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Warum ist das nicht mehr hier?

von NixParva
OneshotAllgemein / P12
Komori Motoya Miya Atsumu Miya Osamu Sakusa Kiyoomi
23.11.2020
23.11.2020
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/ Einmal vorweggenommen: Dieser Oneshot macht eigentlich nur Sinn, wenn man den vorherigen ´Warum ist das hier?´ liest. Ansonsten, viel Spaß :) /



Das letzte Training war nun abgeschlossen, die Taschen waren beinahe fertig gepackt und es wurden noch einige Nummern ausgetauscht. Alles in Allem war es doch ein recht erfolgreiches Camp gewesen, wie Sakusa fand. Trotz dessen, dass er Menschenmengen verabscheute, war die ausgewählte Menge an Spielern ertragbar gewesen, er hatte sich die Spieler anderer Teams angucken können, gegen die er möglicherweise in den Nationals antreten würde und keiner war ihm in besonderem Maße unangenehm gewesen.

Nunja, die Anmerkung würde er wohl etwas korrigieren müssen. Dieser Miya, der Zuspieler aus dem zweiten Jahr der Inarizaki, war noch anstrengender gewesen, als er es vom letzten Turnier in Erinnerung gemeint zu haben hatte. Er war nicht nur laut, nein, er war auch auf gewisse Weise sehr hartnäckig. Und nicht zu vergessen, liebte er es scheinbar, im Mittelpunkt zu stehen.

Insgesamt keine Ansammlung an Eigenschaften, die eine Person für ihn sympathisch machen.

Es war ja nicht so, als würde er sich anderen komplett verschließen und ihnen aus dem Weg gehen. Er war bloß einfach nur nicht so versessen darauf, sich jedem aufzudrängen und ihn in ein Gespräch zu verwickeln.

Ganz anders dieser Atsumu Miya. Ständig war er ihm hinterher und hatte versucht sich mit ihm zu unterhalten, egal wie desinteressiert oder wortkarg Sakusa ihm gegenüber reagiert hat. So hartnäckig konnte doch niemand sein, oder?

Normalerweise mieden die meisten längere Gespräche mit ihm, weil seine Art auf den ersten Blick nicht unbedingt als warm und offen rüberkam. Und eigentlich führte er sogar ganz gerne die ein oder andere Konversation, wenn Thema und Gesprächspartner sein Interesse wecken konnten und diese sich an seiner Direktheit nicht störten.

Anders war es bei Miya. Nach den ersten beiden Tagen im Camp fing er an ihm und seinen ständigen Gesprächsversuchen aus dem Weg zu gehen. Man sollte meinen, er hätte es verstehen müssen, dass Sakusa kein Interesse daran hatte, mit ihm zu reden, da er ihm einfach zu anstrengend war.

Allerdings fragte er sich auch, warum Miya ausgerechnet so darauf aus war, ausgerechnet mit ihm zu interagieren. Er hatte ihm schließlich nicht den geringsten Grund gegeben, aus dem man hätte schließen können, dass Interesse auf beiden Seiten bestände. Oder etwa nicht?

Gut, dass er, scheinbar um den richtigen Zug zu bekommen, schon gegangen war und ihn so nicht weiter mit irgendetwas behelligen konnte.

Über all das grübelte er nach, während er seine letzten Habseligkeiten ordentlich in die offenstehende Tasche legte. Das Verhalten des anderen war immer noch unverständlich. Er war beinahe fertig als ihm auffiel, dass irgendetwas fehlte. Was war es nur? Sämtliche Sachen waren aus dem Bad und dem Kleiderschrank geräumt und als er nochmals in den Nachttisch neben seinem Bett schaute, fand er nichts.

Es dürfte also nichts fehlen? Musste wohl eine Einbildung sein.

Gerade als er die Tasche geschlossen hatte und aus dem Zimmer treten wollte, fiel es ihm auf.

Seine Trainingsjacke.

Er trug sie nicht und in die Reisetasche hatte er sie auch nicht gelegt. Wo konnte sie denn bitte sein?

Er hatte die ganze Zeit sorgfältig darauf geachtet, dass seine Sachen nicht mit denen der anderen in Kontakt kamen oder gar vermischt wurden. Er wollte sich gar nicht ausmalen, wie mangelhaft die hygienischen Zustände in den Taschen der anderen Campteilnehmer waren. Der Gedanke allein war schon ekelerregend.

Lag die Jacke vielleicht noch in der Sporthalle bei den Bänken? Das konnte eigentlich nicht sein, aber es wollte ihm kein anderer Ort als Möglichkeit in den Sinn kommen.

Auf dem Weg nach draußen und in die Halle lief er an Komori vorbei, der auf ihn gewartet hatte.

„Mensch Sakusa du hast ja lange gebraucht. Wollen wir dann los? Es würde ein passender Zug fahren, den wir noch erwischen könnten.“ Sagte dieser und lächelte wie gewohnt.

„Mir fehlt noch meine Jacke. Hast du sie zufälligerweise gesehen? In der Halle vielleicht?“

„Hmm, nicht dass ich wüsste. Wie kommt es, dass du nicht weißt, wo sie ist? Normalerweise vergisst du doch nie etwas.“

„Das dachte ich auch.“

Mit finsterem Blick lief er nochmal zur Halle, Komori neben ihm. Als sie die Halle durchsuchten ließ sich allerdings auch nichts finden, nicht einmal der Zipfel eines grünen Ärmels war zu sehen. Nicht bei den Bänken, nicht im Geräteraum und auch nicht in den Umkleiden. Somit stand wohl fest, wo auch immer seine Jacke sein konnte, sie war nicht hier. Und das durfte eigentlich nicht sein.

„Sie ist nicht hier.“

„Die Frage ist jetzt wohl eher, warum ist sie nicht mehr hier.“ Überlegte Komori, die sonst immer fröhlich gehobenen Augenbrauen nachdenklich zusammengezogen.

„Woher soll ich das wissen:“

„Ist denn irgendwas Verdächtiges passiert oder so?“

„Ich habe niemanden in der Nähe meiner Sachen rumschleichen sehen, wenn es das ist, was du meinst.“ Sein Ton machte überaus deutlich, wie sehr ihm die Gesamtsituation missfiel. Finster starrte Sakusa die Bänke in der Umkleide an, als wüssten sie, was passiert war und würden es ihm rein aus Spott vorenthalten.

„Wenn nichts dergleichen passiert ist, war vielleicht etwas anderes ungewöhnlich?“

„Das einzig seltsame war, dass Miya mich nicht weiter vor seiner Abreise genervt hat und ich so ausnahmsweise mal meinen Kram in Ruhe erledigen konnte. Aber das sollte ja wohl nichts mit meiner Jacke zu tun haben.“

„Stimmt das war unerwartet!“ Komori lachte herzlich über die Sakusa so unliebsame Situation mit dem Setter der Inarizaki. „Er hat am Ende sogar irgendwie unruhig und nervös gewirkt. Was meinst du hätte das ausgelöst haben können, wo er doch sonst immer so überzeugt von sich zu sein scheint?“

„Wen interessierts. Ich will nur wissen, wo meine Jacke ist.“



-------------Einige Zeit später, Beginn der Nationals-------------------------------------------------------------------



„Der Blick des Coachs war so lustig als du ihn um eine neue Jacke gebeten hast, weißt du das noch?“

Bei dem Gedanken daran musste Komori wieder lachen. Die Erinnerung an die Situation von vor ein paar Wochen schien sehr zum Verdruss Sakusas zu sein, weil dessen Laune, soweit man es durch die Maske erkennen konnte, nochmal sichtlich schlechter wurde.

„Erinnere mich bloß nicht.“

Es war offensichtlich, dass er absolut nicht hier sein wollte. Es waren Massen an Menschen da, Teams aus allen Ecken Japans waren für die Eröffnungszeremonie gekommen. Seiner Meinung nach hätte sein Team nicht heute schon kommen müssen, wenn ihr erstes Spiel eh erst Morgen war. Dann hätte er sich die Menschenmenge ersparen können.

Außerdem hatte er auch keine Lust auf andere Spieler, die auf freundlich tun wollten, weil sie vielleicht eine halbe Stunde lang zusammen in einem Team im Camp gespielt hatten. Eines war klar, Sakusas Laune war schlecht und Komori machte es mit seinem Necken nicht besser.

Wo er gerade über mögliche Übel nachgedacht hatte, schien es zu geschehen. Komori lief geradewegs auf ein kleines Grüppchen zu, das aus ein paar ehemaligen Campteilnehmern bestand und Sakusa blieb nichts anderes übrig, als widerwillig mitzugehen, weil der Rest ihres Teams schon in eine andere Richtung verschwunden war.

Das Pech schien ihn dann auch noch weiter zu verfolgen als er unter der Gruppe den blonden Haarschopf eines ihm überaus bekannten Setters ausmachte. Dieser stand zudem auch noch neben einem identischen aussehenden, bloß grauhaarigen Schopf. Noch einer? Man kann nur hoffen, dass der nicht so ist, wie sein Bruder.

Bei dem Anblick seufzte Sakusa entnervt. Er sah schon eine übertrieben freundliche und nervende Begrüßung des Blonden auf sich zukommen.

Dem war allerdings nicht so. Anstelle des überzogenen Grinsens warf ihm Miya nur einen Blick zu, der aussah, als wäre ihm unwohl. Schnell schaute er auch wieder weg. Ungewöhnlich. Es passte nicht in das Bild, welches er sich von ihm gemacht hatte, was es auch irgendwie verdächtig wirken ließ.

