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Deine Worte kennt nur der Wind

OneshotDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Draco Malfoy Harry Potter
21.11.2020
21.11.2020
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Als sie ihren ersten Kuss teilten, flüsterte der Frühlingswind sanft über die Ländereien von Hogwarts. Er spielte zaghaft mit den noch kahlen Ästen der Bäume und dem nach dem langen Winter braunem Gras.

Ihre Unschuld verloren sie in einer stürmischen Herbstnacht. Das Feuer im Kamin der Wünsche brannte warm, während die Böen um das Schloss peitschten und kalten Regen vor sich her trieben.

In dieser Zeit war etwas in ihnen erwacht, vielleicht war es Liebe, vielleicht war es Hingabe, vielleicht war es noch viel mehr, das den starken Stürmen trotzen sollte, die sie in den folgenden Jahren auseinanderreißen würden.


Das Sommergewitter war vorübergezogen, nur der Regen war geblieben und prasselte unaufhörlich auf das Dach der kleinen Hütte in den schottischen Highlands. Draco saß in einem der Sessel vor dem Kamin, in dem ein kleines Feuer brannte. Er lauschte auf den Regen, auf das Knacken des brennenden Holzes, aber vor allem lauschte er auf ein Geräusch, das ihm Harrys Ankunft verraten würde.

Ein leises Ploppen, schwere Schritte auf der hölzernen Veranda. Die Tür wurde geöffnet und dann war Harry da. Wie Ertrinkende teilten sie ihren ersten Kuss dieser Nacht. Hungrig pressten sie ihre Lippen aufeinander, ihre Hände wanderten ihre Körper entlang, rissen ihnen die Kleidung vom Leib. Der erste Sex dieser Nacht war fordernd, beinahe hastig, als hätten sie nicht genügend Zeit. Das zweite Mal war langsamer, zärtlicher, einem Abschied gleich.

Sie lagen nackt im Bett, die Hütte wurde nur durch die glimmende Glut erhellt. Draco hatte seinen Kopf auf Harrys Schulter gelegt und atmete seinen Duft ein, versuchte, ihn in sein Gedächtnis einzubrennen. Vergeblich, wie er wusste, kaum würde er die Hütte verlassen, wäre er verblasst wie eine ferne Erinnerung.

Harrys Hand wanderte träge über seinen Rücken, seine Brust hob und senkte sich langsam. Nicht zum ersten Mal wünschte Draco sich, die Zeit anzuhalten, für immer und ewig diesen Moment zu erleben, in dem sie einfach nur Harry und Draco waren und nicht der Auserwählte und der Todesser, Feinde in einem grausamen, erbitterten Krieg.

Sie sprachen nie über die Dinge, die außerhalb ihrer Zuflucht passierten, die sie taten, die sie zu tun gezwungen waren. Sie wussten beide, dass das, was sie hatten, diese heimlichen Treffen, Liebe, die vielleicht mehr war, Hingabe, die tiefer ging, niemals den Sturm der Realität überstehen würden. Deshalb schwiegen sie, Jahr um Jahr stahlen sie sich diese Zeit, um einfach nur Draco und Harry zu sein.

Bis heute, bis Harry beschloss, den Sturm zu entfesseln, der sie beide davonfegen würde.

Vorsichtig setzte Harry sich auf, sein Blick ruhte auf dem schlanken, blonden Mann in seinen Armen. Hatte Harry früher immer gedacht, seine Augen wären sturmgrau, wusste er es inzwischen besser. Sie waren stahlgrau. Hart, kalt und unbarmherzig, so wie der Mann, zu dem Draco geworden war. Außer wenn sie zusammen waren, dann konnte Harry den Jungen darin sehen, mit dem er in Hogwarts ein süßes Geheimnis geteilt hatte.

Dracos schwarzer Mantel hing ordentlich an dem Haken neben der Tür, Harry wusste, wie penibel und ordentlich er sein konnte. Er hatte lange darüber nachgedacht, wie er es sagen könnte, aber als er es dann tatsächlich aussprach, war er sich sicher, einen Fehler zu machen.

"Wo ist Nagini?" Zunächst reagierte Draco nicht und Harry befürchtete schon, nochmal fragen zu müssen. Doch dann setzte er sich auf und sah ihn an. "Tu das nicht, Harry. Bitte tu das nicht."

Harry wusste genau, dass Draco von ihrem unausgesprochenen Pakt sprach, die Realität nicht hierher mitzubringen, aber er konnte nicht mehr schweigen. Sieben Jahre waren seit der Schlacht um Hogwarts vergangen und der Krieg tobte noch immer. Der Orden hatte damals versagt, vielleicht hatte Voldemort noch nicht gewusst, was sie taten, als sie das Diadem zerstörten. Aber als Neville Nagini angriff, war ihm klargeworden, dass sie seine Horkruxe zerstört hatten – alle bis auf die Schlange.

