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Mystery Dungeon: Die Legende des Dämons

von Silvers
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
27.11.2020
25.01.2022
54
246.117
2
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Dieses Kapitel
1 Review
 
20.08.2021 3.113
 
Es war an einem morgendlichen Sonnenaufgang gewesen, als Jimmy und Max sich überlegt hatten, ob ihre Existenz unerwünscht war. Darkrai, in seiner Verkleidung als Cresselia, hatte sie beinahe dazu gebracht, sich und ihr Leben zum vermeintlichen Wohle der Welt abzuschreiben. Jimmy erinnerte sich schmerzlich, wie schlecht er sich gefühlt hatte. Zum einen, als er auf die List Darkrais hereingefallen war und sich tatsächlich als verbotene Existenz betrachtet hatte, und zum anderen, dass er dies von sich und Max je gedacht hatte. Fast hätte er angesichts von Darkrais Lüge aufgegeben und diese Erinnerung war es, die ihn bis heute noch beschäftigte. Doch eine Sache hatte ihn davon abgehalten, sich gänzlich de Verzweiflung hinzugeben. Die Erinnerung an Reptain, der ihm einst eine wichtige Frage gestellt hatte, die sich in Jimmys Seele eingebrannt hatte: „Was hat dich angetrieben?  Wie hast du es geschafft? Wie konntest du so stark bleiben?“
In einer nahezu aussichtslosen Situation, die sich in der Dunklen Zukunft ereignet hatte, war Jimmy als einziger in der Lage gewesen, Zuversicht zu finden. Er hatte als einziger nicht aufgegeben. Er hatte Reptain gegenüber etwas gebraucht, um den Grund für diese Zuversicht zu finden. Doch letztlich hatte er sie gefunden. Es war Max gewesen, der Jimmy Kraft gegeben hatte. Jimmy hatte sich gefühlt, dass er mit Max alles schaffen und erreichen könnte, sofern sie dies zusammen taten. Wie Reptain es dann einige Zeit im Verborgenen Land bemerkt hatte: Er und Max waren das beste Gespann, dass es je geben würde. Und als dann Darkrais Lüge sie beide beinahe zur Verzweiflung getrieben hatte, hatte Jimmy dieses Gefühl beinahe vergessen. Doch durch Max dann war er wieder in der Lage gewesen, nicht aufzugeben. Und das war auch die gute Entscheidung gewesen: Darkrais Plan wurde aufgedeckt, seine Lüge durchschaut und er selber wurde, ohne Erinnerung, in eine unbestimmte Zeit verbannt. Wo auch immer Darkrai war, er hatte es verdient, ohne Erinnerung an sein früheres Leben umherzuirren. Und hoffentlich nutzte er dann die Chance, seine Kräfte für Gutes zu entwickeln, auch wenn dies vielleicht unwahrscheinlich war. Und was Jimmy betraf: So gut und selbstsicher hatte er sich noch nie zuvor gefühlt. Die Welt war ins Lot gerückt und er und Max waren nicht mehr zu trennen gewesen.
Zumindest war das der Fall, was Einflüsse von außen betraf. Denn letzten Endes hatten Jimmy und Max sich getrennt. Und es war Jimmys alleinige Schuld. So einig sie gegen Darkrai und andere Finsterlinge gekämpft hatten, umso schmerzhafter kam ihm die Erkenntnis, dass seine eigenen Zweifel die Trennung herbeigeführt hatten. Was konnte Jimmy alleine schon bewirken, wenn Max nicht da war? Jimmy brauchte Max an seiner Seite, um sich tapfer zu fühlen, doch war dies bei ihm auch der Fall? Oder war Max in der Lage, auch alleine mutig genug zu sein, um sich Gefahren in den Weg zu stellen? Gewiss half es, dass er sich dabei zu einem Reptain entwickelt hatte. Max könnte die Trennung jedenfalls besser einstecken als Jimmy. Er brauchte nicht Jimmy an seiner Seite. Und was dann Iro betraf, so war sich Jimmy definitiv sicher, dass er ganz gut ohne sie auskommen würde.
Nein, die beiden traf keine Schuld, das wurde Jimmy klar. Es war seine Entscheidung, sich schlecht gegenüber ihren körperlichen Fortschritten zu fühlen, während er sich zurückgeblieben vorkam. Es war seine Entscheidung, darüber einen Groll zu hegen und sich selbst deswegen fertig zu machen. Und es war seine Entscheidung, alles, was an guten Dingen zuvor passiert war, zu vergessen und nur die schlechten eigenen Gefühle in den Vordergrund zu stellen. Er selber hatte die Trennung herbeigeführt, was sich als vermutlich unentschuldbarer Fehler erweisen sollte.

