Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Darcy's Dämon

GeschichteThriller, Fantasy / P12
Engel & Dämonen Zauberer & Hexen
21.11.2020
24.11.2020
5
4.967
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
21.11.2020 1.216
 
Ich schaute auf. Zitternd erkannte ich, dass mein Schlag gegen die Wand Risse hinterlassen hatte. Ich hatte mich nur abstützen wollen, aber an der Stelle, an der meine Faust anlag, bröckelte der Gips ab. Ich atmete schwer. Als ich meine Hand herauszog, kratzte die Wand meine Hand blutig auf und Staub rieselte auf mich herab. Mit zusammengebissenen Zähnen musterte ich meine Hand und dann die Anderen, wie sie mich ehrfürchtig ansahen. Nur Sie musterte mich mit einer gehobenen Augenbraue. Sie kaute aufgeregt auf ihrer Lippe herum. Ein Lächeln umspielte ihr Gesicht. Wütend starrte ich die Menge an und fletschte meine Zähne. Ich warf mir mit einem Schwung die Tasche über die Schulter und stürmte aus dem Raum. Ich musste hier raus.

Ich öffnete meinen Spind so schnell ich konnte und zog meine Sachen heraus. Bis auf die Schulsachen räumte ich ihn komplett aus. Als ich die Tür zuschlug, blickte mir ihr  grinsendes Gesicht entgegen. Sie musterte mich abschätzend. Ich wollte gerade an ihr vorbei gehen, da hob sie ihren Kopf. „Du willst gehen? Schade.“ Ihre Stimme klang provozierend und als ich mich mit wütendem Blick zu ihr umdrehen wollte, war sie nicht mehr da. Verwirrt schüttelte ich den Kopf und drehte mich wieder um, da stand sie mir im Weg. Ich hielt den Atem an und sie sah mich immer noch höchst fasziniert an, dann kicherte sie. Ihr Blick wurde lieb. „Wo willst du hin, huh?“ Sie wirkte amüsiert.
„Geh mir aus dem Weg.“ knurrte ich sie an. Ich überragte sie, sie war nur ein kleines Mädchen. Im nächsten Moment durchfuhr mich ein Schmerz in der Magengrube. Hatte sie mich getreten? Ich taumelte zurück und plötzlich wurde mein Kopf irgendwie gegen  die Wand gedrückt. „Nur ein kleines Mädchen?“ fragte sie gereizt. Geschockt hielt ich die Luft an.
Plötzlich wurde ihr Gesicht ernst und mitfühlend sah sie mich an. „Wir müssen los.“

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wieso ich überhaupt mit ihr kam. Wir saßen uns in einem Zug gegenüber. Sie hatte nur ihren Rucksack dabei und sonst nichts. Sie musterte mich unaufhörlich, was mir ziemlich auf die Nerven ging. „Sag mal. Bist du fertig?“ fragte ich gereizt. Nachdenklich starrte sie auf ihre Beine. „Du bist einfach so mit mir mitgekommen… Ich dachte es wäre schwerer dich zu überzeugen.“ sagte sie und biss sich auf die Lippe. Sie scannte mich ab und sah mir so tief in die Augen, dass ich vermutete, dass sie in meine Seele starren wollte. Ich setzte ein ernstes Gesicht auf. „Wohin gehen wir?“ Plötzlich veränderte sich ihre Stimmung und sie wirkte wieder nur, wie ein süßes unschuldiges Mädchen.
„Naja.“ sagte sie zufrieden. „Das wirst du schon sehen.“
„Du bist echt stark.“ gab ich zu und schaute aus dem Fenster. Süß lächelte sie mich an.
„Mmh. Danke.“, sagte sie und kniff die Augen zusammen. Ich schaute in die Dunkelheit vor dem Fenster.
„Hey Cole.“ sagte das Mädchen. „Ich habe mich noch nicht bedankt wegen dem, was letzter Woche passiert ist.“
Dieses Mädchen verwirrte mich. Es war, als würde ihre Stimmung konstant wechseln.
„Nichts zu danken.“, sagte ich trocken. Plötzlich war ihr Gesicht wieder ernst und sie starrte aus dem Fenster. Ich bemerkte, dass sie zwischen ihren Fingern an ihrem Armband herumspielte.

Wir fuhren die ganze Nacht durch und erst am nächsten Morgen stiegen wir aus der Bahn direkt in den nächsten Bus. Wir redeten kaum. Es war, als rang dieses Mädchen mit sich. Manchmal sah sie wütend und ernst aus und manchmal verkrampft, nachdenklich und schüchtern.
Es war schon Mittags, als wir angekommen zu sein schienen. Ich fragte mich, wo wir mittlerweile waren, doch sie schien unser Ziel genau zu kennen.

Plötzlich blieb sie wie erstarrt stehen. Ihre Augen weiteten sich. Im nächsten Moment hatte sie mich in einen Spalt zwischen zwei Häusern gedrängt und hielt mir den Mund zu. Sie legte einen Finger auf ihre Lippen um mir zu symbolisieren, ich solle leise sein. Ich hielt die Luft an und sie tat es mir gleich. Ich horchte, konnte aber nichts hören. Ich sah, dass sich ihre Nackenhaare aufgestellt hatten und verstand gar nicht mehr, was los war. Ich fing an das hier zu hinterfragen. Wo führte sie mich hin? War sie vielleicht wahnsinnig? Das einzige, was ich wusste, war, dass sie Darcy hieß und auf meine Schule ging. Besser gesagt: Gegangen war. Was würden wir beide jetzt noch machen?
Ihr angespannter Körper entspannte sich und sackte in sich zusammen. Sie atmete erschöpft aus und wich meinem Blick aus, um aus der Gasse zu treten und sich wieder auf die Straße zu begeben. Ich folgte ihr schnell.
„Was sollte das gerade.“, fragte ich sie vorwurfsvoll.
„Klappe halten.“ sagte sie und horchte.
„Hey, was sollte das?“ fragte ich jetzt wütend und riss sie an ihrem Arm herum. Lust stand in ihrem Blick. Ihr Blick war begeistert auf meine Hand gerichtet, die ihren Arm gepackt hatte. „Du bist echt ungeduldig.“ sagte sie und ging einen Schritt rückwärts, bis ich ein Knacken vernahm. Wir beide hielten die Luft an. Sie hielt immer noch Blickkontakt mit mir, nahm aber ihre andere Hand und fing an an ihren Nägeln zu kauen. Das glaubte ich jedenfalls, bis sie ihren Daumen noch weiter zwischen ihre Lippen steckte und plötzlich ein Bluttropfen an ihrem Daumen herunterlief. Gebannt verfolgten wir beide, wie der Bluttropfen auf den Boden platschte. Man sah keinen Fleck auf dem Asphalt, stattdessen aber hörte es sich so an, als würde sich ein Zahnrad drehen und noch mehr und immer mehr dazu kommen. Das Geräusch kam aus keiner bestimmten Richtung, aber es dröhnte trotzdem in meinen Ohren.
„Jetzt auf keinen Fall die Luft anhalten.“, sagte sie mit zarter Stimme und ich tat wie geheißen. Plötzlich drehte sich alles um mich herum. Ihre Gesicht war das einzige, was ich, eingehüllt von kompletter Finsternis, noch sehen konnte. Und dann, als hätte jemand das Licht angeschaltet, ging ein Licht an. Es war, als wären wir herumgeschubst worden. Mir war schlecht und ich ließ sofort von ihr ab. Ich stütze mich an der nächsten Steinmauer ab und hustete mir die Seele aus dem Leib. „Alles gut bei dir?“ fragte sie besorgt, doch ich warf ihr nur einen feindseligen Blick zu, der sie zusammenzucken ließ.

Als ich mich erholt hatte, richtete ich mich taumelnd auf. Meine Augen wurden groß. Wir standen auf einer Straße vor einem großen altmodischen Gebäude. Es sah sehr protzig aus und Darcy strahlte mich an. „Was war das gerade?“ fragte ich bestürzt. „Hast du mir was gegeben?“ Ich taumelte zu ihr und rüttelte an ihren Schultern. Plötzlich wurde ihr Blick kalt und sie trat mit ungerührt gegen das Schienbein. Ich riss mich zusammen und sah sie wutentbrannt an. „Wo sind wir?“ verlangte ich zu wissen.
„Manieren hast du schon Mal keine.“ sagte sie und sah mich ungehalten an.
„Bullshit.“ sagte ich und drückte sie ruckartig gegen die Wand. Sie blieb ruhig und schaute nach unten. Ihre blonden Haare verdeckten ihr Gesicht. „Schau dich um.“, sagte sie angestrengt. Zögerlich drehte ich den Kopf. Die Straße war noch lang, doch die Häuserreihen drum herum endeten schon nach 50 Metern. Nicht weit entfernt türmten sich schon hohe Berge. Wir waren in einem Tal. Es war schon später Nachmittag und eine kühle Brise flog über uns hinweg.  
„Das hier ist Heaven.“, sagte sie und ich ließ sie los.
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast