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The Walking Dead: Resurrection

von eiswolf23
GeschichteAbenteuer, Horror / P16 Slash
Rick Grimes
21.11.2020
21.11.2020
1
3.452
 
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Longinus




Er lebte. Das wusste er in dem Moment als er die Augen aufschloss und seine ganze Welt nur noch aus Schmerz bestand. Der Tod tat ganz bestimmt nicht so weh, nur das Leben wie sein Vater einst gesagt hatte. Wie Recht Trevor Grimes damit haben sollte verstand er als sich das erste Mal die Splitterfragmente einer Kugel durch sein Fleisch gruben und über den Knochen schabten. Er hatte in den Himmel geblickt, seinen besten Freund seit High School Tagen angesehen und versucht zu sprechen. Rick konnte es damals noch nicht wissen wie denn auch? Unmöglich sich vorzustellen dass die Welt die er dort, blutend auf diesem Feld abseits der Straße sah, bald nicht mehr existieren würde? Der dritte Mann. Der verfluchte dritte Mann! Diese Welt starb als Rick die Augen schloss und als er sie wieder öffnete erwachte er in einer neuen, schrecklichen, kranken Welt auf in der jeder um jeden Atemzug bis aufs Blut kämpfen musste. Er lernte was Schmerz ist als die Seuchenschutzbehörde brannte. Als Sophia verschwand. Als sein Sohn angeschossen wurde. Als er seinen besten Freund ein Messer ins Herz stieß. Als ihre eigenen Toten sie jagten wie die Tiere. Er lernte was Schmerz ist als seine Frau ihr Leben aushauchte um es ihrer gemeinsamen Tochter zu schenken. As seine Freunde wie die Fliegen staben und verspeist wurden von noch weit schlimmeren Monstern als den wandelnden Toten. Als sein Sohn für immer aufhörte zu atmen! Als dessen Mörder blutend vor ihm auf den Knien lag und er ihn verschonen musste um das Versprechen an Karl zu erfüllen. Diese Hilflosigkeit! Diese kalte Klaue die direkt in seine Brust zu greifen schien und ihm das Herz zerquetschte jedes verfluchte Mal! Er konnte nicht tot sein sonst würden ihn nicht all diese Erinnerungen plagen. Sonst würden nicht all diese Wunden an seinem Körper brennen. Er hustete Blut, Sabber verfing sich in seinem zotteligen Bart. Er versuchte den Kopf zu drehen um sich im Klaren über seine Situation zu werden. Instinktiv suchte er nach einer Waffe, etwas scharfen und schwerem mit dem er sich verteidigen konnte doch das unnatürlich grelle Licht blendete ihn. Machten ihn blind, raubten ihm die Orientierung und machten ihn wehrlos. Rick streckte die Hand aus doch eine Kette hielt ihn zurück. Er bewegte die linke doch auch hier stoppte seine Bewegung plötzlich. Er war gefesselt. Es stank nach Chlore und Arzneien. Er kannte diese kontrollierte, ruhige, klinische Atmosphäre, dieses rhythmische Fiepen und das leise Zischen riefen etwas in ihm wach so tief vergraben das Rick es fast vergessen hatte. Er war in einem Krankenhaus!

