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Freedom

KurzgeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Rin Matsuoka Sousuke Yamazaki
24.11.2020
13.01.2021
4
13.008
8
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Dieses Kapitel
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13.01.2021 3.515
 
Freedom - Part 4


„Rin!“, versuchte Sousuke es erneut, aber sein bester Freund ignorierte ihn weiterhin. Stattdessen ging er zügig in die Umkleidekabine, wo er Kappe und Brille auf die nächstbeste Sitzbank warf. Danach sollte es wohl in Richtung der Duschen gehen, was der Schmetterlingsschwimmer kurzerhand verhinderte. Er fing Rin am Arm ab und drückte ihn nicht gerade zaghaft gegen die Spinde, welche kurz hinter ihm schepperten.  
„Warum bist du stehen geblieben?!“, konfrontierte Sousuke den Rotschopf danach sofort, denn er wusste, dass behutsame Worte bei Rin gerade nicht ankommen würden. Wie erwartet funkelten ihn rote Augen entgegen und sein Freund packte ihn an seiner eigenen Schwimmbrille, die mittlerweile  um Sousukes Hals lag, „Ich könnte dich dasselbe fragen, was machst du überhaupt hier? Du musstest so lange darauf warten und jetzt hast du diese Chance einfach weggeworfen!“.
Der Schmetterlingsschwimmer spürte, wie sich ein Funken Gereiztheit bemerkbar machten. Es ging nicht direkt um Rins Worte, sondern sein Verhalten. „Du weißt genau, warum ich verdammt nochmal hier bin. In welcher Welt würde ich bitte weiter schwimmen, wenn du stehen bleibst?“, sein bester Freund wusste dies auch und die Worte zeigten ihre Wirkung, da der Griff an seiner Brille langsam nachließ.
„Ich wollte das nicht“, erwiderte Rin zischend, wobei sich der erste zittrige Unterton in seine Stimme schlich. Die Fassade fing an zu bröckeln und Sousukes eigene Anspannung ließ etwas nach, zumindest die körperliche. Rins Temperament die Stirn zu bieten brachte einen immerhin vielleicht über die erste Hürde, aber sicher nicht ans Ziel. Dafür war Feingefühl und ihr ganz eigenes Verständnis zueinander notwendig, welcher hierfür hoffentlich noch ausreichte.
„Es war ein dummer Fehler, eine...Kurzschlussreaktion. Es wird nie wieder passieren, völlig egal wie sich das Schwimmen oder das Wasser für mich anfühlt. Ich verspreche es“, von allen Dingen, hätte Sousuke mit so einer Aussage nicht gerechnet. Weder das Versprechen, noch wie Rin über das Schwimmen sprach. Bei Makoto nannte er es ein Gefängnis...der Schmetterlingsschwimmer konnte nicht verhindern, wie dieses komische Bauchgefühl von heute morgen wieder an die Oberfläche kroch.
„Rin, wie...kommst du darauf, dass ich so ein Versprechen will? Gestern war nicht einfach und ich weiß, dass niemand von dir verlangen kann, einfach fröhlich deinen Weg weiter zu gehen. Du brauchst Zeit, verdammt wir brauchen Zeit. Aber das Schwimmen soll dir wieder Spaß machen und du sollst dich frei fühlen. Das ist doch das wichtigste, oder nicht?“, hinter ihm ertönten Schritte, was Sousuke allerdings herzlich wenig interessierte.
Schließlich kam keiner rein und er legte einen Zeigefinger unter Rins Kinn, da der Rotschopf ruckartig zur Tür geschaut hatte. Etwas änderte sich in seinen Augen, der herausfordernde Ausdruck ließ nach. Wodurch der Schmetterlingsschwimmer plötzlich das Gefühl bekam, wertvolle Zeit zu verlieren. Er musste Rins Antwort hören, selbst wenn sein Freund eher widerwillig der Berührung folgte, welche ihn wieder zu Sousuke schauen ließ.
„Sprich mit mir“, forderte er etwas leiser und ließ seinen Daumen sanft über Rins Wange streifen. Der Rothaarige schwieg für einen Moment, bevor er die Hand an seinem Kinn vorsichtig beiseite schob. „Ist es das?“, entwich dabei seinen Mund und ein scharfer Unterton lag in seiner Stimme, den der Schmetterlingsschwimmer so noch nie gehört hatte. Es klang nicht wie jemand, der einen unterschwellig warnen wollte. Eher wie eine Person, die bereits am Boden lag und wissen wollte, warum man nochmal nachtreten musste.
„Dieser Traum ist etwas, was mich ausmacht, richtig? Du hast es gestern selber gesagt und ich stimme dir zu. Das wichtigste ist, ihn jetzt bis zum Ende durchzuziehen – sonst nichts. Also wie gesagt, es wird kein weiteres Mal passieren“, damit wollte Rin nach rechts ausweichen, was Sousuke direkt verhinderte, indem er seine Hand ruckartig neben dessen Kopf platzierte. Der Rotschopf schreckte kein Zentimeter von dem weiteren, lauten Scheppern weg, biss stattdessen nur sichtbar die Zähne zusammen.
„Seit wann denkst du so? Du warst nie naiv oder ein Tagträumer, aber das Schwimmen hat dir mal mehr bedeutet als nur eine Medaille“, dieses bedrückende Gefühl wurde stärker, hier lief irgendetwas ganz gewaltig schief. Oberflächlich sagte Rin ähnliche Sachen, wie gestern Abend. Aber sein Traum kam ursprünglich mal von Herzen, nicht von blinden Ehrgeiz. Es passte außerdem weder mit seiner Aussage mit dem Gefängnis zusammen, noch wie er gerne wieder die Aussicht von damals erleben wollte.
„Das tut es immer noch“, antwortete sein Freund derweil gezwungen ruhig und Sousuke bemerkte, wie er versuchte einen glasigen Schimmer aus seinen Augen zu blinzeln. Instinktiv wollte der Schmetterlingsschwimmer etwas sagen, aber da fuhr Rin plötzlich fort, „Wie könnte es auch nicht? Ich bin jahrelang nur geschwommen, mein ganzes bisheriges Leben drehte sich darum. Dafür habe ich sogar meine Mutter und Gou alleine gelassen, meine Freunde von mir gestoßen und jetzt sogar dich verletzt!“.
Sousukes Gedankengänge kamen abrupt zum Stillstand, denn es klang so falsch. Diese Ereignisse waren kein Beweis, wie sehr ihm dieser Traum bedeutete. Sie waren Fehler, für die auch Rin gelitten hatte und alle Beteiligten ihm letztendlich verzeihen konnten. Der Zusammenhang machte also kein Sinn, es sei denn….die Hand des Schmetterlingsschimmers rutschte ein wenig nach unten, als ihm schleichend eine Vermutung durch den Kopf ging.
„Weil sich ein paar Dinge verändert haben“, damals floh Rin regelrecht vor ihm, obwohl er wusste, welche schmerzhaften Folgen es haben würde, „Kannst nächstes Mal ja mitbekommen, wir beide wissen, dass du nicht nur nach Japan gehörst“. Wie hoch war die Chance, dass er leichtfertig so etwas sagen würde?
„Und du weißt, dass es mir leid tut?“, Sousuke hielt es für eine Routine, ein sicherer Bereich für seinen Freund, „Rin hat bei einem Telefonat mal erwähnt, dass...sich das Wasser manchmal wie ein Gefängnis anfühlt. Aber er meinte auch, dass er endlich die Aussicht von damals gerne wieder erleben möchte. Vielleicht vermisst er es einfach, mit euch zu schwimmen“.
Was wäre, wenn der Schmetterlingsschwimmer genau dies missverstanden hatte, „Es war wie eine Welle, die mich einfach mitgerissen hat. Und zum ersten Mal in meinem Leben...war das okay für mich“,. Sousuke war so sicher, dass er Rins Problem endlich zu hören bekam, „Ich musste Abstand von dir nehmen...herausfinden, ob ich mein Traum und das zwischen uns wirklich miteinander vereinbaren kann“.
Es fing immerhin vielversprechend an, „Egal was ich dir jetzt sage... lass mich bis zum Ende aussprechen“, und endete mit, „Vor ein paar Wochen habe ich mir dann die Frage gestellt, ob es wirklich so weiter gehen kann. Mir ist beides wichtig, Sousuke, mein...Ziel und du, aber die Wahrheit ist-“.
Sein Hals fühlte sich auf einmal leicht trocken an und die nächsten Worte kamen nur schwer aus seinem Mund, „Was wolltest du mir gestern sagen? Wenn ich dich nicht unterbrochen hätte...was wäre deine Wahrheit gewesen?“. Rin schien von dem Themenwechseln nicht mal überrascht zu sein, aber er machte sofort dicht, „Wie kommst du darauf, dass ich etwas anderes gesagt hätte?“.
