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2020 11 20: Nichts ist offensichtlich [by ladyfangirl]

OneshotHumor, Krimi / P16 / Gen
Dr. John Watson Sherlock Holmes
20.11.2020
20.11.2020
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20.11.2020 1.886
 
Tag der Veröffentlichung: 20.11.2020
Zitat: "Das macht keinen Sinn." "Nicht alles ergibt Sinn. Nicht alles muss Sinn ergeben." aus dem Marvel´ Studios Film "Doctor Strange"
Autor: ladyfangirl
Titel der Geschichte: Nichts ist offensichtlich!
Hauptcharaktere: Sherlock Holmes; John Watson
Nebencharaktere: DI Gregory Lestrade; Philipp Anderson
Pairings:
Kommentar des Autors: aus irgendeinem Grund dachte ich da an die beiden Mitbewohner und grinse seitdem wie eine Bekloppte. Dass es dann auch noch aus meinem liebsten Marvel-Film ist, ist aber absoluter Zufall, hoffentlich ... liebe Sherlockianer, hasst mich nicht, okay? Ich gebe mir echt Mühe, die beiden Charas ordentlich zu treffen ^.-

*****
Nichts ist offensichtlich!

*****


"Die Frau wurde ziemlich offensichtlich erstochen, warum ist da noch meine Expertise von Nöten?" John schaut recht gelangweilt auf den Tatort und überlegt sich schon mal im Kopf, wie man daraus einen interessanten Fall für den Blog machen könnte. Er muss wieder ein bisschen mehr Zeit mit dem Schreiben verbringen, nicht, dass er da noch vollkommen einrostet. Wobei nur ein kleines bisschen Zeit für sich aber offenbar nicht in den Tagesplan seines Mitbewohners passt, der ihn ja schon wieder an einen Tatort zerren musste.
"Weil Sie auch schon gelernt haben sollten, dass es nicht immer das Offensichtliche ist." Gewissenhaft wie immer siezt ihn Sherlock am Tatort wieder, was Greg mit einem Grinsen in der Zimmerecke zur Kenntnis nimmt. Als würde die gesamte Dienststelle des New Scotland Yard nicht schon lange wissen, dass die Beiden weit aus mehr als Mitbewohner sind, auch wenn sie es immer recht vehement dementieren. "Wenn ich Sie also bitten dürfte. Dafür habe ich Sie ja schließlich mitgenommen. Graham, sorgen Sie dafür, dass man uns die nächsten zehn Minuten in Ruhe lässt. Und schicken Sie Anderson nach Hause, der Idiot ruiniert nur wieder die Beweise, wenn er hier rumtrampelt, als würde er allein die Lösung zum Mord kennen. Was er im Übrigen nicht tut." Greg macht sich schon keine Mühe mehr den falschen Namen zu korrigieren. Inzwischen denkt er ja schon, dass es Sherlock mit Absicht tut, aber solange er eben den Fall lösen kann, ist dem DI alles recht. Seit ihrer mehr oder weniger freiwilligen Zusammenarbeit ist die Aufklärungsrate seines Teams so gut, dass sein Vorgesetzter ihm freie Hand lässt, wo Sherlock am Tatort rumrennt und wo nicht. Also nickt er nur und verlässt den direkten Ort des Geschehens, um draußen seinen Leuten eine Pause aufzulegen.
Durch die Tür hört man noch, wie Anderson dagegen aufbegehrt und sicher nicht den Tatort verlassen wird, aber Lestrade duldet keinen Widerspruch und fegt seine Leute recht rabiat vor die Tür.