Er erwachte betäubt, am ganzen Leib mit Bandagen umwickelt, Schläuche und Nadeln die aus seinem Fleisch herausragten und zu irgendwelchen Maschinen führten welche seine Werte stabilisierten und ihm am Leben hielten. Er war am Leben aber wieso? Was war mit ihm geschehen? Rick schloss die Augen wieder, versuchte den Schmerz auszublenden um seine Gedanken zu ordnen doch die Erinnerungen und Bilder überschlugen sich wie im Wirbel sodass er verkrampfte und schrie. Vor Schmerz, vor Leid vor Frustration und vor Hilflosigkeit. Er zerrte an seinen Fesseln und wollte sie brechen aber davon begannen nur seine wohl frischen Nähte aufzureißen. Seine Bettlaken sogen sich mit Blut und Eiter voll. Das Gerät rechts neben ihm fing an zu heulen und die Tür flog auf “Er kollabiert! Erhöht die Dosis und holt neues Verbandszeug!“ Ein Team von Pflegern und Ärzten eilte herbei, sie spritzten etwas in den Infusionsbeutel an dem er hing. Wachen punktierten seine Arme und Beine damit er still hielt. Als Rick versuchte einen von ihnen zu beißen klemmten sie eine Lederfessel zwischen die Kiefer. Das Narkotikum zeigte schnell Wirkung. Als er erneut zum zweiten Mal zu sich kam war es dunkler in dem Raum. Sein Puls war wieder normal und jemand hatte die Laken gewechselt ebenso wie seinen Verband an der Seite dort wo eine Stahlstrebe ihn durchbohrt hatte. Das Betäubungsmittel half etwas, Rick ordnete seine Gedanken. Jetzt fiel es ihm wieder ein, die Brücke die die Gemeinschaften aus Hilltop, Alexandria, Oceanside, dem Königreich und dem Sancturary zusammen gebaut hatten um die Kolonien enger miteinander zu verbinden. Er hatte sie noch vor der Vollendung zerstört um die größte Herde die er je gesehen hatte von seiner Familie wegzulocken. Ich hab sie gefunden. Dann war Feuer über ihn hereingebrochen. Die Flammen rissen die Brücke in Fetzen und stürzten Rick zusammen mit den Beißern in die kalten, rauschenden Fluten, er konnte sich aber nicht erinnern an Land geschwommen zu sein dafür war er viel zu schwer verwundet gewesen. Er war nicht aus eigener Kraft am Leben, jemand hatte Gnade mit ihm gezeigt und große Mühen auf sich genommen ihn zu retten was hieß das sein Leben jetzt diesem Einen gehörte “Scheiße.“

Er tastete an sich herab so weit es ihm möglich war. Wie lange hatte er geschlafen? Eine Weile mit Sicherheit. Vor seinem geistigen Auge flackerten schemenhafte Bilder. Er war bewegt worden, sehr viel sogar immer hin und her. Er war weit weg von Zuhause glaubte er. Dieser wohltemperierte, saubere Raum voller medizinischem Equipment und reichlich pharmazeutischen Ressourcen, wenn es so etwas in der Nähe ihres Landes gab hätten sie es schon längst geplündert oder übernommen so wie die Außenposten der Saviors. Nein, dieser Ort hier musste außerhalb ihrer Reichweite sein, vielleicht war er von Spähern aufgegabelt worden, Kundschaftern die nach neuen Siedlungen zum Handeln und Kooperieren suchten so wie Jesus? Erhofften sie Informationen von ihm zu erhalten? Auskunft über die Schwachstellen Alexandrias um diese in die Knie zu zwingen? Sollte er eine Geisel sein? Aaron hatte ihm gezeigt wie gut man Fremde aushorchen und belauschen konnte, mit dem richtigen Equipment ohne das diese es überhaupt bemerkten. Er würde ihnen gewiss keinen leichten Kampf geben doch seine Möglichkeiten waren extrem begrenzt. Schlimmer noch als er vor Negan hatte knien müssen. Damals hatten ihm seine Freunde und Familie beigestanden, er war nicht so alleine gewesen, er wusste wo er war und auch wieso er dort war. Hier war er blind, taub und unfähig sich zu bewegen, fixiert wie ein tollwütiger Köter. Er biss die Zähne zusammen und schmeckte die gummiartige Beißschiene, sein Kopf steckte in einer Art Vogelkäfig fest, das Gerüst punktierte sein Gesicht und eine große Platzwunde an der Stirn. Ich komm hier wieder raus, dachte er. Ich komm wieder nach Hause. Doch zum kämpfen brauchte er Kraft, er benötigte noch eines an Zeit und Ruhe ehe Rick wieder bei voller Stärke war. Er beschloss also sich gezwungenermaßen zu entspannen, die Finger zu lockern und sich auszuruhen.

Es verging scheinbar ein weiterer ganzer Zyklus, das Licht ob nun unnatürlich oder nicht kehrte in den Raum zurück und auch neue Gesellschaft gesellte sich zu ihm. Es war eine Doktorandin mit schütterem flachsblonden Haar und roten Wangen die auf einem Stuhl neben seinem Bett saß und auf einem kleinen Notizblock mit einem Bleistift herumkratzte. Sie trug einen weißen Kittel mit drei Ringen auf dem Revers, rote High Heels und dunklen Lippenstift “Guten Morgen, wie geht es ihnen Rick?“ fragte sie ohne ihn die Beißklemme zu entfernen.

