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Zwei Monate und ein gefühlter Augenblick | Newt Ff

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Chuck Minho Newt OC (Own Character)
26.11.2020
10.03.2021
48
68.878
3
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26.11.2020 1.732
 
Keuchend und hustend schreckte ich hoch. Ich hustete ununterbrochen und Wasser verließ meine Kehle. Meine durchnässte Kleidung klebte an meinem Körper und nasse Haarsträhnen klebten in meinem Gesicht. Ich zitterte am ganzen Körper und meine Sicht war verschwommen. Die hellen, weißen Lichter taten mir in den Augen weh und raubten mir die Fähigkeit einen klaren Gedanken zu fassen. Ihr grelles Licht brannte auf meiner Netzhaut, ich hielt mir die Hand schützend vor die Augen und ein zischendes Geräusch verließ meinen Mund.
Als sich meine Augen einigermaßen an die blendenden Lichter der Lampen gewöhnt hatten, versuchte ich mich aufzurichten aber alles drehte sich und somit landete ich wieder hart auf dem metallenen Boden. Unfähig meine Gliedmaßen zu kontrollieren saß ich keuchend auf dem eisigen Gitterboden und atmete die abgestandene Luft ein. Meine Finger hielten krampfhaft daran fest und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich atmete schwer und Panik breitete sich in mir aus. Mein Brustkorb hob und senkte sich nach jedem rasselnden Atemzug, welcher mir über die staubtrockenen Lippen ging. Ich leckte mir über jene und schloss ungläubig die Augen.

Wo bin ich verdammt noch mal?
Wer bin ich?


Ich wusste es nicht.
Alles schien sich in einem dichten Nebel zu befinden und meine Erinnerungen waren wie ausradiert. So sehr ich es auch versuchte, ich konnte mich an nichts mehr erinnern. Zwar wusste ich viel, viel über die Welt und wie sie funktionierte, aber nichts über mein Leben. Ich versuchte nach meinen Erinnerungen zu greifen, jedoch war mir dies nicht gestattet. Anscheinend würde ich es nie wissen würden.
Konzentriert musterte ich meine Umgebung, nachdem ich meine schmerzenden Augenlider wieder geöffnet hatte und stellte fest, dass ich in einer Art Box war, welche mit hoher Geschwindigkeit ratternd nach oben raste. Die pure Angst hatte sich bis in meine letzte Pore ausgebreitet und festgekrallt. Tausende Gedanken schwirrten in meinem Kopf umher und machten klares Denken unmöglich.
Ich rieb mir die schmerzenden Schläfen, ich musste etwas unternehmen, und zwar sofort!
Ich sprang auf meine Beine, jedoch musste ich mich an der Wand abstützen, da mein Kreislauf dumme Spielchen mit mir spielte.
Kisten? Überall befanden sich Kisten und schnell versteckte ich mich hinter einer, aber zuvor musste ich mir eine Waffe suchen.
Suchend blickte ich mich um und fand ein längliches, metallenes Ding. Es sah aus, wie eine Schraubzange, aber woher sollte ich das wissen? Es war jedenfalls eine Waffe aus Metall, mehr brauchte ich nicht. Jedoch, eins wusste ich nun mit Sicherheit, und zwar, dass ich mich zu verteidigen hatte, egal was kommen mochte.
Die Box raste weiter nach oben und verursachte quietschende Geräusche, welche in den Ohren wehtaten. Anscheinend hatte ich sie in meiner Benommenheit zuvor nicht wahrgenommen.
Ich hatte mich in eine Ecke gezwungen und wartete nun auf das, was auch immer kommen würde.
Es brauchte nicht allzu lange, bis die Box ruckelnd anhielt, aber nichtsdestotrotz kam es mir wie eine Ewigkeit vor. Jede einzelne Sekunde glich einer Ewigkeit voller Warten.
Eine kurze Zeit geschah nichts, bis ich leises Gemurmel von draußen hören konnte. Ich schloss meine Augen und fokussierte mich auf meine Atmung und meinen Puls. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich hörte es in meinen Ohren hämmern. Ich zählte die Schläge, um mich zu beruhigen und bei 25 angekommen öffneten sich die Gittertore an der Decke. Starr blickte ich in die Mitte der Box, welche nun von der Sonne erleuchtet wurde und ich konnte den Staub in der Luft wirbeln sehen. Er glitzerte in der Luft umher und kurz verlor ich mich in diesem Anblick.
Schweißperlen hatten sich auf meiner Stirn gebildet und drohten hinunterzufallen. Ich hatte die schlimme Befürchtung, dass mein letztes Stündlein geschlagen hatte.
Kurz darauf sprang jemand in die Mitte der Box und ein Poltern durchfuhr das Gestell, wobei mein ganzer Körper erbebte. Ein lautes Klirren entstand, als ein Junge hineinsprang und die Gitterwände zitterten noch lange weiter.
Ich musterte den Jungen und stellte fest, dass er breit gebaut und muskulös war. Zweifelnd blickte ich auf die Zange in meiner Hand und konnte fast über mich selbst lachen. Trotzdem umfasste ich das ehemals kühle Metall fester und meine Fingerknochen traten weiß hervor. Das Metall hatte sich aufgrund meiner Körpertemperatur erwärmt und eine Schweißschicht erschwerte es mir den Griff festzuhalten.
Der Junge hatte blondes Haar und schien etwas zu suchen, denn sein Blick schweifte skeptisch hin und her. Ich schluckte schwer, als er sich in meine Richtung drehte, aber er sah mich nicht.
"Gally, was siehst du?", fragte jemand von draußen und ich spannte mich an. Meine ganzen Muskeln waren angespannt und bereit für einen Angriff.
Der Junge, also Gally, sah irritiert nach Oben und antwortete: "Nichts, die Box...sie ist leer."
Man hörte Stimmen, welche aufgeregt miteinander tuschelten und dann sprach der Junge wieder, welcher zuvor Gally eine Frage gestellt hatte: "Wollen diese Strünke uns eigentlich verarschen? Was für ein Klonk! Egal, packt alle mit an und hilft uns die Vorräte auszuräumen und an die anderen: macht euch wieder an die Arbeit!", kommandierte er und bekam darauf nur Gemurmel als Antwort.
Gally stampfte wütend mit seinem rechten Fuß auf, wobei einige Kisten wackelten und zu meinem Pech auch die, hinter welchen ich mich versteckte. Gallys Aufmerksamkeit war nun auf mich gerichtet, anschließend trafen sich unsere Blicke und seine Augen weiteten sich vor Verwunderung. Gerade wollte er ansetzten zu sprechen aber ich reagierte schneller. Ich umschloss die Zange mit zitternden Händen und holte aus. Ein dumpfes Geräusch erklang beim Aufprall und anschließend fluchte der blonde Junge. Er hielt sich seinen Kopf und taumelte nach hinten, wo er gegen einige Kisten stieß und mit seinem Gleichgewicht kämpfte. Dies war mein Stichwort und blitzschnell sprang ich auf eine der Kisten und kletterte aus der Box.
Oben angekommen blinzelte ich gegen die Sonne und rappelte mich auf. Um mich herum standen einige Jungs, welche mich erstaunt musterten. Schnell blickte ich mich um und sah noch, wie sich eine größere Gruppe Jungs gerade von der Box entfernte. Ich brauchte nicht lange, um die Chance zu sehen und rannte los. Aber wo sollte ich hinrennen?
Hinter mir erklangen einige wilde Rufe und ich riskierte einen Blick über die Schulter. Die Gruppe, welche sich zuvor von der Box abgewandt hatten. Sie rannte mir hinterher!
Ich spornte mich mehr an und meine Füße flogen förmlich über den Boden hinweg. Das Adrenalin floss durch meinen Adern und mein Herz drohte aus meiner Brust zu springen. Schnell sah ich mich um und staunte nicht schlecht. Um mich herum waren riesige Mauern aus Stein, welche sich im Kreis um eine Lichtung erstreckten. Sie bildeten ein sauberes Quadrat und auf jeder Seite befand sich ein großes Tor, welches genau in der Mitte stand und eins davon war offen. Schnell fixierte ich nun genau dieses Tor und rannte darauf zu. Nur weg von hier!
Kurz bevor ich die Öffnung erreicht hatte, spähte ich ins Innere. Was ich sah schockierte mich. Es war wie ein Tor in eine andere Welt und es strahlte Furcht und Schrecken aus. Das graue Gestein wirkte irgendwie bedrohlich, es wollte mich nicht haben.
Wie aus dem Nichts blieb ich stehen und starrte fasziniert auf die gigantischen Mauern und auf den Eingang.
Ich hatte ganz vergessen, dass mir die Gruppe von Jungs hinterhergelaufen war und im nächsten Moment wurde ich schon daran erinnert.
"Shit, shit, shit!", fluchte jemand hinter mir aber mir blieb keine Zeit darüber nachzudenken, denn schon im nächsten Augenblick würde ich hart zu Boden geworfen. Jemand hatte mich umgerannt und nun lag ich einfach da. Zu perplex etwas tun zu können, versuchte ich mich umzudrehen aber ich konnte mich nicht bewegen.
Schnell ging derjenige von mir runter und ich konnte mich endlich wieder aufrichten.
Ich sah meinem Gegenüber in die braunen Augen und zog meine Stirn kraus.
"'Tschuldigung, tut mir echt leid, dass ich dich umgerannt habe aber du bist einfach stehen geblieben."
Der Junge kratzte sich verlegen am Hinterkopf und brachte etwas Abstand zwischen uns. Ich konnte einfach nur perplex nicken und anschließend kamen die anderen Jungs schon und stellten sich im Kreis um uns auf.
Ich saß immer noch wie erstarrt im Gras und musterte den Jungen, welcher mich zuvor umgerannt hatte. Er hatte ebenfalls blonde Haare, wie der junge aus der Box aber eine wärmere Ausstrahlung. Er war muskulös und als sein Blick wieder auf mich fiel, lächelte er mich aufmunternd an, wobei das Lächeln seine Augen erreichte.
"Na, Newt, kannst du schon jetzt nicht mehr genug von ihr bekommen? War ja eine stürmische Begrüßung.", lachte ein anderer Junge und Newt warf ihm einen vernichtenden Blick zu.
"Ja, sehr witzig, Zart. Solltest du nicht eigentlich arbeiten?", antwortet Newt und sah Zart herausfordernd an. Dieser zuckte nur mit den Schultern und grinste vor sich hin. Anschließend fielen alle Blicke wieder auf mich und ich sah mich nach einem Fluchtweg um. Gerade als ich aufspringen wollte, sprach Newt wieder zu mir: "Versuch' es erst gar nicht, verstanden?"
Ich sah ihn an und biss mir verzweifelt auf die Unterlippe, im Anschluss darauf nickte ich etwas eingeschnappt. Newt verscheuchte alle anderen um uns herum und schickte sie wieder zur Arbeit. Als sich alle entfernt hatten, sah er mich wieder an und streckte mir seine Hand entgegen, welche fordernd darauf wartete, dass ich meine in seine legte.
"Vielleicht solltest du langsam mal aufstehen, hm? Ich bin übrigens Newt aber ich denke, dass du das bereits mitbekommen hast."
Ich sah seine Hand skeptisch an, aber nahm jene trotzdem zögernd an. Mit einem Ruck wurde ich hochgezogen und sah wieder die Mauern vor mir.
Ich drehte mich wieder zu meinem Gegenüber und sprach das erste Mal: "Wo bin ich und warum kann ich mich an nichts erinnern?", fragte ich und meine Stimme klang etwas rau.
Newt sah mich mitfühlend an und antwortete mir ruhig: "Du befindest dich auf der Lichtung und das mit deinen Erinnerungen ist ganz normal. Wir alle können uns an nichts mehr erinnern, nur an unseren Namen. Keine Sorge, wenn du deinen noch nicht weißt, du wirst dich bald daran erinnern. Auch, wenn es das Einzige sein wird."
Ich sah Newt etwas irritiert an und er hatte recht. So sehr ich es auch versuchte, ich konnte mich nicht an meinen Namen erinnern. Ich lächelte ihn gequält an und musterte die Lichtung.
Wo war ich hier nur gelandet?
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