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Cursed Crusade

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Schmerz/Trost / P18 / FemSlash
Ami Mizuno / Sailor Merkur Hotaru Tomoe / Sailor Saturn Makoto Kino / Sailor Jupiter Rei Hino / Sailor Mars Setsuna Meioh / Sailor Pluto
24.11.2020
23.09.2022
26
66.944
11
Alle Kapitel
183 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
23.09.2022 4.486
 
~ 1. Jahr ~

I fell again
And I can't pretend
It's like your darkness kind of drew me in

Nervös wartete Makoto im Warteraum des Gefängnisses darauf, dass Rei erscheinen würde. Die Schwarzhaarige durfte nicht oft Besuch empfangen und es waren mehrere Personen, die sie sehen wollten, also mussten sie sich aufteilen. Im Grunde durfte jeder nur einmal im Jahr, denn mehr als ein Besuch pro Quartal war Rei nicht gestattet worden. Davon machten jedoch sowohl ihr Anwalt, als auch Hotaru und die Vorsitzende von Reis Stiftung Gebrauch. Sie selbst hatte Rei zuletzt bei ihrer Urteilsverkündigung gesehen und sie vermisste es schrecklich, die Schwarzhaarige sehen zu können, auch weil sie deren Brief wütend zerrissen hatte. Niemals wieder würde sie Rei vergessen können und nur weil diese im Gefängnis war, würde sie sie nicht im Stich lassen. Immerhin hatte sie diesmal die Gewissheit, dass diese lebte – auch wenn der unregelmäßige Austausch per E-Mail nicht das war, was sie sich vorgestellt hatte. Sie wollte gewisse Dinge lieber unter vier Augen besprechen, doch sie war nicht naiv. Vermutlich wären sie in diesem Raum nachher auch nicht alleine. Aber lieber war es ihr, wenn ein Wächter etwas mitbekam, als wenn sie eine Mail sendete und die ganze Welt mitlesen konnte.

Als die Tür aufging flogen ihre Augen zur Schwarzhaarigen. Orange stand ihr nicht, aber das würde sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. Rei hatte auch Gewicht verloren, sie war schlanker als früher - was nicht heißen sollte, dass sie dick gewesen wäre. Aber es sah nicht mehr ganz so gesund aus. “Rei...”, murmelte sie und stand auf, wollte sie umarmen, doch... “Kein Körperkontakt erlaubt.” Der Wächter, der Rei eben die Handschellen abnahm, blickte sie streng an. Makoto seufzte, dann setzte sie sich wieder und wartete, bis auch die Schwarzhaarige saß. “Wie geht es dir?” “Es ist okay. Anscheinend haben hier alle Angst vor mir, daher ist es relativ entspannt. Ich habe wohl noch nie so viel Zeit gehabt zum Lesen.”

“Ich habe dir mein Buch mitgebracht, aber sie haben es mir am Empfang abgenommen.”, merkte Makoto an und seufzte. “Tut mir leid.” “Da kannst du doch nichts zu. Es wird vermutlich erst gründlich untersucht. In letzter Zeit ist es öfters passiert, dass Dinge ins Gefängnis geschmuggelt wurden...” Ein Räuspern ertönte und Rei nickte in Richtung des Wärters. “Schon verstanden.” Sie wandte sich wieder Makoto zu. “Dein Buch ist also mittlerweile erschienen?” “Ja. Nachdem sich Ami einem Verlag angeschlossen hat, der es eigentlich schon abgelehnt hatte, kam ein Schreiben, ich solle den Entwurf nochmal einreichen. Sie hat es in einer Erstauflage von 500.000 Stück drucken lassen. Es kam erst letzte Woche in die Läden.” “Dein Vater wäre so stolz auf dich.”



I see your pain
And I'm just the same
One of those feelings you just can't explain

Rei konnte den Schmerz in den Augen der Brünetten sehen. Obwohl ihre Eltern seit 20 Jahren tot waren, vermisste Makoto diese immer noch. Ihre eigene Kindheit war da anders gewesen – sie trauerte ihrem Vater keine Minute nach. Doch der Gedanke, dass Hotaru oder Makoto sie verlassen könnten, der ließ ähnliche Gefühle in ihr aufsteigen und sie wusste, dass es Liebe war, die dabei eine Rolle spielte.

