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Mystery Dungeon: Die Legende des Dämons

von Silvers
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
27.11.2020
13.05.2021
25
150.139
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23.04.2021 2.882
 
Mit einer enormen Wucht schlugen und klatschten die Wellen, die links und rechts vom Meer kamen, gegen die Klippe und die Luft wurde jedes Mal erneut vom salzigen Geschmack feinster Wassertropfen erfüllt. Das Gewässer war wie lebendig und entsprechend launisch. Mal umspülte es nur den untersten Rand der Klippe, dann aber schlug es derartig hoch, dass Wassermassen auf den Weg niederprasselten.
Abermals spuckte Max salziges Wasser aus dem Mund, seine Zunge war wie betäubt und wie die anderen war er darauf bedacht, keinen falschen Schritt zu tun. Der Weg war schmal und war nur an sehr wenigen Stellen von einer kleinen Felswand umrandet. Ein größerer Wellenschlag würde genügen, um ein unvorsichtiges Pokémon ins Meer zu schlagen.

„Bäh, allmählich vermisse ich die Wüste!“, rief Rose laut über das Brausen des stürmischen Windes und den lauten Klang der Wellen hinweg. Max konnte sie nur unscharf vor sich erkennen, denn zahlreiche Wasserschleier zogen sich über den Pfad. Auch von den anderen waren fast nur Schemen zu erkennen.    
„Ich auch!“, hörte er Shadow rufen. „Lieber diese Hitze als diese Gewässer!“    
„Wieso benutzen wir nicht deinen Schatten?“, rief Rose ihm zu.    
„Wird nichts bringen! Siehst du all diese Pfützen vor uns?“, antwortete das Gengar. Max wusste, was er meinte. Seine Füße waren schon durchnässt und etwas kalt von dem vielen Wasser, durch das er bereits gewatet war. Manche der Pfützen waren sogar so tief gewesen, dass er fast bis zum Unterleib in diese eingesunken. Shadows Schatten wäre in der Tat sehr vorteilhaft gewesen.    
„Ich kann nicht durch oder über das Wasser gleiten!“, erklärte Shadow laut, sodass alle vor und hinter ihm seinen entschuldigenden Ton hören konnten. „Wenn ein längeres Stück mal ohne Wasser wäre …“    
„So könnte man dich festnageln?“, rief Iro belustigt von hinten. Max konnte sehen, wie Shadows rotes Augenpaar durch die Wasserspritzer zu ihm hinüberfunkelten.    
„Wenn ihr meine Schattenfähigkeit aushebeln wollt … ja, das wäre eine effektive Methode. Im Grunde genommen alles, was nicht fest ist, kann gegen mich verwendet werden!“
   
„Feste Materie fällt durch dich hindurch, so war das doch, oder?“, rief Max ihm entgegen. Er konnte erkennen, dass Shadow nickte.    
„Ist mir dann ein Rätsel“, schrie Vane schon fast von ganz vorne, „wie die eine Pute dir dann das blaue Auge verpassen konnte, Boss! Ist doch im Grunde nicht möglich, oder?“    
„Erinnere mich nicht daran!“, entgegnete Shadow mürrisch und laut zurück brüllend. „Es war ein einfacher Faustschlag … ich verstehe es immer noch nicht …“
In dem Moment schlug eine der hohen Wellen auf sie ein. Erschrocken schrien sie auf und Max spürte eiskaltes Wasser um seinen Unterkörper fahren. Einzig Emil und Iro schienen sich als Wasser-Pokémon nicht an diesem zu stören, wobei Iros sorgenvoller Blick den Bandagen seines rechten Armes galt, der etwas befeuchtet aussah.    
„Na prima!“, rief Rose nun erbost aus und schüttelte sich. „wenn wir in der Firntundra ankommen, werden wir doch direkt schockgefrieren sein, so durchnässt wie wir sind!“    
„Beschwöre es besser nicht!“, rief Emil düster. „Vielleicht haben wir Glück und das Wetter bessert sich auf halbem Weg …“

