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I Gotta Keep On Kissing

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Alex Flynn Julie Molina Luke Patterson Reggie Willie
26.11.2020
26.11.2020
4
10.144
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26.11.2020 3.045
 
1994



Er ist so schön.

Verträumt beobachtete Luke den schwarzhaarigen Bassisten dabei, wie er aus dem Fenster sah. Wie immer trug er schwarze, zerrissene Jeans, sein Flanell und ein Shirt. Seine Finger spielten gedankenverloren mit seiner Kette. Seine Augenbrauen waren zusammengezogen und Reggie sah aus, als würde er über irgendwas intensiv nachdenken. Er war genauso gedankenversunken wie Luke. Dennoch konnte Luke die Sorge nicht abschütteln, die sich in ihm breit machte, als er Reggies Gesichtsausdruck sah. Irgendwas bereitete ihm Kopfzerbrechen. Luke nahm sich vor, Reggie danach zu fragen, sobald sie eine Minute allein hatten.



„Mr. Patterson, würden Sie uns mit ihrer Aufmerksamkeit beehren?“, riss der Physik-Lehrer ihn aus seinen Gedanken.

Luke schreckte zusammen und drehte sich wieder nach vorn.

„Sorry, ich war mit den Gedanken woanders.“

„Ja, das habe ich bemerkt. Konzentrieren Sie sich oder Sie melden sich beim Direktor.“

Luke nickte und sah aus dem Augenwinkel, dass Reggie ihn besorgt ansah. Ihre Blicke trafen sich.

‚Was ist los?‘, fragte Reggie lautlos.

‚Später‘, antwortete Luke.

Er ärgerte sich, dass er Reggie noch mehr Sorgen bereitete, als er ohnehin schon hatte. Für den Rest des Unterrichts versuchte Luke sich so gut wie möglich auf den Lehrer zu konzentrieren.



Luke hatte alle Kurse mit Reggie zusammen, da sie dasselbe belegten, aber Alex hatte fast immer andere Stunden. Es fühlte sich immer an, als würde etwas fehlen, sobald der Drummer nicht dabei war. Sie kannten sich alle seit Ewigkeiten und gehörten einfach zusammen. Alle drei waren froh, als sie sich nach dem Unterricht an ihren Spinten trafen und sich endlich wiedersahen, nachdem sie den ganzen Tag über keine Stunde mit Alex zusammen hatten. Luke und Reggie waren schon da und warteten. Alex kam gerade vom Sportunterricht, das Gesicht auf den Boden gerichtet. Luke und Reggie tauschten einen Blick miteinander. Auf ihren Gesichtern spiegelte sich Besorgnis wider. Eine Gruppe Jungs aus dem Lacrosse-Team tauchte hinter Alex auf.

„Hey Schwu*****“, riefen einer von ihnen lachend und schubste Alex gegen die Wand.

Luke und Reggie liefen der Gruppe sofort entgegen. Während Reggie sicherstellte, dass es Alex gut ging, baute sich Luke wütend vor der Gruppe auf.

„Hey, was fällt dir eigentlich ein, du Arschloch?“, rief er dem Kerl zu, der Alex angegriffen hatte.

„Awww, schaut mal. Alex‘ Mama ist da, um ihn zu beschützen.“

„Alex kann sich selber verteidigen, aber im Gegensatz zu dir ist er es wert, unterstützt zu werden, du mieses Stück Scheiße!“, knurrte Luke.

„Was ist dein Problem? Weiß doch jeder, dass er ne Schwu***** ist. Immer glotzt er in der Kabine alle an.“

Luke atmete tief durch, um sich davon abzuhalten, dem Kerl eine reinzuhauen. Das würde ihm nur Nachsitzen einbringen und niemandem helfen.

„Wenn du dir da so sicher bist, warum beleidigst du mich dann nicht, hm? Ich bin ziemlich sicher, du weißt, woher das Gerücht kam?“, fragte Luke provozierend.

„Du bist wenigstens cool. Ich meine, sieh ihn dir doch an. Er trägt rosa.“

„Ja und? Seine Klamotten gehen dich einen feuchten Dreck an. Wenn ich mitbekomme, dass ihr Alex noch angreift und wenn ihr ihn nur schief anguckt, dann klären wir das draußen auf dem Parkplatz und ich schwöre bei Gott, ich reiße euch den Arsch auf. Wenn ihr an Alex wollt, müsst ihr an mir vorbei.“

Wütend starrte Luke den Idioten an, der Alex angerempelt und beleidigt hatte. Er spannte seine Muskeln an, um seine Drohung zu unterstreichen, bevor die Gruppe an ihm vorbeiging. Misstrauisch sah er ihnen nach. Erst als sie um die nächste Ecke verschwunden waren, drehte sich Luke wieder zu Reggie und Alex um. Die anderen Leute, die gaffend um sie herum standen, ignorierte er vollkommen. Sofort war die Wut verschwunden und Sorge machte sich in ihm breit, als er seinen Freund sah. Alex‘ Augen waren weit aufgerissen, Angst zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, während er sich immer wieder umsah. Reggie hatte schützend einen Arm um seine Schultern gelegt.

„Bist du okay, Alex?“, fragte Luke und suchte seinen Freund nach Verletzungen ab.

Alex nickte nur schweigend.

„Lasst uns von hier verschwinden“, murmelte Reggie und nahm Alex‘ Rucksack, der zu Boden gefallen war.



Sie machten sich direkt auf den Weg ins Studio. Ihre Instrumente waren eh alle da. Alex‘ Schlagzeug war mittlerweile so groß, dass es in die Wohnung seiner Eltern nicht mehr reinpasste. Reggie verbrachte eh die meiste Zeit im Studio, weil er es im Haus seiner Eltern nicht aushielt und er seinen Bass nicht immer hin und her schleppen wollte. Lukes Gitarre war ebenfalls im Studio, da er fürchtete, seine Eltern würden sie eines Tages zerstören, wenn er der Musik nicht abschwor. Nur Bobby hatte seine Gitarre nicht im Studio. Er hatte ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern und ging außerdem auf eine andere Schule, sodass er vor den Konflikten sicher war, mit denen sich Luke, Alex und Reggie herumschlagen mussten. Er brauchte das Studio nicht als safe space.



Zu dritt saßen sie auf der Couch und schwiegen vor sich hin. Jeder in seinen Gedanken versunken.

„Du hättest das nicht tun müssen“, sagte Alex schließlich leise.

„Hör auf mit dem Schwachsinn. Wir sind eine Familie. Außerdem ist es so dumm. Warum ärgern sie dich damit, mich aber nicht? Ich werde immer für dich Partei ergreifen, Alex!“

Seufzend ließ Alex seinen Kopf auf Lukes Schulter sinken, der daraufhin Alex Haar küsste.

„Ich hatte gedacht, sie würden es vergessen, nachdem wir uns getrennt haben. Ich meine, es hat uns nur einmal jemand gesehen. Seitdem gab es zehn neue Skandale und trotzdem reden sie noch über mich. Über uns. Sie machen sich immer nur lustig und beleidigen mich.“

„Ich weiß, Alex, aber irgendwann lassen wir diese ganze shit show hinter uns und zeigen es ihnen, wenn wir mit Sunset Curve berühmt sind.“

„Genau“, stimmte Reggie zu und griff nach Alex‘ Hand. „Und bis dahin stehen wir füreinander ein. Ihr seid die einzige echte Familie, die ich habe und ich liebe euch. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, damit es euch gut geht!“

Alex drückte Reggies Hand dankbar. Der Bassist wechselte einen Blick mit den beiden und lächelte. Beim Anblick von Reggies Lächeln konnte Luke nicht anders als ebenfalls breit zu lächeln. Es gab nichts, was ihn glücklicher machte, als Reggie glücklich zu sehen.

„Ihr seid das Beste, was mir je passiert ist“, flüsterte Alex ergriffen.

„Da ist er wieder, unser großer, emotionaler Softie“, neckte Luke.

Sie lachten alle und die Sorgen des Tages waren vergessen.



Die Probe war längst vorbei, Bobby war bereits wieder zu Hause und auch Alex war mittlerweile gegangen. Draußen wurde es schon dunkel.

„Gehst du heute nach Hause, Reg?“, fragte Luke, während sie im Studio aufräumten.

Überall lagen Zettel mit Songtexten herum, Drumsticks, Plektren, Klamotten, Schulbücher und Vieles mehr.

„Nee, ich war letzte Nacht da und sie haben sich nur darüber gestritten, wer sich um mich kümmern soll. Sie haben wieder Geschirr geworfen. Keine Ahnung. Ich weiß nicht, wovon sie essen. Irgendwann haue ich endgültig ab“, seufzte Reggie.

„Verstehe. Hast du Lust auf Gesellschaft? Meine Mom hat mich heute schon vor der Schule angeschrien. Es war ein wundervoller Start in den Tag. Mehr Geschrei ertrage ich heute nicht mehr.“

„Ja, klar. Du zahlst genauso Miete für das Studio wie ich. Ich habe letzte Nacht nicht geschlafen und bin echt müde. Also…“

„Ja, klar. Geh ruhig schon ins Bett. Du musst nicht mit mir wach bleiben“, versicherte Luke.

Das Lächeln auf Reggies Gesicht war müde und erreichte seine Augen nicht. Er sah so erschöpft aus. Sofort schaltete sich Lukes Sorge wieder ein und er erinnerte sich, dass Reggie im Physikunterricht schon so nachdenklich aussah.

„Hey Reg“, rief er, als Reggie bereits auf dem Weg ins Bad war.

Der Bassist drehte sich um.

„Hast du darüber vorhin in Physik nachgedacht? Über deine Eltern?“

Reggie nickte.

„Du weißt, ich bin immer da, wenn du jemanden zum Reden brauchst.“

„Danke, Luke. Vielleicht ein anderes Mal. Ich habe heute keine Kraft mehr, mich mit meinen Eltern noch auseinanderzusetzen.“

Damit wandte er sich ab, um sich bettfertig zu machen.



Wenig später saß Luke im Loft neben dem Bett und konnte den Blick nicht von Reggies schlafender Gestalt abwenden. Er sah so friedlich und sorgenfrei aus. All die Probleme, die er tagsüber mit sich herumtrug, waren verschwunden. Wieder einmal wurde Luke bewusst, wie unfassbar schön Reggie war und wie sehr er ihn liebte. Trotzdem konnte er nicht anders, als sich über sich selbst zu ärgern. Er war so ein Feigling, weil er sich nicht traute, Reggie gegenüber ehrlich zu sein. Luke hatte keine Ahnung, was Reggie empfand. Sie standen sich so nah, dass es schwierig war die Grenzen zu erkennen, wo eine Freundschaft aufhörte und wo eine Beziehung begann. Sie waren schon immer sehr liebevoll miteinander umgegangen, suchten immer die Nähe der anderen. Aber wenn er eins über seinen Freund wusste, dann dass er ihn niemals verurteilen oder ihn anders behandeln würde. Reggie wusste, dass Alex schwul war. Reggie wusste, dass es für Luke keine Rolle spielte, welches Geschlecht eine Person hatte. Reggie war die erste Person gewesen, bei der Alex und Luke sich geoutet hatten. Reggie war der Erste, der von ihrer Beziehung und ihrer Trennung erfahren hatte. Niemals hatte er etwas anderes gemacht, als sie beide zu unterstützen. Luke war immer ehrlich zu Reggie gewesen, egal um was es ging. Jetzt verdiente er ebenfalls Ehrlichkeit, damit sie gemeinsam überlegen konnten, wie es weiterging.



Luke riss den Blick von Reggies schlafender Gestalt los, um nach seinem Journal zu greifen. Er war schon immer besser darin gewesen, seine Gedanken und Gefühle in einem Song auszudrücken. Obwohl Luke eigentlich einen Song über seine Gefühle für Reggie schreiben wollte, war er nicht zufrieden mit dem, was er zu Papier brachte. Nichts fühlte sich richtig an. Luke hatte schnell gelernt, dass er sich nicht zwingen konnte, einen Song über ein bestimmtes Thema zu schreiben. Also ließ er seine Gedanken einfach wandern und schon flossen die Wörter nur so aus ihm heraus.



