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Midnight after Dark Band 1

von Zookie
GeschichteMystery, Fantasy / P16 / Gen
22.11.2020
25.12.2020
3
9.079
1
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22.11.2020 3.025
 
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Sonderbar




   Die Sonne schien durch die dunkelroten transparenten Vorhänge direkt in mein Gesicht. Ich kniff die Augen zusammen und zog mir die Bettdecke über den Kopf. Der piepsende Ton des klingelnden Weckers dröhnte in meinen Ohren, als wäre er mindestens doppelt so laut wie sonst, wenn ich morgens aufstehen musste. Nur nützte es nichts, wenn ich nicht zu spät kommen wollte, sollte ich meinen Hintern bewegen. Langsam erhob ich mich aus dem Bett, wobei es mir schon schwerfiel, da es unter der Decke warm und kuschelig war. Zum Glück war der Weg zum Bad nicht weit, aber trotzdem ging ich schnellen Schrittes ins Bad, das angenehm warm war. Meine Augen sind vom Schlaf noch immer ganz klein, als ich mich im Spiegel mustere. Ich habe letzte Nacht nicht besonders gut geschlafen, was momentan häufiger vorkam, als mir lieb war. Doch beim nächsten Blick in den Spiegel fühlte es sich an, als würde ich einen Schlag gegen den Kopf kriegen. Die Silhouette einer mir unbekannten Gestalt tauchte plötzlich vor mir im Spiegel auf. Ich taumelte wenige Schritte zurück, bevor ich mich wieder fing. Tief seufzend hielt ich mir die Hand vor den Kopf, schloss die Augen und versuchte, den nun aufkommenden Schmerz so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Was war das denn gerade? Das war ja unheimlich. So was hatte ich bisher noch nie gehabt. Aber vielleicht waren es auch Nachwirkungen von meinem Traum. Noch einmal tief durchatmend versuchte ich, mich aufs Wesentliche zu konzentrieren: mich für die Schule fertig machen. Meine lockigen, kupferblonden Haare bürstete ich kräftig durch. Für den heutigen Tag entscheide ich mich, eine schwarze Jeans und eine dunkelblaue Bluse zu tragen, die ich gut in den Hosenbund stecken kann. Schnell noch ein paar Sneakers angezogen, fertig ist das Outfit. Danach ziehe ich meine Vorhänge auf, um das Sonnenlicht mein Zimmer durchfluten zu lassen. Plötzlich fühlt es sich so an, als würde mir jemand in den Nacken atmen, woraufhin ich sofort Gänsehaut bekomme und wie ein verstörtes Reh umdrehe, um mich im Zimmer umzusehen. Aber ich war ganz allein. Ich hatte kurz die Vermutung gehabt, es hätte mein großer Bruder Mason sein können, der mir wieder einen kleinen Streich spielt, aber diesmal konnte ich ihm leider nicht die Schuld geben. „Du hast nicht gut geschlafen. Einfach nicht gut geschlafen.“, murmelte ich zu mir selbst. Ich schüttelte den Kopf, bevor ich mir meinen Lederrucksack schnappte und die Treppe nach unten marschierte. Nicht, dass ich immer noch Gänsehaut hatte, aber seltsam fühlte ich mich schon. „Na, ausgeschlafen?“, scherzte Mason, als ich in der Küche ankam. „Sehr witzig.“, grummelte ich, während ich an den Kühlschrank ging, um mir den Krug Orangensaft zu nehmen. Als ich mir das Glas auf der Kochinsel einschenkte, meinte Mason: „Ist was passiert? Du siehst irgendwie nervös aus.“

„Ach ja?“, antwortete ich mit leicht nervöser Stimme, was seine Vermutung nur bestätigen konnte. Skeptisch zog er eine Augenbraue hoch, bevor er sich durch sein ebenfalls goldblondes Haar fuhr. „Wenn du jetzt noch zittern würdest, passt du perfekt zu dem Bild einer nervösen, jungen Frau.“

„Ein Glück, dass das nicht der Fall ist.“ Ich machte mir eine kleine Schale Cornflakes fertig, kippte Milch drauf und ließ mich auf einen unserer Stühle am Esszimmertisch plumpsen. „Im Ernst, ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?“ Über den Tisch hinweg funkelte ich ihn an. „Nein, alles gut. Ich hab nur nicht besonders gut geschlafen. Das ist alles.“ Doch einen kurzen Blick durch das Zimmer kann ich mir nicht verkneifen. Mason musterte mich dabei, sagte aber nichts weiter dazu.