"Also gut, dann will ich mal sehen, ob es tatsächlich was anderes gibt." Mit einem resignierten Stöhnen geht John in die Knie und sieht Sherlock von unten herauf an. "Manchmal liegt das Offensichtlich doch nicht daneben, das weißt du doch, oder?" Er wendet sich der Toten zu und fast den ersten Eindruck zusammen. "Weiblich, zwischen 30 und 40 Jahre, kräftiger Körperbau und durchschnittliche Größe. Gepflegtes Äußeres, saubere Kleidung. Von der Position der Leiche her, würde ich davon ausgehen, dass sie so hingelegt wurde und der fehlenden Blutmenge am Boden nach ist es hier auch nicht der Tatort."
"Falsch."
"Dann müsste die Stichwunde aber postmortem zugefügt worden sein und da hätten sich aber keine großflächigen Hämatome gebildet. Die bilden sich nunmal nur, wenn der Blutkreislauf noch in Bewegung ist."
"Die Sache wird wärmer."
"Es gibt keine signifikanten Einstichstellen an den herkömmlichen Punktierungsstellen." John sieht sich die Handflächen und Unterarme der Toten an, kann aber wirklich nichts erkennen, was darauf deuten könnte, dass Nadeln in der Haut steckten. "Sie wurde also nach ihrem Tod nicht noch künstlich am Leben gehalten, um den Mord zu fingieren. Die Stichwunde als Todesursachen abzulehnen ist daher falsch. Nur eine Autopsie könnte andere Erkenntnisse zu Tage fördern, hier kann ich nichts anderes feststellen." Damit erhebt er sich wieder und sieht sich einem nachdenklich dreinblickenden Sherlock gegenüber.
"Und wenn die Einstichstellen nicht da sind, wo man sie medizinisch korrekt ansetzen würde?"
"Das macht keinen Sinn."
"Nicht alles ergibt Sinn. Nicht alles muss Sinn ergeben." Damit wendet sich Sherlock von der Leiche ab und betrachtet den Raum. Was John fast zur Weißglut treibt, da ihm mal wieder etwas verschwiegen wird, was offenbar nur der brillante Kopf eines Meisterdetektivs sieht.
"Dann kläre mich doch auf." Vergessen ist das höfliche Gehabe, schließlich sind keine Zeugen mehr hier. Angriffslustig verschränkt der Militärarzt die Arme vor der Brust und funkelt seinen Mitbewohner an.
"Es ist richtig, dass sie nicht hier umgebracht wurde. Die Stichwunde ist trotzdem postmortem zugefügt wurden, damit man den Yard auf die falsche Fährte locken kann. Du bist ja schließlich auch drauf reingefallen, und das, obwohl wir ja schon unzählige Fälle zusammen gemeistert haben, und du nun schon weißt, dass der erste Blick trügen kann. Anderson wäre es mit absoluter Sicherheit nicht aufgefallen und damit hätten wir da draußen einen Täter, dem man nie auf die Spur kommt."
"Fokus, Sherlock."
"Genau, das fehlt Anderson auch in erschreckend regelmäßigen Abständen. Nun zur Frau", Sherlock wendet sich wieder der Leiche zu und John stöhnt innerlich auf. Das bekannte Funkeln in seinen Augen ist wieder da, was bedeutet, dass es bis zur Fassung des Täters keinen Schlaf gibt, er besser seine Waffe immer mit sich führt, geladen, und dass es eine Menge Rumhetzerei durch die Stadt geben wird. Das Obdachlosennetzwerk wird sicher auch wieder eine Rolle dabei spielen, aber das ist Sherlocks Baustelle. In diesem Zustand ist sein Mitbewohner schlimmer als ein Bluthund und er wird erst wieder "normal", wenn der Fall gelöst ist, komme, was wolle. "Sie wurde tatsächlich nicht hier umgebracht, ihre Kleidung wäre sonst in einem anderen Zustand. So ist sie am Rücken verrutscht und sehr knittrig, was zum augenscheinlichen Äußeren nicht passt. Fakto wurde sie hier also nur abgelegt, ohne dass der Täter sich die Mühe gemacht hat, für etwas Ordnung zu sorgen. Das Messer in ihrer Brust wurde bewusst dort platziert, kurz bevor man sie hier ablegte. Eine gewisse Restmenge an Blut war noch in ihrem Kreislauf vorhanden, nur trat es mit der Einstichstelle nicht aus, weil es keinen Puls mehr gab, der es hätte raustreiben können. Selbst für eine Leiche hat sie eine unnatürliche Blässe, was daran liegen könnte, dass die inzwischen geronnene Menge Blut tatsächlich nur noch ein Teil dessen ist, was normalerweise zu Lebzeiten durch ihr Kreislauf wandern würde. Versteckt unter einem Teil ihres Haupthaares findet man an der linken Seite ihres Halses eine kleine Punktierung, was damit zeigt, dass sie doch mit mindestens einer Nadel versehen wurde. An ihrem Mundwinkel befindet sich der eingetrocknete Rest einer weißen Substanz, was man im Labor analysieren müsste. Aber es wird zweifelsfrei für ihre Lähmung gesorgt