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Normalität mal anders

von Motoshai
GedichtAllgemein / P12 / Gen
20.11.2020
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Was einmal selbstverständlich war,
ist heute überhaupt nicht klar:
Darf ich hier wohl auf Zutritt hoffen?
Ist denn der ganze Markt auch offen?
Selbst dann werd’ ich sofort belehrt:
Der Zutritt zum Café verwehrt!
Die Kundenzahl wird streng beschränkt,
indem man Menschenströme lenkt.
Man nötigt uns zum Körbchen-Tragen,
denn dadurch nur kann man auch sagen,
wie viele schon im Laden sind
an Mann und Frau und Quengelkind.

In Hausarzt seinem Praxis-Haus
geht’s vorne rein und hinten raus.
Man darf auch nur noch einzeln rein,
für Kranke ist das sicher fein,
mit Husten in der Kälte steh’n,
das finden die Bakterien schön.

Die Nachbarn mochten dereinst plaudern,
doch heute tun sie eher zaudern
und maulen mit dem Schmolle-Kinn,
steht jemand schon im Aufzug drin.
„Den Fahrstuhl, diesen so bequemen …
wir wollen mal den nächsten nehmen!“

Die WHO – ganz unverhohlen –
hat's allen Leuten längst empfohlen:
Zum Stop des bösen Virus’ Lauf
setzt euch ganz fix ’nen Maulkorb auf!
Papier für Masken, große Poren,
das Virus, es legt an die Ohren
und schlüpft gewitzt durchs Material,
ganz ohne Müh’ und ohne Qual.
Ja, medizinisch, hier im Fokus,
ist so ein Maulkorb Hokuspokus.
Die Hauptsach’ ist, das Volk pariert,
auch wenn’s den Sinn dran nicht kapiert.

Der Jahreswechsel, der wird trist,
wenn gar nichts mehr genehmigt ist:
Von Holland die Polit-Chaoten,
die haben’s Feuerwerk verboten.
Kein Licht, kein Knall zum neuen Jahr
(was früher selbstverständlich war),
und mit der heuchlerischen Häme
– für die ich mich von fern noch schäme –
vergleichen sie mit Pest und Räude
den Anlaß für die kleinste Freude.
Und hier in Deutschland, war ja klar,
stellt das sich als erstreblich dar.
Schon tönt der Führer denn auch hier:
„Dies Teufelszeug verbieten wir!

Verlogen sind sie und nicht ehrlich
und sehen Freuden als entbehrlich.
Ein Virologe (ein gescheiter)
erklärt, wir kommen deutlich weiter,
wenn unsre Abwehr kräftig steht –
und er erklärt auch, wie das geht:
So wichtig wie des Körpers Säfte
sind ebenso der Psyche Kräfte.
Viel besser als die Chemo-Sachen
ist für die Abwehr kräft’ges Lachen.
Das Glück und die Zufriedenheit,
die machen uns zum Kampf bereit
und lassen sie geschickt verlieren:
Bakterien und böse Viren.
Dann hör’ ich Angies Nervgebrabbel:
„’ne Freude ist inakzeptabel!“
Ein Wort, das ich sonst nie gehört,
mich jetzt in jeder Rede stört.
Inakzeptabel ist hier nur,
daß wieder einmal doch die Kur
viel Schlimmer als die Krankheit ist.
Ach, liebe Führer, welche List!
Ich frag’ mich: Wen wollt ihr regieren,
daß ihr jetzt wollt das Volk verlieren?

Das Ostern tot, der Sommer tot,
kein Klopapier, kein frisches Brot,
die Weihnacht tot, Silvester tot,
ein Jahr wie’n Eimer voller Kot!
 
 
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