Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Please don`t ever change

OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12
OC (Own Character) Samu Haber
21.11.2020
21.11.2020
1
2.993
2
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
21.11.2020 2.993
 
Hei!

Da bin ich wieder.
Diesmal wieder mit einem längeren OS.
Es gibt eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass ich mich wie immer sehr über jede Art von Rückmeldung freuen würde!

Samu gehört wie immer nur sich selbst, wie auch der Songtext, alles andere ist mein gedankliches Eigentum!

Und jetzt wünsche ich euch viel Vergnügen!


Es ist warm in dem Raum. Die Lampen werfen ein angenehmes Licht auf den Spiegel, vor dem eine junge Frau steht und sich mit einer Bürste durch ihr hellbraunes Haar fährt.
Langsam und bedächtig zieht sie sie durch die dicken Strähnen, während sie sich im Spiegel dabei zusieht. Dann legt sie sie  weg und tritt einen Schritt näher vor die reflektierende Fläche. Sie blinzelt und mustert ihr Gesicht.
Die großen braunen Augen glänzen normalerweise, schimmern jetzt nur noch matt, umrahmt von dunklen Wimpern, die dank der Wimperntusche viel dichter sind, ihre Wangen, die in den letzten Wochen immer seltener rosig gewesen waren und ihre Lippen, voll und eigentlich weich und perfekt, nun aber rissig und trocken. Mit der Zungenspitze fährt sie über ihre Unterlippe, während ihre Fingerspitzen über ihre Schläfen und Wangen wandern.
Erst folgt sie ihren Fingern mit den Augen, blickt sich dann aber im Spiegel direkt entgegen. Sie versucht, etwas von dem Glanz in ihren Augen wiederzufinden, kann aber nichts entdecken als einen leichten Schatten. Während sie sich so weiter betrachtet, schleicht sich plötzlich ein Gefühl in ihre Brust, welches so lange nicht mehr präsent gewesen war; Kälte. Eine eisige Kälte kriecht in ihren Körper und nistet sich bei ihr ein.

Warum kommt es jetzt? Warum gerade jetzt?

Auf diese Frage hat sie keine Antwort.

Bin ich doch nicht gut genug?

Das hat sie sich schon oft gefragt, und nie eine klare Antwort gefunden.
Während sie so dasteht und im Spiegel ihr gebrochenes Ich erkennt, schleichen sich Tränen in ihre Augen, brennend und langsam. Sie blinzelt hektisch und atmet tief ein, in der Hoffnung, sie zu vertreiben. Es funktioniert nicht, die erste salzige Perle löst sich aus ihrem Auge und läuft langsam ihre Wange herab. Ihr folgen bald darauf weitere, stumm steht sie da und sieht sich zu.

Warum fühle ich mich so? So… wertlos?

Gerade als sie diesen Gedanken beendet hat, hört sie leise Schritte hinter sich. Sie braucht sich nicht umzudrehen um zu wissen, wer es ist. Da steht auch schon ein Mann hinter ihr und sieht sie über den Spiegel an. Seine blauen Augen, die im ersten Moment noch strahlen, werden sofort ernst als er ihre Tränen sieht. „Viona, was ist los?“
Seine tiefe, sanfte Stimme lässt sie leicht schaudern. Sie senkt die Augen und weicht so seinem besorgten Blick aus.
Samu fasst sie sanft an der Schulter und dreht sie zu sich um. „Bitte sprich mit mir, Süße. Warum weinst du?“
Vorsichtig hebt er ihr Kinn an und wischt mit dem Daumen die Tränenspuren ab. Viona atmet langsam aus und murmelt dann: „Ich weiß es nicht. Es kommt einfach. Meist verschwindet es schnell wieder…“ Fragend legt Samu den Kopf schief: „Was ist es? Und warum kommst du dann nicht zu mir? Du kannst mit mir reden.“
Langsam nickt sie. „Ich weiß nicht, was es ist, ein Gefühl glaube ich… Aber ich weiß nicht, warum…“
Er seufzt kaum hörbar und zieht sie dann in seine Arme. „Weißt du, manchmal sehe ich ganz genau, was du denkst. Leider sind diese Gedanken dann nicht immer schön.
Du hast Zweifel, ob du gut genug, hübsch genug oder was auch immer bist. Du zweifelst an dir selbst und bekommst Panik. Du versuchst, es zu verstecken, schließt dich ein oder gehst raus, aber ich sehe es. Ich sehe immer ganz genau, wie du dich fühlst. Und es tut weh, zu sehen, dass du nicht weißt, wie schön du bist. Du bist perfekt, genau so wie du bist.
Und daran solltest du immer glauben. Du musst dich nicht verändern, nichts an dir.
Du musst dich auch nicht kaputtmachen, oder denken, du seist wertlos. Denn das bist du nicht.
Für mich bist du wunderschön, immer. Und du solltest auch selbst daran glauben, es dir immer wieder sagen, egal wie schwer sich das gerade anfühlt.“
Bei diesen Worten löst Samu sich ein Stück von ihr und sieht ihr direkt in die verweinten Augen. „Egal, wie du dich fühlst, was dein Unterbewusstsein dir einredet oder wie andere dich sehen: Für mich bist du die absolut schönste Frau auf der Welt und ich liebe dich über alles. Du darfst dich niemals kleinreden oder aufgrund eines schlechten Gedankens verändern wollen. Diese Gedanken sind es nicht wert, dass du dich vergisst. Du bist zu gut um dich davon beeinflussen zu lassen. Du bist zu gut, um dich kaputt zu machen und zum Schlechten zu verändern.
Diese Gedanken, die du hast, sind nicht echt. Sie lassen dich nicht sehen, was ich sehe.
Und wenn sie zu viel, zu laut werden, kommst du bitte sofort zu mir, ja? Dann können wir gemeinsam versuchen, sie zu vertreiben…“
Wieder nickt sie langsam. Erst dringen seine Worte nicht richtig zu ihr durch, doch als sie bei ihr ankommen, überkommt sie plötzlich ein anderes Gefühl; keine Kälte sondern warme Dankbarkeit macht sich in ihrer Brust breit.
Erneut schleichen sich Tränen in ihre Augen und sie wispert leise: „Wenn es nur so einfach wäre. Ich kämpfe schon so lange damit, es loszuwerden, aber es funktioniert einfach nicht. Es geht nicht weg, Samu. Langsam weiß ich nicht mehr, was ich noch versuchen soll…“
Der Sänger mustert seine Freundin liebevoll, streicht weiter sanft mit dem Daumen über ihre Wange: „Ich weiß, Vi. Aber du bist eine Kämpferin. Und du kannst dich auf mich verlassen. Es wird immer Phasen geben, in denen alles dunkel scheint, aber du wirst es schaffen, sie zu überstehen. Ich werde dir helfen, einen Weg zu suchen. Du musst das nicht alleine machen.“ Die junge Frau schnieft leise und vergräbt dann den Kopf an Samus Brust. Er schlingt vorsichtig die Arme um sie, hält sie einfach fest.
Genau deshalb will er, dass sie mit ihm spricht; damit er ihr helfen kann, für sie da sein kann.
Dafür gab es in der Vergangenheit genug Momente, in denen er nicht da war, obwohl Viona ihn gebraucht hätte. Diese Zeit bereut er.

