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Mystery Dungeon: Die Legende des Dämons

von Silvers
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
27.11.2020
25.01.2022
54
246.117
2
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25.02.2021 10.282
 
„Mew befindet sich also in diesem Orb drin?“    
Skeptisch hielt Iro die Kugel in seiner Hand, die Mew dem Team hatte mitgeben lassen. Eingehend betrachtete er deren von Ranken verzierte Oberfläche und hielt sie gegen den blauen Himmel, der durch die Klippenöffnung zu sehen war. Das Team hatte bis zum Nachmittag durchgeschlafen und Max, Jimmy und Iro saßen ausgeschlafen im Kreis. Max hatte ihnen erklärt, was in Mews Brief stand. Auch seinen Kollegen war darauf die Erleichterung anzusehen gewesen, dass der Weg ihnen gezeigt wurde. Die Wunderkarte lag vor ihnen ausgebreitet und eingehend betrachteten sie den Norden Ekundas, während sie sich an den restlichen Früchten aus dem Geheimnisdschungel genüsslich taten.
„Viel lässt sich nicht erkennen“, stellte Jimmy enttäuscht fest, der die Karte verkehrt herum betrachten musste. „Selbst nach all den Jahren, in denen es Erkunder gibt, ist Ekundas Trockenzone so wenig kartographiert …“
„Aber uns kann das egal sein, oder?“, warf Iro ein. „Schließlich müssen wir nur nach Norden. Dann müssen wir nur geradeaus gehen.“
„Denk nach, Iro“, sagte Jimmy und verdrehte die Augen. „Du kannst genauso erahnen, dass wir ohne konkrete Wegpunkte uns nie wirklich sicher sein können, dass wir durchgehend uns dem Norden zuwenden. Wir werden definitiv abdriften, ob wir wollen oder nicht. Es wäre daher vorteilhaft, wenn wir in kleinen Etappen an diverse Orte vorbeikommen könnten, wenn sie nur auf der Karte eingezeichnet wären!“.
Ungeduldig deutete Jimmy auf den Flecken an Gelb, der einen großen Teil von Ekundas Norden ausfüllt. Der unterste Teil der Trockenzone, wo sich die Nordwüste befand, war im Gegensatz zu diesem Gelb von mehreren Linien durchzogen, die Oasen oder Felsformationen markierten. Doch ab einem gewissen Punkt zeigte die Karte ein nur geringfügig von diesen Linien markiertes Gelb. Max gab Jimmy Recht, dass sie ohne Wegpunkte es tatsächlich schwierig hätten, sich in der Wüste zurecht zu finden. Doch spürte er kaum Unruhe in sich aufsteigen. Denn Max wusste, dass Karten nicht die einzigen Möglichkeiten waren, sich in fremdem Gebieten zu orientieren. Sie könnten sich immer noch nach den Sternen richten oder sich von jemandem führen lassen, der vielleicht in diesem nicht kartographierten Teil der Welt heimisch war. Und während er sich die dagegen detailreich gezeichnete Nordwüste ansah, dachte er seltsamerweise an einen Drachen, der aus dem Sand herausragte. Dann fiel es ihm wieder: Cephal war doch Mitglied einer Gilde, die in der Nordwüste ihre Basis hatte. Er suchte die Karte ab, doch seltsamerweise konnte er kein Gebäude ausmachen, das als die Red Scorpion-Gilde bezeichnet wurde.
„Ihr wisst nicht zufällig, wo die Gilde von Cephal ihren Standort hat, oder?“    
Jimmy und Iro horchten auf und Max erklärte ihnen, auf welche Idee er gekommen. Jimmys Blick hellte sich auf: „Das ist eine gute Idee, Max! Wir sind Cephal schließlich vor einigen Tagen begegnet!“    
Prompt richtete er sich auf, worauf Max und Iro verdutzt aufblickten. Ungeduldig blickte Jimmy die beiden an.
„Wenn wir uns beeilen, können wir Cephal vielleicht noch erwischen. Schließlich ist er mit Mimi unterwegs gewesen und sie wollten ja zur Knuddeluff-Gilde um Herakles abzuliefern.“
„Wir sollten ohnehin dorthin zurück“, sagte Max, der seine Beeren runterschluckte und sich ebenfalls aufrichtete. „Wir müssen Plaudagei noch unseren Bericht über Shadow abliefern.“
„Wen? Ach so … das Gengar“, gähnte Iro desinteressiert und knurrend richtete auch er sich auf. Zusammen verließen sie ihre Erkunderbasis und machten sich auf den Weg zur Knuddeluff-Gilde. Erneut wanderten sie über die Straßen von Schatzstadt, die nun vor lauter Leben blühte. Allerlei Pokémon trabten hin und her, einige besuchten Freunde und Nachbarn auf der anderen Straßenseite. Einige blieben auf einen Plausch stehen. Andere blieben an den jeweiligen Marktständen stehen, die über Nacht aus dem Boden wie Pilze geschossen zu sein schienen. An jedem Stand wurden andere Arten Ketten, Ringe sowie diverse Stoffstücke angeboten. Max wusste aus vertraulichen Quellen, dass einige dieser Dinge aus eher fragwürdigen Quellen stammen mussten, wobei das Ermitteln lange und aufwändig wäre. Und er auch froh, dass die meisten Einwohner sich nicht dazu herabließen, diese zu erwerben. Zwar blieben sie neugierig stehen um einen Blick auf diese zu werfen, doch meistens schreckten sie entweder der zu hohe Preis oder die nur allzu fantastischen Kräfte zurück, die den Gegenständen angeblich innewohnen sollten. Umso erfreulicher war es, dass die alteingesessenen Ladenbesitzer sich gegen diese Basare nachwievor behaupten konnten.
Garu, der Sohn von Kangama, der ehemaligen Führerin des großen Lagerhauses, bediente diverse Kunden, die entweder Schätze und Gegenstände jeder Art einlagern oder abholen wollten. Auch die Kecleon-Brüder vertrieben ihre zuverlässig funktionierenden und qualitativen Waren an Pokémon, die Schlange standen. Max hatte vergessen, dass nachmittags Hochbetrieb war, sodass es mühevoll, sich durch die Pokémonmenge zu zwängen, ohne dass sie versehentlich mit jemandem zusammenstießen. Iro lief dabei am ehesten Gefahr, Pokémon umzustoßen. Erst nach einigen Minuten stiegen sie die große Steintreppe zur Gilde auf, deren äußeres Erscheinungsbild seit einem Jahr drastisch verändert war. Statt dem üblichem großen Zelt, das sonst über den Eingang der Gilde gespannt, stand an dessen Stelle eine kleine fast quadratische Burg, deren rosa und beige angefärbte Fassade in die Höhe ragte. An Ecke stand ein kleines Türmchen mit einer roten Zylinderspitze, von deren Spitze kleine Fähnchen an dünnen Masten in der Luft wehten. Ein großes Banner, das Knuddeluffs breit lächelndes Gesicht in vereinfachter Weise darstellte, war über dem Torbogen gespannt, dessen Fallgitter hochgezogen wurde. Im Schatten des Bogens richtete ein Pokémon den Blick auf das ankommende Team und laut drang seine Stimme zu ihnen herüber: „TEAM MYSTERY! Ihr seid ZURÜCK!“
„Hallo, Krakeelo“, sagte Max lächelnd und sah den Torwächter aus dem Schatten treten. Dessen enorm breiter Mund, der fast den ganzen Oberkörper formte, bildete ein Lächeln, während seine enorm großen runden Ohren wackelte.
„Ihr werdet schon SEIT LANGEM ERWARTET!“, sagte Krakeelo. Max, Jimmy und Iro widerstanden gekonnt dem Kribbeln, das ihnen überkam, wenn Krakeelo immer wieder zu seiner lauten Stimme ansetzte. Es war war sowohl Fluch als auch Segen, denn man konnte immer sicher sein, dass man im Gespräch mit Krakeelo wach wurde, wenn einem, so unvorbereitet wie er war, nicht das Trommelfell platze. Max schien aber zu hören, dass Krakeelo seine Lautstärke immer mehr in den Griff bekam, denn nun war es so, als würde er das Team von der Ferne anbrüllen, obwohl sie nun wenige Schritte vor ihm standen.
„GEHT NUR REIN!“, sagte Krakeelo und deutete auf die Wendeltreppe, die im Zentrum des Burghofes stand. Das Dach war nach außen hin geöffnet, um das Tageslicht einfallen zu lassen. So konnte man am besten die Stufen sehen, über die man nach unten in die Gildenhallen gelangte. Das Team bedankte sich höflich bei Krakeelo und stiegen diese hinab. Kurz darauf fanden sie sich der weitläufigen Halle des ersten Untergeschosses der Gilde wieder. Auch hier fiel Sonnenlicht durch die Fenster ein, die in die Wand der Klippe, auf der die Gilde stand, eingelassen war. Während lediglich dieser Anblick von den Fenstern vertraut war, so musste Max feststellen, dass er sich noch nicht ganz an die neue Inneneinrichtung der Gilde gewöhnt hatte. Die Auftragsbretter befanden sich nun alle auf der rechten Seite. Mehrere Holzbretter standen an der Wild und jedes hatte an deren Kopfende einen anderen Buchstaben. Ganz hinten stand das Brett, das mit einem goldenen Stern gekennzeichnet war und mit sehr schwierige Aufträgen behangen war. Doch nur einmal hing ein solcher an diesem aus. Dafür war das mit einem S gekennzeichnete Auftragsbrett voller. Diese Aufträge handelten meist von Ganoven, die zur ekundaweiten Fahndung ausgeschrieben wurden und die oftmals sehr gefährlich waren. Nahezu überquellend vor lauter Aufträgen waren die Bretter, die Aufträge der Ränge A, B, C, D und zuletzt E hatten. Max war immer wieder erstaunt, wie viele Pokémon die Hilfe von Erkundergilden beanspruchten.    
In der Mitte der Halle befanden sich fünf große Tische mit jeweils zwei Bänken, an denen man sich hinsetzen konnte, um etwas zu essen und zu trinken. Speise und Trank wurden von linker Seite gestellt. Das Pandir-Café, das einst außerhalb der Gilde seinen Platz hatte, befand sich nun in der Gilde. Während Pandir ein paar Erkunder oder Gäste hinten an seinem Tresen bediente, winkte ihnen von weiter Palimpalim zu. Ihr hellblauer Schweiß mit roter Spitze wallte leicht in der Luft und ihr klingelkopfförmiger Körper schwebte zu ihnen herüber.
„Hallo, Max, Jimmy und Iro!“, sagte sie in ihrer sanften, fast träumerischen Stimme. „Ich habe mich schon gefragt, wann ihr auftauchen werdet.“
„Hallo, Palimpalim“, sagte Max lächelnd. „Krakeelo hat uns schon erzählt, dass wir von dir erwartet werden.“
„Oh, nicht nur von mir“, sagte sie sanft und reichte dem Team einen Umschlag, den Max verwundert annahm. „Mimi und so ein Gentleman namens Cephal haben hier ein paar Tage gewartet, ehe sie wieder unterwegs waren, um Aufträge zu erledigen. Sie haben mich darum gebeten, den Brief an euch zu übergeben, solltet ihr irgendwann hier auftauchen.“
„Wir waren aber nur ein paar Tage fort?“, sagte Max verdutzt, doch Palimpalim schüttelte den Kopf und ein leises Klingeln ging von ihr aus: „Nein, ihr wart fast drei Wochen unterwegs. Zumindest hat Mimi uns vor zwei Wochen mitgeteilt, dass sie euch begegnet ist und dass ihr unterwegs zu einem Auftrag gewesen seid. Genaueres hat sie mir nicht erzählt, als sie mir den Brief gab. Wenn ihr was wollt, kommt gern an den Tresen“, und leise vor sich hin summend schwebte sie davon und ließ das Team Mystery perlex zurück.
„Wir haben doch nur ein paar Tage im Geheimnisdschungel verbracht…“, sagte Jimmy leise, sodass nur Max und Iro ihn hören konnten. „Wie können wir dann drei Wochen lang unterwegs gewesen sein?“
„Entweder haben wir im Dschungel alle einen sehr langen Schönheitsschlaf, als wir getrennt wurden, oder …“, sagte Iro und Max wusste, worauf er hinauslaufen wollte.
„Oder die Zeit im Geheimnisdschungel verläuft anders als hier. Während dort nur drei Tage vergingen, sind hier drei Wochen vergangen…“
Max wusste nicht, ob er froh oder panisch sein sollte. Der Gedanke, dass in ihrer Heimatdimension drei wertvolle Wochen vergangen waren, beunruhigte ihn. Was hätten sie in diesen Wochen bezüglich ihrer Mission bewerkstelligen können, hätten sie diese erlebt. Andererseits war er froh, dass nicht noch mehr Zeit während ihres Aufenthaltes im Dschungel vergangen. Max war erleichtert, dass er, Jimmy und Iro unbewusst die richtige Entscheidung getätigt hatten, indem sie so früh es ging den Dschungel wieder verlassen hatten. Sein Blick fiel auf den Brief in seiner Hand, auf dem in feiner Schrift Mimis Name als Verfasserin stand. Er bedeutete seinen Kollegen, sich weiter hinten an einem Tisch zu setzen, und als sie ihre Plätze eingenommen haben, öffnete Max den Brief und las leise vor:


Lieber Max, lieber Jimmy, lieber Ironhard.
Gerne würde ich noch etwas länger hier in der Gilde verweilen. Doch ich kann nicht genau voraussehen, wie lange ihr noch unterwegs sein werdet. Die aktuellen Vorkommnisse veranlassen mich und Cephal, der ebenfalls ein paar Tage hier verbracht hat, wieder unterwegs zu sein. Plaudagei wird euch eventuell über diese auch in Kenntnis setzen wollen.
Herakles dürfte mittlerweile erfolgreich der Justiz überstellt sein worden. Oberwachtmeister Magnezone war genauso wie Cephal und ich erstaunt darüber, dass wir weder über die Auftragsgeber noch über die Art der Entlohnung ein Wort verlieren konnten. Doch mit etwas Glück wird die Zeugenaussagen diverser Opfer von Herakles ausreichen, um ihn hinter Gittern zu bringen. Ich muss sagen, dass wir enormes Glück hatten, dass ihr dabei wart. Cephal meint, dass ohne euer Zutun Herakles nicht zu schlagen gewesen wäre. Er hofft, euch bald wieder zu treffen, und dann will er sowohl gegen Iro als auch Max einen guten Kampf führen. Ihr wäret es wert, seine Rivalen zu sein, sagt er.
Ich selber hoffe ebenso, dass wir uns bald wiedersehen werden. Und vielleicht können wir dann Geschichten austauschen. Auf dem Weg zur Gilde haben wir Rose nochmal getroffen. Sie lässt ebenfalls Grüße ausrichten.