Liebe war ohnehin ein merkwürdiges Gefühl. Wieso veranlasste dieses Gefühl einen, alles für den anderen zu tun? Sie hatte Setsuna ohne mit der Wimper zu zucken erschossen, nur weil diese in Makotos Entführung involviert gewesen war. Dass die Grünhaarige auch sie selbst verraten hatte, war da zweitrangig gewesen. Sie wollte lieber gar nicht erst wissen, was geschehen wäre, wenn Makoto Soichis Erpressungsversuch widerstanden hätte und dieser sich Hotaru geschnappt hätte.

Doch erklären konnte sie es nicht. Ihr Vater – und da war sie sich sehr sicher – hatte niemals auch nur einen Funken Liebe in sich gehabt. Warum hatte sie sie also? Es konnte keine genetische Geschichte sein. Sie wusste, dass auch ihre Mutter ihren Vater nicht geliebt hatte – höchstens sein Geld und die Sicherheit, die er ihr hatte bieten können. Wie konnte es also sein, dass sie fähig war zu lieben? Sie hatte in letzter Zeit versucht, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Doch alle Bücher, die sie dazu gelesen hatte - Fachbücher vor allem – sagten das gleiche: Die Liebe konnte man nicht erklären. Sie war irrational, obwohl sie auf einem chemischen Vorgang basierte, wusste niemand, was genau diesen in Gang brachte oder welchen Verlauf er nahm.

So sah sie Makoto einfach an, während ihr diese von Lesetouren und Messebesuchen erzählte und sie versuchte, diese Makoto in sich aufzunehmen. Die Freude, das Glück, der Stolz auf ihre Arbeit – all das ließ die Brünette erstrahlen, wie sie es nie gesehen hatte. Und als die halbe Stunde vorbei war und Rei sich wieder die Handschellen anlegen ließ, war sie es, die Makoto aufmunterte, in dem sie ihr einfach nur die Wahrheit sagte: “Ich werde dich immer lieben.” “Ich dich auch, Rei. Pass auf dich auf.”, erwiderte diese und die Schwarzhaarige nahm diese acht Worte mit in ihre Zelle.



~ 2. Jahr ~

Maybe you see the weight on my shoulders
Through I try to hide it all

“... voller Erfolg, du wirst es kaum glauben. Deine Geschichte als Dokumentation – ist das nicht großartig?” Rei seufzte. “Mako... Bitte tu das nicht.” Die Brünette erstarrte, der freudige Gesichtsausdruck fiel in sich zusammen. “Aber... Was soll aus deinem Image werden?” “Es ist mein Image, nicht deins. Du musst nicht dafür sorgen, dass es besser wird.” “Rei, ich versuche nur...” Die Schwarzhaarige seufzte erneut, streckte die Hände aus und zog sie wieder zurück, als ein Räuspern von hinter ihr ertönte. “Mako, ich weiß, was du versuchst. Aber es ist mir egal, was die Welt über mich denkt.”

Die Brünette blickte sie irritiert an. “Warum?” “Das habe ich gelernt. Es ist egal, was um dich herum geschieht oder was andere von dir denken.” Sie ließ absichtlich den Teil weg, dass es alleine um das Weiterbestehen des Akuma-Clans ging. Trotz allem war sie immer noch die Tochter eines Yakuza-Anführers. Das würde sie auch immer bleiben. Eine Fernsehdokumentation würde daran sicherlich nichts ändern... “Möchtest du denn nicht in der Gesellschaft akzeptiert werden? Willst du, dass dich immer alle anstarren?” Erst jetzt ging der Schwarzhaarigen ein Licht auf. “Mako... tust du es für mich oder tust du es für dich und Hotaru?” Ertappt blinzelte die Brünette. “Was?” “Hotaru hat mir erzählt, dass sie wegen ihres Namens an den Universitäten abgelehnt wurde. Du versuchst mit dieser Dokumentation nicht zufällig, ihren und damit auch meinen Namen reinzuwaschen?”