Mein Frühstück schaufelte ich nur so in mich herein, weil ich aus dem Haus raus musste. Es bescherte mir ein unbehagliches Gefühl, auch wenn ich wusste, dass ich mir keine Gedanken zu machen brauchte. Heute Abend würde ich früher ins Bett gehen und mich damit zufriedengeben. Einfach müde sein und durchschlafen, ohne schlecht zu träumen oder mir irgendwelche Gestalten einzubilden. Ich ging nach draußen vor die Haustür, wo der dunkelrote Pick-up von uns noch stand, den ich nutzte, um zur Schule zu fahren. Er war zwar schon ein bisschen älter und an manchen Stellen vielleicht auch schon vom Rost angenagt, aber er fuhr sich wirklich gut und machte im Gegensatz zu unserem anderen Auto kaum Probleme. Meinen Rucksack legte ich auf den Beifahrersitz, als ich einstieg. Die Sonne schien schon eine ganze Weile durch die paar Nadel- und Laubbäume auf unserem Grundstück ins Auto, was die dunkle Lederausstattung aufgeheizt hatte. Wir wohnten ziemlich ländlich, in einem kleinen Waldstück, hatten aber eine lange Auffahrt zu unserem Haus hin, die durch den Wald führte. Bis ins Zentrum von Richmond dauerte es eine gute halbe Stunde, deshalb musste ich zusehen, dass ich rechtzeitig los kam. Sobald ich losgefahren war, drehte ich die Musik auf, um meine Gedanken leise drehen zu können. Der „Vorfall“ heute Morgen im Bad und in meinem Zimmer verfolgte mich noch immer, aber durch die Musik war er nicht mehr ganz so präsent und ich hoffte, dass ich den ganzen Tag nicht mehr daran denken musste. Die Rock Musik, die aus den Lautsprechern dröhnte, hob meine Laune den ganzen Weg um ein großes Stück an.





    Kurz nachdem mein Auto auf dem Schulparkplatz steht, klingelt mein Handy. Es ist Mason. „Hey, was gibt’s?“

„Ich wollte dich nur fragen, ob du mich nach deinem Unterricht abholen kannst.“

„Wann denn genau?“

„Direkt wenn du so weit bist. Dad hat das andere Auto und meine Kumpels haben später keine Zeit, mich zu fahren.“

„Na schön. Aber ich warte nicht lange, okay? Sei am besten schon draußen. Ich schreibe dir, wenn ich hier losfahre.“ Mit den Worten legte ich auf und verstaute mein Handy in dem Rucksack. Wenig später stieg ich aus, um wieder einen Schlag gegen den Kopf zu kriegen. Die Kopfschmerzen traten so abrupt auf, wie sie auch wieder verschwanden und trafen mich mit so einer Wucht, dass ich mich an der Ladekante des Pick-ups festhalten musste, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Kurz kniff ich die Augen so fest zusammen, dass ich schon Punkte sah. „Verdammt.“, murmelte ich leise. Es war fast dasselbe Gefühl wie heute Morgen im Bad, nur dass ich jetzt keine Silhouette vor mir sah. Nachdem ich kurz tief durchgeatmet hatte, wagte ich ein paar Schritte, bis ich feststellte, dass ich wieder normal gehen konnte. „Jacky!“, ertönte eine mir nur zu bekannte Stimme. Steven. Wenig später lag ein kräftiger Arm um mich. Kräftig vom Training. „Du hast gestern gar nicht mehr geschrieben.“ Ich zog die Augenbrauen zusammen, weil mich die Kopfschmerzen gerade so plötzlich und hart getroffen hatten und ich noch nicht mit Steven gerechnet hatte. „Bitte, nicht so laut.“, gab ich ihm zu verstehen, während ich gleichzeitig abwehrend die Hand hob. „Entschuldige bitte.“ Er nahm seinen Arm von meinen Schultern – zumal der auf so schmalen Schultern wie meinen auch ziemlich schwer war – und ging ganz normal neben mir her. Über den Parkplatz der Schule, auf denen sich an so manch anderen Autos einige Schüler trafen, bis zu der großen Eingangstür, ein paar Stufen hinauf. Unsere Schule war recht modern gehalten, mit viel Glas und weißen Wänden. Kunstvoll angelegte Blumenbeete und gepflanzte Bäume schmückten das Grundstück. „Mir ging es gestern nicht so gut.“, antwortete ich schließlich auf seinen Kommentar. „Das hast du in letzter Zeit oft, kann das sein?“