Mit lieben Grüßen,
Mimi


„Mimi scheint also auch nicht zu wissen, was mit Rose passiert ist“, sagte Jimmy, als Max aufgehört hatte zu lesen. Max beunruhigte noch immer die Tatsache, dass drei Wochen vergangen sind. Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich Iro tiefer zum Papier neigte: „Was für Vorkommnisse meint denn Mimi nur?“
„Tatsächlich betreffen diese auch euch!“, sagte plötzlich eine Stimme vor ihnen. Das Team schreckte hoch und sie sahen Plaudagei vor sich auf dem Tisch stehen. Sie hatten nicht gemerkt, wie der Ara zu ihnen geflogen war, der sie nun forsch anblickte.
„Willkommen zurück, Team Mystery“, sagte er knapp angebunden. „Bitte folgt mir in die Kammer des Gildenmeisters!“      
Etwas in Plaudageis Stimme ließ nichts Gutes erahnen und Max wechselte besorgte Blicke mit Jimmy und Iro. Als sie Plaudagei folgen wollten, sahen sie dann erstaunt, wie der Ara zum C-Rang-Brett flog und einen Zettel in seinen Schnabel nahm. Dann glitt er ihnen voran in das zweite Untergeschoss der Gilde. Hier war die Einrichtung dieselbe wie vor drei Jahren, nur war jetzt die ehemalige Küche zur Rechten der Treppe ein großer Versammlungsraum für größere Ankündigungen. Plaudagei schlug in der Luft eine Kurve und flog dann links durch eine Tür, die zu Knuddeluffs Kammer. Innendrin wurden sie von einem breit lächelnden Gildenmeister erwartet, der willkommen heißend die Arme ausstreckte.
„Max! Jimmy! Iro! Eine große Freude, euch wieder zu sehen! Ich hoffe, euch geht es gut?“
„Uns geht es gut“, sagte Max, der sich nervös umsah. Doch nichts im Raum oder im Gesicht Knuddeluff wies daraufhin, dass sie eine Art Strafe oder Schelte für ihr wochenlanges Wegbleiben zu erwarten hatten. Das einzig Auffällige war ein Blatt Papier mit einem Bild drauf, zu dem Plaudagei das legte, das er zuvor vom Auftragsbrett entnommen hatte.
„Ihr solltet einen Blick darauf werfen“, sagte er sachlich und deutete auf das erste, das Max in die Hand nahm. Ein unangenehm vertrautes Gesicht blickte ihn hämisch vom Blatt aus an. Der Körper des abgebildeten Pokémon war pechschwarz und rote Augen, die bedrohlich zu Schlitzen verengt waren, schienen ihn anzufunkeln. Max las den Namen des Pokémon, der unter dem Schriftzug Gesucht stand.
„Shadow?“, sagte Max und blickte verwirrt zu Plaudagei. Dann fiel ihm wieder ein, das Plaudagei seit Tagen auf den Bericht des Teams wartete. Doch handelte es sich bei den Tagen eher um Wochen und Max wusste, was Plaudagei von solchen Verzögerungen hielt. Doch als er sich erklären wollte, schüttelte der Ara überraschenderweise den Kopf: „Leider müssen wir mitteilen, dass dieser Steckbrief nachwievor aktuell ist. Denn Shadow ist die Flucht aus dem Polizeirevier gelungen.“
„Was?!“, sagte das Team Mystery aus einem Mund. Jimmy nahm Max den Steckbrief aus der Hand und auf seinem Gesicht formte sich Entsetzen, als er den fiesen Blick des Gengars betrachtete.
„Aber…“, sagte er und schluckte nervös. „Wir haben ihn vor drei Tagen gefasst. Wie konnte er …“, doch kaum wurde ihm bewusst, was er gesagt hatte, verstummte er. Plaudagei starrte ihn durchdringend an, doch schien er sich für einen Gedankenwechsel zu entscheiden. Wieder wandte er sich an Max, da er der Anführer des Teams war: „Oberwachtmeister Magnezone vermutet, dass Shadow offensichtlich Hilfe von außen hatte. Und wir vermuten, dass seine Flucht ihm zu verdanken ist.“, und er nickte runter auf den Steckbrief, den er vom Brett entnommen hatte.      
Max betrachtete das darauf abgebildete Pokémon und erkannte abermals ein vertrautes Gesicht. Es ähnelte dem einer Schildkröte, der Kopf war klein, rund und ragte aus einem mächtigen Schildkrötenpanzer hervor. Auf dem Bild war auch der metallene Lauf einer Kanone zu sehen, die aus einer Klappe des Panzers ragte. Max betrachtete die Beschreibung zu diesem: Emil (Art: Turtok) – Gesucht zur Vernehmung auf den Verdacht der Beihilfe zur Flucht.
„Diesen Ganoven habt ihr auch mal gefasst, oder?“, sagte Plaudagei, der Max dabei beobachtet hatte. Mit einem Nicken zum Ara reichte Max Emils Steckbrief zu Jimmy und Iro, die ihn argwöhnisch beäugten.
„Sicher, dass er Shadow zur Flucht verholfen hat?“, sagte Iro. Dieses Mal war es Knuddeluff, der nickte.
„Eine Woche lang befand er sich mit Shadow in Gewahrsam, ehe er dann nach Absitzen seiner Strafe entlassen wurde. Und die Wachen wollen sie dabei gesehen haben, wie sie über mögliche Rachepläne flüsterten. Wir vermuten, dass die beiden sich zusammenschließen werden, um Vergeltung an euch zu üben.“
„Sollen sie nur kommen!“, schnaubte Iro verächtlich und Max und Jimmy warfen ihm verdutzte Blicke zu. „Wir haben schon mal die beiden besiegt, das schaffen wir ein zweites Mal.“
„Nur waren sie damals allein, und wenn sie sich zusammenschließen…“, sagte Jimmy sichtlich nervös und legte die beiden Steckbriefe nebeneinander. Shadow und Emil so zusammen zu sehen bereitete auch Max ein ungutes Gefühl und er wusste, was Jimmy meinte. An Emil konnte er sich genauso gut erinnern, denn obwohl er als Turtok an Land nicht gerade der Wendigste gewesen war, machte er diesen Nachteil mit seinen zwei Kanonen mehr als wett. Tatsächlich konnte Max sich nicht entscheiden, wer von den beiden schwieriger zu fassen gewesen war. Emil war ein Meisterschütze und so sehr sich das Team Mystery damals angestrengt hatte auszuweichen, immer hatte er sie mit sehr starken Wasserfontänen erwischt. Nur Iro hatte sich am Ende durchsetzen und Emil letztlich überwältigen können. Es wunderte Max nicht, das Iro selbstbewusst grinste.
„Wir denken auch, dass ihr selbst diesem Zweiergespann überlegen sein werdet“, sagte Plaudagei anerkennend, „doch wir wollen euch dennoch zur Vorsicht ermahnen. Gerade Shadow erweist sich aufgrund seines Geist-Typs als recht gefährlich, habt daher besondere Vorsicht, Team Mystery. Bestimmt werdet ihr euch wieder auf die Suche nach ihnen begeben, oder?“
„Wie?“, sagte Max. Plaudagei fasste ihn ins Auge.
„Ich kann mir denken, dass euer Stolz von euch verlangt, dass ihr Shadow und seinen eventuellen Kumpanen wieder dingfest macht.“
„Nun …“, zögerte Max, doch Plaudagei fuhr munter fort: „Dieser Sache wird sich auch ein Spezialist der Polizei annehmen. Ihr werdet also ziemlich gute Hilfe bekommen und dann –“
„Wir können aber nicht!“, platzte es auf Jimmy heraus, ehe Max und Iro ihn aufhalten konnten. „Wir haben schon einen Auftrag!“
„Es stimmt also, was Mimi uns erzählte?“, sagt Plaudagei und seine muntere Einstellung wich einem skeptischen Blick. Max fühlte, dass Plaudagei nur auf diesen Moment gewartet hatte, um das Team Mystery darauf festzusetzen. Doch im Grunde war er schon darauf vorbereitet. Seit er mit Jimmy und Iro darüber gesprochen hatte, wusste er, was er in so einem Fall zu sagen hatte.
„Ja, Plaudagei. Wir haben inzwischen einen neuen Auftrag aufgenommen. Allerdings unterliegt er einer Geheimhaltung.“
Plaudagei blickte ihn durchdringend in die Augen, sodass Max eine Spur energischer wurde: „Es tut mir wirklich leid, Plaudagei, aber zurzeit können wir nicht erklären, was es mit diesem Auftrag auf sich hat!“
„Also, ich finde schon, dass wir-!“
„Euch dann die Hilfe zur Verfügung stellen, wenn ihr sie braucht. Das können wir euch versichern, oder nicht, Plaudagei?“
Der Are blickte perplex zu Knuddeluff auf und auch das Team Mystery sahen den Gildenmeister erstaunt an, wie er breit lächelnd vor ihnen stand.
„Gildenmeister“, räusperte sich Plaudagei und Max hörte, wie strapazierte Geduld in seiner Stimme lag. „Ich meine, es wäre schon angebracht zu erfahren, auf was für einen Auftrag sich das Team Mystery begibt, oder?“
„Ah, Plaudagei!“, sagte Knuddeluff und lachte herzlich. „Ich kann verstehen, dass du da genauso neugierig wie ich bist. Doch wenn das Team Mystery nun mal sagt, dass das ein Geheimauftrag sei, wieso sollen wir dann groß nachfragen?“
„Aber was ist mit Shadow?“, sagte Plaudagei, doch Knuddeluff überging ihn und trat an das Team Mystery heran.
„Wenn wir euch irgendwie helfen können, lasst es uns wissen, ja? Doch ich muss Plaudagei Recht geben und euch ebenso darum bitten, vorsichtig zu sein. Falls Shadow und Emil wirklich etwas gegen euch im Schilde führen sollten …“
„Sie sollen aufhören zu planen und einfach kommen!“, sagte Iro und ließ die Knöchel knacken. Knuddeluff lachte herzlich auf. „Nun, es steht außer Frage, dass ihr abermals erfolgreich gegen sie bestehen werdet. Dafür habt ihr mehrmals unangenehmere Dinge erlebt!“
Knuddeluff strahlte in die Runde. Plaudagei stand hinter ihm wie zu Eis erstarrt und Max und Jimmy lächelten schwach. Max war Knuddeluff dankbar, dass der Gildenmeister nicht weiter nachbohrte.
„Es gibt tatsächlich etwas, womit du und Plaudagei uns vielleicht helfen könntet!“, und Max erzählte den beiden von dem Lawinenberg und dem Weg, den die Erkunder zu beschreiten hatten.
„Oho, da habt ihr euch was vorgenommen!“, sagte Knuddeluff mit einem andächtigen Pfeifen. „Die Schädelwüste ist kein Ort, den man ohne triftigen Grund aufsuchen sollte. Es gab zwar diverse Expeditionstouren dort hinein, doch mussten sie unverhoffter Dinge abgebrochen werden.“
„Hast du irgendwelche Ratschläge für uns?“, sagte Max und Knuddeluff überlegte.
„Auf jeden Fall solltet ihr Kühlbänder einpacken! Denn was ich von der Schädelwüste gehört habe ist, dass die Temperaturen dort ziemlich hoch sein sollen. Das Verdursten dort ist ziemlich wahrscheinlich“, und sein Blick galt sorgenvoll Iro, der nun angespannt wirkte.
„Dazu sollen starke Sandstürme das weitere Vorankommen verhindern. Die Reise dorthin soll sehr gut vorbereitet sein.“
„Und was die Firntundra betrifft“, sagte Plaudagei, der sich nun damit abgefunden hatte, dass das Team Mystery keine weiteren Informationen über ihre Mission preisgab. „Es gibt nur Geschichten vom Hören-Sagen, was diesen Ort betrifft. Er soll jedoch das komplette Gegenteil der Schädelwüste darstellen: Eiseskälte, starke Schneestürme. Aber das sind nur Legenden, die mit dem Lawinenberg in Verbindung stehen. Es heißt angeblich, dass der Geist des ewigen Winters auf diesem lebe und für dieses kalte Klima verantwortlich sei.“
„Und dieser Legende wollen wir auf den Grund gehen“, sagte Jimmy gerade heraus. Max blickte Plaudagei verstohlen an, der Jimmy eingehend studierte. Doch zum Glück ging er nicht darauf ein. Mit ernstem Blick wandte er sich an Max: „Wenn euer Team sowohl die Schädelwüste als auch die Firntundra heil überstehen solltet, werdet ihr einmal mehr in die Geschichte der Erkunder eingehen.“
„Ähm … wieso?“, sagte Jimmy tonlos. Auch Max spürte eine finstere Vorahnung.
„Von den insgesamt sieben Expeditionsteams, die bisher in die Schädelwüste gegangen waren, sind nur zwei je zurückgekehrt. Der Rest kam nie wieder zurück.“
Stille machte sich breit und Max hörte das schwere Schlucken von Jimmy neben sich.
„Doch ich bin sicher, dass ihr vorsichtig sein werdet!“, sagte Plaudagei gespielt zuversichtlich. „Wie der Gildenmeister schon sagte, ihr habt schon deutlich schlimmere Dinge durchlebt. Man denke nur an Darkrai!“
„Und damals waren die beiden hier noch alleine!“, sagte Iro breit grinsend und legte seine Hände auf die Köpfe seiner Kollegen. „Wir als Trio sind nicht aufzuhalten!“
„Übertreib‘ nicht, Iro“, sagte Max, der aber belustigt lächelte.
Das Team bedankte sich beim Gildenmeister und Plaudagei und verließen die Kammer. Gerade, als Max die Tür schließen wollte, kam ihm ein Einfall: „Knuddeluff? Weißt du eigentlich, was mit Rose passiert ist? Der Besitzerin der Taverne?“
„Nein …“, sagte der Gildenmeister. „Wieso?“
„Ihre Taverne ist geschlossen, und wir dachten, ihr wüsstet vielleicht …“, sagte Max, doch hielt er inne. Er schüttelte den Kopf, bedankte sich bei den beiden und schloss die Tür hinter sich.

Sie brauchten sehr viel Proviant, viel Wasser und vor allem brauchten sie Hitze- und Kühlbänder, die sie gegen die starken Temperaturen in der Wüste und in der Tundra wappnen sollten. Als sie die Gilde verließen, machten sie sich ohne Umschweife auf zum Schatzstädter Markt. Krakeelo jedoch ließ es sich nicht nehmen, Jimmy beim Verabschieden mit seiner lauten Stimme einen gehörigen Schreck einzujagen, den Jimmy keineswegs amüsant fand, während Krakeelo wie immer lauthals lachte.
Das Treiben hatte sich, etwas gelegt, auch wenn immer noch viele Schlangen die Wartezeit an den beliebtesten Geschäften verlängerten. Das Team musste geschlagene zehn Minuten, bis sie endlich von Zwirrlicht, dem Geist-Pokémon, das die Schatzstädter Bank bewachte, einen prall gefüllten kleinen Sack mit Goldmünzen erhielten. Zu ihrem Ärger befand sich eine nicht weniger lange Schlange vor dem Laden der Kecleon-Brüder. Jimmy versuchte die ganze Zeit zu erspähen, weswegen sich bei den Kecleon so ein Tumult bildete.
„Sie haben wohl irgendeine Neuheit im Angebot…“, sagte Jimmy, als sie etwas vorrücken konnten und über dem Laden ein breites Reklame-Banner erkennen konnten. „Doch ich kann nicht erkennen, was es ist …“

„Bestimmt nur Tand, der seichte Bedürfnis-Befriedigung verspricht. Die Kecleon-Brüder erweisen sich mal wieder als sehr kleingeistig!“
Das Team drehte sich nach links und erschrocken bemerkten sie, wie nah sie an Magiéves Stand getreten waren. Max konnte sich immer noch nicht mit der Idee anfreunden, dass Magiéves Stand als solcher angesehen werden konnte. Es war im Grunde eine Kiste, die mit einem Tuch aus rotem Samt bedeckt war und die von den psychischen Kräften der Traunmagil in der Luft gehalten wurde. Magiéves gelbliche Augen, die unheilverkündend unter ihrem breiten violetten Hut glühten, betrachteten das Team Mystery eingehend. Ein boshaftes Lächeln umspielte ihr Gesicht.
„Hallo, Magiéve“, sagte Max, der ihrem Blick lieber nicht begegnen wollte, bei dem er stets Gefahr verspürte. Ihre Augen ruhten dagegen begierig auf ihn. Es war ein offenes Geheimnis, dass die Traunmagil für Max schwärmte. Er jedoch fand diese Art an Magiéve eher unheimlich als ihre äußere Erscheinung. Jetzt hoffte er umso mehr, dass sie in der Schlange vorrücken konnten. Doch zu seinem Ärger glitt Magiéve mit ihnen, sodass sie Max weiterhin unverwandt anstarren konnte.
„Was hast du denn heute so im Angebot?“, sagte Jimmy im kühnen Versuch und Max spürte jähe Dankbarkeit für Jimmy, als er Magiéves Blick von sich gleiten spürte.
„Etwas ganz Besonderes …“, sagte sie theatralisch und lüftete die Kiste, indem sie an einer Seite das Samttuch zurückfaltete. „Seht her!“
Und zum Vorschein trat ein Orb zum Vorschein, der danach aussah, als seien Sterne in ihm gespeichert, die um das Zentrum des Orbs schwirrten. Jimmy, der immer schon für diese Art von Dinge schwärmte, hauchte begeistert und Magiéve ließ verführerisch den Orb herabsinken, sodass er vor Jimmys Gesicht schwebte.
„Ein Kompass-Orb, der euch die gewünschte Richtung anzeigt“, sagte sie langsam. Max sah sie skeptisch an, doch das war ein Fehler. Als hätte Magiéve darauf gewartet, begegnete sie seinem Blick und Max spürte, wie ihr Blick sich in ihn hineinbrannte.
„Funktioniert er?“
Nun galt Max Dankbarkeit Iro, der den Orb skeptisch musterte. Magiéve Blick funkelte ihn kühl an.
„Ja, er funktioniert … unterstellst du mir etwa, ich würde nur Plunder und Schrott verkaufen?“
„Das nicht“, entgegnete Iro kühl und sein Blick hielt dem ihrem Stand. So wie Magiéve für Max eine offene Schwärmerei hegte, hatte sie das komplette Gegenteil für Iro übrig. Ihrer Aussage nach, als sie das erste Mal dem Team Mystery begegnet war, verabscheute sie Pokémon, die rohe Gewalt dem Intellekt vorzogen. Das war auch der Moment, in dem das Team Mystery beschloss, möglichst wenig mit ihr zu tun zu haben.
„Und ich wäre dir dankbar, wenn du ihn nicht zerbrichst. So ein Kompass-Orb ist sehr empfindlich!“
Schnaubend hielt Iro ihr den Orb wieder entgegen, doch Jimmy hob verlegen die Hand: „Wie viel verlangst du dafür?“
„Du willst den doch nicht etwa kaufen, oder?“, sagte Iro erstaunt und sah Jimmy spöttisch von oben an. Magiéve ignorierte diesen Ton und wandte sich mit geschäftsmäßigem Interesse Jimmy zu. „Nun, da ihr es seid“, und sie funkelte Max dabei glühend an, dem ein Schauer den Rücken entlang lief, „mache ich einen Sonderpreis: 200 Pokédollar, und der Orb gehört euch!“
„He da!“
Das Team hatte nicht bemerkt, dass sie nun die nächsten waren, die die Brüder Kec und Leon bedienen konnten. Betreten sahen sie, wie die Brüder überraschte Blicke wechselten, ehe sie sich dem Team und Magiéve zuwandten.
„Wollt ihr etwa dieser Besitzerin eines Ramschladens uns vorziehen, Team Mystery?“, sagte Kec geringschätzig, das grüne Kecleon. Sein violetter Bruder Leon nickte zur Bekräftigung.
„Wir haben nur“, wollte Max sich erklären, doch eine unangenehme Welle fuhr über ihn hinweg und bestürzt sah er, wie sich Magiéves Augen nun wahrhaft bedrohlich zu Schlitzen verengt hatten. Eine Aura von Macht strahlte von ihr aus, die auch Jimmy, Iro sowie alle anderen Umstehenden zu spüren schienen, denn sie schauerten vor Kälte. Dies brachte Kec und Leon dazu, etwas herzlicher zu Magiéve zu sein.
„Ich will doch sehr meinen!“, sagte sie kalt, als die Kecleon-Brüder sich bei ihr entschuldigten. „Ich biete Kuriositäten und Kostbarkeiten aus aller Welt an. Ich führe ein zwar kleines, aber doch sonderbares Sortiment, von dem ihr nur träumen könnt, Kecleon-Brüder!“
„Tut uns wirklich leid“, entgegnete Kec in zwar höflichen, aber bestimmten Ton. „Doch wir müssen nun mal den alltäglichen Bedarf decken, während dein Sortiment in der Tat zwar sonderbar, aber auch ziemlich überteuert ist.“
„Man muss halt das richtige Gespür haben“, sagte Magiéve siegesgewiss und wandte sich mit freundlichem Lächeln wieder Jimmy zu. „Du willst immer noch den Kompass-Orb kaufen, nicht wahr?“

Max konnte Jimmy nicht daran hindern, schließlich bezahlte er den Kompass-Orb von seinem Anteil des Goldes, das sich das Team Mystery teilte. Es gab einst Streitigkeiten, wie die Ausgaben zu verwalten seien, da hatte Jimmy die Idee, dass jeder einen eigenen Anteil des Gesamtgoldes bekam, während der größte Teil für gemeinsame Ausgaben vorgesehen war. 200 Pokédollar für jeden neben dem gemeinsamen Budget hatten sie ausgemacht und Max war sich sicher, dass Magiéve davon wusste. Hilflos sahen er und die Kecleon-Brüder dabei zu, wie Jimmy Magiéve sein Gold reichte und er im Gegenzug dafür den Kompass-Orb erhielt, den er nun eingehend betrachtete. Magiéve lächelte zufrieden, warf Max einen letzten durchdringenden Blick zu und entschwebte.
„Sie jagt mir schon Angst ein …“, sagte Leon, als er sicher war, dass Magiéve ihn nicht hörte.
„Dass du tatsächlich den Orb gekauft hast …“, schüttelte Iro den Kopf und Jimmy warf ihm einen trotzigen Blick hoch: „So werden wir uns nicht verlaufen, weißt du?“
„Wo wir gerade davon sprechen“, sagte Max, der Kleinkrieg aufkommen sah, „wir wollten euch fragen, ob ihr Kühl- und Hitzebänder im Sortiment habt?“
„Oh … das ist aber nicht so ganz euer üblicher Einkauf …“, sagte Kec tonlos. Max ahnte Übles und tatsächlich blickte Leon schuldbewusst drein „Es ist ziemlich verrückt, bis vor wenigen Momenten hatten wir tatsächlich ein paar Restbestände von beiden, Kühl- und Hitzebänder. Doch die haben wir heute Morgen an ein Rizeros verkauft.
„Alle?“, sagte Max, dem der Plural nicht entgangen war. Kec nickte.
„Alle vier verbliebenen!“
„Welche Pokémon benötigt vier Bänder der jeweils selben Sorte?“, sagte Iro und sein Blick verengte sich skeptisch. Die Brüder zuckten mit den Schultern.
„Vermutlich hat er für ein Erkundungsteam eingekauft. Jedenfalls …“, sagte Leon und hatte sein üblich strahlendes Grinsen aufgesetzt: „Können wir vlt euch anderweitig behilflich sein?“

Von den Bändern abgesehen hatten die Kecleon-Brüder noch genug Vorrat an Sinelbeeren, Blendorbs und Wurfseilen. Alles an Gegenständen, von denen das Team überzeugt war, dass es sie benötigen würde. Mit gefüllten Taschen kehrten sie zurück in ihre Basis und breiteten sie vor sich auf dem Boden aus. Jimmy hatte den Kompass-Orb behutsam auf einen Büschel Stroh gesetzt, sodass dieser nicht zerbrechen konnte.  Iro füllte am Wasserbecken zwei große lederne Feldflaschen voll mit Wasser und Max packte etwas Reisig und Feuerholz und band es zu einem Bündel zusammen. Sie würden es bestimmt als zum Feuer-Machen in der Firntundra gebrauchen, dachte sich Max. Plötzlich hörte er hinter sich einen wütenden Aufschrei und er wandte sich um. Jimmy hielt den Kompass-Orb eng an sich gepresst und funkelte Iro zornig an, der nicht weniger zornig zurück blickte.
„Was ist denn los?“, fragte Max. Iro schnaubte verächtlich und wandte sich an Max: „Der schnappt hier fast über, nur weil ich versehentlich mit der Spitze meines Schweifes seinen dämlichen Orb gestreift habe!“
„Dieser dämliche Orb“, knirschte Jimmy mit den Zähnen, „könnte eventuell die entscheidende Hilfe sein, dass wir unseren Weg durch die Schädelwüste finden. Und du willst ihn vorzeitig schon zertrümmern?“
„Dann pack ihn nicht dorthin, wo man versehentlich stößt!“, fauchte Iro zurück. Max, der dieses Mal eine Eskalation spürte, trat sofort zwischen die beiden.
„Es reicht, alle beide!“, sagte er scharf und blickte jedem streng in die Augen. Iro und Jimmy funkelten sich immer noch zähneknirschend an, ehe sie sich abwandten. Max stieß einen langen Seufzer aus. Er hatte es schon geahnt, dass die momentane Lage einiges von ihnen abverlangte. Schließlich sind schon drei Wochen und damit fast ein ganzer Monat vergangen. Danach hätten sie nur noch elf Zeit, zu jedem der sechs verbleibenen Wächter zu gelangen. Je mehr Max darüber nachdachte, umso unmöglicher erschien ihm die Aufgabe. Die Reise zum Lawinenberg würde jetzt schon fast einen halben Monat beanspruchen, wenn sie wohlüberlegte Zwischenstopps einrichteten. Sie konnten es sich nicht leisten, noch mehr Zeit zu verschwenden. Doch durften sie auch nichts überstürzen. Knuddeluffs Warnung hallte in seinen Gedanken wieder: Die Reise dorthin soll sehr gut vorbereitet sein.
In dem Sinne gab er Jimmy Recht. Er hoffte inständig, dass der Kompass-Orb seine Aufgabe erfüllte. Er beobachte Jimmy dabei, wie er diesen Orb nun in eine Ecke legte, die weit von Iro entfernt war. Doch bevor einer von den dreien ein weiteres Wort sagen konnte, läutete ein kleines Glöckchen in der Nähe ihres Eingangs. Über eine Schnur war es mit einem Zughebel außen verbunden und normalerweise kündigte dieses Glöckchen Besuch an. Max, Jimmy und Iro wechselten neugierige und auch nervöse Blicke. Dann machten sie auf den Weg nach draußen.
Draußen trafen sie auf ein hölzernes Totem und Max hatte zuerst den Gedanken, dass ihnen ein Pokémon offenbar zum Geschenk machen wollte. Dann aber merkte, dass die Federn des Totems nicht aufgemalt waren und dass dessen Augen lebendig waren.
„Xatu, hast du uns erschreckt“, sagte Max erleichtert. Auch Jimmy und Iro stand die Entspannung ins Gesicht geschrieben, als sie Xatu erblickten. Der Seher von Schatzstadt blinzelte einmal kaum merklich, ehe er dann mit einer ätherischen Stimme sprach: „Verzeiht, dass ich so spät euch störe. Ich …“
„Die Sonne geht noch nicht mal unter“, sagte Jimmy. Xatu hielt inne und blickte ihn lange an. Jimmy verstand sofort, dass er ihn unterbrochen hatte und schrumpfte unter Iros genervtem Blick verlegen zusammen. Xatu nickte langsam, ehe er fortfuhr.
„Ich habe vernommen, dass ihr auf der Suche nach Gegenständen seid, die auf eurer Reise von Nutzen sein werden?“
„Woher-?“, wollte Max wissen, doch Xatu breitete seine Flügel aus, wodurch die Ähnlichkeit zu einem Totem weiter zunahm.
„Heiß und kalt. Ein Aufpeitschen alter Gefühle. Klarheit werden die Suchenden am Sinnbild der fließenden Zeit finden.“
Das Team Mystery blickte Xatu baff an, während dieser seine Flügel wieder zusammenfaltete.
„Diese Vision hat mir meine Kristallkugel zugetragen. Ich sah euch einen alten Freund und Widersacher treffen.“
„Ich verstehe nicht ganz“, sagte Max, doch Xatus Gesicht blieb unbeeindruckt.
„Sucht ihn am Klarbach auf, und ihr werdet finden, wonach ihr sucht“, sagte Xatu mit leiernder Stimme. Dann machte er auf dem Absatz kehrt und ging in Richtung Schatzstadt. Wortlos blieb das Team Mystery wie verwurzelt stehen.
„Was war das denn?“, sagte Iro perplex, während er die immer kleiner werdende Xatus beobachtete. Er suchte den Blick der anderen, die ihn genauso perplex erwiderten.
„Am Klarbach …“, wiederholte Jimmy. Er sah über die weiter entfernt liegenden Baumspitzen, hinter denen nach einer Senkung sich jener fließende Bach befand.
„Ist das nicht der Ort, wo so ein Sumpex namens Alex lebt?“, sagte Iro.
„Axel“, korrigierte ihn Max. Er erinnerte sich an jene Begegnung, die er mit ihm einst hatte, als er und Jimmy noch Rekruten in der Knuddeluff-Gilde waren. Damals wurden sie nach einem verpatzten Dienst als Wachposten zum Wasser-Holen verdonnert, bei dem sie dem Sumpex damals begegnet waren. Er war zwar ein eigenbrötlerischer Einsiedler, der die Ruhe genoss, aber er war den beiden freundlich aufgeschlossen und Max wusste, dass von anderen Gildenmitgliedern, die nach ihm und Jimmy kamen, dass er sich nicht verändert hatte.
„Meint ihr, wir sollten mal nachsehen?“, schlug er den anderen vor. Wie erwartet sah er Skepsis in deren Mienen.
„Heiß und kalt“, rezitierte Max Xatus Vers. „Vielleicht hat er sich auf die Hitze- und Kältebänder bezogen, die uns fehlen.“
Iro schnaubte: „Das wäre aber ein enormer Zufall, dass wir die ausgerechnet dort finden würden!“
„Vielmehr beunruhigt mich der andere Teil: Ein alter Freund und Widersacher. Wen er wohl meint? Doch nicht etwa Shadow, oder?“
„War der je unser Freund?“, entgegnete Iro.
Max konnte nicht umhin, Neugier für die Worte Xatus zu entwickeln. Auch sah er in den Gesichtern der anderen beiden, dass auch sie widerwillig dem nachgehen wollten. Es war ohnehin schon zu spät, um jetzt noch zur Wüste aufzubrechen. Diese Reise würden sie erst am nächsten Tag antreten wollen. Sie nickten daher einander zu zu und liefen in das Wäldchen, der an Schatzstadt angrenzte.
Über einen schmalen Waldpfad, der steil nach unten führte. Direkt schon hörten sie das sanfte Plätschern eines fließenden Baches und als sie die letzte Baumreihe durchquert hatten, sahen sie ihn.

Das Ufer war frei von jeglichem Buschwerk und der Bach selber floss aus einer Felsformation, in die ein Pokémon eine Tür hatte einbauen lassen. Aus ihrer letzten Begegnung wusste Max, dass in dieser Höhle Axel hauste. Die Höhle erhob sich vom flachen mit weißem Kies besetzten Ufer, an dem der kristallklare Bach floss. Und Max sah, wie zwei Pokémon es sich vor dieser Höhle gemütlich gemacht haben und ihre Füße ins Wasser hielten. Aus der Ferne waren sie nur als zwei miteinander verschmolzene Gestalten zu erkennen gewesen. Erst als sie nähertraten, wurden deren Umrisse deutlicher. Und Max erkannte Axel, mit seinen zwei breiten grauen Kämmen, die sich über seinen Kopf zogen. Axel war der Einzige der beiden Gestalten, der aufrecht saß. Sein Körper verdeckte den der anderen, sodass Max nur einen wuchtigen und doch durchtrainierten Unterkörper sah. Als sie näher traten, blickte Axel auf, der zuvor in Gedanken versunken ins Wasser gestarrt hatte. Er schien das Team Mystery zu erkenne, doch statt sie zu grüßen, tippte er flüsternd das andere Pokémon an, das sich unter lautem Murren aufrichtete. Max fand, dass dieses Murren ihm höchst vertraut vorkam und instinktiv blickte er zu Iro, da er es sonst nur von ihm hörte. Doch er erkannte zugleich, warum er diesen Eindruck hatte.
Das fast exakte Ebenbild von Iro erhob sich und schielte mit müdem Blick das ankommende Erkunderteam. Max hörte, wie Iro augenblicklich erstarrte und den Blick des anderen Impergators begegnete. Während Iros tiefblau war, hatte der seines Gegenübers eine türkisfarbene Färbung. Der Rückenkamm des anderen Impergators war blau, doch das war bei Weitem nicht das Auffälligste an diesem. Auch wenn Iro schon einige Kämpfe bestritten hatte und ein paar Narben davon getragen hat, so hatte das andere Impergator keinen Flecken an Haut, der nicht von Narben übersät war, sodass es mehr einer Relief-Arbeit ähnelte. Die Auffälligste Narbe zog sich über dessen linke Auge. Das andere Impergator erhob sich nun vollständig und schritt langsam auf das Team Mystery zu.
Erschrocken und beeindruckt zugleich bemerkte Max, wie groß dieses war. Iro selber war schon ein Hüne, doch sein Ebenbild übertraf ihn um das Anderthalbfache. Nur wenige Schritte von ihnen entfernt blieb das Impergator stehen und blickte nacheinander das Team Mystery an. Dann lächelte er breit: „Sieh an! Sieh an! Ich habe es geahnt, dass ich euch über den Weg laufen würde, sobald ich mich hier in Schatzstadt aufhalte!“
Jäh nahm er scharf Iro ins Visier, der auf einmal wie versteinert wirkte und die Fäuste laut knacken ließ. Doch dies überging das Impergator. Forsch betrachtete er den Körper Iros: „Du wirkst etwas kampferprobter, Ironhard. Wie ist es dir ergangen seit unserer letzten Begegnung?“
„General Stahlard?“, sagte Jimmy voller Ehrfurcht. „Wir haben nicht damit gerechnet, Euch hier zu treffen!“
„Habt ihr nicht?“, entgegnete der General verdutzt und ließ Iro dabei nicht aus den Augen. „Dabei könnte man doch meinen, dass er hier ein Gespür dafür entwickelt hat, wann ich in seiner Nähe bin.“
Ein Knirschen verriet, dass Iro große Mühe hatte, seine Wut zu verbergen. Dieser Anblick schien den General sehr zu belustigen, da er laut auflachte.
General Stahlard sind Max, Jimmy und Iro nur einmal begegnet. Damals war er am Umbau der Knuddeluff-Gilde beteiligt und hatte sich als durchaus helfende Hand erwiesen. Schwere Lasten hatte er mühelos allein tragen können und Knuddeluff sowie Plaudagei hatten in höchsten Tönen von ihm gesprochen. Dem Team wurde erzählt, dass General Stahlard dem Titel nach eine Armee ausbildete und in Kriegszeiten deren Anführer war. Auch war er ein hohes Tier in der gesetzgebenden Regierung und genoss daher auch aus diesem Grund schon besonderes Ansehen und Respekt. Und ein Detail hatte das Team sowie alle anderen, die den General bis dato nicht kannten, beeindruckt. Es galt als unbestritten, dass der General zu den stärksten Pokémon der Welt gehörte und dass kaum ein Pokémon es mit ihm im Kampf aufnehmen könnte. Diese Lektion hatte Iro aber auf die harte Tour lernen müssen. Direkt hat er ihn zum Kampf aufgefordert, um ihn diesen Titel streitig zu machen. Jedoch hat der General ihn nach nur einem Schlag innerhalb von zehn Sekunden außer Gefecht gesetzt. Den Anblick würde Max dabei nie vergessen, wie Iro dann, mit dem Rücken voran, an jener Stelle verweilte, auf der er den Schlag des Generals erlebt hatte. Erst ein wütender Klageschrei hatte ihn in der Nacht von dem Boden gelöst und Iro hatte sich darauf fest geschworen, nie aufzugeben, bis er den General besiegt hätte.
Iros Blick, den er dem General nun zuwarf, sprach genau von diesem Schwur. Nur wusste Max nicht, ob Iro seine Wut von damals in den Griff bekommen würde. Es war bestürzend zu sehen, wie sich Iros Pupillen zu Schlitzen verengten und wie seine Faust bebte. Doch der General schien das Interesse an Iro verloren zu haben und wandte sich nun Jimmy zu: „Ihr seid also nicht wegen mir hier? Dann wollt ihr vermutlich zu Axel, oder?“
Nun richtete sich das Sumpex unter Ächzen auf und trat an die Seite des Generals.
„Es ist lange her, Team Mystery“, sagte er und lächelte Max und Jimmy an. „Ihr seid ordentlich großgeworden. Von dir“, und er blickte zu Iro, „habe ich über Stahl gehört. Ihr steht ziemlich oft in den Zeitungen, wusstet ihr das?“
„Ach, nun …“, sagte Jimmy und winkte verlegen. Axel trat zur Seite und wies mit seinem Arm in Richtung. „Ich habe nicht viel Platz … wenn ich euch die Gastfreundschaft erweisen kann …?“
„Eigentlich“, sagte Max. „Wir sind eigentlich hier, weil wir gehofft haben, Hilfe zu bekommen …“
„Hilfe? Wobei denn?“, sagte Axel, der sofort skeptisch wirkte. Max wusste, dass es ziemlich fremdartig klingen würde, wenn er von Xatus Weissagung erzählte. Doch entschied er sich, offen darüber zu reden. Als er dann von der Schädelwüste und von der Firntundra sprach, sah er nun, dass Xatu offenbar Recht hatte. Denn jäh wechselte Axel und der General Blicke, die Bände sprachen.
„Ihr wisst etwas davon, oder?“, sagte Max, der mit einem Mal wie erwacht war. Axel schmunzelte und auch der General setzte zu einem schrägen Lächeln an.
„Habt ihr gehört, dass nur zwei von sieben Erkundungsteam je von der Schädelwüste zurückgekehrt sind?“, sagte Axel tonlos, worauf Max eifrig nickte.
„Es gab eine Verwechslung, was das betrifft“, sagte der General matt. „Es waren nur zwei Pokémon und keine Erkundungsteams, die zurückgekehrt sind. Das sind Axel und ich hier gewesen.“
„Heißt das …“, sagte Jimmy matt und Axel nickte steif.
„Auch wir waren einst Erkunder, Stahl und ich. Wir unternahmen oft Touren zusammen.“
„Wir gehörten zu den Besten, neben Knuddeluff, Alakrates und andere berühmte Namen …“, fuhr der General fort, ehe er nun mit den Zähnen knirschte. „Die Schädelwüste war unsere erste von zwei großen Niederlagen.“
„Was war die andere?“, wollte Jimmy neugierig wissen, doch der General winkte ab. Er und Axel wechselten grimmige Blicke, ehe er, dieses Mal an das Erkundungsteam gewandt, fortfuhr: „Was für euch denn in diese Wüste, wo nichts als Tod und Niederlage euch erwartet?“
Nun wechselten Max und Jimmy rasche Blicke, während Iro den General immer noch mit steinernem Blick ansah.  Doch wie schon bei Knuddeluff waren sie sich wortlos einig, dass sie offen mit ihren Reisezielen sein wollten, nicht aber mit deren Hintergrund. Max erzählte vom Lawinenberg, der am Ende der Firntundra lag, und erstaunt sah er, wie der General und Axel nostalgisch grinsten.
„Die Sieben Wächter also“, sagte der General anerkennend und jäh überkam Max das Gefühl, bei einer Lüge ertappt worden zu sein. Doch es konnte nicht sein, dass der General und Iro von Kyurem wussten.
„Wer die sieben Wächter besiegt, gilt als Halbgott“, sagte der General nachdenklich, während er sich an Axe wandte: „So war doch die Legende um die sieben Wächter, oder?“
„Ich denke mehr“, sagte Axel, „dass die Wächter Halbgötter waren. Doch es käme auf dasselbe hinaus.“
„Und gegen die wollt ihr kämpfen?“, sagte der General mit Erstaunen. Max entschied sich zu nicken, auch wenn er nicht wusste, ob er damit einer Wahrheit oder einer Lüge zustimmte. Der General pfiff durch die Zähne.
„Ihr habt euch was vorgenommen …“, sagte er und warf dabei einen kurzen Blick zu Iro.
„Ich will jetzt nicht sagen, dass ihr schwach seid. Keineswegs …“
„Aber?!“, sagte Iro mit schneidender Stimme und so plötzlich, dass Jimmy und Max zusammenzuckten. Der General blickte ihn prüfend an. Seine Augen verengten sich leicht, ehe er fortfuhr: „Wenn Axel und ich es nicht geschafft hatten, auch nur durch die Schädelwüste zu gelangen, habe ich ehrlich gesagt gewisse Zweifel, dass ihr es schaffen werdet …“
„Und was wäre, wenn doch?!“, zischte Iro. Nun blickte der General ihn scharf an. Kein Funke seiner vorherigen Freundlichkeit lag in seinen Augen. „Worauf willst du hinaus?“
„Das kann ich dir sagen!“, sagte Iro angriffslustig. „Wir werden im Gegensatz zu euch sowohl die Schädelwüste und die Firntundra durchqueren. Und wir werden hierher zurückkehren und dann wirst du sehen, dass wir ein starkes Team geworden sind.“
„Sprichst du vom Team? Oder von dir?“, sagte der General kalt und blickte Iro abschätzig an. Ein höhnisches Grinsen zuckte in seinen Mundwinkel. „Ich habe eigentlich gehofft, du hättest deine Lektion nach dem letzten Mal gelernt.“
„Was soll das heißen?“, zischte Iro scharf.
„Wenn du das nicht weißt, dann kann ich dir nicht helfen“, sagte der General. In Iro schien eine Art Pulverfass zu explodieren, denn wütend schrie er aus und schlug mit seinem Schweif auf den Boden, sodass dieser leicht erbebte und Steine klappern ließen. Max und Jimmy blickten bestürzt ihren Freund, der jedoch nur einen zornigen Blick für den General übrig hatte: „Ich fordere dich heraus! Ich werde dir zeigen, dass ich seit dem letzten Jahr stärker geworden bin!“

„Abgelehnt!“
Der General wandte sich und ging wieder zu der Stelle, an der er zuvor gelegen hatte. Iro trat wütend vor und Max hatte Mühe ihn zurückzuhalten. Axel hingegen blickte interessiert zwischen den Impergator hin und her. Max ahnte, dass er diesen Wortwechsel vorausgeahnt hatte. Während er Iro mühevoll davon abhielt, zum General zu gehen, blickte er Axel in die Augen, der den Blick erwiderte.

„Knuddeluff hat uns schon gewarnt, dass die Reise alles andere als angenehm sein wird. Um uns auf die vorzubereiten, sind wir auch daher hierhergekommen.“
„Weil der Dorfseher davon sprach, dass ihr hier das fändet, was ihr sucht?“, sagte Axel skeptisch, worauf Max nickte. Axel sah eingehend jedes Mitglied des Team Mystery an. Dann wechselte er einen Blick mit dem General, der mit ausdruckslosem Gesicht dastand. Dann seufzte Axel, entfernte sich von den Pokémon und verschwand in seine Höhle. Wenige Augenblicke später trat er wieder aus dieser heraus, nur hielt er mehrere Stücke an Stoff in seinen Händen. Max erkannte vier Bänder zu Dreiecken gefaltete Bänder. Zwei von denen waren in ein helles Blau getaucht und deren Ränder zierten gestickte Schneeflocken. Die anderen beiden waren hellrot und deren Ränder waren mit gelben Sonnen bestickt. Axel hielt dem Team diese entgegen.
„Sind das …?“, sagte Max sprachlos, der die Bänder entgegennahm,
„Hitze- und Kühlbänder“, sagte Axel. „Die sind von meinen und Stahls Erkundung in die Schädelwüste übrig geblieben. Jetzt haben wir für diese keine Verwendung, oder doch, Stahl?“
Der General schüttelte den Kopf, während er vom ein paar Schritte entfernten Ufer aus zusah, wie Max sich ein Kühlband um den Hals wickelte. Sofort überfiel ihn ein durchgehender kalter Schauer, sodass er zittern und sich das Band wieder abwickeln musste. Axel schmunzelte bei dem Anblick.
„Zieht sie besser an, sobald euch entweder zu heiß oder zu kalt wird“, sagte er.

Begeistert betrachtete Jimmy ein Hitzeband, das er ausgebreitet vor sich in der Luft hielt. Dann aber trübte sich sein Blick: „Es sind aber nur zwei … wir brauchen aber drei, damit wir …“
„Ich brauche keine!“, entgegnete Iro knapp angebunden.

Alle Blicke ruhten auf ihn, selbst der General wandte sein Augenmerk wieder auf ihn. Trotzig verschränkte Iro die Arme, während er immer wieder Seitenblicke auf den General warf.
„Mach dich nicht lächerlich!“, sagte Axel scharf. „Du wirst sie brauchen! Du wirst entweder vor Hitze eingehen oder dich zu Tode frieren, wenn du vollkommen ungeschützt in diese Gebiete hineingehst.“
Axel deutete erst auf sich und dann auf den General, ehe er fortfuhr: „Selbst Stahl und ich sind beinahe umgekommen. Wir waren weise genug, rechtzeitig umzukehren.“
„Wir werden aber nicht umkehren! Wir werden es schaffen!“, sagte Iro mit verengten Augen.
Ein unterdrücktes Lachen drang zu ihnen und die Blicke fielen auf den General, der die Augen verschlossen und sein Gesicht dem Boden zugewandt hatte, um sein Grinsen zu verbergen. Erst nach einigen Sekunden blickte er wieder zu Iro: „Wem willst du was beweisen? Dir? Deinen Freunden? Oder doch nur mir?“


Iro sagte nichts und der General trat wieder auf sie zu. Tatsächlich aber hatte er nur Augen für Iro, der ihn finster anblickte. Er trat dicht an ihn heran und einmal mehr wurde der Größenunterschied zwischen den beiden deutlich. Der General überragte Iro wie ein Berg, während er auf diesen hinabsah. Und Max war erstaunt, wie Iro dem Blick standhielt, obwohl der General durchaus einschüchternd war. Gefühlte Minuten schauten sie sich an, ohne dass einer der Anwesenden ein Wort sagte. Dann lächelte der General kaum merklich: „Es ist mir egal, wenn du dich waghalsig in Situationen begibst, die deine Fähigkeiten übersteigen. Doch ich werde nicht zulassen, dass du in eine solche Todeszone gehst. Jedenfalls nicht, bevor du lernst, dich selber richtig einzuschätzen!“

„Und was willst du dagegen tun, Stahl?“, sagte Iro mit möglichst viel Verbissenheit und Verachtung auf dem letzten Wort. Der General lächelte und wandte sich ab. Dieses Mal aber trat er mit seinen Beinen ins seichte Wasser und begab sich in die Mitte des Flusses. Dort angekommen wandte er sich an Iro und sah ihn auffordernd an. Iro schien zu verstehen und mit einem selbstsicheren Grinsen trat er ebenso ins Wasser. Max wusste nicht, was er davon halten sollte. Zwar ahnte, dass Iro keine Ruhe mehr gegeben würde, wäre der General nicht bereit, der Aufforderung zum Kampf zu folgen. Doch ahnte er genau, wie der Kampf enden würde. Und Max war sich sicher, dass ein niedergeschlagener frustrierter Iro nicht gerade der angenehmste Reisegefährte sein würde. Doch so hilflos wie er Jimmy dabei zusehen musste, wie er zweihundert Pokédollar für einen Orb ausgab, genauso machtlos war er gegenüber der Stimmung der beiden nach einem Kampf. Wortlos entfernte er sich daher und Jimmy und auch Axel taten es ihm nach. Sie traten an die hinteren Bäume zurück und sahen, wie die beiden Impergator in Stellung gingen.
Während Iro seine Gelenke lockerte, macht der General keine Bewegung. Mit verschränkten Armen stand er im Wasser und wartete den ersten Angriff von Iro ab. Dieser hielt ihm aus einiger Entfernung die Faust hin: „Dieses Mal wird es anders laufen!“

Grimmige Entschlossenheit lag in Iros Gesicht und Max wusste, dass für ihn eine Niederlage undenkbar war.
Dann stieß Iro seinen Schweif ins Wasser und setzte zu einem großen Schwung in Richtung des Generals an.. Dabei zog er eine große Menge Wasser mit sich, die seinem Schweif folgte und sich zu einer kleinen Flutwelle auftürmte, die auf den General zulief. Die Welle zog das Wasser des Flusses, dessen Fließrichtung zur Welle hin war, mit sich, worauf sie sich immer zu einer Größeren auftürmte. Langsam drohten nun diese Wassermassen auf den General einzubrechen. „Nummer eins!“, rief Iro und vollzog eine Volldrehung nach links, in der er seinen Schweif mitzog, aber dieses Mal nicht in das Wasser stieß. Scheinbar aus dem Schweif selbst kommend umhüllte Wasser diesen. Mit einem zweiten Schwung wie beim Ersten ließ Iro eine Wassersichel los, die horizontal auf die Flutwelle steuerte. Max sah Iro eine angestrengte Konzentration und er erkannte, dass dieses Manöver erst jetzt von Iro erdacht worden war. Und dieses musste er nun schnell zu Ende führen, denn hastig hüllte sich seine rechte Faust in eine Wolke aus Eis ein. Blitzartig, wobei er fast stolperte, drehte sich Iro abermals und schlug mit der eisüberzogenen Faust auf das Flussbett ein. Der Abschnitt des Flusses zwischen den beiden Pokémon gefror augenblicklich und Max und Jimmy pfiffen erstaunt aus, wie mächtig Iros Eishieb war. Mit dem Flussbett erstarrte auch gleichzeitig die riesige Flutwelle, die sich in gefährlicher Nähe beim General befand, worauf sie sich nicht mehr bewegte. Die Sichel aus Wasser aber durchschnitt an einer tiefgelegenen Stelle diese eismauerartige Welle, worauf sie nun auf dieses stürzte.
Ein beeindrucktes Raunen kam von Axel.
Den General jedoch schien das Ganze nicht zu kümmern. Die ganze Zeit über hatte mit der gleichen Haltung wie am Anfang Iros Aktionen beobachtet und widmete nun seine Aufmerksamkeit dem Eisblock, der ihn von Sekunde zu Sekunde zu zerquetschen drohte. Ohne eine Miene zu verziehen löste der General seine Arme voneinander, ballte die rechte Hand zu einer Faust und schlug mit dieser gegen den Eisblock, der in der Luft wie in Schwebe blieb und augenblicklich in mehrere Eissplitter zersprang, die im Tageslicht glitzerten und sich im Flussbett verteilten.
Ohne ein Wort zu sagen ging nun auch der General in Kampfstellung.
Iro wartete gespannt darauf, dass sein Gegner anfing, auf ihn zuzukommen. Doch Jener öffnete nur die Augen und schlug in seine Richtung ein. Seine Faust verharrte in der Luft und ein lauter Knall, wie von einer Kanone, erklang. Doch nichts passierte.
Max und Jimmy wechselten Blicke und schauten zu Axel, der aufmerksam Iro beobachtete. Und dann sahen Max und Jimmy, wie Iro unter Schmerzen sich zusammenkrümmte und den Bauch hielt.
„Was passiert da?“, rief Jimmy entsetzt auf, während Max versuchte zu verstehen, was passiert war. Doch Axel lächelte leicht.
„Eine Stoßwelle!“, erklärte er ihnen. „Stahl schlägt mit einer enormen Wucht in die Luft, worauf diese in sehr komprimierter Form auf seinen Gegner einwirkt. Ähnlich der Druckwelle von Sprengfallen“
Max war baff, dass ein Pokémon wie der General zu so einer Technik in der Lage war. Und erschrocken sah sah er, wie sich Iro langsam aufrichtete und dabei in das Wasser spuckte. Iro sah man es an, dass der Druck auf sein Inneres eingewirkt hatte.

