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Night Changes At Christmas

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Harry Styles Liam Payne Louis Tomlinson Niall Horan Zayn Malik
23.11.2020
16.05.2021
21
121.873
15
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
21.03.2021 6.155
 
I wanna write you a song
One as beautiful as you are sweet
With just a hint of pain
For the feeling that I get when you are gone
I wanna write you a song

Ooh ooh,
everything I need I get from you
Ooh ooh,
givin' back is all I wanna do


„Sag mal, hast du Mayas Nummer?“, rief Harry. Er saß im Wohnzimmer auf dem Boden, vor ihm einige Unterlagen und Stofffetzen ausgebreitet. Louis irrte gerade irgendwo im Haus herum.

„Was?“, kam ein dumpfer Ruf aus dem Keller zurück.

„Ob du Mayas Nummer hast, habe ich gefragt“, rief Harry diesmal noch etwas lauter.

„Nein, aber frag doch Liam. Und wozu brauchst du überhaupt Mayas Nummer?“, fragte Louis und kam mit Harrys Gitarre unterm Arm zurück ins Wohnzimmer geschlendert.

„Sie hat hier einige Vorlagen für das Farbschema, aber die Blumen für die Tischdeko sind in ganz anderen Farben bestellt“, Harry hob zwei Zettel in die Höhe, die Louis nur überflog. Dann zuckte er mit den Schultern. Harry verdrehte die Augen, musste aber Grinsen.

„Was machst du eigentlich da mit meiner Gitarre? Meintest du nicht vorhin, dass wir heute noch einiges vorhaben? Und jetzt machte ich hier schon wieder alles allein“, Louis begann leise einige Akkorde auf der Gitarre zu zupfen.

„Ich habe mir überlegt, meine krasse Trauzeugenrede könnte doch auch ein emotionaler Song werden. Einen, den ich extra nur für Payno und Maya schreibe“

„Echt?“, Harry hob den Kopf und sah Louis in die Augen. Das wäre definitiv eine Rede, wie sie nicht jeder bekam. Eine schöne Idee. Eine Idee, die so gar nicht nach Louis klang.

„Nein, natürlich meine ich das nicht ernst. Meinst du, ich mache mir so viel Arbeit?“, jetzt konnte auch Harry den Schalk in Louis‘ Augen aufblitzen sehen. Er warf eines der Sofakissen nach dem Älteren, verfehlte ihn aber.

„Wenn du mir schon nicht hierbei helfen willst, dann geh einkaufen. Abgesehen von dem Gebäck, das von heute Morgen noch übrig ist, haben wir immer noch nichts Essbares im Kühlschrank. Wenn du also die nächsten Tage nicht verhungern willst, dann geh jetzt einkaufen“, Harry versuchte streng zu klingen, aber es misslang ihm bei Weitem. Louis lachte, doch nach einem bösen Blick von Harry, richtete er sich auf.

„Also schön, dann gehe ich einkaufen“, Louis stand auf und salutierte sogar vor Harry. Der Lockenkopf war kurz davor noch ein weiteres Kissen nach Louis zu werfen.

„Obwohl es strenggenommen eine Frechheit ist, dass du deine Gäste dazu verdonnerst, einkaufen zu gehen“, beschwerte Louis sich halblaut beim Weggehen.

„Pass du lieber auf, dass ich meine Gäste nicht noch zu ganz anderen Dingen verdonnere“, rief Harry ihm hinterher.

„Uhhh, was denn für Dinge?“, fragte Louis anzüglich, doch bevor er sehen konnte, wie rot Harry wurde, hatte er sich die Schlüssel geschnappt und war schon zur Haustüre raus. Harry blieb kopfschüttelnd zurück.

Als es draußen schon wieder begann langsam dunkel zu werden, packten Harry und Louis die Zettel und Farbmuster endlich beiseite. Nachdem Louis vom Einkaufen gekommen war, hatte er sich tatsächlich dazu entschlossen Harry zu helfen und sie waren einige Schritte weitergekommen. Nach einem lustigen Telefonat mit Maya, die wenige Minuten zuvor noch auf einem Laufsteg in Paris gestanden hatte, hatten sich die Farbprobleme dann auch gelöst. Die Stunden waren wie im Flug vergangen. Und doch hatte Harry jede einzelne Minute davon genossen. Louis war unbeschwert. Lachte viel. Manchmal sogar so sehr, dass ihm beinahe die Tränen kamen. Harrys Herz machte jedes Mal einen Salto, wenn er beobachtete, wie glücklich Louis gerade zu sein schien. Jedes Mal, wenn sich ihre Blicke kreuzten, hielt Harry für den Moment die Luft an. Es überforderte ihn schlicht, in diese unergründlich blauen Augen zu schauen und gleichzeitig so nebensächliche Tätigkeiten wie Atmen weiter aufrecht zu erhalten.

„Ich verhungere gleich“, beschwerte Louis sich in einem jämmerlichen Ton, als sie die letzten Notizen weggeräumt hatten.

„Was hast du denn so eingekauft? Ich könnte uns was kochen, das hatte ich doch sowie so vor“, schlug Harry vor.

„Klingt gut“, bekräftigte Louis.

„Worauf hast du denn Lust?“, fragte Harry als er aufstand und Richtung Küche ging. Er spürte, dass Louis ihm folgte.

„Ich habe Nudeln eingekauft und ein bisschen was an Gemüse. Also vielleicht einen Auflauf?“

„Du und Gemüse eingekauft? Wer bist du und was hast du mit Louis gemacht?“, stichelte Harry, während er den Kühlschrank aufmachte und tatsächlich frisches Gemüse vorfand.

