Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das finde ich gut

von Swoobat
SongficDrama, Angst / P18 Slash
Alastair Dean Winchester
21.11.2020
21.11.2020
1
2.109
4
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
21.11.2020 2.109
 
A/N
So grüße ich zu dieser Geschichte.
Hierbei handelt es sich um einen Beitrag zum Projekt Liedzeilen Drabbles.
Aufgabe ist, zu jeder Zeile eines Liedes ein Drabble zu schreiben. In meinem Fall bilden die Drabbles eine zusammenhängende Handlung.
Ich wählte eines meiner Lieblingslieder aus: 'Das finde ich gut' von Die Ärzte.
Einen Beta-Leser erlitt das ganze Teil natürlich auch. An dieser Stelle gebührt mein Dank wieder einmal Amurnatter. :*

Noch etwas in eigener Sache: Wie sich unschwer aus der Kurzbeschreibung ableiten lässt, befasst sich die Handlung mit der Hölle. Die ein oder andere Formulierung könnte entsprechend etwas... ekelerregend sein. Fühlt euch also hiermit gewarnt. ;)
Nun wünsche ich viel Spaß.


~~~
Das finde ich gut



Nimm meine Hand und werde glücklich

Die Zärtlichkeit, welche in Alastairs Geste lag, war absurd. Fast schon vorsichtig legte er die Kuppe seines rechten Zeigefingers auf Deans Kiefergelenk. Der Geist war stark, das Fleisch schwach. So konnte Dean kaum genug Energie aufbringen, um sich der Berührung zu entziehen. „Für unser Kennenlernen war das heute richtig gut, findest du nicht?“ Seine Stimme war nicht viel mehr als ein leises Säuseln – und doch stach sie wie Nadeln durch Deans Trommelfelle. Augenscheinlich gedankenverloren strich Alastair die harte Wangenpartie hinab zum Kinn, legte seinen Finger unter dieses, um Deans Blick zu heben.
„Ich habe dir ein Angebot zu machen.“

Denn endlich ist endlich unendlich

Dean sagte nein. Natürlich. Der Dämon schien nicht überrascht, schenkte Dean ein letztes Haifischlächeln. Wortlos verließ er den Raum, zog die rostige Tür hinter sich zu. So stand Dean in der Dunkelheit, starrte auf einen unbestimmten Punkt. Quälend langsam zogen sich die zerfetzten Muskelfasern wieder zusammen. Seine zerbersteten Knochen schälten sich stückchenweise aus dem umliegenden Fleisch, um in ihre ursprüngliche Form zurückzukehren. Heiser vom Schreien erfüllten klägliche Laute den Raum. Er wartete, hoffte, betete um den Tod – aber da war kein Ende. Er lebte nicht. Er starb nicht. Er existierte. Noch nie hatte etwas Dean solch eine Angst eingejagt.

Da hinten ist das Licht

Das Blut zog langsam in den grobporigen Betonboden ein, als würde Dean immer mehr von sich an die Hölle verlieren. Er versuchte nicht darüber nachzudenken. Die Augen geschlossen lauschte er, wie tropfenweise das Leben aus ihm flüchtete, um sich zu seinen Füßen in einer dunkelroten Lache zu sammeln. Alastair schien für seine Besuche unregelmäßige Abstände zu wählen – glaubte Dean jedenfalls. Sein Zeitgefühl war ihm abhanden gekommen. Seine Hoffnung allerdings... die war ihm erhalten. Wenn die Tür  aufging, war da dieses kleine Aufflammen in ihm. Irgendwo da draußen musste ein Ausweg sein. Dean müsste es nur über die Schwelle schaffen.

Ich steuere die Fähre durch das Nicht

Das erste Jahr zog ins Land. Das zweite, dritte, vierte. Die Uhren tickten in der Hölle anders. Zu Lebzeiten war sich Dean dessen nicht bewusst gewesen. Jetzt spürte er am eigenen Leib, was genau das bedeutete. Er fühlte sich haltlos, aus allen Verankerungen des Seins gerissen. Verloren im reißenden Strom der Zeit wurde ausgerechnet Alastair eine Art Konstante. Als einziges Feuer im Nichts klammerte Deans Seele sich immer mehr an den Dämon – ganz gleich, wie sehr es ihm widerstrebte, und wie sehr er sich dabei verbrannte. Dean hasste es. Ihn. Sich. Die Hölle. Das, was sie aus ihm machte.

All deine Sünden sind dir vergeben

Dean sagte nein. Wieder und wieder. Sein Widerstand aber bröckelte. Im Nachhinein betrachtet wusste Alastair es wohl vor Dean selbst. War das verwunderlich? Der Dämon hatte über seine Jahrtausende so viele Seelen zu Staub zermahlen, sie bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, das Gott gegebene Geschenk des Lebens auch aus der letzten Faser des Körpers gekratzt. Und doch war es nicht seine außerordentliche Grausamkeit, die Alastair zum Meister seines Faches machten. Es waren nicht seine Schnitte und Schläge, die in Dean arbeiteten, wenn er ihn wieder in die Stille seiner Gedanken entließ. Es waren seine Worte, wegen derer er das Angebot überdachte

Denn hier weiß keiner, was Sünde ist.

Nach zwanzig Jahren schien es so verführerisch. Ein winziges Wort. Zwei Buchstaben. Eine Silbe.
Millionen Male im Leben ausgesprochen gab es nichts, das Dean schwerer über die Lippen kommen könnte. Aber wofür das Ganze? Er hatte so vieles sang- und klanglos über sich ergehen lassen. Hatte alles in seiner Macht stehende für Sammy getan. Hatte seinem Vater nachgeeifert und wäre ihm bis ans Ende der Welt gefolgt. Jetzt aber war er allein.
Dean vergaß und verlor.
Am letzten Tag des dreißigsten Jahres stand das Universum für den Bruchteil einer Sekunde still.
Dean sagte ja.
Und Himmel wie Hölle atmeten auf.

All deine Ängste kannst du lassen

Das eigentlich so leichte Messer lag ihm unendlich schwer in der Hand.
Deans Herz bebte, hämmerte anklagend gegen seinen Brustkorb. Mit gedämpften Schreien warf sich die zitternde Seele in die Fesseln, die sie unnachgiebig auf dem Tisch vor ihm hielt.
„Du wirst mich doch nicht etwa enttäuschen, oder Dean?“ Alastair umrundete ihn wie ein hungriges Raubtier. Seine gefährlich ruhige Stimme lag ihm wie kakophonisches Brüllen im Ohr. „Muss ich wirklich aussprechen, was dich erwartet, wenn du jetzt zögerst?“ Er kam hinter ihm zum Stehen. Dean zog den Kopf etwas ein.
„Nein“, raunte er leise und setzte die Klinge an.

Und du wirst nie wieder hassen

Wenn es um sein Rasiermesser ging, verfiel Alastair in ein geradezu pedantisches Verhalten. Dean wusste, dass solche Klingen gemeinhin anfällig für Rost waren. Als er noch ein Kind war, hatte er seinen Vater gerne beobachtet, wenn jener sich rasierte. Der Umgang mit einem potenziell tödlichen Gegenstand für so etwas Banales wie die tägliche Körperpflege hatte ihn fasziniert. John hatte die Klinge danach immer sorgsam gereinigt, hatte sie über Leder oder gar Arkansasstein geschärft, sie gelegentlich eingeölt.
Irgendwann wurde Dean klar, dass Alastair es ähnlich handhabte – und das machte ihn erschreckend menschlich.
Dean wünschte sich, er hätte es nie bemerkt

Und auch nichts wissen

„Deine Linienführung wird besser, deine Hand ruhiger, deine Motorik feiner. Und nun das. Ich hätte nicht gedacht, dass aus einem tölpelhaften Grobian wie dir tatsächlich ein nützlicher Schüler wird.“
War das wirklich Anerkennung in seiner Stimme? Dean stockte für einen kurzen Moment der Atem, ehe sich ein kleines Grinsen über seine Lippen stahl. Dann wandte er sich wieder der Seele zu, welcher er in friemeliger Kleinstarbeit Mund und Augenlider vernähte.
Deans Konzentration galt seiner Arbeit. Die Frage nach dem Warum hatte er schon länger aus seinen Gedanken verbannt.
Wieso hatte dieser Mensch es verdient? Weil er es so wollte.

Du kannst alles vergessen

Es hieß, Dämonen seien verdorbene Seelen, die Ihre Menschlichkeit verloren hatten. Einst gottgeschaffene Wesen, wurden alle Verankerungen gekappt, bis das Leben seine Konturen verlor und in den Feuern der Hölle dahinschmolz. Übrig blieben allein die niedersten Wünsche, die ein Lichtwesen in sich tragen konnte.
Seit er das erste Mal in dieses heulende Miststück geschnitten hatte, ließ Dean sich bereitwillig auf diese Veränderung ein, denn Alastair tat etwas taktisch Kluges. Etwas, wonach Dean sein ganzes Leben lang lechzte.
Er gab ihm das Gefühl, stolz auf ihn zu sein.
Mit dem Stolz kam der Spaß – und die hungernde Gier nach mehr.

Nichts ist mehr gut oder wichtig

Alastairs Atem streifte Deans Nacken, weswegen er die Schultern straffte. Gänsehaut überzog ihn.
„Weißt du, was mich amüsiert?“, säuselte Alastair. „Vollkommen selbstlos, geradezu heroisch hast du dich für deinen Bruder geopfert. Er war dir das Wichtigste, wertvoller als dein eigenes Leben und immer an deiner Seite. Jetzt aber...“ Alastair machte eine Kunstpause, leckte langsam über die empfindliche Haut an Deans Hals „... bin ausgerechnet ich derjenige, dem du in Jahren gerechnet den Großteil deiner Zeit schenktest.“
Dean neigte im Genuss den Kopf. Alastairs Provokation prallte an ihm ab. Im Inferno gescheiterter Schöpfungen hatte Vergangenes keine Bedeutung.
Selbst Sammy nicht.

Es gibt kein Schlecht und auch kein Richtig

Dean wusste nicht, was Menschlichkeit darstellen sollte. An derlei abstrakten Begrifflichkeiten konnte er sich schon zu Lebzeiten nicht hochziehen. Irgendwann allerdings hatte er mal gelesen, dass diese hochgelobte Sache nicht angeboren sei. Sie müsse unablässig ausgebildet werden, denn ansonsten versinkt der Charakter wieder in roher Tierheit, zurück in die reine Brutalität. Was geschieht also mit derer, wenn sie einer Naturgewalt wie Alastair ausgesetzt war?
Dean vermied es, über sich oder seinen Wandel nachzudenken – und doch ging ihm unweigerlich durch den Kopf, dass er den Überresten seiner Menschlichkeit den Todesstoß versetzte, als er sich Alastair immer williger und genussvoller unterwarf.

Keine Wünsche bleiben offen

Dieser charakteristisch-metallische Duft lag in der Luft.
Deans Haut klebte. Kleine Fleischbrocken hafteten wie Egel an seinem Unterarm. Unter seinen Fingernägeln das getrocknete Blut seines gebrochenen Opfers.
„Heute hast du mich wahrlich beeindruckt.“ Abrupt hielt Alastair in seiner Bewegung inne, während er die Klinge seines geliebten Rasiermessers hauchzart über die Linie gleiten ließ, welche Deans Wirbelsäule auf seinem Rücken abzeichnete. Ungeduldig knurrend drängte Dean sich ihm entgegen und sein Laut ging in ein leises Stöhnen über. „Werd' nicht aufmüpfig, Welpe“, raunte Alastair, drückte ihm die Klinge unvermittelt bis auf den Knochen.
Dean schrie.
Seine Menschlichkeit schrie.
Und er kam.

Denn du brauchst auf nichts mehr zu hoffen

Aus der Erde sind wir genommen, zur Erde sollen wir wieder werden.
Erde zu Erde.
Asche zu Asche.
Stau zu Staub.
Dean glaubte, sich selbst schon lange beerdigt zu haben.
Seine Hoffnung auf einen Ausweg, seine Furcht vor der Unendlichkeit, all die Dinge, die ihn einst ausmachten, hatte er eigenhändig in einen hölzernen Sarg gesperrt und gewaltsam unter dem Schuttberg von Schuld verscharrt.
So sehr Alastair sich aber bemühte – auch nach 39 Jahren hatte Dean nicht endgültig losgelassen.
Dann und wann – wenn das gequälte Schreien verstummte und ihn Schwärze umfing – hörte Dean das leise Kratzen am Sargdeckel.

Nimm meine Hand und werde glücklich
Denn endlich ist endlich unendlich


In der Nacht zum 18. September 2008 nach irdischer Zeitrechnung gab Erzengel Michael den Befehl.
Die himmlischen Heerscharen fielen in die Hölle ein, geführt von der unsterblichen Loyalität, wie sie von einem Sklaven des Herren verlangt wurde – unter ihnen ein junger Cherubin, der sich seiner eigenen Bedeutung in der Geschichte noch nicht bewusst war.
Während das Licht der reinen Schöpfung die Gottverlassenen bannte, sah sich Castiel zum ersten Mal einer gepeinigten Seele gegenüber, deren Leid ihr auf den Leib gebrannt war.
Ohne zu zögern packte der Engel ihn – wissend, dass er damit einen Bund für die Ewigkeit einging.

Du siehst kein Gesicht

Dean scheute nur kurz, fühlte sich im Angesicht dieses Wesens wie gelähmt.
Seine totgesagte Hoffnung warf sich krachend gegen den Sargdeckel. Holzsplitter gruben sich tief und tiefer. Angelockt vom Licht; angelockt von der Präsenz reiner Göttlichkeit an diesem ungesegneten Ort entstieg Deans Menschlichkeit dem Grab, das er sich selbst geschaufelt hatte.
Er wusste diese Gestalt nicht einzuordnen, konnte die Eindrücke dessen, was er sah, kaum verarbeiten.
Aber er verspürte Ruhe. Gelassenheit. Sogar ein kleines bisschen Frieden.
Ein Teil in Dean wehrte sich allerdings dagegen. Der Teil, den Alastair erschaffen hatte. Der, der dem Dämon gegenüber Loyalität hielt, ihn gewissermaßen liebte.

Kein jüngstes Gericht

Dean schrie. Er schrie und schrie in gequälter Agonie.
Mit der Berührung des Göttlichen rollte ein Läuterfeuer über ihn hinweg, hinterließ dabei einen solch brennenden Schmerz, wie ihn selbst Alastair nicht zu schenken wusste. Die Sünde fiel von Dean ab, reinigte seiner Selbst für die Rückkehr auf die irdische Welt. Die Flügel um ihn gelegt, drückte Castiel dieses zitterte Etwas eng an sich. Millionen Jahre lagen hinter dem Engel, und doch war das hier selbst für ihn überwältigend.
Seine Stimme war nicht mehr als ein Wispern, und doch konnte es ein jeder im Universum vernehmen.
Dean Winchester ist gerettet.

Fühlst kein Gewicht

An der Zimmerdecke war ein Wasserfleck. Gelbbräunlich. Unförmig. Einstmals so stark, dass die Tapete sich wellte.
Dean lag da, starrte den Fleck an, als würde er jeden Augenblick aufbrechen und ein Portal in eine andere Dimension preisgeben.
Die Bilder seines Traumes hingen ihm nach. Bleierne Gewichte, die ihn hinabzogen. Alastairs Atem auf seiner Haut und die Hitze, die er immer verspürte, wenn dieser in ihn--
Dean wollte schreien. Weinen. Um sich schlagen. Er war nicht tot. Er existierte nicht nur. Er lebte – und doch haftete die Hölle ihm an.
Er drehte den Kopf gerade soweit, dass er die vertraute Gestalt ansehen konnte, welche auf der Bettkante saß. Wenn sich in tiefer Nacht sein Schlaf wandelte, geradezu mutierte, war der Engel da, um seine Träume zu lenken.
Nie verloren sie ein Wort darüber. Cas sah nicht die Notwendigkeit eines Gespräches, hingegen Dean nicht daran glaubte, dass die menschliche Sprache Ausdrucksweisen für das kannte, was in seinem Kopf tobte.
So schwiegen sie sich im stummen Trost an, bis Castiel glaubte zu spüren, wie Deans Verstand sich wieder vollends in der Realität verankert hatte.
Ihre Blicke kreuzten sich, grün traf auf blau.
Ganz so, als wäre nichts geschehen, sagte Castiel: „Hallo Dean.“

Geh einfach ins Licht
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast