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Die drei ??? und das seltsame Detektivwochenende

GeschichteKrimi, Mystery / P12
Bob Andrews Justus Jonas Kommissar Reynolds OC (Own Character) Peter Shaw
19.11.2020
23.11.2020
12
18.411
4
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22.11.2020 2.031
 
Justus wartete. Und wartete.
Niemand erschien. Wurde die Bibliothek etwa gar nicht videoüberwacht?
Das war ganz und gar nicht gut, zumindestens für ihn.
Die Kälte kroch so langsam heftig aus dem Parkettboden. Noch dazu wurde er mehr als müde, inzwischen war es Nacht geworden.Wie sollte er jetzt weiter verfahren?
Entweder diesen Leuten war es völlig schnurzpiepe, wenn ohnmächtige Gäste ihren Weg pflasterten-oder es war ihnen egal, ob Justus den Geheimgang erkundet hatte oder nicht, weil sie ihn ohnehin ...
Justus stand auf.
Vielleicht waren alle seine Reaktionen im Voraus so geplant gewesen.
Damit er auf jeden Fall in den Geheimgang hineingehen musste.
Eventuell war es dort drin in irgendeiner Form gefährlich,und diese Typen scheuten die direkte Konfrontation mit ...was?
Gift? Fallen? Fallen, das wäre wahrscheinlich, auch wenn Peter mit Sicherheit ein uraltes Vorzeitmonster im Gang vermuten würde.
Justus ergriff heftige Sehnsucht nach seinen beiden Freunden.
Was für ein Wahnsinn, sich auf so einen Wochenendschwachsinn ohne Sinn und Verstand einzulassen.
Die Zentrale war nur ein Ding. Ein wichtiges Ding, ja...aber nicht sooo wichtig.
Er würde seine Detektivmentalität bezwingen und nicht in den Gang gehen.
Das passte mit Sicherheit nicht in ihren ausgetüftelten Plan.
Justus wurde immer wütender, während er darüber nachdachte, dass diese Veranstalter sie wie Kasperlepuppen tanzen liessen.
Er musste dringend ein paar Stunden die nicht vorhandene Matratze abhorchen.
Dafür war eine Türblockade nötig, um ihn rechtzeitig vor der möglichen Ankunft der Veranstalter in dieser Bücherei zu warnen.
Der erste Detektiv entschied sich für eine heftige Sachbeschädigung, nahm den Hammer von seiner Halskette und schlug ein Bücherregal von der Wand.
Die Bücher stapelte er zusammen mit dem umgekippten Regal direkt vor der Eingangstür.
Dabei bemühte er sich, keinen Blick auf die Titel zu werfen...aber den Büchern konnte selbst auf Stapeln am Boden vor der Tür mit Sicherheit weniger passieren als ihm selbst.
So stapelte er auch noch Bücher aus an der Wand belassenen Regalen auf.
Hebelte noch ein Regal aus und wollte es vor das nachtdunkle Fenster schieben, als er von draussen eine bleiche, unheimliche Gestalt ins Zimmer spähen sah.
Das war grotesk, aber äusserst effektvoll inszeniert, dachte Justus sauer, streckte der Gestalt die Zunge raus und schob das Regal vor das Fenster.
Hoffentlich wurde Peter nicht mit dieser Gestalt konfrontiert...
Das Licht erlosch abrupt.
Sicher, die Typen würden denken, dass er auf der Suche nach einer Lichtquelle in den Gang spazieren würde.
Falsch gedacht.
Justus suchte sich eine gemütliche Ecke, schob einen der Lesesessel hinein und schlummerte ein.
Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, als er von einer heftigen Niesattacke geweckt wurde.
Justus strahlte. Das war unverkennbar sein Stinkepief-Allergieniesen.
Bob musste in der Nähe sein.
Er stürzte zur Tür. "Bob?! Bob!"
"Justus!", klang es erleichtert auf der anderen Seite der Tür.
Doch war Bob alleine? Oder wurde er von den Kriminellen bedroht, damit Justus die Tür öffnete?
"Wir müssen hier raus!", sagte Justus eindringlich.
"Aber sowas von!", sagte Bob ziemlich weinerlich.
"Ich laufe seit Stunden hier herum, um nach Verdächtigen zu suchen! Ich finde keine. Und jetzt ist das Licht im ganzen Haus ausgefallen...ich finde nicht in mein Zimmer zurück..."
"Ich sollte hier einen Geheimgang entdecken,und ich vermute mal, dass darin gefährliche Fallen warten",
berichtete Justus schnell.
"Ich werde von einem Plopp verfolgt!", stotterte Bob.
"Ein was?", staunte Justus. "Ein...meinst du so ein Flapp-Monster wie in dem Videospiel damals?"
"Videospiel?!", jammerte Bob. "Nein. Ein Plopp. Überall, wo ich hingehe, sagt ein Gespenst "Plopp!"."
"Das ist doch Unfug!", musste Justus lachen.
"Und wenn es nur Plopp sagen kann, ist es erstens nicht besonders schlau, und zweitens wäre sein Betätigungsradius doch definitiv stark eingeschränkt. Lass es doch ploppen."
"Das sagst du so leicht! Es hat auch ganz grässlichen Mundgeruch. Drachenmundgeruch."
"Bob, das ist doch Unfug!", beruhigte ihn Justus und hörte im gleichen Moment ebenfalls das unheimliche "Plopp!".
"Es kommt näher...", hörte er Bob jammern. Und dann entsetzt die Luft einziehen.
Und dann erleichtert "Mr Porter!" sagen.
Justus atmete auf.
"Warum erschrecken Sie mich denn so?", fragte Bob etwas aufgebracht, aber noch mehr erleichtert.
"Ich rede nicht mit dir, ich rede mit der Wand!",  hörte Justus Mr Porter sagen.
"Ich wollte die Wand fragen, Plopp. Ob sie mir Erkenntnisse mitteilen kann, Plopp."
"Warum sagen Sie denn immer Plopp?", fragte Bob ängstlich.
"Wir dürfen doch nicht reden, Plopp."
"Er meint Bob!", musste Justus lachen. "Statt Bob sagt er Plopp, um nicht gegen Regeln zu verstossen, die ihn der Belohnung berauben könnten."
"Schnustus, habt ihr nun schon Ansätze?", fragte Porter die Wand.
"Diese ganze Veranstaltung ist Fake, damit ich in dieser Bibliothek einen Geheimgang finden und erkunden sollte", sagte Justus ruhig.
"Wie...Fake?! Wie meinst du das, Schnustus?"
"Es geht nicht um die Lösung eines Falles. Es ging von Anfang an darum, mich hierherzulocken."
"Oh, Mr Ego-Superstar!", sagte Porter ärgerlich, aber auch zögerlich.
"Natürlich, zig Leute werden hergelockt, nur um Schnustus Schnonas zur Erforschung eines Geheimganges zu bringen. Moment. Dann geh doch auch rein!"
"Der war gut", lachte Justus. "Versuchen Sie besser, diese Tür aufzustemmen, Mr Schnorrter.
Dann können sie den Geheimgang selbst durchsuchen, nach kostbaren Weinen, tonnenweise Edelsteinen, gefährlichen Kugel-und Stachelfallen..."
"Ich fühle mich dazu zu müde", stotterte Porter. "Wir arbeiten aber doch...nicht zusammen,nicht wahr...aber...
wenn ich euch ein paar Tips gebe und einer von euch die Belohnung kassiert..."
"Ich denke nicht, dass eine Belohnung in diesem Sinne ausgezahlt wird", sagte Justus sachlich.
"Mir fällt erst jetzt ein, dass auf dem Zettel "Gewinnen Sie zehntausend" stand."
"Ja,und?", fragte Porter begierig.
Schon die Erwähnung des Preisgeldes hatte ihn wieder munterer gestimmt.
"Zehntausend was? Eier? Lira? Kopfläuse?", fragte Justus matt.
Porter schien seinen Anmeldezettel aus der Tasche zu ziehen.
"Aber...das...stimmt. Da steht keine Währung hinter. Aber das... wozu dann diese ganze Wahnsinnsunternehmung?"