Narcissa Malfoy hatte für Harry gelogen, hatte Voldemort ins Gesicht gelogen um ihre Familie zu schützen. Man hatte ihren Körper wenige Tage nach der Schlacht in der Winkelgasse gefunden, Harry hatte ihn nie gefragt, aber das Gerücht, dass es Draco selbst war, der sie vor den Augen seines weinenden Vaters zu Tode gefoltert hatte, hielt sich hartnäckig.

Jedenfalls hatte man seitdem Nagini nicht mehr gesehen und die Chance, Voldemort zu vernichten und die Zaubererwelt zu befreien war vertan. Die folgenden Jahre waren schlimm. Blutig und grausam und geprägt von Hass und Tod.

Harry ertrug es nicht länger, so viele Menschen so sinnlos sterben zu sehen. Deshalb brach er den Pakt, der das, was sie hatten, bisher so gut beschützt hatte. "Wo ist Nagini?", fragte er nochmal.

Draco sah ihn nicht an, als er aufstand und in seine Hose schlüpfte. "Draco, bitte, wir können es beenden. Gemeinsam können wir diesen Krieg beenden. Hast du dir je vorgestellt, wie es wäre, wenn wir uns nicht verstecken müssten? Wenn wir alle in Frieden leben könnten? Ohne dieses sinnlose Blutvergießen."

Jetzt sah Draco ihn doch an und sein Blick war voller Verachtung. Sie hatten nie über ihre Überzeugungen gesprochen, weil sie unvereinbar waren und aus der Realität stammten, die sie ignorierten, wenn sie einfach nur Harry und Draco waren. Aber sieben Jahre Krieg und Tod hatten Harry zu einem Mann gemacht, der er nie hatte sein wollen und Draco als Lord Voldemorts rechte Hand war vielleicht die einzige Chance, die sie hatten um diesen Krieg zu beenden.

Langsam zog Draco sein Shirt an und schnürte sich die schweren Kampfstiefel. Harry schwieg und sah ihm dabei zu. Hoffte, vergeblich. Draco nahm den langen Mantel vom Haken und zog ihn sich über, dann hielt er inne, sah zu Harry. In der Hand hielt er die Maske, die ihn wieder in den Todesser und Harry in den Auserwählten verwandeln würde.

In seinen Augen konnte Harry keine Emotionen ausmachen, aber vielleicht lag das auch an der Dunkelheit in der Hütte. Draco kam zum Bett zurück, beugte sich hinunter und gab Harry einen Kuss, lang und voller Sehnsucht.

"Dieser Krieg wird vorüber sein, wenn wir gewonnen haben. Wenn die Schlammblüter und Blutsverräter wissen, wo ihr Platz ist. Ich wusste, dass es eines Tages so weit sein würde. Tatsächlich habe ich damit gerechnet, dass es schon viel früher passieren würde." Ein wehmütiges Lächeln huschte über sein Gesicht.

"Das muss nicht so sein, Draco", sagte Harry. "Doch, Potter. Das hier war nur der erste Kratzer. Bei jedem weiteren Treffen würde diese Frage zwischen uns stehen, so lange, bis sie wie ein Abgrund zwischen uns klafft. Wir wussten beide, dass das, was wir haben", er deutete vage mit der Hand auf das Bett, "niemals die Realität überstehen würde. Und die hast du gerade hier eingelassen."

Er seufzte leise. "Du willst das Richtige tun, das weiß ich. Aber was, wenn es nicht nur ein richtig gibt?" Jetzt war Harry auch aufgestanden. Es war ihm egal, dass er nackt vor Draco stand. "Du willst sagen, dass es richtig ist, all diese Menschen umzubringen um den Rassenwahn eines einzelnen Verrückten zu befriedigen?"

Draco warf einen Blick auf die Maske in seiner Hand. "Siehst du, Potter, das ist der Anfang vom Ende. Es hätte nicht so kommen müssen." Es war still, wie die Ruhe vor dem Sturm, wenn die Welt plötzlich verstummt und diese unerklärliche Spannung in der Luft liegt. "Leb wohl, Harry."

"Warte!", rief Harry, aber da hatte Draco schon die Maske übergezogen und war disappariert. Ein Holzscheit knackte im Kamin und der Regen prasselte unaufhörlich auf das Dach. Harry konnte seinen eigenen Atem hören, schnell und hektisch, als müsste noch so viel gesagt werden. Aber es war niemand mehr da, der ihm zuhören würde.

Mit einer einzigen Frage hatte er den Sturm entfesselt, der sie alle davontragen würde.


Es begann langsam, beinahe unmerklich und es dauerte beinahe ein halbes Jahr, ehe Harry das Muster bemerkte. Zunächst nahmen die Angriffe auf Muggel und Muggelgeborene zu. Das Muster war da noch verborgen, aber im Nachhinein konnte Harry sehen, so klar, dass ihm war, als hätte er es schon viel eher bemerken müssen, dass die Angriffe sich auf Personen und Orte fokussierte, die etwas mit ihm zu tun hatten. Zunächst im weitesten Sinne, ehe sie sich immer mehr konzentrierten.

Endgültig klar wurde es Harry, als Godric's Hollow komplett niedergebrannt wurde. Vor der ehemaligen Kirche, die jetzt nur noch ein großer Schutthaufen war, waren fein säuberlich die Körper der Bewohner aufgereiht und gestapelt. Es gab eine Reihe nur für Kinder, und mehrere für die Erwachsenen. Manche von ihnen waren grausam entstellt, andere sahen aus, als würden sie friedlich schlafen. Die Häuser waren verkohlte, rauchende Trümmer. Alle, bis auf die Ruine, die einst Harrys Elternhaus gewesen war. Sie war vollkommen unberührt. Am fahlen Winterhimmel schwebte stumm das Dunkle Mal.

"Das ist krank", sagte Ron, ganz blass im Gesicht. Er hatte die Arme eng um sich geschlungen, an einer Hand fehlten ihm zwei Finger. Hermine hatte Tränen in den Augen und Ron drückte sie fest an sich. "Das ist so sinnlos", flüsterte sie.

Harry konnte den Blick nicht von den Leichen abwenden. Es war vollkommen windstill, sein Atem stand in weißen Wölkchen vor seinem Gesicht und die Luft roch nach Rauch und Blut. "Das war Malfoy", sagte er.

In den letzten Monaten hatte er versucht, ihn zu finden. Er war ein paar Mal in ihrer Hütte gewesen, aber Malfoy war nie aufgetaucht. Es gab Berichte ihrer Späher, dass er an einigen grausamen Strafaktionen und Überfällen beteiligt war. Aber jetzt, mit dem zerstörten Godric's Hollow im Blick, wusste Harry, dass er noch viel mehr getan hatte. Malfoy bestrafte ihn dafür, dass er das zerstört hatte, was sie gehabt hatten, den Ort, wo sie nur Draco und Harry sein konnten.

Mit dem Geruch von Feuer und Tod in der Nase wurde Harry klar, dass die vielen rothaarigen toten Muggel kein Zufall waren. Dass die grausam gefolterten Asiatinnen kein Zufall waren. Dass die Zerstörung mehrerer Zahnarztpraxen in London kein Zufall waren. Nicht die niedergebrannten Häuser in mehreren Nachbarbezirken von Little Whinging, nicht Gordic's Hollow.

"Das war alles Malfoy", sagte Harry, mehr zu sich selbst, als zu seinen Freunden, die immer noch neben ihm standen und fassungslos auf die Überreste eines ganzen Dorfes sahen.

Zurück im Grimmauldplatz, immer noch das Hauptquartier des Ordens, ging Harry alle Berichte über Todesseraktivitäten des letzten halbes Jahres durch. "Das war alles Malfoy", sagte er nochmal. "Woher willst du das wissen?" fragte Ron mit müder Stimme. Sie waren alle vom Krieg gezeichnet. "Er weiß, wo Nagini ist. Wir müssen ihn finden. Ron, wir können das immer noch beenden." Ron sah ihn an und Harry konnte sehen, dass er keine Hoffnung mehr hatte.

Mit den Auroren, die die Säuberung des Ministeriums überlebt hatten, schmiedete Harry Pläne. Sein Geburtstag stand kurz bevor und an diesem Datum hatten die Todesser jedes Jahr grausamer und blutiger ihre Überlegenheit demonstriert. Der Orden, das was noch übrig war, würde nicht aufgeben.

Sie hatten lange und hitzig diskutiert, das Für und Wider erwogen, waren aber zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen. Hermine, eine der Strategen des Ordens, hielt drei gleichzeitige Aktionen für zu gefährlich. Und niemand wusste, ob sie an diesem Abend tatsächlich etwas erreichen würden. Harry dagegen war der Überzeugung, dass alle ihre Aktionen etwas bewirkten. Sie zeigten den Hexen und Zauberern, dass es noch Hoffnung gab, dass nicht alles verloren war. Und sie zeigten Voldemort und seinen Anhängern, dass der Orden noch längst nicht besiegt, der Widerstand noch nicht gebrochen war.


Die Menge in der Halle tobte, der Geruch nach Schweiß, Adrenalin und gegrilltem Fleisch hing schwer in der Luft. Einer kurzen, erwartungsvollen Stille folgte der gierige Aufschrei hunderter Kehlen, als einer der Muggel, die in der Mitte der Halle in einem großen Käfig kämpften, ohnmächtig zu Boden ging. Der Käfig maß gut und gerne fünf auf fünf Meter und war aus stabilen Eisenstangen geformt. Der Großteil der Zuschauer war männlich, Todesser niederen Ranges oder Sympathisanten Voldemorts. Und ihnen allen stand die Blutgier in den Augen.

Gefolgt von den Auroren Jones und Williamson schob Harry sich durch die Menge. Sie waren durch Vielsafttrank getarnt und auf dem Weg zu den oberen Sitzreihen, die stufenweise um den Käfig in der Mitte der kleinen Halle angebracht waren. Unwillkürlich fühlt Harry sich an die Wrestling-Sendungen erinnert, die Dudley früher gerne angesehen und dann an ihm ausprobiert hatte. Nur dass hier alles echt war – und dies eines der Unterhaltungsangebote war, mit dem die Todesser Harrys Geburtstag verhöhnten. Zeitgleich mit Harry und seinen Begleitern waren in diesem Augenblick weitere Ordensmitglieder in der Winkelgasse und bei einer Hinrichtung außerhalb Londons unterwegs.

Sie hatten die oberste Reihe erreicht und konnten nun den gesamten Raum einsehen. Direkt hinter ihnen lag ein Notausgang, vor ihnen das, was Voldemort aus der Zauberergemeinschaft gemacht hatte.

Ein vermummter Todesser trat in den Käfig, riss die Hand des noch stehenden Muggels nach oben und rief mit magisch verstärkter Stimme in die Menge. „Seht unseren tapferen Gewinner!“ Die Menge johlte. „Und nun, bring es zu Ende!“ Er drückte dem panischen Muggel ein langes Messer in die Hand und stieß ihn auf den am Boden Liegenden zu. „Tod! Tod! Tod!“ skandierte die Menge und stampfte bei jedem Wort mit den Füßen auf.

„Das ist widerlich“, flüsterte Hestia Jones neben Harry, der seinen Blick nicht von dem grausamen Spektakel abwenden konnte. In den vergangenen Jahren hatte er schon viele unmenschliche Dinge gesehen, aber diesen vereinten Hass konnte er nicht verstehen.

In einem letzten verzweifelten Versuch, stürmte der Muggel mit erhobenen Messer dem Todesser entgegen, wurde aber auf halben Weg von einem grünen Lichtblitz niedergestreckt. „Nicht einmal dafür sind sie gut“, höhnte der Todesser, als er auf den Toten zuging, ihm das Messer abnahm und  in aller Seelenruhe mehrfach auf den Bewusstlosen einstach. Ohrenbetäubender Jubel erfüllte die kleine Halle.

Die Sekunden verrannen zäh, während die drei darauf warteten, zuzuschlagen. „Eine Minute. Macht euch bereit“, flüsterte Hestia Jones. Harry verstärkte den Griff um seinen Zauberstab unmerklich, der im Inneren seiner Ärmel versteckt war. Sein Herz schlug schnell, doch er war hoch konzentriert.

Und dann brach plötzlich die Hölle los als sie ihre Zauber losließen. Es knallte mehrmals laut, grelles Licht blendete die Anwesenden, die Verwirrung war perfekt. Es dauerte nur wenige Sekunden um den Käfig zu sprengen und ihr Zeichen, das Abbild eines flammenden Phönix, zu hinterlassen.

Später in der Küche des Grimmauldplatzes lieferten die drei Einsatztrupps ihre Berichte ab.  Kreacher hatte halbwegs essbare Kekse auf den Tisch gestellt, an denen immer wieder jemand knabberte.

In der Winkelgasse hatten sie ihr Zeichen hinterlassen, das Abbild eines flammenden Phönix, der in den nächsten beiden Tagen jeden Todesser, der es wagte, dort aufzutauchen, attackieren würde. Die vier Hinrichtungsopfer konnten ebenfalls gerettet werden und wurden vorerst in einem anderen, sicheren Versteck untergebracht.

"Wir müssen Malfoy finden", forderte Harry, dem alles, was sie erreicht hatten, zu wenig war. "Er weiß, wo Nagini ist." Die Blicke, die ihm die anderen zuwarfen, reichten von hoffnungslos bis genervt. Zu oft hatte er in den letzten Monaten gefordert und Harry wusste, dass längst nicht alle glaubten, dass Malfoy wusste, wo die Schlange war.

Harry wusste, dass es stimmte. Er hatte Malfoys Gesicht gesehen, als er ihm diese Frage gestellt hatte. Aber das konnte er nicht sagen. Er musste hoffen, dass die anderen ihm so  sehr vertrauten, dass sie ihm glaubten. Das war nicht einfach, zu viele Rückschläge hatte es in den vergangenen Jahren gegeben, zu viele Freunde waren gestorben. Nicht nur Ron hatte die Hoffnung aufgegeben, diesen Krieg jemals gewinnen zu können.

Der Orden war geschrumpft, hatten sie zu Anfang noch viel Unterstützung erfahren, traute sich inzwischen niemand mehr, offen zu ihnen zu stehen. Die Todesser hatten die Hexen und Zauberer Englands fest im Griff, Furcht vor Vergeltung beherrschte die einst stolzer Zauberergemeinschaft. Selbst wenn sie nicht gut hießen, was die Todesser taten, begehrte niemand mehr auf. Es gab kaum jemanden, der nicht Freunde oder Familie an grausame Vergeltungsakte verloren hatte. Und was sie den Muggeln antaten, war kaum in Worte zu fassen.

Viele glaubten, dass Voldemort längst gewonnen hatte. Harry weigerte sich, aufzugeben, auch wenn er wusste, dass der Sturm nicht mehr aufzuhalten war. Er weigerte sich zu glauben, dass er, der Auserwählte, versagt hatte. Es war noch nicht zu spät!


Die Herbststürme heulten, wirbelten braune Blätter und brachten Regen mit sich. Harry wusste es noch nicht, als er aufstand, aber dieser Tag sollte ihre größte Niederlage und ihr größter Triumph seit der Schlacht um Hogwarts werden. Seit mehreren Tagen flüsterten Gerüchte im Wind, Voldemort hätte Großes vor, und er würde seine rechte Hand schicken. An diesem Vormittag bestätigte ein Informant des Ordens, dass heute der Tag war, von dem gewispert wurde.

Ein anderer Späher berichtete von vermehrter Todesseraktivität westlich von London. Niemand wusste genaues, aber der Orden war bereit. Bereit, zuzuschlagen. Niemand wollte es sagen, aber es war vielleicht ihr letztes Aufbäumen. Vor wenigen Wochen erst hatten die Todesser mehrere Ordensmitglieder gefangen genommen. Man hatte seitdem nichts mehr von ihnen gehört. Sie hofften, dass sie tot waren, denn die Alternative wäre weitaus schlimmer.

Sie bereiteten sich vor, schmiedeten Pläne innerhalb kürzester Zeit. Sie wären alle hinfällig, sobald sie dort ankommen würden, aber das wussten sie nicht. Sie wussten nicht, dass sie direkt in eine Falle liefen, sie wussten nicht, was sie erwartete.

Als sie ankamen, ging alles ganz schnell. Statt die Gegend auszukundschaften und unbemerkt die Todesser zu umzingeln, wurden sie angegriffen. Zauber um Zauber prasselte auf ihre Schutzschilde ein, drängte sie zusammen. Sie sahen sich einer Übermacht entgegen.  

Die Todesser wurden von Malfoy angeführt. Als Harry das sah, wusste er, dass ihre Informanten entweder gezielt gelogen hatten oder manipuliert worden waren. Malfoy hatte ihren Untergang geplant, der Sturm war da. Harry hatte nicht vor, aufzugeben. Er würde Malfoy zu fassen bekommen, koste es, was es wolle.

Die Kämpfe dauerten an, Harry konnte Körper fallen sehen, zunächst vor allem Todesser, aber dann auch Ordensmitglieder. Malfoy stand auf einem Hügel und dirigierte seine Truppen. Trotz Maske und Umhang wusste Harry, dass er es war. Ein einziger Gedanke beherrschte seinen Verstand, während er um sein Leben und das Leben seiner Freunde kämpfte. Er musste Malfoy zu fassen bekommen.

Er hörte nicht, wie Ron seinen Namen rief, als er sich durch die Todesser den Hügel hinauf kämpfte. Er bekam nicht mit, wie sein bester Freund von einem Zauber niedergestreckt wurde, wie Todesser um Ordensmitglied starb.

Und dann standen sie sich gegenüber, mitten im Auge des Sturms. Harry konnte Malfoys Gesicht nicht sehen, aber seiner Reaktion nach hätte Harry es nie bis zu ihm schaffen sollen. Er hob seinen Zauberstab, aber Harry war schon immer der bessere Kämpfer gewesen und er hatte das Überraschungsmoment auf seiner Seite.

Kaum ging Malfoy bewusstlos zu Boden, flüchteten die Männer, die er angeführt hatte. Die wenigen, die weiterkämpften, konnten innerhalb kürzester Zeit überwältigt werden. Heute hatten sie gewonnen. Nur dass Harry den Preis zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte.


Draco war in einem Kellerverlies gefangen, um seine Handgelenke war eine magisch verstärkte Kette geschlungen, die in der Decke verankert war und ihm die Hände über den Kopf zog. Sein Umhang und die Maske lagen achtlos im Eck. Es war dunkel und kein Geräusch drang von draußen herein. Zahlreiche Schutzzauber lagen über dem Raum, sie sollten verhindern, dass er flüchten konnte, dass er aufgespürt werden konnte, dass er stablose Magie wirken konnte. Sie sollten ihn drinnen und seinen Herrn draußen halten.

Der Orden hatte in den letzten Stunden die Opfer gezählt, Harrys Verstand weigerte sich zu begreifen, dass nicht nur Ron gestorben war, sondern beinahe die Hälfte aller am Angriff beteiligten Ordensmitglieder. Hermine, die nicht dabei gewesen war, weil sie im vierten Monat schwanger war, war seit ihrer Rückkehr nicht von Rons Seite gewichen und hatte voller Verzweiflung seine kalte, leblose Hand umklammert.

Harry hatte die Toten gesehen, zu diesem Zeitpunkt hatte er den Preis gekannt, den sie für Malfoys Gefangennahme bezahlt hatten. Die Wut in ihm war nicht heiß und lodernd, sondern kalt, und sie ging tief, tief, so tief.

Seine Schritte klangen dumpf, als Harry die schmalen Stufen in den Keller hinunterging. Vor der Tür legte er seinen Zauberstab ab, es war zu gefährlich, ihn mit hineinzunehmen und die Zauber würden ihn nicht daran hindern, stablose Magie zu wirken. Seine Freunde waren oben und versuchten zu verarbeiten, was passiert war. Aber Harry musste Malfoy die Frage stellen, die den Sturm entfesselt hatte.

Die Tür quietschte, als er sie aufschob und wieder hinter sich schloss. Mehrere Kerzen an den Wänden flackerten auf, als er eintrat. Malfoy sah ihn an und es kam Harry vor, als hätten sie sich erst gestern das erste Mal in Hogwarts am See geküsst. Nur dass der Mann vor ihm ein Mörder war und ein Geheimnis bewahrte, das diesen Krieg beenden konnte.

"Potter", sagte er und Harry lief beim Klang seiner Stimme eine Schauer über den Rücken. "Wo ist Nagini?" fragte Harry, auch wenn er wusste, dass Malfoy ihm das nie freiwillig verraten würde. Ein sanftes Lächeln legte sich auf Malfoys Mund, das nicht zu den stahlgrauen Augen und dem harten Zug um seinen Mund passen wollte. "Ich wusste, dass es so enden würde", sagte er und Harry fühlte sich an ihr letztes Gespräch erinnert.

"Hast du dir je überlegt, wie es hätte sein können?" fragte Draco und Harry meinte, in seinen Augen das erkennen zu können, was sie einst gehabt hatten. "Wenn wir nur Harry und Draco gewesen wären? Und nicht der Todesser und der Auserwählte?" Harry konnte seinen Blick nicht von Dracos Augen abwenden, von seinem Mund, der Worte aussprach, die seine Seele zerfetzten.

"Es hätte etwas Wunderbares sein können, denkst du nicht auch, Harry?" Alles in Harry schrie danach, ja zu sagen, sich vorzustellen, was hätte sein können. Aber mit Rons leblosen Blick vor Augen stellte er die eine Frage, die alles zerstört hatte, die die Mauern zu der von ihnen sorgsam verborgenen Realität eingerissen hatte. "Wo ist Nagini?"

Was immer in Malfoy Blick gelegen hatte, verschwand, als Harry seine Frage wiederholte. Die Kette, mit der seine Hände an die Decke gefesselt waren, klirrte, als er versuchte, einen bequemeren Stand zu finden. Sein Shirt rutschte dabei etwas nach oben und gab den Blick auf einen schmalen Streifen blasser Haut an seinem Bauch frei. Harry wollte ihn berühren, seine kühle Haut spüren, seine Lippen. Er tat es nicht.

"Du weißt, wie das hier laufen wird, Potter", spuckte Malfoy verächtlich aus. Harry nickte, es gab keinen anderen Weg. Er begann, einen Weg in Malfoys Verstand zu suchen. Malfoy war ein brillianter Okklumentiker, aber irgendwann würde er müde werden, irgendwann wäre seine Energie erschöpft und dann würde Harry finden, was er suchte. Die Antwort auf seine Frage, der er seine Liebe und seine Freunde geopfert hatte, in der Hoffnung, die ihm zugedachte Rolle zu erfüllen.

Was Harry aber immer noch nicht begriffen hatte, selbst nach all den Dingen, die Malfoy getan hatte, den toten, rothaarigen Muggeln, den gefolterten Frauen, all den Dingen, die irgendwie mit ihm zu tun hatten, war, dass Malfoy, nein Draco, dass Draco die eigentliche Falle war.

Ein Zauber, den sie gemeinsam über ihre Hütte gelegt hatten, verhinderte, dass sie mit anderen über das sprachen, was sie damals gehabt hatten. Die einzige Möglichkeit, diesen Zauber zu lösen, bestand darin, dass sie ihr Geheimnis gemeinsam lüfteten. Das war nie passiert.

Wäre Harry aufmerksamer gewesen, hätte er an Malfoy und nicht an Draco gedacht, wäre ihm wohlmöglich aufgefallen, dass er viel zu schnell in Malfoys Verstand eintauchte. Aber da war es schon zu spät.

Es war ein Gefühl, als würde er durch Dunkelheit fallen. Sekundenlang. Als die Dunkelheit verging konnte Harry den Wind in den Bäumen rauschen hören. Er stand auf einer Wiese und weiße Apfelblütenblätter trieben um ihn herum. Die Frühlingssonne schien und brachte Dracos blondes Haar zum Glänzen. Aber es war nicht der Mann, der in der Realität vor ihm stand, sie waren beide nicht die Männer, die der Krieg aus ihnen gemacht hatte.

Sie waren jung, gerade erwachsenen und hinter Draco konnte Harry ihre Hütte sehen. Was seltsam war, denn in der Realität hatte es weit und breit um ihre Hütte keine Apfelbäume gegeben. Draco sah ihn an. "Hast du dir je überlegt, wie es hätte sein können?" fragte er.

Langsam begriff Harry, dass es nicht er war, der in Malfoys Verstand die Kontrolle ausübte. Er versuchte, aus diesem Trugbild auszubrechen, aber er konnte diese Scheinwelt in Malfoys Kopf nicht verlassen. Der Wind wurde stärker und die Apfelblüten wirbelten wild um sie.

"Es hätte etwas Wunderbares sein können, denkst du nicht auch, Harry?", fragte der junge Draco und seine Stimme klang, als käme sie von sehr weit weg. "Es hätte nicht so kommen müssen. Wir hätten einfach weiter Draco und Harry sein können."

Harry schüttelte den Kopf. "Es war eine Lüge, Draco, eine bittersüße Lüge, für die andere mit dem Leben bezahlt haben." Der junge Draco sah ihn missbilligend an und Harry konnte einen leichten Druck in seinem Kopf spüren. "Das war mir egal", sagte Draco, "ich wollte dich. Immer nur dich, Harry. Nicht mehr und nicht weniger. Nur wir beide."

"Das hätten wir haben können, Draco. Wir hätten den Krieg beenden können und dann hätten wir nur noch wir sein können." "Es hätte kein dann gegeben, Harry, kein danach. Du begreifst es immer noch nicht, nicht  wahr?" Dracos Stimme war leise und voller Sehnsucht. "Das hier, das ist alles, was wir je haben werden. Gestohlene Momente, eine blasse Erinnerung in meinem Kopf."

Harry verstand nicht, was Draco ihm sagen wollte. "Das ist nicht wahr, Draco. Wir hätten alles haben können, ein Leben, so wie wir es uns wünschen. Es wäre völlig egal gewesen, was gewesen ist. Wir wären nur du und ich gewesen." Die Apfelblüten wirbelten immer noch um sie herum, Harry konnte sogar ihren zarten Duft riechen. Der Sturm wurde stärker.

Er zuckte zusammen, als Dracos Stimme plötzlich laut durch das Trugbild hallte. "Nein! Sieh hin, Harry, sieh hin!" Und der Sturm trug sie beide davon, umgeben von weißen Blütenblättern tauchten sie tiefer in Malfoys Verstand. Die Dunkelheit war wieder da und Harry konnte den Druck in seinem Kopf spüren. Sie gingen zu schnell zu tief. Er versuchte, Draco das zu sagen, aber der Wind riss ihm die Worte von den Lippen.

Ein grünliches Glimmen erhellte plötzlich die Finsternis. Welk fielen die Apfelblüten zu Boden. Harry stand am Rand eines Abgrunds, Draco schwebte nur wenige Armlängen von ihm entfernt, aber die Dunkelheit, die aus diesem Abgrund strömte, griff nach ihm. Ein hässliches Grinsen entblößte seine Zähne.

Harry konnte nicht anders und blickte in die Finsternis, die nicht so finster war, wie er erwartet hatte. Bilder trieben darin herum und er brauchte einige Momente, um zu erkennen, was er sah. Als er begriff, was Draco ihm die ganze Zeit hatte sagen wollen, wich er entsetzt von dem Abgrund zurück.

"Ist es nicht wunderschön?", fragte Malfoy ehe Draco wieder da war und Harry ansah. "Verstehst du es jetzt?" Harry war wie betäubt. Und als hätte Draco seine Gedanken gelesen, was gut möglich war, denn immerhin waren sie hier in seinem Verstand, beantwortete er Harrys unausgesprochene Frage.

"Ein weiterer Horkrux. Nagini ist nicht mehr dein größtes Problem. Tatsächlich ist sie überhaupt kein Problem mehr, Longbottom hat sie so schwer verletzt, dass sie ein paar Tage später gestorben ist." Er machte eine kurze Pause. "Wenn du diesen Krieg beenden willst, wirst du mich töten müssen."

Die Dunkelheit war zurück, der Sturm heulte in Harrys Ohren und er kniff die Augen zusammen. Als er sie wieder öffnete, standen sie erneut auf der Wiese vor ihrer Hütte, die Wiese, die nicht real war und auf der Apfelbäume wuchsen und die Frühlingssonne ihre jungen, noch nicht vom Schmerz gezeichneten Gesichter erhellte.

