Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Alles danach

KurzgeschichteThriller, Suspense / P12
21.11.2020
21.11.2020
1
1.031
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
21.11.2020 1.031
 
Wir stehen an einer Felswand. „Eine Sackgasse.“, rufe ich den anderen zu. Unsere Gruppe, die aus vier Leuten besteht, einer jungen Frau, etwa so alt wie ich, einem jungen Mann, einem alten Kauz und mir, presst sich mit dem Rücken an die Felswand, die uns mit etwa 3 Metern Höhe überragt. Wir wissen bereits, dass wir sterben werden, als das Knurren näher kommt. Aus der anderen Seite der Gasse kommen große Gestalten auf uns zu. Sie sind kaum 20 Meter entfernt. Hinter ihnen kann man die weite Wüstenlandschaft sehen, die vor kurzer Zeit noch eine ganze Stadt war, und den Weg den wir zurückgelegt haben.
Wir sind gerannt, doch es hat uns nichts gebracht. Wir versuchen die Felswand hochzuklettern, allerdings ist sie zu steil, größtenteils glatt und zu hoch. Wir stehen nun auf einer 50 Zentimeter hohen Anhöhe direkt an der Felswand, doch das wird uns nicht retten.
Der alte Mann holt aus seiner Hosentasche eine Taschenuhr hervor. Sie sieht alt aus, fast schon antik. Er schaut auf das Ziffernblatt und beginnt hämisch zu lachen.
„Was soll das?“, rufe ich verzweifelt.
„Es ist jetzt 12 Uhr 28.“, sagt er mit einem Funkeln in den Augen.
„Ich verstehe nicht.“, erwiderte ich.
„12 Uhr 30 kommt die Flut. Diese Reißer werden draufgehen.“, sagt er und deutet auf die im Schatten näherkommenden Wesen.
„Ist es schon so spät? Aber dann...“, stottert der jüngere Mann.
„...sterben wir auch.“, beendet die Frau seinen Satz.
„Das stimmt zwar“, meint der Kauz, „aber wenn ich draufgehe, bin ich froh, dass ich diese Biester mitnehmen konnte."
„Da hast du Recht.“, lächelte ich traurig.
„Wenn die Flut nicht allzu stark ist, könnten wir vielleicht den Abhang hoch schwimmen und wegrennen. Vielleicht schaffen wir es zum Unterschlupf.“, hofft die Frau, aber in dieser Zeit könnten uns wahrscheinlich diese Biester erwischen. Sie sind jetzt so nah, dass man sie jetzt erkennen kann. Sie haben die Gestalt und das Aussehen von Wölfen, nur dass sie etwa 2 Meter groß sind und sich speziell von Menschen ernähren.
Der Blick des alten Mannes hängt an der Uhr. „Tick, Tack, Tick, Tack“ Jedes einzelne Ticken fühlt sich an, als würde eine Stunde vergehen. Die Reißer setzen zum Sprung an, als „Tick“. Ein Stoß packt die Wölfe an den Pfoten und zieht sie nach hinten. Hinter ihnen erstreckt sich eine Flut aus Wasser. Ein großer Teil der Anhöhe, auf der wir stehen, bricht ab. Wir pressen uns mit dem Bauch an die Wand und krallen unsere Finger in sie hinein. Das Wasser drückt uns noch stärker dagegen. Es geht uns jetzt etwa bis zum Hals. Zum Glück haben die Reißer die erste Wucht des Wassers abgefangen. Wenn wir versuchen würden zu schwimmen, würden wir sterben. Wir würden mitgerissen werden.
Wir gelangen immer weiter an das Ende der Wand, die nun unendlich hoch wirkt. Es wird immer schwerer Luft zu bekommen. Die Chance zu Überleben ist gleich null. Ich könnte versuchen nach dem Abhang zu greifen, würde ich ihn aber verfehlen würde ich mit dem Wasser mit gesogen werden und wenn ich ihn erreichte, würde ich vielleicht abrutschen und es würde auf dasselbe hinauslaufen. Egal. Ich bin sowieso schon fast tot.
Ich greife über den Abhang. Dort ist ein größer Knüppel, an dem ich mich gut festhalten kann. Ich packe ihn. Zum Glück. Jetzt hänge ich hier mit meinen Kameraden auf einer Höhe, die sich alle verzweifelt gegenseitig ansehen. Meine Armmuskeln haben nicht genug Kraft. Sie brennen schon. Ich kann einfach nicht. Ich bin zu schwer. Ein letzter Versuch:
Ich nehme meine ganze letzte Kraft zusammen. Meine Arme brennen vor Schmerz und ich schreie. Mir ist schwindelig. Ich hab es zwar geschafft, bin aber ohne Orientierung. Ich rappele mich auf. Die anderen hängen noch am Hang. Der Knüppel, an dem ich mich festhielt, ist ein Überbleibsel eines alten im Boden verankerten Fahrradständers, der sich über den Abhang erstreckte. „Hier oben ist ein Fahrradständer! Ihr könnt euch an ihm hochziehen!“, brülle ich durch das Zischen des Wassers.
Der jüngere Mann schafft es beim ersten Mal sich hoch zu ziehen und hilft dem alten Kauz, während ich der Frau helfe. Als alle oben sind, rennen wir los, um unser Leben und zur Luke.
In 100 Metern Entfernung lag die Luke, die zu einem unterirdischen Unterschlupf von Überlebenden führte. Bald würde das Wasser überschwappen und die ganze Landschaft unter sich begraben, um nur eine Stunde später die verursachte Zerstörung wieder freizugeben.

