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Rhabarberkuchen zum Abendbrot

von Jessi1605
OneshotHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
22.11.2020
22.11.2020
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• Der eine sieht den anderen seine Kleidung tragen
  • Hände haltend
  • Der eine wäscht die Haare des anderen
  • Der eine schläft im Schoß des anderen ein
  • Kuschelnd in einer Kissenhöhle (engl: Blanket Fort - wenn man mit Kissen, Denken, Stühlen etc. sich eine Höhle oder ein Schloss baut)
  • Ein Bett teilend
  • Den Kopf/das Haar des anderen kraulen
 • Sich einen Nachtisch teilen
  • Sich an der Schulter des anderen reiben
  • Zusammen ein Buch lesen
  • Sich um den anderen kümmern während er krank ist
  • Dem anderen eine Wunde verbinden
  • Zusammen ein Bad nehmen
  • Mit den Haaren des anderen spielen
  • Aus Versehen zusammen einschlafen
  • Stirn- oder Wangenküsse
  • Dem anderen den Schmuck/die Krawatte/die Fliege zuzubinden/machen
  • Rückenkratzer
  • Sich kümmern, wenn der andere über etwas weint
  • Langsam tanzen
  • Sich gegenseitig massieren
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Ich wurde mir meiner Gefühle für ihn nicht wie üblich über einen längeren Zeitraum und allmählich bewusst, oder gar in einem Moment, als ich länger über uns nachgedacht hatte.
Vielmehr überkamen, nein, überrollten sie mich und raubten mir die Luft zu atmen, wie damals die Welle am Strand, als ich kurz unaufmerksam war und das salzige Ungetüm nicht hatte kommen sehen.

Dies war auch der Grund, weshalb ich ein genaues Datum, samt Uhrzeit nennen konnte, als ich wusste, dass ich mich in meinen Mentor verliebt hatte.
Ich war Chris‘ Referendarin im Fach Deutsch und bald standen meine Prüfungsstunden an. Schon seit Wochen schob er für mich Überstunden und blieb oftmals mit mir in der Schule, bis ich ihn anflehte Feierabend machen zu dürfen. Mein anderer Mentor nahm sich bei weitem nicht die Zeit. Mit ihm erledigte ich fast alles in Gesprächen auf dem Flur, am Telefon oder per Mail.
Es geschah am frühen Abend des 15. März um 17.29 Uhr als ich auf die Uhr geblickt und er mich gefragt hatte, ob wir uns Pizza bestellen wollten. Unsere Blicke trafen sich und dann explodierte irgendetwas in meinem Körper. Ich stellte mir eine prall gefüllte Kapsel voller Hormone vor, die plötzlich zersprang und sämtliche eingespielten Funktionen meines Körpers durcheinanderbrachte.
Von einem auf den anderen Moment raste mein Herz, mein Gedanken spielten verrückt, mein Atem ging flach und unregelmäßig, und alles was ich noch bewusst wahrnahm, war seine atemberaubende Attraktivität.
Ich musste ihn mindestens zwei Minuten lang wortlos angestarrt haben, jegliche Bewegung komplett eingefroren, ehe er ein leises Lachen ausstieß und sich selbst die Antwort gab: „Ich nehme das als, ja.“
Ich hatte keine Ahnung mehr, was er überhaupt gefragt hatte, als er aufstand und zur Pinnwand des Lehrerzimmers ging, um sich den Flyers des Pizzadienstes näher anzusehen.
„Ich muss kurz…Ich bin gleich wieder da“, stammelte ich, fand meine Gliedmaßen wieder, die eben noch nutzlos an mir herumgehangen hatten und eilte hastig an ihm vorbei.

Auf der Toilette angekommen sah ich in den Spiegel und warf mir eine Ladung eiskaltes Wasser ins Gesicht.
„Beruhig dich!“, forderte ich mich auf. „Das ist nur die Aufregung wegen den Prüfungen. Ihr verbringt viel Zeit miteinander. Du bildest dir das nur ein. Sobald die Prüfungen rum sind, ist alles wieder normal…“
Nach ein paar beruhigenden Atemübungen hatte ich mich wieder soweit stabilisiert, dass ich etwas lässiger zurück ins Lehrerzimmer gehen konnte.

Doch dort angekommen, war der einzige Gedanke, zu dem mein Hirn noch fähig war, wieso ich noch nie zuvor wahrgenommen hatte, wie verdammt gut er eigentlich aussah in diesen schicken Hosen, dem Hemd, mit diesen dunkelblauen Augen und den hellbraunen Haaren, die je später es wurde immer mehr im Nacken begannen abzustehen.
„Ist es okay, wenn ich uns einfach eine große Pizza mit Schinken und Pilzen bestellt habe?“, hakte er lächelnd nach, als ich mich wie ferngesteuert zu ihm zurücksetzte.
„Wir hätten auch Feierabend machen und zu Hause essen können“, schlug ich vor.
„Unsinn. Wir haben die Formulierung der Kurzplanung fast fertig. Wenn wir die geschafft haben, machen wir Schluss für heute. Komm schon, das schaffen wir!“
Chris besah sich unsere noch nicht ganz ausgefüllte Tabelle auf dem Laptop und teilte mir seine Überlegungen mit. Während ich seine Wort aufsaugte und dann doch wieder sogleich vergaß, beobachtete ich umso genauer sein Profil. Es erschien mir formvollendet. Wie eine von Da Vinci in Marmor gemeißelte Statue eines griechischen Gottes. Meine Gedanken wären lächerlich gewesen, wenn ich nicht so verzweifelt gewesen wäre. Seit wann fühlte ich denn so? Wirklich erst seit eben? Oder unterdrückte ich diese Gefühle einfach schon so verdammt lange?

Eine halbe Ewigkeit später kam die Pizza an und Chris verließ kurz das Schulgebäude, um sie entgegenzunehmen. Ich nutzte die drei Minuten, in denen ich alleine war, um kurz durchzuatmen.
Als er zurück war, gab ich ihm meinen Anteil der Rechnung und würgte dann kaum ein ganzes Stück herunter. Der Appetit war mir komplett vergangen. Ich fühlte mich auf eine Art und Weise satt, wie ich es sonst nur von Weihnachten kannte.
„Ich bin aufgeregt. Die Prüfungen sind in anderthalb Monaten und ich verzweifle so langsam“, flunkerte ich, als er mich fragend ansah. Ich starrte seit Minuten die Pizza an, als würde ich einen erbitterten Kampf gegen sie führen.
„Du musst essen. Hungern hilft dir auch nicht beim Lernen. Soll ich im Kühlschrank nachsehen, ob noch etwas von Brigittes Geburtstagskuchen da ist?“, schlug er vor und schickte eine Art Stromschlag durch meinen Körper, als er meine Hand beschwichtigend tätschelte. Sofort stellten sich die Haare an meinen Armen auf und überall kribbelte es. Wie konnte er das denn nur nicht fühlen!?
Ehe ich etwas sagen konnte, stand er auf, ging zum Kühlschrank und sah hinein. „Noch ein Stück!“, rief er.
„Super!“, erwiderte ich und zog mir meine dünne Sommerjacke über. Ich zitterte plötzlich am ganzen Körper.
„Ist es ok, wenn ich mir auch eine Gabel mitgenommen habe? Wir könnten uns das teilen“, hakte Chris nach und stellte das Stück Rhabarberkuchen zwischen uns.
„Ich habe wirklich…Chris, ich habe keinen Hunger“, lachte ich und tat alles dafür, dass meine Zähne nicht aneinander klapperten vor Anspannung.
„Hier“, ließ er sich nicht beirren und reichte mir eine der Kuchengabeln.
Ich sah ihm in die Augen und er blickte zurück, die Gabel stur zwischen uns haltend. Noch nie zuvor hatte ich mich gefragt, wie sich seine Lippen wohl anfühlen mochten. Oder wie ein Kuss mit ihm wohl schmeckte…
„Louise?“, hauchte er nach einer Weile und mir wurde bewusst, dass ich seit einigen Augenblicken auf seine Lippen gesehen hatte. Durch das Öl und die Tomatensoße der Pizza glänzten sie verführerisch rot. Die Gabel schwebte weiterhin zwischen uns.
Ich nahm sie, mich geschlagen gebend und stach die Spitze des Kuchenstücks ab. Chris nahm sich den nächsten Happen davon und zwinkerte mir charmant zu.
„Siehst du, es schmeckt doch, oder?“
„Fantastisch“, gab ich zu und hob mir frech den Rest der Frucht-Baiser-Einlage heraus, sodass für ihn nur noch der Hefeboden blieb.
„Hey!“, rief er belustigt empört, griff sanft mein Handgelenk auf dem Weg zu meinem Mund und genehmigte sich selbst die Beute von meiner Gabel. Es raubte mir den Atem und ich blickte ihn fassungslos an.
Chris erwiderte den Blick kurz, wurde sich der Situation bewusst und ließ meinen Arm wieder los. Seine Wärme an der Stelle spürte ich dennoch unverändert. Hatte er den Funken nun auch gespürt? Konnte das wirklich sein?
„Weißt du was…“, murmelte er und sah mich unergründlich an. „Vielleicht sollten wir doch Feierabend machen.“
Ich schluckte, blickte unter mich und nickte.
Die Zeit bis zu den Prüfungen konnte wahrlich noch heiter werden.

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Ihr Lieben,
zu diesem OS gehört auch noch eine längere Geschichte, zu der ich gerade jeden Freitag ein Kapitel hochlade :) Lies dich doch mal rein, würde mich sehr freuen. Chris und Louise sind auch wieder mit dabei.
Hier der Link:
https://www.fanfiktion.de/s/5f89b06b000a5aa8190fa816/1/Nicht-die-Zeit-sondern-Liebe
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