Brave



You can be amazing

You can turn a phrase into a weapon or a drug

You can be the outcast

Or be the backlash of somebodys lack of love

Or you can start speaking up

Nothings gonna hurt you the way that words do

And they settle neath your skin

Kept on the inside and no sunlight

Sometimes a shadow wins

But I wonder what would happen if you



Say what you wanna say

And let the words fall out

Honestly, I wanna see you be brave



With what you want to say

And let the words fall out

Honestly, I wanna see you be brave



I just wanna see you

I just wanna see you

I just wanna see you

I wanna see you be brave



I just wanna see you

I just wanna see you

I just wanna see you

I wanna see you be brave



Everybodys been there, everybodys been stared down

By the enemy

Fallen for the fear and done some disappearing

Bow down to the mighty

Dont run, stop holding your tongue

Maybe theres a way out of the cage where you live

Maybe one of these days you can let the light in

Show me how big your brave is



Say what you wanna say

And let the words fall out

Honestly, I wanna see you be brave



With what you want to say

And let the words fall out

Honestly, I wanna see you be brave



Innocence, your history of silence

Wont do you any good

Did you think it would?

Let your words be anything but empty

Why dont you tell them the truth?



Say what you wanna say

And let the words fall out

Honestly, I wanna see you be brave



With what you want to say

And let the words fall out

Honestly, I wanna see you be brave



I just wanna see you

I just wanna see you

I just wanna see you

I wanna see you be brave



[…]



Als Luke das nächste Mal von seinem Journal aufblickte, sah er, wie es im Studio langsam heller wurde. Die Sonne begann bereits wieder aufzugehen, doch an Schlaf war nicht mehr zu denken. Durch den Text, der ihm von den Seiten entgegenblickte, beflügelt, konnte Luke nicht mehr warten, mit Reggie zu reden. Endlich hatte er die Courage gefunden, mutig zu sein.



Wenig später klingelte der Wecker und Reggie öffnete stöhnend die Augen. Er streckte sich, gähnte und sah sich um.

„Guten Morgen. Gut geschlafen?“, fragte Luke lächelnd.

„Ja, endlich mal kein Geschrei mitten in der Nacht. Daran könnte ich mich gewöhnen“, erwiderte Reggie zufrieden.

Luke fiel auf, dass er viel erholter aussah. Doch der entspannte Ausdruck auf dem Gesicht seines Freundes verschwand schnell und wich einem Stirnrunzeln.

„Hey, alles klar, man? Du hast deine Sachen von gestern noch an.“

„Ja, ähm ich habe in der Nacht einen Song geschrieben.“

„Oh cool. Über was ist er?”

„Über dich, irgendwie. Und über mich. Eigentlich geht es darum, dass ich dir etwas sagen will. Schon seit einer Weile, aber ich habe mich nicht getraut.“

Reggie setzte sich auf und sah Luke besorgt an.

„Was ist los, Kumpel? Du kannst mit mir über alles reden, du weißt, ich würde dich nicht verurteilen.“

„Ich weiß, deswegen würde ich es dir jetzt gern sagen.“

Reggie nickte ihm aufmunternd zu und schenkte ihm seine volle Aufmerksamkeit.

„Ich habe in den letzten Monaten viel über uns nachgedacht. Über die Band, über Alex, über dich. Es ist toll, dass ihr meine gewählte Familie seid und ich mich immer auf euch verlassen kann, wenn meine eigentliche Familie nur stresst. Ohne euch wäre ich verloren. Ihr seid immer für mich da und helft mir oder umarmt mich einfach nur. Ich liebe es, in eurer Nähe zu sein. Also wirklich nah. Aber es war immer etwas schwierig für mich zu erkennen, was noch zu einer Freundschaft gehört, weil wir schon immer so waren, weißt du?

„Seit einiger Zeit denke ich, dass da mehr als Freundschaft ist. Nicht so wie bei Alex damals. Das war … Es schien die offensichtliche Wahl zu sein, nachdem wir uns beide geoutet hatten. Aber jetzt … es ist etwas anderes mit dir. Das, was ich für dich empfinde, ist mehr als ich für Alex je empfunden habe.“

Luke sah auf den Boden.

„Ich weiß, du bist nicht an Kerlen interessiert, aber ich wollte dir gegenüber ehrlich sein, weil ich weiß, du würdest mich nicht verurteilen.“

Zögerlich und ein wenig ängstlich vor Reggies Reaktion sah Luke wieder auf. Reggies Stirn war gerunzelt.

„Wer sagt, dass ich nicht an Jungs interessiert bin?“, fragte er verwirrt.

Luke klappte der Mund auf. Damit hatte er nicht gerechnet. Reggie redete immer nur über Mädchen, die er toll fand.

„Bist … du?“

„Ähm, ja, klar. Alex weiß es, weil er gesehen hat, wie ich einigen Jungs hinterher gesehen habe, wenn wir unterwegs waren. Ich dachte, du wüsstest es auch. Ich habe mich aber nie geoutet, weil ich angenommen hatte, es wäre offensichtlich, dass ich Mädchen und Jungs mag … Dass ich dich mag.“

„Tust du? Du magst mich?“

„Dude, ehrlich? Wie könnte ich nicht?“

„Gott, Reggie, kann ich dich küssen?“, fragte Luke überwältigt.

Grinsend nickte Reggie und lehnte sich zu Luke, der keine Zeit verschwendete und Reggie liebevoll küsste.





2020



„Hey Luke“, riss Julie ihn aus seinen Gedanken.

Er sah von seiner Gitarre auf, an der er verschiedene Melodien ausprobierte, und fragend zu Julie.

„Was ist das für ein Song?“, fragte sie.

Luke stellte seine Gitarre in den Ständer und setzte sich neben sie ans Klavier, um auf den Song zu sehen. Nach allem was sie gemeinsam durchgemacht hatten, hatte Julie uneingeschränkten Zugang zu seinem Journal. Es gab nichts darin, was er verheimlichen wollte.

Kaum sah Luke den Titel des Songs musste er lachen.

„Den habe ich in der Nacht geschrieben, bevor ich Reggie gesagt habe, dass ich mich in ihn verliebt habe. Sozusagen als Motivation für mich selbst, mutig zu sein. Ich habe nur den Text geschrieben. Habe die ganze Nacht dran gearbeitet. Danach sind wir zusammen gekommen und ich habe ihn nie fertiggestellt.“

„Der Song ist so gut. Der passt perfekt zu Stand Tall. Hast du Lust, daran zu arbeiten? Willst du ihn überhaupt fertigstellen?“

„Ja, klar. Warum nicht?“



Wenige Wochen später hatten sie einen Gig in einer Bar und Brave wurde das erste Mal live gespielt. Die Jungs wurden wieder unsichtbar. Sie ließen ihre Instrumente verschwinden und pooften in den Zuschauerraum, um auf Julie zu warten. Doch Julie kam nicht, sie blieb auf der Bühne.

„Was macht sie denn?“, fragte Reggie verwirrt. „Wir sind doch fertig.“

Fragend sah Reggie zu seinen Freunden. Alex sah genauso ahnungslos aus und Luke verdrehte grinsend die Augen.

„Warte einfach ab, okay?“

„Den letzte Song des Abends performe ich allein für zwei meiner engsten Freunde, die ihr Glück ineinander gefunden haben, lange bevor ich sie kennengelernt habe. Ich liebe euch, Leute. Das ist Brave.“

Julie legte ihre Finger auf die Tasten ihres Keyboards, atmete einmal tief durch, bevor der erste Akkord erklang und sie zu singen begann.


https://open.spotify.com/track/1OKgBZhaFdP32X1jZsbwRF?si=UCZvtiBDRdCxuH55tkpmUw
You can be amazing

You can turn a phrase into a weapon or a drug

You can be the outcast

Or be the backlash of somebody’s lack of love

Or you can start speaking up

Nothing’s gonna hurt you the way that words do

And they settle ‘neath your skin

Kept on the inside and no sunlight

Sometimes a shadow wins

But I wonder what would happen if you



Say what you wanna say

And let the words fall out

Honestly, I wanna see you be brave



Der Bassist sah Luke an, als ihm klar wurde, was für ein Song das war.

„Ist das…?“

Luke nickte grinsend. Reggie traten die Tränen in die Augen. Er legte seinen Arm um Lukes Schultern, um seinen Freund an sich zu ziehen.

„Ich liebe dich so sehr“, flüsterte er berührt in Lukes Ohr.

Der Gitarrist schlang seinen Arm um Reggies Hüfte und genoss den Moment, indem er einfach überglücklich war.





_________

Luke wollte, dass Julie den Song allein singt, weil er ihn immer als einen ruhigen Song im Kopf hatte und ein Klavier am besten passt. Er wollte ihn nicht selbst singen, weil er wusste, dass er niemals professionell bleiben könnte. Entweder würde er zu sehr grinsen oder anfangen zu weinen.

Playlist: https://open.spotify.com/playlist/0cJ7bgtfAMN2cDnKnBZsEy?si=-Prp24x_Q82FBgCQxtxjBA
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