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Blut ist dicker als Wasser

OneshotFamilie / P12
21.11.2020
21.11.2020
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Vorwort:

Ähem, kennt ihr das, wenn ihr eine Idee habt, die ganz plötzlich kam und einen einfach nicht in Ruhe lässt? Tja, so ist es mir jetzt schon eine geraume Zeit ergangen und deswegen musste ich Das Hier schreiben.
Es ist eine Schwert/Schild Geschichte, aber eher ein AU (da es eine andere Handlung hat) Ich werde Charakter(e) aus dem DLC des Spiels verwenden, daher auch mögliche Spoiler, obwohl das nur mit einem Charakter zutun hat, aber dennoch, nur als Warnung.

Die Charaktere könnten hier auch ziemlich ooc geraten sein.
Ich bin einfach nur froh dass ich die Idee jetzt endlich niedergeschrieben habe.
(Mir ist bewusst dass die Wörtliche Rede so aussieht: ,,..." allerdings funktioniert sie auf meinem Cromebook nicht weswegen sie hier : "..." so geäußert wird. Ich weiß nicht wie man das umändert -,- also bitte seht mir das nach)

Viel Spaß!


...... ............. .................. .................... ......................

Er tätschelte ihr nett und tröstend den Kopf.
“Es tut mir Leid.” Seine Stimme klang aufrichtig mitleidig, obwohl da etwas seltsames in den Augen funkte. Etwas, was Mila in diesem Moment des Schocks nicht sehen konnte.
“Es war ein Unfall.”

(...)

“Hey Bruder!”
 Damit hatte vieles angefangen. Und damit endete es auch?

Immer hatte dieser Satz ihn in die Richtung schauen lassen, wo Peony stand. Entweder hatte er etwas seltsames, kurioses, oder manchmal auch banales, aber lustiges entdeckt. Und er hatte sich darauf eingelassen. Anfangs, als alles noch in Ordnung war.

Wobei...es war doch Immer Noch alles in Ordnung, nicht wahr?

Es war ein warmer Hochsommertag, der sich langsam dem Ende neigte, als sie die wilden Kupfanti begegneten, mit denen der Weg als Pokemontrainer anfangen sollte. Es waren zwei Brüder. Ja, als wäre es Schicksal, dass diese Brüder von einem anderen Brüderpaar gefunden wurde. Er zückte sein geliehenes Pokemon und schaffte es mit dem Pokemon ihres Vaters, beide zu bezwingen und zu fangen, er reichte seinem jüngeren Bruder den Pokeball mit dem einen Kupfanti und lächelte.

Es war ein echtes, warmes lächeln. Welches noch nichts mit dem geschäftlichen Lächeln zutun hatte, welches er später stets aufsetzen würde. Es war kein gelogenes, geflunkertes Lächeln, aber es würde kälter sein. Hart, vielleicht so hart wie Stahl.

Zu dieser Zeit war Galar wild. Galar war immer Wild, ein Territorium der Pokeomon, welches die Menschen versuchten, für sich zu gewinnen. Es war kein leichtes Leben und es war notwendig, dass jeder Mensch, der überleben wollte, Bindungen mit Pokemon schloss, um schließlich die Wildheit gemeinsam zu bezwingen. Beide waren damals noch so optimistisch gewesen. Aber zu dieser Zeit hatten sie beide bereits unterschiedliche Wege vor Augen, aber keiner sprach dieses aus. Sie waren Brüder, sie taten immer alles zusammen, warum sollte es dieses Mal anders sein?

Rose merkte, dass es dennoch anders war, zwischen ihnen!
Er hatte einen starken, großen Ehrgeiz, eine Vorstellungskraft, ein klares Bild, welches er verwirklichen wollte! Sein jüngerer Bruder hatte so etwas durchaus, aber er war irgendwie...leichtfüßiger, vielleicht auch etwas zu halbherzig bei der Sache? Niederlagen lachte er weg, war immer optimistisch und hatte nicht immer den Sieg vor Augen, eigentlich immer nur ein tolles, spannendes Abenteuer, auf welches er viel lachen konnte. Und welches er dann mit einem strahlenden Funkeln in den Augen ihren Eltern erzählen konnte!
Es war nicht so, dass Rose kein Spaß hatte, aber irgendwas störte ihn bei dieser lebhaften und doch irgendwie zu leichtfertigen und lockeren Art von Peony.