"Dieser Geheimgang...", meinte Justus wieder.
Dann griff er die von Porter in Aussicht gestellten Tips als Thema wieder auf.
"Sie hatten doch Hinweise erwähnt. Könnten Sie das näher ausführen?"
Porter räusperte sich.
"Sicher habt ihr euch schon bei der Anreise über diesen Mann mit der Porreejacke gewundert.
Ich meine, falls euch so etwas auffällt.
Denn euer Kollege zieht ja Vorhänge und sowas an, da ist euch das Gemüsejackett vielleicht entgangen..."
"Keinesfalls", sagte Bob matt.
"Das Porreejackett mieft wie irre."
"Ich habe eine heftige Allergie gegen Porreegeruch", erzählte Porter. "Ich bekomme starke Halsschmerzen davon, Schwindelanfälle..."
"Und?", staunte Justus.
"Nun...vielleicht...ist hier für jeden Teilnehmer ein Ärgernis dabei", warf Porter ein.
Bob schien heftig zu nicken.
"Mein Smartphone! Und dann der unhygienische Pinkelpott mitten im Raum..."
Justus prustete bei dieser rustikalen Bezeichnung los.
Doch der Anflug von Heiterkeit fand schon Sekunden später ein Ende, als ein lautstarker Kampf vor der Tür zu beginnen schien.
Justus nahm beklommen an, dass einer der Wachleute oder der Portier Bob und Mr Porter handfest überredeten,in ihre Zimmer zurückzukehren.
Bob schien schnell geflohen zu sein, denn die Hilferufe nach seinem Smartphone verklangen in der Ferne.
Mr Porter bot dem Kriminellen ein grosses Sortiment an wertvollsten Weinen und Kästen voller Gold und Silber an,sollte er ihn ad hoc aus dem Anwesen entlassen. Juwelen, Kronen, Geschmeide, oder sogar Rabattmarken.
Ein böses Knurren war die Antwort.
Dann entfernte sich Porters Anpreisung seiner Sonderangebote ebenfalls von der Tür.
Der Schurke schien keinerlei Interesse an zehn Packungen Hühneraugenpflaster zum Preis von zwanzig Packungen zu haben.
Justus nahm sich vor, später zu überprüfen, ob Porter mit Allie Jamison verwandt war.
Der Kriminelle trat jetzt mit Schwung gegen die Tür, wahrscheinlich, um Justus Angst zu machen.
Wenn er ihn schon nicht verbal bedrohen konnte...anscheinend kommunizierte er nur über Knurrlaute...
wollte er wohl seine körperliche Überlegenheit demonstrieren.
Dabei schaffte er es tatsächlich, mit dem Fuss durch die dicke Holztür zu treten.
Justus strahlte, wenn auch vorsichtig.
Der Kerl jammerte und zeterte. Sofort kam ein zweiter dazu, der andere Wachmann vermutlich.
Schimpfte ihn mit Knurrlauten aus. Und einigen gröbsten verbalen Beleidigungen.
Okay, immerhin schienen die Veranstalter keine Neandertaler engagiert zu haben, auch wenn sie so wirkten.
Sie waren der Sprache mächtig, wenn auch nur ansatzweise.
Und die Tür war kaputt.
Sie würden nicht stundenlang davor Wache stehen, bis ein weiterer Schlägertyp die Tür auswechseln konnte.
Und wenn doch, konnte Justus während des Türaustauschs einen Fluchtversuch wagen...
Aber zunächst musste er aus dem unmittelbaren Fokus des Wachmannes fliehen.
Sicher schmerzte dessen Fuss, und er wollte Justus dafür ungerechtfertigterweise ein paar Hiebe verpassen.
Justus war sich sicher, dass der Typ keine Order hatte, in Geheimgänge zu gehen.
Also holte er tief Luft und ging ein paar Schritte in den von ihm entdeckten geheimen Gang hinein.

Zwei Stockwerke höher war Peter in Panik verfallen.
Er hatte auf der Suche nach zu verhörenden Verdächtigen die Bekanntschaft einiger Leute gemacht, die er nie im Leben wiederzusehen wünschte.
Sie waren unfassbar freundlich gewesen. Schmierig freundlich.
Zu freundlich. Dem Anlass unangemessen freundlich.
Dadurch wirkten sie unheimlich gefährlich.
Noch dazu deckten sie so ziemlich jedes Klischee von Verdächtigen ab.
Die reiche Erbin. Die neidische Nicht- Erbin. Schlossherr mit Geliebter. Schlossherrin mit Liaison mit dem Arzt des Hauses.
Ein unheimlicher Butler, der mit Sicherheit der uneheliche Sohn von irgendeinem Grafen war...
ergänzt von einem Typen, der ein Buch über Gifte bei sich trug. Ein nervöses Hausmädchen.
Das waren der Zufälle zu viele, sogar für Peter, der nicht die Spur eines Interesses für Kriminalromane hegte.
Gruselromane waren sein Ding.
Mit der Aufklärung von Kriminalfällen hatte er schon in der Realität genug zu tun.
Bereitwillig hatten sie ihm Auskünfte erteilt über ihr Alibi...ihre Beziehungen untereinander...oder das, was sie davon laut äussern wollten und sollten...und dann sogar ihre Fingerabdrücke zur Verfügung gestellt.
Im Forensikseminar war Peter der Virtuose der Fingerabdrucktechnik.
Er war imstande,mit zahlreichen Pulvern wie Kakao, Kaffee oder sogar zerstossenen Haferflocken exakteste Fingerabdrücke zu nehmen.
Ja, während einer Forensikprüfung, als nun wirklich gar keine akzeptablen Substanzen mehr zur Verfügung gestanden hatten, war ihm sozusagen ein Jahrhundertcoup der Fingerabdruckabnahme mit Ohrenschmalz gelungen.
Die engagierten Leute sahen Peter etwas beunruhigt dabei zu, wie er die professionellsten Abdrücke auf Folie bannte.
So, als ob sie beunruhigt über die Möglichkeit waren, dass Peter eventuell von der Polizei sein konnte.
Das hob Peters Misstrauen ihnen gegenüber noch.
Schliesslich hatte der zweite Detektiv nochmals seine Notizen überprüft und war dann mehr als hastig in Richtung seines Zimmers verschwunden.
Er war müde. Und verängstigt. Und jetzt fiel auch noch das Licht aus.
Neben ihm schien ein verwirrter Geist ein Tennisspiel zu kommentieren, denn er sagte immer "Plopp".
Warum er dazu "Liter" sagte, wollte Peter gar nicht wissen.
Die Erscheinung sagte sogar "Liter Law".
Peter kam nicht durch seine Zimmertür, anscheinend hatten sich die Sicherheitsschlösser verhakt.
Jetzt hatte er genug für heute.
Er zerrte seine Halskette hervor, an der er ein Einbruchset mit einer gediegenen Anzahl von Dietrichen trug.
Wählte die nächstbeste Tür aus.
Stocherte im Schloss herum, trat dann die geöffnete Tür fast aus den Angeln und floh in das Zimmer neben dem seinen.
Die alte Dame mit dem Stockschirm sah ihn verwirrt an.
Und in diesem Zustand haute sie anscheinend immer auf Leute ein.
Peter jammerte. Die Frau musste Gewichtheberin gewesen sein.
"Ach du bist das!", sagte sie schliesslich erleichtert, gab ihm aber trotzdem noch zwei Hiebe aufs Hinterteil.
Der zweite Detektiv erkannte auch die anderen hundertjährigen Damen.
Bewaffnet mit Schirmen und abgebrochenen Stuhlbeinen.
Anscheinend hatten sie  Möbeln zerschlagen,um Waffen zu bauen!
Das hatte schon wieder irgendwie Stil.
"Aber Sie verstossen doch gegen die Kommunikationssperre", staunte Peter.
"Wir haben da einiges herausbekommen, Peter", sagte die Gewichtheberin und näherte sich ihm mit einem dicken Tischbein in der Hand.
Peter schluckte beklommen.
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