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Fatal Love

von Resu
KurzgeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 Slash
I.M Kihyun
21.11.2020
21.11.2020
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4 Monate zuvor


„Aber du kannst doch nicht abstreiten, dass…“, widerspricht er mir in einer Mischung aus Flehen und Frustration. Ich unterbreche, indem ich ihm meine rechte Hand auf die Lippen lege.
- „Davon darfst du nicht einmal träumen, kkukkung!“
Verstohlen, beinahe panisch, überblicke ich die stille Umkleidekabine, welche an unseren Trainingsraum angrenzt, auf der Suche nach Kameras, einem Paar Augen, Fenstern mitsamt ihrer Möglichkeit der Einsicht. In meinem Gesichtsausdruck muss sich der Schock widerspiegeln, der mir noch tief in den Knochen sitzt. Die Hitze in meinen Ohren breitet sich auf die anliegenden Schläfen aus. Ich blicke Changkyun eindringlich in Augen.
„Hör zu, kkukkung, das darf niemals jemand erfahren, okay? Erzähl keinem davon, auch den anderen nicht!“, erkläre ich leise, doch mit Nachdruck. Ich will fortfahren, erkenne aber die Verletztheit; das Unverständnis in seinem Blick.
„Ist schon okay, wir haben alle so eine Phase gehabt, hm? Du bist mein kleiner Bruder, ‘kyun, das...“
Ehe Changkyun die Lider senkt, meine ich, Feuchtigkeit in seinen Augen stehen zu sehen. Ich nehme die Hand von seinen Lippen und Erschöpfung ersetzt den Schrecken, welcher bisher mein Inneres erfüllte. So stehen wir da, die Schultern hängend, ahnungslos und zweifellos entfremdet.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren wendet sich mein dongsaeng ab, greift fahrig nach seiner Tasche und verlässt den Raum.
Die tröstenden Worte bleiben mir im Hals stecken. Ich kann mir denken, dass sie ohnehin nicht erhört würden.
Irritiert fahre ich mir über die schmalen Lippen, auf denen sein Kuss noch immer brennt.


X



Es ist gerade einmal vierzehn Uhr, als ich, ungewöhnlich früh zurück vom Vocal Training,  den Schlüsselcode ins Tastenfeld der Sicherheitsanlage unseres Dorms eingebe. Es ist auch der Moment, in dem ich sehr schnell den widerwärtigen, künstlich-süßen Geruch wahrnehme, für den ich meine Members bereits des Öfteren zusammengeschissen habe. Ich rümpfe die Nase und schließe die Tür hinter mir, lasse meine Tasche tendentiell eher unsanft neben mir nieder und steuere direkt auf Minhyuks Zimmer zu. Grob reiße ich die Tür auf, böse Worte bereits auf der Zunge – als ich überrascht und entgegen meiner Erwartung nicht Minhyuk bei einem Zug an der E-Zigarette erwische sondern unseren Maknae, mit dem er sich das Zimmer teilt.
Entsetzt öffnen sich meine Lippen, doch ihnen entweicht kein Laut. Changkyuns und Minhyuks Gesichtsausdrücke spiegeln vermutlich den meinigen wider. Letzterer erlangt seine Sprachfertigkeit zuerst zurück.
„Ki, das war… Er wollte nur einmal probieren, ich habe ja aufgepasst! Das war mein Fehler, er-“
Ich erhebe mahnend die Hand, ohne meinen Blick von meinem jüngsten Member zu wenden.
„Mitkommen“, fordere ich.
„Ki, bitte, er hat doch-“, will Minhyuk intervenieren.
„Ich will nur mit ihm reden!“, unterbreche ich ihn, die Augen verdrehend. Ich würde ihm schon nicht den Kopf abreißen.
Changkyun, der bisher schuldbewusst geschwiegen hatte, erhebt sich wortlos vom Bett und folgt mir mit ausweichendem Blick.