„Sehr lustig, Harold. Wirklich sehr lustig. Wer hat nochmal auf Tour eine ganze Woche nur von Eis und Tacos gelebt? Das war nicht ich“, ein angenehmes Kribbeln lief durch Harrys Körper als er hörte, wie Louis nach all der Zeit diesen Namen für ihn benutze. Mit einer Selbstverständlichkeit als sei nichts dabei. Doch Harry bedeutete das in diesem Moment alles.

„Also Nudelauflauf?“, Harrys Stimme klang seltsam belegt. Er konnte nur hoffen, dass Louis das nicht auffiel. Er erhielt nur ein Kopfnicken als Antwort.

„Ich darf jetzt also hier für uns beide kochen, während du was tust?“, fragte Harry und hatte unbeabsichtigt den gleichen Wortlaut benutzt wie schon Jahre zuvor.

***

Flashback:

„Ich schaue meinem Boo Bear dabei zu wie er uns etwas Hervorragendes kocht. Und dabei tue ich das, was ich am besten kann: daneben sitzen und gut aussehen“, Louis saß wie üblich auf dem Tresen ihrer gemeinsamen Küche und schaute Harry über die Schulter, während er Tomaten schnitt.

„Es würde erheblich schneller gehen, wenn du mir helfen würdest. Du könntest zum Beispiel schon mal den Teig ausrollen“, schlug Harry vor und ging bewusst nicht darauf ein, wie recht Louis mit dem gut aussehen hatte.

„Aber das kannst du doch viel besser. Nicht, dass ich da wieder was falsch mache und du mich aus der Küche wirfst, wie beim letzten Mal“, suchte Louis Ausreden.

„Man kann nicht viel falsch machen beim Ausrollen von Pizzateig, Lou. Außerdem habe ich dich das letzte Mal nur aus der Küche geschmissen, weil du mir meine ganzen Zutaten weggenascht hast, bevor ich überhaupt anfangen konnte“

„Du klingst schon wie Mom. Ehrlich, ich dachte es hätte seine Vorteile von zuhause auszuziehen und mit einem Sechzehnjährigen in einer mega krassen Bude zu wohnen“, beschwerte Louis sich lachend. Harry warf ihm einen strengen Blick zu.

„Ich höre mich nicht nur an wie deine Mom. Ich fühle mich auch wie sie. Ich muss dir ständig hinterher räumen, weil du überall deine Sachen liegen lässt. Und wenn ich nicht für uns kochen würde, dann würdest du nur irgendeine Scheiße essen. Ach ja, und deine stinkigen Sportshirts könntest du ruhig direkt in die Wäsche packen, statt sie erstmal im Wohnzimmer zu verstreuen“, Harry seufzte theatralisch.

„Glaub mir, ich habe es mir auch anders vorgestellt mit einem Achtzehnjährigen nach London zu ziehen. Kindermädchen stand nämlich nicht in der Stellenausschreibung“, Harry drehte sich zu Louis um und streckte ihm die Zunge raus.

„Du kannst auch mit Payno zusammenziehen, der bügelt dir bestimmt sogar deine Unterwäsche“, schnappte Louis jetzt zurück und Harry hatte für einen Moment die Sorge, er wäre wirklich beleidigt. Aber dann erkannte er das schalkhafte Glitzern in Louis‘ Augen und er wusste, dass er noch immer bloß scherzte.

„So ordentlich ist der gar nicht. Reines Vorurteil“, erklärte Harry, während er jetzt selbst begann den Pizzateig auszurollen. Bis er Louis dazubekommen würde das zu tun, würden wahrscheinlich Jahre vergehen.

„Aha, du hast also schon darüber nachgedacht?“, Louis machte kein Versteckspiel daraus, dass in diesem Satz mehr Eifersucht mitschwang als für Freunde üblich gewesen wäre. Doch Harry fiel das gar nicht auf.

„Bisher nicht. Aber wenn du nicht wenigstens bald deinen Koffer ausräumst, dann überlege ich mir das vielleicht nochmal“, drohte Harry.

„Lohnt sich doch gar nicht mehr. Brauche die Sachen doch nächste Woche wieder“

„Das ist widerlich, Lou. Die Klamotten da drin sind getragen und stinken“

„Ach was, ich-“

„Nix da. Du räumst diesen Koffer aus oder ich überlege mir das mit Liam nochmal“

„Bin gleich wieder da“, rief Louis, viel zu laut dafür dass er nur einen knappen Meter hinter Harry auf dem Tresen gesessen hatte. Knapp zwei Minuten später kam er wieder in die Küche getrabt und Harry konnte sich vorstellen, wie effektiv das Kofferauspacken in diesen zwei Minuten gewesen war. Er hatte vermutlich den gesamten Inhalt einfach vor die Waschmaschine gekippt. Innerlich verdrehte Harry nur die Augen.

„Erledigt. Zufrieden?“, fragte Louis stolz. Harry grunzte nur.

„Ich weiß übrigens, dass du niemals auch nur in Betracht ziehen würdest, mit einem der anderen Jungs zusammenzuziehen, Hazza“, raunte Louis und hatte sich unbemerkt dicht hinter Harry gestellt. Sein heißer Atem kitzelte in Harrys Nacken. Sein eigener Atem setzte dabei einen Herzschlag lang aus und eine Gänsehaut breitete sich über seinen Körper aus.