Seine Musik, der Druck und die Termine bei The Voice waren ihm damals wichtiger gewesen, er hatte keine Zeit gehabt, selbst wenn er wollte. Er war von Termin zu Termin gehastet, hatte in Hotels oder im Flieger geschlafen und war nachts sofort müde in sein Bett gefallen.
Und dass Viona sich von Natur aus immer viele Sorgen macht, trug nicht zu einer Besserung der Situation bei. Zu dieser Zeit war sie emotional sehr instabil gewesen, ihre Mutter war schwer krank geworden.
Bevor er nach Berlin gegangen war, hatten sie ein langes Gespräch darüber geführt, wie es weitergehen sollte. Sie hatten einen Plan ausgearbeitet, um sich trotzdem ab und an sehen zu können. Das Vorhaben war jedoch daran gescheitert, dass Viona nicht von Zuhause fortgehen konnte, weil ihr Vater sie zur Unterstützung gebraucht hatte. Und Samu musste in Deutschland bleiben, zum einen wegen der Aufzeichnungen und zum anderen hatte er im Studio in Berlin Aufnahmetermine für das neue Album.
So waren sie über die Monate getrennt, nur selten hatten sie die Zeit gefunden, sich wenigstens zu schreiben.
Das hatte ihnen Beiden zugesetzt, Viona hatte körperlich gespürt, wie sehr sie ihn vermisste. Sie hatte angefangen, sich in ihren Gedanken zu verlieren, hatte sich Szenarien ausgemalt, die es nie geben würde, so hoffte sie. Und es hatte nichts gegeben, was das hätte aufhalten können. Ihre Gedanken hatten ihr Streiche gespielt, sie hatte begonnen, eine falsche Selbstwahrnehmung zu entwickeln. Eine, in der sie nicht gut genug war.
Sie hatte begonnen, Makel an sich zu suchen, die es nicht gab; an ihrem Körper und in ihren Gedanken. Sie war in ihren Gedanken abgerutscht, versunken in Dunkelheit und Schmerz, in eine Welt voller Angst und Zweifel.
Das hatte sie nicht verhindern können, und auch jetzt noch kommen diese Gedanken in unregelmäßigen Abständen zurück, überraschen und fesseln sie.
Samu hat Recht, immer wenn ihr alles zu viel wird, flüchtet sie, zieht sich zurück.
Sie schließt sich ein oder verschwindet aus dem Haus, an den Strand, ohne mit ihm zu sprechen. Sie will nicht, dass er sieht wie es ihr wirklich geht.
An manchen Tagen kann sie sich nicht einmal selbst im Spiegel ansehen.  
Egal, wie sehr sie versucht, sich einzureden, dass all ihre Gedanken nicht wahr sind, gerade an solchen Tagen kann sie die Stimmen nicht ignorieren.
Doch auch wenn sie immer wieder flüchtet, ihn ausschließt, weiß sie, dass Samu es wahrnimmt.
Und sie weiß auch, dass er immer für sie da sein wird.
Das beweist er in diesem Moment aufs Neue. Er ist einfach nur da und hält sie fest.
Viona genießt diesen Moment ganz bewusst; seine Nähe, sein Duft und seine Wärme, sein ruhiger Herzschlag, der sich ganz langsam auf ihr eigenes Herz überträgt.
Und die kurze Ruhe, die in ihrem Kopf herrscht. In diesem kleinen Moment denkt sie nicht, sie genießt.
Samu spürt, wie sich seine Freundin wieder etwas entspannt. Leicht senkt er den Kopf und murmelt leise an ihr Haar: „Du bist das Wichtigste, was ich habe, Süße. Und es ist wahr, wenn ich dir sage, dass du wunderschön bist. Ich liebe dich mit all deinen kleinen Macken, denn sie machen dich aus. Du bist so stark, ganz egal, wie laut deine Gedanken sind.
Du kannst sie bekämpfen, dir selbst beweisen, dass sie nicht wichtig sind. Du musst dich nicht verändern, für niemanden. Bitte, merk dir das. Du bist wunderschön…“
Viona nimmt seine Worte klar und deutlich wahr, lässt sie durch ihren Kopf kreisen und schließt sie in ihrem Herzen ein.
Ganz vorsichtig löst Samu sich von ihr und legt eine Hand an ihre Wange: „Ich verspreche dir, dass ich dir helfen werde, Wege zu suchen, mit deinen Gedanken umzugehen. Du musst das niemals alleine machen. Niemals.“
Sie nickt kaum merklich, gerade könnte sie versinken, in seinen Augen, die sie voller Liebe ansehen. In diesem Moment würde sie ihm alles glauben.

Aber du weißt doch genau, dass es nicht reicht. Es wird immer wiederkommen, ganz egal was er sagt. Du bist nicht gut genug. Du wirst nie genug sein, dafür sind deine Gedanken zu stark, das Gewicht zu schwer. Jemand, der ernsthaft gut ist, würde nie so denken. Sieh es ein, du bist nicht schön. Die Gedanken, ihre Dunkelheit, verdirbt dich, weil sie dich anzieht. Du bist nicht schön, nicht gut genug. Du bist nicht stark genug.

Hektisch beginnt Viona, den Kopf zu schütteln. Sie versucht, die leise Stimme auszublenden, die ihr Zweifel und Angst zuflüstert. Sie hatte es doch gerade geschafft, diese Gedanken loszuwerden! Für einen winzigen Moment hatte sie geglaubt, alles wäre wieder in Ordnung.
Doch das ist es nicht. Es wird nie in Ordnung sein, es wird immer wiederkommen, ganz egal, was sie oder Samu versuchen. Darüber hat sie keine Kontrolle.
Immer weiter schüttelt sie den Kopf, presst fest die Lippen aufeinander.
„Shh…“, murmelt Samu. „Hej, was habe ich gerade gesagt? Nicht daran denken, es ist nicht wahr.“ Erneut zieht er sie in seine Arme, versucht so, sie weiter zu beruhigen: „Du bist stärker als diese Gedanken, Süße. Und ich kann es tausend Mal sagen; du bist wunderschön.“
Leise schnieft sie und murmelt; „Du kannst es so oft sagen, wie du willst, irgendwie kann ich es doch nicht glauben. Ich weiß nicht, ob ich mich jemals anders sehen werde.“
Sanft streicht Samu mit den Fingerspitzen über ihren Rücken: „Weißt du, vielleicht kann ich ja dafür sorgen, dass du wenigstens das ablegst; diesen Glauben daran, dass es nicht besser wird.“ Viona hebt den Kopf, sieht ihn verwirrt an. „Und wie? Ich kann meinen Kopf nicht abstellen…“ Leicht lächelt er; „Das stimmt, aber ablenken und fröhlicher machen kann ich dich, zumindest kann ich es versuchen.“
Skeptisch runzelt seine Freundin die Stirn: „Tu was du nicht lassen kannst… Vielleicht hilft es ja wirklich ein bisschen.“
Sofort nickt er, dreht sie sanft um und führt sie vor sich her zum Sofa, auf das sie sich mit angezogenen Füßen niederlässt.
„Gib mir eine Minute…“ Schon ist Samu verschwunden und kommt kurz darauf mit seiner Gitarre zurück. „Musik soll helfen, bei mir funktioniert es jedenfalls.“

Musik hilft immer. Gerade wenn sie von dir kommt…

Viona nickt. „Bestimmt. Du weißt halt, was du machen musst…“ Samu grinst leicht, setzt sich dann neben sie und beginnt leise zu spielen. Erst einfach nur unbestimmte Melodien, bis er die Töne eines Liedes anspielt. Allein diese ersten Klänge schicken eine leichte Gänsehaut über Vionas Arme, die sich über ihren Rücken ausbreitet. Sie spürt ein schwaches Kribbeln in ihrem Bauch und einen leichten Druck auf ihrer Brust, der jedoch nicht unangenehm ist.
Als Samu leise zu singen beginnt, verstärken sich die Gänsehaut und das Kribbeln und sie muss sich konzentrieren, nicht das Atmen zu vergessen:

You're staring at your own reflection
And all you see is tired eyes
You've been aiming for perfection
Driving in a thousand miles…*


Genau das ist es, was vorhin durch ihren Kopf ging. Dass sie, egal was sie tut, niemals gut genug sein wird.

If you could only see what I see
When I look at you
Baby, let me be the mirror
Reflecting back at you*


Das ist, was Samu ihr immer wieder sagt. Sie sollte ihm zuhören, und sich genau so sehen. Auch wenn es schwer ist, weiß sie, dass er Recht hat.

I know words can hurt like bullets
Don’t let them break your wings
Oh, please don’t ever change
You magic little thing…*


Trotz der Gänsehaut breitet sich ganz langsam schwache Wärme in Vionas Körper aus.
Sie kennt jedes einzelne Wort des Liedes auswendig, die Gitarrenklänge, selbst Samus Atemzüge kann sie genau bestimmen. Es ist ihr Lied, das war es schon von Anfang an.
Und es heilt ganz langsam die Wunden in ihrem Innern, wie es das schon immer getan hat.