“Nimmst du überhaupt mal etwas ernst?” hatte er seinen Bruder schließlich gefragt, als sie etwas älter waren. Die Wildheit Galars war ein echtes Problem; so viele Menschen die es nicht schafften Anschluss zu finden, die von den wilden Pokemon eingeschüchtert wurden und daher am Rande Galars leben mussten. Rose wollte das ändern.
Peony wollte ihm helfen, so schien es, aber er ließ sich viel zu leicht von anderen, unwichtigen Dingen ablenken, was Rose bemerkte. Und was den älteren eine unruhige Wut fühlen ließ. So war sein jüngerer Bruder eben, aber es schien ihm Anbetracht der ernsten Lage nicht wirklich angemessen. Peony sah ihn fragend an, ein Hauch von Ernst färbte die Augen von ihm.
“Du hat ja irgendwo Recht, Rose, aber...was ist es für ein Leben, wenn man nicht Lachen darf? Wenn man sich nicht mal zurücklehnen kann um die kleinen, heiteren Momente im Leben zu bestaunen! Rose, du bist einfach etwas zu...verspannt?”
“Verspannt? Es geht um die Sicherheit, um die Zukunft Galars! Wenn wir die Wildheit gezähmt haben und die Menschen in Ruhe leben können, dann dürfen wir uns den unwichtigen Dingen widmen, aber nicht vorher!” Rose merkte erst in der Nacht, dann, als er wach lag und grüblerisch an die Decke starrte, dass er da etwas überreagiert hatte. Er hatte es zwar ernst gemeint, aber dennoch, seine Worte hatten Peony erreicht und die hatten dem optimistischen Funkeln Einhalt geboten. Vielleicht hatte er da endlich gemerkt, wie lächerlich es war, was er da tat. Aber vielleicht hätte er es ihm doch anders sagen sollen. Er drehte sich seufzend auf die Seite. Egal, er hatte es trotz allem Ernst gemeint!

Rose lernte Delion kennen.
Obwohl Rose jetzt kein schlechter Pokemontrainer war, hatte er gemerkt, dass seine Stärken in anderen Bereichen lagen, als irgendwelche Kreaturen für sich zu gewinnen. Er wollte die technischen Möglichkeiten der Menschheit ausbauen, Galars Umgebungs Struktur verändern. Delion aber tat es mit dem direkten Weg: er nutzte sein Können als Trainer um die wilden Pokemon von seiner Stärke zu beeindrucken. Ihm folgten bald andere, fähige Trainer, die gemeinsam ein TRainerverband schlossen. Delion hatte sich als der Stärkste unter ihnen herausgestellt und war somit der Leiter des Verbandes. Rose war fasziniert von der Art, wie Delion das alles leitete. Es war ein anderer Ansatz als der, den Rose verfolgte, aber er konnte nicht abstreiten, dass diese Art und Weise nicht doch zum Erfolg führen könnte. Als er begann, seine eigene Methode zu hinterfragen, sprach er mit Delion und erkannte, dass ihre Wege harmonierten und sie parallel zueinander laufen konnten. Statt sich zu behindern, schafften sie es sogar, voneinander zu profitieren.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Rose auf die Unterstützung seines Bruders erhofft.
Doch Peony folgte nicht seinen gänzlichen Ambitionen, er schien nie weiter zu denken, als um die erste Ecke, war den Leuten immer ganz nahe und lebte mit ihnen. Er war irritiert, als Rose ihn mit Nachdruck bat, ihm doch zu helfen!

Peony tat es schließlich; allerdings auf eine andere Art und Weise. Er schloss sich Delions Trainerverband an. Rose hatte gehofft, die Unterschiede zueinander wären nicht zu groß, aber irgendwie war es genau Das. Es tat weh. Ja, das tat es wirklich…
Rose fühlte sich allein an seiner Spitze, bis er mit Olivia jemanden fand, der Peonys Part übernehmen konnte. Es war gut so. Das Beste, was angesichts der Möglichkeiten geschehen konnte.