Statt einer vernünftigen Antwort – denn dazu wäre Harry in diesem Moment nicht im Stande gewesen – griff er mit einer Hand in die offene Mehlpackung, drehte sich damit zu Louis um und warf ihn ab. Das weiße, fein gemahlene Getreide wirbelte in der Luft herum und landete zur Hälfte in Louis‘ Haaren. Der Rest segelte in erstaunlich langsamer Geschwindigkeit Richtung Boden. Für einen Moment beobachtete Harry einfach nur das Mehl, das durch die Sonne gelblich schimmerte und sich jetzt in einem kleinen Haufen auf den dunklen Fliesen sammelte. Dann war seine Sicht plötzlich seltsam verschwommen. Staub wanderte in seine Lungen und er musste kräftig husten. Während er sich schüttelte, rieselte immer mehr Mehl aus seinen Haaren und er musste nur noch mehr husten. Seine grünen Augen huschten zu dem Übeltäter. Louis stand triumphierend grinsend vor ihm. Seine blauen Augen sprühten Funken vor Vergnügen. Ihm würde das Lachen noch vergehen. Mit beiden Händen griff Harry nach dem Mehl und schüttete die halbe Packung über Louis‘ Kopf aus. Lachend und wild um sich schlagend, versuchte Louis sich zu verteidigen, bis eine ausgewachsene Mehlschlacht in der Küche entstand.

„Ich ergebe mich. Harold. Frieden. Bitte. Frieden“, rief Louis lachend und außer Atem. Er war – ähnlich wie Harry – von oben bis unten voll mit Mehl.

„Schau dir diese Sauerei an“, meinte Harry plötzlich und hielt in der Bewegung Inne. Die Küche war kaum Widerzuerkennen. Auf jeder Oberfläche, auf dem Boden und überhaupt auf jedem Zentimeter hier in der Küche lag eine dünne Mehlschicht. Mit viel Fantasie sah es beinahe aus wie eine geschlossene Schneedecke. Nur eben im Haus – in der Küche.

„Wer kocht muss auch aufräumen oder wie war das?“, für diesen Kommentar hätte Harry Louis gerne wieder mit Mehl beworfen, aber es gab ja ohnehin kein Stückchen Haut mehr an Louis, das nicht von Mehl übersäht war.

„Blödmann“, sagte Harry stattdessen lachend.

„Selber“, raunte Louis. Er machte Anstalten aus der Küche rauszugehen, aber Harry hielt ihn zurück.

„So läufst du nicht durch die Wohnung“, warnte Harry ihn immer noch grinsend.

„Ich wollte duschen“, erklärte Louis sich. Aber Harry schüttelte den Kopf.

„Ausziehen. Wenn du mit den Klamotten bis zum Bad läufst, haben wir das Mehl in jeder Ecke des Appartements“

„Ja, Mama“, lachte Louis und streifte sich sein Shirt über den Kopf.

„Du bist so frech“, beschwerte Harry sich und begann ebenfalls sich auszuziehen.

„Darf ich die anlassen?“, Louis stand in Boxershorts vor Harry und ließ das Gummibund flitschen. Harry stockte für einen Moment der Atem, als er dieser Bewegung mit den Augen folgte.

„Ja. Ja, natürlich“, Harry musste sich räuspern und beeilte sich dann, seine Konzentration auf etwas anderes zu lenken als auf den fast nackten Louis vor sich.

„Kommst du mit duschen, Boo?“

„Was?“, Harry riss die Augen auf.

„Kommst du mit duschen?“, Louis fragte es als sei nichts dabei. Vermutlich war auch gar nichts dabei. Beim Sport duschten sie schließlich auch in Gemeinschaftsduschen. Trotzdem wurde Harry heiß und kalt zu gleich. Nach einer verdächtig langen Pause nickte Harry dann schließlich.

Es war nicht so, dass er Louis noch nie nackt gesehen hätte. Er hatte ihn schon häufiger ohne Kleidung gesehen. Und auch die anderen Jungs. Liam hatte er sogar schon geküsst. Auf den Mund und mit Zunge. Es war vor einigen Wochen gewesen als sie Zayns Geburtstag gefeiert hatten. Es war das erste Mal gewesen, dass Harry Alkohol getrunken hatte. Als sie alle schon ordentlich angetrunken gewesen waren, hatten sie mit einigen von Zayns Schulfreunden Flaschendrehen gespielt. Und Harrys Aufgabe war es gewesen, einen aus der Band zu küssen. Harrys erster Instinkt war Louis gewesen. Natürlich. Sie standen sich mit Abstand am nächsten. Aber als er Louis dann in die vom Alkohol verschleierten blauen Augen geblickt hatte, war ihm der seltsame Gedanke gekommen, dass er Louis nicht küssen wollte. Nicht betrunken. Nicht, weil eine blöde Flasche ihm das befahl. Und nicht auf die Gefahr hin, dass er sich am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern würde. Also hatte er auf Liam gezeigt.


***

Mit den Gedanken wieder zurück in der Gegenwart, stand Harry später am Abend erneut in der Küche. Er stand vor der Mikrowelle und wartete darauf, dass die Maiskörner begannen aufzupoppen. Denn neben den für Louis ungewöhnlich gesunden Lebensmitteln, hatte er natürlich auch weniger gesunde Sachen besorgt. Darunter Popcorn, das Harry gerade für sie zubereitete. Nachdem sie heute Nachmittag einige Stunden über Liams Hochzeitsvorbereitungen gebrüht hatten, gönnten sie sich jetzt einen freien Abend. Mit Popcorn, Bier und einem schönen Film. Harry freute sich. Überhaupt freute sich Harry gerade über alles. Er war glücklich. Louis war glücklich. Louis war bei ihm. Sie verbrachten Zeit zu zweit. Sie redeten. Über damals. Über heute. Sie lachten. Hatten Spaß zusammen. Planten Liams Hochzeit. Kochten – also Harry kochte und Louis schaute ihm zu. Sie waren Freunde. Richtig gute Freunde. Nicht wie damals. Anders. Aber deshalb nicht schlechter.

Obwohl Harry nur darauf wartete, dass die Maiskörner aufplatzen und zu Popcorn wurden, erschrak er sich als das erste Korn poppte. Dann wand er seine Aufmerksamkeit gänzlich der Mikrowelle zu. Hinter der milchigen Scheibe konnte er durch das rötlich schimmernde Licht sehen, wie sich die Schüssel langsam drehte. Die goldgelben Maiskörner sammelten sich in der Mitte der Schüssel und begannen jetzt nach und nach aufzuplatzen. Mit einem Knallen flogen sie ein Stück in die Höhe, um dann als aufgeplatztes Korn wieder in der Schüssel zu landen. Der Zucker, den Harry über die Körner geschüttet hatte, begann langsam zu schmelzen. Der süßliche Duft breitete sich immer weiter in der Küche aus und bald schon roch es hier wie im Kino. Ein Klicken signalisierte Harry, dass das Popcorn fertig war und er drückte den Knopf, mit dem die Mikrowellentür aufsprang. Heißer, süßlicher Dampf stieg Harry entgegen. Mit dem fertig karamellisierten Popcorn machte er sich schließlich auf den Weg ins Wohnzimmer.

An der Türe hielt Harry jedoch plötzlich Inne. Louis saß auf dem Sofa, auf seinem Schoß hatte er Harrys Gitarre, die er heute Mittag aus dem Keller hochgeholt hatte und zupfte eine Melodie. Leise summte Louis eine Melodie dazu und Harry konnte nicht anders als wie angewurzelt stehen zu bleiben. Die Melodie war Harry nur all zu bekannt und sofort breitete sich eine Gänsehaut auf seinem Körper aus. Es war zwar Ed gewesen, der den Song damals geschrieben hatte, doch Harry hatte immer das Gefühl gehabt, er hätte Harrys tiefste Gedanken erraten und aufgeschrieben. Die nächsten Zeilen sang Harry im Kopf mit und ohne, dass er es hätte kontrollieren können, stiegen ihm Tränen in die Augen.

I won't let these little things slip out of my mouth
But if it's true, it's you
It's you, they add up to
I'm in love with you
And all your little things


„Ich glaube, Ed hat damals mein Tagebuch gelesen und diesen Song über dich geschrieben“, Harry zuckte zusammen als Louis plötzlich aufhörte zu spielen.

„Du hast Tagebuch geschrieben?“, fragte Harry und fühlte sich nur ganz leicht ertappt. Mit der vollen Schüssel Popcorn kam er schließlich zur Couch.

„Nein, aber anders kann ich mir nicht erklären wie passend dieser Song ist“, Harry überhörte nicht, dass Louis im Präsens sprach, aber er versuchte sich nicht daran aufzuhängen.

„Wenn überhaupt hat Ed mein Tagebuch gelesen und den Song über dich geschrieben“, erwiderte Harry und setzte sich mit einem gewissen Abstand zu Louis aufs Sofa.

„Über mich? Quatsch. Dieser Song passt viel mehr auf dich. Du warst immer so unzufrieden mit dir selber und hast dich ständig für Kleinigkeiten kritisiert. Für all die Dinge, die ich- die ich an dir mochte“, Harry schüttelte vehement mit dem Kopf.

„Dafür lässt sich das ‘you‘ so schön durch ein ‘Lou‘ ersetzen. Eindeutig ein Song für dich“

„Weißt du in wie vielen Songs das Wort ‘you‘ vorkommt? Dann ist nahezu jeder Song für mich geschrieben. Außerdem gibt es nur eine Person, die ich kenne, die ohne eine Tasse Tee am Abend nicht einschlafen kann“, jetzt musste Harry lächeln. Da hatte Louis wohl nicht ganz unrecht.

„Ich habe es trotzdem immer nur für dich gesungen“, gestand Harry leise.

„Das weiß ich“, Louis beugte sich vor und griff nach dem Popcorn. Harry wusste nicht, ob das eine Masche war, seinem Blick auszuweichen.

„Willst du den Film anmachen?“, fragte Louis jetzt und stopfte sich Popcorn in den Mund. Harry nickte, nahm die Fernbedienung und drückte auf Play.

Louis lehnte sich entspannt in die Kissen, stellte die Schüssel Popcorn zwischen sie auf die Couch und konzentrierte sich auf den Film. Harry neben ihm, fiel es schwerer sich den Film anzuschauen. Er fand keine angenehme Sitzposition und fühlte sich seltsam verkrampft. Er wusste nicht, woran es lag, aber irgendetwas in ihm wollte sich nicht entspannen. Vielleicht weil ihm der Abstand zu Louis zu groß vorkam. Und ihn auf der anderen Seite die zufälligen Berührungen, wenn sie zeitgleich nach dem Popcorn griffen, aus dem Konzept brachten. Also setzte er sich irgendwann auf die Sofakante, nahm die Flasche Bier zwischen seine Hände und hoffte, dass der Alkohol seinem Körper die Anspannung nehmen würde. Doch letztendlich war es nicht der Alkohol, der das schaffte. Sondern Louis.

„Komm her, Harold“, Louis‘ Stimme war sanft und kaum mehr als ein Wispern.

Überrascht drehte Harry seinen Kopf zu dem Brünetten, nicht sicher, ob Louis tatsächlich etwas gesagt hatte. Doch da lag er, immer noch in die Kissen gekuschelt und hatte einen Arm nach Harry ausgestreckt. Bevor Harry sich zu sehr hätte den Kopf darüber zerbrechen können, entschied er sich, Louis‘ Angebot einfach anzunehmen. Also stellte er das Bier wieder auf die Glasplatte des Couchtischs zurück und krabbelte dann zu Louis herüber. Es war ihm egal, dass er sich gerade ganz und gar nicht erwachsen fühlte. Seinen Kopf bettete er in die Kuhle zwischen Louis‘ Schlüsselbein und seinem Hals. Seinen Körper schmiegte er eng an den von Louis. Louis‘ Arm schlang sich um Harrys Oberkörper und hielt ihn ganz fest. Seine Hand wanderte in Harrys Locken und nach wenigen Minuten begann er, leicht seine Kopfhaut zu kraueln. Harry hätte unter diesem Gefühl wie eine Katze schnurren können. Sein eigener Arm lag auf Louis‘ Bauch und mit den Fingern seiner linken Hand, begann er kleine Kreise auf Louis‘ Brust zu zeichnen. Es passierte alles ganz automatisch. Denn so hatten sie schon immer zusammen auf der Couch gelegen.

Harrys Augen wurden schwer. Das Licht des Fernsehers verschwamm immer mehr zu einem bunten Mix aus grellen Farben. Louis strahlte eine angenehme Wärme aus. Er roch nach Shampoo und Popcorn. Schon vor geraumer Zeit hatte Harry jegliche Körperbewegungen eingestellt. Er nahm tiefe und ruhige Atemzüge. Bei jedem Einatmen, wenn ihm der vertraute Duft in die Nase stieg, machte sein Herz einen Satz. Louis‘ Hand in Harrys Haaren spielte unaufhörlich mit seinen Locken. Es fühlte sich gut an. In diesem Moment schaffte es Harry, all seine Gedanken Beiseite zu schieben. Da war keine Reue, weil er sich selbst die Möglichkeit genommen hatte, genau das die letzten fünf Jahre zu erleben. Da war kein Schuldgefühl, weil er es eigentlich überhaupt nicht verdient hatte, dass Louis gerade bei ihm war. Da war keine Angst, dass er es wieder kaputt machen könnte. Alles was gerade in Harrys Gedanken war, waren kleine rosa Puffwolken. Sie schwebten langsam in seinem Kopf umher, verteilten ein angenehmes Kribbeln und ließen zu, dass Harry sich in diesem Moment unendlich frei fühlte. Frei und glücklich.

***

Als Harry wach wurde, brauchte er einen Moment, um sich zu orientieren. Einige Sonnenstrahlen erhellten das Wohnzimmer und tauchten den Raum in ein warmes orange-gelb. Harry konnte beobachten, wie die Staubpartikel durch die Luft schwebten. Er lag auf etwas weichem. Etwas, das sich im Takt zu seinem eigenen Atem leicht bewegte. Er schielte zu Louis, der unter ihm lag, ohne sich groß zu bewegen. Der Doncaster hatte die Augen geschlossen und schien noch zu schlafen. Eine von den grauen Decken war über sie gelegt. Obwohl Harry nicht wusste, wie spät es war, fühlte er sich ausgeschlafen. Trotzdem blieb er noch einige Minuten ruhig liegen. Einerseits um Louis nicht zu wecken, andererseits um noch ein bisschen länger seine Nähe und Wärme zu genießen. Gerade als er beschloss, bald aufzustehen, überkam ihn doch wieder die Müdigkeit und er schlief nochmal ein.

Das nächste Mal wurde Harry davon wach, dass sich sein warmer und weicher Untergrund bewegte.

„Guten Morgen“, murmelte Louis in seine Haare.

„Morgen“, nuschelte Harry an seiner Brust.

„Wie spät ist es?“, fragte Louis und gähnte einmal herzhaft.

„Keine Ahnung“, sagte Harry und kuschelte sich demonstrativ enger an Louis. Er wollte noch nicht aufstehen. Louis‘ Nähe war viel zu schön, um sich von ihr zu lösen.

„Es ist bestimmt schon viel zu spät“, murmelte Louis und begann sich langsam unter Harry zu strecken.

„Wieso? Hast du noch was vor?“, fragte Harry und klang dabei einen Tick zu beiläufig.

„Ja, habe ich tatsächlich“, sanft schob Louis Harry von sich runter. Der Jüngere versuchte es mit einem protestierenden Murren, aber Louis konnte darüber nur grinsen.

„Du bist ganz schön besitzergreifend“

„Du schiebst mich ja auch einfach von dir runter. Und dann bist du gleich auch noch weg“, Harry wusste, wie zickig er klang, aber das war ihm in diesem Moment egal.

„Du bist ja eifersüchtig“, stellte Louis fest. Harry leugnete es nicht.

„Brauchst du aber nicht sein. Das was ich vor habe, habe ich mit dir vor“, augenblicklich hellte Harrys Stimmung sich auf.

„Was hast du denn vor?“, fragte Harry jetzt und klang deutlich wacher als noch vor wenigen Minuten.

„Wir gehen spazieren. Im Brunswick Park“, eröffnete Louis. Harry, der sich eben noch gefreut hatte, beobachtete Louis jetzt stirnrunzelnd.

„Warum denn im Brunswick Park?“

„Warum denn nicht?“, Harry wären das so einige Gründe eingefallen. Zuallererst einmal der, dass der Brunswick Park nur etwa zwanzig Minuten vom Princess Park Manor entfernt war. Wenn sie etwas mehr Ruhe haben wollten, sind sie meist dort hin ausgewichen.

„Es ist Sonntag. Weißt du wie viel sonntags bei Sonnenschein in solchen Parks los ist?“, es war ein berechtigter Einwand. Wenn auch nicht der eigentliche Grund, aus dem Harry diesen Spaziergang nicht machen wollte.

„Ach quatsch. Es ist immer noch Februar und kalt draußen, da geht niemand freiwillig vor die Türe. Außerdem sind wir gut darin aufzupassen“, dem konnte Harry nicht unbedingt zustimmen. Louis hatte zwar teilweise recht, wenn er überlegte, wie viel Scheiße sie gebaut hatten und wie wenig – glücklicherweise – davon in der Presse gelandet war, dann ja, dann waren sie gut im Aufpassen. Auf der anderen Seite waren sie aber auch in mehr als einem Interview unvorsichtig gewesen und hätten mehr verraten als das Management ihnen erlaubte.

„Ich weiß ja nicht“, mittlerweile war auch Harry aufgestanden, faltete die Decke und legte sie in die Ecke des Sofas. Waschen würde er diese Decke vermutlich zu Lebzeiten nicht mehr – sie roch nämlich nach Louis.

„Nix da, du drückst dich nicht. Außerdem habe ich einen ersten Entwurf für meine Trauzeugenrede und ich weiß ganz genau, dass du die hören willst. Ich werde sie dir aber nur vorlesen, wenn du dich jetzt nicht rausredest und mit mir im Brunswick spazieren gehst“

„Du erpresst mich“, empörte sich Harry. Doch Louis grinste nur breit, er wusste, dass er gewonnen hatte.

***

Flashback:

„Psst! Seid leise, da hinten sind welche“, wisperte Liam.

„Wir könnten sie erschrecken, wenn sie an uns vorbeigehen“, schlug Louis vor. Er kassierte für diesen Vorschlag von Zayn einen Boxhieb.

„Ahhh, ich glaube mich hat was gebissen“, schrie Niall plötzlich auf und fuchtelte wild mit den Armen herum.

„Halt die Klappe, Nialler“, wies Zayn ihn an. Als Niall aber immer noch wild um sich schlug, packte Zayn ihn am Nacken und hielt ihm mit der anderen Hand den Mund zu.

„Wieso müssen wir uns überhaupt verstecken?“, wollte Harry wissen, der hinter Louis hockte und sich an seinem Arm festhielt.

„Wir sind aus dem Manor ausgebrochen. Was glaubst du, was die machen, wenn die uns hier erwischen?“

„Wir sind nicht ausgebrochen. Das Manor ist doch kein Gefängnis“, wisperte Harry und versuchte an Louis vorbeizuschielen, um zu erkennen vor wem sie sich überhaupt versteckten.

„Naja, ab 23 Uhr ist Nachtruhe und wir müssen auf unseren Zimmern sein. Klingt schon ziemlich wie Gefängnis, finde ich“, murmelte Zayn.

„Und ohne Paul dürfen wir sowieso nicht rumlaufen. Wir sind also ganz schön kriminell unterwegs gerade“, surrte Louis mit mystischer Stimme. Harry bekam tatsächlich eine Gänsehaut.

„Ich glaube, sie sind weg“, verkündete Liam und krabbelte als erster aus den Büschen, in denen sie sich versteckt hatten.

„Ich habe überall Tiere. Es krabbelt und kitzelt“, Niall schüttelte sich als auch er aus den Büschen gekrochen kam. Dann zischte er mit schmerzverzehrter Miene auf.

„Shit. Shit. Shit. Ich habe doch gesagt, mich hat was gebissen“, presste er aus zusammengebissenen Zähnen hervor und hielt den anderen Jungen sein Bein hin. Tatsächlich zeichnete sich eine deutlich geschwollene und rote Stelle an seiner Wade ab.

„Wirst du es überleben?“, fragte Zayn unbeeindruckt.

„Das tut wirklich weh“, murmelte Niall nur.

„Du hast überall Blätter“, stellte Louis grinsend fest und blieb dicht vor Harry stehen. Dann begann er die Blätter und Zweige, die sich in Harrys Locken verfangen hatte, vorsichtig rauszuziehen.

„Wollt ihr hier Wurzeln schlagen? Kommt schon“, neckte Liam sie und ging mit Zayn voran. Niall folgte ihnen humpelnd. Louis griff nach Harrys Hand und zog ihn mit sich. Bis sie an dem kleinen See ankamen, ließ er Harrys Hand nicht los.

„Uhhh, voll das romantische Mitternachtspicknick“, raunte Zayn, als sie begannen die Inhalte ihrer Rucksäcke auszupacken und sich tatsächlich ein kleines Lager direkt am Seeufer bauten.

„Keine Sorge, Zee. Du erstickst jede Romantik im Keim“, mit einem Kopfnicken deutete Louis auf die Joints, die Zayn aus seinem Rucksack geholt hatte. Zayn zuckte entschuldigend mit den Schultern.

„Wer will alles ein Bier?“, Liam hielt fragend einige Dosen in die Höhe und verteilte sie dann an alle.

„Das sollten wir häufiger machen“, meinte Niall plötzlich.

„Was genau? Ausbrechen oder uns in Büschen verstecken und uns beißen lassen?“

„Sehr lustig. Das tut weh, du Idiot“, murrte Niall.

„Ich meinte eigentlich, einfach hier entspannt zusammensitzen“

„Ja, das ist wirklich cool“

„Und feiern gehen. Das müssen wir unbedingt auch nochmal machen“

„Auf jeden Fall“

„Aber das müssen wir dann auch heimlich machen“, warf Louis ein.

„Wieso heimlich? Zuletzt haben wir das doch auch mit Paul abgesprochen und dann waren wir in diesem Underground Club“

„Ja, aber Simon hat danach mit mir gesprochen. Er sieht das nicht gerne“

„Wieso?“, wollte jetzt auch Harry wissen. Er war verwirrt, dass Louis ihm gar nichts von diesem Gespräch mit Simon erzählt hatte.

„Naja, wenn wir feiern gehen und trinken und dann dabei fotografiert werden – das macht halt nicht so gute Publicity. Und vor allem wird das auch immer kritischer, wenn wir dann mit irgendwelchen Mädchen gesehen werden. Und Paul macht sich Sorgen wegen unserer Sicherheit“

„Unsere Sicherheit?“

„Jungs, man kennt uns mittlerweile. Wir werden auf der Straße erkannt und auch, wenn wir feiern gehen. Wir haben jetzt Fans, aber glaubt mir, wir haben da draußen auch ganz schön viele Neider oder Hater und so“, bei dem Wort ‘Fans‘ begann Harrys Körper auf seltsame Art und Weise zu kribbeln. Er konnte noch immer nicht begreifen, dass er jetzt in einer echten Boyband war und sogar weltweit Fans haben sollte. Das wirkte alles wie ein Traum. Nichts davon wirkte wirklich echt.