und sie damit in einem willenlosen Zustand gehalten haben, damit man mit möglichst wenig Widerstand ihr Blut entfernen konnte." Das alles feuert Sherlock in einer Geschwindigkeit ab, dass John den Anfang der Ausführung schon wieder vergessen hat. Vollkommen fassungslos schaut er den Consulting Detective mit offenem Mund an, was Sherlock aber nicht in seinen Ausführungen unterbricht. "Mir erklärt sich nur noch nicht, warum sie nur ihr Blut wollten. Da sie sich da so viel Mühe gegeben haben, wird die Frau eine seltenen Blutgruppe gehabt haben, was auf dem Schwarzmarkt einiges Wert sein kann. Die Täter müssen gestört worden sein, oder haben bei ihr etwas festgestellt, was sie als potenzielle Organspenderin unbrauchbar machte." Sherlock geht wieder neben der Leiche in die Knie und schaut sich die Frau noch einmal genauer an. "Wäre es eine Krankheit, hätten sie das Blut auch nicht verwenden können und hätten sich damit die Mühe nicht gemacht. Die Leiche wäre verschwunden, in der Themse oder bei einer der unzähligen Baustellen im Beton versenkt, fertig. Warum liegt sie aber nun hier und wurde gefunden? Oder waren sie eben noch nicht fertig und wollten zurückkommen? Warum dann aber das Messer in der Brust?"
"Weil die Theorie mit der Blutentnahme Unsinn ist." John schwirrt der Kopf von all den Erkenntnissen und Theorien und den Fragen. Was den Blog-Eintrag aber sicher etwas spannender gestaltet, als er es zu Beginn der Untersuchung vermutete. "Vielleicht war es ja nur ein Mord im Affekt, unbeabsichtigt und nicht geplant. Und um nicht deswegen in das Gefängnis zu gehen, hat ihr Mörder sie hier hingelegt mit einem Messer in der Brust. Dann hat er ihre Tasche mitgenommen oder verschwinden lassen, damit es wie ein Raub aussieht und fertig ist es."
"Das wäre zu einfach und wäre maximal nur eine 3, dafür würde ich noch nicht mal den Mantel anziehen."
"Hatten wir es nicht eben schon? Manchmal ist es eben nicht so tiefgründig, sondern einfach und dementsprechend, was man auf dem ersten Blick sieht." John wendet sich der Tür zu und will den vermeintlichen Tatort verlassen. Doch Sherlock folgt ihm nicht, weswegen er sich irritiert umdreht.
"Du musst deinen Horizont erweitern, John. Unsere Fälle waren bisher nie die Aneinanderreihung von offensichtlichen Tatsachen. Ich lag so gut wie nie falsch, warum sollte es dieses Mal eine Sackgasse sein? Die Probe aus ihrem Mundwinkel muss ins Labor, ich bin sicher, dass es eine bewusstseinsbeeinträchtigende Substanz ist und die Autopsie wird zeigen, dass ich mit der Blutmenge in ihrem Körper nicht daneben liege."
"Wow, langsam, Sherlock." John hebt die Hände und ist überrascht. "Zweifelst du etwa an deinen Deduktionen? Nur weil ich mal nicht sofort zustimme?"
"Ich habe eben gelernt zuzuhören und berechtigte Zweifel gehören da dann dazu. Immerhin siehst du es ja anders und dem müssen wir genauso nachgehen wie meinen Schlussfolgerungen. Dennoch halte ich an meinen Erkenntnissen erstmal fest bis das Gegenteil bewiesen wurde."
"Gut, das klingt dann schon eher nach dir", mit einem erleichterten Stöhnen nimmt John die Hände wieder runter. "Ich werde dem Yard gegenüber aber sicher nicht so auftreten, als stimme ich dir in allen Sachen zu, nur damit du Bescheid weißt."
"Nichts anderes erwarte ich von Ihnen, Doctor." Genau in diesem Moment geht die Tür zum Tatort wieder auf und Greg schaut rein.
"Und, was könnt ihr mir sagen? Die zehn Minuten sind um, Anderson will den Tatort sichern."
"Wann schmeißen Sie den Idioten endlich raus und holen sich fähigeres Personal, George? Anderson würde den Täter nicht mal finden, wenn der winkend vor ihm steht und gesteht."
"Na hören Sie mal!", mit dem perfekten Timing platzt auch der Forensiker in den Raum rein und John lacht leise auf. Allein für das Gekabbel wird Greg seinen Kollegen nicht vor die Tür setzen, dazu ist es viel zu unterhaltsam. Und der verbale Schlagabtausch nimmt schnell große Fahrt auf. John kennt es aber schon zur Genüge, weswegen er den Raum verlässt und in seinen Gedanken den Tatsachen zur Leiche nochmal Revue passieren lässt. Es wird ja doch noch interessanter als angenommen ...

*****





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Eine echt tolle Geschichte. Das Zitat passt hier wirklich gut. Einfach perfekt für Sherlock.

Eure lula-chan
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