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Night Changes At Christmas

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Harry Styles Liam Payne Louis Tomlinson Niall Horan Zayn Malik
23.11.2020
25.04.2021
20
116.409
13
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Dieses Kapitel
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23.11.2020 1.520
 
Er stand hinter der Bühne und befeuchtete mit der Zunge seine trockenen und leicht rissigen Lippen. Er sollte schnell zurück zu seiner Garderobe und sich den Lippenbalsam einstecken, bevor ihm die Lippen beim Singen aufplatzten. Doch das würde er zeitlich nicht mehr schaffen. Also konnte er nur hoffen, dass er nicht mitten im Konzert mit blutenden Lippen vor dem Publikum stehen würde. Ein fruchterregend großes Publikum. Und er ganz alleine auf dieser gottverdammten Bühne. Alle Augen würden auf ihn gerichtet sein. Nur ihn. Sie würde ihn beobachten. Sie würden nur auf Fehler von ihm warten. Da draußen waren so viele Menschen, die er enttäuscht hatte.

In den letzten Wochen war es schlimmer geworden. Er hatte das Gefühl, jeder würde ihn nur kritisieren. Und sie beobachteten ihn alle ganz genau, nur um ja keinen noch so kleinen Patzer zu verpassen. Er wollte nicht wissen, was die Leute über ihn dachten. Was sie über ihn sagten und was sie über ihn schrieben. Aber er konnte sich nicht vollkommen davor verstecken. War er doch dauernd damit konfrontiert. Er konnte den Medien gar nicht aus dem Weg gehen. Egal wo er hinging, sie waren schon da. Egal was er versuchte, irgendeiner schaffte es immer.

Er spürte es. Erst ganz verschwommen, dann immer deutlicher. Eine Panikattacke. Sie würde ihn überrollen. Einfach so und er würde nichts dagegen tun können. Sein Herz begann immer kräftiger in seiner Brust zu schlagen. Es war kein angenehmes Gefühl wie das eines frisch Verliebten. Es fühlte sich an als würde sein Herz sich immer weiter verkrampfen und wieder und wieder. Und doch nicht genug Blut durch seinen Körper pumpen. Seine Fingerspitzen begangen zu kribbeln. Bekam er überhaupt noch Luft? Es fühlte sich nicht so an als würde er amten. Er schloss die Augen, weil die Welt sich immer mehr zu drehen begann.

Beinahe wünschte er sich einfach sein Bewusstsein zu verlieren. Dann würde er in diesem warmen, schwarzen, schwerelosen Raum herumschweben. Aber diese Erlösung kam nicht. Stattdessen spürte er wie sein Körper bebte. Seine Beine zitterten so stark, dass er Mühe hatte sich aufrecht zu halten. Panisch riss er die Augen auf und schnappte nach Luft, doch es schien kein Sauerstoff in seine Lungen zu gelangen. Er versuchte es wieder. Und wieder. Schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen. Schnell kniff er seine Augen wieder zusammen, weil ihm schlecht wurde, je mehr sich die Welt um ihn herum zu drehen schien. Er wollte sich gerade in die einladende Schwärze fallen lassen, da spürte er etwas an seiner Hand.

Warme Finger, die zögerlich seinen Handrücken streiften. Ganz vorsichtig und behutsam, als sei er zerbrechlich, fuhren die Finger an seiner Hand auf und ab. Hinterließen ein angenehmes Kribbeln. Langsam wanderten die Finger zu seiner Handfläche und hinterließen dort ein Prickeln. Er hatte eine solch sanfte Berührung noch nie so intensiv wahrgenommen. Fast fühlte es sich, als würde er sich die fremde Hand an seiner nur einbilden, so zärtlich schwebten sie über seine Haut. Es fühlte sich an wie tausend kleine Küsse. Beinahe nur ein Lufthauch von Berührung. Doch es war genug.

Er spürte, wie sein ganzer Körper auf diese Berührung reagierte. Seine Muskeln entspannten sich. Sein Puls pendelte sich in einem angenehmen Rhythmus ein. In seinem Bauch begann es zwar zu Kribbeln, doch das hatte andere Gründe, das wusste er. Und es war ein schönes Gefühl. Das gleiche Gefühl, dass dafür sorgte, dass er tief einatmete und dabei den vertrauten Duft einsog, der ihn schon immer beruhigt hatte. So roch zuhause. So roch nur er. Und ihn in seiner Nähe zu wissen, war alles was er brauchte, um ein winziges Lächeln zuzulassen.

Wieder glitten die Finger wie ein Lufthauch über seine Haut. Doch jetzt wollte er mehr. Wollte die starke Hand in seiner spüren. Er wusste, dass seine Hand viel kleiner war als seine Eigene und doch schaffte sie es problemlos ihm Kraft und Halt zu spenden. Und das brauchte er gerade mehr als alles andere. Er wollte ihre Finger miteinander verweben und ihn nie wieder loslassen.

„Zwei Minuten“, eine furchtbar schrille Stimme ließ ihn die Augen öffnen.

Eine Frau Ende vierzig war ohne stehen zu bleiben an ihm vorbeigeeilt, hatte dabei auf ihre Armbanduhr gezeigt und ihm damit zu verstehen gegeben, dass er in zwei Minuten auf die Bühne musste. Ein junger Mann kam mit schnellen Schritten aus einer der Türen, die gegenüber von ihm waren und rempelte ihn versehentlich an, bevor er hinter einer anderen Türe wieder verschwand.

Verwirrt und überfordert sah er sich hektisch um. Niemand stand bei ihm. Er starrte auf seine Hand, aber er sah nur verschwommen und konnte nicht mal alle fünf Finger abzählen. Panisch berührte er sich mit seiner anderen Hand, doch die eiskalten Finger auf seiner Haut machten es nicht besser. Wo war er? Er hatte doch gerade noch seine Hand gehalten. Er hatte ihn gespürt. Er war da gewesen. Wie er immer da gewesen war, wenn er ihn gebraucht hatte. Er würde ihn nicht im Stich lassen. Das würde er doch nicht, oder?

„Wo – wo ist – wo ist er?“, seine eigene Stimme klang fremd in seinen Ohren.

„Wo ist er?“, wiederholte er, diesmal lauter.

Der junge Mann, der ihn angerempelt hatte, kam auf ihn zu, blickte ihn besorgt an und schob ihn dann wortlos Richtung Bühneneingang. Er versuchte sich zu wehren, war aber machtlos. Ihm wurde sein Mikrofon in die Hand gedrückt, dann wurde er wieder angerempelt und plötzlich stand er auf der Bühne. Grelles, viel zu helles Licht blendete ihn. Laute Stimmen füllten die Arena. Sie klatschten, riefen, lachten. Die Luft war heiß und stickig. Panisch blickte er über seine Schulter zurück, doch hinter ihn war eine schwarze Wand. Irritiert taumelte er einige Schritte nach vorne. Das Publikum wurde augenblicklich lauter.

Er blinzelte, doch das Licht war zu hell, er konnte nichts sehen. Er hob einen Arm, um sich vor dem Licht abzuschirmen, doch sein Arm fühlte sich an, wie Blei und er ließ ihn schnell wieder sinken. Er versuchte einige Schritte nach vorne zu gehen, doch auch seine Beine waren plötzlich viel zu schwer, um sie zu bewegen. Die Rufe wurden lauter. Aggressiver. Die Luft wurde immer stickiger.

„Sing endlich, Versager“, eine schneidende Stimme hob sich von allen andern ab. Er kannte diese Stimme. Er kannte sie. Doch –

„Zayn?“, murmelte er kaum hörbar, doch es schien, als hätte ihn jeder hier verstanden. Plötzlich wurde es still.

„Nein, Zayn ist nicht mehr da. Deinetwegen“, eine andere Stimme, oder war es die gleiche? durchbrach die Stille.

„Liam? Liam? Bist du das?“, er strengte sich an, doch er konnte immer noch nichts erkennen. Egal wie sehr er es auch versuchte.

„Du hast Liam von dir gestoßen, glaubst du wirklich er läuft dir immer noch hinterher, um für dich da zu sein? Du hattest genug Chancen“

„Niall?“, rief er verzweifelt.

„Warum denkst du, dass sie hier sind? Du hättest sie jederzeit um dich haben können, aber das wolltest du nicht mehr. Du wolltest weg von ihnen. Du bist weg von ihnen. Und es ist alles deine Schuld“, eine Frauenstimme hatte das Wort gegen ihn gerichtet. Erst konnte er die Stimme niemandem zuordnen, doch dann –

„Gemma?“

„Ja, ich bin noch hier. Aber ich bin die Einzige, die noch hier ist“, plötzlich verschwand der helle Lichtstrahl und er konnte seine Umgebung wieder wahrnehmen. Er stand immer noch auf der Bühne, doch niemand war im Publikum. Alle Stühle waren verlassen, einige leere Becher lagen auf dem Boden. Er war alleine.

„Er war hier“, sagte er mit tränenerstickter Stimme und versuchte sich an das Gefühl zu erinnern, als er seine Hand gehalten hatte.

„Du kannst nicht mal seinen Namen sagen. Du kannst nicht mal seinen Namen denken. Glaubst du wirklich, dass er dann zu dir zurück kommen würde?  Zu dir zurück? Das wird er nie wieder. Nie wieder hörst du“

„Nie wieder“, wiederholte er ungläubig und wollte die Wahrheit hinter diesen Worten nicht wahrhaben.

„Nein! Nein!“, schrie er aufgebracht. Die Tränen liefen ihm unaufhaltsam über seine Wangen.

„Nein“, es war eine Mischung aus Schreien und Schluchzen.

„Nein“, sagte er beinahe tonlos. Er hatte die Augen geschlossen, den Tränen ihren freien Lauf gelassen und weinte. Er spürte, wie von hinten jemand an ihn heran trat. Dann atmete er ein und nahm den einzigartigen Duft wahr, der ihm so vertraut war und ihm zuhause signalisierte.

„Louis?“

Dann riss er die Augen auf.

Harry lag schweißnass gebadete in seinem Bett. Schwer atmend versuchte er die Erinnerungen an diesen seltsamen Traum aus seinen Gedanken zu verbannen. Er rieb sich mit der Hand über die Augen und merkte erst dann, dass seine Wangen tränennass waren. Ziemlich aufgewühlt starrte Harry an die Decke. Er spürte die Müdigkeit in seinen Knochen, doch auch die Angst, seine Augen wieder zu schließen.

Der Traum hatte sich zu echt angefühlt. Er hatte sich zu echt angefühlt.



Willkommen zu meiner ersten Fanfiktion in diesem Fandom.
Ich werde versuchen jeden Sonntag ein neues Kapitel hochzuladen.
Ich bin jetzt kein Ultra-Directioner, vergebt mir also kleine Fehler (ist ja auch immer noch eine ausgedachte Geschichte)

Für Kritik, Anregungen, Fragen oder Feedback bin ich immer offen <3

Ich wünsche euch ganz viel Spaß mit dieser Larry Fanfiktion <3

~xoxo Honeycheeks~
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