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Mystery Dungeon: Die Legende des Dämons

von Silvers
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
27.11.2020
25.01.2022
54
246.117
2
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13.05.2021 2.088
 
Kaum hatte Rose den Nieser von sich gegeben, rauschte es über den Pokémon und ein Schauer von Schnee fiel von den Ästen der Bäume, die ihren schmalen Pfad flankierten, auf sie herab. Max spürte, wie eiskalt der Schnee auf seinen Kopf und auf seinen Schultern einwirkte. Max schüttelte das meiste wieder ab.
Belustigt sah er, wie die anderen zunächst kleine Schneehügel wie weiße Hüte auf ihren Köpfen trugen, ehe auch sie sich schüttelten. Vane und Shadow schien dies sehr zu amüsieren und sie lachten laut auf. Kaum, dass sie ihren Fehler bemerkt hatten, fielen weitere Schneeschauer von höher gelegenen Ästen auf sie herab. Kurz darauf fanden sie ihre Füße im Schnee vergraben vor. Abermals lachten Vane und Shadow und und auch Max und Iro konnten sich das Grinsen nicht verkneifen.     
„Jetzt hört aber mal auf, bevor wir gänzlich begraben werden!“, sagte Rose im Versuch streng zu klingen, doch sie hatte es schwer, ihr Grinsen zu verkneifen. Emil blickte aufmerksam nach oben die dunkelgrünen und weiß punktierten Baumkronen.     
„Ganz schön empfindlich … Rose hat vielleicht Recht …“, murmelte er langsam und sein Blick wanderte weiter nach vorne in die Richtung des Waldes, den sie alle noch zu begehen hatten. Obwohl nicht viel an hellgrauem Himmel durch die Walddecke zu erkennen war, so half der Schnee, der sich sowohl auf dem Boden, an den Baumstämmen und auf den Zweigen häufte, dabei, dass der Weg relativ klar zu erkennen. Die Konturen von Buschwerk und Vertiefungen hoben sich gerade noch so vom weichen Pfad ab, der ins fast unendliche Weiß des Waldes führte. Ein Ende oder ein Auflichten des Waldes war nicht zu erkennen, so stapften sie weiter durch den Schnee, wobei Vane und Shadow immer noch drucksten vor Lachen.

Sie fragten sich, was sie noch erwarten mochte. An der Stelle konnten sie nur mutmaßen, da sie wahrscheinlich die Ersten nach sehr langer Zeit, wenn überhaupt, waren, die den Anfang der Firntundra betreten hatten. Max erinnerte sich an die Male, wo er mit Jimmy in die südlichen Polarkreise aufgebrochen war, um den Erkunder namens Scherox zu retten. Auf der Blizzardinsel angekommen hatten sie sich durch ein dichtes Schneetreiben kämpfen müssen, ehe sie in der darauffolgenden Gletscherhöhle relativ sicher waren. Bis sie es mit einem Eis- und Geist-Pokémon zu tun gehabt hatten. Unter der Maske eines freundlichen Gastgebers hatte dieser Geist ihn und Jimmy zu einer Eisskulptur einfrieren wollen, doch glücklicherweise war Jimmys Feuer in der Lage gewesen, sie davor zu bewahren. Auch das Scherox hatten sie letztlich befreien und von der Blizzardinsel fliehen können. Nie hatten sie dabei den Namen von diesem Erkunder erfahren, doch er hatte ihnen versprochen, dass er sich irgendwann dafür erkenntlich zeigen würde. Er hatte auch davon geredet, ein Ehrenmitglied des Erkunderverbandes gewesen zu sein. Nur war der Verband zu diesem Zeitpunkt aufgelöst gewesen, wie Plaudagei ihnen erzählt hatte. Der Verband war die erst Organisation, die das Erkunderwesen koordiniert hatte. Nun aber übernahm ein Parlament der Regierung die Regelung von Erkunder- und Gildenaktivitäten, während der Verband gänzlich in diesem verschwunden war. Seither hatten sie das Scherox nicht mehr gesehen und Max fragte sich in dem Moment, was aus ihm geworden war. Doch die Erinnerung an dieses Abenteuer mit Jimmy schmerzte ihn und er besann sich darauf, seine Aufmerksamkeit wieder dem vor sich zu widmen.

Ihre Stimmen hallten leise von den Bäumen wieder und eine Stille umgab sie, die nur von dem Knirschen ihrer Schritte auf dem Schnee und ihren leisen Gesprächen unterbrochen wurde. Hin und wieder fiel, wenn sie näherkamen, Schnee von den Ästen entweder auf den Weg oder auf sie, doch lässig konnten sie ihn dann wieder abschütteln. Ein schweres näherkommendes Schlurfen hinter ihm verriet Max, dass Iro zu ihm aufschloss, sodass er etwas dicht neben Max ging.     
„Und?“, fragte der Alligator ihn. Max runzelte verwirrt die Stirn.     
„Was sagst du zu unseren Verbündeten?“, fragte Iro neugierig. Max drehte sich leicht um und sah den vier Pokémon dabei zu, wie sie einander Schnee zuwarfen und dabei freudige Mienen zogen. Ein schwaches Lächeln fuhr über Max‘ Lippen und Iro lächelte bei diesem Anblick.
„Sie haben uns bisher sehr geholfen, nicht wahr?“, fragte Iro abermals. Max spürte, worauf sein Freund hinauswollte. Abermals warf er einen kurzen Blick nach hinten. Als Rose dann diesen erwiderte, blickte er verlegen nach vorne.

Ohne das Team Sternenjäger wären sie tatsächlich aufgeschmissen gewesen und in der Wüste umgekommen. Doch Max konnte nicht vergessen, dass Shadow und Emil nachwievor gesuchte Verbrecher waren. Zwar fasste er mittlerweile etwas mehr Vertrauen zu ihnen, doch ganz könnte er es nicht, zumal ihm das Gespräch mit Emil nicht aus der Erinnerung verschwunden war. Was hatte er gemeint, dass Max sich immer für das Schlimmste bereit halten sollte?

„Wer ist da?!“, schallte Emils Ruf durch die Luft wie ein Peitschenschlag und alle zuckten zusammen und wandten sich ihm um. Doch er hatte seinen Anblick angespannt und konzentriert auf einen Punkt hinter den Bäumen gerichtet und seine Kanonen waren geradewegs auf diesen gerichtet.
„Zeig dich!“
Sie wandten ihre Blicke um und versuchten, etwas durch die Bäume erspähen zu können. Doch außer schneeweißen Ästen, wo bei einigen in der Ferne der Schnee herabfiel, war nichts zu erkennen. Dann schob sich Emil durch das Gebüsch und verließ den Pfad, Vane und Shadow blickten ihm verdutzt hinterher, bis sie ihm nachsetzten. Rose blieb als Einzige des Teams zurück und wechselte unsichere Blicke mit dem Team Mystery. Und als sie gerade beschlossen hatte, auch zu ihren Kollegen aufzuschließen, kamen diese wieder langsam zu ihnen zurück gestapft. Von allen rieselte der Schnee von Kopf und Schultern.     
„Habt ihr was gefunden?“, erkundigte sich Max angespannt.  Er ahnte, dass Emil sich seines Eindruckes sicher war und dass etwas sie alle durch die Äste hindurch beobachtet haben musste. Bevor Emil antworten konnte, wollte er es versuchen, etwas zu erspähen, doch da schüttelte das Turtok schon mit dem Kopf: „Als wir an der Stelle ankamen, wo ich etwas vermutet hatte, war nichts zu sehen. Und der Schnee wirkte auch, als hätte nichts ihn berührt.“
„Du bist dir sicher?“, warf Rose nervös ein und Emil warf ihr einen verärgerten Blick zu: „Glaubst du etwa, ich könnte kleine Dinge aus größerer Entfernung nicht erspähen?“

„Nein!“, erwiderte Rose rasch, da ihr gerade bewusst wurde, was Emil so ärgerte. „Vielleicht aber war es nur ein Tier oder dergleichen, das du gesehen hast …“
„Ich bin sicher, dass ich eine Pokémon-Gestalt gesehen habe“, wiederholte Emil zwar ruhiger, aber mit Nachdruck. Er wandte sich Max und Iro zu: „Ihr habt nichts gesehen oder?“
Sie beide schüttelten den Kopf. Emils Blick verfinsterte sich. Die Möglichkeit, dass er als Scharfschütze sich eine Erscheinung eingebildet haben könnte, schien bei ihm nicht gerade auf Liebe zu stoßen, schloss Max. Abermals ließ er seinen Blick zu der Stelle gleiten, an der Emil etwas erspäht haben wollte. Wenn da etwas gewesen wäre, so hätte es sich schnell und lautlos davongeschlichen, bevor es wirklich entdeckt werden konnte. Und dieser Gedanke behagte Max nicht und auch ihm kam das Gefühl über, dass etwas Bedrohliches im Wald lauern könnte.

Wortlos gingen sie weiter, während ihre Blicke immer wieder nach links und rechts schweiften, um etwas zwischen den Bäumen zu erkennen, das ihnen bedrohlich sein könnte. Sie sorgten selbst dafür, dass sie den ganzen Weg lang angespannt waren, denn Emil murrte immer noch, dass er es sich nicht eingebildet hatte, und die anderen glaubten ihm. Doch alles blieb unheimlich ruhig und Emil gab auch keinen Ruf mehr darüber, dass er noch etwas erspäht hatte.

Auf einmal dann spürte Max eine seltsame Eingebung, worauf er innehielt. Die anderen blieben daraufhin ebenso stehen und blickten verdutzt Max an.
„Was gesehen?“, kam es sofort von Emil, der sich rasch umblickte. Doch Max hielt eine Hand hoch und bat um Ruhe. Dann hörte er es oberhalb in den Bäumen. Das leiseste Schlagen von Flügeln, das er je gehört hatte. Und das Landen zweier Füße auf einen Ast, von dem etwas Schnee auf den Boden fiel. Sofort hatte Emil sich in die Richtung gedreht und einen starken Schwall an Wasser abgefeuert, bevor die anderen ihn aufhalten konnten. Laut durch die Luft rauschend schoss es in die Höhe und befreite dabei Zweige und Äste von ihrem Schneebefall. Dann hörten sie, wie es gegen etwas klatschte und wie darauf ein seltsam verzerrtes Krachen und Knacken zu spüren. Dann fiel aus der Höhe etwas Großes herunter. Max konnte nicht bestimmen, was es war, denn der Körper lag im Schatten verborgen. Doch er fiel wie ein Stein zu Boden, dem ein unregelmäßiges und immer leiser werdendes Rascheln folgte. Schockiert starrten sie an die Stelle, wo der Körper zu Boden gefallen war. Auch Emil wirkte entsetzt darüber, welchen Effekt seinen Schuss hatte.
„Oh nein …“, hauchte Rose bange aus und spurtete nach vorne. Auch die anderen folgten ihr direkt.

Max wusste, dass Emil es nicht beabsichtigt hatte. Kaum, dass er an der Stelle angekommen war, wo der Körper heruntergefallen war, blickte er sich um und sah sofort, dass er einen Hang heruntergerollt war, der sich vor ihnen in die Tiefe erstreckte. Max und Rose warfen sich vorsichtige Blicke zu, ehe sie den anderen vorausgingen. Auch der Hang war mit dichtem Schnee bedeckt und hin und wieder wären sie beinahe über Wurzeln und großen Holzstücken gestolpert, die über dem Boden ragten. Doch sie schafften es, ohne Unfall unten anzukommen. Eilig und in leichter Panik blickten Max und Rose sich um.
„Sucht nach einem Körper, der hier nicht hinzugehören scheint!“, befahl Rose in ihrer Eile den Umstehenden. Emil, der starr vor sich hinblickte, nickte kurz angebunden und sie schwärmten aus. Doch nach nur wenigen Augenblicken war es Vane, der laut den anderen zurief: „Hier! Ich hab‘ was gefunden!“
„Ist es verletzt?“, rief Rose hektisch zurück und stolperte fast zu dem Stolloss hinüber. Er aber zuckte nur lässig mit den Schultern und bückte sich, um etwas vom Boden aufzuheben.
„Um Himmels willen, Vane!“, rief Rose schockiert aus. „Was, wenn es sich bei dem Sturz die Knochen gebrochen hat?“
„Wenn es welche hat“, kommentierte Vane, der beide Arme zu Boden führte und etwas packte. Als Rose eine verwirrte und trotzige Reaktion geben wollte, hob er das Etwas in die Luft, sodass alle es sehen konnten. Rose verstummte augenblicklich und starrte das Ding an, das Vane hochhielt: „Was ist das?“

Es hatte Ähnlichkeiten mit einer Eule, die in allen Details gänzlich aus klarem Eis zu bestehen schien. Ihre glatte Oberfläche war wie auf Hochglanz poliert. Sie hatte ihre detailierten eisigen Flügel ausgebreitet, die an den Spitzen abgebrochen waren. Doch selbst mit diesem Makel konnte man jede Feder fein erkennen, als hätte eine künstlerisch begabte Person diese in die Flügel graviert.
Max hatte keinen Zweifel, dass es das Wesen war, dass sie zuvor gehört hatten. Er hörte Emil hinter sich erleichtert aufatmen, Shadow hingegen beäugte die Eiseule argwöhnisch: „Sicher, dass es das Ding war? Es sieht ziemlich … unlebendig aus …“

Doch kaum hatte Shadow diese Worte gesagt, leuchteten die Augen der Eule in einem geisterhaften Rot auf. Als die Eule dann auch anfing, sich zu regen, ließ Vane sie überrascht los und prompt fiel die Eule zu Boden. Sie stieß einen gellenden Pfiff aus, ihr Körper bekam Risse, dann zersplitterte sie in tausend Eiskristalle, die wie Regen zu Boden fielen. Sprachlos blickten die Erkunder auf die Stelle, auf der die Splitter wie Glitzer funkelten, und dann einander an.
„Was war das?“, wollte Emil, der etwas verstört aussah, von den anderen wissen. Doch genauso hätte er fragen können, ob die Firntundra je auftauen würde.

Max wurde das Gefühl nicht los, dass etwas Bedrohliches von dieser Eule ausgegangen war. Das aufgeleuchtete Rot war derartig durchdringend, dass Max gespürt hatte, wie ein fremdes Augenpaar sie allesamt gemustert hatte. Er blickte sich um und prüfte, ob sie von irgendwo beobachtet wurden. Doch er konnte nichts ausmachen und das Gefühl verschwand nicht. Dafür aber geriet etwas Anderes in sein Konzentrationsfeld. Weil die anderen relativ laut tuschelten, musste er ihnen wild gestikulieren, damit sie still waren.
„Was ist los?“, rief Iro gereizt, der ungern zum Schweigen gebracht wurde. Doch Max hielt eine Hand hoch und bat abermals um Ruhe.

„Hört doch …“, bat er die anderen und sie lauschten angestrengt in den Wald hinein. Ein klägliches Wimmern, das kaum zu vernehmen war, drang an ihre Ohren. Sofort stieg Mitleid in Max hoch und er blickte sich um nach der Richtung, aus der das Wimmern kam.
„Dort lang!“, rief dann Rose aus und war dann als Erste in die Richtung unterwegs. Die anderen folgten ihr sofort.
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