Sousuke ging ihr Gespräch hier in der Kabine nochmal kurz durch und musterte diesen Schatten in Rins Augen, den der Schmetterlingsschwimmer bis zum Schluss nie vollständig verstanden hatte.
„Weil du von deinem Traum redest...als sei er eine Verpflichtung“, mehr brauchte es nicht, um Rins Maske leicht zerbrechen zu lassen. Man sah es an seinem Gesicht, seiner Körperhaltung – als ob jemand seinem größten Geheimnis näher kam, als dem Rotschopf lieb wäre.
„Das stimmt nicht“, zischte Rin leise und wollte dieses Mal zur anderen Seite diesem Gespräch entgehen, was Sousuke ähnlich wie zuvor mit seiner zweiten Hand verhinderte. „Verdammt, was willst du von mir, Sousuke?!“, explodierte es von dem Rothaarigen, wobei weitere Tränen ihren Weg an die Oberfläche fanden, „Wenn du Abstand nehmen willst, dann tue es! Vielleicht wird es dann endlich besser und ich werde diesem Traum wieder gerecht, so wie früher“.
Dieser Ausbruch traf Sousuke wie eine eiskalte Welle ins Gesicht und sein Herz fing schneller an zu schlagen. Er hatte tatsächlich etwas missverstanden, er war gestern zu voreilig gewesen. „Was meinst du damit?“, fragte er direkt nach und kam etwas näher, als Rin den Blick abwenden wollte, „Mach das nicht, lass mich nicht wieder im Dunkeln stehen. Ich bitte dich, Rin“. Der letzte Funke Widerstand fiel, zumindest schaute sein Freund wieder zu ihm.
„Du willst die Wahrheit?  Es ist immer noch mein Ziel, mein tiefster Wunsch. Aber etwas hat sich verändert, ich kann ihm nicht mehr so folgen wie früher! Egal wie sehr ich es versuche...mein Herz ist einfach nicht richtig bei der Sache. Dabei sollte es so sein, denn alles andere wäre nicht fair – mir und euch gegenüber. Und um ehrlich zu sein, macht mir das sogar Angst, Sousuke!“, in seiner Stimme lag so viel Wut, aber auch tiefsitzender Schmerz.
Es war wie ein Stich ins Herz, denn Sousuke dachte wirklich, er könnte Rin seine Freiheit wiedergeben.  Aber wie es aussah, lag das Problem viel tiefer. Der Rotschopf hatte teilweise die enge Verbindung zu seinem Traum verloren, was er nun mit Zwang ausgleichen wollte. Was wäre er immerhin für ein Mensch, wenn er nicht mit dieser grenzenlosen Willenskraft seinen Traum folgen würde...der Schmetterlingsschwimmer konnte sich kaum daran erinnern, einen Satz jemals so extrem bereut zu haben.
„Gestern im Zimmer...du wolltest kein Abstand, sondern Hilfe, oder?“,  es war die größte und gleichzeitig schmerzhafteste Sache, die Sousuke in diesem Moment klar wurde. Was er für das beste, gegenseitige Verständnis seit langem gehalten hatte, entpuppte sich gerade als sein fatalster Fehler.
Rin schwieg gestern nicht, um es ihnen leichter zu machen. Der Schmetterlingsschwimmer hatte ihn im Grunde nur daran erinnert, was sein Freund angeblich nicht mehr richtig gerecht wurde.
„Ich wollte dir die Wahrheit sagen...dich fragen, was du an meiner Stelle tun würdest. Nachdem ich dich dann so reden gehört habe und sah, was du bereit warst für mich zu tun...Ich muss einfach wieder der Alte werden. Und ich dachte, ich wäre bereit wirklich alles dafür zu geben“, Rin machte eine kleine Pause, schluckte dabei schwer. Danach ging es deutlich leiser weiter, sodass Sousuke genauer hinhören musste, „Aber als du gerade am Becken wegsehen hast, konnte ich einfach nicht ins Wasser springen. Der Gedanke dich los zu lassen, dir jetzt länger aus dem Weg zu gehen und nur noch als besten Freund ansehen zu können...Ich will das nicht“.

Sousuke verstand nun das völlige Ausmaß von diesem Zwiespalt, denn er steckte nun selber in einen. Am liebsten würde er Rin in seine Arme nehmen und ihm versprechen, dass sie dies gemeinsam schon hin bekommen würden. Aber dieses ganze Desaster fing überhaupt erst an, weil sich ihre Beziehung zueinander verändert hatte. Rin könnte in ein tieferes Loch fallen, was seinen Traum anging. Jede Sekunde die sie zusammen verbrachten nur mit vorsichtig genießen und beim Schwimmen dann wieder versuchen es zwanghaft auszugleichen.
So was konnte gar nicht gut gehen, dafür fühlte Rin sich zu sehr seinem alten Ich und gewissermaßen seinen Freunden oder auch seiner Familie verpflichtet. Als ob bisherige Fehler, die harte Arbeit, dem Versprechen seinem Vater gegenüber...ihren Wert verloren, sobald Rin nicht mit allem was er hatte diesen Traum verfolgte. Und letztendlich musste der Rotschopf selbst  entscheiden, was er in dem Sinne mit sich vereinbaren konnte. So sehr es Sousuke schmerzte, er besaß den Schlüssel zu diesem Käfig schlichtweg nicht.
„Dann mach es nicht!“, erklang plötzlich Harukas Stimme, der mit einem schuldbewusst aussehenden Makoto die Umkleide betrat. Der Schmetterlingsschwimmer fragte sich im ersten Moment, warum er ihre Ankunft in keinster Weise gehört hatte und woher sie überhaupt wussten, worüber gesprochen wurde. Gleich danach kamen ihn jedoch die Schritte von vorhin in den Sinn, womit diese Chaoten heimliches Lauschen wohl in Ordnung fanden.
„Haru...“, entwich es Rin leise und er wischte sich gleich danach die Tränen von den Wangen, weshalb Sousuke auch einen kleinen Schritt zurück ging. Er wollte es seinen Freund nicht unangenehmer machen, wobei da sein Wille weiter von Rin weg zu gehen bereits aufhörte. Haruka schien es sowieso kaum zu stören und kam ein gutes Stück neben ihnen zum Stehen.
„Natürlich ist dein Herz nicht bei der Sache, wenn du dich so dermaßen an deinen alten Weg festkrallst. Ich hab die Sache mit Sousuke vorher nicht richtig verstanden, aber jetzt tue ich es. Erinnerst du dich an damals, wo ich mich geweigert habe in die Zukunft zu blicken? Ich hatte Angst, nicht mehr so frei schwimmen zu können wie vorher. Du selbst hast mir gezeigt, dass Veränderungen okay sind. Und man neue Dinge finden kann, die einem wichtig sind – wenn man es denn zulässt“, diese blauen Augen schweiften zu Makoto, dem ein sanftes Lächeln über die Lippen schlich, „Es bedeutet nicht, alte Dinge los zu lassen oder das sie ihre Bedeutung verlieren. Sie teilen sich ihren Platz im Herzen nur mit anderen Sachen...und Personen“.
Sousuke erinnerte sich daran, dass Harukas Probleme ihn damals bei einem Turnier ebenfalls mitten auf der Bahn stehen lassen hatten. Das Schwimmen bedeutete ihm so viel und es brauchte nur eine simple Befürchtung, um diese Verbindung so extrem zu verderben. Aber genauso hatte er es geschafft, wieder auf den richtigen Weg zu kommen.
„Diesen Drang, die Verantwortung und diese Ängste, die du fühlst….sind sie nicht Beweise genug, dass dir dein Traum immer wichtig sein wird? Du musst nur aufhören, die Dinge von dir wegzustoßen, die dich mittlerweile auch glücklich machen. Es wird deinen Weg verändern, ja. Aber könntest du wirklich damit leben, deinen Traum unter Zwang weiter zu verfolgen? Wenn du mich fragst, wird genau das ihm nicht gerecht – und dir auch nicht. Also hör endlich auf, dir selbst Ketten anzulegen. Du schuldest niemand etwas und ich bin ziemlich sicher, der Rest von uns will einfach nur, dass du glücklich bist…Es wird also Zeit, wieder frei zu sein, Rin“, Harukas Gesichtszüge wurden gegen Ende etwas weicher und Sousuke bemerkte, dass Rins Augen erneut glasig wirkten. Er blinzelte etwas, wobei es zum ersten Mal nicht so wirkte, als ob er sie eigentlich unter allen Umständen zurückhalten wollte.
„Verdammt, seit wann redest du so viel“, meinte Rin und ließ die erste Träne schließlich freiwillig fallen. Makotos Lächeln nahm einen erleichterten Ausdruck an, während Sousuke unbewusst einen tiefen Atemzug nahm. Haruka und er waren nicht immer auf einer Wellenlänge...aber er musste zugeben, dass der Kerl ziemlich gute Worte gefunden hatte. Der Schmetterlingsschwimmer konnte beobachten, wie die Körpersprache von Rin sich etwas entspannte. Ein kleiner Hoffnungsschwimmer, wenn man es so nennen wollte.
„Hey Leute….ich möchte nicht stören, aber da sind ein paar Trainer, die sich ziemliche Sorgen machen“, es war Natsuya, der plötzlich sichtlich besorgt den Raum betrat. Es kippte die Stimmung sofort, als ob man ruckartig aus einem wichtigen Moment gezerrt wurde.
„Aber...“, murmelte Makoto alarmiert, während die generelle Aufmerksamkeit nun auf Rin lag. Es gab Anzeichen, dass Harukas Worte irgendwo etwas bewirkt hatten. Dennoch wurde Rin gerade die Chance genommen, richtig darauf zu reagieren.
Sousuke wäre es ebenfalls lieber gewesen, wenn sein Freund nicht direkt mit der knallharten Realität konfrontiert wurde. „Schlechter Zeitpunkt...“, warf Haruka seine Meinung ein, worauf Natsuya flüchtig den Flur draußen hinab schaute, „Ich weiß, tut mir leid. Aber was soll ich denn machen?“.
„Können wir nicht...“, fing Makoto erneut an, wobei er von Rin unterbrochen wurde, „Ist schon okay“. Sämtliche Blicke wanderten zu dem Rothaarigen und Sousuke bekam unweigerlich ein ungutes Gefühl. Zumindest bis er die Augen seines Freundes sah, welche zwar leicht emotional erschöpft wirkten, aber trotzdem wesentlich ruhiger.
„Danke, dass ihr hier seid...aber ich würde mich echt mies fühlen, wenn ihr wegen mir das Turnier verpasst. Das Rennen für den Freistil müsste gleich beginnen, oder?“, Makoto und Natsuya zögerten, während Haruka ihn schweigend musterte.
„Und was machst du jetzt?“, fragte er dann, sichtlich unerschrocken, dass sie eigentlich keine Zeit hatten. Rin schaute zu seinem Kindheitsfreund und seine Stimme klang fest, als er antwortete, „Ich werde gleich nachkommen“.
Mehr brauchte es nicht, um Haruka einen Augenblick später leicht nicken zu lassen. Sousuke musste gestehen, diese Antwort nicht erwartet zu haben. Aber auch er bemerkte die kleine Veränderung in Rins Verhalten, jeder hier schien es zu tun. Man sah es in ihrer Mimik, wo ein gewisses Verständnis einkehrte.
„Dann gehen wir wohl vor und warten auf euch“, lächelte Makoto sanftmütig und die Worte waren eindeutig mit bedacht gewählt.  „Oder holen euch, wenn es sein muss...“, murmelte Natsuya dazu, was Rin sogar ein schwaches Schmunzeln entlockte, „Wird nicht nötig sein“. Es schien für die anderen Drei genug zu sein, um die Kabine zu verlassen.

Eine seltsame Stille blieb zurück, als die Tür schließlich leise ins Schloss fiel. Es wurde so viel gesagt und getan, dass der Schmetterlingsschwimmer kaum beschreiben konnte, wie er sich gerade fühlte.
Rin schaute derweil noch kurz zum Ausgang, bevor er seufzend die Stirn gegen Sousukes Schulter lehnte und einfach dort blieb. Er schien offensichtlich nicht der einzige zu sein, was seine Gedankengänge langsam beruhigte. Selbst in diesem unbekannten Chaos war es erschreckend leicht, sich nur auf Rin zu konzentrieren. Es tat gut, um ehrlich zu sein. Diesen Augenblick zu genießen, selbst wenn er nicht lange anhalten konnte.
„Was jetzt?“, flüsterte Sousuke, während er seine Hand behutsam durch rotes Haar streifen ließ. Sein Freund schüttelte leicht den Kopf und seine Schultern sackten nach unten, „Ich weiß es nicht...wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Haru so was sagt. Jetzt stehe ich hier und hab absolut keine Ahnung, was ich tun soll. Abgesehen davon, dieses Turnier irgendwie hinter mich zu bringen“. Da waren sie schon zu zweit, wobei Rin gleich darauf leiser etwas hinzufügte, „Nein warte...da wäre noch eine Sache“.
Es folgte eine kleine Pause, weshalb Sousuke sich entschied ruhig nachzufragen, „Und die wäre?“. Rin atmete einmal tief durch und richtete sich dann auf, um den Schmetterlingsschwimmer wieder ansehen zu können, „Wie ich gesagt habe, kann ich dich nicht nur als besten Freund ansehen...und will es auch nach wie vor nicht“.