Sakusa erwartete fast, dass jeden Moment etwas kommen könnte und starrte deswegen recht finster vor sich her.

Anstatt, das etwas passierte, sah er, wie Miya sich zu seinem Ebenbild beugte und leise etwas sagte. Daraufhin warf der Grauhaarige Sakusa aus ihm unerfindlichen Gründen einen schnellen Blick zu und die beiden drehten sich einfach um und gingen.

Noch etwas, was nicht in sein Bild von Miya passte. Flüstern und ohne große Ankündigung gehen? Und dann schienen die beiden sich nach ihrem Abgang auch noch tuschelnd zu streiten.

Das sollte ihn aber eigentlich weniger interessieren, schließlich musste er sich so nicht mit ihm auseinandersetzen, was ein guter Grund für zumindest etwas bessere Laune war. Trotzdem war das Verhalten des Setters in gewisser Weise seltsam und unerwartet, oder?

Er schnaubte leise. War ja auch egal.




-------------Etwas später------------------------------------------------------------------------------------------------------



Da hatte er gedacht, dass jegliche unangenehme Konfrontation mit diesem Miya bis zu einem möglichen Aufeinandertreffen im Turnier erledigt war, liefen sie ihm auch schon wieder über den Weg. (Obwohl das Wiedersehen in der Halle absolut unspektakulär war, was Sakusa immer noch irgendwie faul vorkam.)

Die meisten Teams hatten ihre Sachen irgendwo in den in den Fluren verstaut und so auch Itachiyama. Sakusa war gerade dabei, zu ihrem Haufen zu gehen.

Er hörte sie schon, als er um die Ecke des Flures bog.

„Bist du eigentlich bescheuert?!“

„Was soll das denn jetzt heißen? Und nein bin ich nicht!“

Das war eindeutig die Stimme des Blonden.

„Ich kann nicht fassen, dass jemand, der so verblödet ist, dieselbe DNS wie ich haben soll.“

Aha. Sie waren also Zwillinge.

Die beiden verstummten urplötzlich, als sie ihn bemerkten. Ihnen wenig Aufmerksamkeit schenken wollend, ging Sakusa an ihnen vorbei. Um die Zwillinge herum standen die Taschen ihres Teams, bepackt mit Volleybällen, Trinkflaschen und anderen Sportsachen.

Ein vertrauter Anblick, wie er auf jedem Turnier zu finden ist. Da fiel ihm aus dem Augenwinkel eine offenstehende Tasche auf, in der sich irgendetwas gelb und grünes befand. Die Farben ähnelten denen seiner eigenen Schule enorm. Das konnte nur ein Zufall sein, oder?

Er wollte sich gerade etwas in die Richtung der Tasche drehen, um einen genaueren, prüfenden Blick auf den Inhalt erhaschen zu können, als er Komoris Stimme vernahm.

„Hey Sakusa, wir wollen gleich los. Kommst du?“

Er riss seinen Blick von den verdächtig vertrauten Farben und ging zielgerichtet weiter.

„Ja, komme.“

Vielleicht hatte er sich auch nur verguckt.




-------------Als Sakusa außer Hörweite ist, POV Osamu--------------------------------------------------------------



„Samu… meinst du er hat sie gesehen?“

„So dämlich wie du bist, hoffe ich das fast.“

Erschöpft von dieser hirnrissigen und vor allem vollkommen unnötigen Auseinandersetzung, schlug Osamu sich nur die Hand vor die Stirn. Womit hatte er nur so einen Bruder verdient?

„Außerdem versteh ich auch immer noch nicht, warum du sie überhaupt mitgenommen hast, Tsumu.“

„Ich weiß es nicht.“ Der leicht weinerliche Unterton in Atsumus Stimme ließ fast einen Hauch von Mitleid in seinem Bruder entstehen. Aber auch nur fast, denn der Blonde war vollkommen selbst schuld.

Warum hatte er auch erst die Jacke mitgehen lassen, um sie dann zum nächsten Zeitpunkt, an dem er ihren Besitzer wiedersehen würde, mitbringen zu wollen?

Osamu hatte ihm von Anfang an gesagt, dass die Idee Schwachsinn war. Sakusa hätte sofort Eins und Eins zusammenzählen können und das Ganze wäre mehr als unangenehm geworden. Das musste er sich echt nicht antun.



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Einmal Danke an alle, die bis hierhin gelesen haben!
Die Idee, eine Fortsetzung zu schreiben stammt von Suna Rintarou, also auch nochmal danke dafür, sonst wäre das hier höchstwahrscheinlich nie entstanden.
Ich hoffe, dass es Gefallen findet :)

Ansonsten würde ich mich über Rückmeldung freuen und ich bin immer offen für konstruktive Kritik.
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