Gemeinsam mit seinen Leuten suchte er sich gut geeignete Flecken Galars aus, um Wohnorte zu erschaffen. Die Pokemon, die dort lebten, wurden erst mit Kämpfen, und dann mit Erfindungen verscheucht. Es funktionierte gut, obwohl Delion einmal seine etwas zu schnelle, aggressive Art hinterfragte. Würde er da nicht Zu rigoros handeln? Hätte es nicht auch der ein oder andere Kampf getan, um zu demonstrieren, dass sie keine Feinde waren? Das man miteinander leben konnte, anstatt getrennt?
Rose konnte Delion verstehen, aber sein Weg war beschritten worden und es war zu Spät, als dass er es rückgängig machen konnte.

Besonders als er bei seinem Projekt auf Endynalos traf…
Er hatte sich den Kopf zermartert, was es für Möglichkeiten geben könnte, das Energieproblem zu lösen. Der Mensch brauchte Strom, brauchte Fließend Wasser. Aber woher eine Kraft nehmen? Einfach so würde sie nicht entstehen…
Aber Endynalos, das Energie-Wesen, war genau Das, was Rose brauchte!
Er bat Delion darum, mit seinen Leuten zu helfen, Endynalos zu unterwerfen, doch Delion weigerte sich mit einem Mal. Er tat es mit einem Lächeln, mit einer Klarheit. Es entsprach nicht dem Bild, welches er sich gemacht hatte...frustriert darüber, dass zwei große Individuen dort aneinander prallten, richtete er sich an Peony.

Sein Bruder war ein angesehenes Mitglied des Trainerverbandes. Mit seinem Patinaraja hatte er sich die Sparte Metall und Stahl gesichert. Rose dachte daran, dass es seiner Neigung entsprach. Er dachte, sie hätten sich sehr stark verändert, aber es gab doch noch Dinge, die gleich geblieben waren…

“Würdest du mir helfen? Endynalos ist zu mächtig für ein Paar Trainern, aber du bist immerhin einer der 9 Leiter des Trainerverbandes...ich weiß, Delion hat mir nicht zugesagt. Aber...du wirst mich verstehen, oder?”
Peony war mit der Zeit etwas ernster geworden. Die Verantwortung hatte etwas mit ihm gemacht und das erste Mal fühlte sich Rose wieder näher. Erst in diesem Moment fühlte er, dass die Trennung zwischen ihnen etwas war, was ihn im inneren beschäftigt hatte. Vielleicht auch betrübte. Um so mehr erhoffte er sich nun die Zusage seines Bruders.
Peony wirkte verunsichert, womöglich war er durch die Loyalität gegenüber Delion sich nicht sicher, ob er einfach zusagen dürfte, aber es war schließlich sein Bruder und Blut war dicker als Wasser. “Also gut, Rose...ich denke ein Blick auf dieses Wesen zu werfen, ist vielleicht nicht verkehrt.”

Das war es aber gewesen. Peony hatte ein Paar mutige Trainer seiner Kaste mitgenommen und Rose begleitet. Allerdings stellte es sich als großer Fehler heraus, da Endynalos nicht nur ein wildes Wesen war, sondern auch noch ein aggressives dazu. Es merkte die Absicht der Trainer und holte zum Schlag aus.

Es gab viele Verluste. Verluste, die die Brüder schwer traf. In vielerlei Hinsicht. Endynalos verschwand, hinterließ eine leere Untergrundhöhle und viele leblose Körper. Von Pokemon wie Menschen. Als würden die beiden Brüder nicht allein schon wegen ihrer Entscheidung und der direkten Folgen genug leiden, wurden sie auch von den anderen Leuten beschimpft und beschuldigt. Das Gute Ansehen von Peony bekam Risse, alles, für das er sich eingesetzt hatte, was er damit erschaffen hatte, wurde allein durch diese eine Große Niederlage beschädigt. Rose dachte, dieser Schlag würde sie vielleicht verbinden, doch genau das Gegenteil geschah. Peony zog sich nicht nur vom Trainerverband zurück, sondern auch von ihm...es war seine Entscheidung und Rose musste das hinnehmen. Aber es machte ihn nur schrecklich wütend.

“Wie kannst du einfach so aufgeben?”

Peony blieb ihm diese Antwort schuldig...und obwohl Rose seit jenem Vorfall in der Kritik stand, versuchte er Seinen Standpunkt zu vertreten. Er trat hervor und redete. Er tat es mit Entschluss und starker Stimme. Er war immer noch überzeugt, dass Endynalos für vieles der Schlüssel war.

“Wir müssen dieses Pokemon bezwingen und es für uns nutzen...versteht ihr nicht? Es wird unser Energieproblem beheben, unser Leben revolutionieren!”

Das war der Moment, wo sich sein jüngerer Bruder doch an ihm wand.
“Rose...es hat Menschenleben gekostet. Die Leute sind traumatisiert. Du kannst es nicht als Grund nehmen, weiter zu machen…”
“Sagst du damit, ich soll aufgeben? Peony. Ich weiß dass gerade eine schwere Zeit ist, aber es geht um die Zukunft Galars. Es wird notwendig sein.”
“Aber nicht, wenn es zu weit geht, aber genau das passiert. Du bist...wir sind zu weit gegangen.” “Gerade deswegen kann ich nicht zurück...wir müssen weiter machen.”
“Das ist ein Fehler, Rose...ein Fehler.” Peony sah seinen Bruder besorgt an, wusste nicht was er tun sollte und kehrte ihm schließlich den Rücken.

Feigling, dachte Rose verbittert. Aber was hatte er erwartet, so war sein Bruder schon immer gewesen...halbherzig. Ihm fehlte der Ehrgeiz. Er war nicht gemacht dafür etwas zu verändern. Er war im Vergleich zu ihm nur ein kleines Zahnrad im Getriebe. Eines, welches nicht unbedingt gebraucht werden würde...Rose wand sich von ihm ab.

Er machte weiter. Ignorierte die Kritik und unterbreitete den Menschen Galars, welche Vorteile sie alle davon haben würden, das Wesen Endynalos zu besitzen. Es war einmal fehlgeschlagen es zu fangen. Aber es würde kein weiteres Mal fehlschlagen, wenn sie ernst, entschlossen und ehrgeizig an die Sache ran gingen! Er entwickelte dieses stählerne Lächeln inmitten dieser weichen Augen. Die Leute folgten ihm. Nicht alle, gewiss, aber genug um weiter zu machen. Das Koexistieren zwischen ihm und Delions Trainerverband funktionierte immer noch. Auch wenn sie nicht länger voneinander profitieren. Zumindest musste Delion schließlich anerkennen, dass Roses Weg einer war, der längst in Bewegung geraten war und den man nicht mehr aufhalten konnte…

Peony lernte Stella kennen. Es war eine kecke Trainerin aus der Einall Region. Gemeinsam mit ihm fand er den Mut, zurück zum Trainerverband zu finden, auch wenn er nicht mehr die Position eines Leiters übernahm, diese Chance hatte er verspielt. Mit Sorge blickte er auf den langen Schatten seines älteren Bruders…

“Vielleicht solltest du mal mit Rose sprechen?” Warf Delion irgendwann in den Raum, Peony sah den Champ des Verbandes nachdenklich an. Sein Können wurde selbst von Delion gesehen. Doch das Vertrauen hatte für immer einen Knacks und Peony wusste, dass er dem nicht hinterhertrauern durfte. Es war seine eigene Schuld…
Er schüttelte mit dem Kopf. “Das wird nicht funktionieren. Es ist Rose...er hat seinen Weg gewählt.”

Ihre Wege schienen getrennt. Und doch kreuzten sie sich immer wieder.
Wie gesagt, Blut war schließlich dicker als Wasser…
Peony hielt ihn immer im Auge. Und Delion wusste dieses.

Mila wurde geboren. Peony liebte seine Tochter. Aber Rose liebte seine Nichte auch. Anfangs war der Jüngere nervös, seine Tochter seinem Bruder vorzustellen, aber trotz der Distanz zueinander, schaffte es dieses kleine Wunder eine fragile Bindung zwischen ihnen zu erschaffen. Trotzdem hatte Peony ihr gegenüber einen großen Beschützerinstinkt. Rose wollte zu viel. Er war bereit, Alles in die Wege zu leiten, um sein Ziel zu erreichen.

Mila wurde älter. Sie alle wurden älter. Es gab neue Chancen, Endynalos zu begegnen. Doch Peony schloss sich nie mehr einer Möglichkeit an, seinem Bruder zu helfen. Er hatte nun eine Familie. Und diese war ihm wichtig. Vielleicht insgeheim wichtiger als die Zukunft Galars.

Das erste Mal sah Rose ein ernstes, entschlossenes Bestreben, welches nicht üblich für sein Bruder war. Es überraschte ihn, machte ihn nachdenklich. Eine Familie…

Wie viel Macht hatte das Wort Familie? Vater, Mutter, Kind...Bruder?

Der Bund der Familie durchzog Galar. Ob es nun Delion und sein jüngerer Bruder Hop war. Peony und seine Tochter Mila. Olivia und ihr älterer Bruder.
Ihn und Peony. Aber irgendwie war letzteres nicht so stark, wie er es damals gedacht hatte.
Warum nicht? Was war anders zwischen ihnen?

War es die Entwicklung? Das Wesen? Die Wünsche und Träume, die sie hatten?

“Du gehst zu weit, Rose.”
Die Familie hatte Peony verändert. Rose war verwirrt, dass eines Tages dieser Tag kam. Der Tag, andem sein Bruder das lockre Lächeln, die Halbherzigkeit hinter sich ließ und diese eine Grenze überschritt. “Die Jagd nach Endynalos hat bereits viel Schaden angerichtet. Womit rechtfertigst du das?” “Es wird sich hart anhören, aber es ist notwendig. Selbst wenn Delion mit seinen Leuten Galars wilde Pokemon beeinflussen und überzeugen kann, um uns Galar als offene Welt zu übergeben, wird der Mangel an Energie das Leben entbehrungsreich und hart gestalten. Ich möchte eine perfekte Welt, Peony. Eine, in der wir alle glücklich sein können...ohne Sorgen.” “...das klingt nach einer Utopie. Nach etwas unmöglichem.” “Nein, Endynalos wird uns das möglich machen.” “Siehst du nicht dass die Jagt nach ihm Menschenleben kostet? Wie viele Menschen willst du noch sterben sehen?”

Peony war niemals laut ihm gegenüber, niemals angreifend. Er hatte seinen älteren Bruder respektiert, war ihm niemals in den Weg getreten. Doch nun tat er es. Und zwar ohne Zögern. “Wie viel Blut willst du noch an deinen Händen kleben haben?”

Es mochte nur metaphorisch sein, da Rose keinen einzigen Spritzer fremden Blutes an seiner Haut haften hatte, aber diese Frage weckte eine Erkenntnis. Eine, die nicht überraschen sollte und es dennoch tat. Sein Bruder hatte nicht gänzlich unrecht. Sein Handeln hatte viele Opfer gefordert. Aber er war seinem Ziel nahe. Vielleicht so nahe, wie noch nie.

“Ich werde das nicht abbrechen, Peony.”
Der Blick seines Bruders wurde schwer. Doch Rose drehte sich um. Es hatte keinen Sinn zu diskutieren…

“Du bist ein schrecklicher Onkel.”
Milas Worte waren rein und echt. Es war ein Moment, der nur Rose und seiner Nichte gehörte, er sah überrascht in ihr Gesicht. Der Blick von ihr war trotzig.
“...ich glaube, dein Vater hat dir nie die Wahrheit gesagt.” Seufzte Rose. “Aber vielleicht sollte Ich es tun...komm mal mit, ich werde dir etwas zeigen…”