Max sah nach oben zum grauen vernebelten Himmel. Dessen Wolken sahen eher weniger danach aus, als würden sie sich so schnell auflösen. Viel mehr wirkte es, als nähme der feine Nieselregen sogar zu. Zwar war er weitaus eher zu ertragen als die Sandstürme und die Hitze der Wüste. Es aber dennoch nicht angenehm, dass sie bis auf die Knochen durchnässt wurden. Und Max fühlte sich auch noch an die Passage in den Geheimnisdschungel erinnert, als er sich den feinen Nebel um sie herum betrachtete. Wie im Trübwald bekam er das Gefühl, dass irgendetwas aus dem Nebel heraus sie alle beobachtete. Er fragte sich, wie lange der Weg sich noch erstrecken mochte und wie weit sie schon gelaufen waren.
Dann aber ertönte ein mächtiger Knall und die steile Wand des Pfades vor ihnen brach in einer hellen Explosionswolke auf. Geröll rollte knirschend herab und landete platschend im Meer.    
„Was zum…?“, schrie Rose erschrocken auf, doch die anderen blickten bereits angespannt in den Nebel. Dies war der Knall von einem Hyperstrahl, das wusste Max sofort. Sie alle kniffen angestrengt die Augen zu, um etwas in diesem Nebel zu erkennen, doch die feinen Wasserschleier nahmen nach wenigen Metern schon die komplette Sicht. Und das laute Brausen machte es unmöglich, einen Feind auch nur näher kommen zu hören. Lediglich ein gelb aufleuchtender Punkt wurde sichtbar. Max glaubte, unter all dem Tosen ein immer lauter werdendes Brummen zu hören. Und sofort überfiel ihn die erschreckende Erkenntnis, dass dieses Brummen ihnen galt.
„In Deckung!“, schrie dann Emil sofort. Sofort wichen sie alle von der Stelle, an der sie zusammen gestanden hatten, und spurteten nach vorne. Gerade noch rechtzeitig, denn ein weiterer, viel lauterer Knall ertönte und jene Stelle ging in einer großen Explosion in die Luft hoch. Eine starke Druckwelle erfasste sie und Max, Shadow und Rose warf es auf den Boden.. Die anderen konnten sich erfolgreich gegen diese stemmen. Sofort blickten sie sich nach dem Angreifer um, doch nachwievor war nichts auszumachen.    
„Ist er weg?“, rief Iro angespannt. Auch Emil und Vane stand diese Ungewissheit ins Gesicht geschrieben.      
„Achtet auf gelb leuchtende Punkte!“, erklärte ihnen Emil. „Hyperstrahlen müssen aufladen, ehe sie abgefeuert werden können!“

Obwohl sie sich sicher sein konnten, dass der Angriff noch nicht vorbei war, blieben diese gelben Punkte in ihrem Sichtfeld aus. Max aber spürte abermals, wie ein Blick sie aus der Ferne zu beobachten schien und erneut spürte er, wie die Luft aus dem Nebel heraus zu vibrieren begann. Plötzlich dann kam ihm die Erkenntnis wie eine einbrechende Welle: „Von hinten!"
Als sie sich dann alle umwandten, erschraken sie zutiefst, als nicht nur einer, sondern gleich drei gelb leuchtende Punkte durch den Nebel zu erkennen waren. Sie hatten kaum Zeit zu reagieren. In wilder Panik spurteten sie nach vorne und warfen keinen Blick zur Seite. Abermals ertönten drei Knallgeräusche und Max wusste, dass der Weg hinter ihnen soeben ins Meer hinabfiel, und das in Form einzelner Brocken.    
„Was zum Teufel sind das nur für Wesen?“, rief Shadow vollkommen bestürzt aus und kaum, dass er die Frage beendet hatte, fuhr ein mächtiger, länglicher Schatten aus dem Wasser heraus. Er beschrieb einen einzelnen Bogen, während er über sie hinweg glitt, und verschwand dann im Wasser auf der anderen Seite der Klippe. Rose schrie in Panik auf: „Die Seeschlangen!“

Und wieder flammten zwei weitere Punkte im Nebel auf. Doch dieses Mal lag ein Stück Pfad vor ihnen, der so mehrere Kurven nahm. Dieses Mal würden sie nicht so einfach vom Fleck wegkommen, befürchtete Max. Und als er seinen Blick erneut zur Seite wandte, nahm es ihm fast den Atem vor Schreck, als er zwei helle Lichtstrahlen auf sich zuschießen sah. Doch direkt zu seiner rechten flammten zwei Lichter auf und laut hörte er das Brummen in seinen Ohren. Emil hatte eine konzentrierte Miene aufgesetzt und schickte zwei Lichtstrahlen in Richtung der anderen beiden. Die vier Hyperstrahle trafen in der Luft aufeinander und ein ohrenbetäubendes Krachen hallte in Max‘ Ohren und es riss ihn nach hinten. Doch Iro war zu Stelle und hielt Max auf, bevor er ganz von der Klippe fallen konnte.
„Gut gemacht, Emil!“, rief Shadow anerkennend, doch er selber wirkte hoch konzentriert. Seine Hände hielt er vor sich und zwischen sammelte sich schwarz-violette dunkle Energie, die knisterte. Diese formte er zu einem Ball, den er einem weiteren Hyperstrahl entgegenschickte, der auf sie abgefeuert worden war. Auch dieser zeigte Wirkung und eine Explosion erfüllte die Luft, die seltsame Schatten in die Luft warf.

„Von der anderen Seite auch!“, rief Rose dann auf einmal entsetzt und sie alle erkannten, dass sie Recht hatte. Auch auf der anderen Seite flammten einzelne gelb leuchtende Punkte auf. Auf einmal fühlte sich Max chancenlos. Einer solchen Übermacht konnten sie nicht standhalten.
Doch Vane hatte sich schon nach rechts zu diesen neuen Lichtern gewandt. Er stampfte mit Füßen, von denen jeweils ein stachelförmiger Diamant wuchs, in den Boden und hielt seine Arme von sich. Weitere Diamanten sonderten sich von diesen ab und wuchsen nach vorne, dann verbanden sie sich eiligst zu einem niedrigen, aber breiten Schild. Die Hyperstrahlen aus der Ferne wurden abgefeuert und Vane hatte nur eine Sekunde Zeit, die er auch ausnutzte. Er hielt den Schild so in der Luft aufrecht, dass alle Strahlen auf diesen trafen. Drei Knallgeräusche erklangen laut und Vane hätte der Aufprall nach hinten gerissen, doch mit seinen Füßen stemmte er sich verbissen vom Boden. Jäh zersprang der Schild und sofort lösten sich die Diamanten in kleine Staubkörner auf, die sofort im Wind davon wehten. Doch Vane wirkte mehr als zufrieden mit sich.

„So geht es nicht weiter, wir kommen hier noch um!“, rief Shadow aus. Er wandte sich eilig zu dem Weg, der vor ihnen lag. Dann gab er Emil ein Zeichen und als er sich ihm zuwandte, deutete Shadow auf den Weg. Emil schien sofort zu verstehen und jäh richtete er seine Kanonen auf den Weg. Deutlich schwächere Hyperstrahlen wurden abgefeuert und Max fragte sich ob Shadow den Verstand verloren hatte. Was nützte es ihren Fluchtweg derartig zu zerstören?
Doch ehe er laut seine Bedenken ausrufen konnte, erstarrte er und er spürte sofort, wie ein kalter Griff seine Beine ergriff. Jäh zog es ihn nach unten und er fand sich in einer anderen und vertrauten Welt wieder. Auf einmal umfasste ihn Ruhe, doch Max rauschte der Schlangenpass und die Angriffe laut in den Ohren. Er suchte die roten Fenster, die er beim ersten Aufenthalt gesehen hatte. Und tatsächlich sah er, wie Shadow nun über den Weg glitt, der von Emils Hyperstrahlen ziemlich zerstört wirkte. Doch hatte sich auf diesem noch kein neues Wasser gesammelt und sofort verstand Max, was Shadows Plan war.
Sofort empfand er Respekt für das Gengar, das in der Gefahr mit so einem Manöver aufgekommen war. Doch die Fahrt dauerte nicht lange.
Als Shadow dann einige Sekunden später auf einen Teil des Pfades stieß, der nicht von Emils Kanonen bearbeitet worden war, spürte Max jene kalten Hände auf seinen Schultern, die ihn daraufhin nach draußen zogen.
Sofort, fast ohrenbetäubend, drang das Rauschen der Wellen an seine Ohren, doch Max glaubte zu hören, dass der Wind nachgelassen hatte. Er blickte sich um. Auch Rose, Iro und Vane sahen danach aus, als hätte Shadows Manöver sie überrascht. Doch als sie sich aufrichteten und nervös umblickten, stand ihnen kurz darauf respektvolle Anerkennung ins Gesicht geschrieben.
„Eine Spur vom Feind?“, fragte Shadow keuchend, der sich halb aus seinem Schatten erhoben hatte.
„Zurzeit nicht …“, antwortete Emil. Seine Stimme war nun deutlicher zu vernehmen, da der Wind nicht mehr so laut brauste. Sie alle wandten sich erneut um und blickte nervös in den Nebel, der nun auch seltsamerweise lichter wirkte. Zumindest konnte Max viel weiter sehen als zuvor. Das Meer vor ihnen hob und senkte sich in wilden stahlgrauen Wellen. Doch aus diesem Meer hoben sich keine eventuellen Schatten von Angreifern ab. Max richtete sich auf und half auch Rose auf die Beine, die aufgeregt nach Luft schnappte.
„Alles in Ordnung?“, fragte er sie besorgt.
Sie nickte, auch wenn ihr Blick anders sprach.
„Ich hätte nicht gedacht … dass Erkundungen so gefährlich werden können …“, japste sie und rieb sich ihre Knie. „Ist das normal für solche?“    
„Für gewöhnlich nicht“, meinte Iro, der sorgenvoll seinen bandagierten Arm betrachtete. „Für gewöhnlich haben wir es mit weit harmloseren Dingen zu tun, wie…“    
„Wie mir?“, schielte Shadow zu ihm hinüber und lächelte verschmitzt. Auch Iro schmunzelte belustigt. „Ich glaube, dass du für uns nun harmlos wärst, jetzt wo wir deine Schwachstelle kennen. Nämlich Wasser!“

Alle lachten und Max fühlte zum ersten Mal, dass dieses Lachen echt war. Er blickte zu Shadow hinüber und sofort wusste er, dass es die richtige Entscheidung war, ihn und sein Team sie begleiten zu lassen. Wo wären sie jetzt nur ohne ihn, Emil, Vane und Rose?
Letztere löste sich was von der Gruppe und blickte auf den Weg, der vor ihnen lag. Sie legte den Kopf etwas zur Seite.    
„Ich glaube, wir passieren gleich eine Art Torbogen. Ich sehe nämlich was im Nebel vor uns …“
„Heißt das etwa, dass wir angekommen sind?“, rief Vane aufgeregt und trat an ihre Seite. Zusammen gingen sie dann den Weg, der allmählich gerade aus verlief. Auch Max betrachtete nun die schattenhaften Umrisse eines Torbogens, welche in der Mitte durchbrochen wirkte. Je näher sie kamen, umso mehr schälten sich Details bei diesem aus dem Nebel heraus. Offenbar war er in der Form zweier Pokémon geschlagen, die einen seeschlangenähnlichen Körper hatten und deren Köpfe sich fast in der Luft begegneten.

„Was zum?!“, riefen sie alle erschrocken und verdutzt aus, als sie sich in unmittelbarer Nähe befanden und der Nebel sich immer mehr gelichtet hatte. Max hatte noch nie zuvor eine solche Szenerie gesehen.
Das Meer war zur Gänze eingefroren, soweit sie blicken konnten. Auch der Pfad vor ihnen lag unter einer dicken Eisschicht verborgen. Und es war kein Torbogen, unter dem sie standen. Dafür waren die Details zu ausgearbeitet. Max erkannte, dass es echte Garados waren, die offenbar mitten in ihrer Bewegung eingefroren worden waren. Sie hatten sich offenbar aus dem Meer erhoben und ihrem erstarrten Blick folgend wirkten sie, als hätten sie ein Pokémon angreifen wollen, das sich auf dem Weg vor ihnen befand. Denn sie hatten ihre breiten Mäuler aufgerissen und auch ihr Blick zeugte voller Zorn, mehr als es für ein Garados typisch war. Während Max sich diese und, wie er jetzt sah, viele andere im Meer eingefrorene Seeschlangen betrachtete, fühlte er sich von einer seltsamen unheimlichen Macht umgeben. Denn er spürte es förmlich, wie ein Pokémon für all dies verantwortlich war. Doch er konnte sich keines vorstellen, dass dazu in der Lage war. Er suchte den Blick der anderen und erkannte, dass auch sie vollkommen verblüfft und sprachlos waren.
„War jemand vor uns hier gewesen?“, hauchte Shadow beeindruckt, aber auch sichtlich eingeschüchtert.
   
