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Fantasy Girl

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / FemSlash
Alex Danvers Kara Danvers / Kara Zor-El Lena Luthor
18.11.2020
02.08.2021
4
14.844
9
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
18.11.2020 6.070
 
Hallo liebe Leser,

schön das ihr hier gelandet seid.
Diese Geschichte hat hauptsächlich den Fokus auf Kara und ihre Gefühle für Lena. In dieser Geschichte ist Lena nach dem Ende der dritten Staffel, als Reign besiegt war nach Metropolis gegangen.  Kara und Lena haben sich seit mehren Jahren nicht gesehen. Dafür ist Sam Arias in National City geblieben und ist jetzt mit Alex zusammen :-)
Kara hat den Ruf eines Playgirls, aber nicht negativ behaftet. Ihr Herz gehört Lena, für welche sie immer geschwärmt hat. Und als Lena ein Fest in National City besucht, setzt sie alles auf eine Karte.
Doch Lena hat ein Geheimnis..

So, jetzt wünsch ich euch viel Spaß beim Lesen.
Ich weiß noch nicht wie regelmäßige ich die Updates schaffe. Wie immer brauch ich den Druck, um schneller schreiben zu können. Und poste schon mal vorab:-))

Liebe Grüße
Slayerkaro



1. Das Widersehen


An manchen Tagen kommt Kara auf das Dach des L-Corp Gebäude zurück und blickt auf die Skyline von National City hinab. Sie setzt sich in der derselben nahezu kindlichen Position nieder, wie bei ihrem ersten Besuch so viel Jahre zuvor. Solche Tage wurden über die Jahre hinweg seltener, doch heute findet sie sich dort oben wieder. Ihre Beine baumeln über die Kante des majestätischen Baus, während sie die Dynamik der Stadt in sich auf nimmt. Sie atmetet tief durch und nimmt alles in sich auf. Betriebsame Menschen in Bürofenster, überfüllte Straßen, ruhige Parks und Reklametafeln.

Das L-Corp-Gebäude ist derzeit anlässlich seines 10-jährigen Jubiläums festlich dekoriert. Banner fallen über den Wolkenkratzer hinab und geben Auskunft über das Festprogramm. Die Festwoche begann mit der Eröffnung eines kleinen Rummelplatzes, der vor dem Eingang  aufgebaut wurde. Essensstände, Fahrgeschäfte für Kinder, eine Bühne und Bierbänke laden zum Verweilen ein. Vergnügte Menschen tummeln sich und der Wind trägt die Klänge der Band, welche dort unten spielt zu Kara empor.

Sie lauscht der Musik und ihre Beine wippen zum Takt des Songs, der ihr bekannt ist. Kara überlegt, aber sie kommt nicht auf den Namen des Liedes. Der Rhythmus ist gut und sie schlägt kleine Fäuste in die Luft und bewegt die Schultern im Takt.

Singen ist etwas, das Kara vertraut ist. Auf ihrem Heimatplaneten Krypton, wo sie ihre Kindheit verbracht hat, war Singen bei jungen Mädchen allgegenwärtig. Fröhliche Stimmen, begleiteten sie durch den Tag. Kara erinnert sich an prächtige Blumenwiesen, flatternde Kleider und schöne melodische Lieder, die sie gemeinsam gesungen haben. Es liegt ihr im Blut. Karaoke? Sie liebt es!

Tanzen? Damit hatte sie ihre Probleme. Ihren Körper einzusetzen, rhythmisch zu bewegen, davor hatte sie Respekt. Obwohl sie danach brannte sich dem Takt der Musik hinzugeben, gelang es ihr nicht. Kara war zu verlegen, sich vollständig hinzugeben. Ruby hat ihr das beigebracht. Ein Teenager war nötig, dass sie den perfekten Groove lernte und ihre Hüften schwingt. Nichts kann sie heute mehr zurückhalten, wenn sie anfängt zu tanzen. Es war wie ein Befreiungsschlag, eine Türe in eine neue Welt. Es gab ihr Selbstbewusstsein, Kontrolle über ihren Körper und über ihre Kräfte. Kara mag ein Spätzünder sein, was tanzen betraf. Aber sie holte ordentlich auf. Es verhalf ihr zudem zu ihrem ersten One-Night-Stand. Wenn Kara tanzt, sind alle Augen auf sie gerichtet. Nichts erinnert mehr an die blonde verschüchterte Frau, die über ihre eigenen Worte stolpert.

Als das Lied endet, verkündet der Sänger der Band etwas durch ihr Mikrofon und Kara fühlt sich mit einem Mal seltsam leer. Sie hätte gern weiter der Musik gelauscht und sich dieser guten Laune hingegeben. Sie ist ewig nicht mehr ausgegangen. Sam ist seit Wochen im Workaholic Modus. Als CEO von L-Corp hat sie alle Hände voll zu tun. Sie hat die Festwoche ins Leben gerufen und das Konzept dazu entworfen. Sam’s Herzblut liegt darin, sicher sitzt sie in diesem Moment ein paar Stockwerke tiefer an ihrem Schreibtisch und trifft letzte Vorbereitungen. Morgen findet ein Tag der offenen Tür statt, an welchem L-Corp erstmals für die Außenwelt seine Pforten öffnet. Kara kann sich ausmalen, welches Ausmaß dies mit sich bringt und beschließt, in diesem Moment nach Sam zu sehen, wie es ihr geht.

Dann beginnt die Musik jedoch von Neuem und Kara vernimmt zarte Klänge, die sie unmittelbar berühren. Sie spitzt die Ohren. Die sanfte Stimme setzt langsam ein und ihr Herz wird schwer. Oh Rao. Wie passend, dass sie dieses Lied nach all den Jahren wieder hört. Dort oben, wo sie es selbst gesungen hat, immer und immer wieder, ihre Stimme schwer beherrscht von Sehnsucht und unerfüllter Liebe. An dem Ort, an dem sie einst ihr Herz verloren hat. Schicksal oder Karma? Kara schließt die Augen, die feucht werden und sie lässt es zum ersten Mal wieder zu. Ein vertrauter Schmerz tief in ihrer Brust, der sie so viele Jahre begleitet hat. Eine Sehnsucht, die ein Teil von ihr wurde.



The first time I saw you there
In my world, I wasn’t prepared
And what I witnessed from your heart
Cause I knew Baby Girl it was ready to start
A fantasy that was all so true
The way I felt, Girl I knew
That you and me, we were meant to be
In this world for love, you were made for me

Oooh, ooh Fantasy Girl
Your my Fantasy Girl
I need you tonight


Sobald die Musik endet, regt sich das schlechte Gewissen in ihr. Vor allem sich selbst gegenüber, dass sie noch immer diese Gefühle hat. Das sie nicht mutig war. Das in ihrem Leben immer ein Teil fehlen wird. Die eine Liebe, die unwiderruflich und tief in ihrer Blutbahn verankert ist. Platonisch. Unerfüllt.

Zurück blieb nichts als Fantasie.

Sie rappelt sich auf und fliegt ein Stockwerk tiefer und landet auf dem vertrauten Balkon. Durch die Glasscheiben blickt sie auf die Silhouette von Sam. Durchflutet von ihren vorherigen Emotionen gibt sich Kara einen Augenblick ihrer Fantasie hin.

In dieser sieht sie eine andere Brünette, welche an ihrem Schreibtisch sitzt und deren schlanke Finger geschäftig auf dem Laptop tippen. Dunkle Haare streng zu einem Zopf gebunden. Bleistiftrock und Bluse. Perfekt geschwungene Augenbraue. Sie würden sich höflich begrüßen und dabei würde ein Lächeln seinen Weg finden. Das wundervollste Lächeln der Welt.

„Supergirl, welche Freude Sie zu sehen.“

„Immer so förmlich, Lena. Ich dachte, das hätten wir im Kampf gegen Reign ablegt. Haben wir nicht bewiesen, wie gut wir zusammenarbeiten? Wir sind jetzt Partner. Oder schließt dies eine Freundschaft aus?“

Lena sieht sie fasziniert an.

„Ich trenne gerne Privates von Beruflichen,“ sagt sie herausfordernd, doch es liegt etwas neckisches in ihrem Blick.

„Dann werde ich deine private Seite für mich gewinnen.“

Eine Augenbraue wandert weit nach oben.

„Oh, Supergirl, leg los.“


Das war eines der letzten Gespräche, welches sie als Supergirl mit Lena geführt hat. Damals war sie fest davon überzeugt, dass sie Lena bald die Wahrheit über ihr Geheimnis sagen wird. Sie hatten die Differenzen zwischen Lena und Supergirl beiseitegelegt und es war an der Zeit. Kara vertraute Lena und das freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden wurde inniger und hielt gleichzeitig einen flirtenden Unterton in sich. Es war neu, genauso wie die Umarmungen, die immer einen Tick länger verweilten und Kara hoffte, dass daraus mehr werden könnte.

Kara schüttelt sich aus ihren Gedanken.

Sam spricht mit jemanden über das Headset und gestikuliert dabei eifrig mit ihren Händen. Sie rollt etwas mit ihrem Drehstuhl und Kara kann ihr Seitenprofil erkennen. Ein vergnügter Ausdruck umspielt ihre Lippen und Kara fragt sich, wer außer ihrer Schwester Alex in der Lage ist Sam Arias Wangen in dieses zarte Rosa zu tauchen. Die Stimmung bleibt, selbst nachdem sie das Gespräch beendet und das Headset ablegt. Sie wirkt vergnügt.

Sanft klopft Kara gegen die Fensterscheibe, um ihre Freundin nicht zu erschrecken und beobachtet, wie diese überrascht den Kopf hebt. Sie strahlt, keine Frage, dass sie sich über ihren unerwarteten Besuch freut, schwungvoll steht sie auf und öffnet Kara die Türe.

„Kara, welche Freude.“ Sam küsst sie auf beide Wangen und blickt ihr offen in die Augen.

„Ist alles okay? Du warst ewig nicht hier.“

Kara nickt, während sie sich aus der Umarmung löst und einen Blick durch das Büro schweifen lässt. Obwohl sie nicht direkt darüber gesprochen haben, weiß Sam, weshalb Kara ihr Büro meidet. Es ist ein offenes Geheimnis zwischen ihnen.

Gleichwohl hat sich das Büro um 180 Grad zu seiner früheren Besitzerin verändert. Sam liebt das Chaos und es findet sich überall in diesem Raum wieder. Lena würde höchstwahrscheinlich einen Schock erhalten, wenn sie die Stapel Papiere, analytische Modelle und den Wust an Ordnern sehen könnte. Was der normale Mensch von heute längst digital abspeichert, trifft keineswegs auf Sam zu. Sie hat noch nie etwas von please consider the Environment before printing gehört, lebt trotz des Fortschrittes von L-Corp altmodisch und ihre Worte sind steht‘s dieselben; nur ein Genie beherrscht das Chaos. Es treibt Alex zu Hause in ihrem gemeinsamen Häuschen auf die Palme.

Kara entdeckt ein paar neue Familienfotos, die sie bisher nicht kannte und nimmt eines davon in die Hände. Es zeigt ein aktuelles Bild von Sam, Ruby und Alex, die bereits einen dicken Bauch hat. Eine süße glückliche Familie. Kara’s Herz zieht sich vor Freude zusammen. Ihre Schwester hat in Sam die große Liebe gefunden und ihr Traum vom Mutter sein wird endlich Wirklichkeit. Kara stellt das Foto zurück und schenkt ihre Aufmerksamkeit Sam.

„Die Band auf dem Fest ist wundervoll. Wieso bist du nicht unten und genießt dein eigenes Fest?“

„Du hast dir die Band angehört?“, schießt Sam die Frage zurück.

„Nur ein paar Lider. Supergirl war in der Nähe und dabei habe ich die Musik aufgeschnappt.“

„Ah,“ erwidert Sam. Es amüsiert ihre Freundin immer wieder, das Kara über sich selbst als Supergirl in der dritten Person spricht. Es ist einfacher so und über die Jahre hat sie gelernt, die Taten in Gestalt von Supergirl sich nicht mehr so nahe gehen zu lassen. Sie hat sich davon differenziert, denn manchmal muss sie schwere Entscheidungen treffen und sie hat schweren Herzens erkannt, dass sie nicht jeden retten kann, so sehr sie es dennoch weiterhin zu hoffen wagt.

Sam bietet ihr einen Platz an und tritt an ihr Sideboard, wo sie sich an einer Flasche Scotch zu schaffen macht. Derweil rafft Kara ein paar der Unterlagen, die überall auf dem Schreibtisch verstreut sind zusammen und setzt sich mit ihrem Gesäß auf die freie Fläche, die sie soeben geschaffen hat. Sam schüttelt amüsiert mit dem Kopf, aber sie macht keinen Kommentar über den unbesetzten Stuhl. Ungefragt hält sie ihr ein volles Glas Scotch entgegen.

„Es gibt etwas, worauf wir anstoßen sollten,“ verkündet sie vielversprechend.

Kara nimmt ihr den dargebotenen Scotch ab und wartet gespannt.

„Ich war in der Tat auf dem Fest. Eben war ich dort, habe getrunken und gegessen und mit den Kollegen geplaudert. Und weißt du, was dann passiert ist, Kara? Es fiel immer wieder ein Name. Was wäre wenn Sie da wäre? Wenn Sie sehen könnte, wo wir heute stehen.“

Ein wohliger Schauder fährt durch Kara’s Körper hindurch. Eine Ahnung.

Lena, flüstert sie in ihren Gedanken. Kara bringt den Namen nicht über ihre Lippen, kann ihre Träume nicht aussprechen.

Sam versteht dennoch und nickt wissend.

„Lena Luthor. Die Mitarbeiter haben sie nicht vergessen, ich habe sie nicht vergessen. Sie hat damals so viel für mich getan. Ich verdanke ihr die Stelle, die ich innehabe. Das Vertrauen, das mir entgegengebracht hat und all die Gespräche die wir geführt haben, ehe sie nach Metropolis gegangen ist. Das sollte ihr Fest sein, Kara. Lena hat L-Corp erschaffen und es vertrauensvoll in meine Hände gelegt. Ich leite es nur in ihrem Namen weiter, es sind ihre Lorbeeren. Ich habe mich gefragt, weshalb ich nicht früher auf den Gedanken gekommen bin, sie einzuladen. Weshalb liegt der letzte Kontakt solange zurück? Mit einem Mal, konnte ich es kaum aushalten und ich habe mir ein Herz gefasst und sie sogleich angerufen. Und es hat sich so gut angefühlt, ihre Stimme zu hören.“

Kara’s Augen werden weit. „D..das war Lena am Telefon?“ Sie bekommt die Frage vor Aufregung nicht schnell genug hervor und verhaspelt sich.

„So ist es. Und Kara, sie hat mein Betteln nicht länger ertragen können,“ Sam lacht, „daher hat sie zugesagt. Sie wird kommen. Lena kommt als Ehrengast zu unserer Galaveranstaltung am Samstagabend.“

Die Erde steht still und hört auf sich zu drehen.

Lena.

Lena war am Telefon. So nah und doch so fern.

Lena kommt nach National City. Und sie werden sich nach nahezu 8 Jahren wiedersehen!

Kara’s Herz klopft so schnell gegen ihre Brust, dass sie Angst hat, es könnte aus ihrem Brustkorb rausbersten.

-                                                     ***

Auf der Erde sagt man Dinge wie: Jeder ist seines Glückes Schmied, oder: Die Wege des Herrn sind unergründlich oder: Das ist dein Schicksal.

Was denn nun?

Hast du dein Glück in der eigenen Hand und kannst du es lenken?
Oder verlässt du dich auf Gott, hältst dich an seine Regeln und hoffst auf seine Großzügigkeit? Oder völlig egal, für was auch immer du dich entscheidest, letztendlich kannst du dem nicht entkommen, was für dich vorgesehen ist?

Auf Krypton ist Rao allgegenwärtig.

Rao bindet uns an diejenigen, die wir lieben. Er gibt uns Kraft, wenn wir keine haben und an den dunkelsten Orten. Er führt uns. Rao sieht alles und fühlt alles, seine Liebe ist ewig.

Kara betet für alle Fälle zu Rao, so oder so.

-                                                 ***


Kara lehnt lässig an der Bar und bestellt einen Gin Tonic. Der Alkohol hat keine Wirkung auf sie, doch witzigerweise hat sie die Erfahrung gemacht, dass sich die Leute in ihrer Gegenwart lockerer verhalten, wenn sie annehmen, Kara hätte getrunken. Welch seltsame Ironie. Heute wünscht Kara, der Alkohol hätte einen Affekt auf ihre Nerven, sie flattern wie wild.

Es überrascht sie nicht, dass sie beäugt wird und die Blicke die ihr zugeworfen werden länger als angemessen auf ihr verweilen. Sie hat sich für diesen besonderen Abend in Schale geworfen und trägt ihren dunklen Smoking. Kombiniert hat sie diesen mit weißer enganliegender Bluse, die sie tief in ihre Anzughose gesteckt hat und als Abschluss eine elegante Fliege dazu. Ihre blonden Haare sind zu einem Dutt gebunden, aus dem sie zwei Strähnen gelöst hat, um dem ganzen die Strenge zu nehmen. Ihr Aussehen zieht den gierigen Blick von Männern sowohl von Frauen auf sich.

Kara ist äußerlich in den letzten Jahren niemals älter geworden. Ihre Schwester nimmt an, dass es an ihren kryptonischen Genen liegt, die auf der Erde weniger schnell altern und hasst sie deswegen ein wenig, natürlich ohne Erfolg. Ihr Körper ist jung, ihre Haut ist zart und nur in ihren intelligenten Augen erkennt man die Reife, die Kara gewonnen hat. Selbstbewusstsein und die Erfahrungen der letzten Jahre spiegeln sich darin und geben ihrem Aussehen den besonderen Schliff. Kara, du bist wie eine Blüte, die gelernt hat, von selbst aufzugehen und niemals verwelk, waren Cat Grants Worte, als sie das erste Mal miteinander geschlafen haben. Dabei erkundeten Cats erfahrene Finger sorgsam ihren Körper und trieben ihn bis dahin zu ungeahnten Höhepunkten an.

Sie hat ihre Sexualität entdeckt. Ja, Kara mag gewissermaßen ein wenig den Ruf eines Playgirls bekommen haben. Doch es ist anders, als es klingt. An ihr haftet kein negativer Ruf. Sie wird bewundert. In den letzten Jahren hat sie sich beruflich einen Namen in dem Kreis der Prominenten gemacht. Sie wurde Chefredakteurin von CatCo, ist zudem befreundet mit Sam und Supergirl und vor allem lässt ihre Schönheit Herzen schneller schlagen. Sie bewegt sich grazil, und wenn sie tanzt, gehört ihr die Aufmerksamkeit des kompletten Raumes. Sie zeigt sich stets freundlich und dennoch hat sich um sie eine mysteriöse Aura gelegt. Sie ist offen und höflich, aber gleichzeitig unnahbar und es liegt eine seltsame Melancholie um sie, die nur zugern erforscht werden möchte. Hoffnungslos.

Kara spielt nicht, sie zeigt offen ihre Karten, macht klar, dass sie niemals an einer festen Beziehung interessiert sein wird. Liebe war für sie nie drin. Trotz der Warnung, mochten es einige nicht verstehen und so manches Herz verlor sich daran. Niemand ahnt, dass Kara’s Herz längst gebrochen ist und manchmal nachts schreit vor Sehnsucht nach der Gegenwart der einen Frau, die es als einzige heilen kann.

Die junge Frau hinter der Bar scheint ebenso angetan. Sie stellt ihre Bestellung vor Kara auf den Tresen und lehnt sich dabei weit nach vorne, so das sie mit Leichtigkeit einen Blick in ihren Ausschnitt werfen könnte. Ihr brünettes Haar ist zu einem langen Zopf geflochten und betont ihren schlanken Hals. Ihr Kinn ist prominent und die Augen weich und flirtend. Genau ihr Typ und für Kara wäre es ein Leichtes, sich zusätzlich in den blass wirkenden Augen das grün auszumalen, welches sie in ihren Träumen jagt. Einen Augenblick ist sie versucht, ihrer Neigung nachzugeben und sich bei der Brünetten zu erkundigen, wann ihre Schicht zu Ende ist. Ein spätes Mitternachtsdate oder eine Telefonnummer für einen anderen Abend ist normalerweise drin. Doch für Kara war heute kein normaler Tag und war es nicht mehr, seit sie von der Ankunft weiß. Sie wendet sich höflich ab und sucht stattdessen nach einem vertrauten Gesicht.

Kara kann nichts auf den Moment vorbereiten, als sie ihren Herzschlag hört.

Unverändert im Klang, als wäre der gleichmäßige Rhythmus niemals aus ihrem Leben fort gewesen. Es löst eine Welle von Gefühlen aus, die allesamt über ihr einzubrechen drohen. Ein vertrautes ziehen in ihrem Bauch, angenehm und schmerzvoll zu gleich. Kara kann sich kaum von dem Strudel ihrer Empfindungen erholen, als sie über den Köpfen der Menschen im Eingangsbereich hinweg die vertraute Erscheinung wahrnimmt.

Kara sieht Lena zuerst. Der Bruchteil einer Sekunde gewährt ihr freie Sicht. Schwarzes Abendkleid, alabasterfarbene Haut, rot gekräuselte Lippen, atemberaubend, ehe sie von der Traube von Menschen umschlossen wird.

Kara wartet eine Weile, ob sie einen weiteren Blick auf Lena erhaschen kann. Doch diese ist umzingelt und die Aufregung am Eingangsbereich nimmt weiter zu. Kara wendet sich ab, sie wird später Gelegenheit haben. Sie hat so lange gewartet, was machen da schon ein paar Augenblicke mehr.

In der Menge sucht sie nach Alex, sie benötigt dringend ein bekanntes Gesicht, was sie beruhigt. Kara findet Alex am Buffet, wo sie sich an der Auswahl der vielen leckeren Süßigkeiten bedient.

