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Königin des Schachs

von Carlcheen
GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
Finnick Odair OC (Own Character)
16.11.2020
29.12.2020
14
21.384
 
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16.11.2020 1.487
 
Hallo zusammen, ich halte mich bei meiner FF an alle Fakten aus den Büchern. Ich fülle nur die Grauzonen ein wenig mit Amelias Geschichte.
Liebe Grüße Carlcheen

***

Mit einem lauten „Klatsch“ lande ich rücklinks auf der Matte. Ich bin mir nicht sicher, ob mir sämtliche Luft durch den harten Aufprall entweicht oder ob es an Finnicks Gewicht auf mir liegt. Er grinst mich mit seinen meergrünen Augen frech an und flüstert: „Schach“. Ich muss mich leider mit einem „Matt“ ergeben. Finnick Odair der Sieger der 65. Hungerspielen, der jüngste Sieger aller Zeiten ist für mich wie ein Bruder. Auch optisch sehe ich ihm mit meinen grünen Augen und den blonden Haaren ähnlich, wenn auch meine Haare deutlich länger sind. Ich bin wie er achtzehn Jahre alt und wir kennen uns, seit ich denken kann. Wir sind in der Schule in dieselbe Klasse gegangen und haben nachmittags, wenn wir nicht gerade schwimmen oder trainieren waren, häufig zusammen Schach gespielt. Daher kommt auch die Angewohnheit den jeweils anderen beim Kampftraining ein „Schach“ unter die Nase zu reiben, sobald der andere auf der Matte liegt. Kampftraining … so darf es offiziell gar nicht heißen, das Capitol erlaub es nicht, dass ein Distrikt seine Tribute auf die Arena vorbereitet. Deshalb ist es offiziell ein Training, um beim Fischen erfolgreicher zu sein, so kann der Umgang mit einem Speer oder einem Dreizack geübt werden ohne dass das Capitol etwas dagegen hat. Finnick der die Spiele bereits gewonnen hat müsste eigentlich gar nicht mehr Trainieren aber er unterstützt uns anderen, wo er nur kann. Er ist mittlerweile aufgestanden und hält mir eine Hand hin. „Komm Amelia, wir sollten uns so langsam fertig machen.“ Er lächelt jetzt nicht mehr. Wir sind mittlerweile allein in der großen Sporthalle, die anderen Kinder sind schon vor einiger Zeit zurück gegangen. Am Tag der Ernte wird es immer früh leer, weil alle noch ein paar kostbare Stunden mit ihrer Familie verbringen wollen. Ich ergreife seine Hand und lasse mich von ihm auf die Beine ziehen. „Vermutlich hast du Recht, aber ich würde lieber gar nicht hier weg.“, sage ich leicht niedergeschlagen. Der Gedanke, dass ich oder noch schlimmer meine Geschwister heute für die Arena ausgelost werden könnten ist einfach unerträglich. „Du weißt, das alle Anwesenheitspflicht haben. Aber versuch es positiv zu sehen. Du hast verhältnismäßig wenige Lose und nach diesem Jahr bist du für immer sicher.“ Finnick versucht mich etwas aufzumuntern und er hat ja auch recht. Ich habe nur sieben Lose, da meine Familie nie gezwungen war Tesserasteine in Anspruch zu nehmen. Mein Vater hat in einer der vielen Fabriken, in denen der Fisch verarbeitet wird, eine Führungsposition, sodass wir immer genug Geld für essen hatten. Dennoch mache ich mir Sorgen, so antworte ich ihm nicht und wir verlassen schweigend die Halle. Jeder mit seinen Gedanken beschäftigt, auch wenn Finnick sich um sich selber keine Sorgen mehr machen muss, so weiß ich doch das er angespannt ist, weil er die Tribute als Mentor in der Arena betreuen muss. Desto besser er die Tribute kennt, desto schwerer ist es für ihn. Und auch unabhängig von seinem Amt als Mentor weiß ich, dass ein Aufenthalt im Capitol nicht angenehm ist. Als Sieger wird einiges von ihm erwartet, auch wenn er nicht mehr in den Spielen ist, so muss er doch nach den Regeln des Capitols spielen. Als wir die Ecke erreicht haben, an der sich unser Weg für hoffentlich die nächsten drei Wochen trennen, umarmt er mich kurz und wünscht mir Glück. Ich erwidere die Umarmung und verabschiede mich.

Als ich die Tür zu unserem Haus öffne bricht das reine Chaos über mich herein. Meine Familie, das heiß meine Mutter und mein Vater, sowie meine Schwester Lena und mein Bruder Adrian, laufen kreuz und quer durchs Haus, weil jeder versucht sich für die Ernte fertig zu machen. An diesem Tag sind aber alle etwas Kopf los, was zu dem durcheinander führt. Als meine Mutter mich sieht lächelt sie kurz: „Gut, dass du da bist, mach dich bitte schnell fertig. Wir müssen in nicht einmal einer halben Stunde los“. Erstaunt schaue ich auf die Uhr, tatsächlich war es schon deutlich später als ich erwartet hatte. Ich springe schnell unter die Dusche und kämme meine Haare. Ich entschied mich für ein dunkelblaues Kleid. Das Oberteil ist mit Spitze verziert und in der Taille ist das Kleid gerafft, sodass der Rock schön locker fallen kann.

Wir gehen zum großen Platz, auf dem jedes Jahr die Ernte stattfindet, oben auf den Dächern sind Kameras, sie übertragen die Ernte in ganz Panem. Von weitem kann ich das Rauschen des Meeres hören, wie gerne ich jetzt am Wasser wäre und nicht hier. Meine Eltern bleiben am Rand stehen, bei den Eltern der andern. Ich gehe mit meinen Geschwistern weiter. Adrian, der jüngste von uns, muss in den Bereich der fünfzehn Jährigen, kurz bevor er geht umarmen wir uns noch einmal fest. Keiner von uns bringt ein Wort raus unsere Kehlen sind wie zugeschnürt, aber es ist klar das wir dem anderen Glück wünschen. Lena muss ein Stück weiter vorne zu den sechzehnjährigen. Auch wir verabschieden uns und ich gehe nach vorne zu den achtzehnjährigen. Dort sehe ich Clara eine gute Freundin und stelle mich zu ihr. Sie nickt und flüstert: „Ein letztes Mal zittern, danach haben wir es geschafft“. Ich lächle und nicke, aber innerlich bin ich doch deutlich angespannter als Clara. Ja, wenn ich heute nicht ausgelost werde bin ich durch. Aber Lena und Adrian werden noch ein paar Jahre zittern müssen und ich werde jedes Mal mitbangen. Unabhängig davon weiß ich nicht, was sie so zuversichtlich macht heute nicht ausgelost zu werden, wo es doch jedes Jahr mehr Lose werden. Noch bevor ich zu einer Lösung kam ertönte die Hymne von Panem. Der Bürgermeister betritt die Bühne gefolgt von Viviana Trumpet, die abgesandte des Capitols, die Betreuerin für Distrikt vier. Viviana Trumpet trägt ein langes türkises Kleid im Meerjungfrauenschnitt ohne Träger mit einer farblich passenden Perücke, vermutlich findet sie es für Distrikt vier passend aufgrund der Farbe, aber das Kleid ist viel zu schick, auch wenn vier nicht zu den armen Distrikten gehört, so haben wir doch kein Geld für so edle Kleider über. Hinter Viviana betreten Finnick und Librae Ogilvy, eine große braunhaarige Frau, die um die vierzig sein müsste, die weibliche Mentorin für Distrikt 4, die Bühne. Librae gewann mit sechzehn die 51. Hungerspiele und ist somit schon erfahren als Mentorin. Die Hymne verklingt und der übliche Film wird abgespielt als Erinnerung das sich die dunklen Tage nicht wiederholen dürfen. Fast schon Ironie, wo doch die Woche vor und die meistens zwei Wochen während der Spiele für die Distrikte jedes Jahr dunkle Tage darstellen. Viviana Trumpet schreitet mit den Worten: „Ladies first“ und einem breiten strahlen im Gesicht zu dem Kugeln mit den Losen. Ich beiße mir leicht auf die Zunge und hoffe inständig, dass sie nicht meinen Namen zieht. Sie geht zurück zum Mikro und faltet den Zettel auseinander. „Amelia Barnes“ schalt es durch die Lautsprecher. Augenblicklich wird mir schlecht, ich sehe wie Finnick entsetzt auf der Bühne die Augenbrauen hebt. Ich merke, wie sich Claras angespannten Schultern entspannen, sie ist sicher. Doch ihr mitleidiger Blick erinnert mich daran, dass jetzt die Blicke ganz Panems auf mich gerichtet sind. Ich hebe den Kopf und versuche so selbstbewusst wie möglich zur Bühne zugehen. Ich habe Finnicks Stimme im Kopf: „Die Spiel beginnen in dem Moment in dem man als Tribut ausgelost wurde, ab da gilt es Sponsoren für sich zu gewinnen“. Als ich die Bühne betrete reicht mir Viviana Trumpet strahlend die Hand und gratuliert mir zu der Ehre meinen Distrikt bei den 69. Hungerspielen vertreten zu dürfen. Sie fragt nach einer Freiwilligen, aber natürlich meldet sich niemand. In Distrikt vier trainieren wir zwar für den Fall, das wir ausgelost werden, aber sich freiwillig zu melden kommt niemanden auch nur in den Sinn. Ich kann mein Pech kaum fassen und mein Kopf fühlt sich benebelt und leer an. Schon im nächsten Moment höre ich einen weiteren Namen, den Namen meines Mittributes. „Tom Evans“, ich kenne den Namen nicht. Zum Glück. Wenn ich überleben will kann er nicht nach Hause zurückkehren. Ein Junge mit dunkler Haut und braunen Haaren löst sich aus der Gruppe der sechzehnjährigen. Sechzehn, so alt wie meine Schwester Lena. Ich überlege ob ich ihn vielleicht doch kenne, womöglich ist er bei Lena in der Klasse. Aber ich kann mich nicht an den Jungen erinnern, der in diesem Moment die Bühne betritt. Wir schütteln uns die Hände und als ich ihm in die braunen Augen blicke denke ich sofort, dass sie sich für immer schließen müssen, wenn ich überleben will. Ich schluck den Gedanken schnell runter, wir kommen aus einem Distrikt, wir sollten zusammenarbeiten. Aber mein Kopf ist schon auf Überleben programmiert und Sucht nach einer Strategie wie das möglich werden kann und dafür muss Tom Evens unweigerlich früher oder später sterben, wenn auch hoffentlich nicht durch meine Hand.
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