But I wanna be your army of angels
Cause you need 'em even more

Makoto fand keine Antwort darauf, zu offensichtlich war es, dass Rei Recht hatte. Diese war nun aufgestanden. “Du solltest dein Leben frei davon leben können, Makoto. Du hast es verdient. Löse dich von all dem und lebe dein Leben.” Es dauerte einige Sekunden, bis ihr klar wurde, was Rei da gerade gesagt hatte. “Warte!”, rief sie, denn der Wächter hatte der Schwarzhaarigen bereits die Handschellen wieder angelegt. “Ich lasse dich nicht alleine. Ich bin Journalistin, ich habe eine dicke Haut. Es mir vollkommen egal, was die Leute über mich denken! Ich wollte lediglich... Dass die japanische Bevölkerung dich als das sieht, was du bist – ein normaler, bodenständiger Mensch, der Gutes tut! Alles andere ist doch nur Fassade!”

Wieder seufzte Rei. “Es ist mir egal, was sie denken. Ich brauche die japanische Gesellschaft nicht. Du brauchst mich nicht. Du kommst alleine klar. Verstehst du es nicht, Mako? Ich hätte dir all das niemals zumuten dürfen... Ich hätte dich damals nicht mitnehmen sollen.” Die Brünette sprang auf. “Ja, ich brauche dich nicht. Ich kann mein Leben ohne dich leben. Aber ist dir auch schon in den Kopf gekommen, dass ich es mit dir verbringen will?” “Dir ist schon klar, wo wir hier gerade diese Unterhaltung führen?” Makoto nickte. “Ja, das ist mir durchaus bewusst. Aber auch wenn du mich jetzt mal wieder loswerden willst – du hast mich damals mitgenommen. Du hast mich beschützt, abgeschirmt und gerettet. Nun werde ich das gleiche für dich tun. Denn du hast es verdient. Ich lasse das mit der Dokumentation, wenn es das ist, was du möchtest. Aber ich bleibe bei dir.”

Rei starrte Makoto lange an, bevor ein leichtes Lächeln ihre Lippen zierte. “Womit habe ich dich verdient?” “Du hast hier ja genug Zeit, das herauszufinden.”, erwiderte Makoto und lächelte ebenfalls, bis der Wächter Rei weggebracht hatte und wieder kam, um sie hinauszubegleiten.



~ 3. Jahr ~

Two twisted minds
They think alike
It's way more fun to skip the warning signs

Niemals hätte Makoto damit gerechnet, dass Rei ansatzlos die Unterhaltung weiterführte, die sie bei ihrem letzten Besuch geführt hatten. “Ich habe nachgedacht und es ist so, dass ich dich nicht verdient habe. Aber... nicht immer bekommen wir nur das, was wir verdienen. Manchmal bekommen wir mehr, manchmal weniger. Ich bin also zu dem Schluss gekommen, dass du aktuell der Ausgleich für mein früheres Leben bist. Damit kann ich gut leben. Aber... warum bist du immer noch hier?” “Was genau meinst du damit?”, fragte Makoto und blickte Rei fragend an. “Ich habe dir immer gesagt, dass ich nicht gut genug für dich bin. Dass ich gefährlich bin. Warum hast du das ignoriert?”

Nun grinste die Brünette. “Wir sind uns ähnlicher, als du denkst. In dem Moment, wo ich auf dich geschossen habe, vielleicht auch schon etwas vorher, war mir klar, dass ich dich liebe. Aber ich habe immer wieder gedacht, dass ich die Liebe in meinem Leben nicht verdiene und ich wollte sie auch gar nicht darin haben, weil ich dachte, sie würde meiner Karriere nur im Weg stehen. Liebe war nur etwas, was mich und meine Mutter in Gefahr gebracht hat, als Vater im Yami-Clan war. Du und Hotaru, ihr habt mir gezeigt, dass ich auch lieben kann. Dass ich die Liebe auch verdient haben könnte. Und überhaupt... Das Leben macht viel mehr Spaß, wenn man das ein oder andere Warnsignal ignoriert. Besonders als Investigativjournalistin.”



My restless soul
It was all alone
But here with you I kind of feel at home

Reis Herz schlug immer stärker, als sie Makoto so reden hörte. War es möglich, dass eine geschundene Seele ein Zuhause in einem anderen Menschen finden könnte? War das dieses Gefühl, nichts Materielles, das die Welt einem bieten konnte, zu brauchen, solange man diesen einen Menschen gefunden hatte? Sie hatte immer alles gehabt, was sie gewollt hatte - außer der Anerkennung ihres Vaters.

“Du musst Masochistin sein.”, erwiderte sie, doch sie konnte das Glücksgefühl weder aus ihrer Stimme, noch aus ihrem Gesicht und schon gar nicht von ihrem Herzen fernhalten. “Ja, vielleicht bin ich das. Aber ich liebe dich und ich bin der Meinung, dass wir einander sehr wohl verdient haben. Wir denken ähnlich, wir verstehen uns gut, wir helfen uns gegenseitig. Du hast damals gesagt, dass du mich liebst. Und ich werde nicht zulassen, dass diese Jahre hier drin, dich oder mich verändern oder...” Rei lachte, was Makotos Redefluss unterbrach. “Mako, natürlich liebe ich dich. Solange das so ist, ist es egal wo ich bin. Du bist immer bei mir.” Doch die Schwarzhaarige war erstaunt, wie sehr diese Worte tatsächlich mit dem übereinstimmten, was in ihrem Kopf gerade passierte. Denn obwohl sie das Gefängnis nicht mochte – hier mit Makoto zu sitzen, fühlte sich fast wie Zuhause an.

“Gut - da wir das jetzt geklärt haben... Ich soll dich ganz lieb von Usagi grüßen.” “Usagi... Du hast sie also gefunden?” Makoto grinste breit. “Nein, sie hat mich gefunden. Mein Buch ist vor zwei Monaten auch in Amerika erschienen und sie hat es gekauft und mir anschließend einen Brief geschrieben. Sie hat erzählt, dass Haruka sie nachts aus dem Zimmer geholt und zu einer Außenstelle von Interpol gefahren hat, wo sie in ein Zeugenschutzprogramm gekommen ist. Anscheinend hat Haruka erkannt, dass sie die Strapazen, von der Yakuza verfolgt zu werden, nicht so wegstecken könnte, wie ich, hat sie gesagt. Interpol hat sie nach Amerika gebracht. Als Soichis Tod bestätigt wurde, ist sie darüber natürlich auch informiert worden, aber sie hat entschieden, in Amerika zu bleiben. Sie ist dort glücklich und wird in einem halben Jahr heiraten. Ich bin eingeladen.” “Wow... Also hat Haruka... Diese Frau sollte Schauspielerin werden. Ihre Sorge um Usagi wirkte so echt, dass ich niemals gedacht hätte...” Rei seufzte. “Aber ich habe ja auch nicht gedacht, dass Haruka für Interpol arbeitet.” Noch so ein Fehler, den sie gemacht hatte.



~ 4. Jahr ~

We could pretend that everything's normal
And just try to be friends

Gespannt lauschte Rei Makotos Erzählungen und versuchte dabei, das Gefühl zu unterdrücken, welches immer wieder in ihr hochkam – dass sie die Brünette nicht verdient hatte. Deren Liebe war Lichtblick und Dunkelheit zugleich, solange sie hier drin war. Ein Lichtblick, weil sie hoffte, dass diese bei ihr blieb. Dann wieder erschien ihr ihre eigene Zukunft wie ein Schwarzes Loch, das damit drohte, alles zu verschlingen und vor dem sie alle schützen musste. Und sie hatte eine wahnsinnige Angst davor, erneut durch diese Gefühlsachterbahn fahren zu müssen, die drohte, sollte auch nur eine einzige Person die sie liebte in Gefahr geraten. Noch einmal würde sie das nicht überleben - physisch und psychisch.

“Rei? Wo bist du in Gedanken?”, fragte Makoto und die Schwarzhaarige konzentrierte sich wieder auf ihr Gegenüber. Doch egal was sie sagte, die Brünette glaubte ihr nicht und nach fünf Minuten versuchten Leugnens seufzte Rei und erzählte ihr von dem Schwarzen Loch. “Ich glaube einfach, dass ich dich ins Verderben führe... Es wäre vielleicht besser, wenn... Wenn wir nur noch Freunde wären. Dann wäre es einfacher...” Makoto blickte sie an. “Du meinst also, wir sollten einfach so tun als wäre alles normal und wir würden uns nicht lieben?”

Die Schwarzhaarige beobachtete Makoto bei deren Worten genau. Sie sah den Schmerz in deren Augen, doch ansonsten war da keinerlei Gefühlsregung zu sehen. Erleichtert nickte sie. “Ja. Es wäre besser für dich und für...”



But baby you know we'd be drowning in boredom
And we both know where it ends

“Ich unterbreche dich direkt hier. Es wäre nicht besser.” “Warum?” “Weil wir beide die Herausforderung lieben. Wir brauchen diese, sonst langweilen wir uns zu schnell. Warum sonst hättest du dich auf den Deal mit Setsuna damals einlassen sollen? Das Clan-Leben war dir zuwider, es hat dich gelangweilt. Daher hast du die Heimlichkeit gesucht, daher warst du gewillt, deinen eigenen Clan zu verraten. Und warum habe ich mich mit dem Yami-Clan eingelassen? Weil dieser meinen Vater getötet haben. Ich wollte Rache. Und ich wusste genau, dass mich diese Rache in Gefahr bringen würde. Es war ebenfalls eine Herausforderung. Wir beide brauchen etwas, was uns herausfordert.”

Rei seufzte leise. “Aber was ist, wenn wir dabei kaputtgehen? Was dann?” “Dann ist es eine neue Herausforderung, dass wir eben nicht dabei kaputt gehen. Überlege doch mal. Was würde passieren, wenn wir uns langweilen?” Die Schwarzhaarige blickte Makoto an. “Was denn?” “Ich glaube, das weißt du ganz genau.” Makoto hatte Recht. Sie konnte es in Reis Augen sehen, während diese sich an die Zeit erinnerte, wo die Brünette quasi nichts gedurft hatte und auf Konfrontationskurs zu ihr gegangen war. “Du würdest so lange in deiner Langeweile versinken, bis zu darin ertrinken würdest. Es würde dich verrückt machen. Ich persönlich nehme da lieber die Herausforderung einer komplizierten Beziehung an, in die wir beide viel Arbeit stecken müssen, damit sie funktioniert. Oder siehst du das anders?”

Selbst in Makotos letzten Worten steckte eine Herausforderung drin und Rei war nicht gewillt, diese anzunehmen, hatten die Worte der Brünetten doch das Schwarze Loch so weit schrumpfen lassen, dass es kaum noch zu sehen war. “Nein.”





~ 5. Jahr ~

Cause if you love somebody like me
Can only mean that you're crazy

Seit Wochen schon fieberte Rei diesem Tag entgegen und heute war er da – Makotos Besuchstag im Gefängnis. Ihre Worte beim letzten Treffen hatten sie noch lange danach beschäftigt und sie hatte diese auch Hotaru gegenüber angesprochen, die natürlich sofort auf Makotos Seite gewesen war, was die Schwarzhaarige nur mit einem Lächeln quittiert hatte. Doch heute war der aufregendste Tag seit ihrem Haftantritt – denn seit das fünfte von sieben Haftjahren begonnen hatte, war kurzer Körperkontakt erlaubt.

Sie wollte nichts sehnlicher, als Makoto an sich zu drücken. Ihr sanft mit den Fingern durch das lockige Haar fahren. Sie an der Wange streicheln, wenn diese lächelte und die kleinen Grübchen entstanden, die die Brünette von ihrem Vater geerbt hatte. Seit Wochen schon träumte sie von Makotos zarter Haut, von deren Fingerspitzen die fast schon versehentlich ihre Haut berührten. Dabei wusste Rei nur zu gut, dass die Wärter sicherlich genau hinsehen würden und alles, was zu weit ging, auch unterbrechen würden. Doch in ihrer Fantasie begannen ihre Hände auf Reise zu gehen und die unentdeckten Gebiete auf Makotos Körper zu erkunden, den sie zwar schon mehrmals in all seiner Pracht vor sich gehabt hatte, doch niemals wirklich beenden hatte können, was sie nur zu gerne heute schon tun würde. Als es endlich so weit war, was Rei so erregt von ihren Fantasien, dass es ihr fast schon schwerfiel, dies zu verbergen.

