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Hold on - I still need you

GeschichteDrama, Romance / P16 / Het
Elijah Mikaelson Niklaus "Klaus" Mikaelson OC (Own Character) Rebekah Mikaelson
21.11.2020
28.02.2021
12
19.387
5
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.12.2020 1.598
 
~ 2 Spurensuche~


Unruhig warf sie sich auf die linke Seite und zog ihre Bettdecke fester um sich. Seitdem sie sieben Jahre alt war, verfolgten sie Nacht für Nacht diese entsetzlichen Alpträume. Sie hatte versucht irgendwie damit klar zu kommen, was ihr einigermaßen gelungen war, bis zu dem Tag an dem ihr Bruder Noah ohne ein einziges Wort verschwand. Eigentlich war er nur ihr Halbbruder, sein Vater hatte ihre Mutter sitzen lassen, bis sie später Anas Dad kennenlernte und sie vier Jahre später auf die Welt kam. Es machte für Ana keinen Unterschied, sie liebte ihren Bruder, auch wenn er einer anderen Blutlinie entstammte. Er war der Einzige noch lebende Teil ihrer Familie und sie würde alles für ihn tun, alles für ihn geben, weswegen Ana sich auch geschworen hatte, niemals ihre Suche nach ihm zu beenden, solange sie nicht herausfand was passiert war. Sie kannte Noah nur zu gut, um zu wissen das er sie niemals freiwillig alleine zurückgelassen hätte…

Das vibrieren ihres Telefons auf dem Nachttisch ließ sie hochschrecken. Der Name Jared leuchtete auf ihrem Display auf. In den vergangen zwei Jahren waren beide zu engen Freunden geworden, die das gleiche Schicksal verband. Ana war damals Hinweisen hinterhergejagt, die sie in einen Grill nach Mystic Falls geführt hatten. Sie wollte sich dort umhören, doch wie so oft schien niemand etwas gesehen oder gehört zu haben, als sie an der Bar auf Jared traf, der denselben spärlichen Informationen gefolgt war, nur um die Frau zu finden die er liebte. Beide hatten erschreckend viele Parallelen festgestellt, doch Ana glaubte an einen Zufall, bis ein alter Stammgast bestätigt hatte, Noah und Jazmina zusammen gesehen zu haben. Seitdem verfolgten sie gemeinsam Spuren quer durch Louisiana, doch alle waren im Nichts verlaufen.
Neben den eingehenden Anruf von Jared, sah sie das sie mal wieder verschlafen hatte und viel zu spät dran war. Mit einer fließenden Bewegung sprang sie aus dem Bett, griff sich ihre Jeans und schlüpfte hinein, klemmte sich ihr Handy zwischen Schulter und Ohr. „Gut das du anrufst, ohne dich hätte ich verschlafen!“  hektisch griff sie sich ein Shirt während sie in das Bad eilte. „Manche Dinge ändern sich einfach nicht“ lachte Jared ins Telefon, bevor Ana fragte was los sei. „Ich habe da was gefunden, was dich wirklich sehr interessieren dürfte“ sie wurde hellhörig „Schick mir bitte alles per Mail- ich sehe es mir später an und melde mich dann“ Sie legte auf und hoffte das er diesmal wirklich etwas stichhaltiges gefunden hatte. Ana war kurz vor dem verzweifeln. Wie sollte man jemanden finden, der dies scheinbar gar nicht wollte? Sie war sich sicher, dass Menschen nicht einfach spurlos verschwinden konnten ohne, dass irgendwer was davon mitbekam.

Sie hatte sich sogar in Noahs Studiengang eingeschrieben, in der Hoffnung etwas von seinen Freunden zu erfahren, doch auch hier schien sich niemand an ihn erinnern zu können. Wenigstens war das Architekturstudium eine willkommene Ablenkung. Es war fast ein bisschen wie Urlaub, wenn sie sich mit den großartigen Bauwerken aus den vergangenen Jahrhunderten beschäftige. Sie genoss es sehr, die oft einsamen Gebäude zu besuchen. Hier fand sie immer neue Kraft um weiterhin durchzuhalten.
Viel zu spät und vollbepackt mit Ordnern lief sie den endlos langen Flur ihres Studentenwohnheims hinab, sich aller größte Mühe gebend, nichts von dem ganzen Chaos in ihren Armen fallen zu lassen. Ana schaute auf ihre Uhr, die ihr verriet, dass sie es ohnehin nicht mehr pünktlich zur Konsultation schaffen würde. Sie seufzte und machte sich auf den Weg zu dem Büro ihres Dozenten, sie sprintete die alten, knarrenden Holztreppen, des denkmalgeschützten Gebäudes herauf. Natürlich musste sie bei ihrem Glück, in den obersten Stock. Ihr Handy vibrierte in der Hosentasche, mühevoll zog sie es mit einer Hand heraus und sah die vielen Anhänge, die Jared ihr geschickt hatte und schob es wieder zurück. Auch wenn sie neugierig war, musste das jetzt erstmal warten.

Ana holte einmal tief Luft bevor sie an die Tür klopfte. Mit einem genervten Blick öffnete ihr die Sekretärin und verdrehte die Augen. Ja, sie hatte sich offenbar schon den Status *Unbeliebt* erarbeitet.  Die Dame setzte sie gleich an den dunkelbraunen Echtholzschreibtisch ihres Mentors, der mindestens doppelt so alte war wie er selbst. Sie wischte sich ihre Haare, gerade noch rechtzeitig bevor Blomens hereinkam, aus dem Gesicht und band sie zu einem unordentlichen Dutt, aus dem einige Strähnen wieder herausfielen.

„Ah, Mrs. Green … ich bin überrascht heute nur 20 Minuten zu spät“ mit einem gezwungenen Grinsen ließ sich der  Mann in seinen Stuhl fallen und öffnete den mittleren Knopf seines grauen Jacketts „Es tut mir leid aber…“ „Sparen Sie sich Ihre Ausreden…ich bin ja schon froh, dass sie nicht im Pyjama vor mir sitzen, zeigen Sie mir lieber Ihre Aufzeichnungen.“ „Ich bin leider noch nicht so weit gekommen aber…“  sie hielt ihm die spärlich vorbereiteten Ergebnisse hin und schlug die Seiten ihrer Ordner auf, die sie sich markiert hatte. Fest presste sie ihre Lippen aufeinander und sah ihn entschuldigend an. Er räusperte sich, überflog die zweieinhalb Seiten ihrer Ideen und die Bleistift-Notizen in ihren Unterlagen, bevor er es zur Seite legte und sich zurück in seinen Ledersessel lehnte, seine Brille von der Nase zog und sie ansah. „Ich weiß nicht ob Sie das lustig finden, oder es Ihnen gar Spaß macht, sinnlos meine Zeit zu vergeuden aber ich hoffe…“  er lehnte sich nun vor und stützte sich an seinen Schreibtisch ab „…dass Sie mir nach den Semesterferien bessere Ergebnisse liefern als das“ er reichte ihr das Papier und stand auf, bereit sein Büro zu verlassen „Ich betreue seit mehr als 30 Jahre Studenten, aber noch nie hat jemand es gewagt mir mit so einem unorganisierten Gekritzel zu kommen. Überlassen Sie *das* doch bitte den Kunststudenten und entwerfen Sie endlich etwas, was erkennen lässt, dass Sie nicht falsch in meiner Forschungsgruppe sind. Ich dachte sie wären gut, Mrs. Green, da habe ich mich anscheinend getäuscht. Im neuen Jahr erwarte ich von Ihnen einen einwandfreien, ausgearbeiteten Bericht inklusive der Bauzeichnung, ansonsten ziehe ich meine Konsequenzen.“  Er zupfte sich sein Jackett zurecht und schob sich seine Brille wieder auf die Nase. „Sie sind nicht unersetzbar… Ich hoffe ich habe mich klar ausgedrückt?“  Beschämt sah sie zu Boden und nickte -entgegen ihrer Natur ganz ohne Widerworte. Er hatte recht gehabt was hatte sie sich nur dabei gedacht ihm das zu präsentieren?  

