wir dir alle keinen Vorwurf machen. Ich für meinen Teil aber werde mein Bestes tun und den anderen zur Hilfe eilen!“

Sie wandte sich um und stieg auch nun endlich den Höhlengang hinauf. Eva blickte sie lange an, bis sie wieder dann zu weinen begann. Das hatte Rose nicht erhofft. Sie hatte gehofft, Eva damit zumindest zu beruhigen, doch nun schien dies fürchterlich nach hinten loszugehen. Doch dann spürte sie, wie Eva ihren Kopf an den von Rose heranschmiegte und dann lange Seufzer von sich gab.

„Danke, Rose … danke … Mama …“, flüsterte Eva. Rose hielt inne und kämpfte mit den Tränen. Sie schmiegte auch ihren Kopf nun an Eva und beide verharrten eine Weile lang so. Dann spürte Rose eine seltsame und doch angenehme Wärme von Eva ausgehen und als sie ihren Kopf zu ihr wandte, leuchtete Eva in einem hellen Licht auf, das sie gänzlich umgab. Es war ein weißes Licht, das wie ein glühendes Feuer voller Energie war. Und aus diesem Licht hörte sie Evas Stimme, die auf einmal reifer und erwachsener als zuvor klang: „Helfen wir den anderen! Retten wir meinen Vater und die Firntundra!“
Stolz, wie sich eine Mutter fühlen musste, nickte Rose und mit dem Licht auf den Schultern spurtete sie nach außen.
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