Im Besucherraum angekommen, schwang sie ihre Arme um Makoto und vergrub ihr Gesicht in deren Haar, sog den leichten Duft nach Kokos ein, der diese umgab. “Rei, was...”, stammelte die Brünette, nicht wirklich wissend, was gerade geschah und noch verwirrter, als der Wärter nicht eingriff. “Sechs Jahre... Sechs lange Jahre...”, murmelte Rei an ihrem Ohr, bevor sie sich endlich von ihr löste. “Nach sechs langen Jahren darf ich dich endlich wieder einmal berühren...” “Oh...”



Just as crazy as me and
That's why I love you baby

Zu einer intellektuelleren Antwort war Makoto nicht fähig, denn kaum hatte Rei fertig gesprochen, war deren Zunge an ihrem Ohrläppchen entlanggeglitten – im Schutz von Makotos Haaren unbeobachtet vom Wärter. “Ich liebe dich...”, flüsterte Rei ihr zu, dann erst löste sie sich schweren Herzens von ihr. “Ähm... Wow.” Allein der Gedanke, dass dies hier erlaubt gewesen war, dämpfte nicht die Intensität der Berührungen, auf die sie schon so lange hatte warten müssen - denn obwohl Rei nun erst fünf Jahre hier im Gefängnis war, hatten sie sich ja bereits in deren Untersuchungshaft im anderen Gefängnis gar nicht sehen dürfen.

Dennoch war Makoto sicher, dass jedes dieser Jahre und auch der kommenden zwei Jahre, das Warten wert war. Sie hatte bereits eine grobe Vorstellung in ihrem Kopf, wie sie und Rei ihre Nächte verbringen würden, wenn sie endlich frei war und deren überfallartige Umarmung eben hatte diese Vorstellung nur noch präsenter in ihrem Kopf werden lassen. Auch Reis Finger, die mittlerweile sanft über ihre Handinnenflächen streichelten, schickten Wellen der Begierde durch ihren Körper und Makoto war sich absolut sicher, dass die Schwarzhaarige das absichtlich machte. “Was tust du da?”, fragte sie leise, obwohl sie dachte, die Antwort bereits zu kennen. “Ich liebe dich. Und wenn du jemanden wie mich liebst, musst du damit rechnen.”

“Du bist verrückt.”, erwiderte die Brünette, doch ihre Tonart verriet der Schwarzhaarigen, dass ihr gefiel, was eben geschah. “Ja, genauso verrückt wie du. Deswegen liebe ich dich. Deswegen tue ich das hier. Und deswegen hoffe ich, dass du heute Abend nach Hause gehst und immer wieder an mich denken wirst, wenn...” Sie beendete den Satz, doch sie konnte in Makotos Augen ganz genau sehen, dass diese auch so verstanden hatte. “Du bist wirklich verrückt...” “Nach dir. Das wolltest du doch.”, grinste Rei zurück.

Und sowohl sie als auch Makoto gaben sich an diesem Abend ihren Fantasien über die andere hin und genossen das Wissen, dass es der anderen in diesem Moment genauso ging.



~ 6. Jahr ~

I'm not a superman and
I ain't got no masterplan

“Was willst du eigentlich tun, wenn du hier rauskommst?” Diese unschuldig gemeinte Frage brachte Rei komplett aus dem Konzept. “Ähm... Ehrlich gesagt... Keine Ahnung.” Was genau konnte sie eigentlich tun? Arbeiten? Sie hatte nie einen Beruf erlernt. Es Makoto gleichtun und ein Buch schreiben? Sie war nie die Beste gewesen, etwas schriftlich darzulegen. Nur die Stiftungsarbeit? Das wäre niemals wirklich erfüllend und außerdem müsste sie dann ihre aktuelle Leiterin der Stiftung entlassen, was für sie auch nicht in Frage kam. “Ehrlich Mako... Ich habe mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht...”

Doch in ihrem Kopf rauschten mögliche Lösungen dafür an ihr vorbei. Die Welt entdecken? Finanziell wäre das möglich und sie hatte Japan bisher noch nie verlassen, weil der Akuma-Clan sie zu sehr gebunden hatte und sie auch die Befürchtung gehabt hatte, am Flughafen festgenommen zu werden. Aber lange könnte sie sich das kaum leisten und was sollte sie danach machen? Warum hatte sie eigentlich nie darüber nachgedacht? Schon vor dem Tod ihres Vaters hatte sie gewusst, dass der Clan mit ihr enden würde. Aber sie war zu fokussiert auf dieses Ziel gewesen, um zu erkennen, dass es auch ein Leben nach dem Clan geben würde. Und nun... Nun stand sie da und wusste nicht, was als nächstes kommen würde. Und dann fiel ihr etwas Entscheidendes ein, was auch die Weltreise zunichtemachte.



Let's just take is all as it goes

“Dann lassen wir uns einfach überraschen. Wir finden schon etwas, Rei.” “Und wie? Soweit ich weiß hat der japanische Staat das gesamte Vermögen des Akuma-Clans einkassiert, mit dem Moment, wo ich verurteilt worden bin.” Makoto seufzte. “Rei, konzentrier dich doch erst einmal darauf, das letzte Jahr...” “Mako, so einfach ist das nicht! Ich komme in einem Jahr aus dem Gefängnis. Ich habe kein Haus mehr, kein Geld für die Stiftung, keine Möglichkeit Hotaru in irgendeiner Art und Weise ein schönes Leben zu bieten. Ich muss... “Rei, der Staat hat nichts einkassiert. Dein Haus ist lediglich vorübergehend in staatlicher Verwaltung und aktuell unbewohnt, weil auch Hotaru und ich nicht hineindürfen. Dein Geld ist nur eingefroren. Und deiner Stiftung geht es gut.” Rei starrte sie an. “Aber... woher weißt du das?”

Makoto seufzte. “Rei, bitte. Konzentriere du dich einfach nur darauf, dass du bald wieder ein freier Mensch sein kannst.” “Nein. Woher weißt du, wie es meiner Stiftung geht?”



Cause if you love somebody like me
You gotta be crazy

Nun druckste Makoto sichtlich herum. “Weil...” “Ja?” Die Brünette verdrehte die Augen. “Weil die Erlöse aus dem Buch über dich komplett in die Stiftung übergegangen sind. Und die Erlöse aus den Kriminalromanen, die ich seitdem geschrieben habe auch. Deswegen unterstützt die Stiftung nun auch Kinder, die gerne schreiben. Und gerade habe ich den Vorschuss für das nächste Buch an die Stiftung überwiesen.”

Rei starrte Makoto für fast eine Minute einfach nur an. Fassungslos. Sprachlos. Erfüllt. Stolz. Liebe. All das schoss durch ihren Kopf. “Du... Aber...” “Lass es gut sein, Rei, ja? Es ist okay so wie es ist.” “Du...” Die Schwarzhaarige seufzte, während sie versuchte, sich die Tränen der Rührung nicht zu erlauben, die ihr gerade die Kehle zuschnürten. “Du musst wirklich verrückt sein.” “Ich bin nicht verrückt. Ich liebe dich und ich weiß, was die Stiftung dir bedeutet. Ich habe lediglich...” “Ich liebe dich so sehr. Ich kann gar nicht... Du musst verrückt sein, mich so sehr zu lieben, dass du so etwas tust.”

Jetzt endlich grinste Makoto. “Du liebst mich doch auch. Du warst verrückt genug, ein Haus zu stürmen von dem du wusstest, dass es eine Falle ist, nur um mich zu retten. Ich habe lediglich mit dem Geld, dass ich mit deiner Lebensgeschichte verdient habe, dein Vermächtnis finanziell gestützt. Ein viel geringeres Risiko, als mein Leben aufs Spiel zu setzen und wissentlich in eine Falle zu stürmen.” “Es ist nicht nur das. Du bist hier. Hotaru ist bei dir. Du hältst meine Stiftung am Leben... Du bist das Beste, was mir jemals passiert ist.” Und dass Rei diese Worte ernst meinte, konnte Makoto nur zu gut an deren Augen ablesen.