Don't you know you're beautiful
You magic little thing?
And you should know that
You are beautiful the way you are…*


Viona schließt die Augen, hört einfach nur zu und konzentriert sich ganz auf das Gefühl in ihrer Brust. Sie speichert die Wärme ab, konserviert ihre Gefühle und genießt den Moment.
Genau das ist es, was in den Momenten der Dunkelheit und Zweifel hilft; Beautiful.
Kein anderes Lied gibt ihr das Gefühl, so verstanden zu werden. Sie fühlt sich geborgen und zuhause, und das nur durch Worte und eine Melodie.
Sie spürt, wie ihre Augen erneut anfangen, leicht zu brennen. Eine einzelne Träne löst sich aus ihrem rechten Auge und läuft still ihre Wange herab.
Sie wischt sie nicht ab, es kümmert sie nicht. Zu gefangen ist sie in dem Lied und ihren Gefühlen.
Viona hört einfach weiter zu, lässt sich treiben und genießt.
Auch Samu spürt die Veränderung, nimmt sie mit einem Lächeln wahr und spielt leise die letzten Akkorde. Er lässt die Töne im Raum verklingen und schaut dann seine Freundin an.
„Besser? Oder habe ich es nur schlimmer gemacht?“, fragt er vorsichtig.
Sie schüttelt leicht den Kopf und öffnet die Augen: „Du hast es nicht schlimmer gemacht. Im Gegenteil. Ich weiß nicht wie, aber es ist fast weg. Jetzt ist da nur noch…“ „Nur noch was?“
Sie versucht ein zögerliches Lächeln. „Jetzt ist da nur noch Dankbarkeit.“
Samu stellt die Gitarre beiseite und zieht sie vorsichtig in seine Arme. Viona lässt es zu, schmiegt sich vertrauensvoll an seine Brust.
Sanft fährt Samu mit den Fingern durch ihr Haar, drückt die Lippen auf ihren Scheitel und murmelt: „Ich weiß, wie wichtig dir das Lied ist, Vi. Und ich weiß auch, was es für dich bedeutet. Es macht mich unendlich glücklich, wenn es dir hilft.“
Viona nickt; „Das tut es. Nichts sonst kann mich so da wieder rausholen. Danke, Samu...“ „Sehr gerne, Süße. Weißt du, manchmal sagt ein Lied mehr, als normale Worte. Ich denke, ich wüsste so nicht, wie ich dir helfen könnte. Deshalb mache ich es mit Musik. So weiß ich wenigstens, dass genau ankommt, was ich sagen will.“
Sie nickt leicht: „Das ist nochmal was anderes. Und ich finde, es ist emotionaler. Du hat es geschafft, dass ich kurz ganz woanders war. Das war gut…“
Vorsichtig streicht Samu ihr eine Strähne hinters Ohr: „Mehr wollte ich gar nicht erreichen. Nur dass es dir besser geht. Ich hoffe, du denkst daran, was ich vorhin gesagt habe; wenn es dir schlecht geht, oder alles zu viel wird, komm bitte zu mir. Ich will versuchen, dir zu helfen.
Und noch einmal; du musst dich niemals verändern. Du bist wunderschön, genau so wie du bist.“
Ein leichtes Lächeln huscht über ihr Gesicht. „Weißt du eigentlich, dass ich dich liebe? Und das genau sowas ein Grund dafür ist, dass ich es jeden Tag etwas mehr tue?“
„Ich weiß. Ich liebe dich auch, Vi.“
Viona überbrückt langsam den Abstand zwischen ihnen und sucht Samus Lippen.
Er lächelt leicht und erwidert den Kuss ganz sanft; er spürt, dass es so gerade richtig ist.
Der Moment ist zerbrechlich, vertraut und ganz besonders.
Viona lässt sich in die Sanftheit des Kusses fallen, der erneut alles andere vertreibt und die Wärme aufflackern lässt.
Sie weiß genau, dass es nicht für immer so bleiben wird. Irgendwann wird wieder alles auf sie einstürzen, so ist es immer. Die Dunkelheit ihres Selbstwertgefühls kommt immer zurück.
Doch jetzt, in diesem Moment, fühlt sie sich schön. In diesem Moment will sie sich nicht ändern, sie will nur genießen, lieben.
Samu hat es geschafft, ihre Dunkelheit zu vertreiben. Mit ganz einfachen Worten hat er sie vergessen lassen, was in ihrem Kopf lauert.
Sie muss sich nicht ändern, sie ist schön, genau so wie sie ist.
Daran wird er sie erinnern, wenn sie selbst es nicht kann.
Sie wird es weiter versuchen, weiter kämpfen, und es schaffen, denn in ihrem Herzen läuft die Melodie des Liedes, das sie immer wieder aufs Neue aus der Dunkelheit befreit.



* Beautiful – Acoustic Session, Sunrise Avenue
© JosiSunAve, 2020
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast