Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Liebe / Allgemein / Double

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Double

von S3linA
GeschichteLiebesgeschichte / P12
22.11.2020
27.11.2020
3
4.426
 
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22.11.2020 1.467
 
Kapitel 2 – Man kann nicht wollen ohne zu tun



Levi


Ich streckte mich und blinzelte etliche Male bevor ich einigermaßen aus meinen Augen schauen konnte. Dabei stöhnte ich gequält auf und setzte mich etwas hoch.
Mein Kopf strafte mich mit einem dumpfen Schmerz und ich wollte am liebsten wieder zurück ins Bett fallen.
Stattdessen stieg ich langsam aus dem Bett und schlurfte zur Kaffeemaschine. Dort traf ich auf Rob der sich wie immer seinen Tee machte.
Als er den Geruch von Kaffee wahrnahm rümpfte er für eine Sekunde die Nase und inhalierte seinen dampfenden Tee.
„Morgen.“, murmelte ich und massierte mit einer Hand meinen Nacken.
Ich erwartete von Rob keine morgendliche Begrüßung, schließlich kannte ich ihn schon ewig.
Gestern war definitiv ein interessanter Abend und Stück für Stück erhielt mein Gehirn weitere Informationen darüber.
Sanja, dachte ich und holte mein Handy aus meinem Zimmer. Ich scrollte meine Kontakte durch und blieb an ihrem Namen hängen. Ich zögerte nicht ihr zu schreiben, schließlich fand ich sie gestern Abend wirklich interessant und wollte sie näher kennen lernen.
>Guten Morgen. Hoffentlich gut nach Hause gekommen gestern?<, tippte ich die Nachricht und überlegte danach noch etliche Minuten die Nachricht wirklich so abzuschicken oder doch noch etwas anderes zu schreiben.
Über mich selbst den Kopf schüttelnd tippte ich mit dem Daumen auf Senden und steckte das Handy in meine Tasche.
In der Küche trank ich meinen Kaffee aus und sah wie sich Rob anzog.
„Wo geht es wieder hin?“, fragte ich ihn und er sah mich nicht an während er mir antwortete.
„Molly.“ Mehr Infos bekam ich von ihm nicht und das war ich gewohnt. Ich verdrehte die Augen und konnte die Einstellung meines Bruders einfach nicht verstehen.
Ich machte mir nicht die Mühe zu fragen wer Molly ist, denn morgen konnte es schon wieder Maya oder Aria sein.
Rob war kein schlechter Mensch im Umgang mit Frauen und er respektierte sie, aber festlegen konnte er sich einfach nicht. Jedes Mal diskutierten wir darüber und er stellte mich als den hoffnungslosen Romantiker da, während er eher dem miesen alten Mann glich im Alltag.
„Na dann.“; gab ich zurück und er sah mich kurz an. „Mal sehen wie es läuft, ich glaube nicht dass Molly und ich weiter auf einer Wellenlänge sind. Aber die Kleine von gestern Abend war ganz süß.“
Etwas überrascht über seine Offenheit seiner Gedanken mir gegenüber lachte ich auf. Ging es ihm gut?
„Welche Kleine?“, versuchte ich weitere Informationen von ihm zu erlangen. Er zuckte mit seinen Schultern. „Weiß nicht, hab nur ihre Nummer.“
„Einspeichern, und schauen welcher Name dir angezeigt wird bei dem Messanger?“, half ich ihm auf die Sprünge.
Er klopfte mir am vorbeigehen auf die Schulter. „Danke, Mann. Du kannst ja doch ganz nützlich sein in meiner Wohnung.“
„Arsch.“, murmelte ich und hoffte er hört es. Dann beobachtete ich ihn wie er seine Finger über den Touchscreen fliegen ließ.
Er zog überrascht die Augenbrauen hoch und warf mir kurz einen Blick zu. „Nicht schlecht.“
Wie oft ich in seiner Anwesenheit meine Augen verdrehte konnte ich nie sagen und meine Augäpfel wunderten sich schon ewig nicht mehr über so viel Sport am Tag.
Ich hatte nicht danach gefragt und trotzdem kam er nochmal zu mir rüber und zeigte mir das Profilbild der Frau die er gestern wohl aufgerissen hatte.
Mein Herz setzte aus und stolperte dann weiter und ich musste nochmal genauer hinsehen.
„Spinnst du, Alter!?“, sagte ich aufbrausend und nahm ihm sein Handy aus der Hand. Er zog ärgerlich die Augenbrauen zusammen und sah mich gleichzeitig fragend an.
„Was ist mir dir denn los?“, fragte er gereizt. Geduld hatte er nie.
„Die Kleine, wie du sie nanntest, heißt Sanja und ich hab sie gestern kennen gelernt und mich mit ihr unterhalten! Wie kommst DU denn bitte an ihre Nummer? Was soll das? Ist das wieder eins deiner beschissenen Machtspielchen?“ Ich war nun aufgestanden und warf ihm sein Handy zu.
Noch immer stand er verärgert vor mir.
„Krieg dich wieder ein, Mann. Anscheinend bist du einfach nicht interessant genug.“, lachte er nun auf. Am liebsten würde ich ihm eine reinhauen, aber ich war seine arrogante Art gewohnt.
Seine arrogante, ungeduldige, raffinierte und sarkastische Art.
„Wann und wie bist du an ihre Nummer gekommen?“, wollte ich von ihm hören.
Schulterzuckend steckte er sein Handy in seine Hosentasche. „Sie kam mir entgegen und schien so als würde sie mich kennen und redete etwas dass ich ihr Nummer ja hätte und so ergriff ich einfach spontan meine Chance und spielte mit.“
Ich schüttelte den Kopf und war sauer. Rob und ich sahen zwar gleich aus, aber charakterlich waren wir Welten voneinander entfernt und trotzdem schaffte es immer Rob das Mädchen zu bekommen mit seinem Charme ihnen gegenüber.
„Sie dachte du wärst ich!“, schrie ich ihm aufgebracht entgegen. Endlich hatte ich mal wieder den Mut und die Chance ergriffen eine Frau anzusprechen und dann funkte natürlich er wieder dazwischen. Sofort malte ich mir das Szenario aus wie Rob mit Sanja Arm in Arm herumlief und nicht ich.
Rob lachte lauthals los. „Na, das erklärt ja alles. Sehr witzig.“, sagte er und ich hörte in seiner Stimme am Ende seinen raubtierartigen Klang heraus. Die Tonlage die er immer benutze wenn er etwas wollte. Sie war etwas dunkler, samtiger und eindringend. Und mit dieser Stimme kam er auch immer sehr gut bei den Frauen an. Arschloch.
„Ja super witzig wieder. Lass die Finger von ihr! Du wirst dich nicht bei ihr melden!“, herrschte ich ihn an und tippte mit meinem Finger gegen sein Schlüsselbein. Er schlug meine Hand weg und rollte mit den Augen. „Warum? Hast du Angst, Levi?“, fragte er herausfordernd.
Ich schnaubte verächtlich, denn er wusste genau wie ich tickte und wie er tickte. Er war nicht dumm und hatte gute Menschenkenntnisse.
„Sie dachte du wärst ich. Also hatte sie kein Interesse an dir sondern an mir. Lass die Finger von ihr. Sie ist viel zu nett für dich und deine Bad-Boy Art.“, sagte ich zu ihm und raufte mir die Haare.
Das ging alles in die falsche Richtung.
Er hob belustigt eine seiner Augenbrauen. Seine grauen Augen hatten dieses Glitzern welches das Grau etwas dunkler aussehen ließen.
„Na umso besser sie für mich zu gewinnen.“
Ich verachtete ihn. Wir waren immer füreinander da, aber was die Liebe angeht waren wir schon immer Gegner gewesen. Miese paradoxe toxische Kombi.
„Wieso kannst du nicht einfach mal mir die Frau überlassen? Wieso musst du gleich aus allem ein Spiel machen? Du hast doch so viel Auswahl an Frauen, jetzt musst du mir meine noch wegnehmen?“, warf ich ihm vor.
„Hey, du vergisst wohl dass DU derjenige warst der mir vor zehn Jahren die Frau weggeschnappt hat. Du bist mir was schuldig.“, hielt er mir vor und ich konnte meine Wut kaum noch zügeln.
Vor zehn Jahren traf Rob eine Frau namens Susan. Es war wohl die erste Frau die er wirklich mochte. Der Haken war nur: Susan mochte mich und nicht Rob und hat sich für mich entschieden.
Ab diesem Zeitpunkt war Rob so etwas wie ein gebrochener Mann. Und das der Startschuss für unsere jahrelangen Kriege was Frauen betraf. Susan und ich waren drei Jahre zusammen und dann zog sie in eine größere Stadt um Karriere zu machen. Aus und vorbei war unsere Beziehung, doch Rob war nachtragend.
Natürlich war es von mir auch nicht die feine Art etwas mit ihr anzufangen als Bruder, aber wo die Liebe doch hinfiel...
„Vergiss doch endlich deinen Groll, Mann. Sanja interessiert sich als erste Frau seit Jahren an mir und ich finde sie auch sehr interessant und du bist immer noch der gleiche Depp seit Jahren. Kein Wunder wenn keiner von uns die Frau fürs Leben findet.“, schimpfte ich.
Er zuckte gleichgültig mit den Schultern.
„Susan ist mir egal, Levi. Ich bin müde von den ganzen Kriegen mit dir. Denkst du ich will nicht endlich mal ankommen und die Eine finden? Also, wieso machen wir es nicht einfach ganz einfach?“
Überrascht über seine Worte sah ich ihn verdutzt an. „Ja ganz einfach: Lass die Finger von ihr und such dir ne Andere aus.“, schnaubte ich verächtlich.
„Lass doch Sanja entscheiden.“, sagte er schlicht.
„Achso, ja genau.“, rief ich verärgert aus. „Ganz genau, wir sagen ihr einfach >Also ich bin Levi, das ist mein Zwillingsbruder Rob und nun kannst du uns beide kennen lernen und entscheiden wen von uns Beiden du möchtest<. Sag mal funktioniert da oben bei dir noch alles?“, und tippte dabei mit dem Finger an meine eigene Stirn zur Verdeutlichung.
Er lachte sein ehrliches, offenes Lachen.
„Nein nein, wir machen es anders. Sie bekommt die Chance uns einfach parallel kennen zu lernen ohne zu wissen dass wir verschiedene Personen sind. Und dann werden wir einfach sehen wen sie von uns Beiden beginnt ins Herz zu schließen.“
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