“Du hast was getan?”
Es war einige Tage vergangen, seit er Mila etwas vom Leben erzählt hatte und als Peony auf Rose traf, hat der ältere den jüngeren noch nie so aufgebracht erlebt.
“Was...ich habe ihr nur die Wahrheit gezeigt. Das offensichtliche...und die Notwendigkeit hinter meinem Handeln. Das war nicht falsch. Von dir war es nicht richtig, mich in ein so schlechtes Licht zu rücken. Ich muss für sie ausgesehen haben, wie ein Schwerverbrecher.”
Peony schluckte, die Hände geballt. “...ich verstehe deine Entschlossenheit, Rose...aber bitte gehe nicht weiter...bitte…” “Das kann ich nicht, Peony. Und das weißt du auch. Ich werde weiter machen. Es wird schwer. Und es wird vielleicht auch weitere Opfer fordern, aber...sobald diese Hürde geschafft ist, wird Galar unsere Welt sein...ich tue das für uns alle. Oder willst du für Mila keine sichere Welt, wo sie gut und gesund aufwachsen kann? Es wird ihre Zukunft...willst du etwa nicht das Beste für deine Familie?”
Peonys Augen weiteten sich…

Und dann kam dieser eine Abend…

Das Flugtaxi stand bereit und Rose packte seine Sachen. “Morgen, bei Tagesanbruch.”
Peony war bei ihm. Er wirkte unsicher.
“...bist du dir sicher dass es funktionieren wird? Wenn es schief geht, wirst du auch Delions Mühen beeinträchtigen.” “Es wird nicht schief gehen...und jetzt komm, wir müssen noch Vorkehrungen treffen.”

Wir, das war es eigentlich schon lange nicht mehr. Eigentlich war es ein seltsamer Zufall, dass sie an diesem Abend ein gemeinsames Ziel hatten. Rose spürte das Unbehagen seines Bruders, aber er versuchte es zu ignorieren.

“Seid ihr bereit? Mein Kramor ist schon ganz unruhig!” Rief der Taxiflieger etwas barsch. Die beiden Brüder stiegen schließlich in die Kabine und das große, stählerne Tier erhob sich mit seinen majestätischen Flügeln in den Zwielichthimmel.

Sie waren auf der Höhe mit den Wolken, unter ihnen erschien Galar so klein.
Bezwingbar, nichts schien unmöglich, in diesem Moment.
Peony saß dort, hatte die Unterlagen etwas verkrampft in den Händen.

“...ich bin nicht überzeugt, Rose. Das wird schief gehen, bitte überdenke es.”
“Ha...bist du deswegen gekommen? Um mir das noch einmal zu sagen? Ich habe es dir schon mal gesagt, die Planung steht. Ich habe mit Delion gesprochen, es ist abgemacht.”
Die Hände krallten sich noch weiter in die Zetel, Peony sah angespannt zu seinen Füßen.

“...aber du hast ihm nicht alles erzählt, nicht wahr?”
Rose war überrascht. “...wie meinst du das?”
“Du weißt wie ich das meine?” Der Blick von Peony war das erste Mal stählern. Und Rose konnte nicht anders, als an seine eigenen Augen zu denken, was ihn ungewohnt zum erschaudern betrachte.

Peony erhob sich. “Du hast gesagt, dass du mit diesen Methoden Endynalos gefangen bekommst, endgültig, aber...in Wirklichkeit wirst du morgen nicht versuchen Endynalos zu fangen. Du wirst ein so großes Chaos verursachen, was Endynalos zwingen wird, sein Versteck zu verlassen. Und es wird ein Chaos sein, was viel Schaden anrichten wird.”

Rose antwortete nicht, anders als sein Bruder saß er noch und blickte stattdessen aus dem Fenster der Kabine. “Ja.” Gab er schließlich klar zu. “Ja, so wird es natürlich für viele aussehen. Ich habe mit meinen Leuten alles genau durchgeplant. Ein weiterer plumper Fangversuch wird nicht funktionieren. Wir werden es aus seinem Versteck zwingen, ohne es direkt zu konfrontieren. Ein Team wird in der Nähe sein und an Endynalos dann einen Peilsender anbringen, sobald wir es lokalisieren können, ist es so gut wie unser.”