Jimmy spürte nur am Rande, wie sich sein Körper bewegte. Er wusste nicht einmal, ob er träumte oder gar schlief. Erst, als eine weiche samtene Pfote sein Gesicht mit einem Tuch abtupfte, schreckte er mit einem Aufschrei hoch. Für einen Moment vergaß er, wo er sich befand. Rasch blickte er sich um und sah in das blasse Gesicht einer Lucario, die ihn mit größter Sorge anblickte. Dann strömten die Erinnerungen an die Momente zuvor ein.
„Lucy!“, rief Jimmy aus und wollte sich aufrichten. Ihm brannten gerade soviele Fragen auf der Zunge, weswegen er nicht ruhig liegen konnte, doch Lucy hielt ihn sanft am Boden.
„Es geht mir gut … besser jedenfalls als zuvor …“, sagte sie langsam. Ihre Pfote verkrampfte sich auf seinen Schultern und Jimmy erkannte, dass ihr Tränen ins Gesicht standen.

„Das hast du … wirklich gut gemacht, Jimmy!“, sagte Lucy dankbar, beugte sich nach vorne und nahm Jimmy fest an den Arm. Perplex erstarrte Jimmy und gerade als er zögerlich die Umarmung erwidern wollte, löste sich Lucy von ihm. Sofort fiel sein Blick auf jene Stelle, die er zuvor mit seinem Flammenwurf bearbeitet hatte. Eine einheitlich rötlich glänzende Oberfläche zog sich von ihrer Hüfte bis zur Mitte ihres rechten Oberschenkels. Obwohl sie Jimmy einen Schauer über den Rücken jagte, sah sie aber wesentlich sauberer und geheilter aus als zuvor, als sich noch Eis über diese gezogen hatte. Jimmy wusste nicht recht, was er über diese sagen sollte. Doch Lucy schüttelte den Kopf, ließ eine blaue schimmernde Pfote über sie fahren fahren und lächelte sanft.
„Es muss noch etwas heilen … und selbst dann wird das Auftreten eine Weile schmerzhaft sein. Es ist aber zumindest besser als das Bein zu verlieren geschweige zu sterben …“
Sie lächelte Jimmy sanft zu, dann aber legte sie wieder sorgenvoll ihre Stirn in Falten: „Du siehst nicht gut aus Jimmy, du bist leichenblass …“
Sie stockte und Jimmy glaubte zu wissen, was ihr auf der Zunge lag. Wenn sie vor ihm erwacht war, hatte sie auch gesehen, dass er ohnmächtig geworden war. Noch dazu hatte sie ihn wahrscheinlich auf dem Boden zurecht gelegt. Jimmy überlegte eine Weile, was er sagen sollte. Dann aber fand er die Worte: „Ich bin froh, dass ich daran gedacht und es noch geschafft habe, dir die Fragia-Essenz aufzutragen, denn … in meinem Kopf stürmte es …“
„Das heißt …?“, fragte Lucy vorsichtig und Jimmy blickte ihr in die Augen. Aus irgendeinem Grund lächelte er, auch wenn es gequält war: „Ich habe mich erinnert, Lucy.“

Weil Lucy sich offensichtlich für ihn freute, dass seine Erinnerungen zurückgekehrt waren, wollte Jimmy ihr von diesen berichten. Doch dann erdrückte ihn der Gedanke, all das noch einmal ihr gegenüber aufzubereiten, was er während des Flammenwurfs und auch vor seinem Aufwachen gedacht hatte. Sie sah es ihm an, dass ihn etwas bedrückte, denn ihre Miene wurde ernster, sagte aber kein Wort. Sie wartete offenbar darauf, ob sich Jimmy ihr öffneb würde. Und weil er in dem Moment fühlte, dass er irgendeiner Seele sich anvertrauen musste, fasste Jimmy eine große Portion Mut und erzählte ihr von seiner Vergangenheit und den vorherigen Erlebnissen.
Sie war eine sehr gute Zuhörerin, mit aufmerksamer Miene nickte sie verständnisvoll und reagierte nicht auf seine Erzählung. Jimmy fühlte sich so gut bei ihr aufgehoben, dass er auch von dem eigentlichen Grund erzählte, weswegen er, Max und Iro zum Lawinenberg aufgebrochen waren. Ihre Miene verdüsterte sich zwar, als er vom Dämon Kyurem sprach, doch fasste sie schnell wieder Haltung. Und als er von den Umständen berichtete, unter denen sich Jimmy von Max und Iro getrennt hatte, lag ein mitfühlendes Funkeln in ihren Augen. Als Jimmy geendet hatte, vergingen die Minuten, ohne dass einer von den beiden ein Wort sprach.

„Wie fühlst du dich momentan damit, Jimmy?“, sagte dann Lucy in ruhigem Ton. Er starrte sie an und sie lächelte sanft.
„Hast du keine Anmerkung zu der Art und Weise, wie ich mich von Max und Iro getrennt habe?“, sagte Jimmy überrascht.
„Ich mache mir schon meine Gedanken, doch viel mehr interessiert es mich gerade, wie du darüber fühlst“, entgegnete Lucy. Jimmy fuhr sich mit seinen Händen über sein Kopffell und griff so fest rein, dass es beim Loslassen zerzaust war.
„Du kannst dir doch denken, wie ich mich fühle, oder?“, rief Jimmy bitter aus. „Ich habe aus … aus … nichtigen Gründen von meinen zwei besten Freunden getrennt! Wie, glaubst du, fühle ich mich denn?“
„Weißt du es? Denn offenbar fühlst du allerlei dabei“, sagte Lucy ruhig. Jimmy wusste nicht, ob er jetzt über ihre gänzliche neutrale Art oder über sich wütend war. Jedenfalls konnte er nicht mehr ruhig sitzenbleiben und dieses Mal ließ Lucy ihn gewähren. Mehrmals tigerte er vor ihr hin und her und versuchte im schwachen Licht des Leuchtorbs seine Gedanken zu ordnen, doch immer entfachte sich ein Sturm in seinem Herzen.
„Ich war dermaßen ein Idiot!“, rief Jimmy dann laut aus, doch Lucy blieb gelassen. Offenbar rechnete sie damit, dass er lauter wurde. „Es ist so bescheuert, wenn man es aus diesem Blickwinkel betrachtet: Man fühlt sich schlecht, weil man der kleinste aus der Gruppe ist?“
„Offenbar macht es dir was aus …“, sagte Lucy tonlos. Jimmy schüttelte den Kopf: „An sich ist es mir egal, vorher hat es mich nicht gestört. Aber seit Max und Iro sich entwickelt haben und ich nicht … irgendwie …“.
Er versuchte die Worte zu finden, doch weil seine Gedanken so schnell rasten, dass er sie nicht direkt fassen konnte, fand er sie auch nicht. Es überkam ihn wie ein Impuls und mit einem Seitenblick auf Lucy drehte er sich um und machte seiner angestauten Wut freien Lauf. Sein Flammenstoß füllte die Höhle mit wärmenden hellen Licht und klang an sich ohrenbetäubend. Doch Jimmy und Lucy kümmerten sich nicht drum. Jimmy tat es gut, die Wärme im Mund und im Körper zu spüren, die er lange hatte zurückhalten müssen. Dann dachte er an Viridium und wie sie ihn zischend ermahnt hatte, sein Feuer nicht im Geheimnisdschungel anzuwenden. Und er dachte an die erste Begegnung mit ihr im Apfelwald, wie Cephal sie frech grinsend dazu überredet hatte, sowohl Max, Iro als auch ihn mitzunehmen. Und dann dachte er an Cephals aufgeregtes Grinsen, als er Max zu seinem Erzrivalen ernannt hatte. Bei Max und Iro hatte das Knarksel keine Probleme, Stärken zu erkennen. Doch bei Jimmy hatte er zweimal schauen müssen.

„Es ist … ein mieses Gefühl …“, sagte Jimmy dann langsam und mied es erstmal, Lucy in die Augen zu blicken. Dann tat er es doch und er war froh, dass sie ihm nachwievor zuhörte. Verlegenheit mischte sich zu seinen Gefühlen dazu und zögerlich fuhr er fort: „Es ist ein mieses Gefühl … nicht wie andere beachtet und wahrgenommen zu werden … nur weil ich mich bewusst weigere, mich zu entwickeln?“
Lucy sagte nichts. Sie schien erst nachzudenken, bevor sie antwortete: „Hat man dich je ignoriert oder gab es nicht doch Anerkennung für das, was du erreicht hast?“
„Nun …“, sagte Jimmy und mit einem Male, als wären sie immer da gewesen, nur versteckt, fielen ihm jene Momente ein, in denen er durchaus Wichtiges beigetragen hatte: Er hatte mit Chuck den Plan ausgearbeitet, wie sie Max von der Kontrolle des Waldschrates befreien konnten. Er hatte mit Hilfe von Cephal das Skaraborn Herakles endgültig besiegen können. Und auch wenn er eher die Ablenkung gewesen war, so war es doch auch irgendwie ihm zu verdanken gewesen, dass Shadow festgenommen wurde. Dieses Gengar ...
Hatte Shadow die Wahrheit gesagt, als er Jimmy und Lucy in der Schädelwüste begegnet war? Er konnte es sich nicht vorstellen, dass er gerade Jimmy bis in die Wüste gefolgt war und dass Max und Iro etwas mit ihm zu tun hätten. Doch vielmehr beunruhigte ihn der Gedanke, dass in der Wüste ihre Namen nicht seine Erinnerung erweckt hatten. Jimmy schämte sich fast schon, dass er sich nicht früher an seine Freunde erinnert hatte.

Er sackte auf den Boden und blickte ins Leere. Lucy blickte ihn eine Weile an, ehe sie dann die Augen schloss. Jimmy beobachte sie nun eine Weile dabei, wie sie etwas zu erspüren wollen schien.
„Du bist ziemlich durch den Wind, nicht wahr?“, sagte sie, ohne die Augen zu öffnen. Dennoch fühlte sich Jimmy, als würde sie ihn durchleuchten. Weil er jetzt lange genug mit ihr unterwegs war, wusste er, dass sie die Aura an ihn aufwandte.
„Verzeih bitte … ich wollte nur verstehen …“, sagte Lucy dann schuldbewusst und das Gefühl des Durchleuchtens hörte auf. Fast aber schon wünschte sich Jimmy, sie würde weitermachen. Es tat gut, wenn jemand genau wusste und auch vielleicht nachvollziehen konnte, wie er sich fühlte.
Eine Weile saßen beide dort, wo sie waren, und schwiegen sich an. Dann, sie tat es aber zögerlich, suchte Lucy Jimmys Blick. Erst nach einigen Momenten erwiderte er diesen.
„Was willst du tun? Willst du umkehren und deine Freunde in der Wüste suchen?“

Jimmy war der Gedanke auch schon gekommen. Gewiss juckte es ihn, Max und Iro zu suchen, um sich bei ihnen entschuldigen. Doch würden sie ihm vergeben. Er selber würde es wahrscheinlich nicht tun. Er merkte kaum, wie sein Blick verschwamm und Tränen seine Wange hinunterliefen.
„Ich habe mich derartig schrecklich ihnen gegenüber verhalten und gemeine Dinge gesagt …“, sagte er mit gebrochener Stimme. Er zitterte am ganzen Körper, sein Herz raste und sein Atem wurde schwerer.
„Ich könnte es verstehen, wenn sie mir nie wieder verzeihen würden!“
„Kannst du es?“, fragte Lucy ernst. Er blickte sie mit aufquellenden Augen an: „Was?“
„Kannst du dir vergeben?“, wiederholte Lucy tonlos ihre Frage.
Jimmy verstand nicht, worauf sie hinauswollte. Spielte es eine Rolle, ob er sich selbst vergab? Schließlich mussten Max und Iro ihm seinen Ausbruch verzeihen. Doch für Lucy spielte es offenbar eine Rolle, denn sie richtete sich auf und trat an Jimmy heran. Er dachte zuerst, dass sie ihn von oben herab anschreien würde, doch sie ließ sich dicht vor ihm wieder nieder und fasste ihn mit beiden Pfoten an seinen Schultern.
„Es ist wichtiger, dass du dir verzeihst! Generell ist es von essentieller Bedeutung, was du von dir hältst! Wenn du auf die Anerkennung anderer angewiesen bist, ohne aber dich selber als derjenige wertzuschätzen, der du bist, wirst du recht lange damit unglücklich sein! Ich kenne viele Pokémon, denen es ähnlich ergangen ist, und sie alle fühlten sich häufiger schlecht und unzufrieden als gut. Auch ich war einst mal so, bis ich gelernt habe, auf mich zu achten und mich so zu schätzen wie ich bin. Denn selbst wenn dann dich alle hassen und dich meiden würden, so hast du immer noch einen Gefährten der zu dir halt: Nämlich du selbst!“

Sie blickte ihn mit einem Ausdruck von grimmiger Bestimmtheit an. Ihre Worte hallten in Jimmys Ohren nach.
„Du meinst also, ich denke zu sehr schlecht von mir?“, sagte Jimmy zaghaft, obwohl er sich der Antwort sicher war. Lucy blinzelte. Sie löste ihren Griff von Jimmy und ließ sich etwas nach hinten fallen: „Dass du überhaupt schlecht von dir denkst, finde ich bestürzend. Du bist so ein wundervolles und hilfsbereites Pokémon … wie kannst du überhaupt dabei denken, dass du irgendwem eine Last bist?“
„Aber … wenn jemand Stärkeres …“, wollte Jimmy einwenden, doch Lucy winkte ab: „Tut mir leid, wenn das was überheblich klingen sollte, doch ich gehe davon aus, dass ich dir in Sachen Macht durch die Aura recht überlegen bin, oder?“
„Absolut!“, bestätigte Jimmy. Lucy lächelte schief, als würde sie dies nicht so toll finden.
„Und dennoch“, sagte sie dann langsam aber mit Gewicht, „wäre ich trotz dieser Macht beinahe gestorben. Und wer hat mich letztlich gerettet?“
„Du musst aber zugeben, dass du nur wegen mir …“
„Wer hat mich letztlich gerettet, Jimmy?!“, sagte Lucy dann mit so einem Nachdruck, dass dieser zusammenzuckte. Grimmig blickte sie ihn an und er starrte perplex zurück. Dann antwortete er ganz langsam und zaghaft: „Ich …“
„Wie bitte?“, fragte Lucy laut.
„Ich!“, sagte Jimmy etwas bestimmter.
„Und wie konnte das sein?“, fragte Lucy wiederrum laut. Er blickte sie an und auf einmal spürte er eine Art kleines Flämmchen in sich brennen. Lucy sah ihn herausfordernd und wiederholte ihre Frage: „Wie konnte es sein, dass du mich gerettet hast!“
„Weil …“, sagte Jimmy, doch er zögerte. Lucy aber ließ es dieses Mal nicht zu, dass er innehielt und drängte ihn mit einer unwirschen Handbewegung zur Antwort.
„Weil ich Kräfte besitze, die du nicht hast, und die waren es?“
Lucys Blick verengte sich. Von ihr strömte die Aura nun derartig aus, dass Jimmy sie über jedes Haar auf seinem Körper gleiten ließ. Lucy testete ihn darauf, ob er dieser standhalten könnte. Und er musste sich bestimmt gegen diese stemmen, um nicht einzuknicken.
„Sag es noch einmal, Jimmy!“, forderte ihn Lucy auf und sie erhob sich. Auch Jimmy stand und obwohl ein Größenunterschied zwischen ihen lag, fühlte er sich mehr und mehr auf einer Augenhöhe mit ihr. Auf einmal füllte sowohl Kraft als auch mehr Luft als zuvor seine Lunge und dieses Mal rief er es derartig laut aus, dass selbst seine Hinternflamme wild aufloderte: „Ich verfüge über meine eigene Kräfte! Und diese können anderen eine Hilfe sein!“
Er spürte, wie er sich fast in Rage redete und er schrie es hinaus, während Lucy begeistert und stolz lächelnd ihn anfeuerte: „ICH BIN SO GUT WIE ICH BIN! UND ICH HABE KEINEN GRUND, MIR DAS SCHLECHT ZU REDEN!“

Beide blickten sich an. Jimmy atmete schwer, bestürzt darüber, dass er geschrien hat. Dennoch erfüllte ihn ein ungewohnter Stolz seine Brust. Dieser aber ließ sofort nach. Wie Luft aus einem Ballon entwich er aus Jimmy und sein zuvor aufgeregtes Lächeln zerfiel. Sofort, als hätten sich Schleusen in seinen Augen geöffnet, fielen dicke Tränen über Jimmys Gesicht.
„Ich wünschte … ich könnte mir auch dann selber glauben …“, war sein bitteres Geständnis.

Da lag sie offen, die Wurzel aller schlechten Gefühle. Doch er war nicht imstande, sie zu packen und herauszureißen. Nachwievor also war er schwach.
Als sein Körper zu beben anfing, spürte er zwei Pfoten auf seinen Schultern ruhen. Er blickte hinauf in Lucys freundliches Gesicht, welches durch die Tränen verschwommen wahrzunehmen war.
„Ich schäme mich so richtig dafür …“, brach es aus Jimmy heraus und er schlotterte fast schon. Lucy festigte ihren Griff auf Jimmys Schultern und sie schüttelte den Kopf.
„Dafür brauchst du dich nicht zu schämen … erst, wenn du dich entschließt, dich dem vollkommen hinzugeben, obwohl du es nun besser weißt … doch ich bin mir bei einer Sache sicher“, und sie hob Jimmys Kopf, um in sein aufquellendes Gesicht zu sehen.
„Du hast die Fähigkeit und die Kraft dazu, deinen Schatten zu überwinden! Denn du bist wirklich ein besonderes Pokémon, Jimmy!“

Jimmy ballte die Fäuste. Er wollte es so sehr für sich behalten. Doch der Damm brach endgültig. Jimmy ließ sich nach vorne in Lucys Brust fallen und legte seine beiden Fäuste neben seinem Kopf. Und er fing derartig an zu schluchzen, dass es an den Wänden widerhallte. Und als dann Lucy ihn fest in den Arm nahm und sie beide in dieser Position verharrten, ließ Jimmy alle Hemmungen von sich fallen und heulte wie er es seit seiner Kindheit nicht mehr getan hatte. Er spürte, dass er diese Last, die er seit so langer Zeit mit sich trug, fallen lassen musste. Auch wenn dies eine unerträgliche, fast zerstörerische Leistung darstellte.
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