"Vielleicht im nächsten Leben, Harry. Vielleicht haben wir uns unser Glück dann verdient. Es könnte wunderbar werden, denkst du nicht auch?" Die sturmgrauen Augen fixierten ihn, als würde Draco sich seinen Anblick ein letztes Mal einprägen. "Leb wohl, Harry."

Der Sturm schleuderte Harry aus Dracos Gedanken, er raste durch die Dunkelheit bis er wieder in seinem eigenen Kopf war. Er konnte den Steinboden unter seinen Füßen spüren und die Tränen auf seinen Wangen. Als er die Augen öffnete, war Draco verschwunden, vor ihm stand Malfoy und die stahlgrauen Augen blitzten gefährlich. Harry drehte sich um und verließ fluchtartig das Kellerverlies. Er konnte diese Augen nicht länger ertragen.


Der Frühlingsregen ging leise und stetig auf die schottischen Highlands nieder. Harry saß auf der überdachten Veranda und starrte in den Regen. Beinahe zwei Jahre waren vergangen seit sein bester Freund gestorben war.  Beinahe zwei Jahre seit er sich völlig aus der Zaubererwelt zurückgezogen und den Orden verlassen hatte.  Beinahe zwei Jahre seit er seine Freunde zuletzt gesehen hatte.

Obwohl Harry sich immer für stark gehalten hatte, hatte er diese eine Sache nicht tun können, die Voldemorts letzte Waffe gegen ihn gewesen war. Er hatte nicht herausgefunden, wie Voldemort von ihnen erfahren hatte, aber im Grunde war es auch egal. "Nicht wahr, Draco, eigentlich ist es auch egal", murmelte er.

Beinahe zwei Jahre seit Lord Voldemort seinen endgültigen Sieg erklärt hatte.  Beinahe zwei Jahre seit der Orden völlig vernichtet wurde, kurz nachdem Harry gegangen war.  Beinahe zwei Jahre seit er in ihrer Hütte lebte und die Gedanken an die Wiese mit den Apfelbäumen nicht loswurde.

Die Gedanken an was hätte sein können und was vielleicht sein würde. In seltenen Momenten glaubte er, den zarten Duft von Apfelblüten zu riechen. Dann fühlte er, dass Draco bei ihm war, sein Draco, der darauf wartete, ihn in ihrem nächsten Leben zu treffen.

Aber dafür brauchte es Mut, den Harry nicht hatte. Nicht, wenn er hier etwas hatte, das zwar nicht wunderbar, aber zumindest etwas war, das Harry irgendwie an Glück erinnerte. Er konnte die Tränen auf seinen Wangen fühlen, sie kamen immer wieder, obwohl Harry dachte, dass er in seinem ganzen Leben genug geweint hatte.

Langsam setzte die Dämmerung ein und der Wind, der den Regen vor sich her trieb wurde kühler. "Komm, Draco, wir gehen hinein. Ich mache uns ein ein gemütliches Feuer und etwas leckeres zu Essen." Harry stand auf und griff nach der schmalen blassen Hand, die auf der Bank neben ihm lag. Sie lag kühl in seiner eigenen.

Der Mann, der weder Draco noch Malfoy war, stand auf, seine Augen blickten in die Ferne, unfokussiert und ohne etwas wahrzunehmen. Willenlos folgte er ihm hinein und Harry nahm sich vor, den Imperius demnächst zu erneuern.

Das Feuer im Kamin knackte und der Regeln trommelte aufs Dach. Dracos schwarzer Mantel hing ordentlich an dem Haken neben der Tür, und im Zwielicht konnte Harry sich einreden, dass es wie früher war. Sie waren hier, sie waren einfach nur Harry und Draco und sie hatten etwas, das vielleicht Liebe, vielleicht Hingabe, vielleicht mehr war. Wie hätte Harry zerstören können, was Glück so nahe kam? Was wenn Draco sich geirrt hatte und es kein nächstes Leben, keine neue Chance für sie gab? Wie hätte er aufgeben können, was vielleicht der einzige Frieden war, den er je würde haben können?

Er sah Draco an, der stumm am Esstisch saß. „Wie hätte ich uns aufgeben können?“ Er erwartete keine Antwort, und es kam auch keine. Keine Reaktion, die zeigte, dass Draco ihn gehört hatte. „Wie hätte ich uns aufgeben können?“, flüsterte Harry erneut. Er hörte den Regen und den Wind und das leise Schluchzen, das aus seinem Mund kam. „Ich liebe dich, Draco.“ Für einen Moment erlaubte Harry sich der Illusion hinzugeben, Draco hätte ihn gehört. Der zarte Duft nach Apfelblüten kitzelte seine Nase und Harry musste daran denken, wie sie im  Frühlingswind ihren ersten Kuss geteilt hatten.
 
 
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