“Du gibst das so einfach zu?”
Peony stocherte nach Roses Blick, der es spürte und deswegen zu seinem Bruder sah. Wildheit gehörte nicht zu Peony. Diesen Ausdruck kannte er von der lebhaften Tochter. Mila war Feuer und Flamme, vielleicht hatte sich ihr Vater ja anstecken lassen?
Es gefiel ihm, aber nicht in diesem Moment. Es machte so vieles falsch und schwer.
“Was soll ich machen…”
“Das ist dein echter Plan...aber Delion hast du Nicht die Wahrheit gesagt!”
Rose schwieg wieder, aber brach den Blickkontakt nicht ab.
“Und ich weiß auch warum du es nicht gesagt hast...natürlich würde Delion dem nie zustimmen!” Rose rollte mit den Augen. “Nein, offensichtlich nicht. Es wäre ihm zu riskant. Aber es Ist notwendig. Und ich hoffe, dass du diese Notwendigkeit auch verstehst” Roses Augen blitzten. Peony sah dieses und er fühlte einen Stich. Er wich zurück, obwohl da nur dieser Blick war. “Was wirst du jetzt tun?” Fragte der Ältere erschreckend gelassen.
“Ich…” “Du willst Delion kontaktieren...oder besser, du musst. Deine Loyalität, ich verstehe schon. Schließlich willst du ihn Kein Weiteres Mal enttäuschen…”

Aus Roses Kehle klang es, als wäre dieses Eine Mal Peonys eigene Schuld, aber dass er selbst genauso jene trug, ließ er nicht andeuten. Peony wusste dieses aber ganz genau.
Mit einer unbekannten Wut ließ er die Zettel los. Er tat es mit einer solchen Wucht, dass sich die ganzen Blätter zerstreuten und vom Luftzug, der aus den hinteren offenen Fenstern erfasst wurde. Für den Moment wirbelten die losen Blätter raschelnd um die beiden Brüder, ehe sie aus den offenen Fenstern flatternd und lautlos davon stoben.

Schweres Atmen von Peony erfüllte die anhaltende Stille. Allein das wuchtige Schlagen der Schwingen von Kramor begleitete sie, so wie das entfernte Fauchen des Windes.
Peony wollte sich zusammenreißen, sich stumm hinsetzen und diese Wut, diesen Frust ignorieren. Verzweifelt versuchte er an Stella und Mila zu denken, ihr Lächeln, ihre Besonnenheit. Aber er scheiterte kläglich.

“Du hast Recht, Rose...ich kann das nicht verschweigen, ich...ich muss es Delion sagen. Und du verstehst es...ich weiß dass du es verstehst.”
Er zückte sein Handy, als der Bildschirm anging, sah er das Lächeln seiner kleinen Familie, welches ihm wehmütig fühlen ließ. “Bitte...wir werden gemeinsam eine andere Lösung finden, eine die nicht...die kein weiteres Leben kosten wird.”

“Du wirst ihm nicht schreiben, Peony. Delion wird davon nie erfahren.”
Roses Stimme klang wie Stahl. Hart und unnachgiebig.
“Er muss...und er wird.”
Rose langte nach dem Handy und nahm es ruckartig seinem jüngeren Bruder aus der Hand. Mit Schwung warf er es aus dem Fenster.
“Er wird es Nicht...und du weißt es.”

Peony stand mit immer noch erhobener Hand da, die Finger in derselben Position, als würde er bloß ein unsichtbares Handy halten. Schließlich löste sich die Illusion, als er die Hand lautlos zur Faust ballte, als würde er etwas zerquetschen.
“Du kannst mich nicht dazu zwingen zu schweigen, Rose...zum Schluss folgt jeder seinem eigenen Weg, das war damals so und wird jetzt nicht anders sein.”

Plötzlich wandelte sich der Ausdruck in den Augen von Rose. Sein jüngerer Bruder hatte diesen Blick noch nie gesehen. Noch nie hatte Rose etwas von vollem Herzen bereut. Immer hatte er es voller Entschlossenheit getan! Selbst jetzt bereute er nichts!
Dieses Eine Mal war es anders. Und es war auf einer seltsamen Art und Weise beängstigend, genau Das zu beobachten. Plötzlich hatte Peony das Bedürfnis, Abstand zwischen sich und seinem Bruder zu bringen, so schnell wie möglich. Seine Hand verschwand bereits in seiner Tasche.

Doch er konnte nicht schnell genug reagieren, plötzlich lagen die Hände mit einer festen Entschlossenheit auf seinen Schultern, Finger und Daumen drückten in seine Haut, das Gesicht von Rose war ihm jetzt sehr nahe. “Es tut mir so Leid, Peony, ich wünschte, das zwischen uns wäre besser verlaufen…” Der Druck drängte ihn langsam zurück, bis er gegen das Glas der Tür ruhte.

“He...Bruder…” Ertönte es leise, ungläubig aus Peonys Kehle. Er wollte noch mehr sagen, aber Rose konnte es einfach nicht ertragen. “Verzeih, aber es ist für das Wohl Galars.” Und mit diesen Worten drückte Rose Peony mit ganzer Wucht gegen das Glas, welches knirschte.

Es gab splitternd nach, sie hörten Kramor rufen, des Flugtaxi wackelte und im nächsten Moment stürzte Peony mit samt den Glasscherben hinab.

Rose stand dort und beobachtete mit erstarrter Miene, wie sein Bruder fiel.
Blut war dicker als Wasser...sagte man jedenfalls.

Er hörte den Taxiflieger brüllen. “Was ist da passiert? Kramor, flieg-”
“Nichts wird dein Kramor tun!” Donnerte Rose laut und gnadenlos. “Er wird ihm Nicht hinterher fliegen!” “Aber…” “Nichts aber!” Rose hielt einen Pokeball in der Hand. “Flieg einfach weiter...flieg weiter.”

Das Kramor flatterte erschrocken mit den Flügeln, aber es beruhigte sich und sie flogen weiter. Rose sah noch einmal hinab, aber sein Bruder war bereits verschwunden. Ein dumpfer Schmerz ging durch sein Körper. Mit einem Mal fühlte sich das Stehen zu mühsam an, er fiel zurück auf die Polster. Er spürte das Unbehagen des Menschen und des Kramor.

“Flieg mich wie besprochen zu meinem Ziel. Alles andere ist gerade Nicht von Bedeutung!”
Seine Stimme wankte nicht, die harte Schale blieb, auch wenn das verletzliche Innere selbst im Chaos geraten war. Rose war kein Monster. Er hatte all die Menschen niemals billigend sterben sehen. Es hatte ihn immer berührt und erfasst. Dieses Mal war es sogar intensiver. Es war sein Bruder, den er fast sein Leben lang kannte, der immer in seinem Schatten war, dem er damals vertraute, von dem er sich erhofft hatte, dass er ihn unterstützen würde…

Aber Peony hatte es anders gewollt. Und das war nicht mit seinen Zielen konform gegangen. Und alles, was für Galar getan werden musste, konnte er nicht verweigern. Selbst wenn es bedeutete, Dinge zu tun, die ihn langsam innerlich aushöhlten.
Er saß dort, ließ sich an sein Ziel bringen und telefonierte mit Olivia.
“Es ist alles in Ordnung, wir werden Morgen den Plan wie gehabt durchführen. Was? Peony?” Es gab ein kurzes Schweigen und Rose ließ die Stille wirken. Ein totes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen, welches zwar die Stimme beeinflusste, die Augen aber niemals erreichte. “Er ist einverstanden…”

(...)

Er tätschelte ihr nett und tröstend den Kopf.
“Es tut mir Leid.” Seine Stimme klang aufrichtig mitleidig, obwohl da etwas seltsames in den Augen funkte. Etwas, was Mila in diesem Moment des Schocks nicht sehen konnte.
“Es war ein Unfall.”

END~
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