„Ja, ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Vielleicht werde ich krank.“ Wir gingen durch die Flügeltüren nach drinnen. Die Flure waren mit dunklen Fliesen ausgestattet, die weißen Wände bildeten dazu den perfekten Kontrast. Über mehrere Treppen oder auch nur ein paar Stufen konnte man sich über die verschiedenen Ebenen bewegen. „Bring bloß nichts in die Gänge.“, meinte er daraufhin, als wir uns zu unseren Schließfächern begaben. Als Antwort bekam er von mir nur ein Kopfschütteln. „Ich werde mich nachher ausschlafen und dann wird es mir morgen wieder besser gehen. Du wirst sehen.“

„Dann wird das mit dem Kino also nichts?“ Ich seufzte tief und schloss mein Schließfach mit einem lauten, metallischen Knall. „Nein. Erst mal nicht.“

„Schade. Ich hatte mich schon darauf gefreut.“

„Wir holen das einen anderen Tag nach.“, murmelte ich. Steven war seit einiger Zeit mein Ex-Freund, aber wir waren in gutem Verhältnis zueinander verblieben. Immerhin waren wir im Gegensatz zu anderen nach der Trennung noch imstande, miteinander zu reden. Aber ich wusste auch, worauf seine Kino Idee hinauslief. Ich hatte mich damals von ihm getrennt, dementsprechend meinte er, es wäre klug, zu versuchen, mich wieder zurückzugewinnen. Scheinbar war ihm noch immer nicht klar geworden, dass er das vergessen konnte. Jedoch ließ ich mir nicht anmerken, dass ich wusste, was er wollte. Ich wollte einfach so weitermachen wie bisher. Gute Freunde. Sonst nichts. Mehr konnte ich mir mit ihm auch nicht vorstellen. Er war ein toller Freund, aber kein toller Partner. Leider. Erneut seufzend schmiss ich mir meinen Rucksack über die Schulter, bevor ich mich mit ihm auf den Weg zum Unterricht machte. Auf meine gesundheitliche Verfassung ging er zunächst nicht mehr ein.



Während der Lehrer uns vorne einen Vortrag hielt, wichen meine Gedanken ständig wieder ab. Zu dem, was den ganzen Tag schon mit mir los war. Irgendetwas stimmte nicht mit mir und es machte mich wirklich kirre, nicht zu wissen, was es war. Dass man schon die Umrisse von Personen sah, die überhaupt nicht da waren oder Luftzüge im Nacken spürte, war doch nicht normal. Ich drehte den Bleistift in meinen Fingern hin und her, während ich das Kinn auf die Hand stütze, als ich aus dem Fenster nach draußen auf den Parkplatz sah. Eigentlich war dieser nicht weniger spannend als der Unterricht, doch dann erregte etwas meine Aufmerksamkeit. Besser gesagt jemand. Es war ganz komisch. Ich hatte schon eine ganze Weile aus dem Fenster gesehen, und niemand war auf dem Parkplatz unterwegs gewesen. Doch wie aus dem Nichts war er aufgetaucht. Ein Junge, womöglich in unserem Alter. Ein leichter, ziehender Schmerz zog von meinem Hinterkopf über die Seite direkt zwischen meine Augenbrauen, sodass es pochte. Das konnte doch nicht sein. Ich verfolgte, was der Junge tat. Ich konnte ihn aber nicht erkennen. Nicht weniger als seine kräftige, schlanke Gestalt. Er war in Schwarz gekleidet, aber ich erkannte kein Gesicht und keine Haare. Dafür war er auch zu weit weg. Aber als er an meinem Auto vorbeiging, wurde ich skeptisch. Wehe, er sah es auch nur zu lange an. Mein Puls beschleunigte sich vor Aufregung, sodass ich mein Herz schon in meinem Hals schlagen spürte. Diese Tatsache irritierte mich, und als ich nach einem Blinzeln wieder zu meinem Auto sah, war der Junge verschwunden. Er war doch vor einer Sekunde noch da! Das habe ich mir doch nicht eingebildet! Meine Augen weiteten sich vor Irritation, doch auch mehrmaliges Blinzeln zauberte den Jungen nicht wieder an die Stelle, auf der er eben noch vor meinem Auto gestanden hatte. Was hatte er da zu suchen? War er überhaupt da gewesen? „Miss Redmond!“ Vor Schreck zuckte ich zusammen, als ich die Stimme des Lehrers meinen Namen fast schon brüllen hörte. „Ja…?“, fragte ich ganz vorsichtig und hatte gar nicht bemerkt, dass ich auf meinem Stuhl etwas zusammengesunken war. „Wo sind Sie denn mit Ihren Gedanken? Der Unterricht findet hier drinnen statt, nicht auf dem Parkplatz.“ Ein leises Kichern war von meinen Klassenkameraden zu hören und ich merkte schon, wie meine Wangen heißer wurden. „Entschuldigen Sie bitte.“, erwiderte ich kleinlaut. „Passen Sie in Zukunft auf, wenn Sie in meinem Unterricht sitzen.“, bekam ich noch zu hören, bevor der Unterricht wieder weiter ging. Der Lehrer war gut darin, uns zu erwischen, wenn wir nicht aufpassten oder irgendeinen Quatsch machten. Ich bemerkte, wie Stevens Blick nachdenklich auf mir ruhte, ignorierte ihn aber.



Ich will gerade meine Sachen packen, als der Unterricht zu Ende ist. Doch da fällt mein Blick in meinen Collegeblock. Wie ist das denn da hingekommen? Auf dem Papier befand sich eine Zeichnung. Von mir. Es war die Szene auf dem Parkplatz, die ich während des Unterrichts beobachtet hatte. Die Zeichnung sah aus, als hätte ich die Szene angehalten und durch das Fenster abgepaust. Der Junge, der vor meinem Auto stand. Ich konnte gut zeichnen, das wusste ich. Was mich eher wunderte, war, wann ich das Bild gezeichnet hatte. Ich hatte gar nicht mitbekommen, irgendwie mit dem Bleistift auf meinem Block zugange gewesen zu sein. Mann, langsam schien ich echt durchzudrehen. Es wurde Zeit, dass ich bald nach Hause fuhr und mich vernünftig ausschlafen konnte. Dann würde der Tag morgen wieder ganz anders aussehen. „Jacky?“, ertönte Stevens Stimme neben mir. Hastig klappte ich den Block zu und verstaute ihn in meinem Rucksack, bevor ich zu ihm aufsah. „Hm?“

„Kommst du? Wir wollen in der Mensa was essen.“

„Ja. Geht doch schon mal vor, ich komme gleich nach.“ Ich machte eine winkende Handbewegung, um ihm zu signalisieren, dass er schon mal vorgehen konnte. „Na schön. Wir sehen uns gleich.“, sagte er dann mit einem letzten abschätzenden Blick auf mich. „Geht es dir gut? Du wirkst so abwesend.“ Ich seufzte tief und schloss kurz die Augen. „Ja, ich bin heute nur nicht in bester Form. Keine Sorge.“ Hoffentlich akzeptierte er diese Ausrede, und hakte nicht weiter nach. Wenn ich ihm erklären musste, was wirklich los war, würde er mich für verrückt halten. Aber er akzeptierte es und ging ohne mich weiter. Nachdem fast alle aus dem Raum verschwunden waren, sah ich noch ein letztes Mal verstohlen nach draußen. Aber anstatt den Jungen dort jetzt noch mal zu sehen, waren viele Schüler und Lehrer unterwegs, als wäre nichts gewesen. „Du hast es dir nur eingebildet.“, wiederholte ich mehrmals zu mir selbst, bevor ich aufstand, meinen Rucksack nahm und mich aus dem Raum zur Mensa bewegte, wo Steven und meine beste Freundin Sienna am Tisch schon auf mich warteten. Beide musterten mich, als ich ankam. „Hey.“, setzte Sienna an. „Steven hat erzählt du wärst heute nicht gut drauf?“, fragte sie, nachdem sie mich in den Arm genommen hatte. Mit einem tiefen Seufzten setzte ich mich neben sie. „Nein, überhaupt nicht. Ich denke, ich werde bald nach Hause fahren.“

„In deinem Zustand kann ich dich auch fahren.“, warf Steven ein, doch ich warf ihm nur einen Blick zu. „Ich muss sowieso noch Mason abholen, also passt das schon.“

„Wenn es aber gar nicht geht, sagst du uns Bescheid, ja? Nicht, dass wir dich von der Straße aufsammeln müssen.“, gab Sienna mir zu bedenken. Ich schüttelte den Kopf, doch es fühlte sich gleich danach so an, als würde ich Migräne kriegen. „Sonst fährst du nach Hause und ich hole Mason später ab. Wäre kein Ding.“, murmelte Steven schulterzuckend, während er sich sein Essen reinschaufelte. Sienna sah mich mit einem vielsagenden Blick aus ihren dunklen Augen an. Ihren Blick verstand ich, dazu kannte ich sie gut genug, aber ich nahm ihn lediglich kommentarlos hin. Gerade als ich anfangen wollte etwas zu essen, verging mir der Appetit. „Wisst ihr was. Ich mache mich jetzt auf den Weg nach Hause. Ich glaube nicht, dass mein Zustand sich bessern wird.“, murmelte ich unzufrieden. Hätte ich das gewusst, wäre ich gar nicht erst in der Schule aufgetaucht. „Meldest du dich später?“, fragte Sienna, woraufhin ich nur nickte. „Dann hole ich Mason später für dich ab.“, hörte ich noch von Steven, während ich schon halb am Gehen war. „Danke.“ Aber als ich meine Tasche griff und zur Tür gehen wollte, sehe ich eine den Jungen noch immer neben der großen Tür stehen, die zur Mensa führte und blieb kurz stehen. Sein Blick ist in unsere Richtung gerichtet. Ich kneife die Augen zusammen, und versuchte, ihn besser zu erkennen, aber ich sehe nur das, was ich auch ohne das Zusammenkneifen meiner Augen gesehen habe: einen großen Jungen, offensichtlich gelangweilt so wie er dasteht, mit ziemlich wirrem, dunkelbraunen Haar und schwarzer Kleidung. „Wir sehen uns…“, murmelte ich geistesabwesend, den Blick immer noch auf den Jungen gerichtet. Ich höre beide hinter mir seufzen und drehe mich noch mal kurz zu ihnen um und hebe die Hand. Beide lächeln matt als sie mir zuwinken und mir gute Besserung wünschen. Ich runzle die Stirn während ich durch die Tür gehe und bleibe dann kurz stehen, um ein paar Schritte zurück zu gehen. Der Junge, der eben noch neben dieser Tür stand, war plötzlich verschwunden. Hatte ich mir das doch nur eingebildet? Meine Güte, ich musste dringend nach Hause und einen klaren Kopf kriegen.



Ich schleppte mich durch die Schulflure zu den Flügeltüren nach draußen auf den Parkplatz. Der Lärm, der durch die anwesenden, quasselnden Schüler und ihre fahrenden Autos verursacht wurde, sorgte für ein Dröhnen in meinem Kopf. Die Geräusche klangen lauter als vorher. Um diesem Schmerz zu entkommen, beschleunigten sich meine Schritte, sodass ich schnell an meinem Auto angekommen war, einsteigen konnte und die Tür hinter mir zuknallte. Tief in den Autositz einsinkend atmete ich durch und genoss die Geräusche, die nur noch leise und dumpf zu hören waren. Wenig später startete ich den Motor des Autos, weil ich einfach nur noch nach Hause und in mein Bett wollte. Ich hoffte, dass ich den Weg nach Hause einfach nur überstand und ins Bett fiel, ohne mich auf das Armaturenbrett im Auto oder das Parkett im Haus übergeben zu müssen. Nun gut, zur Not hatte das Auto ein Fenster, was ich aufmachen konnte… Nein, nein das würde ich nicht tun. Einfach nicht dran denken und nach Hause fahren! Auf dem Weg versuchte ich, mich mit lauterer Musik abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen. Dass der Tag so verlaufen würde, hätte ich heute Morgen nicht gedacht. Schlaf. Schlaf war das, was ich jetzt brauchte. Sobald ich das Auto in der Auffahrt abgestellt hatte, schnappte ich mir meinen Rucksack und verschwand so schnell ich konnte im Haus. Den Rucksack ließ ich im Eingangsbereich liegen, wanderte einfach nur die Treppe hoch in mein Zimmer, wo ich die Vorhänge zuzog und mich wenig später ins Bett plumpsen ließ. So angezogen wie ich war, schlief ich wenig später mit einem leichten Übelkeitsgefühl ein, aber zum Glück ohne Kopfschmerzen.

(A/N): Dies ist eine Story mit der ich vor sieben Jahren bereits angefangen hatte und sie nun neu aufgegriffen und überarbeitet habe! Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen und seid neugierig, wie es weitergeht!
LG Zookie
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