Ich durchquere den Wohraum, welcher auch unsere offene Küche beheimatet, und betrete den kleinen Balkon, der unserem Dorm angehört. Wortlos strecke ich die Hand aus, nachdem Changkyun die Tür hinter sich zuzieht. Widerwillig reicht er mir den langen Gegenstand, den er bisher fest umschlossen hielt.
„Dir ist klar, dass du so nie die hohen Tonlagen erreichen wirst?“, tadele ich mit hochgezogenen Augebrauen.
„Bin ja auch kein Vocalist“, entgegnet er mürrisch, „Außerdem raucht Shownu auch.“
Ich schnaube verächtlich. „Und du meinst, du kannst dich mit ihm vergleichen?“
Changkyun blickt beschämt nieder und schüttelt den Kopf.
„Das Zeug stinkt abartig. Und du bist alt genug zu wissen, dass das Rauchen, egal ob so oder so, drinnen nicht erlaubt ist. Was, wenn die Feuermelder losgehen? Erklärst du das den Managern?“
- „Das ist Dampf, kein Rauch! Behandle mich doch nicht wie ‘nen Fünfjährigen!“
„Dann benimm dich nicht so.“
Kurz schweigt er, doch ich sehe den Widerstand in seinen Augen funkeln. Missbilligend blicke ich ihn wartend an.
„Vapen ist gar nicht so schädlich wie normales Rauchen!“, platzt es frustriert aus ihm heraus.
- „Und das macht es automatisch gut, oder was?“
Changkyun schmollt. Er weiß nicht, dass dies entwaffnend auf micht wirkt. Und ich bin schlau genug, ihm das auch weiterhin zu verschweigen. Schnell, wie er gekommen ist, verraucht mein Zorn. Verdampft regelrecht. Stinkt dabei nur nicht nach Tropical Marshmallow. Kurz beglückwünsche ich mich für diese Pointe,  fokussiere ich mich dann jedoch wieder auf meine Moralpredigt.
„Was hast du denn davon?“
„Ich wollte das nur mal ausprobieren“, lenkt er ein, „Ich mach‘s nicht wieder.“
Ich bin misstrauisch, doch nicke beschwichtigt.
„Guter Junge“, murmel ich und lege ihm meine Hand aufs Haupt. Changkyun senkt den Blick. Ich sehe, wie sein Atem in der klaren Herbstluft kondensiert.
„Es ist kalt, rein mit dir“, fordere ich gutmütig. „Und zieh dich wärmer an!“, rufe ich ihm hinterher, als er folgsam ins Innere des Dorms tritt und die Küche ansteuert.

Und nun wäre Minhyuk an der Reihe.
Ich betrete erneut dessen Zimmer, wo er mich bereits zu erwarten scheint.
„Bevor du loslegst – ich hab ihn nicht dazu ermutigt! Im Gegenteil“, kommt er meiner Ansprache zuvor.
„Oh, dann habe ich das vorhin missverstanden? Dann ist das gar nicht deine?“, frage ich zynisch und wedele mit der E-Zigarette, die ich Changkyunie abgenommen habe. Ein wenig zu gewaltsam werfe ich sie ihm zu; er schafft es nicht, sie abzufangen, sodass sie gegen seine Brust prallt.
„Au“, jault er auf und schaut mich sulky an. Dabei wirkt er – zu seinem Pech - nicht einmal halb so attraktiv wie unser Maknae.
„Ich bin echt enttäuscht. Wir haben ihm gegenüber eine Vorbildsfunktion und du unterstützt ihn dabei, süchtig zu werden“, werfe ich ihm anklagend vor.
„Kihyun, du übertreibst mal wieder maßlos. Es war so: Er hat ein Mädchen kennengelernt, die dampft auch und nun sucht einen Vorwand, mit ihr mal eine Pause zu verbringen. So einfach. Und bevor er sich irgendwo sonst was für ein Zeug holt, hab ich ihm das einfach vernünftig erklärt, gezeigt und ihn beim ersten Mal beaufsichtigt, für den Fall, dass er‘s nicht verträgt.“
„Das ist einfach nur unverantwortlich!“, stoße ich düster hervor.
„Im Gegenteil, wenn er rauchen will, dann raucht er. Davon kannst du ihn nicht abhalten, wenn wir ihm das verbieten, dann macht er es halt heimlich! So kann ich den Konsum wenigstens kontrollieren. Also echt, Kihyun, er ist volljährig und vernünftig genug. Du führst dich auf wie 'ne Tigermutter.“
Ich höre längst nicht mehr zu. Was auch immer er sagt, es kann nicht so wichtig sein wie der Umstand, dass Changkyun nicht um der Coolness oder des Nikotin willen, sondern aufgrund eines Mädchens raucht.
„Weißt du, wer sie ist?“, frage ich tonlos.
„Irgendeine San-Nae, ich glaube sie ist Trainee“, antwortet Minhyuk schulterzuckend. Ich nicke langsam und mache kehrt.
„Wehe, ich erwische ihn nochmal in deiner Anwesenheit!“, warne ich im Hinausgehen.

Später, nachdem wir gemeinsam zu Abend gegessen haben, überfliege ich, zurückgezogen in meinem Zimmer,  eine Liste der Starship-Trainees, welche ich der Sekretärin unseres Lofts abgeschwatzt habe. Darunter finde ich keine San-Nae. Auch keine Variation dieses Namens. Dabei hat sie mir versichert, dass diese Liste die gesamte Traineeschaft aufführt. Und hätte dieses Mädchen bereits debütiert, würde ich sie zumindest namentlich irgendwie zuordnen können. Frustriert zerknülle ich das Papier und lasse es auf meinen Nachttisch fallen.
Ich schnaube abfällig.
Ich werde schon herausfinden, wer du bist und was ihn an dich bindet, San-Nae.
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