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Mystery Dungeon: Die Legende des Dämons

von Silvers
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
27.11.2020
25.01.2022
54
246.117
2
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Dieses Kapitel
1 Review
 
01.04.2021 4.972
 
„Komm schon, Max!“    
Vergeblich versuchte Iro, Max zum Weitergehen zu überreden. Geschlagene zehn Minuten hatte Max noch nach Jimmy gerufen, ohne aber eine Antwort oder ein Lebenszeichen zu erhalten. Jimmy blieb nachwievor wie vom Erdboden verschluckt. Nur allmählich schien in Max die Realität Halt zu machen.  Aus dem Rufen wurde ein unerbittliches Schluchzen. Und während Iro diese Laute von Max, die er noch nie zuvor vernommen hatte, wohl oder übel ertragen musste, hallten Jimmys letzte Worte auch in ihm nach. Iro wusste sehr gut, dass er sich eigentlich viel mehr Sorgen machen müsste, doch spürte er zu viel an Ärger und Wut in sich, als dass er Max große Anteilnahme zeigen konnte.    

Jimmy hätte sagen können, was er wollte. Für Iro war es klar, dass seine und Max‘ Entwicklung die Ursache dafür war, dass Jimmy sich schwach und zurückgeblieben fühlte. Iros Hand ballte sich zur Faust, die daraufhin stark zitterte. All die Zeit über hatte Jimmy kein Problem, so glaubte es Iro. Und er konnte es nicht fassen, dass Jimmy nicht schon viel eher dieses Thema angesprochen hatte, wenn es ihn doch so belastet hatte. Doch obwohl Iro ihn in der Sicht irgendwie verstehen konnte, so war es von Jimmy einfach eine Unverschämtheit zu sagen, dass Iro Max unter der Kontrolle des Waldschrats sämtliche Gliedmaßen gebrochen hätte. Er war doch selbst da gewesen und hatte gesehen, wie mühevoll es für Iro gewesen war sich zurückzuhalten.    
Ein Gewissensstich durchfuhr Iro. Trotzdem hätte er nicht so die Beherrschung verlieren dürfen und Jimmy mit seinem Schweif eine wischen wollen. Nur Schwächlinge würden zu Angriffen außerhalb von Kämpfen greifen. Jetzt aber, wo Iro darüber dachte und ihm sein bandagierter rechter Arm in sein Bewusstsein rückte, erkannte er einmal mehr, dass er noch immer schwach war, und das nicht nur dem General gegenüber. Sein Blick fiel auf Max. Wie er wohl über ihn dachte? Was ging seinem Anführer durch den Kopf?    

Doch seine Gedanken wurden abgelenkt von etwas, das an seinen Füßen kratzte. Iro blickte nach unten und sah feine Streifen an Sand um sein Fußgelenk schlängeln. Er spürte ihn nicht dort, doch Iro war sich sicher, dass der Sand von Wind getragen wurde. Instinktiv richtete Iro seinen Blick nach hinten. Der Sandsturm von vorhin hatte einiges an Wüstensand auf dem trockenen Boden verteilt, der vereinzelt durch dessen Risse rieselte. Es war ein erschreckender Anblick gewesen, wie aus dem Nichts diese tiefbraune Wolke aus spitzem Sand auf sich zukommen zu sehen. Iro schoss es durch den Kopf, was gewesen wäre, wenn er nicht rechtzeitig reagiert hätte und sich nicht mit Max im Arm auf den Boden geworfen hätte. Vermutlich wären sie wieder alle getrennt worden, so wie es mit ihnen und Jimmy passiert war. Als Jimmys Name ihm vor Augen kam, spürte er gegen seinen Willen einen stechenden Schmerz in der Brust. Er blickte wieder nach vorne zu der Stelle, wo er Jimmy das letzte Mal gesehen hatte, als dieser schon etwas in seinem Flammenrad vorgeprescht war. Jimmy konnte sich nicht auf dem Boden halten, dafür war er zu klein und Bäume, an deren Äste man sich hätte festhalten können, waren weit und breit nicht zu sehen. Iro merkte, wie sein Atem selbst panischer wurde, obwohl seine Wut ihn wünschen ließ, dass es ihm egal wäre. Er versuchte es sehr, jenen schrecklichen Gedanken nicht seinen Kopf zu lassen.      
Jimmy hat bisher vieles überstanden, dachte sich Iro. Er kannte die Geschichten, die Jimmy und Max ihm erzählt hatten, als er gerade erst dem Team beigetreten war. Zwar hatte er das Meiste schon vom Hören-Sagen gekannt. Doch wenn er es von jenen hörte, die tatsächlich dabei gewesen waren, waren die Geschichten viel lebendiger gewesen. Und wenn sie sich alle so wirklich zugetragen hatten, dann standen die Chancen gut, dass der Schimpanse zwar fortgeweht, aber dennoch noch am Leben war. Doch noch befanden sie sich noch immer in der Schädelwüste. Zikabelle hallte gerade in seinem Kopf wieder und Iro erinnerte sich, dass sie gesagt hatte, dass die Schädelwüste weitaus schlimmer war als die Nordwüste. Und nun drohte Jimmy, sich alleine in dieser zurechtfinden zu müssen, ohne eine Karte oder Kompass in der Hand zu haben.    

Auch wenn Iro über Jimmys Ausfall noch immer wütend war, so erfüllte ihn eine grimmige Geschlossenheit. Er blickte zu Max, der auf die Knie gesunken war und keinen Laut mehr von sich gab. Iro trat an Max heran und rüttelte sanft an ihn, doch Max gab keine Reaktion. Iro seufzte und starrte seinen Anführer sorgenvoll an. Jimmy war sein erster und bester Freund und zusammen haben sie das Team Mystery gegründet. Iro wusste nur zu gut, wie es war, jemand Nahestehendes zu verlieren. Doch im Gegensatz zu seinem Fall bestand bei Jimmy noch immer die Möglichkeit, dass er am Leben war. Und ihm wäre nicht geholfen, wenn sie weiter Zeit verschwendeten. Deswegen fasste Iro sich einen Entschluss. Er legte seinen linken Arm um Max‘ Bauch und dachte darüber nach, wie er es mit nur dem einen Arm schaffen könnte. Dann richtete er sich schwungvoll auf und wie erhofft gelang es ihm, Max in der Luft zu drehen, sodass er mit dem Bauch voran auf Iros linker Schulter lag. Betreten merkte Iro, dass Max‘ Körper komplett locker war und somit ohnmächtig geworden schien. Er biss die Zähne zusammen und er ging in die Richtung, in die Jimmy verschwunden war.

Sowohl wie befürchtet als auch wie erwartet erwies sich der Gang durch die Schädelwüste als die reinste Tortur. Nicht nur, dass sein rechter Arm im Gips sich anfühlte, als würde er aufgrund der Hitze und des Schweißes verfaulen, auch das Kühlband hatte Schwierigkeiten, gegen das Klima anzukämpfen. Iro wusste, dass er und Max ohne diese Bände vor Hitze direkt verrückt werden würden. Sogar die Augen fühlten sich allmählich an, als würden sie durch die Sonnenstrahlen wie von glühenden Kohlen versengt werden. Und mit Max auf seinen Schultern fühlte Iro, wie er eher langsam vorankam. Zwar gab es keine Sanddünen als Widerstand, doch allmählich machten Iro die Umstände zu schaffen. Hitze, Schweiß, schmerzende Augen, das zusätzliche Gewicht, und nun spürte Iro jäh den Hunger und den Durst in sich aufkommen. Und nicht zuletzt war doch noch die Wut über Jimmy und die Sorge um ihn. All dies setzte allmählich auch seinem Körper zu. Und die immer schwerer werdenden Glieder waren ein deutliches Zeichen. Doch Iro zwang sich dazu, weiterzugehen. Wenn sein Anführer meinte, sich verabschieden zu müssen, war das dessen Sache. Doch Iro weigerte sich aufzuhören. Das Bild des Generals und sein skeptischer Blick erschienen vor seinem geistigen Auge. Dazu gesellten sich Knuddeluff, Plaudagei, Axel sowie Zikabelle. All ihre Blicke sprachen von der einen Frage, die sie sich stellten: „Sind sie dafür geschaffen?“    

Iro wollte einen Schrei der Entschlossenheit ausstoßen, doch seiner Kehle entfuhr nur ein trockenes kratziges Röcheln. Er hielt inne und blickte auf den Schatzbeutel, der von Max herunterhing. Dort drin waren die zwei verbliebenen Feldflaschen an Wasser. Jenes wertvolle Gut, dass einem Wasser-Pokémon wie ihm neues Leben spenden würde. Doch Iro unterdrückte den Drang, begierig zu trinken. Sie brauchten noch genug sowohl für den restlichen Weg zum Lawinenberg als auch für den Weg zurück nach Hause. Obwohl Iro förmlich danach lechzte, widerstand er dem Verlangen. Er wollte weitergehen, doch in dem Moment setzte sein Körper aus. Er sank dumpf auf die Knie und wie mit Eisen gewichtet, fiel sein Körper voran auf den harten trockenen Steinboden. Max fiel von seinen Schultern und lag dicht neben Iro.    

So würde es also enden, dachte Iro sich. Er dachte an das Wasser. Er ahnte, dass er nicht die Kraft gehabt hätte, es herauszuholen, selbst wenn er aus denen hätte trinken wollen. Langsam richtete sich sein Blick nach vorne. Obwohl er anfing zu trüben, sah er noch scharf genug, um die Umgebung zu betrachten. Ein heller flimmernder Steinboden, ein erbarmungslos weißblauer, wolkenloser Himmel und die Sonne, die wie hundertfach vergrößert, auf ihn herabschien. Iro wurde bewusst, warum dieser Ort als die Schädelwüste bekannt war. Recht bald würde man nur die Skelette von ihm und Max entdecken, vorausgesetzt, es kämen überhaupt Pokémon hierher.    
„Ne-Nein!“, krächzte Iro und obwohl sein Körper sich sehnsüchtig nach dem Ende sehnte, verlangte er von ihm, dass dieser sich aufrichten sollte. Iro würde nicht zulassen, dass er und Max so einen Anblick abgeben würden. Das verbat ihm sein eigener Stolz.    
„Ma…“, krächzte Iro und sein trüber Blick schweifte hinüber zu Max, der noch immer auf dem Boden lag. Iro torkelte den einen Schritt, der für ihn aber eine große Distanz bedeutete, auf Max zu und legte seine linke Hand auf die Schulter. Wenn er ihn nicht tragen konnte, so konnte er ihn zumindest ziehen. Und obwohl Max so schwer wie ein Stahlos war, schaffte Iro es doch noch, ihn mit sich zu schleifen.
Genau so, dachte sich Iro. In diesem Tempo … Schritt für Schritt …    

Und tatsächlich fühlte Iro, wie es tatsächlich so gelingen könnte. Verbissen kämpfte er gegen die Proteste seines Körpers an. Er würde es wie im Geheimnisdschungel machen: Gegen alle Widerstände ankämpfen, bis er diese niedergerungen hat. Und er und Max würden es allen beweisen und die Schädelwüste überstehen und auch den Lawinenberg erreichen. Nur sehr starken und erfahrenen Pokémon würde dies gelingen. Und Iro hatte das Bestreben, zu den stärksten Pokémon der Welt zu gehören. Er hatte es versprochen und er etwas versprach, so hielt er es auch ein. Er durfte daher nicht aufgeben. Er konnte es einfach nicht.    
Doch in dem Moment knickte er wieder ein. Sein rechter Arm schmerzte auf, als würde auch dieser im Gips nun protestieren, doch Iro schaffte es noch rechtzeitig, sich mit der Spitze seines Mauls abzustützen. Obwohl seine Nüstern erheblich schmerzten, weil Hitze und Druck auf sie einwirkten, ließ er nicht locker. Auf keinen Fall würde er Max nochmal loslassen. Er würde nicht noch einen Freund verlieren. Iro spannte daher seine Nackenmuskeln bis zum Bersten an. Er schloss vor größter Anstrengung die Augen und mit einem letzten kräftigen Wutschrei stieß er sich mit seinem Maul vom Boden ab. Kampflos würde er sich nicht ergeben, das nahm er sich vor.    

Doch als Iro wieder die Augen öffnete, war er baff vor Entsetzen. Wieso nur musste Zikabelle Recht behalten, und das noch zu einem Zeitpunkt wie diesen? Er wollte erschrocken aufschreien, doch schon erfasste ihn die dichte stürmische Wolke aus Sand. Es riss ihn fast nach hinten, doch so stark waren die Winde nicht. Abermals hieben Sandkörner wie kleinste unscharfe Messer gegen seinen Körper, und ein Brausen erfüllte seine Ohren. Er spürte, wie Max‘ Arm seinem Griff entglitt. Iro hätte geschrien, doch sowohl der Sturm als auch seine eigene Kraftlosigkeit verhinderten, dass er keinen weiteren Ruf von sich geben konnte. Doch sofort spürte er, wie sich Arme sowie ein Körper um seinen linken Arm schlangen.    
„Durchhalten, Iro!“    
Max‘ Stimme drang kaum durch das laute Brausen, doch erfüllte deren Klang schon ihn mit Kraft, um der Forderung seines Anführers gerecht zu werden. Es war nicht viel, doch reichte sie, dass Iro Max enger um seinen Körper schließen und beide sich nach vorne krümmen konnten, um dem Sandsturm weniger Angriffsfläche zu bieten.      
Und als dann endlich das Brausen nachließ und sich eine vergleichsweise unheimliche Stille über sie legte, wagte Iro es, wieder seine Augen zu öffnen. Langsam und schwach blickte er sich um. Das erste, was er sah, war, wie Max sich aus Iros schützenden Umarmung löste und nun mit wackligen Beinen vor ihm stand. Er kramte etwas aus seinem Schatzbeutel hervor, zögerte einen Augenblick und führte sich dieses zu Mund. Sofort aber ließ er es aber wieder sinken und reichte es dann Iro.    
„Trink alles aus bitte!“, sagte Max im ernsten Ton.    
Iro krächzte. Er wollte protestieren, doch Max, der vom Wasser für eine kurze Zeit neue Kräfte erhalten hatte, drängte ihm die Feldflasche auf.    
„Was bringt dir dein Stolz, wenn du auch stirbst? Trink jetzt endlich!“    
Iro riss die Flasche aus Max‘ Händen und quetschte sie, so fest er konnte. Wie ein Wasserfall strömte Wasser in seinen Rachen und obwohl Iro sich verschluckte, trank er hustend und würgend alles aus, um ja keinen Tropfen zu verschwenden. Grimmig sah Max ihm dabei zu, wie Iro die Feldflasche schließlich vom Mund nahm. Mit einem Schlag spürte Iro die Lebensgeister in sich zurückkehren. Seine Sicht schärfte sich wieder und sein Körper fühlte sich an, als wäre er mit deutlich weniger Eisengewichten behangen. Er blickte zu Max, der ihn ausdruckslos ansah: „Danke, Max“.    
„Kein Problem, Ironhard“, sagte Max mechanisch. Iro stutzte bei der vollen Nennung seines Namens, doch als er seinem Anführer ins Gesicht blicken wollte, bemerkte er etwas, das sich hinter ihm befand. Er deutete hinter Max, sodass auch er sich umdrehte.

Beiden klappte leicht der Mund auf, als sie die Säulen und Mauern einer Ruine vor sich sahen. Hier war deutlich mehr an Sand vorhanden, der sich unterschiedlich an den Mauern aufhäufte.    
Das Mauerwerk sah sehr antik aus, und das konnte Iro selbst als Laie der Architektur sagen. Sie waren einst auch bemalt, doch die rote die schien über eine sehr lange Zeit durch die Sonne und Witterung an Intensität verloren zu haben. Und es hatte ganz den Anschein, als wären diese Ruinen relativ frei begehbar. Max und Iro blickte sich an, dann gaben sich beide einen Ruck. Mühselig sich nach vorne schleppend kämpften sie sich durch den Sand und dann endlich sahen sie ein Loch im Mauerwerk, der in die Ruine hineinführte, wobei das Innere zum größten Teil durch Stein und Sand verschüttet wurde. Nur vom ehemaligen Korridor waren nicht mal drei ganze Meter übrig geblieben, doch bot dieser Teil der Ruine ersehnten Schatten.    
Iro hätte nie erraten können, wie gut sich der kühle Schatten anfühlen würde. Er fühlte sich sogar sicher genug, sein Kühlband abzulegen, da ihm doch etwas zu sehr kalt wurde. Auch Max legte sein Kühlband ab und beide legten sich jeweils auf einen anderen Haufen Sand, die in der Nähe waren. Sie schwiegen sich an und Iro spürte, wie Erschöpfung und Hunger seinen Körper nun überrannten, nachdem sie so lange unterdrückt worden waren. Iro wehrte sich nicht, denn sie befanden sich nun fürs Erste in Sicherheit. Doch ein Blick veranlasste ihn, sich nicht zu sehr zu entspannen. Mit starrem Blick sah Max von seinem Sandhaufen aus auf den dunklen Steinboden. Es war nicht die übliche Haltung, die Max annahm, wenn er über etwas nachdachte. Tatsächlich sah Max fast genauso wie vorhin aus, nur dass er dieses Mal saß und nicht auf dem Boden kniete.      
„Woran denkst du?“, sagte Iro, auch wenn er es sich durchaus vorstellen konnte. Max antwortete nicht und Iro unterließ es, ein weiteres Mal zu fragen. Max war wenigstens der Typ, der offen über das sprach, was ihn bedrückte. Zumindest war er bereit dazu. Iro lehnte sich zurück und ließ seine Augen zu fallen. Und er fühlte sich, als würde er Schwierigkeiten haben dieses zu öffnen, denn die Müdigkeit überrollte ihn förmlich. Nichts lieber hätte er getan als eine Runde zu schlafen, doch er musste sich dazu überwinden, wach zu bleiben. Er musste mit Max über das sprechen, was vorgefallen war. Schwerfällig richtete er sich auf dem Sandhaufen auf und blickte Max an, der schon seinen Blick gesucht hatte.    
„Ich kann mir vorstellen, dass du mich für einen miserablen Anführer hältst, Ironhard …“    
„Schon wieder mein voller Name… erst von Jimmy und nun von-“, brummte Iro, verstummte aber, als er Max‘ verstörte Miene sah. Die Erwähnung des Namens vom Schimpansen schien in Max etwas auszulösen und Iro nahm sich vor diesen nicht nochmal zu erwähnen. Doch der andere Teil des Satzes sackte nun in ihm ein wie ein bleiernes Gewicht. Schockiert blickte Iro Max an: „Wie kommst du bitte auf diesen Schwachsinn?“    
„Nun“, entgegnete Max mit einer grimmigen Miene und hob zwei Krallen in die Luft: „Zum einen habe ich es nicht geschafft, den Streit zwischen euch zu schlichten, sodass es eskalierte. Und zum zweiten habe ich nicht verhindern können, dass Jimmy…“, und jäh brach Max ab. Beide starrten sich an und Iro konnte es nicht verhindern, denn eine unerklärliche Wut stieg in ihm hoch.    
„Und des Weiteren“, ergänzte Max, ohne auf Iros Miene zu achten, die sich merklich verzerrte. „Sitzen wir nun in der Schädelwüste fest, mit rund einem Drittel unseres Wasservorrats, den wir mitgebracht haben. Ich habe unsere Reise in die Schädelwüste unterschützt und so wie es aussieht-“    
„Was wie aussieht?“, rief Iro dazwischen. Irritiert blickte Max ihn an. Und zu Iros Überraschung lächelte Max, doch es wirkte ziemlich gequält.    
„Glaubst du denn, wir schaffen es überhaupt noch? Wir sind momentan zu zweit und wenn ich daran denke, welchen Weg wir noch zu gehen haben …“    
„Und welches von den Punkten bedrückt dich nun?“, sagte Iro tonlos. Max’ Augen weiteten sich. Iros Mundwinkel zuckten, als er das sah.    
„Die ganze Zeit über treffen die meisten deiner Punkte zu, und doch hast du dich nicht beschwert, geschweige ich. Und nun kümmert es dich? Wo ist der zuversichtliche Max abgeblieben?“    
„Zuversichtlich, ja?“      
Max Stimme klang, als hätte Iro ihm eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte erzählt. Und dieser Klang ließ Iros Ärger noch mehr aufsteigen.    
„Was habe ich bisher groß getan? Wie ich durch Viridium erfahren habe, war ich im Geheimnisdschungel nicht gerade hilfreich … du hingegen-“    
„Fang du nicht auch noch so an!“, rief Iro laut und hob seine linke Hand, um Max Schweigen zu gebieten. Dieser wollte protestieren, doch Iro schnitt ihm das Wort ab: „Wenn du auch noch so anfängst wie Jimmy, werde ich der nächste sein, der das Team verlässt!“    
Max‘ Mund klappte auf und er starrte Iro baff an. Iro blickte grimmig zurück, doch besann er sich darauf, sich zu beruhigen. Sie waren müde, hungrig und waren dem Tod in der Wüste gerade noch so entkommen. Er blickte sich nach dem Schatzbeutel um und sah ihn nur wenige Zentimeter neben sich auf dem Boden liegen. Max musste ihn wohl geistesabwesend in Iros Nähe abgelegt haben. Er kramte nach einem Behältnis und ließ einen abgemessenen Schauer dunkelbrauner Rosinen auf seine Hand fallen. Diese warf er sich sofort in den Mund und spürte, wie leicht sein Magen sich ebenso beruhigte. Noch immer blickte ihn Max starr vor Entsetzen an.    
„Das meinst du nicht ernst, oder?“    
„Wenn du so weiter machst, dann lasse ich meine Drohung wahr werden!“, entgegnete Iro grimmig.
„Wir brauchen nicht noch einen Jimmy in unserem Team!“
Als Iro wieder zu Max blickte, sah er bestürzt, dass Max Tränen in die Augen stiegen. Sofort bereute Iro es, zu diesen Worten gegriffen zu haben. Er drehte sich vollständig zu Max um und blickte ihm ernst ins Gesicht: „Natürlich würde ich nicht das Team verlassen wollen … doch um Himmels willen, höre auf, in Selbstmitleid zu versinken!“    
„Aber… Jimmy …“, stammelte Max brüchig, doch Iro schüttelte den Kopf: „Er hat sich dazu entschieden, so mit uns zu reden. Und ebenso war es seine Entscheidung, zu gehen. Das hat weder was mit dir noch mit mir zu tun!“    
Max sagte nichts und blickte immer noch mit feuchten Augen Iro an. Dann bebte sein Körper und Max Stimme zitterte: „Doch wäre ich was aufmerksamer gewesen, was ihn betrifft … hätte ich gewusst, dass er so dachte … wir hätten dann … er wäre …“, und bei dem Gedanken vergrub Max das Gesicht in den Armen und schluchzte wieder. Mitleid stieg in Iro und er konnte Max es nicht verübeln. Er ließ sich wieder in den Sand zurücksacken und blickte zur löchrigen Decke der Ruine, durch die Streifen von Sonnenlicht fielen. Erst jetzt viel Iro auf, dass es allmählich auf die Dämmerung zuging. Iro fragte sich, ob und Raum tatsächlich anders in der Schädelwüste abliefen als anderorts. Wenn ja, so fragte er sich, wie sie sich überhaupt durch diese bewegen sollten, wenn Sandstürme sie tatsächlich immer wieder von A nach B und von dort nach C und so weiter brachten. Über Max‘ Schluchzen hinweg hörte er auch jenes Brausen, das die Ankunft eines weiteren Sandsturms ankündigte. Er spannte sich an und war darauf gefasst, dass harsche Winde in die Ruinen hineinwehten. Doch nichts passierte und das Brausen verstummte. Offenbar war es weitergezogen. Und auch Max hörte mit dem Schluchzen auf. Er hob sein Gesicht wieder aus den Armen und rieb sich die geröteten Augen. Dann blickte er mit verschwommenem Blick zu Iro: „Wie ist es eigentlich?“    