Nur noch 70 Meter, 60 Meter bis zur Luke:
Meine Kräfte schwinden.

Noch 50, noch 40 Meter:
Sobald das Wasser 70 Meter nah an die Luke heran kommen würde, würde sie sich automatisch verschließen.
Das Wasser tritt über den Abhang an dem wir gerade noch hingen.

Nur noch 30 Meter..., 20 Meter:
Der jüngere Mann sprintet vor, während der Kauz mein Tempo ganz gut hält.

10 Meter:
Der jüngere Mann springt in die Luke.

Endlich da:
Als nächstes der Alte, dann ich. Ich bleibe mit dem Kopf noch oben. Die Frau fehlt noch. Sie hängt etwa 20 Meter zurück.

Zu spät:
Das Wasser ist jetzt eindeutig im 70 Meter-Radius der Luke, die sich langsam zu schließen beginnt.
„Los!“, rufe ich ihr herüber. Sie schafft es nicht mehr. Ich stecke mein Kopf zurück in den unterirdischen Raum und warte. Nichts passiert. Ich höre ein Klicken. Die Luke ist zu. Ich stelle mich darunter. Man kann durch sie hindurch gucken.
Die Frau hat es nicht geschafft. Sie liegt oberhalb der Luke. Man kann nichts mehr für sie tun. Sie schaut betroffen zu uns nach unten. Uns, die wir in Sicherheit sind. Ihre Augen färben sich rot. Sie weint. Wir hören ihr Schluchzen. Es ist herzzerreißend. Sie weint, bis ihr Körper von dem Wasser zur Seite geschleudert wird.
Zuerst färbt sich die Außenseite der Luke mit Blut. So stark hat sie das Wasser erwischt. Doch es bleibt nicht lange. Das Wasser wäscht das Blut sofort weg, alles wird blau. Wir sehen über uns in der Ferne, wie schwerelos ihr lebloser Körper schwebt.
Meine Knie geben nach und meine Augen brennen.  Ich bekomme keine Luft mehr. Ich greife mir an meinen Hals und meine Kehle. Es ist unerträglich. Ich höre ihre Stimme. Und ich öffne meine Augen und wache auf.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast