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"Niemand mag Klugscheißer!"

von Samaria
GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18
Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle OC (Own Character)
21.11.2020
29.11.2020
12
27.577
5
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17 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
21.11.2020 1.256
 
Niemand mag Klugscheißer. Das wusste Lilith, als sie in den Hogwartsexpress einstieg. Und deswegen würde sie auch in ihrem letzten Schuljahr, das am 1. September begann, alleine in einem Abteil sitzen.
Nicht, dass es ihr etwas ausmachen würde. Sie war gerne für sich. Bücher sind meist doch die bessere Gesellschaft, dachte sie im Stillen. Außerdem war es schon immer so gewesen.

Lilith war 17, klein und hatte dunkelrotes Haar und große haselnussbraune Augen. Ihre Mutter war eine Hexe und ihr Vater ein Muggel. Es hatte ihn ganz schön umgehauen, als er davon erfuhr, dass seine Frau und auch seine Tochter Hexen waren bzw. dass es eine magische Welt gab. Das war vor 6 Jahren, als Lilith ihren Hogwartsbrief in Händen hielt, der ihr von einer Eule gebracht worden war.

Sie kam dann nach Slytherin. In ihrem Haus fühlte sie sich wohl und obwohl sie eine Streberin (sie mochte das Wort nicht, der Fleiß darin wurde irgendwie abgewertet) und Einzelgängerin war, kam sie mit allen zurecht und auch mit ein paar Leuten aus den anderen Häusern verstand sie sich gut. Unbeliebt oder ein sogenanntes Mobbingopfer war sie also nicht, sie genoß es einfach, allein zu sein und in der Bibliothek in Ruhe ein gutes Buch zu  lesen. Gelegentliche Sticheleien, wenn sie eine Frage richtig beantwortete, kamen natürlich mal vor. Das war ihr aber egal.

Sie wusste, dass ihr Haus damals im Krieg gegen Lord Voldemort nicht besonders gut dagestanden hatte. Das war zwei Jahre vor ihrer Geburt, als der mächtigste schwarze Magier von Harry Potter und seinen Verbündeten besiegt worden war. Seitdem herrschte Frieden in der Zaubererwelt und es wurde rigoros gegen Diskriminierung von Muggeln und Muggelstämmigen vorgegangen. Das begrüßte Lilith, den ganzen Quatsch von wegen reines Blut usw. verabscheute sie sehr. Sie wusste, auf welcher Seite sie damals gestanden hätte. Ob Lord Voldemort tatsächlich vollständig besiegt war? Oder lauerte er oder sein Geist oder was auch immer von ihm übrig war noch da draußen?

Du hast zu viel Fantasie, Lilith. Und du fängst schon wieder an mit dir selbst zu sprechen. Bist du nicht schon seltsam genug?, schalt sie sich selbst. Sie schüttelte den Kopf über sich und suchte sich endlich ein freies Abteil, setzte sich hin und nahm ihr Lieblingsbuch heraus. Es war ein Buch aus der Muggelwelt: "Faust" von Goethe. Ja, sie las Muggelbücher. Sie liebte sie sogar und dazu hörte sie Musik aus ihren Kopfhörern. Die Muggel haben einiges zu bieten, was Literatur und Technik angeht. Außerdem war sie zur Hälfte immer noch muggelstämmig und da konnte man seine Interessen doch nicht einfach von heute auf morgen über Bord werfen, nur weil man nach Hogwarts kam.

Damit unterschied sie sich sehr von ihren Hausangehörigen. Es gab zwar keine offene Diskriminierung mehr von Muggeln, aber hinter vorgehaltener Hand wurden muggelstämmige Hogwartsschüler schon einmal als Schlammblüter beschimpft. Tja, Unkraut vergeht nicht. Dieser Wahn vom reinen Blut würde sich wahrscheinlich für immer halten. Daher gab es auch immer noch keine Muggelstämmigen in Slytherin. Lilith wies ihre Mitschüler dann regelmäßig zurecht, wenn sie Wind davon bekam. Ihr Engagement hatte ihr auch den Posten als Schulsprecherin dieses Jahr eingebracht.

Dieses Jahr...nachdenklich hob sie den Kopf und schaute aus dem Fenster. Wälder, Wiesen und Felder zogen vorbei. Dieses Jahr war ihr Abschlussjahr. Sie würde ihr Bestes für die UTZ-Prüfungen geben, damit sie sie nicht nur irgendwie, sondern bestmöglich bestand. Sie wollte nach der Schule ins Ministerium gehen und in der Abteilung für magische Strafverfolgung arbeiten. Bevor sie wusste, dass sie eine Hexe war, wollte sie unbedingt Richterin werden. Gerechtigkeit verwirklichen...wie pathetisch von dir, Lilith, sagte sie zu sich selbst. Aber es war offensichtlich etwas von ihrem Wunsch übrig geblieben, in der Juristerei tätig zu sein. Und für diesen Wunsch musste sie sich richtig ins Zeug legen, nahm sie sich vor. All das und die Pflichten als Schulsprecherin...das war sehr viel, aber sie würde das schon irgendwie schaffen.

Langsam wurde es draußen dunkel und Lilith zog sich ihre Schuluniform an. Sie hatte schon großen Hunger und freute sich auf das Festessen. Der Hogwartsexpress kam zum Stehen und die Schülerschar stieg aus. Lilith ging zu den Kutschen und ließ sich zum Schloss fahren. Wie sehr hatte sie es vermisst...natürlich, zuhause war es auch schön, aber das hier war ihre zweite Heimat.
In der Großen Halle angekommen, setzte sie sich zu ihren Hausgenossen und begrüßte alle freundlich.

"Hey Lilith, wie war dein Sommer?", fragte Aristea, ein blondes Mädchen in Liliths Jahrgang. "Ach, ganz schön, wir waren in Frankreich im Urlaub. Schnecken sind gar nicht so übel, muss ich sagen.", antwortete Lilith lächelnd. Aristea verzog eine Miene und lachte. "Glückwunsch übrigens, dass du Schulsprecherin geworden bist, das freut mich für dich!", sagte Antonin aus dem Jahrgang unter ihr. "Ich bin sicher, du machst unserem Haus alle Ehre." Lilith freute sich über das Kompliment. Sie mochte Antonin sehr. Er war zwar ein Jahr jünger als sie, aber er war sehr groß und hatte dunkles Haar und schöne blaue Augen. Er war allerdings bereits vergeben.
Also schlag ihn dir aus dem Kopf, Lilith! Und hör endlich mit den Selbstgesprächen auf!, dachte sie.

Die Zeremonie begann. Es stimmte also, der junge Albus Severus Potter kam dieses Jahr nach Hogwarts und sogar nach Slytherin, womit niemand rechnete. Der kleine Potter kam unsicher an ihren Tisch und setzte sich neben Lilith. Sie begrüßte ihn freundlich und hieß ihn in Slytherin willkommen, sie nahm ihre Pflichten als Schulsprecherin sehr ernst. "Wenn du Fragen hast, dann kannst du immer gerne zu mir kommen, okay?", bot sie ihm an. Er nickte. Er wirkte nicht sehr glücklich über seine Häuserwahl und schaute sehnsüchtig zum Gryffindortisch. "Glaub mir, Slytherin ist gar nicht so übel. Das siehst du dann noch.", zwinkerte Lilith ihm zu. "Ich bin übrigens Lilith." Sie gab ihm die Hand und er wirkte nun etwas lockerer und lächelte sogar. "Mein Name ist Albus. Alle nennen mich aber Al.", sagte er. "Ich weiß.", erneut zwinkerte sie. Lass das, Lilith. Du verunsicherst den Kleinen nur mit deinem Gezwinker, sagte sie sich.
Nachdem die Auswahlzeremonie beendet und die Teller geleert worden waren, ging Lilith noch zu den Vertrauensschülern, um sie einzuweisen. Nach der Besprechung begab sie sich auf den Weg in Richtung Gemeinschaftsraum. Sie freute sich auf ihr Himmelbett, darin konnte sie immer sehr gut schlafen. Und als Schulsprecherin hatte sie sogar einen eigenen Raum mit Bad nur für sich allein.

Plötzlich hatte Lilith das unbestimmte Gefühl beobachtet zu werden. Sie drehte sich um, doch da war niemand im Gang. Auch beim Essen hatte sie dieses Gefühl bereits gehabt, doch niemanden gesehen. Seltsam, dachte sie. Du bist bestimmt nur müde und brauchst Schlaf. Beim Umdrehen sah sie in den Augenwinkeln etwas helles, durchscheinendes. Sie ignorierte es allerdings. Das war bestimmt nur irgendein sich bewegendes Gemälde oder ein Geist. Davon gab es ja hier in Hogwarts genug, sagte sie zu sich selbst.
Sie ging weiter und kam im Schlafsaal an, machte sich bettfertig und legte sich hin. Es war überall ruhig, alle schliefen bestimmt schon. Morgen würde ein anstrengender Tag werden. Lilith freute sich auf den Unterricht und zog ihren Stundenplan hervor. Ziemlich voll, dachte sie. Sie hatte die Fächer in unterschiedlichen Farben markiert. Mit einem Textmarker, ganz schön oldschool und ohne Zauberstab.
Sie legte den Stundenplan auf das Nachtkästchen, löschte das Licht und schlief langsam ein.

Was Lilith allerdings nicht bemerkte, war, dass eine Gestalt im Schatten ihres Kleiderschranks stand und sie schon die ganze Zeit beobachtete.
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