„Ich habe vor ein paar Tagen ganz schön gehässige Kommentare über Twitter bekommen“, erzählte Niall jetzt.

„So dumme Kommentare, dass ich nicht so gut singen könnte wie ihr. Und dass ich als Ire nichts in einer britische Boyband verloren hätte“

„Du weißt, dass nichts davon stimmt, was die da posten. Die sind nur neidisch“, sagte Liam schnell.

„Ich weiß. Ich nehme das auch gar nicht ernst. Aber es fühlt sich trotzdem komisch an, findet ihr nicht?“, Nialls große Augen musterten jetzt die anderen Jungen.

„An machen Tagen traue ich mich gar nichts ins Internet zu gehen. Manche Beleidigungen sind so – es tut richtig weh, so etwas zu lesen“, gab Harry leise zu. Nur bei der Erinnerung an all die hasserfüllten Kommentare, die er in den letzten Monaten gelesen hatte, kamen ihm die Tränen. Reflexartig machte er sich kleiner, legte die Arme um seine angewinkelten Beine und zog den Kopf ein. Bis er Louis‘ Hand an seinem Rücken spürte, die ihn vorsichtig näher zog.

„Das ist alles Bullshit, was die schreiben. Glaub denen bloß nichts. Keiner von uns sollte irgendwas auf die Meinung von diesen anonymen Idioten geben. Das ist doch eh alles scheiße, was die das zusammenreimen“, wäre es nicht so ein ernstes Thema, hätte Harry über die Art und Weise geschmunzelt, wie Louis fluchte. Er fand es irgendwie süß. Und mit seinem sehr ausgeprägten Akzent klangen einige Worte viel niedlicher, als sie wahrscheinlich klingen sollten.

„Tommo hat recht. Die ganzen Beleidigungen sind total aus der Luft gegriffen“, meinte jetzt auch Zayn.

„Wisst ihr unter wie vielen Bildern ich schon als Schwuchtel beleidigt wurde, nur weil meine Klamotten angeblich schwul aussähen? Ich pfeife auf solche Kommentare“, Harry runzelte die Stirn. Louis hatte ihm diese Kommentare gezeigt und Harry konnte nicht begreifen, wie er solche fiesen Sprüche einfach ignorieren konnte. Ihm selbst machte der ganze Hate schon ziemlich zu schaffen.

„Na, so ganz unrecht haben die aber nicht. Diese komische lilafarbene Mütze von dir sieht wirklich ein bisschen schwul aus“, feixend streckte Zayn Louis die Zunge raus.

„Die ist cool, okay?“, versuchte Louis sich zu verteidigen.

„Nein, definitiv nicht“

„Die ist absolut nicht cool“, gab Liam Zayn recht.

„Ach, ihr habt nur keinen Style“, Louis‘ wegwerfenden Handbewegung brachte die anderen Jungen zum Lachen. Alle außer Harry. Harry gefiel dieses ganze Thema irgendwie nicht.

„Außerdem bin ich nicht schwul. Ich bin ja mal so überhaupt nicht schwul – ich habe eine Freundin“, verteidigte Louis sich weiter.

„Oh ja, die ganz große Liebe“, witzelte Niall. Sie wussten alle, dass das zwischen Louis und Eleanor mehr arrangiert als echt war.

„Und wenn schon. Deshalb bin ich noch lange nicht schwul“, meinte Louis nur schulterzuckend.

„Stellt euch mal Simons Gesicht vor. Der würde doch aus allen Wolken fallen“

„Stellt euch mal die Gesichter sämtlicher Menschen vor. Die würden alle nicht mehr auf ihr Leben klarkommen“

„Und unseren weiblichen Fans würden wir damit reihenweise die Herzen brechen“

„Ich glaube, wir würden richtig Probleme bekommen dann“, meinte Louis ernst.

„Die würden uns dann wahrscheinlich alle hassen“

„Für dich würde sich also nicht viel ändern. Dich hassen sie doch ohnehin schon, weil du Ire bist“, frotzelte Zayn.

„Ach, das sind doch nur ein paar Idioten. Die meisten lieben mich für meine echt irische Art“, Niall plusterte sich stolz auf, was die anderen Jungs zum Lachen brachte.

„Nein, sie lieben dich für deine verpeilte Art“, die anderen Jungs scherzten weiter herum, doch Harry fühlte sich seltsam.

„Hazza, du bist gut so wie du bist. Hör nicht darauf, was andere sagen“, Louis hatte sich zu Harry gebeugt und ihm diese Worte ins Ohr geflüstert, dass nur er sie verstand. Überrascht konnte Harry nur nicken.

„Ist das deiner?“, fragte Niall plötzlich und hielt einen von Zayns Joints in die Höhe. Vergessen war, worüber sie eben noch geredet und gescherzt hatten.

„Gib mir den wieder, Nialler“, rief Zayn als Niall aufstand und mit dem Joint in der Hand vor Zayn wegrannte.

„Fang“, rief er Liam zu. Bevor Harry weiter grübeln und sich fragen konnte, ob Louis ihm mit seiner Aussage etwas bestimmtes hatte sagen wollen, brach eine lustige Verfolgungsjagd aus. Sie jagten sich durch die Dunkelheit, hetzten einander hinterher und durbrachen mit ihrem Gelächter die nächtliche Stille.

Erst als sie in den frühen Morgenstunden zurück zum Princess Park Manor schlichen und Harry schließlich in seinem Bett lag, in Louis‘ Arme gekuschelt und kurz vorm Einschlafen war, kamen die Gedanken zurück. Und in diesem Moment beschloss er eine Sache für sich. Egal wie unsicher er sich aktuell war und wie angezogen er sich von beiden Geschlechtern auch fühlen mochte, solange er Teil einer Boyband war, würde er sich nicht erlauben, über seine Sexualität nachzudenken. Denn niemals wollte er der Grund dafür sein, dass andere Menschen ihn und seine Freunde hassten. Er würde nie riskieren, dass sie deshalb Probleme bekommen könnten. Nicht, wenn er die Menschen, die ihm so viel bedeuteten, da mit reinziehen würde. Nicht wenn er den Menschen, der ihm womöglich am meisten bedeutete, da mit reinziehen würde. Dieses Risiko würde Harry nicht eingehen.


***

„Wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken?“, wollte Louis wissen und zog den Schal höher. Obwohl die Sonne schien, war der Wind eiskalt.

„Da vorne am See haben wir früher oft gesessen. Auch mit den anderen Jungs“, erinnerte Harry sich und zeigte grob in eine Richtung am Seeufer.

„Ist lange her, nicht wahr?“

„Du klingst wie so ein weiser, alter Mann“, Harry lachte.

„Ich bin ein weiser, alter Mann“, sagte Louis und lachte jetzt auch.

„Warum ausgerechnet der Brunswick Park?“, diese Frage hatte Harry schon die ganze Zeit über stellen wollen.

„Weil ich hier gerne spazieren gehen“, sagte Louis. Harry wollte schon was darauf erwidert, doch Louis sprach weiter.

„Und dabei denke ich viel an früher. Der Princess Park ist nicht weit von hier. Als wir alle noch da gewohnt haben, als wir beide noch zusammengewohnt haben – ich erinnere mich gerne an diese Zeiten zurück. Naja, und manchmal habe ich mir dann ausgemalt, wie es sein würde, jetzt nach all den Jahren, hier mit dir lang zu gehen“, Louis drehte sich zu Harry und lächelte ihn an.

„Und ich finde es wirklich schön“, sagte er ehrlich.

„Ich auch“, gab Harry leise zurück.

„Es gibt ganz schön viele Dinge, die ich mit dir noch vorhabe. Wir haben einiges aufzuholen, meinst du nicht?“, ein vor freudiges Glitzern trat in Louis‘ Augen und Harry wurde ganz warm ums Herz.

„Was denn so?“, fragte er und grinste.

„Wir haben nie unseren Paris Urlaub gemacht. Ich meine, wir haben in Paris Konzerte gespielt und wir waren einige Tage während unserer Tour dort. Aber wir wollten richtig Urlaub machen. Nur wir zwei“, Harry nickte bei der Erinnerung, wie sie in ihrem Hotelzimmer gesessen und Pläne für zukünftige Urlaube geschmiedet hatten.

„Es gibt viel, was wir noch aufholen müssen. Und ich will wieder mit dir Musik machen“

„Was?“, fragte Harry überrascht.

„Ich meine nicht – also… Ich will einfach nur so mit dir Musik machen. Nicht vor Publikum oder für eine Single oder so. Einfach nur so. Wie früher. Ein paar Akkorde mit der Gitarre und dazu singen“, erklärte Louis und stolperte über einige Worte, weil er so schnell sprach.

„Das fände ich auch schön“, sagte Harry dann und konnte es kaum erwarten.

„Es sei denn, du könntest dir vorstellen, auch vor Publikum zusammen Musik zu machen“, fragte Louis jetzt kleinlaut.

„Vor Publikum?“

„Ja. Nichts Großes. Und nicht in der Öffentlichkeit. Nur für uns. Und für- also, ich dachte, vielleicht könnten wir auf Liams Hochzeit-“, Harry fiel Louis‘ ins Wort.

„Das wäre großartig“, sagte er sofort begeistert.

„Das wäre- das wäre wirklich toll. Ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie sehr Liam sich freuen würde. Wir müssen später Niall fragen, wenn wir mit ihm telefonieren. Niall wird auch begeistert sein. Die Idee ist spitze“, Harry konnte seine Begeisterung kaum zügeln. Louis grinste.

„Wir könnten ein paar der alten Songs von uns performen“, redete Harry weiter.

„Liam muss dann natürlich mitsingen. Vielleicht sollten wir ihn dann doch einweihen, damit er sich auch vorbereiten kann. Aber dann wäre die Überraschung hin. Wir sollten ihn also nicht einweihen. Wir nehmen einfach Songs, bei denen er textsicher ist. Ach was rede ich da. Wir sprechen hier von Liam. Liam ist immer textsicher. Er wird sich so richtig freuen“, die Worte sprudelten nur so aus Harry heraus. Ohne Punkt und Komma redete er wild drauf los.#

Bis er irgendwann überrascht mitten im Satz Inne hielt. Louis hatte ihm breit grinsend zugehört. Doch dann hatte er plötzlich nach Harrys Hand gegriffen. Er hatte seine kleine Hand in die von Harry gelegt, ihre Finder miteinander verflochten und Harry sorglos angelächelt. Harry, den diese Geste kurzeitig aus dem Konzept gebracht hatte, war stehen geblieben. Kleine elektrische Stromimpulse schossen durch Harrys Körper, während er sich der Nähe zu Louis‘ Körper immer bewusster wurde. Als er dann in Louis‘ ozeanblaue Augen sah und das Gefühl hatte in dieses weite, blaue Meer einzutauchen, kribbelte sein gesamter Körper. Wie ganz von allein verzogen sich seine Lippen zu einem seligen Lächeln. Er verstärkte den Griff um Louis‘ kleine Hand, die so perfekt in seine passte. Er fühlte sich ungewöhnlich beflügelt. Und dann gingen sie weiter. Sprachen über Liams Hochzeit, planten weiter, lachten. Es fühlte sich an, als würde sich die Welt nur für sie beide drehen. Und Harry, Harry gefiel dieses Gefühl
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