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Healing broken hearts

von 1896
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Chiara Nadolny Ina Ziegler
21.11.2020
29.11.2020
5
9.484
3
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Dieses Kapitel
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21.11.2020 1.558
 
Zwei Wochen war es nun her, dass Ina mit Chiara Schluss gemacht hatte. Einen Tag bevor Chiara mit Mo ins Trainingslager nach Finnland abgereist war. Sie hatte damit nicht nur Chiara das Herz gebrochen, sondern auch ihr eigenes. So überzeugt sie davon war die richtige Entscheidung getroffen zu haben als Chiara die Tür hinter sich ins Schloss fallen ließ, so unsicher war sie sich darüber am nächsten Tag als Lucie ihr noch einmal ins Gewissen redete. Sie wusste, dass ihre Schwester recht hatte. Sie liebte Chiara, und ja, sie war ausnahmslos glücklich, wenn sie mit ihr zusammen war - auch wenn Chiara sie mit ihren Worten verletzt hatte, hatte doch auch Ina nicht alles richtig gemacht. Doch als sie ihre Eisdiva im Taxi an sich vorbeifahren sah und sie unfähig war die Kraft aufzubringen, die nötig war, um sie aufzuhalten, hoffte sie, dass ihnen beiden der Abstand helfen würde, um sich darüber klar zu werden, was sie wollten und ob sie einander genug liebten, um gemeinsam an ihren Differenzen zu arbeiten. Ina wusste längst, dass ihr Herz Chiara gehörte. Sie wollte nichts mehr als an Chiaras Seite zu stehen und sich nicht verstecken zu müssen. Doch war auch Chiara bereit einen Schritt auf Ina zuzugehen und zu ihren Gefühlen zu stehen?

Nachdem Ina ihren Anruf aus Finnland nicht angenommen hatte, hatte Chiara versucht sich die restliche Zeit im Trainingslager ausschließlich auf ihr Training zu konzentrieren. Auf dem Eis schien ihr das auch einigermaßen zu gelingen. Doch auch dort schossen ihr immer wieder Bilder von Ina in den Kopf: wie sie kurz vor ihrer Kür bei der NRW Meisterschaft an die Bande rannte und ihr zurief, dass sie sie liebte, wie sie sie beim Warmlaufen beobachtete, wie sie sie ansah als Chiara sich im Livestream outete, wie sie so oft in die Eishalle kam um sie vom Training abzuholen. Sie konnte sich von dem Gedanken an sie nicht freimachen, so sehr sie auch wollte. Ina war tief in ihrem Bewusstsein, vor allem aber ihrem Herzen, verankert. Mo bemerkte, dass Chiara nicht immer ganz bei der Sache war. Solange sie ihre Leistung aufs Eis brachte - und das tat sie ohne Zweifel - sah er aber keine Notwendigkeit darin sie noch mehr an ihre Trennung und den damit verbundenen Schmerz zu erinnern. Nach den ersten Trainingstagen hatte er das Gespräch gesucht und ihr signalisiert, dass er für sie da war, wenn sie darüber reden wollte oder einfach nur einen Freund an ihrer Seite brauchte. Doch Chiara war anfangs nicht in der Lage sich zu öffnen. Sie blieb mit ihrem Schmerz allein. Der Gedanke daran, Ina nicht mehr in ihrem Leben zu haben, zerriss sie innerlich. Die ersten Nächte in Finnland weinte sie sich in den Schlaf. Doch irgendwann schien sie keine Tränen mehr in sich zu haben, keine Kraft mehr zu haben sie zuzulassen. Dann lag sie einfach nur da, allein mit ihren Erinnerungen und ihrem Schmerz, bis sie irgendwann aus lauter Erschöpfung durch den ewigen Kampf in ihrem Inneren einschlief. Je näher das Ende des Trainingslagers rückte, desto klarer wurden Chiaras Gedanken, desto bewusster wurde ihr, wie sehr sie Ina mit ihren Worten verletzt hatte.

Nach einer besonders intensiven Einheit auf dem Eis sank Chiara erschöpft auf der Bank in der Umkleidekabine zusammen. Gedankenverloren griff sie nach ihrem Handy - wie immer in der Hoffnung auf eine Nachricht von Ina, doch wie immer wurde diese enttäuscht. Ihr Blick wanderte ins Leere und sie verlor sich so sehr in ihren Erinnerungen, dass sie nicht bemerkte, dass Mo geklopft hatte und in die Kabine gekommen war. Als sie nicht auf ihn reagierte, setzte er sich zu ihr und legte ihr sanft die Hand auf den Rücken.

“Hey, alles okay? Kann ich irgendwas für dich tun?”

“Mmmh? … Ach, sorry, nein, alles okay, ich war nur… in Gedanken.” Chiaras Blick senkte sich traurig auf das Handy in ihren Händen.

“Ina?”

Chiara nickte, während sich ihre Augen beim Klang ihres Namens sofort mit Tränen füllten. “Ich vermisse sie einfach so.”

“Ich weiß. Hey, komm mal her.” Mo zog sie sanft in seine Arme. Er konnte spüren wie angespannt und verkrampft sie erst war, sich aber irgendwann in seinen Armen fallen ließ und sich ihre Atmung langsam wieder normalisierte.

“Was mache ich bloß ohne sie, Mo?”, fragte sie nach einer Weile kaum hörbar, ohne eine Antwort von ihm zu erwarten.

“Du willst doch nicht etwa aufgeben, oder?” Er drückte sie von sich und hielt ihre Oberarme in einem festen Griff. “Eine Chiara Nadolny gibt doch nicht auf! Du liebst Ina. Zeig ihr wie sehr! Gib nicht auf, kämpf um sie. Ich dachte auch, ich hätte Lucie verloren. Ich hab auch Scheiße gebaut, aber ich hab um sie gekämpft und wir haben zusammen noch einmal die Kurve gekriegt. Das schafft ihr auch.”

“Ich will ja um sie kämpfen, aber ich weiß nicht wie. Ich hab versucht sie anzurufen, aber sie ist nicht rangegangen.”

“Und das schreckt dich direkt ab? Chiara, echt, da hätte ich mehr von dir erwartet. Ich weiß noch gut wie verbissen du um die Rolle der Aeris gegen Michelle gekämpft hast und jetzt lässt du dich davon abschrecken, dass Ina bei deinem ersten Versuch nicht ans Telefon gegangen ist? Also bitte.”

“Nein, aber… ich weiß auch nicht… wenn es um sie geht, bin ich einfach überfordert, ich kann nicht klar denken. … Sie wirft mich komplett aus der Bahn.”

“Ja, weil du sie liebst. Das ist es, was Liebe mit einem macht.”

“Und warum mache ich dann immer wieder alles kaputt? … Vielleicht bin ich einfach nicht für eine Beziehung gemacht...und Ina hat etwas Besseres verdient als mich.” Chiara war sich ihrer Gefühle für Ina sehr bewusst. Es gab keinen Zweifel daran, dass sie sie über alles liebte. Doch vielleicht war das einfach nicht genug. Vielleicht hatte sie dieses Mal einen Fehler zu viel gemacht, hatte Ina einmal zu oft verletzt.

“Ach, das ist doch Quatsch, Chiara, und das weißt du auch. Jeder von uns macht Fehler. Auch Ina, nicht nur du.”

Die Gedanken kreisten in Chiaras Kopf. Sie wusste, dass sie Ina mit ihren Worten sehr verletzt hatte, dass sie nicht in der Lage war im richtigen Moment, die richtigen Dinge zu sagen. Dass Ina sich aber direkt von ihr trennte ohne noch einmal in Ruhe über alles zu reden, traf sie wie ein Schlag. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Ina direkt aufgeben würde. Immer wieder hatte sie in den Tagen zuvor wach im Bett gelegen und daran denken müssen, dass Ina ihr noch zu Beginn ihrer Beziehung versprochen hatte, dass sie Probleme klären und nicht vor ihnen davonlaufen wollte. Warum lief sie nun doch davon?

“Nur habe ich scheinbar ein Talent dafür es so richtig zu verkacken… am Ende hält es keiner lange mit mir aus. Erst verliere ich meinen Vater, dann geht Nathalie und jetzt will Ina auch nichts mehr von mir wissen.”

“Das glaube ich nicht. Ina liebt dich.”

Chiara ließ ihren Blick wieder sinken und schüttelte leicht den Kopf. Liebte Ina sie wirklich noch? Sie war sich dessen einfach nicht mehr sicher.

“Chiara, komm schon, hör auf damit. Du versinkst hier gerade in Selbstmitleid. Natürlich liebt Ina dich. Und du bist kein Monster, das alles kaputt macht und auf den Gefühlen anderer rumtrampelt.”

“Ach, nein, es gab mal ne Zeit da hast du das noch ganz anders gesehen.”

“Ja, okay, fair point, aber seitdem ist echt viel Zeit vergangen und du hast dich verändert. Ina hat dich verändert. Du bist nicht mehr die egoistische Zicke, der jedes Mittel recht ist, um ihre Ziele zu erreichen, und die ohne Rücksicht auf Verluste nur ihre Karriere im Blick hat.”

“Ina denkt das aber.”

“Dann beweis ihr, dass es nicht so ist. Zeig ihr, dass sie dir mehr bedeutet, als irgendeine Medaille. Das ist doch so, oder?”

“Natürlich ist mir auch meine Karriere wichtig. Ich hatte mein ganzes Leben lang nur das Eis, sonst nichts. Es war immer mein Traum ganz oben auf dem Treppchen zu stehen und meinen Vater stolz zu machen…”, Chiara stockte. “Aber das ist alles nichts wert, wenn sie nicht an meiner Seite ist.”

“Siehst du. Sei einfach ehrlich zu ihr. Red mit ihr und sag ihr genau das. Dann kriegt ihr das auch wieder hin.”

Chiara sah ihn an und nickte vorsichtig. “Wer hätte gedacht, dass wir beide mal solche Gespräche führen würden, oder?” Chiara musste bei dem Gedanken an alle die Streitereien und Intrigen, die gefühlt in einem anderen Leben stattgefunden haben, grinsen. “Danke, Mo! Für alles.”

“Tja, wir haben einiges gemeinsam. Wir haben Menschen verloren, die wir sehr geliebt haben, wir lieben das Eis… aber vor allem sind wir diesem Ziegler-Clan verfallen, dem weiblichen Ziegler-Clan wohlgemerkt… Hey, wir sind Schwager und Schwägerin! Ist dir das eigentlich klar?”

“Also solange Ina und ich nicht wieder zusammen sind, sind wir beide gar nichts, außer Trainer und Sportlerin… und Freunde. Hoffentlich.”

“Das sind wir, auf jeden Fall. Und bald sind wir auch wieder eine Familie. Glaub mir, ihr beide kriegt das wieder hin. Ich weiß das.”  

Chiara war Mo unendlich dankbar dafür, dass er für sie da war und ihr Mut zusprach. Und dennoch war sie innerlich zerrissen… zerrissen vor Angst, doch wieder nicht die richtigen Worte finden zu können und Ina schließlich endgültig zu verlieren. Morgen würden sie zurück nach Deutschland fliegen und sie würde um Ina und ihre Beziehung kämpfen - mit allem, was sie hatte.
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