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Mystery Dungeon: Die Legende des Dämons

von Silvers
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
27.11.2020
25.01.2022
54
246.117
2
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18.04.2021 4.358
 
„Ihr … wollt dahin?“, stammelte Pan sichtlich verdutzt und blickte Max an. Er und Iro nickten bestimmt. Geistesabwesend fummelte sie an den Figuren herum, die in ihrem Arm lagen. Sie suchte den Blick von Shadow und den anderen, doch sie blickten gebannt zwischen der Sandamer und dem Team Mystery hin und her.    
„Und?“, setzte Max nach und blickte ihr tief in die Augen: „Könnte Castiel es schaffen, dorthin zu gelangen?“    
„Nun …“, wollte Pan zur Erklärung ansetzen, doch sie fand keine Worte.
Erleichterung stieg ihr ins Gesicht, als Nocrow mit Gladius, Sense und Winny zu ihnen stieß. Die Beutel, die um den Körper des Arkani hingen, waren nun deutlich gefüllter mit allerlei Früchten und Gladius hielt diverse Holzscheite in den Händen.    
„Was ist los, Pan?“, fragte Nocrow, als er ihrem Blick begegnete.
Sie erklärte ihm darauf, wonach Max und Iro gefragt hatten und auch dem Noktuska war es sofort anzusehen, dass ihn das Reiseziel der Erkunder sehr erstaunte. Er richtete sich auf, sodass sogar seine Stirn unterhalb des grünen Pflanzenhuts zu sehen war und blickte die beiden mit geweiteten gelben Augen an.
„Um eure Frage zu beantworten: Castiel wäre schon in der Lage dazu …“, begann Nocrow und musste sofort seine Stimme anheben, da Max und Iro laut aufatmeten. „Doch dürfte ich erfahren, was ihr dort zu suchen habt?“    
„Das können wir nicht im Großen und Breiten erklären“, erwiderten Max und Iro im Chor.
„So?“, sagte Nocrow ernst und verbarg wieder seine Stirn unter dem Hut, sodass seine Augen wieder im Schatten lagen. Ihr gelber Glanz wurde dadurch etwas unheimlicher, vor allem, weil sich seine Augen tief in Max und Iro bohrten.    
„Der Freund von uns beiden, der verloren ging“, erklärte dann Max, „ist mit jemandem dorthin aufgebrochen. Wir wollen ihnen hinterher …“. Max spürte, dass er seine Erklärung schwach abgeschlossen hatte. Dies wusste wohl auch Nocrow, der seine Miene nicht veränderte. Doch sein Mund verzog sich, als würde er über etwas nachdenken. Doch dann schüttelte er bestimmt den Kopf.    
„Tut mir wirklich leid, doch das ist für mich kein Grund, euch ebenso dorthin zu bringen. Zumal ich es sehr bezweifle, dass euer Freund sowie seine Begleitung dorthin kommen kann …“
„Wieso sollte er es nicht können?“, meldete sich Iro dazwischen und wirkte dabei recht wachsam. Auch hörte Max eine ungewohnte Strenge in dessen Stimme.    

„Die nördliche Grenze der Schädelwüste zu erreichen wird sehr erschwert durch etwas, das wir die Mauer bezeichnen. Es handelt sich bei dieser um einen Sandsturm der besonderen Art. Anders als jene, die man in der Schädelwüste antrifft, bleibt dieser an Ort und Stelle bestehen und hört nicht auf. Hinzu kommt noch, dass dessen Winde um ein Vielfaches stärker sind als die der gewöhnlichen Stürme.“    

„Es klingt ganz so, als hättest du bereits Erfahrung …“, sagte Shadow und klang interessiert. Nocrow nickte.    
„Als wir Stahlard und Axel vor vielen Jahren begegnet sind, baten sie uns, dass wir sie durch die Mauer zum Lawinenberg bringen. Cas war zum Glück in der Lage, uns heil durch diese zu bringen“, und Nocrow blickte hoch zu dem Castellith. Max bemerkte nun, wie Gladius, der als Galagladi vom Zweittyp her ein Psycho-Pokémon war, ihm von Weiten Wasser aus dem See zukommen ließ. Dieses wand sich wie eine meterlange Schlange in der Luft, ehe sie Castiel in den Mund floss.    

„Doch die beiden haben, nachdem wir durchgebrochen waren, recht früh erkannt, dass sie nicht für die weitere Reise gewappnet waren …“    
„Dabei hatten sie doch Hitzebänder für die Firntundra eingepackt …“, entgegnete Max und wechselte einen besorgten Blick mit Iro, der ihn aber nicht erwiderte. Gebannt und angespannt hing er an Nocrows löchrigem Mund.    
„Die Sache ist die, dass zwischen Wüste und Tundra sich ein weiteres Stück erstreckt. Ein schmaler Pfad, der sich über das nördliche Meer hin zur Tundra erstreckt. Und obwohl Stahlard und Axel zuversichtlich gewesen waren, kamen sie kurze Zeit später, nachdem sie auf diesen Pfad gegangen waren, wieder zurück. Sie hatten etwas von Seeschlangen geredet und dass sie sich gegen diese nicht vorbereitet hatten. Wir haben sie kurzerhand dann wieder mit uns durch die Mauer und anschließend nach Süden, zur Nordwüste gebracht. Ich kann euch sagen, sie waren nicht begeistert, ihre Mission abzubrechen …“, schloss Nocrow düster und blickte Max und Iro an.    
„Ich hoffe, ihr versteht mein Zögern, euch nicht dahin zu bringen, so gern ihr es auch wünscht …“    

„Wieso haben die beiden uns nicht davon erzählt …“, murmelte Iro nachdenklich, doch Max fand, dass es dringenderes gab. Er trat einen Schritt vor: „Wir müssen aber dorthin. Deswegen sind wir überhaupt hierher in die Schädelwüste gekommen.“    
„Und was genau hofft ihr, dort zu finden? Wollt ihr wie Stahlard und Axel einen Wächter herausfordern, der angeblich dort leben soll?“    
„Nicht angeblich!“, erwiderte Iro hitzig. „Wir wissen, dass er dort lebt.“    
„Und wenn schon!“, fauchte Nocrow nun zum ersten Mal seit ihrem Aufeinandertreffen bestimmt zurück. „Ich will euch keine Schwäche zumuten, doch wenn ich mir euren Zustand  so ansehe-“    
„Was ist mit diesem?!“, zischte Iro finster. Nocrows Blick glitt auf seinen rechten bandagierten Arm.    
„Ich will es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, euch dorthin zu bringen, während ich genau weiß, dass ihr es nicht weniger schwer als Stahlard und Axel haben werdet. Ihr werdet es sogar noch schwerer haben, bei deinem rechten Arm und bei dir“, und er wandte sich Max zu, „einem Pflanzen-Pokémon. Noch dazu kommt noch die Gefahr durch den Schlangenpass, wie Stahlard und Axel diesen genannt hatten. Und das wollt ihr auf euch nehmen, um etwas Ruhm zu erlangen? Weil ihr einen Wächter herausfordern wollt?“    

„Es geht uns nicht um Ruhm oder sonst irgendwas!“, erwiderte Max ungeduldig. Je mehr Zeit sie mit Erklärungen verbrauchten, umso mehr rückte Jimmy in größere Entfernung. Und Max hoffte inständig, dass Jimmy noch einzuholen wäre. Nocrow aber blickte ihn an, als würde er wissen, woran Max dachte.    
„Ich bin mir sicher, dass auch euer Freund es einsehen wird, dass er ohne die Hilfe eines Pokémons wie Castiel nicht durch die Mauer kommt. Außer vielleicht, er selbst ist zehn Meter hoch?“    

„Shadow!“, rief Max und wandte sich so schnell dem Gengar zu, dass dieser zusammenzuckte: „Die Begleitung … diese ‚Pute‘ … sah sie nach einem Pokémon, dass durch einen Sandsturm kommen kann?“    
„Ich kenne ihre Fähigkeiten nicht“, sagte Shadow knapp. „Doch vom Äußerlichen her wirkte sie genauso groß wie du, Max, und sah auch nicht gerade nach einem Muskelpaket wie Ironhard aus. Mehr nach der Art von Pokémon, die weggewehrt werden, wenn ein ordentlicher Sturm herrscht.“    
Max hatte gehofft, dass Shadow ihnen erklären würde, bei Jimmys Begleitung würde es sich um eine andere Art von Pokémon handeln. Er dachte an seinen letzten Dimensionalen Schrei und aus diesem hatte er den Eindruck gewonnen, dass sie so zuversichtlich über ihr Reiseziel war, dass Jimmy sich aus dem Grund ihr angeschlossen hatte. Max versuchte, nicht an Jimmys Entschluss zu denken, und wandte sich wieder Nocrow zu, der bestimmt den Kopf schüttelte:
„Tut mir wirklich leid, doch ich kann euch nicht ohne triftigen Grund diese Orte betreten lassen. Euren Freund werden wir hier schon aufgabeln, denn wie gesagt: Er kann unmöglich durch die Mauer gekommen sein! Wenn wir ihn und seine Begleitung gefunden haben und vielleicht auch der Arm von Ironhard wieder verheilt ist und ihr euch zusätzlich auch auf den Schlangenpass vorbereitet habt, dann können wir nochmal darüber reden. Bis dahin-“    
„Wir haben aber keine Zeit!“, rief Max bestimmt. „Wir müssen so schnell es geht den Wächter Arktos treffen!“    
„Wieso müsst ihr?“, entgegnete Nocrow scharf. „Was habt ihr mit ihm zu schaffen?“    

War nun so ein Zeitpunkt gekommen? Musste Max nun von dem Hintergrund ihrer Mission erzählen? Offenbar war es nun an der Zeit, denn Nocrow sah nicht danach aus, als würde er sie nach Norden bringen, ganz gleich wie er es anders versuchen würde. Max wechselte einen schnellen Blick mit Iro, ehe er dann tief durchatmete und anfing zu erzählen.      
Er benötigte zehn Minuten, um Nocrow und allen Umstehenden von der Legende um Arceus und auch vom Dämon Kyurem zu berichten. Wie dieser Dämon in einem Jahr bald auf die Welt zurückkehren würde und dass es von entscheidender Bedeutung wäre, dass die sieben Wächter rechtzeitig davon in Kenntnis gesetzt werden. Nur diese sieben Pokémon, zu denen auch Arktos gehörte, wären in der Lage, Kyurems Wiederkehr abzuwenden. Max erzählte auch, wie Mew ihnen von Arktos erzählt hatte und dass sie auf seinen Ratschlag hin diesen aufsuchen sollten. Wie Jimmy sich auf dieser Reise von ihnen getrennt hatte, verschwieg Max dann.
Doch er spürte nun die Kälte, die sich in der Oase ausgebreitet hatte. Er blickte zu Iro, der steif und stumm zurückblickte und Max bemerkte, wie auch Shadow und den anderen jegliche Worte fehlten.

„Ein Jahr …“, flüsterte Rose und ihre Stimme klang seltsam schwach. „Und was würde passieren, wenn ihr es nicht rechtzeitig schafft?“    
„Wir wissen es nicht genau …“, gab Max zu und ließ den Kopf senken. „Lashon, der uns die Legende erzählt hatte, glaubte, dass es für die Welt eine Katastrophe bedeuten würde, wenn Kyurem wieder auf dieser wandeln würde. Kyurem würde es nur nach Seelen verlangen, meinte Lashon, und wenn sich ihm die Sieben Wächter nicht in den Weg stellen, gibt es kein Pokémon, das ihn aufhalten könnte …“    
Rose Gesicht nahm eine gelbliche Färbung an, die der der Schädelwüste Konkurrenz machte. Auch Vane, der meistens ein aufgeregtes Lächeln aufgesetzt hatte, blickte so ernst drein wie nie zuvor. Eine Weile herrschte noch Stille, ehe dann sich Nocrow räusperte, sodass Max seinen Blick zu ihm wandte: „Ein Jahr ist nicht gerade viel an Zeit, die euch bleibt … wenn man bedenkt, wie viele Wächter ihr noch aufzusuchen habt …“

