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Maiglöckchen

Kurzbeschreibung
OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Britta Lasse
24.11.2020
24.11.2020
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Eigentlich glaub ich muss ich gar nichts zu dem Oneshot sagen nur....sorry, dieser Oneshot ist älter und etwas cringe wie ich finde XD
Aber trotzdem viel Spaß beim Lesen :D





„Willst du, Britta Andersson.....
....zu deinem Mann nehmen, so antworte mit ja, ich will....“, hörte ich den Pfarrer wie durch Watte sagen. Kurz darauf folgten die drei schmerzhaftesten Worte, die es für mich gab. Viel schlimmer als „Ich liebe dich“.
Die bildhübsche Frau am Altar, in ihrem langen, weißen Brautkleid, sprach genau diese Wort aus.
„Ja, ich will.“, sagte sie und ich zuckte zusammen. Mein Herz zerbrach zum zigtausendsten Mal. Seit dem Tag, an dem sie und ich und damals getrennt hatten, war es nie wieder ganz geheilt.
Es war in tausend Stücke zerbrochen und ich hatte mit Müh und Not manche Teile wieder zusammenkleben können, damit ich irgendwie normal hatte weiterleben können.
Doch all die Fortschritte, die ich gemacht hatte in den Jahren ohne sie, waren wie weggeblasen.
Mein Herz fühlte sich genauso zerbrochen an, wie an dem Tag unserer Trennung.
Alles futsch.
Dieselbe Leere von damals kroch wieder in mir hoch.
Dieselbe Verzweiflung kam zurück. Derselbe Schmerz durchfuhr meinen Körper.
Auf manches konnte man sich wohl doch nicht vorbereiten im Leben. Auch auf die Trennung von Britta war ich nicht vorbereitet gewesen.
Doch ganz besonders auf den heutigen Tag war ich nicht vorbereitet gewesen. Ich hatte es versucht.
Sobald ich die Karte mit der Einladung zu ihrer Hochzeit bekommen hatte, hatte ich fieberhaft überlegt, was ich tun sollte. Ob ich überhaupt hingehen sollte. Wie ich mich verhalten sollte. Warum Britta mich überhaupt eingeladen hatte.
Nur Dank Bosse, der mich hierhergeschleift hatte, war ich gekommen. Gut, auch, weil ich Britta nach all diesen Jahren endlich wiedersehen wollte.
Schließlich hatte ich sie seit unserer Trennung mit 17 Jahren nicht mehr gesehen.
Jetzt waren wir beide Mitte 20 und erwachsen. Britta hatte Lehramt studiert und wohnte nicht mehr im Nordhof in Bullerbü. So wie eigentlich die meisten der Kinder von Bullerbü. Ole und Lisa waren die Ersten, die weggezogen sind, wegen Oles Job als Manager einer wichtigen Firma.
Inga und Bosse hatten ihr Happy End gefunden und waren  auch tatsächlich die einzigen, die noch in Bullerbü lebten. Sie hatten den Mittelhof übernommen und lebten den Traumberuf unserer Kindheit aus. Und Britta und ich?
Alle hatten gedacht, es gäbe für uns beide auch ein Happy End. Wie in den Büchern, wo alle Paare doch irgendwie wieder zueinanderfanden. Aber so war es nicht.
Britta und ich trennten uns, weil sie im Ausland studieren wollte und eine Fernbeziehung zu mir nicht verkraften konnte.
Um ehrlich zu sein, ich wusste nicht, was schlimmer war. Wochenlanges, sehnsüchtiges Warten auf Brittas Briefe und die Unsicherheit, dass Britta im Ausland vielleicht einen anderen traf, oder gleich die Trennung.
Für Britta war es das Erstere, weshalb sie mich eines Morgens auf den Heuboden bestellte. Der Tag hatte sich in mein Gehirn eingebrannt. Ich hatte ihn so lebhaft in Erinnerung, als wäre es gestern gewesen.
Ihr Gesicht, ihre Kleidung, ihre Haare, ihr Duft. In meinem Kopf konnte ich es genau abspielen. Was Britta gesagt hatte.....

„Es tut mir schrecklich leid, Lasse, aber ich kann das nicht....eine Fernbeziehung...“, hatte sie unter Tränen hervorgebracht.
„A-aber, was passiert dann mit uns? Mit unserer gemeinsamen Zukunft?“, hatte ich mit erstickter Stimme gestammelt, woraufhin sie einfach nur traurig den Kopf gesenkt hatte.
Dann hatte sie sich umgedreht und war die Leiter runtergeklettert. Für eine Sekunde hatte ich nur wie zur Salzsäule erstarrt dagestanden.
Dann, als ich es endlich geschafft hatte, die Leiter runterzuklettern, hatte sie schon das Tor der Scheune erreicht.
„Leb wohl, Lasse.... ich wünsch dir viel Glück..“, hatte sie geschluchzt, bevor sie die Scheune verlassen hatte.

Das war das letzte Mal, dass ich sie gesehen hatte. Die letzten Worte, die sie zu mir gesagt hatte. Leb wohl, Lasse. Ich wünsch dir viel Glück.
Wie oft hatte ich diese letzten beiden Sätze in meinem Kopf wiederholt? Die Worte hatten sich schmerzhaft in meine Seele gebrannt. Doch jetzt kamen neue Worte dazu.
„Ja, ich will.“, antwortete der Bräutigam dem Priester gerade und Britta, meine Britta, fing an, über das ganze Gesicht zu strahlen. Ich hatte mich oft gefragt, ob die Trennung sie genauso mitgenommen hatte wie mich.
Ob sie mich schon vergessen hatte?
Ob sie vielleicht immer noch jeden Tag an mich dachte wie ich an sie dachte?
Ob sie vielleicht tief in sich drin immer noch Gefühle für mich hatte?
Britta so vor dem Altar stehen zu sehen versetzte mir tausend Stiche. Ich erinnerte mich noch bildlich daran, wie wir uns damals, zu Kindertagen, in denen wir noch nicht zusammen waren, ausgemalt hatten, wie unsere Hochzeiten wohl werden würden.
Wir hatten beschlossen, dass wir beide heiraten würden, wenn wir niemand anderen finden würden. Dass wir uns später finden würden konnten wir damals noch nicht ahnen.
Und dass wir uns wieder verlieren würden konnten wir mit 17 auch noch nicht ahnen.


Vorne am Altar strahlte Britta mit der Sonne um die Wette und sie sah so schön aus wie noch nie zuvor. Ihre Haare. Ihre Augen.
Ja, sogar in der letzten Reihe der Kirche wehte mir ihr lieblicher Duft nach Maiglöckchen entgegen. Sie war wirklich perfekt. Mein Vater sagte immer, die ganz große Liebe gab es nur einmal im Leben.
Seine ganz große Liebe war meine Mutter, und meine?
Meine war Britta Andersson.
Der Pfarrer fragte gerade, ob jemand Einspruch erheben wollte, und mit dem Gedanken an meinen Vater schnellte meine Hand in die Höhe.
Ich konnte gar nichts dagegen tun. Denn ich wusste, wenn ich Britta jetzt gehen ließ, dann war es für immer.
Ich hatte sie schon einmal gehen lassen.
War ihr nicht hinterhergerannt aus der Scheune raus.
Hatte ihr nicht gesagt, dass es mir egal war, wie viele Kilometer uns trennten.
Hatte ihr nicht gesagt, dass ich sie liebte. Und genau jetzt musste ich es tun.
„Ich.“, gab ich kleinlaut bekannt und stand auf. Alle Köpfe drehten sich zu mir um und Brittas Augen wurden groß, als sie mich sah.
Tränen bildeten sich in ihren Augen, das konnte ich auch aus der letzten Reihe erkennen.
„Du bist gekommen..“, flüsterte sie, so leise, dass man zweimal überlegen musste, ob sie überhaupt etwas gesagt hatte.
Ich nickte und verließ meinen Platz neben Bosse in der letzten Reihe. Jetzt stand ich mitten im Gang, doch ich traute mich nicht, weiter nach vorne zu gehen.
„Britta...ich...“, begann ich zaghaft und rührte mich nicht vom Fleck.
Von der Seite hörte ich Bosse mir etwas zuzischen, doch ich verstand es nicht.
Wie ein Reh im Scheinwerferlicht stand ich da.
Nur, dass das Scheinwerferlicht jetzt ein dutzend schockierter Augenpaare, die auf mir ruhten, war. Etwas verloren stand ich da, weil ich mir mit einem Mal doch nicht mehr so sicher war, ob es eine gute Idee war.
Britta war glücklich.
Das wollte ich ihr nicht nehmen. Auch, wenn das bedeutete, dass ich nicht mehr so richtig glücklich werden konnte.
Aber das konnte ich eh nicht, wenn Britta keine Gefühle mehr für mich hatte.
Was brachte es mir also, wenn ich jetzt ihre Hochzeit, den schönsten Tag in ihrem Leben, sprengte?
Genau, gar nichts.
Deshalb ließ ich den Kopf hängen und drehte mich wieder um. Eine Träne lief mir über die Wange und ich sah ihr dabei zu, wie sie scheinbar in Zeitlupe von meiner Wange tropfte und in dem dicken Kirchenteppich versickerte.
Mit langsamen Schritten ging ich wieder auf die letzte Reihe zu, von wo Bosse mir schon einen mitleidigen Blick zuwarf. Meine Füße waren schwer wie Blei.
Jeder Schritt, den ich machte, hörte sich unglaublich laut an. Wie ein kleines Erdbeben, das ausgelöst wurde mit jedem Schritt, den ich mich von meiner ganz großen Liebe entfernte.
„Lasse...“, hörte ich plötzlich hinter mir ihre zaghafte Stimme flüstern.
Auch ihr liefen die Tränen runter und sie warf ihrem Bräutigam einen entschuldigenden Blick zu, bevor sie langsam die Stufen zum Altar hinabstieg. Ich drehte mich wieder zu ihr um und auch ich machte einige vorsichtige Schritte auf sie zu.
Die Augen aller Gäste waren auf uns gerichtet. Keiner wusste, was als nächstes passieren würde.
Nicht mal ich wusste es und Britta wahrscheinlich auch nicht. Britta trat den letzten Schritt an mich heran und so standen wir nun unschlüssig voreinander.
Ich wagte es kaum zu atmen und ihr Duft nach Maiglöckchen benebelte meine Sinne.
Sie hob schließlich ihren Kopf, denn sie hatte die ganze Zeit nur auf den Boden gesehen, und ich konnte zum ersten Mal seit all diesen Jahren wieder in ihre Augen schauen. Haselnussbraun. Genau wie damals.
Vielleicht ein bisschen heller.
Sie sah mir auch tief in die Augen und unsere Blicke klebten an einander.
„Britta...ich...“, fing ich nochmal an und musste mich gewaltig konzentrieren, damit ich einen klaren Gedanken fassen konnte. Ich atmete einmal tief durch, bevor ich weitersprach.
Alles oder nichts. Ich würde Britta diesmal nicht einfach so gehen lassen.
„Britta...ich....ich liebe dich immer noch..“, presste ich hervor und sah ihr unsicher in die Augen. Um uns herum schnappten alle wiedermals schockiert nach Luft.
Außer vielleicht Bosse. Der wusste ja, wie dreckig es mir gegangen ist. Aber mein Bruder war mir in diesem Moment komplett egal.
Für mich zählte Britta. Britta Andersson.
„Weißt du noch, wie wir uns als Kinder versprochen haben, dass wir beide heiraten würden, wenn wir niemand anderen finden würden?“, redete ich weiter und Britta schluchzte einmal auf, doch ich konnte ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht erkennen, als sie nickte.
„Da wussten wir noch nicht, dass wir ein paar Jahre später wirklich zusammen kommen würden und uns ständig eine gemeinsame Zukunft ausmalen würden....“, sprudelte es aus mir heraus und die gesamte Kirche war mucksmäuschenstill.
Niemand sagte ein Wort.
Der Pfarrer nicht. Der Bräutigam nicht. Britta nicht.
„Mit 17 wussten wir auch noch nicht, dass wir uns ein paar Jahre später wie Fremde behandeln würden und keinen Kontakt mehr haben würden...“, fügte ich etwas leiser hinzu und Britta nickte wieder.
Diesmal hatte sie kein Lächeln im Gesicht sondern zwei dicke Tränen, die ihr die Wange runterliefen.
Reflexartig hob ich meine Hand an ihre Wange und strich ihr die Tränen weg. Doch kurz darauf realisierte ich, was ich da gerade tat, und ich zog blitzschnell meine Hand weg, so, als hätte ich mich verbrannt.
Meine Augen blitzten wieder verräterisch, weshalb ich mir einmal selbst übers Gesicht wischte.
Was würde Britta wohl sagen? Liebte sie mich noch? Schon wieder keimte in mir diese leise Hoffnung auf, die schon seit all den Jahren tief in mir drinnen schlummerte.
Nur ein kleines Anzeichen, dass Britta meine Gefühle irgendwie doch noch erwiderte, und die Hoffnung keimte sofort wieder auf.
„Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben, Britta...“, murmelte ich zum Schluss leise und beendete damit meine kleine Rede. Unsicher sah ich Britta wieder an.


Während ich geredet hatte, hatte ich immer wieder woanders hin gesehen, um ihrem Blick, der mir vielleicht sogar schon sagen konnte, ob sie mich noch liebte oder nicht, zu entgehen.
Jetzt stand ich vor dem Unvermeidbaren: ihrer Antwort.
Britta sah mich für eine halbe Ewigkeit einfach nur ungläubig an.
„Lasse....“, brachte sie schließlich leise hervor und drehte sich zu ihrem Bräutigam, der, wie ich damals mit 17 Jahren, wie zur Salzsäule erstarrt dastand.
Die Ungewissheit über ihre Gefühle war unerträglich und meine Knie wurden mit einem Mal ganz weich. Irgendwie schaffte ich es trotzdem, gerade stehenzubleiben und Britta drehte sich wieder zu mir um.
Sie warf mir einen wehmütigen Blick zu und ich verstand. Sie hatte keine Gefühle mehr für mich.
Mit meinem Herz wieder in tausend Stücken zersplittert warf ich ihr einen letzten Blick zu und drehte mich dann um.
„Ich verstehe... leb wohl, Britta.“, murmelte ich, mehr zu mir selbst als zu ihr, und ging den Gang hinunter in Richtung Ausgang. Ich musste hier einfach nur raus.
Britta hatte keine Gefühle für mich. Britta hatte keine Gefühle für mich.
Ich wusste nicht, wie oft ich den Satz wiederholte, doch irgendwann, als ich den Ausgang schon fast erreicht hatte, wurde ich in meinem Tun plötzlich unterbrochen.
Eine Hand hielt mich am Arm fest. Ich wusste sofort, wem die Hand gehörte, denn ihre Berührung schickte einen Stromschlag durch meinen Körper und elektrisierte mich. Ich drehte mich um und sah Britta vor mir stehen.
Noch mehr Tränen liefen ihr die Wange runter und sie hielt mich immer noch am Arm fest, so, als könnte ich mich jederzeit in Luft auflösen.
„Lasse....ich habe auch nie aufgehört.“, brachte sie unsicher hervor und sah mir direkt in die Augen.
Diesen Blick hatte ich bei ihr erst einmal in meinem Leben gesehen. An dem Tag, an dem sie mich verlassen hatte. So verletzlich, so offen, so verzweifelt.
Ich wusste sofort, was Britta meinte, weshalb ich anfing zu lächeln.
Ein riesengroßer Stein fiel mir vom Herzen und ich drückte sie fest an mich, als sie sich schluchzend in meine Arme warf. Ich vergrub meine Nase in ihrem Haar und sog den Duft nach Maiglöckchen vollständig auf.
Die Gäste in der Kirche hatten wir komplett vergessen.
„Ich hab dich vermisst.“, wisperte Britta leise und fing auch an zu lächeln, als wir uns wieder lösten.
Dann kamen sich unsere Gesichter immer näher. Meine Hände wanderte geistesgegenwärtig an ihre Hüfte und sie schlang ihre Hände um meinen Hals. Ich spürte ihren heißen Atem auf meiner Haut, schloss meine Augen und überbrückte den letzten Zentimeter.
Unsere Lippen trafen aufeinander und in meinem Körper explodierte ein Feuerwerk. Der Kuss fühlte sich so neu und doch so gewohnt an.
Atemlos lösten wir uns wieder voneinander und strahlten uns gegenseitig an, während wir gleichzeitig anfingen zu lachen und immer noch weinten. So glücklich waren wir in diesem Moment.






So, das war’s, Happy End :D
Lasse aka Mr. Steal your girl holt sich endlich seine Britta zurück :D
Mir ist erst beim Lesen heute aufgefallen, dass das eigentlich richtig asozial ist dem Bräutigam gegenüber... das muss ich auf meine Kappe nehmen... weder Britta noch Lasse können etwas dafür dass ich sie so geschrieben hab XD
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