Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Liebe / Allgemein / Double

 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Double

von S3linA
GeschichteLiebesgeschichte / P12
22.11.2020
27.11.2020
3
4.426
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
22.11.2020 1.824
 
Kapitel 1 ~ „Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres“ (japanisches Sprichwort)





Sanja


Eilig suchte ich meine Jacke und zog meine Schuhe an, fischte dabei noch meine Schlüssel von der Kommode.
„Hach, komm schon.“, murmelte ich verärgert über mich selbst und verlor fast das Gleichgewicht.
Ich zog meinen schwarzen Schal etwas enger um meinen Hals und huschte durch die Tür.
Die Kälte schlug mir gegen das Gesicht und ich versuchte tiefer in meine Jacke zu tauchen.
Mein Smartphone meldete sich zu Wort und ich verdrehte die Augen.
„Hey.“, meldete ich mich und hatte vorher auf dem Display gesehen dass es meine Mutter war.
„Hallo, na wie geht es dir?“, fragte sie wie immer. „Ganz gut. Bin bisschen spät dran für die Arbeit und dir?“
Ich hörte sie husten und jedes Mal wünschte ich dass sich mein Gehör abschalten könnte. Es erinnert mich jedes verdammte Mal an unschöne Momente.
„Wie immer. War gerade einkaufen. Du, hör mal, könntest du mit deinem Vater zum Arzt? Er hört einfach nicht auf mich.“
Ich atmete tief aus und hoffte sie hört es nicht. ,,Ja, wann?“, fragte ich nur und stieg ins Auto ein.
„Morgen? Ich kann mir doch nie merken wie du arbeitest.“ Wie denn auch wenn mein Dienstplan jeden Monat anders ist und ich mal einen Tag Spätdienst und dann Frühdienst hatte.
„OK, ich komm dann um Zehn vorbei?“, fragte ich und drehte den Schlüssel um bis der Motor lief.
„Danke, das wäre lieb. Ich kann ja sagen was ich will zu ihm. Wenigstens hört er auf dich. Dann bis morgen. Wann musst du anfangen?“
Ich warf einen kurzen Blick auf meine immer falsch laufende Uhr im Auto. „Fünf Minuten, muss mich jetzt beeilen.“, gab ich zurück und legte den Rückwärtsgang ein. ,,Oh dann los, also dann bis morgen.“
Daraufhin hat sie schon aufgelegt und ich legte mein Handy in meine Tasche und ging zur Arbeit.
Es war nichts Neues dass ich sehr oft etwas für meine Eltern erledigte, sei es Arzttermine oder einfach meinem Vater bisschen ins Gewissen reden, darauf achten dass meine Mama auf sich achtet und sich die letzten zwei Jahre nicht wiederholten.
Oft dachte ich an das Schicksal und reflektierte mich selbst und wunderte mich dass ich alles unter einen Hut bekommen hatte. Aber man schafft so einiges wenn man einfach keine andere Wahl hat und man noch nicht mal die Chance bekommt sich hängen zu lassen.

„Nein, sonst war alles in Ordnung.“, sagte ich zur Nachtwache und überreichte ihr den Schlüssel.
Sie nickte und wünschte mir einen schönen Feierabend. Ich öffnete die Tür und nahm einen tiefen Atemzug von der eiskalten Luft. Ich liebte den Job mit Menschen mit Behinderung und ich liebte die Abwechslung und den Spaß und deren Humor und vieles mehr, aber etliche Stunden solche Verantwortung zu haben und jedem Gehör zu schenken zerrte an der Kraft.
Ich fuhr nach Hause, schminkte mich ab und sah kurz in den Spiegel. Müde sah ich mich selbst an und seufzte hörbar.
Auf dem Sofa hörte ich mir noch eine Sprachnachricht meiner besten Freundin an. Geschlagene 14,39 Minuten. Es ging um eine sich anbahnende Beziehung und ich freute mich aus tiefsten Herzen für sie. Mein eigenes Liebesleben sah dagegen nicht so rosig aus. Im Gegenteil, es war ja gar keines vorhanden.
Ich antwortete ihr und zappt durch das TV-Programm. Mein Handy vibrierte und erneut kam keine Sprachnachricht von Ellie. „Sanja, wir gehen morgen Abend was trinken und dann suchen wir dir jemanden.“
Ich lachte auf. Klar, genau. „Wir können sehr gerne etwas trinken gehen.“, sagte ich nur darauf und ging nicht auf ihre andere Aussage ein.
Ich war etwas über ein Jahr Single. Nein, ich gehörte nicht zu der Gruppe die den Männern abschwor und nichts mehr von ihnen wissen möchte. Ich glaubte auch definitiv daran jemanden zu finden, nur steht der Zeitpunkt noch nicht fest. Ich war einfach hoffnungslos hoffnungsvoll. Immer.