Sofort wandte sich Nocrow an alle Umstehenden und blickte sie reihum an: „Tut mir Leid, Freunde, doch wir werden unseren Aufenthalt an der Oase heute etwas verkürzen. Wir brechen in ein paar Minuten auf. Pan?“, und sofort trat die Sandamer heran. „Sag Cas, dass wir Kurs gen Norden nehmen. Wir wollen durch die Mauer!“    
Pan nickte eifrig und stürmte wie die anderen Nomaden in Richtung Castiel. Nocrow wandte sich wieder Max und Iro zu: „Was euren Freund betrifft, werden wir unser Wort halten, nachdem wir euch zur Nordgrenze gebracht haben! Wir werden ihn finden und auf eure Rückkehr warten!“    
„Nocrow …“, wolle Max sagen, doch schon wurde ihm ein stachelbesetzter Arm mahnend entgegen gehalten. „Zwar habe ich immer noch Sorge um euch … wenn ihr es aber wirklich derartig eilig habt, werde ich diese solange verdrängen!“

***

Während Cas sich bewegte, rumpelte es leicht in dessen Höhlen. Max hätte nicht auf dem kleinen Steinbett schlafen können, wenn er es gewollt hätte. Doch er und Iro saßen einander gegenüber und schwiegen sich. Shadow und die anderen waren bei Nocrow außerhalb. Nach längerer Zeit waren beide wieder alleine, doch wussten sie nicht, worüber sie reden sollten. Max fand, dass nur auf dem Boden zu sitzen und die Zeit verstreichen zu lassen eine vergleichsweise interessante Methode wäre. Doch er wollte mit Iro über alles reden, was ihnen in den letzten Stunden widerfahren war. Doch wusste Max nicht, wo er anfangen sollte.

„Es war die richtige Entscheidung, Nocrow von unserem Auftrag zu erzählen!“, fing Iro dann an, der Max schräg betrachtete. Sein Oberkörper wurde geisterhaft von dem Leuchtstein beleuchtet, dessen Ader über ihn im kreisrunden Höhlenraum wuchs. Max begegnete dem Blick seiner Augen, die im Schatten ihrer Höhlen lagen.    
„Findest du? Sie wirkten ziemlich schockiert. Und jetzt leben sie das nächste Jahr in Sorge damit, dass wir es eventuell nicht schaffen könnten …“    
„Und wenn schon!“, grunzte Iro. „Deren Sorge soll nicht unsere sein, während wir genug solche haben.“    
„Redest du auch von Jimmy?“, entgegnete Max frei heraus und er merkte, dass etwas wie Hoffnung in seiner Stimme lag. Iro zuckte mit den Schultern.    
„Dieser kleine Wicht bereitet mir gerade weniger Kopfzerbrechen. Er scheint ja in guten Händen zu sein, wie Shadow berichtet hat.“.    
Er blickte gerade rechtzeitig zu Max hin, der seinen Blick senkte. Sofort legte sich seine Stirn in strenge Falten: „Du hast noch etwas gesehen, nicht wahr? Oder gehört?“    
„Ich-“, wollte Max abwehren, doch er erkannte sofort, dass Iros scharfes Auge, das er sonst nur für Kämpfe verwendete, ihn richtig ablas. Er seufzte dann und da sie endlich unter sich waren, erklärte er ihm, wie er Jimmy in seinem Dimensionalen Schrei wahrgenommen hatte. Als er endete, blickte Iro ihn eine Weile ausdruckslos an, ehe er dann ein gehässiges Lächeln von sich gab: „Ich sag’s ja: Ein kleiner Wicht, sonst nichts!“          
„Ich bin ehrlich gesagt schockiert, dass er kein Wort über uns verloren hat …“, räumte Max ein und blickte betrübt zu dem dunklen Steinboden. Es kam ihm vor, als würde dieser immer brüchiger werden und es würde nicht mehr lange dauern, bis er durch diesen hindurch fiel. Doch ein Schnipsen holte ihn aus seiner Trance hervor. Iro blickte ihn streng an: „Ich hoffe sehr, dass wir ihm nach Arktos nochmal begegnen werden. Dann kann ich dem mal etwas Respekt beibringen, wenn er es  nachwievor wagen sollte, uns zu vergessen!“    

Max konnte nicht die Kraft aufbringen, Widerworte zu leisten. Tatsächlich kränkte Jimmys Verhalten auch ihn, doch er wusste nicht, wie er selbst damit umgehen sollte. Er empfand etwas wie Bewunderung dafür, dass Iro schnell wusste, was zu tun und was zu denken war. Schließlich war er es, der Max eine Weile durch die Schädelwüste getragen hatte.
„Eine andere Sache“, setzte Iro nun an, dieses Mal war sein Blick erfüllt mit Neugier. „Was hältst du von Shadow und den anderen?“    
Max brauchte eine Weile, um eine Antwort zu finden. Zumal er etwas brauchte, um von dem Gedanken an Jimmy wegzukommen. Doch kaum wollte er eine geben, da klopfte es laut an der morschen Holztür, sodass sie zusammenzuckten. Ohne eine Antwort abzuwarten huschte ein Schatten unter den Türspalt und Shadows schwarzer Körper erhob sich aus diesem. Mit ausdruckslosem Gesicht blickte er die beiden an.    
„Ich soll euch von Nocrow Bescheid sagen, dass die Mauer bald in Sicht sein wird. Er meint, ihr würdet diese gerne sehen wollen, bevor wir durch diese durchbrechen.“    
Und ebenso verschwand er so rasch durch den Türspalt wie er gekommen war. Max und Iro warfen teils empörte, teils belustigte Blicke. Und auch in Iro schien die Neugier zu siegen, denn beide erhoben sich, verließen ihr kleines Zimmer und folgten den Höhlengängen nach oben bis zur Falltür.    

Kaum, dass Max seinen Kopf durch diese geführt hatte, sah er sie in Ferne. Dieses Mal wirbelte Castiel keine zu große Staubwolke auf, sodass ihre Frontsicht klar war.
Dunkel hob sie sich vom gelben Steinboden ab und Max wurde aus der Entfernung sofort klar, dass die Sandsturmmauer dreimal größer als Castiel selbst sein musste. Wie ein verschwommener dunkelbrauner Streifen zog sie sich über den flimmernden Horizont und Max hörte über das Stampfen und Beben von Castiels Schritten das leise Rauschen, wie das einer tosenden Flut.
„Der Wahnsinn!“, rief Rose aus, als Max und Iro zu ihr, Emil, Shadow, Vane und Nocrow stießen. Ihrer Miene konnte man ansehen, dass sie sowohl fasziniert über den Anblick als auch davon eingeschüchtert war. Auch Emil und Vane stand die Neugier ins Gesicht geschrieben. Max musste dann bei Shadow stutzen, der tief in Gedanken versunken war und der Szenerie vor ihm eher wenig Beachtung schenkte.      
„Es ist schon ein seltsames Gefühl, dass wir auf diese direkt zusteuern“, gab Vane mit einer Stimme zu, die zittrig vor Erregung war. „Ich frage mich, wie es wohl in diesem Sandsturm ist …“    
„Versuch es besser nicht herauszufinden!“, warnte ihn Nocrow eingehend und wandte seinen gelb glühenden Blick ihm zu. „Ich musste schon damals Stahlard und Axel davon überzeugen, dass sie sich nach unten zurückziehen sollen. Wir alle würden sofort weggeweht werden, wenn wir hier uns hier draußen aufhalten. Ich war nur der Ansicht, dass ihr diesen imposanten Anblick gerne sehen wolltet, bevor wir passieren.“    
„Da hast du richtig gelegen!“, kommentierte Vane begeistert. Auch Rose nickte zustimmend, auch wenn sie immer noch etwas nervös wirkte: „Wird Castiel denn da durchkommen?“    
„Macht euch da keine Sorgen, Cas hat beim ersten Mal schon das mit Bravur überstanden und ihm hat es nichts ausgemacht. Wie ich schon sagte, er dürfte in der Schädelwüste das einzige Pokémon sein, dass dazu in der Lage ist …“          
Abschätzend wandte er sich der Mauer in der Ferne zu, die langsam aber stetig an Höhe zunahm. Auch wurde das tosende Geräusch immer lauter und durchdringender. Sein Blick wurde ernster.          
„Wir sollten uns allmählich in Cas zurückziehen …“, und er bedeutete den anderen Erkundern, ihm durch die Falltür zu folgen. Max und Iro blieben zurück und blickten zu der Mauer. Max verstand nun, was Nocrow meinte. Und insgeheim fühlte er sich beruhigt. Jimmy und seine Begleitung konnten unmöglich von sich aus durch diese Mauer. Endlich fühlte Max, wie er um Jimmy sich weniger Sorgen machen musste, da er nicht in sonderlicher Gefahr zu schweben und in zuversichtlicher Begleitung schien. Er brachte sogar ein schwaches Lächeln zustande. Als er dann Iro zunickte und sich in Richtung Falltür umwandte, glaubte er eigentlich, dass Iro ihm direkt folgen würde.
Doch als er bei der Falltür sich umwandte, stand Entsetzen in sein Gesicht geschrieben: „Was tust du da?!“    
Iro hatte sich nicht bewegt, sondern stand nachwievor der Mauer zugewandt. Sofort trat Max an ihn heran und zerrte an seinem linken Arm.      
„Komm schon! Warum bleibst du stehen?“    
„Der General hat sich in Castiel zurückgezogen …“, sagte Iro leise und Max hörte, wie er mit den Zähnen knirschte. Als Iro dann zu Max hinunterblickte, stand eine Mischung aus Zweifel und grimmiger Entschlossenheit in seinem Gesicht geschrieben. Mit einem Schlag verstand Max.    

„Bist du wahnsinnig? Du glaubst doch nicht, dass du, anders als er, diesen Sandsturm überstehen könntest?!“    
„Ich würde ihn in der Hinsicht übertreffen …“, gab Iro grimmig zu und ließ seinen Blick wieder zur Mauer gleiten, die mittlerweile und immer lauter tosend doppelt so hoch wie Castiel gewachsen war. Max fand, dass die Schädelwüste auch von Iro nun ihren Tribut an Verstand einforderte. Doch umso mehr zerrte er an dessen Arm. Auf keinen Fall würde er es zulassen, dass ein weiterer Freund im Sandsturm verloren ging. Doch ihm wurde schlagartig bewusst, wie viel größer und damit schwerer sein Freund war. Iro rückte nicht von der Stelle und Max brachte nicht genug Kraft.      
„Iro, bitte!“, flehte Max verzweifelt und Tränen standen ihnen in den Augen.    
Das Tosen wurde unerträglich laut, sodass Max seine eigene Stimme nicht mehr hören konnte, während er an Iro zerrte und auf dessen Arm schlug.

Dann spürte er, wie er in seiner Bewegung schlagartig erstarrte. Auch Iro, der sich gegen Max‘ Versuche gewehrt hatte, schien in seinen Bewegungen eingefroren zu sein. Bevor dann dunkelbraune Dunkelheit und tosende Winde sie zu verschlucken drohten, zog es sie fast blitzartig in Richtung der Falltür. Max und Iro stießen in ihrer Erstarrung mit dem Kopf an dessen Rand und Max spürte, wie sein Körper sich wieder löste. Beide rollten die Treppen herab und landeten unsanft und hart an deren Fuß, um den sich Rose, Vane, Emil, Nocrow und Pan versammelt hatten. Während Max mit vor Schmerz tränenden Augen den Kopf rieb, wurde unter lautem Poltern die Falltür zugeschlagen und das laute Tosen des Sandsturms drang nur gedämpft zu ihnen herunter.
   
„Seid ihr wahnsinnig geworden?“, drang eine Stimme von der Falltür zu ihnen. Max öffnete die Augen und sah, wie Shadow aus seinem Schatten zurückkehrte und mit weiten roten Augen auf sie hinabblickte. Auch in den Mienen der anderen stand Fassungslosigkeit geschrieben.
„Was lässt euch glauben, dass ihr in der Lage wäret, einem solchen Sturm standzuhalten?“, flüsterte Shadow sichtlich aufgebracht. „Ihr seid sehr starke Pokémon, Team Mystery … doch so stark seid ihr auch wieder nicht!“    
„Shadow hat Recht!“, rief Rose schwer atmend. „Wieso um alles in der Welt …?“    
„Ich …“, wollte Max sich zur Wehr setzen, doch er verstummte. Er warf Iro einen Blick zu, der grimmig zu Shadow hinaufblickte und ihn wütend anfunkelte. Doch obwohl er nichts sage, deutete Shadow wohl seinen Blick richtig. Abschätzig wandte er sich dem Impergator zu: „Du denkst wirklich, du könntest die Grenzen des Unmöglichen sprengen, was? Du hast gesehen, welche Windstärken da gerade über uns herrschen?“    
Wie zur Bekräftigung wurde die Falltür mit einem Mal, wie von selbst, wieder aufgeschlagen und ein Getöse erfüllte die Luft und es war derartig laut, dass sich alle die Ohren zuhalten musste. Shadow griff mühevoll nach deren Griff, schlug die Falltür wieder zu und schob einen kleinen Riegel in das Gestein. Nun blieb sie zu, auch wenn es offensichtlich war, dass der Wind sehr an ihr zog.    

Schweigen erfüllte nun den Raum. Max richtete sich auf und wollte Iro helfen, doch er blieb weiterhin unten und blickte zu Boden. Nun, da sie in Sicherheit waren, war Max auch ganz kurz danach, Iro deswegen anzuschreien. Er hatte gehofft, dass Iro nach dem Kampf mit dem General seine Lektion gelernt hatte. Als er aber dann Iro so vor sich auf dem Boden kauernd sah, besänftigte Max dann doch. Er spürte, wie Iro sein dämliches Vorhaben immer bewusster wurde. Max suchte den Blick von Shadow, der nachwievor fassungslos war. Als Max ihm aber dann dankbar zunickte, schnaubte das Gengar gereizt, sagte aber dann kein Wort mehr.
Die ganze Fahrt durch die Mauer über herrschte Schweigen von allen Anwesenden, die hin und wieder Blicke einander zuwarfen.
Und dann endlich, nach fünf Minuten, die sich sehr lange angefühlt hatten, ließ draußen das Getöse nach und auch die Falltür ließ immer weniger Geräusche von sich vernehmen. Nocrow, der immer wieder von dem Team Mystery zu Shadow hin und her geblickt hatte, lockerte sich und sagte dann leise und bedeutend: „Wir sind da. Kommt mit nach draußen!“