Frustriert sammelte sie ihre Sachen von seinem Schreibtisch zusammen und ging wieder in Richtung ihres Zimmers, als ihr Handy erneut vibrierte. Unbekannter Anrufer. Seit Tagen bekam sie immer wieder anonyme Anrufe – und so wie immer drückte sie sie weg. Das letzte worauf sie jetzt noch Lust hatte, war mit irgendeiner komischen Hotline zu telefonieren und sich Abos aufquatschen zu lassen.
Sie erreichte ihr Zimmer, schmiss unachtsam ihre Sachen auf den Fußboden neben ihrem Bett und ließ sich in die weichen Kissen fallen. Daran denkend wie viel Arbeit auf sie wartete rieb sie sich die Schläfen. Wie um alles in der Welt sollte sie das schaffen? Kurz dachte sie an die etliche Nachtschichten und Wochenenden an ihrem Schreibtisch zwischen Computer und Bücher, bis ihr Handy sie wieder aus den Gedanken riss. Wer um Gottes Willen störte sie die ganze Zeit? Sie blockierte die Nummer und fragte sich warum sie das nicht schon viel früher getan hatte und öffnete dann Jareds Mail. In den Anhängen blätterte sie sich durch unzählige Seiten uralter Manuskripte und Abbildungen die sie halbherzig überflog. Im Gegensatz zu Jared, glaubte Ana nicht an eine übernatürliche Ursache für das Verschwinden und bereute gegenüber ihrem Freund überhaupt jemals diesen Teil ihrer Vergangenheit erwähnt zu haben. Sie erinnerte sich noch wie heute an sein Gesicht, als sie ihm sagte, dass sie aus einer Linie von Hexen und Vampirjägern entsprang und musste vor sich hin schmunzeln. Unzählige Male hatte er sie darauf hin gebeten für ihn zu zaubern, doch das konnte sie nicht. Denn die Natur hatte Ana, für den Selbstmord ihrer Eltern, bestraft. So hatte es zu mindestens ihres Grams erzählt, kurz bevor sie selbst gestorben war. Ana erinnerte sich nicht mehr an diese schlimmen Ereignisse, das Einzige was ihr geblieben war, waren die Träume.

Ihre Aufmerksamkeit lenkte sich nun auf Auszüge einer Landkarte mit roten Maskierungen und zeitlichen Angaben. Überall dort wo und wann Jareds Freundin ihr Handy genutzt hatte, waren darauf verzeichnet. Diese Markierungen häuften sich besonders in einer Stadt, nur wenige Stunden zuvor. Ihr Herz begann schneller zu schlagen und ihre Finger wählten seine Nummer, die sie mittlerweile auswendig kannte.

Aufgeregt ging sie in ihrem Zimmer auf und ab und wartete, dass er abhob. Es war typisch für ihn, immer wenn es wichtig war ging er nicht ran. Genervt strich sie sich durch ihre langen dunklen Haare, als sie seinen unvergleichlichen Klingelton hinter ihrer Tür hörte. Ungläubig öffnete sie und sah das er gerade im Begriff war anzuklopfen. Sein Mund verzog sich zu einem schiefen Grinsen „Ich hoffe du bist bereit!“ ohne darauf zu warten das Ana ihn hereinbat, betrat er ihr Zimmer und schmiss seine Jeansjacke aufs Bett. „Bereit wofür?“ sie verzog eine Braue und sah ihn an. Er war wohl der klischeehafteste Typ den sie kannte und ein wahrer Kindskopf. Doch irgendwie gefiel ihr das, schließlich hatte man mit ihm immer etwas zu lachen. „Naja passend zu dem Beginn der Semesterferien schlage ich vor, dass wir einen kleinen Ausflug machen“ An seinen Blick erkannte sie sofort was er meinte. Jenen Ort auf der Karte, an dem sich die ganzen Markierungen gehäuft hatten. Ana stemmte die Hände in die Hüften und nickte, ohne weiter überlegt zu haben. „Gut! Dann auf nach New Orleans! “
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