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Tschüss, K!

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P6 / Gen
25.11.2020
25.11.2020
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Mittwoch der 15 November


Hallo Kerstin,

ja, dieses Mal schreibe ich deinen Namen aus, nach all den Briefen, die ich in allen Heimlichkeiten geschrieben und irgendwelche Pseudonyme verwendet habe, um unsre Freundschaft nicht zu gefährden, doch da ich dich nicht mehr als Freundin sehe, habe ich keinerlei Probleme mehr dich so richtig zu benennen.

Warte, was? denkst du dir vielleicht, wir und keine Freunde mehr? Das kann es doch gar nicht sein! und vielleicht ist es ja deine Wahrheit, eventuell siehst du mich ja noch als beste Freundin, so hast du mich jedenfalls vor einem Jahr noch bezeichnet, aber ich empfinde das was zwischen uns ist inzwischen nicht mehr als Bekannschaft,  denn ganz im ernst, du kennst mich inzwischen ja gar nicht mehr, wenn du so richtig ehrlich zu dir selber bist, richtig?

In diesem einem Jahr, wo du schon diese Ausbildung machst, hast du dich kein einziges Mal von dir aus bei mir gemeldet. Ich bin dir - so empfinde ich es jedenfalls, ein Jahr lang in den Hintern gekrochen, und habe dich immer Mal wieder angeschrieben, wollte mit dir telefonieren, habe dir alles mögliche vorgeschlagen, doch du hast entweder nicht reagiert, oder  wolltest deine Ruhe.

Verstehe mich nicht falsch, Mädchen, es geht schon in mein Hirn rein, dass eine Ausbildung anstrengend ist und es Phasen gibt, wo man sich nur auf eine Sache konzentrieren möchte und es war mir auch klar, dass du neue Freunde findest (das hoffte ich sogar für dich), aber ein Jahr lang
keinen Funken Eigeninstiative? Hast du eine Ahnung wie wütend ich eigentlich auf dich bin, Mann? Ich habe ein verdammtes Jahr auf irgendein Lebzeichen von dir gewartet. Es gab Nächte, in denen ich geweint habe und warum? Ganz einfach, weil ich dich vermisst habe und das sehr. Eben so sehr, dass mir die Tränen gekommen sind .

Es gab Tage und es waren nicht gerade wenige, da kreisten meine Gedanken um dich, ein einfaches: wie geht es dir? Was macht sie wohl gerade, denkt sie vielleicht auch Mal an mich?

Und bevor ich richtig wütend auf dich wurde, habe ich mich dir immer vorgestellt wenn ich mies drauf war und nach einer Weile warst du der Grund für meine Laune und ich habe dich gefühlte Ewigkeiten ebenfalls nicht kontaktiert, warum auch?

Ich höre auf, Personen in den Arsch zu kriechen, wenn es bei mir klick macht!

Und zugegeben, ich habe leichte Psychospielchen gespielt, weil ich wissen wollte ob sich die Person, die mich beste Freundin schimpft, eventuell mal auf den Gedanken kommt Hallo zu sagen, doch Fehlanzeige.

Und nun ist ein Jahr vorbei, ich habe mich vor knapp einem Monat oder so bei dir gemeldet, und wie durch ein Wunder hast du geantwortet und ich hatte das Gefühl, eine Fremde antwortet mir.

Ich meine, vielleicht bist du immer noch so wie vor einem Jahr, nur eben nicht mehr zu mir. In diesen drei, vier Sätzen in denen du mir geantwortet hast, existierte kein einziges Wort mehr das mich an meine Kerstin erinnerte und vor knapp einer Woche habe ich etwas getan, was Einige eventuell als extrem oder so einstufen würden, aber für mich ist es eben das Richtige und mir ist es egal ob es exzentrisch oder was auch immer ist.

Ich habe deine Nummer von meinem Handy gelöscht. Habe dich sowohl in Facebook als auch auf Instagram, ja sogar hier auf FF.de entfolgt. Ich habe die Chats gelöscht, bin aus den Gruppen ausgetreten, wo wir über PartnerFF's geschrieben haben.

Nun denken sich einige Leser vielleicht, dass ich eine riesengroße Dramaqueen bin, und eventuell verstehst du Kerstin , ebenfalls nicht warum ich das getan habe, nicht wahr? Nun, für mich hat es einfach etwas symbolisches, aber auch etwas praktisches an sich.

Warum soll ich einer Person in irgendeiner Weise folgen, und mir irgendwelche Fotografien und Zeichnungen, Storys auf Insta und WhataApp ansehen, mit der ich nicht Mal im Ansatz  befreundet bin? Warum soll ich mir irgendetwas von einer fremden Person ansehen, warum soll ich mich für das Leben einer Person interessieren, die sich ein Jahr lang nicht mehr bei mir meldete? wofür? Der Sinn erschließt sich mir nicht.

Warum sollte ich die Handynummer von einer Person behalten, die nichts mehr von mir wissen will?

Klingt das radikal für dich, für euch andere Leser hier, es ist mir egal!

Ich brauche nur einen Schlusstrich, so viel mehr als Atmen.

Und nicht das man mich falsch versteht, ich will dir nicht unterstellen das du das alles getan hast, um mich beabsichtigt zu verletzen. Das denke ich keinesfalls von dir.  Nur kann ich diese eine Tatsache einfach nicht ignorieren, Kerstin:

du hast und hattest immer die Wahl. Dich von alleine bei dir zu melden. Irgendwelche Zeiten einzuplanen, wo wir was gemeinsam machen und reden, doch du hast dich bewusst oder unterbewusst dafür entschieden, dass es wichtigigere Dinge gibt als das.

Was mich besonders traurig macht ist die Tatsache das ich acht Jahre lang deine Freundin war und zu dieser Zeit hattest du laut deinen Erklärungen nicht wirklich andere als eben ich. Ich habe dir acht Jahre zur Seite gestanden, habe dich aufgemuntert, war immer präsent, auch als ich beruflich sehr eingeschränkt war und ich war da, als es dir psychisch nicht gut ging. Dass das alles innerhalb eines Jahres einfach in sofern die Bedeutung für dich verloren hat, dass du dich ausschließlich um alles andere kümmerst, als dich ab und an Mal bei mir zu melden, ist mehr als nur einen Schlag in die Fresse.

Ehrlich gesagt gab es eine Zeit, wo ich es als Beleidung angesehen habe das du mich jemals als beste Freundin betitelt hast - und ab und zu kommen noch so Gedanken, ob ich dich nicht auch noch blockieren soll, aber bisher ist dieser Schritt selbst für mich zu extrem.

Und falls sich wer wundert, vielleicht auch du, Kerstin, warum und ob ich dir gesagt habe oder eben nicht, was so in mir vor geht: warum sollte ich einer Person meine Gefühle äußern, die in einem Jahr acht Jahre weggeschmissen hat, einer Person, die immer die Wahl hatte?

Wenn du das irgendwann Mal lesen und weinen solltest, Kerstin, deine Tränen sind mir aktuell gleichgültig. Ich weiß nicht, was du in diesem einem Jahr mit mir getan hast, aber ich bin was deine Person angeht sehr unterkühlt geworden. Mich interessieren all deine Gedanken, Wünsche, Ängste, Pläne nicht mehr.

Vor einem Jahr, da warst du einer der Mittelpunkte meiner persönlichen, kleinen Welt. Ich habe dich bedingungslos geliebt und geehrt, alles an die war magisch und besonders und inzwischen hast du mich durch dein Verhalten emotional so unterkühlt, dass du nicht Mal ein Statist bist.

Und wenn du irgendwann Mal wieder Lust hast mir zu schreiben, Kerstin, dann wirst du irgendeinen Weg finden, aber ich werde mich nicht mehr von mir aus bei dir melden, egal in welcher Form auch immer.

Vielleicht werden wir dann wieder Freundinnen,vielleicht sind wir das noch immer - im Herzen, doch im Herzen genügt mir nicht.

Und wenn du dich bei mir meldest, Kerstin, brauchst du keine Angst zu haben das ich dir nicht antworte, denn ich werde das was du mir unbeabsichtigt angetan hast nie bei anderen anwenden.


Aber vielleicht lasse ich dich auch weinend zurück und du traust dich nicht mehr, aber wie  sagst du so schön?

Manchmal ist das eben so.

Natalie
(Deine bin ich inzwischen nicht mehr, zumindest aktuell nicht).
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