Der letzte Druck ins Sousukes Brustkorb löste sich auf und er konnte nicht verhindern, wie seine Mundwinkel nach oben zuckten. Wenn dies Rins einzige Gewissheit in dieser Katastrophe war…würde er definitiv damit leben können. „Heißt, ich darf dir helfen?“, sein Freund erwiderte sein Lächeln, wenn auch zögerlich, „Ich kann dir nicht versprechen, dass es einfach wird oder ich keine Fehler mehr machen werde“.
„Du warst noch nie einfach, damit komme ich klar“, antwortete Sousuke und war nicht überrascht, als Rin weiter machte, „Es kann sein, dass ich wieder in ein anderes Land flüchte“. Es war kein Test, nur tiefsitzende Sorgen. Der Schmetterlingsschwimmer hielt es fürs Beste, komplett ehrlich zu bleiben. „Dann wunder dich nicht, wenn ich dir diesmal hinterher komme“, Rin schien diese Antwort nicht erwartet zu habe und Sousuke fiel ihm ins Wort, bevor sein Freund überhaupt wieder richtig den Mund aufmachen konnte, „Und egal was du mir jetzt sagst, ich bleibe dabei. Mir reicht es zu wissen, was du wirklich fühlst. Alles andere, werden wir schon schaffen“.
Es musste das erste Mal seit langem sein, dass Rin ihn nun mit klaren Augen ansah. Ohne unterschwellige Zweifel, ohne Schmerzen….ohne diesen verdammten Schatten. Manchmal lief nicht alles glatt und wie bei einem Schiffsbruch konnte man entweder aufgeben oder hoffen, diese stürmischen Wellen würde einen an Land treiben anstatt ins tiefe Wasser. Sousuke war bereit, sich diesem Sturm zu stellen, wenn Rin es denn zuließ.
Und wenn er nun diese kleine Flamme in den roten Iriden sah, welche dort eigentlich jeden Tag hingehörte und hoffentlich schon bald so hell loderte wie früher, könnte der Schmetterlingsschwimmer gute Chancen haben. „Was ich wirklich fühle, hm?“, wiederholte Rin leise und kam etwas näher, „Was ist mit dir-“. Sousuke unterbrach ihn, indem er seinen Freund in einen Kuss zog. Was sich wie eine verdammte Erlösung anfühlte und er spürte, wie der Rothaarige unter seinen Lippen lächelte.
Danach legte er seine Hände um den Nacken des Schmetterlingsschwimmers, ungeachtet dessen, dass sie eigentlich gehen sollten. Wobei Sousuke eh nicht vorhatte, sich großartig von Rin zu entfernen. Denn es war sozusagen der erster Schritt, zu ihrem Traum, einem gemeinsamen Weg...und zur Freiheit.



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Damit wären wir am Ende, ich hoffe euch hat diese Kurzgeschichte gefallen! Nicht unbedingt das klassische Happy End, aber Rin und Sousuke stehen sozusagen erst am Anfang ihrer neuen Reise. Und ich wollte ein 'Ich liebe dich', eher durch ihre Taten rüber bringen ^^
Ursprung der Idee war, wie Rin mit dem Fall klar kommen würde, wenn Liebe auf diese Weise in sein Leben tritt. Ich habe vor ein paar Jahren selbst Leistungssport gemacht und es ist echt unglaublich, wie viel Zeit und Kraft man da investiert. Bei Rin konnte ich mir da einfach einen ziemlichen Zwiespalt vorstellen, ebenso Angst weil er seit der Kindheit ja im Prinzip nichts anderes macht.
Mir schwirrt übrigens noch eine Szene im Kopf rum, die in der Zukunft spielt. An dem Abend, wo Rin tatsächlich seine Goldmedaille bekommen hat. Wenn ihr also an einem kleinen Extrakapitel interessiert seid, wo der Ton nicht so düster ist, sagt gerne Bescheid ;)
Ansonsten möchte ich mich an der Stelle bei allen Lesern bedanken, die bis zum Schluss mitgelesen und diese FF auf sonstige Weise unterstützt haben!
Ich weiß, dass ich noch viel Luft nach oben habe, was das Schreiben von Geschichten angeht. Generell bin ich aber ganz zufrieden mit Freedom, so als meine erste, abgeschlossene FF. Hoffe ihr alle hattet ebenfalls eine gute Zeit, würde mich jedenfalls freuen ^^
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