Morgens wachte ich auf und schlurfte zur Kaffeemaschine. Den Arzttermin mit meinem Vater nahm ich wahr und sagte ihm nochmals dass er mehr trinken müsse. Aber manchmal redete selbst ich bei ihm gegen eine Wand.
Meine Mama bot mir noch etwas zum Mittagessen an. Ich genoss die kleinen Momente immer wieder und wusste es nach den letzten Jahren noch mehr zu schätzen. So oft wurde mir vor Augen gehalten dass jeder Moment kostbar ist, allein durch die Schicksalsschläge meiner Mutter und auch meines Vaters vor mehreren Jahren.
Auf dem fünfzehnminütigen Heimweg sang ich lauthals ein Lied im Radio mit und schwelgte ein wenig in Erinnerungen.

>Bin da<, leuchtete auf meinem Handy auf. Schnell zog ich meine Schuhe an und schloss die Haustür hinter mir.
Ellie flog mir in die Arme und ich drückte sie ganz fest an mich.
Auf dem Weg zur Bar redeten wir über ihre neue Bekanntschaft und kurz überkam mich der Neid. Ich war neidisch dieses anfängliche Gefühl nicht zu spüren jemanden kennen zu lernen und sich zu verlieben. Aber schnell schob ich es beiseite.
„Sanja, wir amüsieren uns richtig heute Abend.“ Sie klopfte mir auf den Oberschenkel und parkte das Auto. Ich lachte und stieg aus, strich meine langen braune Haare glatt und richtete meine Brille auf der Nase zurecht.
Wir schlängelten uns zur Bar und Ellie hielt fest meine Hand um mich nicht in der Menschenmenge zu verlieren.
„Oh, nettes Hinterteil“, sagte ein unbekannter Mann neben mir. Ich lachte darauf nur und bestellte beim Barkeeper einen süßen Cocktail.
Ellie trank ihren dritten Cocktail, während ich schon ziemlich angetrunken von meinem ersten bin.
„Komm gleich.“, sagte ich und ging zur Toilette.
Ich quetschte mich durch tanzende Menschen und plötzlich sah ich im Augenwinkel einen Mann zurücktreten, direkt in dem Moment als ich an ihm vorbeilief.
Natürlich rempelte er mich an und ich wich aus. Schnell drehte er sich zu mir um, legte seine Hand um meinen Oberarm und hielt mich fest.
Er war zwei Köpfe größer und hatte graue Augen, vielleicht auch blau oder grünlich. In dem Licht konnte ich es leider nicht richtig erkennen. Aber ich erkannte dass er braune Haare hatte und einige Strähnen ihm in die Stirn fielen.
Sein schwarzes Shirt passte ihm wie angegossen und ich sah schnell auf den Boden und dann kurz wieder zu ihm und dann um mich herum.
„Sorry, alles in Ordnung?“, fragte er und beugte sich dabei an mein Ohr. Zuerst war ich direkt verwundert was er da tat, bis mir einfiel dass es recht laut um uns herum war. Ich kam mir vor wie ein kleines Kind.
Ich nickte. „Alles gut, kein Problem.“, sagte ich und lächelte. Er lächelte mich an und zog mich einfach hinter sich her. Ähm...was?
Ich war so perplex und wollte mit meiner anderen Hand nach ihm greifen und zerrte letztlich nur an seinem Shirt. Naja, irgendetwas musste ich ja von ihm erwischen.
Er drehte sich zu mir um und nun ließ er mich los. Ich wollte mich auf die Zehenspitzen stellen um etwas näher an seinem Gehör zu sein um ihn zu fragen was das denn sollte, da war er schon wieder nah an meinem Ohr. Sein süßlicher Geruch stieg mir in die Nase und augenblicklich wollte ich mehr davon inhalieren.
„Ich wollte dich auf ein Getränk einladen.“, sagte er und lächelte. Ich lachte auf und strich meine Haarsträhne aus den Augen.
„Wie wäre es mich zu fragen und nicht einfach hinter dir her zu ziehen als würdest du mich verschleppen wollen und zudem kenne ich dich doch gar nicht!“, sagte ich laut, in der Hoffnung er hätte jedes Wort von mir verstanden.
Er lachte nun auch und hielt mir dann seine Hand hin. Ich zog meine Augenbrauen hoch und sah ihn fragend an. „Ich bin Levi.“, teilte er mir mit. Jetzt verstand ich was er mir mit seiner Hand sagen wollte. Ich ergriff sie und spürte die Wärme die davon ausging. Er spürte wohl nur meine eiskalte Hand.
„Sanja.“, gab ich zurück. Er runzelte die Stirn. „Traumhaft.“, grinste er und zog mich nun weiter zur Bar um mir ein Getränk zu bestellen. Ich verstand direkt seine Andeutung auf die Bedeutung meines Namens und bewunderte sein Wissen darüber.
Ellie sah mich und dann Levi neben mir, hob erschrocken die Augenbrauen und ich zuckte grinsend mit den Schultern. Sie grinste zurück und hielt sich im Hintergrund. Nachher würde sie alles erfahren wollen und ich verkniff mir ein Lachen.
Dass ich eigentlich zur Toilette wollte stelle ich nun hinten an.

Levi und ich unterhielten uns wirklich gut und schienen auf einer Wellenlänge zu sein. Ich war so aufgeregt und konnte regelrecht spüren wie tausende Glückshormone sich in mir ausbreiteten. Natürlich hatte ich im Hinterkopf dass er mich nur auf ein Getränk einlud und das war es dann. Aber meine innere kleine hoffnungsvolle Romantikerin malte sich schon eine kleine Liebesgeschichte aus. Diese blöde Kuh.
Meine Blase meldete sich nun noch dringender zu Wort und ich wollte Ellie nicht noch länger alleine lassen. „Ich muss mal wieder zu meiner Freundin. Danke für das Getränk und die nette Unterhaltung. Wirklich sehr schön.“, lächelte ich ihn dabei an als ich ihm mitteilte nun zu gehen.
Kurz verließ das Lächeln sein Gesicht und er scheint zu überlegen.
„Tauschen wir Nummern aus? Vielleicht können wir ja mal schreiben.“, fragte er und sah mir direkt in die Augen. Eifrig nickte ich.
„Danke, dann bis dann.“, sagte er während ich vom Hocker hinunter rutschte.
Ich lächelte ihn schüchtern an und merkte den Alkohol nun stark mein Bewusstsein trüben.
„Bis dann.“, gab ich zurück und machte mich auf den Weg und konzentrierte mich dabei stark nicht all zu sehr das Gleichgewicht zu verlieren.
Als ich zurück zu Ellie ging, kam mir Levi erneut entgegen. Ich grinste ihn an als er meinen Blick schweifte, aber er schien etwas verwirrt zu sein.
„Lange nicht mehr gesehen.“, sagte ich scherzhaft und war nun selbst auch etwas verwirrt. Hatte er nicht ein schwarzes Shirt getragen? Nun war es eher dunkelgrau. Ich schüttelte innerlich den Kopf.
Oh Sanja, dachte ich, du verträgst einfach keinen Alkohol.
„Also dann bis dann. Du hast ja meine Nummer.“, sagte ich und tätschelte seinen Arm. Ich lief weiter ohne eine Antwort abzuwarten, da ich mich selbst verfluchte mit meinem Auftreten gerade. Wieso tätschelte ich denn seinen Arm? Was war denn das bitte?
Weiter kam ich nicht, da hielt mich Levi am Arm fest. „Kannst du mir deine Nummer nochmal geben? Ich glaub ich hab sie verloren.“, sagte er und sah mich fragend an.
Ohne weiter darüber nachzudenken nickte ich und gab sie ihm erneut. Dankend nahm er sie und ich machte mich auf den Weg zu Ellie.
„Erzähl!“, forderte sie sofort ganz aufgeregt und ich brachte sie auf den neusten Stand.
Ich erzählte ihr auch anschließen davon dass ich nicht glaubte dass Levi und ich Kontakt aufbauen werden nach dem Abend. „Ja klar, mit der Einstellung kannst du ja auch nicht wissen was da noch so alles auf dich wartet. Man muss auch mal über den Rand schauen und was wagen.“
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast