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Schnee über Berlin - Adventskalenderprojekt [Babylon Berlin]

Kurzbeschreibung
SammlungAllgemein / P12 / Gen
25.11.2020
24.12.2020
24
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24.12.2020 606
 
So, wie es sich für Heiligabend gehörte, schneite es. Weiche, beinahe flauschige Schneeflocken schwebten durch die Luft und ließen ganz Berlin wunderbar festlich aussehen.

Der Schneemann im Garten der Bendas hatte inzwischen eine ganze Familie um sich geschart, und auch im Inneren des Hauses herrschte fröhliche Weihnachtsstimmung. Die Kinder hüpften aufgeregt um den Weihnachtsbaum und drapierten kunstvoll Kugeln, Strohsterne und bergeweise Lametta darauf, während der Regierungsrat mit seiner Frau in der Küche plauderte und alles für das Abendessen nach der Bescherung vorbereitete. Bereits jetzt wirkten die Kleinen völlig zufrieden – er freute sich auf ihre Gesichter, wenn sie ihre Geschenke auspackten. Wobei die Überraschung, die bei den Kleinen für die meiste Begeisterung sorgen würde, und wenn er ehrlich war, auch bei ihm, erst am nächsten Morgen eintreffen sollte. Dann nämlich wollte ein Bekannter eines Kollegen zu Besuch kommen und den vierbeinigen Familienzuwachs, einen Dackelwelpen, vorbeibringen. Benda zwinkerte seiner Frau verschwörerisch zu. „Die werden Augen machen.“ lachte er und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Gereon war gerade dabei, den Tisch zu decken, als es klingelte. Das konnte nur Charlotte sein. Nachdem er gezögert hatte bis zum letztmöglichen Moment, hatte er sich schließlich überwunden und sie am dreiundzwanzigsten, schon nach Dienstschluss, angerufen und für Weihnachten zu sich eingeladen. Er war sich noch nicht ganz sicher, ob er Gräf für diesen Tipp dankbar sein sollte – gerade war er einfach nur aufgeregt. Er rückte fahrig das Besteck gerade und eilte zur Tür, fuhr sich dabei noch einmal durchs Haar.
Irgendwie schaffte er es, Charlotte in Empfang zu nehmen und das Essen auf den Tisch zu bringen, ohne dass ihm irgendein peinliches Missgeschick passiert wäre. Jetzt saß sie ihm gegenüber und lächelte ihr bezauberndes Lachen, ihrerseits offenbar auch ein wenig verlegen, und langsam fiel die Nervosität von ihm ab. Es war nicht das Gleiche wie Weihnachten mit der Familie, aber er vermisste die bisherigen Feste nicht im geringsten – er war nicht allein und es würde ein großartiger Abend werden.

Mit einer Flasche Wodka und ein paar Pfefferkuchen, die die Nachbarin aus dem ersten Stock vorbeigebracht hatte, saß Trochin am Kamin und sah hinaus in den Flockenwirbel. In seiner Wohnung war es still, aber irgendwo im Haus sang eine Familie ein Weihnachtslied, jemand spielte Geige.
„Frohe Weihnachten, Bruder.“ murmelte er und prostete dem dunklen Nachthimmel zu, dann leerte er das Glas und schlug das Buch auf, das Dmitri ihm an ihrem letzten gemeinsamen Weihnachten geschenkt hatte.

Im Grunde genommen machte Oberst Wendt sich nicht viel aus Weihnachten.
Trotzdem roch es im Haus nach Gänsebraten, und trotzdem hatte er die alte Platte mit den Weihnachtsliedern aufgelegt. Seit Stunden wirbelte Frau Petersen durch die Küche und summte dabei fröhlich vor sich hin, während er im Arbeitszimmer saß, um vor den Feiertagen noch ein paar wichtige Dinge zu erledigen.
Seine Haushälterin war, wie er, unverheiratet und kinderlos, also hatten sie es sich zur Gewohnheit gemacht, gemeinsam zu feiern – sie arbeitete inzwischen schon so lange für ihn, dass er sich nicht erinnern konnte, den Weihnachtsabend jemals anders verbracht zu haben. Bei allem, was sie für ihn tat, hatte er keinen Grund, ihr diese Freude zu verwehren, und so merkwürdig das war, sie war der Mensch, der für ihn einer Familie am nächsten kam. Also kaufte er jedes Jahr ein kleines Geschenk und eine Gans und lachte still in sich hinein, wenn plötzlich überall Weihnachtsdekoration auftauchte.
Und tatsächlich freute auch er sich auf ein paar gemütliche Stunden fern von all dem politischen Chaos, das ihn üblicherweise umgab.

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In diesem Sinne, auch euch, liebe Leser, Frohe Weihnachten und entspannte Feiertage!
Vielen Dank für euer Interesse an meinem kleinen Weihnachtsprojekt, ich hoffe, es hat euch gefallen.  :)
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