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Leben mit Querdenker

von Demelza
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
19.11.2020
27.12.2021
14
9.804
47
Alle Kapitel
101 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
16.06.2021 1.130
 
Das Impf-Special


Kaum ein Wort wird in Bezug auf Corona seit einigen Monaten so oft erwähnt wie Impfungen. (Außer vielleicht der Inzidenzwert). Und wie ihr euch sicher schon denken könnte, haben die Querdenker auch dazu ihre Meinung. Ich kann schon mal verraten: Die Corona-Impfung ist für Querdenker Lord Voldemort; der Nachtönig; der Endboss. Über kein anderes Thema regt sich Frau Querdenkerin in Bezug auf Corona so auf wie über die Impfungen. Hier mal eine kleine Sammlung von Dingen, die Frau Querdenkerin in den letzten Monaten über die Impfung hat fallen lassen:

Die Impfungen seien überhaupt nicht erprobt. Wer sich impfen lässt, macht sich zum menschlichen Versuchskaninchen.  

Natürlich kam auch wieder die gute alte Geschichte mit dem Mikrochip auf.

Die Impfung soll auch unfruchtbar machen und das scheinbar mit Absicht, um die das Wachstum der Bevölkerung zu stoppen.

Die Impfung (oder zumindest eine davon) basiert auf einem anderen Prinzip als alle bisherigen Impfstoffe und soll das Erbgut der Zellen verändern. Dadurch soll die Impfung Krebs oder Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose auslösen. Ich habe auch mal die Variante gehört, dass das geplant ist, damit viele Geimpfte in ein paar Jahren oder Jahrzehnten sterben.

Dass man zuerst die Bewohner der Alten-und Pflegeheime geimpft hat, soll zu irgendeinem großen Plan passen, Leute loszuwerden, die dem Sozialsystem auf der Kasse liegen.  

Und da für die Impfung hauptsächlich mit den damit verbundenen Lockerungen der Regeln und Solidarität geworben wird, statt mit dem Schutz vor Corona, soll ein Zeichen dafür sein, dass die Impfung gar nicht wirkt.



Und jetzt sehen wir mal, welche Argumente davon man widerlegen kann:

Kann sein, dass die Impfungen nicht so lange getestet wurden, wie andere. Auf der anderen Seite haben weltweit mehrere Forscherteams gleichzeitig an einem Impfstoff gearbeitet und das mit einem sehr hohen Budget. Und auch wenn die Querdenker da anderer Meinung sind, wie wahrscheinlich ist es, dass man in Industriestaaten etwas auf die Bevölkerung loslässt, von dem man sich nicht zu neunzig Prozent über die Risiken und Nebenwirkungen bewusst ist.

Zur Mikrochip-Geschichte muss ich nichts mehr sagen, denke ich. Wenn es so eine Technologie schon gäbe, wäre man damit wohl an die Öffentlichkeit gegangen. So ein Mikrochip könnte zum Beispiel Krankheiten frühzeitig erkennen. Wäre also eigentlich eine gute Sache, wenn es ihn geben würde.

Die Impfung basiert zwar auf einem anderen Prinzip als herkömmliche Impfstoffe, aber laut dem was ich bisher von Experten gehört habe, handelt es sich dabei lediglich um die DNA des Virus, damit der Körper Antikörper dagegen entwickeln kann. Das Erbgut der Zellen wird nicht verändert. (Hoffentlich war das jetzt richtig. Ich habe nicht besonders viel Ahnung von Chemie, Mikrobiologie und Gentechnik. Jedenfalls wird die menschlich DNA mit der Impfung nicht verändert.)

Die Theorie, dass man die Bewohner der Alten-und Pflegeheime zuerst geimpft hat, um die Leute loszuwerden, die dem System auf der Kasse liegen, macht insofern keinen Sinn, dass man gleichzeitig auch mit den Pflegekräften angefangen hat, und die brauchen wir nun mal dringend.

Die Sache, das eher mit den Vorrechten geworben wird, die man mit der Impfung bekommt und mit Solidarität würde ich mir jetzt so erklären, dass das für große Teile der Bevölkerung einfach das stärkere Argument ist.  Die meisten jungen Menschen bis Menschen mittleren Alters haben für gewöhnlich einen recht milden Verlauf. Es ging ja von Anfang an darum, die Risikogruppen zu schützen. Und Maßnahmen wie Masken und Abstand fallen ja auch für Geimpfte nicht weg, sie sind also nicht ab sofort wieder dem vollen Risiko einer Ansteckung ausgesetzt. Im Gegenteil, sie haben ja noch einen zusätzlichen Schutz durch die Impfung. Und übrigens habe ich auch schon „Werbung“ für die Impfung gesehen, in der mit dem Schutz vor Corona geworben wurde.

Allgemein halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass ein Haufen Laien mit vielleicht ein oder zwei Ärzten, Chemikern oder Biologen in ihren Reihen mehr Ahnung von der Thematik haben als die führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet. Aber natürlich gibt es da auch wieder die Theorie, dass Regierungen und Wissenschaftler alle von der Pharmaindustrie gekauft sind.

Bei jedem neuen Todesfall nach der Impfung schreien die Querdenker natürlich wieder laut auf. Und jedes Mal, wenn es irgendwo Hirnblutung oder Thrombose heißt, lautet die erste Frage: War er/sie geimpft?  

Es ist schon fast ironisch, dass ein erhöhtes Thromboserisiko eine bekannte Nebenwirkung der Pille ist. Da schreit aber niemand man solle sie wieder abschaffen. Frau Querdenkerin hat selbst Jahrzehnte lang die Pille genommen.

Die bekannten und harmloseren Nebenwirkungen der Impfung, wie Schmerzen an der Einstichstelle, Schmerzen im Arm, allgemeine Grippesymptome  lassen die Querdenker natürlich auch hellhörig werden. Ich erinnere mach da daran, wie eine Mitschülerin in der Grundschule meinte, sie hätte nach einer Impfung brechen müssen. Und eine Freundin von mit ist nach einer Impfung noch in der Praxis umgekippt. Und das waren beides Male herkömmliche und erprobte Impfungen.  



Frau Querdenkerin reagiert auch immer entsetzt darauf, wenn ich ihr erzähle, dass sich eine Freundin aus der Schule hat impfen lassen oder dass sich einige andere Schüler schon auf die Wartelisten haben setzen lassen und sich schon auf die Impfung freuen.  

Und auch ihre eigene Verwandtschaft lässt sie hier im Stich. Ich bin da nicht die Einzige, die den Corona-Maßnahmen nicht so skeptisch gegenübersteht wie Frau Querdenkerin. Meine Oma ist seit ein paar Monaten durchgeimpft. Meine Tante und mein Onkel haben sie angemeldet. Ihr Grund sich zu impfen war übrigens, dass all ihre Nachbarn und Freunde auch schon geimpft sind. Gruppenzwang gibt’s auch unter Senioren. Und meine Cousine hat beim Treffen vor einigen Tagen erzählt, dass sie auch schon die erste Impfung hatte, da sie jetzt einen Nebenjob in einem Testzentrum hat. Frau Querdenkerin, die neben ihr saß, ist demonstrativ mit ihrem Stuhl gleich ein paar Zentimeter weggerückt.  



In den Reviews kam auch immer wieder die Frage auf, ob ich mich denn impfen lassen werde. Ich will hier ganz ehrlich sein: Vorerst habe ich es nicht vor. Ich gehöre nicht zur Risikogruppe und lebe auch mit niemandem aus der Risikogruppe zusammen. Mit den Einschränkungen komme ich auch ganz gut zurecht. Wenn ich mich auf die Warteliste setzen lassen würde, würde ich auch erst in ein paar Monaten oder gar Monaten dran kommen. Mein Hauptgrund wäre aber die Reaktion meiner Mutter darauf. Ich weiß nicht genau, wie sie darauf reagieren würde, aber da ich noch zuhause wohne und Augenblick auch nicht vorhabe in naher Zukunft auszuziehen will ich es lieber nicht herausfinden. Und auch wenn ich nicht stolz darauf bin, wenn man pausenlos mit Anti-Impf-Propaganda konfrontiert wird, färbt das irgendwann doch ein wenig ab. Ich würde mich jetzt nicht gegen eine Impfung wehren, unbedingt haben muss ich sie jetzt aber auch nicht haben. Nach der ganzen Anti-Impf-Propaganda habe ich doch ein wenig Angst vor möglichen Nebenwirkungen.
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