Und nicht weniger erschrocken sah Max nun, wie der General sich anspannte und mehrmals blitzartig in die Luft schlug. Es war, als würde der General mehrere Salven an Kanonen abfeuern, die laut in der Luft widerhallten. Und Iro, der vom Schmerz der ersten Welle unfähig war, sich zu bewegen hob die Arme überkreuzt zum Schutz seiner Brust und seines Kopfes.

Die vielen Stoßwellen, die der General von sich gab, wirkten wie Hunderte von Kanonenkugeln besonders stark auf rechten Arm des Rivalen ein. Während sie auf ihn zuflogen, spritzten einige von ihnen das unter ihnen befindliche Wasser auf. Die gezählten ersten zwanzig Male schien Iro dem noch standzuhalten, doch Max sah dann, wie er immer verbissener versuchte, an Ort und Stelle stehen zu bleiben. Fast konnte er hören, wie Iros Zähne knirschten. Max kreuzte die Finger und hoffte inständig, dass Iro erkannte, dass er dem General unterlegen war. Denn dieser machte keine Anstalten, aufzuhören geschweige denn zu ermüden.
Doch Iro knickte nicht ein. Verbissen blickte er zum General auf. Dann entschloss Iro endlich, das Blocken der Stoßwellen sein zu lassen, und sprang nach links um den weiteren Salven auszuweichen. Mit seinem linken Arm hieb er das erfrorene Flussbett ein, worauf dieses in mehrere große Brocken zersprang. Dies brachte den General dazu aufzuhören und Iro abschätzig anzublicken, der nun mit schmerzverzogenem Gesicht seinen rechten Arm hielt.

„Sollen wir lieber aufhören, bevor du dir ganz den Arm ruinierst?“, sagte der General ernst.
Als Antwort richtete sich Iro auf und seine Beine zitterten. Max hörte, wie knapp seine Atmung war, und erneut hoffte er, Iro würde zur Vernunft kommen.

„Ich denke nicht daran!“ japste dann Iro und dann mit einem Schrei schlug er mit dem Schweif auf den Fluss. Ein paar große Eisbrocken sprangen durch die Wucht des Schlages aus dem Boden heraus und einen von ihnen Iro mit seinem Schweif gegen seinen Erzfeind.
„Was soll denn das werden?“, fragte dieser gelangweilt und fing den Brocken lässig mit der rechten Hand. Ein zweiter Brocken wurde auf dieselbe Art und Weise geschleudert und auch mit derselben Lässigkeit mit der linken Hand dieses Mal gefangen. Doch kaum den Zweiten gefangen, flog auch schon ein Dritter dem General entgegen. Da er aber beide Hände voll hatte, erfolgte mit dem dritten Eisbrocken der erste Treffer von Iro, der mit gewisser Wucht in den Bauch des Generals erfolgte.
Jimmy jubelte Iro zu, doch Max beobachtete, wie Iro ernst blieb.
Der General schien nicht ernsthaft getroffen gewesen zu sein, denn der Brocken, der ihn erwischt hatte, fiel mit einem dumpfen Geräusch auf das Eis und der General selbst richtete sich wieder fasste Iro streng ins Auge: „Wenn du den Gegner angreifst, dann gib ihm nie eine Konterchance hinzu!“
Mit diesen Worten warf er mit hohem Tempo die zuvor gefangenen Eisblöcke auf Iro zu, worauf er nach rechts auswich. Als ob der General gewartet hatte, schlug er ein erneutes Mal, jedoch mit zwei Fäusten, in die Luft. Abermals erklang der Knall zweier Kanonen und Iro befand sich noch in der Luft und konnte nicht mehr rechtzeitig seine Arme zur Deckung heben.
Entsetzt sah Max zu, wie sich Iros Körper in der Luft nach innen wölbte und wie dieser mit einem Mal weit nach hinten geschleudert wurde. Wie bei einem Steinwurf krachte Iros Körper mehrmals auf dem Eis auf, ehe er dann auf dem Rücken liegen blieb.
Eine unheimliche Stille legte sich über den Klarbach, da dessen Strömen durch das Einfrieren unterbrochen worden war. Und Iro machte keine Anstalten, sich zu bewegen. Max und Jimmy wollten sich schon aufrichten um ihrem Freunde zu Hilfe zu eilen, doch Axel gebot beide mit einem Arm, an Ort und Stelle zu bleiben.
„Euer Freund hat den General herausgefordert, nun trägt er die Konsequenzen!“
„Mir egal!“, sagte Max hitzig. „Was wenn Iro schwer verletzt…“, doch dann hörte er ein Röcheln und erleichtert sah Max, wie Iro anfing wieder zu atmen. Doch es klang, als würde Iro kaum noch Luft bekommen, weswegen er so begierig nach Luft röchelte. Doch es war vorbei. Wie Max es geahnt hatte, hat Iro erneut gegen den General verlor. Und dieser schien nun seine Haltung lockern, da auch er den Kampf für beendet sah.

Doch jäh erklang ein Grollen. Obwohl der Himmel klar war, erklang eine Art Donnergrollen und Max und Jimmy mussten sich umsehen, von woher dieses kam. Doch es war Axel, der auf die Quelle deutete, und Max sah bestürzt, wie Angst und dunkle Vorahnung in seinen Augen lag. Auch der General war beunruhigt.

„Ich ...werde ... nicht aufgeben!“ rief Iro mit brüchiger Stimme hervor, und sein Körper leuchtete azurfarben auf. Ein seltsames Licht umgab ihn und jäh lag eine Aura von Macht in der Luft. Mit einem Mal wurde der General angespannter und konzentrierter als zuvor und auch Axel wurde jäh ernst.
„Wir sollten von hier weg!“, sagte er scharf.
„Was? Wieso?“, sagte Jimmy verwirrt, der erschrocken Iros seltsames Erscheinungsbild in Augenschein nahm.
„Es ist hier nicht sicher; nicht wenn er es nicht kontrollieren kann... “


„Was denn kontrollieren?“, sagte Max panisch, doch jäh setzte ein starker Wind ein, der die Bäume wild hin und her tanzen ließ. Und die Eisbrocken, die Iro umgaben, zitterten und lösten sich in Wasser, welches sich aber sofort um ihn herum aufbaute. Dann brach es mit einem Mal in Form mehrerer Fontänen aus. Eine davon traf Jimmy mitten ins Gesicht, woraufhin dieser ohnmächtig wurde.

„Jimmy!“, rief Max entsetzt, doch Axel hatte schon den bewusstlosen Körper unter seinen Arm geklammert. Er begegnete Max‘ Blick: „Ist das das erste Mal, dass du Ironhard in diesem Zustand siehst?“

„Was ist das für einer?“, rief Max über das Brausen des Windes hinweg und sah Iro dabei zu, wie er schwer atmete, während das Licht um ihn herum immer stärker leuchtete.

„Sturzbach – eine sehr mächtige Fähigkeit von Wasser-Pokémon, doch wenn Ironhard sie nicht kontrollieren kann …“


Und in dem Moment brüllte Iro auf, sodass Max‘ Trommelfell zu platzen drohte. Das Wasser um ihn herum toste weiter auf und nun waren auch Iros Augen von jenem Licht erfüllt, das ihn umgab. Als würde das Licht ihn blenden, schlug Iro wild um sich. Wasserfontänen peitschte in alle Richtungen und sie besaßen so viel Druck, dass sie tiefe Furchen im Boden hinterließen oder getroffene Bäume durchtrennten. Ein paar von denen sprengten sogar das Steindach von Axels Höhle fort.


„Tu doch endlich was!“, rief Axel, doch wandte er sich nicht an Max, sondern an den General. Doch dieser war schon dabei, etwas zu unternehmen. Denn auch sein Körper leuchtete im selben azurfarbenen Licht auf, doch wirkte der General unverändert. Als dann weitere Fontänen auf ihn zuschossen, wischte er diese mühelos und Max wusste, dass dies nur durch seinen eigenen Sturzbach möglich war. Sein Blick traf den des Generals und in diesem lag Entschlossen sowie die Bitte um Vergebung. Dann schlug er mit seinem Schweif auf den Boden und mit einem Mal hatte er sich in Iros direkte Nähe katapultiert. Ob Iro die Anwesenheit des Generals spürte, konnte Max nicht sagen, doch fing er nun an, mit beiden Armen und Fäusten auf den General einzuhauen. Doch dieser wischte alle Angriffe mit seiner linken Hand zur Seite, während er mit seiner rechten Faust ausholte. Als dann Iro auch mit seiner Faust ausholte und zuschlug, ließ auch der General seine Faust nach vorne schnellen.


Erst war ein Dumpfen zu vernehmen, dann knallte es laut auf und eine Stoßwelle breitete sich von den Impergator aus, die auch Max und Axel umwarf. Dann hörte Max ein lautes Knacken und Splittergeräusche und wie etwas Schweres auf den Boden geworfen wurde. Von der Druckwelle benommen richtete sich Max. Axel half ihm dabei. Als er sich dann umblickte, sah er den General über Iro stehen, der ohnmächtig vor ihm auf den Boden lag. Dessen Arm stand im seltsamen Winkel zu seinem Körper. Dann wurde klar, was das Knacken und die Splittergeräusche verursacht hatte.
Der Klarbach war wieder aufgetaut und das Wasser floss wieder, als hätte sich nichts verändert.
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