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Anime Philosophie

von Musjun
GeschichteAllgemein / P12
26.11.2020
26.11.2020
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473
 
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Jean Paul Sartre hatte mal gesagt, dass der Mensch in einer Welt ohne Sinn fremd fühlt. Denn die Freiheit des Menschen ist auch sein Fluch. Es gibt keine ewigen Werte, nach denen wir uns richten könnten. Dennoch meint Sartre, dass das Leben eine Bedeutung haben muss, aber wir selber müssen diese Bedeutung, diesen Sinn für unser Leben schaffen.

Wir sind Schauspieler oder besser im Anime-Sinn Cosplayer, die ohne einstudierte Rolle und ohne Souffleuse, die uns ins Ohr flüstert, was wir uns zu tuen haben, auf eine Bühne gestellt werden. Warum also nicht Anime zu seinem Sinn im Leben erklären, zu seiner Philosophie?

Denn wer in die anonyme Masse gleitet, wird zum unpersönlichen Massenmenschen. Dieser Jemand ist vor sich selber in die Lebenslüge geflohen. Doch Achtung! Man kann genauso in einer Animewelt vor der Realität fliehen. EIn gesundes Maß von beidem halte ich daher für richtig.

In den letzten zehn Jahren hat Anime einen Wandel erfahren, den ich für bedenklich finde. Dieser Prozess begann damit, dass Anime zunehmend aus den deutschen Fernsehen verschwanden. Gleichzeitig verschwanden auch die Zeitschriften, die sich mit den Thema befassten, aus den Regalen der Supermärkte. Es lässt sich hier von einer zunehmenden Digitalisierung der Anime-Branche sprechen. Meiner Meinung nach hat dabei sowohl die Qualität des Zeichenstils, als auch die Qualität der Erzählweise abgenommen. Die lange existierenden klassischen Anime verwandelten sich in schlechte Versionen von sich selbst, die ich hier als New-Age-Anime bezeichnen werde.

Dazu habe ich zwei Beispiele. Als erstes mein Lieblingsanime: Dragonball. Man hatte in Japan die Idee, Dragonball mit einem digitalen Zeichenstil zu erneuern. Diese Version nannte sich Dragonball-Kai. Man hatte alle Fillerfolgen und Nebenhandlungen gestrichen, wodurch eine abgespeckte Version von Dragonball entstand, die über ein deutlich schnelleres Erzähltempo verfügte. Doch das war noch nicht alles. Einige Jahre später entstand Dragonball Super. Eine Fortsetzung der Dragonball Z Sagas, die mit einem Aufgebot an schlechtem Zeichenstil und einer Handlung, die nur wenig auf einander aufbaut, startete.

Nach dieser enttäuschenden Erfahrung mit Dragonball Super, habe ich Boruto gar nicht mehr angeschaut. Boruto setzt dort von der Handlung an, wo der Manga Naruto endet. Eigentlich ist es falsch alle neuen New-Age-Anime über einen Kamm zu scheren und schlechter als die klassischen Anime dazustellen. Jedoch ist mir kein neuerer Anime bekannt, der auf dem digitalen Zeichenstil komplett verzichtet und stattdessen auf die althergebrachte Produktion setzt.

Klassische Anime-Filme wie "Das wandelnde Schloss" oder "Prinzessin Mononoke", haben bis heute nicht an ihrem Charm verloren. Vielleicht gerade weil es keine New-Age-Anime Version davon gibt, die diesen schmälern könnte. Im Internet lassen sich zahlreiche YouTuber finden, die eine ähnliche Meinung dazu haben. Zum Beispiel der YouTuber: Totally Not Mark. Es bleibt zu hoffen, dass die vielen kritischen Stimmen an den neuen Anime Gehör finden und ein Zeitalter der Anime-Renaissance einleuten.
 
 
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