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Leben mit Querdenker

von Demelza
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
19.11.2020
05.05.2021
7
4.217
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Testen, Testen, Testen- Wer hat noch nicht, wer will noch mal?




In gewisser Weise hängt vom Testen jetzt ab, ob und welche Geschäfte öffnen dürfen, wie lange man nachts draußen sein darf und mit wie vielen Personen man sich treffen darf. Durch die Tests berechnet sich der Inzidenzwert und an den wiederum sind Lockerungen beziehungsweise Verschärfungen der Corona-Regelungen gekoppelt.

Tests nehmen in diesem Jahr einen viel größeren Stellenwert ein als letztes Jahr. Mit negativem Testergebnis kann man teilweise schon wieder im Einzelhandel shoppen gehen. Und es gibt nicht mehr nur den PCR-Test, um zu prüfen, ob sich jemand angesteckt hat. Jetzt gibt es auch Selbsttests und Schnelltests, mit denen man innerhalb von einer halben Stunde ein Ergebnis hat. In der Schule werden wir jetzt auch dreimal die Woche getestet.

Während so gut wie alle dazu aufrufen, sich auch freiwillig regelmäßig zu testen, um Infektionsketten zu durchbrechen, sehen die Querdenker die ganze Testerei ganz anders. Wenn es nach ihnen ginge, würden wir die Pandemie ganz alleine dadurch besiegen, dass wir niemanden mehr testen. Dann wäre der Inzidenzwert gleich null, ergo keine Corona-Maßnahmen mehr, ergo keine Pandemie mehr. Weil die PCR-Tests ja auch so eine hohe Fehlerquote haben. Dabei hieß es von Anfang an, dass einige die sich mit Corona angesteckt haben, nur leichte oder gar keine Symptome haben. Die können dann aber natürlich das Virus wieder weitergeben. Zum Beispiel an jemanden, bei dem die Krankheit dann mit voller Wucht ausbricht. Aber für die Querdenker ist jeder, der positiv getestet wurde, aber nicht krank wird, falsch getestet.  

Besonders in ihrer Anfangszeit in der Querdenkerszene, hat Frau Querdenkerin bei so gut wie jeder Meldung über die Zahlen der Neuinfektionen gebrüllt: „Die sind nicht infiziert, die sind nur positiv getestet.“

Dabei bedeutet mehr Tests ja gar nicht unbedingt, dass der Inzidenzwert steigt: Der Inzidenzwert berechnet sich aus den Neuinfektionen, nicht aus den Testungen.

Mittlerweile hatten zwei meiner Freundinnen Corona, mit positiven Tests und Symptomen. Und ohne diese Tests, wären sie vermutlich einfach weiter in die Schule gegangen und hätten den halben Jahrgang anstecken können.  

Natürlich kann auch der PCR-Test mal falsch sein, aber alles in allem ist er recht zuverlässig, im Gegensatz zu den Selbsttests.  

Die Querdenker bemängeln auch gerne, es sei einfach nur „affig“ oder sogar „grausam“, dass sich Schüler jetzt dreimal die Woche selbst testen müssen. Es ist vielleicht ein wenig unangenehm, sich mit dem Wattetupfer in der Nase herumzustochern, aber es gibt wirklich Schlimmeres. Nach einer Weile hat man den Dreh aber raus. Ich zum Beispiel muss nach dem Testen immer niesen, also lege ich mir schon mal ein Taschentuch griffbereit zu Recht.

Hier mal eine nicht ganz so kleine Anekdote über das Testen in der Schule:

Ich bin vermutlich die einzige in meinem Jahrgang, bei denen ein Elternteil bei den Querdenkern ist, und genau ich bin diejenige, bei der der Test immer positiv ist. Ich habe es tatsächlich fertiggebracht innerhalb von zwei Wochen zweimal mit positivem Selbsttest nach Hause geschickt zu werden. Der PCR-Test war zweimal negativ. Also bin ich im Laufe des Vormittags des nächsten Tages dann wieder in die Schule. Eine Klausur habe ich knapp verpasst, bei der anderen hatte ich Glück und konnte sie noch mitschreiben.  Mittlerweile bin ich in der Schule schon fast eine Berühmtheit. So gut wie jeder meiner Lehrer hat mich schon darauf angesprochen und bei der Schulleitung bin ich schon ein bekanntes Gesicht.  

Mittlerweile bekomme ich einen Test einer anderen Marke. Für alle anderen bringt der Lehrer die Tests mit in die Klasse und ich hole mir meinen vor der Schule ab.  

Mittlerweile habe ich mich vielleicht sogar schon doppelt so oft selbst getestet wie der Rest meines Jahrgangs. Um herauszufinden, warum der Test bei mir so oft positiv ist, habe ich schon mehrfach zwei Tests von verschiedenen Marken mit bekommen, die ich dann zuhause ausprobieren sollte. Dort waren sie dann aber beide negativ, auch der, der in Unterricht sonst immer positiv war. Mein Rekord liegt bei drei Tests an einem Tag. Am Tag nach diesem Testmarathon, ist dann meine Nase ein wenig gelaufen und ich habe mich ein klein bisschen krank gefühlt. Frau Querdenkerin meinte dazu im Ernst: Das könnte am Testen liegen.

Falls jemand von euch noch nicht beim PCR-Test war: Davor braucht man wirklich keine Angst zu haben. Der Rachenabstrich ist wirklich nicht schlimm. Ein bisschen unangenehm vielleicht, unter Umständen muss man ein wenig würgen, wenn die Zunge nach unten gedrückt wird, aber das ist auch nicht schlimmer als zum Beispiel beim Zahnarzt.
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