„Es muss ein Eis-Pokémon gewesen sein, anders kann ich es mir nicht erklären …“, murmelte Rose und ließ ihren Blick über die gefrorene Szenerie wandern. Sie schritten dann weiter über diese bizarre Landschaft und achteten darauf, nicht auf dem Eis auszurutschen, was aber schwierig war. Je weiter sie kamen, umso mehr spürte Max einen kalten Wind um seinen Körper wehen. Er fand den Zeitpunkt reif, dass er sich das Hitzeband anziehen konnte und sofort durchströmte ein Wärmegefühl seinen Körper bis zu den Gliedern. Auch folgten die anderen seinem Beispiel, selbst Shadow wickelte sich ein Band um eines seiner Arme.
„Ich bin sehr empfindlich, was Kälte betrifft!“, erklärte er peinlich berührt. „In der Wüste hatte ich keine Probleme, aber jetzt hier …“
„Seht mal!“, rief Rose aufgeregt aus und deutete nach vorne.

Sofort wurde Max klar, dass sie an sich nur noch gerade aus zu gehen hatten. Der schwarze Umriss des in der Ferne befindlichen riesigen Berges hob sich als einziger hoch in den dunklen wolkenverhangenen Nachthimmel, sodass dessen Gipfel nicht zu sehen war. Der Pfad hatte sich nun geweitet und mündete in den Anfang eines schneebedeckten Waldes mit hohen Tannen. Auf beiden Seiten war dieser Wald in größerer Entfernung von einer größeren Bergkette umgeben, die aber ziemlich unpassierbar aussahen. Max wechselte einen Blick mit Iro und dann mit den anderen. Auch sie waren beeindruckt von dem Anblick, der sich ihnen bot.
„Das muss er wohl sein, nicht wahr?“, bemerkte Vane mit Blick auf den großen Berg in der Ferne. „Der Lawinenberg?“    
„Ich schätze schon …“, nickte Shadow und sah dann in den Wald hinein. Max wusste, dass er genauso wenig erkennen konnte wie er, denn die schneebedeckten Zweige wuchsen so nah und dicht am Boden, dass sie die Sicht versperrten. Nur die Anfänge einzelner kleiner Wege, die durch dieses Geäst führten, waren zu erkennen.
„Also, was meint ihr?“, sagte Shadow dann angespannt und drehte sich zu Max und Iro um.
„Wir sind bereit … nicht wahr?“, und er blickte zu Emil, Vane und Rose, die zwar nicht gleich aufgeregt waren, aber dennoch nickten. Max blickte noch einmal zu dem großen schattenhaften Umriss des Berges am Horizont.

Wie Mew es in seinem Brief mitgeteilt hatte, befand sich dort Arktos. Max spürte Aufregung in sich aufsteigen, als ihm bewusst wurde, dass ihr Ziel nicht mehr so weit entfernt war. Er zog sich das Hitzeband fest um den Hals und spürte dessen wärmende Wirkung aufs Neue. Sie könnten es tatsächlich schaffen. Nur noch die Firntundra, die offenbar hinter dem Wald begann und der Aufstieg zum Lawinenberg lagen noch vor ihnen. Dann könnten sie endlich heimkehren und vielleicht auch mit Jimmy wieder zusammenkommen.
Bei den Gedanken blickte Max nach hinten. Es war nachwievor ein bizarrer Anblick, ein Meer derartig zugefroren zu sehen. Der vereiste Pfad führte in einen grauen Nebel, sodass nicht einmal die Umrisse des Ekunda-Kontinents auszumachen waren. Wie weit hatten sie sich wohl vom Festland entfernt?

Doch das spielte keine Rolle. Jimmy befand sich in bester Begleitung, so hoffte Max es jedenfalls von ganzem Herzen. Und er vertraute Shadow und seiner Vision, dass diese bei ihrer Zuversicht auch entsprechend fähig war, sich in der Schädelwüste zurechtzufinden.
„Warte auf uns, Jimmy!“, dachte Max im Verborgenen zu sich und ballte die Faust. Er wandte sich Iro und den anderen zu und nickte. Dann traten sie in den Wald ein.
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