~ Ein weiteres Jahr später ~

Absolutely motherf*cking crazy

Heute. Heute war es soweit. Heute war der Tag. Der Tag, mit dem sie aus irgendwelchen Gründen niemals gerechnet hatte, als sie den ersten Schritt in diesen tristen, grauen und bedrohlich wirkenden Kasten gesetzt hatte. Heute waren sieben Jahre vorbei. Heute würde sie entlassen.

Bereits gestern hatte sie sich von den Frauen in ihrem Zellenblock verabschiedet, unter denen sie einige Freunde gefunden hatte. Mit ein oder zwei Frauen hatte sie verabredet, sich später einmal zu treffen, wenn diese auch frei wären. Selbst einige der Wärter waren zu Freunden geworden, hatte sie doch niemals Grund dafür geliefert, dass diese an ihre Grenzen gekommen waren, im Gegenteil. Wenn es Schlägereien beim Essen gegeben hatte, hatte es schon ausgereicht, wenn sie dazwischen gegangen war. Dadurch, dass alle Frauen wussten, wer sie war, war dadurch schneller Ruhe eingekehrt, als wenn die Wärter mit den Schlagstöcken gedroht hätten.

Doch heute war es vorbei. Sieben lange Jahre hier, acht Jahre Knast, wenn man die Untersuchungshaft dazuzählte, endlich vorbei. Ein letztes Mal hier duschen. Eine letzte Mahlzeit hier. Ein letzter Blick durch die Zelle, die in den letzten sieben Jahren ihr Leben gewesen war. Ein letztes Mal den Gang hinunterlaufen. Ein letztes Mal Hand- und Fußschellen. Ein letztes Mal diese furchtbaren orangenen Overalls.

Endlich wieder ihre eigene Kleidung. Endlich uneingeschränkte Bewegungsfreiheit. Endlich wieder ihre Uhr, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte. Endlich wieder selbst die Wege wählen, die sie gehen wollte. Endlich wieder frische Luft ohne Mauern oder Stacheldraht zu sehen.

Endlich wieder ihre Schwester umarmen. Makoto umarmen. Endlich wieder Harukas Gesicht sehen, das sie anlächelte und sich aufrichtig freute, sie zu sehen. Endlich wieder Freiheit. Ab heute war sie eine freie Frau. Und es fühlte sich wirklich verdammt gut an.

Sie hatte Pläne, die sie umsetzen wollte. Ziele, die sie erreichen wollte. Träume, die sie wahr werden lassen wollte. Und Liebe, die sie erfüllen wollte.

Und zu Hotarus Leidwesen, die das Schlafzimmer direkt neben dem Zimmer von Rei und Makoto hatte, fing Rei ausgerechnet mit dem letzten an. Doch die jüngere Schwester der Schwarzhaarigen freute sich so sehr für ihre Schwester, dass es im Grunde kaum eine Rolle spielte, was diese nebenan tat. Hauptsache, sie war wieder da und es würde nun Frieden eintreten, im Haus der Familie Hino. Ruhe wäre dabei zwar wünschenswert, doch die würde früher oder später auch noch einkehren.

Diese verfluchte Kreuzfahrt im stürmischen Gewässer der Mafia-Clans war vorbei.







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Liedausschnitte aus “Somebody like me” von Sunrise Avenue



Huhu,

Tja, der letzte Satz hier gilt auch für diese FF – sie ist vorbei.

Aber ich habe es sehr genossen sie zu schreiben und ehrlich gesagt noch mehr, die Kapitel hochzuladen. Eure Reaktionen waren einfach wunderbar und anscheinend habe ich es ja ganz gut spannend gehalten in euren Augen! Allerdings ist das Alphabet eben auch nicht unendlich und somit muss irgendwann Schluss sein.

Vielen Dank euch allen! Ich habe jede Review genossen, mich über jeden Stern gewundert und hoffe, dass ihr genauso viel Spaß beim Lesen hattet wie ich beim Schreiben oder beim Lesen eurer Reviews!

Und – bevor ihr jetzt in Panik verfallt – ja, die nächste Geschichte ist schon in Planung ; )

WhiteSpirit
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