„Was?“, antworte Iro irritiert.    
„Wenn Jimmy und du euch gegenseitig diese Namen wie Zwerghand oder Hohlbirne gebt … warum amüsiert euch das so?“    
Iro blickte seinen Anführer an, dann musste er kichern.      
„Ich habe dieses Wort, Zwerghand, schon vergessen. Danke, Max!“, lachte er dann, als er Max‘ eigene irritierte Miene sah. Als diese sich nicht lichtete, hörte Iro auf zu lachen, doch lächelte er schwach: „Du fragst dich, warum Jimmy und ich uns so necken?“    
Max nickte neugierig und Iro dachte nach.      
„Im Grunde schwierig zu beantworten … so richtig einen Grund gibt es da nicht …“    
„Wieso tut ihr es dann?“, wollte Max wissen. Iro schüttelte den Kopf: „Ich denke nicht, dass man das mit Logik oder so begreifen kann. Es ist nun mal unser Ding, verstehst du? Seit ich Jimmy kenne, selbst als ich ein Karnimani war, haben wir uns manchmal in die Wolle gekriegt.“    
„Und das hat dich nie verärgert wie vorhin bei Jimmy?“, fragte Max skeptisch und Iros Miene wurde ernster.    
„Das war was Anderes. Und du hast es selbst gesehen. Im Vergleich zu den anderen Malen hat Jimmy dir gegenüber versucht zu erklären, dass ich dir ohne Weiteres die Gliedmaßen gebrochen hätte, als du vom Waldschrat kontrolliert wurdest. Und dass er sich von uns beiden überschattet fühlte war auch etwas, das ernst genommen werden musste!“    
„Meinst du nicht, dass dieses Gefühl von Jimmy sich nicht auch in euren Spaß-Streitereien gezeigt hat?“, entgegnete Max sorgenvoll. Iro blickte ihn eine Weile an, während er nachdachte.    
„Eventuell ja … zumindest war da immer stets ein Hauch von Neid oder dergleichen herauszuhören … Doch ich hätte nicht gedacht, dass es ihn so derartig bedrücken würde …“    
„Tja, wie es aussieht, kannten wir beide unseren Freund nicht so gut, oder?“    
„Hm“, grummelte Iro. Jimmy als einen Freund zu bezeichnen wirkte weder fern noch realitätsnah. Dann aber klarte sich seine Sicht diesbezüglich. Bestimmt blickte er Max an: „Für mich verhält sich so ein Freund nicht. Wenn ihn was bedrückt, soll er sich die Zeit nehmen, gut darüber nachzudenken. Doch es ist unfair seinen Freunden gegenüber, wenn er ausrastet und ihnen unfaire Vorwürfe macht.“
„Du willst also Jimmy nicht mehr als Freund ansehen?“, flüsterte Max leise, doch Iro verstand ihn deutlich. Er holte darauf tief Luft und atmete aus: „Wenn Jimmy sich aufrichtig entschuldigt, dann bin ich bereit, ihm zu verzeihen. Doch bis dahin, will ich ihn weder als Freund noch als Kollegen desselben Teams betrachten. Wie ist es mit dir?“    
Nun war Max an der Reihe, Iro anzublicken, während er nachdachte. Dann holte auch er tief Luft und stieß einen langen Seufzer aus: „Ich weiß es nicht, Iro …“

Allein, dass Max ihn wieder so ansprach, erfüllte Iro mit Dankbarkeit. Er wollte noch etwas sagen, doch ein metallenes Scheppern drang von außen. Und dieses Scheppern klang so derartig fremd und für eine Wüste unpassend, dass Iro und Max angespannt horchten. Sie hörten, wie das unregelmäßige Scheppern immer näher zu der Stelle der Ruinen kam, in der sich Max und Iro versteckt hielten. Dann drang eine raue Stimme zu ihnen, die mit jemandem sprach:    
„Was meinst du, Boss? Ob er sich da drin versteckt hat?“    
„Ich will es hoffen!“, erklang eine weitere, weibliche Stimme, die Iro und Max seltsam vertraut vorkam. „Diese Hitze bringt mich noch um! Wieso sind wir überhaupt so weit raus?“    
„Ich hatte nun mal diese Idee!“, drang nun eine energische dritte, ebenso vertraute Stimme zu ihnen. „Dieser schlüpfrige Bastard kann sich der gleichen Fähigkeiten wie ich bedienen. Natürlich ist dann diese Höllenwüste ein geeignetes Versteck.“    
„Da ist was dran“, ertönte nun eine vierte Stimme, und Iro wurde auch bei der das Gefühl nicht los, diese schon einmal gehört zu haben. „Wenn wir durch deine Hilfe so weit kamen, dann er bestimmt auch.“    
„Dennoch!“, erklang die weibliche Stimme wieder, die genervt und gereizt klang. „Bei meiner Körperstatur macht mir diese Hitze zu schaffen. Ich würde einfach sagen, wir durchsuchen die Ruine und sind dann hier weg!“    
„In die gehe ich ehrlich gesagt ungern rein!“, sprach nun die erste, raue Stimme. „Was wenn die Ruinen einstürzen und meine Rüstung beschädigen?“    
„Eventuell müssen wir das nicht“, sagte die vierte Stimme wieder und eine Pause ertönte. Dann sprach die dritte Stimme wieder: „Was ist denn das für ein Ding?“    
„Ein Aufspür-Orb!“, erklärte die vierte Stimme. „Er teilt dir mit, ob sich in einem gewissen Radius Pokémon versteckt halten.“    
„Lass mich raten: Für deine sogenannte Scharfschützen-Karriere?“, kommentierte die weibliche Stimme kritisch. Ganz schwach war von der vierten ein unterdrückter Lacher zu vernehmen. Dann erklang ein gongähnlicher Laut und die Luft war erfüllt von einem weißem Licht, das sogar durch das Steinwerk der Ruinen reichte. Als es über Iro fuhr spürte er, wie dessen Körper leicht vibrierte und er sah sich und Max kurz aufleuchten. Er starrte seinem Anführer nervös und panisch in die Augen und beide wussten, was passiert war.    
„Sieh an“, sagte die vierte Stimme überrascht, aber doch zufrieden mit sich. „Da verstecken sich gleich zwei dort in den Ruinen!“    
„Zwei?“, sagte die dritte überrascht. „Der verdammte Kürbis war doch allein unterwegs. Hat er sich jetzt noch einen weiteren Komplizen dazu geholt?“
„Das werden wir gleich sehen“, sagte die vierte Stimme und Iro hörte zweimal das Geräusch von einer Klappe, die aufgesprungen war. „Darf ich?“    

„Feuer frei“, sagte die dritte Stimme kurz angebunden und bevor Iro und Max realisieren konnten, was passierte, füllte die Luft sich mit einem Brausen, ehe sie von einem Knallen durchbrochen wurde. Gerade noch rechtzeitig war Max von der Wand gehechtet, denn diese war mit einem Schlag weggesprengt. Staub füllte den Korridor, Brocken flogen durch die Luft, sodass Max und Iro hustend sich zur Seite ducken und die Augen schließen mussten. Zu ihrer Panik erfüllte ein weiteres Brausen die Luft, doch die weibliche Stimme rief deutlich vernehmbar über diese hinweg: „Seid ihr bescheuert? Ihr könnt doch nicht dieses historische Bauwerk einfach vom Boden sprengen!“    
Das Brausen erstarb und das war eine willkommene Pause. Sofort hatte Max einen Strahlorb herausgeholt, den er offenbar als Blendgranate nehmen wollte. Er suchte in der sich legenden Staubwolke Iros Blick und beide nickten. Sie waren zu müde erschöpft und hungrig, als dass sie sich jetzt noch um diese vier Pokémon groß kümmern wollten. Max wollte gerade durch das Loch treten, das in die Ruine gesprengt wurde und hob den Strahlorb schon hoch. Doch zwei ziemlich kurz aufeinander folgende Zisch-Geräusche ertönten und sofort sah Iro, was diese verursacht hatte. Zwei dicke Wasserfontänen trafen sowohl den Strahlorb in Max‘ Hand als auch dessen Gesicht, worauf Max benommen zurück torkelte. Iro schob sich an ihm vorbei. Er hatte es schon fast erwartet, als weitere Fontänen nun auf ihn zugeschossen kamen. Doch sowohl mit seinem sturen Dickkopf als mit seinem linken Arm wehrte Iro diese ab und er sah den Schützen.      
Ein Turtok mit breitem Panzer und zwei ausgefahrenen Kanonen, das überrascht über Iros erscheinen war und das Feuern daraufhin einstellte. Das kam dem Alligator nun sehr gelegen, denn er holte mit seiner linken Hand zum Schlag aus. Doch in dem Moment stellte sich ein Stolloss ihm in den Weg und Iro wusste, dass dieses das Scheppern verursacht hatte. Das Stolloss fing lässig mit seiner stahlbesetzten Klauenhand die Iros auf und warf sie ihm zurück. Doch bevor es etwas sagen konnte, ließ Iro Energie in die Faust fahren, woraufhin sie weiß aufleuchtete. Ein gezielter Durchbruch würde dieses Stolloss, das genauso groß wie Iro war, rasch zur Seite räumen, ganz gleich wie hart sein Stahlpanzer wäre. Doch Iros Faust erzeugte nicht das typische Geräusch, das eine Kraft auf Metall verursachte. Unerklärlicherweise wirkte seine eigene Kraft in seine linke Hand hinein und Iro zog keuchend diese weg und rieb sie sich. Er unterdrückte mühevoll den Schmerz auf den Knöcheln und sah ungläubig die Stelle an auf der Brust des Stolloss an, die er getroffen hatte. Eine dicke Schicht an Diamant, die vorher nicht da gewesen war, glitzerte farbenfroh von dem Körper des Stolloss, das zufrieden mit sich lächelte. „Das wird nicht funktionieren!“, sprach es mit seiner rauen Stimme.    
„Iro!“    
Max trat zu ihm mit erhobenen leuchtenden Laubklingen. Doch kaum konnten Max und Iro zum gemeinsamen Gegenschlag ansetzen, erstarrten sie in ihren Bewegungen. Und so sehr sie sich Mühe gaben, sie hatten keine Kontrolle mehr über ihren Körper. Doch ihr Blick fiel auf ihre Schatten, die seltsamerweise nicht nur verbreitet, sondern auch miteinander verschmolzen waren.

Dann erklang ein vergnügtes Kichern und Iro erkannte es sofort, da er es vor nicht allzu langer Zeit gehört hatte. Auch Max stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben.    
„Sieh an, sieh an“, sagte eine Stimme und ein pechschwarzer Schattenkreis zog sich in ihr Blickfeld. Und aus diesem erhob sich ein pechschwarzer Körper, dessen rote Augen neugierig die Blicke von Max und Iro suchten. Ein breites Grinsen fuhr über das Gesicht des Gengars.    
„Hätte nicht gedacht, euch gerade hier anzutreffen, Team Mystery!“, sagte Shadow vergnüglich.
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