“Sie fragen sich bestimmt gerade wo sie sind? Was das alles hier soll? Woher Ich ihren Namen weiß? Ich will das sie sich entspannen, sie haben von uns keine Gewalt zu erwarten und ihre Familie auch nicht. Möchten sie etwas trinken? Frühstück? Die Eier heute sind frisch?“ Bot die Fremde ihm gutgelaunt an. Auf ihrem Namensschild lass er den Namen R. Mills, daneben prangerte sie diese seltsame Wappen das etwas in ihm wach rief. Eine Erinnerung tiefverborgen in seinem Unterbewusstsein “Sie können mich Ruby nennen. Ich leite meistens die Eröffnungsgespräche, wir reden ganz ungezwungen etwas miteinander, tauschen Meinungen aus und Empfindungen.“ Sagte sie leichthin und öffnete die Schiene wieder. Rick entspannte seine Kiefer und leckte sich den biederen Gummigeschmack von den Lippen.

“Wissen nach all diesen Jahren da erschließt sich mir ein klares Muster für Konversationen wie diese hier. Unsere Gäste sind feinsäuberlich ausgewählt aus einem klaren Spektrum an Menschen: Sie sind misstrauisch gegenüber Fremden, aus Erfahrung, verlassen sich auf ihren Instinkt und trauen nur dem was sie kennen. Sie starren mich während des Gespräches die ganze Zeit über grimmig an, sagen ein oder zwei kurze Sätze, natürlich nur das nötigste sehr darauf bedacht nichts über ihr Zuhause oder ihre Leute preiszugeben. Sie denken darüber nach zu fliehen? Wie viele Wachen wohl vor der Tür stehen? Wie viele Meter sind es bis zum Ausgang? Wie hoch die Mauern sind? Und wie viele es sind?“ Theorisierte Mills etwas vor sich her und kratzte dabei auf ihrem Block herum, notierte sich jedes Muskelzucken und das Anwinkeln der Augenbrauen in seinem Gesicht.

“Hier raus ohne unsere Erlaubnis oder gar unser Wissen kommen sie nie. Nach Hause finden ohne uns tun sie nie. Überleben werden sie ohne uns nie also am besten ist sie spielen erst einmal mit.“ Schlug Ruby vor.

“Wie sind die Regeln?“ Fragte Rick mit kratziger Stimme die so schwach war das er beinahe selbst erschrak zu welch kargem, abgemagerter Schatten seiner Selbst er doch geschrumpft war.

“Ziehen wir sie erst einmal an.“ Ruby rief Pfleger herein, Rick ließ sich wortlos von ihnen waschen und anziehen, er spielte kurz mit dem Gedanken nach einer der Waffen zu greifen welche die beiden an ihren Gürteln trugen doch er zweifelte ob er überhaupt noch die Kraft hatte eine geladene Waffe hoch genug anzuheben um jemanden in den Kopf zu schießen. Und selbst wenn Mills hatte natürlich vollkommen Recht, er war verloren ohne Hilfe und ihrer Gnade ausgeliefert, für den Moment. Er musste klug vorgehen mit Geschick und Verstand. Sie zogen ihn saubere Kleidung mit einer Nummer darauf an, es passte überraschend gut auch die Schuhe waren wie maßgeschneidert für ihn. Sie führten ihn einen hellerleuchteten Flur entlang, bogen dreimal links und viermal rechts ab ehe er den Überblick verlor. Mills führte ihn in einen Raum welcher von einer gepanzerten Glasscheibe in zwei geteilt war. In seiner Hälfte saßen drei andere Gestallten in ähnlicher Kluft in den Kabinen an der Glaswand und hockten über einer Partie Schach. Rick kannte diese Verhörräume in Gefängnissen noch sehr gut, fast schon hätte er gelacht sich jetzt auf der Seite des Abschaums hinter dem Glas wiederzufinden. Ein Massenmörder war er zweifellos also vielleicht verdiente er es hier zu sein. Seine Zellengenossen waren zwei Männer und eine Frau die scheinbar mit sich selbst spielten. Nur an dem Platz ganz hinten wo Mills ihn hinführte saß auf der anderen Seite eine junge Frau die noch nicht ihren zwanzigsten Geburtstag erlebt hatte “Mit den anderen dürfen sie nicht sprechen. Nur mit ihr. Einmal täglich. Es sei den Mrs. Vega sieht eine zweite tägliche Sitzung als nötig.“ Erklärte ihr Mills klar und wies ihn an Platz zu nehmen.

“Verstanden.“ Gab er kampfesmüde zurück. Als geprügelter Hund konnte er überleben bis er einen Plan hatte wie genau es weiterging. Er setzte sich vor Schmerz seufzend auf den Stuhl, hielt sich die Seite und starrte auf die uneröffnete Partie vor sich zwischen ihnen beiden auf seiner Seite herab. Er analysierte diesen länglichen Raum mit kalkweißen Wänden und Kameras in jeder Ecke. Seine drei Sitznachbarn saßen reglos wie Ölgötzen auf ihren Sitzen und starrten wortlos in die Leere, grübelten über ihren nächsten Zug gegen ihre unsichtbaren Gegner. Er versuchte das junge Mädchen vor sich einzuordnen, sie hatte hübsche Züge und strähniges braunblondes Haar, volle Lippen und geisterhaft leere Augen. Sie war blind und klammerte sich mit beiden Händen an ihren Stab. Sie trug eine Uniform mit demselben Wappen darauf “Mein Name ist Scarlett, Ich würde mich freuen wenn wir uns beim Vornamen anreden. Höflichkeit und Anstand sind zwar die Grundpfeiler der Zivilisation hat meine Tante immer gesagt aber dennoch…es ist doch auch ein wenig kalt und distanziert.“ Sagte sie leise kichernd. Sie hatte den Kopf zur Seite gedreht und mahlte sich ein Bild von ihm mit ihren Ohren.    

“Spielen sie?“ Fragte das blinde Mädchen, sie drehte ihm die rechte Gesichtshälfte zu und deutete auf das bereitgestellte Spielbrett auf seiner Seite der Glasscheibe genau wie bei den anderen.

“Mein Vater hat es mir als Kind beigebracht, doch Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern wann Ich zuletzt gespielt habe.“ Sagte Rick.

“Manches verlernt man nie beginnen sie und sagen sie mir den Zug.“ Sagte das Mädchen.

“Bauer auf D4.“ Begann Rick die Partie. Sie überließ ihm Weiß.

“Bauer auf D5.“ Erwiderte sie.

“Springer auf F3.“ Sagte Rick.

“Springer auf F6.“ Sagte das Mädchen.

“Was ist das hier? Worauf warten die alle?“ Fragte Rick nach einiger Zeit als er bemerkte dass die anderen gar nicht spielten sondern nur die unfertigen Partien anstarrten.

“Sie spielen auch gegen mich, aber denken noch nach.“ Sagte das Mädchen.

“Alle drei?“ Fragte er zweifelnd.“

“Ich kann nicht erkennen was direkt vor meiner Nase ist aber ansonsten sehe Ich einfach alles.“ Sagte sie gelassen.

“Verstehe.“ Sagte Rick.

“Ich erstelle Profile von unseren Gästen, ihre psychischen Einstellungen, ihre Kooperationsbereitschaft, ihre Neigung zu unvorhergesehenen Handeln, ihre Gewaltbereitschaft…“

“Ohne sie zu befragen?“ Meinte Rick.

“Wir spielen Schach. Ihre Taktik verrät mir alles was Ich wissen muss, niemand kann lügen es um Schach geht, früher oder später verrät jeder Zug sein wahres Wesen. Zu Anfang sind sie alle gesprächig, wir reden während des Spieles, trinken, entspannen, lernen uns besser kennen.“ Sagte die Blinde.

“Die Wahrheit könnte vielleicht dabei helfen die Konversation voranzutreiben.“ Schlug Rick vor und nahm ihr einen Bauern.

“Wir sind hier im CRM.  Civic Republic Military, einem Dreierbund von Staaten und Militärkonzernen, das was von der Regierung übrig geblieben ist. Wir befinden uns im Herzen des Landes, irgendwo zwischen Colorado und Wyoming.“ Sagte die Fremde und strich seinen Läufer ein.

“Sind sie Verbündete des Commonwealths?“ Fragte Rick und dachte mit einem Mal an Maggie.

“Nein, ganz im Gegenteil. Das Commonwealth hat seinen Sitz bei den Großen Seen in der Nähe der Wasserfälle. Diese beiden Machtblöcke sind wie Babylon und Theben. Rom und Karthago. Paris und Berlin. Washington und Moskau. Zwei Städte die um die Vorherrschaft streiten und dabei alles und jeden der ihnen im Weg steht zermalmen.“ Sagte sie kurzum und stützte das Kinn auf dem Griff ihres Gehstocks ab.

“Und was tun wir hier?“ Fragte Rick zunehmend gereizter.

“Ihr seid alles Anführer! CRM und Commonwealth stützen ihre Macht und ihr Überleben auf Vasallen und Untertänige Staaten. Ihr sollt eure Völker zur Unterwerfung bewegen damit sie das Zentrum mit allem versorgen was sie brauchen, um Soldaten für ihre Armee zu stellen für den Krieg der bald kommt.“ Erklärte ihm Scarlett geduldig.

“Krieg um was?“ Fragte Rick.

“Um einfach alles.“ Sagte sie wie einfach selbstverständlich.

“Ich mache da nicht mit.“ Sagte er sofort ohne zu zögern. Und Scarlett lachte belustigt.

“Gleich links sitzt Sargent Chester Hicks neben ihnen. Er war Captain der Militärbasis Mt. Weather in Virginia einem Bunker mit Atomsprengköpfen darin. Als alles zusammenbrach und sich das Militär tiefer ins Landesinnere zurückzog da die dicht besiedelten Küsten einfach überrannt wurden kamen Flüchtlinge die sich an die Basis erinnerten und klopften an das Tor. Er bekam Befehle die Türen weiter verschlossen zu halten als sich denn eine Herde dem Berg näherte und auszuharren. Die Menschen einfach so sterben zu lassen aber er und seine Mannschaft desertierte, sie öffneten die Tore und ließen Leute herein. Ihn erwischten sie bei einer Jagd weiter im Westen.“ Sagte Scarlett und deutete auf den einäugigen Mann gleich neben ihm mit starrer Miene und kahlem Schädel. Er nickte ihm wortlos zu.

“Das dahinter ist Wanda Scott, eine Artistin aus einem Wanderzirkus. Ihre Menagerie war auf offener Straße gestrandet als es passierte und verbrachten die letzten sieben Jahre lang ein abgeschiedenes Dasein in einem unzugänglichen Tal in den Rockys an den Pässen zur Westküste nach Kalifornien. Sie war auf der Suche nach neuen Leuten für ihre Kolonie als Späher der CRM sie in die Zange nahmen. Sie ist schon am längsten hier fast drei Jahre.“ Milly erwiderte auch den Gruß an ihn.

“Das da hinter ist Jake Woods, Mitglied der Siksika von den Blackfoot Indianer in Alberta an der Grenze zu den Staaten. Sein Volk hat schon drei große Epidemien mit knapper Not überlebt, dieses mal waren sie clever, verschanzten sich in ihren Reservaten von der Außenwelt und saßen den Sturm aus. Ein Revier überlebte und konnte sogar wieder an Boden gewinnen, acht neue Stationen konnten zurückerobert werden. Jake wurde gefangen genommen als er gerade das neunte ausspähen wollte.“ Erklärte ihm Scarlett leichthin und neigte den Kopf leicht zur Seite und zwinkerte ihm zu. Jake nickte ihm angesprochen zu.  

“Dame auf F3. Springer auf G6. Turm auf B2.“ Sagte sie zu den anderen drei Spielern. Mit einem Schlag setzte sie alle drei Schach Matt sodass sie aufstanden und sie beide wieder alleine ließen “Sie werden immer besser.“ Lobte Scarlett ihr Können.

“Was soll dieser Unsinn! Ich hab keine Zeit für Spiele, Ich muss…“

“Zu deiner Familie zurück Ich weiß. Ich hab Geschichten über dich gehört Rick Grimes. Du bist anders, du bist stärker. Darum bist du auch hier.“ Meinte Scarlett schulterzuckend.

“Um was zu tun?“ Fragte Rick ahnungslos.

“Wie schon gesagt, ein Krieg naht, und das CRM wird gewinnen. Diese Stadt hat über zweihundert Meter hohe Mauern und über eine Viertel Millionen Einwohner, seine Legionen und Hubschrauberflotten kontrollieren riesige Territorien. Das Commonwealth besitzt nur ein Fünftel dieser Größe dafür aber mehr Panzer und schweres Kriegsgerät für den Kampf zu Boden.“ Sagte sie streng.

“Und was können wir dagegen tun?“ Fragte Rick. Seine Gruppe war stark und erfahren aber nicht mit diesen Maßstäben zu vergleichen.

“Hab Ich doch gesagt. Wenn Rom und Karthago streiten trommeln wir die Teutonen zusammen und die Cherusker und die Gallier und die Goten und die Pikten. Wir versammeln alle Stämme, alle Barbaren die es da draußen gibt und brennen einfach beide Städte nieder.“ Erklärte ihm Scarlett belustigt.

“Ich hab weder die Geduld noch die Zeit an ihrem Psychospielen. Wenn sie so eine Verschwörung gegen ihre eigenen Leute planen sollten sie das Theater in einem Raum ohne Kameras abhalten.“ Schlug er Scarlett bissig vor.

“Die Kameras sind natürlich an aber die Männer hinter den Monitoren sind meine Freunde, sie löschen oder überarbeiten die Aufnahmen bei Zeit.“ Meinte Scarlett leichthin.

“Und natürlich glaube Ich ihnen das sofort.“ Meinte Rick sarkastisch.

“Trotz und schwarzer Humor, das spricht für einen Starken Geist, genauso wie ihr entschlossenes wenn auch unüberdachtes Vorgehen mit Springern und Läufern wobei sie die Türme übersehen und ihrer Dame zumeist zu viel auf einmal zumuten.“ Analysierte Scarlett Rick nun ihrerseits.

“Mag wohl sein, aber warum sollten sie ihre eigenen Leute verraten an Fremde die sie selbst als ´Barbaren´ bezeichnen?“ Hakte Rick weiter nach.

“Ich bin blind seit dem Ich geboren bin. Und Ich bin eine Fünf. Unser Gesellschaftssystem ist in dreizehn Stufen eingeteilt. Dreizehn ist das höchste unsere Kanzlerin ihre Räte und Militärführer. Eins sind Kanal- und Waldarbeiter. Meine Eltern waren Fabrikarbeiter im Stahlwerk und mein fünf Jahre älterer Bruder Kyle Soldat. Das ist der einzige Beruf den Mitglieder aller Kästen ausüben dürfen natürlich, Kyle war es der mir Schach beigebracht hat. Er war auf einer Mission als Ich noch ein Kind war, Ich erinnere mich an die dumpfen Schritte der Männer in Richtung unserer Haustür als sie dagegen klopften und meiner Mutter berichteten dass mein Bruder am Kopf getroffen worden war. Er hat noch gelebt, er war ansprechbar konnte noch lachen und manchmal sogar ein paar brüchige Sätze von sich geben aber unserem medizinischen Ausschuss hat das nicht gereicht. Er wurde eingeschläfert, so wie es mit allen behinderten, schwer kranken, Fragen stellenden oder ihren Zweck nicht erfüllenden Menschen gemacht wird. Ich bin nur hier weil der Sohn der Kanzlerin eine gute Schachlehrerin brauchte und Ich einen IQ von Hundertachtzig habe. Ich bin unersetzlich und kann daher nicht so ohne weiteres ersetzt werden.“ Erklärte ihm Scarlett mit völlig ruhiger und klarer Stimme ihre toten Augen waren weit aufgerissen und starr auf ihn gerichtet so als könne sie ihn sehen.

“Erinnerst du dich an deinen letzten Sonnenaufgang Rick?“ Die Frage kam so unerwartet wie ihr plötzlich viel unbeschwerterer Tonfall dass Rick zuerst mit einer Antwort haperte.

“Ja.“ Die Sonne war über den Dächern von Alexandria aufgegangen. Er weinte fast bei dem Gedanken daran nie dorthin zurückkehren zu können.

“Ich kann mir nur schwer vorstellen wie das ist, ein riesiger Gasball am Himmel der in hunderten Kilometern verbrennt und so das Leben auf unserem Planeten erst ermöglicht? Und das soll so viele Lieder und Gedichte inspiriert haben? Ich stelle mich jeden Morgen auf eines unserer höchsten Dächer und warte bis mir die warmen Sonnenstrahlen das Gesicht erwärmen.“ Sie schloss die Augen und lächelte schwach.

“Ich hasse diese elende Stadt. Ich kann es zwar nicht sehen aber Ich will das Feuer das es verschlingt auf meinem Gesicht spüren. Ich will ihre Schreie hören. Und das werde Ich auch.“ Sagte sie leichthin. Dann schlug sie Ricks König.
 
 
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