„Das ich das noch erlebe. Meine Schwester fällt über ein Nachspeisen-Buffet her.“

„Hey,“ beschwert sich Alex. „Sei du mal schwanger, dann reden wir weiter. Wahrscheinlich fällst du dabei über ein Gemüsebeet her.“

„Niemals,“ gibt Kara von sich und schüttelt sich bei dem Gedanken. Sie war ein Junkfood-Girl mit einer riesigen Schwäche an Süßem und wird es hoffentlich immer bleiben. Wieso sich gesund ernähren, wenn es so viel leckeres Essen gibt und sie muss nun wirklich keine Kalorien zählen oder um ihre Gesundheit fürchten.

„Wie geht’s dir kleiner Wurm? Du bist jetzt schon mein bester Freund. Ich werde dir später die besten Eisdielen zeigen und zusammen verspeisen wir tonnenweise Schokoeis,“ spricht Kara verschwörerisch zu Alex Bauch.

„Oh Gott, lass das. Ich benötige nicht noch ein Schleckermaul in der Familie,“ stöhnt Alex.

Kara lacht und blickt ihre Schwester liebevoll an. Alex tut die Schwangerschaft sichtlich gut, es ist eine Freude, dabei zuzusehen wie sich ihr Körper verändert. Normalerweise etwas burschikos, zeigen sich weibliche Rundungen, sie strahlt, wie es wohl nur Schwangere können und sieht einfach wunderschön aus.

„Wie geht es dir, Alex?“ Kara legt einen Arm um ihre Schwester und klaut mit der freien Hand ein süßes Teilchen von ihrem Teller, welches sie sich in den Mund steckt.

„Mir gehts gut, dem Baby gehts gut. Ich bin froh, wenn der Zirkus um L Corp vorbei ist und Sam wieder früher von der Arbeit nach Hause kommt. Ich vermisse die Fußmassagen und mein persönliches Kopfkissen auf der Couch.“

Kara lacht. Alex ist seit der Schwangerschaft im Innendienst und daher pünktlich zu humanen Zeiten zu Hause und Sam ist nun diejenige, die Überstunden schiebt. Alex und Sam sind das Traumpaar und ihr Glück wird mit ihrem ersten gemeinsamen Kind perfekt.

„Sicher hat Sam bald wieder mehr Zeit für dich. Und für mich, ich vermisse die Abende in der Alienbar oder im Club.“

„Zuerst werden meine Bedürfnisse gestillt, Kara. Du hast immerhin Winn oder James mit denen du ausgehen kannst.“

Ja das stimmt, aber das ist nicht dasselbe. Sam ist einfach cool und ihre beste Freundin. Früher einmal war Lena ihre beste Freundin, denkt Kara und kann den sehnsuchtsvollen Blick, den sie dabei kommt kaum verbergen.

„Hast du schon mit Lena gesprochen?“ Als hätte sie Kara’s Gedanken gelesen.

„Noch nicht. Ich hatte keine Gelegenheit, sie wird von allen Seiten belagert.“

„Kara Danvers, wird sich da wohl zu helfen wissen. Sie hat vorhin nach dir gefragt.“

„Hat sie?“  

Alex studiert sie einen Moment länger als nötig.

„Natürlich Kara. Ich habe ihr gesagt, dass du hier bist. Es war das Erste, wonach Sie gefragt hat, gleich nachdem Sie mich gesehen hat und der Höflichkeit halber zuerst einen Glückwunsch zum meinen dicken Bauch ausgesprochen hat. Gehe zu ihr, bevor der Abend vorbei ist.“

Ein Wink von Alex, nicht zu lange zu warten.

Damals war es mit einem Mal zu spät. Eben dachte sie noch, dass ihre heimlichsten Träume Wirklichkeit werden könnten. Das sie nur ihren Mut fassen musste und Lena ihr Geheimnis und ihre Gefühle offenbaren. Daher nahm sie sich genau das vor. Sie übte vor dem Spiegel, und sprach ihre Gedanken, sobald sie alleine war immer wieder laut aus. Und als sie die Tapferkeit in sich fand, machte sie sich auf den Weg zu Lena. Doch ehe sie ihre Wohnung verlassen konnte, hörte sie den vertrauen Herzschlag. Lena war hier. Sie war vor ihrer Haustüre, aber klopfte nicht. Überrascht öffnete Kara die Haustür und eine unglückliche Lena stand vor ihr. Ihre Augen wirkten gerötet, als sie eintrat. Und dann platze sie mit der Nachricht heraus, dass sie National City verlassen wird. Lena brach alle Zelte ab, um sich in Metropolis um den Scherbenhaufen zu kümmern, den ihr Bruder Lex dort hinterlassen hat. Kara war wie gelähmt. Sie konnte nicht sprechen, konnte nichts tun. Eine Kälte legte sich um ihr Herz und mit einem Mal waren all ihre Träume zerplatz und ihr Herz war gebrochen.

„Ich werde sie suchen,“ sagt Kara und spürt eine Kraft in sich. Alex drückt ihr aufmunternd  den Arm.

„Du siehst wunderschön aus, Kara. Schnapp sie dir.“

„Danke, Alex,“ erwidert Kara und holt sich den Mut aus den vertrauten Augen, ehe sie sich auf die Suche macht.

Lena steht auf der anderen Seite des Raumes und unterhält sich mit einem Mann im eleganten Smoking. Kara sieht sie einen Augenblick lang unbemerkt an und saugt ihre Schönheit in sich auf. Lena hat sich kaum verändert. Wenn ist sie mit den Jahren noch attraktiver geworden. Sie ist die schönste Frau, die Kara jemals gesehen hat und das vertraute sehnsuchtsvolle Gefühl in ihr wird stärker.

Als Lena Kara’s Anwesenheit bemerkt, verändert sich ihre Mimik sofort. Sie strahlt über das ganze Gesicht und das Grün ihrer Augen funkelt. Es sendet seine Lichter zu Kara direkt in ihr Herz und wärmt ihr Blut.

Lena verabschiedet sich von ihrem Gesprächspartner und kommt rüber.

Sie gehen aufeinander zu, wie zwei Magneten die sich gegenseitig anziehen. Ehe Kara überlegen kann, wie sie die Schöne Frau für welche sie so viele Jahre so heftig geschwärmt, am besten Begrüßen soll, findet sie sich in Lena’s ausgestreckten Armen wieder, die nach Kara verlangen.

Dieselbe vertraute Wolke. Kara ist so befangen.

„Kara,“ begrüßt Lena nahe an ihrem Ohr.  „Welch Freude, dich wiederzusehen.“

Ihre grüne Augen schimmern und Kara blickt auf volle rote Lippen. Ein Verlangen in ihr erwacht, den Lippenstift von diesen Lippen zu lecken.

„Lena.. Hi.. Hey... D-Du.. hier..wow..-“, stottert Kara. Es ist ewig her, dass ihr dies zuletzt passiert ist. Und sie ist einen Moment lang entsetzt, dass ihr nichts weiter über ihre Lippen kommt.

Lena lacht herzlich, es ist leicht, so wie sie es immer getan, ohne Spott oder Bösartigkeit darin. Sie hatte immer schon eine Schwäche für Kara’s Unbeholfenheit.

Als sich Lena aus der Umarmung einwenig löst, sie gleichwohl an den Armen festhält, um sie ausgiebig zu betrachten, beschließt Kara, dass es ihr für den Moment nichts ausmacht. Lena ist sichtlich angetan.

„Du siehst wundervoll aus, Kara. Genauso wie ich dich in Erinnerung hatte, wenn nicht liebreizender. Ich liebe deinen Look,“ teilt Lena mit und Kara fängt Feuer. Ihr Herz brennt lichterloh.

„Danke..ähm-..danke, Lena,“ noch ehe Kara ihr ein Kompliment zurückgeben kann, von welchen ihr tausend auf der Zunge liegen, blickt Lena sie verschwörerisch an. Sie beißt sich auf die Lippe.

„Bist du frei? Ich würde zu gern erfahren, wie es dir gegangen ist. Kann ich dich zu einem Drink an der Bar begeistern?“

Ja! Kara möchte nichts lieber als das. Gleichwohl möchte sie nicht in alte Muster fallen, stotternd und rot werden. Innerhalb Sekunden fühlte sie sich bereits in die Vergangenheit katapultiert, doch sie möchte Lena beeindrucken.

„Ehrlich gesagt. Würde es dir etwas ausmachen zu tanzen? Die Band ist wunderbar und ich hatte bisher keine Gelegenheit.“

Lena’s Augen werden weit. Sie ist über diese Bitte sichtlich überrascht, aber sie wirkt keinesfalls abgeneigt. Wenn überhaupt funkeln ihre Augen noch mehr.

Eine Augenbraue wandert nach oben und der Anblick sendet ein Ziehen in Kara’s Bauch und eine Nässe zwischen ihre Schenkel, die sie selbst beschämt.

„Keineswegs,“ ist alles, was Lena erwidert.

Kara strahlt. „Darf ich um diesen Tanz bitten, Miss Luthor?“ , als Lena ihre dargebotene Hand nimmt und sich bei Kara einhakt, fühlt sie Magie in der Luft. Sie beachtet kaum die Leute um sie herum, die ihnen neugierige Blicke zuwerfen und nahezu ehrfürchtig bei Seite treten. Kara führt Lena zur Tanzfläche und an ihrem Ziel angekommen, liegt wahrhaftig Magie in der Luft.

Lena schnappt überrascht nach Luft auf, als Kara sie an sich zieht und die Führung übernimmt.

Sobald Kara den Rhythmus fühlt, bewegt sich ihr Körper dem Instinkt folgend. Mit Bedacht nimmt sie Lena’s Hand in die ihre, während die andere auf Lena’s schmalen Rücken ruht. Der Kontakt brennt auf ihrer Haut und haucht ihr neues Leben ein.

Gekonnt führt sie Lena zum Takt der Musik und blickt in ihr schönes Gesicht und konsumiert alles in sich auf.

„Ich habe gehört, du bist nun Chefredakteurin von CatCo. Herzlichen Glückwunsch, Kara du hast eine steile Karriere hinter dir.“

„Danke, das aus deinem Mund, bedeutet mir viel.“

„Wie darf ich das verstehen?“ Lena runzelt die Stirn.

„Warst du nicht selbst, die jüngste CEO, sagen wir mal weltweit?“

„Hmm, gewiss. Aber da es sich um ein Familienunternehmen handelt, musste ich nicht viel dafür tun. Sicher, das Studium, aber meine Position war vorausbestimmt. Du allerdings hast dich alleine hochgearbeitet. Und du hast den Pulitzer Preis erhalten Kara, das ist fantastisch.“

„Danke für dein Lob. Und danke nochmals für die Blumen, die du mir deswegen übersandt hast. Sie waren wundervoll.“

Sie grinsen sich beide an. Und Kara dreht Lena elegant um die eigene Achse und zieht sie anschließend ein wenig näher zu sich, als eben zuvor.

Kara überlegt, wie sie Lena ihre Bewunderung zeigen kann, ohne Preis zugeben, wie gut sie über Lena’s Leben informiert ist.

„Ich kann dir das Lob mehr als zurückgeben. Ich habe davon gehört, was du in Metropolis gemacht hast, Lena. Dass du alles dafür getan hast, um Lex Taten ungeschehen zu machen. Du hast den Kindern bei dem Unglück im Krankenhaus geholfen. Lena, ich habe von dem Brandt gehört, das war gefährlich.“

Über Lena’s Gesicht huscht ein Schatten. Kara versteht nicht, sie ist stolz auf Lena. Jeden Artikel hat sie mindestens fünfmal gelesen und anschließend ausgeschnitten, ehe sie ihn in ihre alberne sentimentale Holzkiste gelegt hat. Zusammen mit all den anderen Dingen, die sie dort aufbewahrt und sie an Lena erinnern. Der Schatten verschwindet schnell wieder und ein leichtes Lächeln liegt auf Lena’s Gesicht.

„Danke, Kara.“

Sie tanzen eine Weile schweigend und Kara genießt ihre Nähe, ihren Duft. Sie ist so stolz, das Lena mit ihr tanzt. Sie kann ihr Glück kaum fassen.

„Der ganze Raum sieht dich an Lena. Alle bewundern dich. Alle freuen sich über dein Kommen,“ sagt Kara, denn die Wörter brennen in ihr, liegen auf ihrer Zunge und müssen raus.

„Wohl kaum. Ich denke, es ist deinetwegen. Sie bewundern dich, Kara. Du bist wunderschön. Auf mich sind sie nur eifersüchtig, dass du mich in deinen Armen hältst.“

„Unsinn,“ tut Kara verlegen ab.

„Ich schwöre Kara, ich erhalte ernsthaft finstere Blicke,“ lacht Lena.

Kara ist sprachlos. Ist Lena blind? Sie ist die schönste Frau, die Kara jemals gesehen hat. Am liebsten möchte sie ihr das zeigen und sich nach vorne beugen um ihre Lippen zu küssen. Sie fragt sich nicht zum ersten Mal, wie es sich anfühlen würde, Lena’s Liebhaberin zu sein. Es fällt ihr schwer, nicht auf Lena’s Lippen zu starren, während Lena in ihre Augen sieht, beinahe als warte sie. Worauf? Das Kara sie küsst?

Der Moment geht vorbei und als die Musik ein wenig langsamer wird, schmiegt Lena ihren Kopf an Kara’s Schulter. Es ist eine zärtliche Geste und fühlt sich komfortabel an, als wären die Jahre der Abwesenheit der Anderen in ihren Leben nicht vergangen. Ihre Körper passen perfekt zueinander. Kara ist so glücklich darüber, dass sie unbemerkt zu schweben beginnt. Einen Augenblick lang schwebt sie mit Lena ein paar Zentimeter über den Boden. Als sie ihr Malheur bemerkt, stellt sie erleichtert fest, das es ungesehen blieb. Lena ruht unverändert in ihren Armen. Rao sei Dank.

Kara zieht kleine Kreise mit ihrem Daumen auf Lena’s Rücken und atmet tief den Duft von Lena ein. Ihr Shampoo riecht so gut und die Haare kitzeln in ihrer Nase. Kara verliert sich in dieser Nähe, in dem Gefühl Lena bei sich zu haben.

Lena scheint eben so versunken, doch dann sammelt sie sich ein wenig und seufzt.

„Kara, es ist wundervoll, mit dir zu tanzen. Leider ist es für mich nicht nur eine private Veranstaltung. Ich befürchte, ich muss mich noch mit ein paar anderen Menschen unterhalten. Auch wenn ich die Zeit lieber mit dir verbringen würde.“

Kara versteht das, alle fiebern nach Lena’s Aufmerksamkeit, doch Kara ist nicht bereit Lena gehen zu lassen. Ehe sie sich voneinander lösen, nimmt sie all ihren Mut zusammen.

Sie hat lange darüber nachgedacht. Spätestens morgen wird Lena wieder zurück nach Metropolis kehren und der Kontakt würde wieder schwinden, so wie er es nach Lena’s Weggang getan hat. Die Mitteilungen würden kürzer werden und die Anrufe in größeren Abständen erfolgen und irgendwann, nur noch sporadisch bis gar nicht mehr. Es würde Kara erneut das Herz brechen.

Daher setzt Kara alles auf eine Karte. Sie möchte sich nie wieder vorwerfen, es nicht ein Mal probiert zu haben. Selbst wenn es nur für eine Nacht wäre, müsste Kara nicht immerzu davon träumen, wie es sich anfühlen würde. Sie könnte den Rest ihres Lebens davon zehren, Lena berührt zu haben. Lena hat mit ihr geflirtet und sie hat vermutlich von Kara’s Ruf gehört und noch dazu weiß Kara aus sicherer Quelle, das Lena mit Frauen schläft. In Metropolis hatte sie ein Verhältnis mit Kate Kane. Es ist etwas, worüber Kara nicht nachdenkt, weil es zu schmerzhaft ist. Daher trägt sie nur die Information davon, dass Lena Frauen nicht abgeneigt ist.

Sie nimmt all ihren Mut zusammen, den sie aus ihren bisherigen Erfahrungen gewonnen hat, auch wenn Lena eine gänzlich andere Liga für Kara ist.

Sie führt Lena’s schmale Hand an ihren Lippen. Charmant küsst sie die Knöchel dort, jeden einzelnen und lässt ihrer nachfolgender Worte keinen Zweifel geben, was sie möchte.

„Lena, möchtest du anschließend mit mir nach Hause kommen?“

Natürlich kann diese Frage vieles bedeuten. Lass uns an der Freundschaft anknüpfen, lass uns mehr Zeit miteinander verbringen. Kara wäre mit allem einverstanden, doch Lena hat einen scharfen Verstand. Sie sind erwachsen, ihre Freundschaft existiert quasi nicht mehr und das Verlangen in ihren Worten und ihr sehnsuchtsvoller Blick, spricht die Bedeutung der Frage offen aus. Lena muss sich darüber im Klaren sein.

Diese wirkt einen Atemzug lang überwältig und ihre Fassung bröckelt ein wenig. Es dauert einen Moment, ehe sie antwortet und Kara’s Herz schlägt in Erwartung wie wild.

„Kara, ich fühle mich geschmeichelt, sehr sogar. Doch ich halte das für keine gute Idee.“

Augenblicklich sackt alles in Kara zusammen und sie versucht sich die Abfuhr und ihre Enttäuschung nicht anmerken zulassen. Doch andererseits. Wozu verbergen.

„Weshalb?“, fragt sie und hofft, dass es nicht so verzweifelt und unsicher klingt, wie sie sich mit einem Mal fühlt.

„Kara..-“ beginnt Lena und stoppt dann. Einen Augenblick sieht sie auf Kara’s Lippen, nahezu sehnsüchtig, doch als sie zurück in Kara’s Augen blickt, liegt Wehmut darin.

Als Lena nicht weiter spricht, versucht sie es noch ein Mal. Pure Verzweiflung.

„Lena, bitte sag mir weshalb.“ Sie muss es wissen. Es kann nicht sein, dass sie so falsch lag, empfindet Lena denn gar nichts. Ein Schleier legt sich um ihre Augen.

Lena beißt sich auf die Innenseite ihrer Wangen und dann antwortet sie Kara.

„Ich habe meine Tage, Kara. Deshalb.“

Oh. Oh! Kara hat mit allem gerechnet nur nicht mit dem. Einen Augenblick ist sie verlegen, aber es kommt ihr seltsam vor und sie ist viel zu perplex, um ernsthaft darüber nachzudenken. Es war absurd. Dennoch, Lena hat nein gesagt und ihr eine Erklärung gegeben. Kara muss dies akzeptieren.

„Verstehe,“ sagt Kara und zieht aus ihrem Smoking eine Karte hervor.

„Falls du es dir anders überlegst oder falls du telefonieren möchtest oder mir schreiben. Hier ist meine neue Nummer. Ich habe dich vermisst, Lena,“ sagt sie etwas unbeholfen.

Lena nimmt die Karte nach einen kurzen Blick darauf entgegen.

„Ich dich auch Kara. Ich habe dich auch vermisst. Danke für die Karte. Ich schreibe dir, ich wollte dir längst meine neue Nummer mitteilen.“

Kara kann nicht glauben, dass es vorbei ist. Das der Abend nun endet und Lena wieder aus ihr Leben gerissen wird. Soll sie Lena sagen, dass sie kein Problem damit hat, wenn sie ihre Tage hat. Nein das wäre wohl kaum angemessen. Doch ehrlich gesagt, wer hat heut zu Tage noch ein Problem damit. Soll sie ihr sagen, dass sie einfach länger in Lena’s Gegenwart sein möchte, völlig gleich, was zwischen ihnen passiert. Aber warum hat Lena, dass dann nicht selbst vorgeschlagen. Ich halte das für keine gute Idee. Was meinte sie damit? Kara ist so verwirrt.

Die Musik bringt ein neues Lied. Es ist wunderschön.

„Das ist eines meiner Lieblingslieder. Lena, erfüllst du mir den Wunsch und tanzt es mit mir zu Ende?“

„Wenn du es dir wünscht, “ erwidert Lena und ihre Stimme klingt belegt.

Und ein weiteres Mal, vielleicht ein letztes Mal zieht Kara Lena an sich, mit all den Gefühlen, die sie in sich trägt. Sie versucht, nicht an den Schmerz zu denken, von dem sie weiß, dass er sie überfallen wird, sobald Lena fort ist. Sanft wippt sie zum Takt, langsam, nur um Lena zu spüren.

Ihre Gesichter sind so nah und Kara schließt die Augen, während sie beide dieselbe Luft ein und wieder ausatmen. Kara schluckt schwer und wünscht sich, dass dieser Augenblick niemals zu Ende geht.

Und plötzlich passiert etwas. Sie spürt ein Zucken, das durch Lena’s Körper geht. Sie hebt verunsichert den Kopf und sieht, wie Lena’s Körper krampft.

Besorgt blickt sie zu Lena.

„Lena? Lena, was ist mir dir?“

Nichts. Lena kann sie nicht wahrnehmen, durch ihren Körper geht ein heftiger Tremor und ihre Augen rollen in den Kopf zurück.

„Lena?!“

Und ehe sie realisiert, was passiert, hängt Lena wie ein nasser Sack in ihren Armen.
Oh Rao, Lena ist zusammengebrochen. Sie hatte einen Anfall.

Kara’s Herz schlägt vor Sorge wie wild.

Sie trägt die bewusstlose Lena behutsam in ihren Armen, wobei sie darauf achtet, dass Lena’s Kopf auf ihrer Schulter ruht und eilt aus dem Saal. Ein Raunen geht durch die Menge, als diese Zeugen der Szene werden. Sie ignoriert jeden einzelnen. Kara kann es nicht schnell genug gehen, doch sie kann sich nicht vor allen offenbaren, daher geht sie mit flotten großen Schritten.

Sie ist aus dem Gebäude, noch ehe es die anderen Gäste geschafft haben, ihr zu folgen.

Das Letzte, was die Menge sieht, ist Supergirl, die Lena Luthor in ihren Armen hält und mit ihr zusammen in den Himmel fliegt.
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