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Nicht So

OneshotAllgemein / P12
Dean Winchester Sam Winchester
22.11.2020
22.11.2020
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Dean sah, wie Sam den Vampir köpfte und wandte sich dann wieder seinem Gegner zu. Dieser Vampir war ein Riese, massig wie ein Wrestler, und sah ihn an wie ein saftiges Steak. Ihre Blicke trafen sich und Dean wusste, dass er all seine Kraft und Geschick würde aufwenden müssen, um diesen Vampir niederzuringen.

Wie auf Kommando rannten sie aufeinander zu, Arme ausgestreckt. Dean machte sich auf die Kollision gefasst, aber sie raubte ihm dennoch beinahe den Atem. Der Vampir war groß und stark, vampirmäßig stark, und manövrierte ihn ohne große Schwierigkeiten rückwärts. Es machte Dean Angst. Er hasste das Gefühl, manipuliert zu werden und nichts tun zu können, um es zu stoppen.

Und dann passierte genau das. Es stoppte.

Der Vampir erstarrte.

Dean erstarrte.

Sogar Sam erstarrte.

Dean sah sich um, noch in derselben Position, im Versuch, sich gegen die Macht des Vampirs zu wehren, sich nicht gegen seinen Willen wegschieben zu lassen. Unter seiner Maske hatte der Vampir die Zähne gefletscht. Aber er war erstarrt. Sam war erstarrt. Und Dean? Er konnte mit den Augen kniepen, Kopf und Körper bewegen, aber Arme und Füße waren wie festgeklebt. Was ging hier vor sich?

"Ich weiß, ich habe gesagt, dass ich nicht eingreifen werde, Dean, aber ich habe nicht dabei geholfen, Chuck zu bezwingen, ihm erlaubt euch beide zusammen zu schlagen und euch dann geheilt, damit es jetzt endet. Nicht so."

Dean drehte ruckartig den Kopf um, sah den Sprecher an, dessen vertraute Stimme er nicht mehr zu hoffen gewagt hätte zu hören.

"Jack? Was... ist das hier? Was bedeutet das? Und warum kann ich mich nicht bewegen?"

"Das ist das allerletzte Mal, dass ich eingreifen werde, Dean.", sagte Jack mit einem Lächeln. "Es gibt noch zu viele Menschen, die dich brauchen, auf dich angewiesen sind. Und Sam? Er würde ohne dich nicht derselbe sein."

"Ohne mich? Wovon redest du?" Dean war verwirrt.

"Sieh hinter dich.", wies Jack ihn an und deutete auf den Stützbalken hinter ihm.

Was Dean erblickte ließ ihn kreidebleich werden. Buchstäblich einen Zentimeter von seinem Rücken entfernt ragte eine massive Eisenstange aus dem Balken hervor. Wenn Jack nicht getan hätte, was auch immer er getan hatte, wäre Dean jetzt an der Stange aufgespießt. Und von der Position der Stange zu schließen, war es klar, dass diese Verletzung tödlich gewesen wäre. Sein Herz begann in seiner Brust zu rasen.

"Weißt du, sie hätte dich nicht sofort getötet. Sam hätte dir beim Sterben zusehen müssen, Dean. Weißt du noch, wie es war, als du Sam sterben sehen musstest?"

"Woher weißt du davon?", fragte Dean atemlos. Er wusste, dass er sich nicht bewegen konnte, aber das Wissen um die Stange in seinem Rücken, ließ ihn unwillkürlich versuchen dieser auszuweichen.

"Ich habe Chucks Macht absorbiert. Daher weiß ich alles, was er wusste. Und er... du weißt, was er getan hat."

Dean nickte und versuchte weiter zu kämpfen.

"Warum zeigst du mir das hier? Warum auf diese Weise?"

"Du musstest die Gefahr sehen, Dean. Es gibt keine Engel mehr, die dich zurückholen können. Keine Dämonen, um einen Deal zu machen. Den Himmel gibt es noch, aber ich habe da einiges geändert. Zum Besseren. Aber du gehörst noch nicht in den Himmel, Dean. Es ist wichtig, dass du achtsamer bist, denn ich werde hiernach nicht mehr eingreifen."

Dean nickte. Er verstand. Jack hatte ihnen gesagt, dass er überall sein würde, aber ohne einzugreifen. Und doch tat er es dieses Mal. Urplötzlich hatte Dean ein Bild vor Augen, Sam, grauhaarig, wie er eine Plane von Baby zog und sich hinters Steuer setzte. Seine Hände zitterten, bevor er die Augen schloss und das Lenkrad umfasste. Dean schnappte nach Luft.

"Bleib wachsam."

Mit diesen Worten streckte Jack eine Hand aus und hielt sie über die Stange, die sich in Luft auflöste, so dass lediglich der Stützbalken übrig blieb. Dann sah er Dean an und lächelte.

"Machs gut, Dean."

Jack strahlte hell auf und verschwand und Dean krachte mit Karacho in den Balken hinter ihm. Der Vampir fauchte und versuchte, seine Arme frei zu bekommen, aber Dean war entschlossen, trotz schmerzendem Rücken dafür zu sorgen, dass Jacks Eingreifen nicht umsonst gewesen war.

Mit einer fast übermenschlichen Anstrengung, drängte er den Vampir weit genug zurück, dass Sam ihm mit der Machete den Kopf abschlagen konnte. Mit einem dumpfen Klatschen landete der kopflose Vampir auf dem Boden und Dean suchte Blickkontakt mit Sam.

Sam war aufmerksam, sah sich genau um, um sicherzustellen, dass kein Vampir mehr lebte. Eine gewisse Zufriedenheit machte sich auf seinem Gesicht breit. Dean wusste, dass dieses Gesicht um haaresbreite untröstlich ausgesehen hätte, wenn Jack nicht das unausweichliche geändert hätte. Dean erinnerte sich an den Schmerz auf Sams Gesicht, als ihn die Höllenhunde in Streifen gerissen hatten, oder als Metatron ihn erstochen hatte. Und Dean wusste, er wollte diesen Schmerz nie wieder auf Sams Gesicht sehen. Niemals.

Er schluckte und versuchte sich zu entspannen und blickte von den kopflosen Körpern auf die noch schaukelnden, maskierten Köpfe. Dann atmete er tief durch. Niemals würde er Sam erzählen können, was beinahe geschehen war.

"Alles gut?", fragte Sam.

"Ja.", erwiderte Dean. Er konnte gar nicht schnell genug aus dieser Scheune herauskommen. "Komm, lass uns die Kinder dahin zurück bringen, wo sie hingehören."

"Ja.", stimmte Sam ihm zu und lächelte. Zusammen gingen sie zu ihrem Impala. Etwas in der Art, wie die Kinder dort standen, erinnerte Dean an ihre eigene Kindheit und er war augenblicklich gleich nochmal so froh, dass er an diesem Tag nicht für immer gegangen war.

Nicht so.
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