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Aller Anfang ist schwer

GeschichteRomance, Familie / P12 / MaleSlash
22.11.2020
31.12.2020
10
14.574
6
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Dieses Kapitel
1 Review
 
09.12.2020 1.543
 
„Warte - bist du eifersüchtig?“
Ich wollte und konnte mir den neckenden Tonfall einfach nicht verkneifen. Wie zu erwarten setze Geralt sofort den finsteren Blick auf, mit dem ich mittlerweile so vertraut war. Sogar sein Schnauben konnte ich praktisch auf die Sekunde genau voraussagen. Die Vertrautheit, die in diesem Ablauf lag, machte mein Herz leicht und schwer zugleich.
„Auf einen fiktionalen Charakter?“, fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen zurück.
Heute war Filmvormittag angesagt - ich hätte auch nie gedacht, dass ich sowas mal sagen würde. Normalerweise verbrachte ich meine Samstagvormittage im Bett. Doch Ciri war im Moment bei einem Freund zum Spielen, weshalb Geralt etwas freie Zeit übrig hatte. Ergo hatten wir uns zum Filmgucken verabredet, da es sonst wirklich eine Herausforderung war, einen Termin für dergleichen zu finden.
„Ohne dich angreifen zu wollen, aber der junge Harrison Ford wäre schon ein schwerer Gegner für dich“, gab ich lapidar zurück.
Noch gestern Abend hatten wir uns via Textnachrichten und einer sehr langen Diskussion auf Indiana Jones geeinigt, mit dem wir überraschenderweise beide etwas anfangen konnten. Grundsätzlich hatte das nach einer guten Idee geklungen. Doch dann hatte er nach einem meiner Kommentare zum Aussehen des Protagonisten leicht eingeschnappt gewirkt. Auch wenn ich normalerweise vermied, ihn allzu sehr zu triezen, musste ich das gerade ein wenig auskosten.
„Der hätte keine Chance gegen mich… also in einem Kampf oder so. Er ist ja trotz allem nur ein Collegeprofessor. Ist dir nicht aufgefallen, wie schlampig seine Faustschläge sind?“
Daraufhin musste ich mir erst mal ein Grinsen verkneifen. Grundsätzlich war es ja lieb, dass er dachte, mir könnte sowas auffallen. Aber ich hatte gar keine Ahnung von solchen Dingen.
„Nein, das habe ich nicht bemerkt. Ich bin da auch kein Experte wie du.“
Anstatt das Thema unter den Tisch fallen zu lassen, pausiert er den Film und stand auf. Es machte allen Anschein, als wollte er mir nun demonstrieren, was er genau meinte. Zu allem Überfluss zog er mich ebenfalls auf die Beine, wobei er meine Hand mit der seinen umschloss. In dieser Position verharrten wir zunächst - ich versuchte derweil, meinen Herzschlag zu beruhigen. Glücklicherweise schien mein Gastgeber davon nichts mitzubekommen. Zuerst korrigierte er meinen Stand, weil das so viel zu instabil sei. Bevor ich erwidern konnte, dass ich ihn nicht hierum gebeten hatte, zeigte er mir, wie er den Schlag ausführen würde.
„Siehst du, es ist eigentlich nicht schwer. Man muss es nur richtig machen.”
Danach wiederholte er es noch ein paar Mal. In der Zwischenzeit versuchte ich, das Zusammenspiel seiner Muskeln so gut wie möglich zu ignorieren. Dementsprechend gering fiel meine Konzentration bei seinen Demonstrationen aus. Infolgedessen war die Bewegung, die ich vermeintlich nachmachte, völlig falsch und wurde prompt korrigiert. Dabei kamen wir uns sehr nahe, was schön und beängstigend zugleich war. Immerhin schenkte er mir ein kleines Grinsen, als er meine Armhaltung nachbesserte, um anschließend meinen Arm in die von ihm angestrebte Bewegung führte.
„Perfekt und jetzt musst du es nur alleine machen.”
Tatsächlich machte ich meine Sache gut, denn nach meinem nächsten Versuch klopfte er mir anerkennend auf die Schulter. Unsere Blicke trafen sich und musste ihn einfach anstrahlen - es fühlte sich richtig an in diesem Augenblick. Ehe Geralt etwas zu mir sagen konnte, klingelte es an der Tür, was uns beide kurz erstarren ließ und diesen kleinen Moment zwischen uns zerstörte.
„Da muss ich hingehen”, meinte er entschuldigend.
Ich blieb im Wohnzimmer zurück, da es keinen triftigen Grund gab, mit ihm mitzugehen. Dies bot mir Zeit, über die letzten zehn Minuten nachzudenken, die sich unerwartet intensiv angefühlt hatten. Fast hätte ich mich dermaßen in meinen Gedanken verloren, dass ich die Kinderstimmen an der Tür überhört hätte. Ziemlich schnell stellte ich für mich selbst die These auf, dass Ciri wohl früher als ausgemacht nach Hause gebracht worden war.  Bei dieser Annahme wurde mir etwas übel, weil wir uns dann jetzt zum ersten Mal treffen würden und ich überhaupt nicht darauf vorbereitet war. Unser Plan war ursprünglich gewesen, dass ich nach dem Film und vor ihrer Rückkehr wieder abhauen würde.
Nichtsdestotrotz vernebelte die Panik meinen Kopf noch nicht zu stark, um folgende Worte meines Gastgebers mitzubekommen: „Im Wohnzimmer wartet jemand besonderes auf uns, den du noch nicht kennst. Aber er ist mein Freund und ich hoffe, dass du ihn mögen wirst.”
Jedenfalls war damit geklärt, dass wir Freunde waren - ich hatte mich bisher nicht getraut zu fragen. Erstaunlicherweise beruhigten mich diese lieben Worte überhaupt nicht. Zum einen bauten sie enormen Druck auf, dass ich mich gut präsentieren musste. Zum anderen würde ein sanfter und weicher Geralt, der sich um ein Kind kümmerte, meine Gefühle sicherlich nur schlimmer machen.
Ich war kurz davor zu weinen, als sie den Raum betraten. Dennoch musste ich zugeben, dass Ciri in echt noch viel süßer war als auf den ganzen Fotos. Wilde blonde Haare, strahlend blaue Augen und eine riesige Zahnlücke, die sie mir lächelnd präsentierte, hatten ihren ganz eigenen Charme. Zudem schien sie deutlich weniger scheu als Geralt und hielt direkt auf mich zu, sobald sie mich erblickte. Natürlich ließ sie dabei die Hand ihres Erziehungsberechtigten nicht los und zerrten ihn so mit sich.
„Hey, ich bin Ciri und wer bist du?”
Kurz huschte mein Blick von ihr hoch zu Geralt, von dem ich Hilfe erwartete und der mich aber scheinbar einfach machen lassen wollte. Also begab ich mich runter auf ein Knie, damit ich mit der Kleinen auf Augenhöhe war.
„Hallo, Ciri. Ich bin Jaskier. Es ist schön, dich kennenzulernen.”
„Ja, ich weiß. Es ist wirklich schön, mich kennenzulernen”, kommentierte sie selbstbewusst und ohne groß daran zu zweifeln.
Während ich mich nach Kräften zusammenriss, musste der andere Mann kurz auflachen. Daraufhin grinste ich ebenfalls und schüttelte die zierliche Hand, die mir angeboten wurde. Zu meinem Glück hatte mir mein Freund bereits davon erzählt, wie direkt und somit auch amüsant das Mädchen oft sein konnte. Deswegen war ich von ihrer Antwort nicht wirklich überrascht.
„Bist du Geralts Freund, der auch singt?”
„Der bin ich”, nickte ich, was zu sie zufrieden erwiderte.
Danach musterte sie mich interessiert, womit ich gar kein Problem hatte. Sie umkreiste mich, um mich besser studieren zu können, wobei mir Geralts Anspannung nicht entging - ihm war es anscheinend furchtbar unangenehm, wie Ciri mich so unter die Lupe nahm.
Ihre Konklusion lautet schließlich: „Ich habe Hunger. Was gibt es zum Essen?”
Diesmal musste ich lachen, weswegen mich mein Freund dünster anfunkelte. Im Anschluss begaben wir uns gezwungenermaßen in die Küche der beiden. Ich kam mir etwas verloren vor, während ich hinter dem perfekten Duo hertippelte. Plötzlich drehte sich die Kleine zu mir um.
„Jaskier, bist du noch da? Du bist so still und Geralt sagt immer, dass du so viel redest.“
Mein Gastgeber wirkte mittlerweile so, als würde er am liebsten im Erdboden versinken - ich hatte dafür die beste Zeit meines Lebens. Natürlich hatte er recht damit gehabt, dass ich sie mögen würde.
„Redest du denn auch viel?“, fragte ich interessierte zurück.  
Um mich besser mit ihr unterhalten und an Geralts Gesichtsausdrücken ergötzen zu können, hatte ich zu den beiden aufgeschlossen. Deswegen konnte ich sehen, wie sie kurz nachdenklich den Mund kräuselte. Ich konnte dabei leichte Ähnlichkeiten zu meinem Freund erkennen.
„Ja, schon. Aber ich stelle auch viele schlaue Fragen, meint Geralt“, lautete ihre wohlüberlegte Antwort.
Erneut musste ich grinsen, da ich bereits von ihren Fragen gehört hatte. Wie viele Kinder in ihrem Alter war sie scheinbar hervorragend darin, mit unendliche Ketten von Warum-Fragen das Hirn ihres Erziehungsberechtigten zu malträtieren. Ich war gespannt, ob unser Gespräch sie dazu veranlassen würde, mit so etwas anzufangen. Jedoch zog dann der andere Mann ihre Aufmerksamkeit auf sich.
„Ist es in Ordnung, wenn ich dich auf die Arbeitsplatte setze?“
Sie nickte und er hob sie hoch. Ich für meinen Teil blieb im Türrahmen stehen, da ich nicht zu aufdringlich sein wollte. Außerdem konnte ich Geralt von hier aus ungestört betrachten, wofür ich sonst selten Zeit hatte.
„Die Suppe muss noch warm werden. Möchtest du davor noch ein Sandwich essen?“
Die wippende Siebenjährige nickte energisch, sodass er sofort den Toaster hervor zog und nach den restlichen Utensilien griff, die er brauchte - die Präzision seiner Bewegungen war für mich wenig überraschend.
„Willst du auch ein Sandwich? Geralt macht die besten der ganzen Welt.“
Bei diesem Lob für seine Sandwich-Künste umspielt ein sanftes Lächeln seine Lippen, das mich dahinschmelzen ließ.
„Das kann ich mir ja dann kaum entgehen lassen. Aber danach würde ich euch verlassen, dann könnt ihr in Ruhe eure Suppe essen.“
Daraufhin fixierten mich gleich zwei Paar Augen. Überraschenderweise ergriff diesmal mein Gastgeber das Wort: „Du darfst auch gerne bleiben.“
Er wusste vermutlich nicht, was dieser simple Satz in mir auslöste. Allerdings beharrt ich auf meinem Vorschlag. Vielleicht war das alles mit Kind und so weiter ein wenig zu viel für mich, redete ich mir selbst ein.
„Aber du kommst doch mal wieder, oder? Wir haben überhaupt nicht zusammen gesungen“, beim letzten Satz hätte man meinen können, dass wir das fest vereinbart hatten.
Da blieb mir ja nichts anderes übrig, als mich von Ciri zu einer gemeinsamen Singstunde nächstes Wochenende einladen zu lassen. Im Augenwinkel bildete ich mir ein, Geralt bei unserem Anblick lächeln zu sehen.

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Hey ihr da draußen :]
Ich hatte heute keinen guten Tag, also würde ich mich über die erste Review sehr freuen.
Bis dann,
Lea
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