Als sie aus Castiel ausgetreten waren, wusste Max direkt, dass sie die Schädelwüste verlassen hatten. Anders als in dieser schlugen den Pokémon kühlere Winde und Temperaturen entgegen. Auch schmeckte Max Salz in der Luft und er hörte das permanente Brausen von Wellen, die gegen hohe Felswände schlugen. Er drehte sich um und sah ein vom Wind aufgepeitschtes Meer vor sich. Es fröstelte ihn leicht, als kalte Winde ihn hart umfassten und sein Blätter, die von seinen Arm herabhingen, flatterten. Und in einiger Entfernung sah er den Anfang eines tatsächlich eher kleinen, rauen Felsweges, der über eine kleine Bergkette führte, die etwas unterhalb in Schlangenlinien zum Meer lief. Feuchte Luft hin in Nebelschwaden über dem Meer, sodass man nicht weit in die Ferne blicken konnte. Nocrow trat an ihn heran und wies auf den Pfad: „Geht diesen Weg entlang. Stahlard und Axel waren sich sicher, dass dieser zum Lawinenberg führt!“    
Er blickte Max von der Seite an: „Seid ihr sicher, dass ihr gehen wollt? Vergesst nicht, was die beiden hierüber gesagt haben …“    
Max schwieg eine Weile. Sie waren nun soweit gekommen, doch sollten sie umkehren, wie es einst Stahlard und Axel getan hatten. Er tauschte einen Blick mit Iro, doch er schien nur noch auf Max‘ Entschluss zu warten. Er nahm einen tiefen Atemzug und spürte das Salz des Meeres seine Nasenhöhlen kitzeln.    
„Ja!“, sagte er dann bestimmt. „Wir werden unseren Weg fortzusetzen! Wirst du …?“, und voller Hoffnung wandte er sich Nocrow zu, der ihm zunickte.    
„Ich werde euren Freund in der Wüste finden und wir werden dann hierher zurückkommen und auf eure Rückkehr warten. Darauf gebe ich euch mein Wort!“    
Max nickte dankbar und hielt Nocrow seine Hand hin. Verdutzt wollte dieser sie nehmen, doch Max zog frech grinsend seine Hand zurück. Nocrow unterdrückte ein Lachen.    
„Max?“

Shadow trat nun heran und Max war erstaunt, als er dessen Blick begegnete. In diesem lag eine noch nie zuvor gesehene Entschlossenheit. Shadow holte tief Luft, blickte noch einmal zu Vane, Rose und Emil, die in einiger Entfernung standen, und wandte sich dann Max zu: „Ich habe mich mit meinen Kollegen unterhalten … wir finden, dass ihr euch eine enorme Bürde aufgelastet habt …“    
Max hörte zu und auch Iro schien interessiert an Shadows Worten zu hingen. Das Gengar wirkte überrascht, dass beide ihm nicht mehr mit dem Misstrauen wie am Anfang begegneten. Dies schien Shadow zu ermutigen, denn seine Stimme klang noch eine Spur entschlossener: „Wenn ihr es euch vorstellen könnt … hättet ihr was dagegen, dass wir euch noch eine Weile begleiten? Ich kann mir denken, dass wir uns auf dieser Reise sehr gut ergänzen könnten statt gegeneinander zu kämpfen …“    
„Willst du dich uns anschließen?“, fragte Max verdutzt und Shadow lief etwas braun an.    
„Versteht mich nicht falsch!“, sagte er rasch. „Es ist nicht so, als würde ich unbedingt mit euch befreundet sein wollen! Wenn ich nur daran denke, dass wir euch quasi gerettet haben … Ich weiß nicht … vielleicht könntet ihr unsere Hilfe auch in dieser Firntundra gebrauchen … Sobald wir den Lawinenberg dann erreicht haben …“, und Shadow wirkte, als kosteten die nächsten Worte ihn viel an Überwindung. Shadow seufzte und blickte Max aufrichtig in die Augen. „Wir wollen uns nicht in eurem Auftrag einmischen, wenn ihr es wünscht. Mit den Wächtern selber kommt ihr wohl gut klar und müsst wohl auch nur mit ihnen reden. Wir vier können dann-“
„Shadow!“, sagte Max bestimmt und hob die Hand. Shadow verstummte augenblicklich.
„Ohne euch wären wir in der Schädelwüste verloren gewesen“, sagte Max und warf einen Blick auf Iro, der grimmig zustimmend nickte. „Wenn ihr uns begleiten wollt, hätten wir absolut nichts dagegen. Und jetzt, wo Jimmy gerade nicht bei uns sein kann …“, und Max versuchte, den Schmerz an seinen Freund zu unterdrücken. Er lächelte dann Shadow zu und er spürte, dass es ein ehrliches, fast freundschaftliches Lächeln war.

„Wir könnten auf dieser Reise eure Hilfe wirklich gebrauchen!“
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