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Vertigo

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Blaine DeBeers Det. Clive Babineaux Don E. OC (Own Character) Olivia "Liv" Moore
15.11.2020
17.11.2020
3
2.918
 
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16.11.2020 1.126
 
Zu Tode gevögelt. Schlicht und ergreifend zu Tode gevögelt. Wie dämlich muss das für jemanden klingen?

Woran ist diese Person gestorben? Kann mir das einer von Ihnen sagen?

"Zu Tode gevögelt."

Und nun sollte man sich folgende Situation einfach mal vorstellen. Ein Chefarzt würde genau dies seine Medizinstudenten fragen. Die Person auf dem Obduktionstisch würde vor Charme gleich ein weiteres Mal sterben wollen.

Aber anstatt tot zu sein und genau auf einem derartigen Obduktionstisch zu liegen, blieb alles eigentlich wie gehabt, bis auf..... eine winzige Kleinigkeit, die gar nicht so unerheblich und winzig war. Vorher war man ein ganz normaler Mensch. Sah aus wie viele andere, mit ganz normalen gelüsten. Doch jetzt war man blasser als Schneewittchen es gewesen sein soll und die Haare waren noch weißer als weiß oder wie die, bei einer wasserstoffgefärbten Blondine. Und wenn all das nicht bereits schlimm genug gewesen wäre, wurde es mit dem Drang, ein menschliches Gehirn essen zu wollen, übertroffen. Aber hey, wer will sich hier beschweren? Ab sofort gab es einige Dinge weniger Leben, um die man sich zu kümmern hatte. Kein Altern mehr ebenso wenig wie Krankheiten, welche einem das Leben zuvor noch beschwert haben. Dafür hingegen sah man aus wie wandelnde Leiche. Wie der Tod selbst. Man wurde nicht krank, sah aber krank aus. Der reinste Volltreffer. Ab sofort mit dem Taylor Momsen Stil zu leben, an sich, kein Problem, bloß war es diese rapide Umstellung, von ein paar Stunden, was die gesamte Sache schlimm werden ließ.

Wie kam also dazu? Lange Gechichte.... würde man liebsten sagen, doch es stimmte nicht. Diese Geschichte war ziemlich kurz und es hätte jeder passieren können. Wirklich jeder. War es aber nicht. Es war Jeanne passiert.

Aber beginnen wir mal ganz von vorne an.





Wie konnte man den Abschluss der kleinen Schwester besser feiern als mit einem Abend in dem beliebtesten Club der Stadt? Gar nicht. Es sollte ein kleines Geschenk dafür sein, dass das Massaker bei der Max Rager Party nicht daran gehindert hat, dass Tessa ihren Abschluss machte, obwohl sie seit diesem Tag, ein wenig neben Spur schien, wie ihre Mom ständig erzählte.

Nach über eine Dreiviertelstunde anstehen in der Kälte, holten sich Jeanne und Tessa im Club als Erstes etwas zu trinken, um sich aufzuwärmen und schaute sich um. Beliebtester Club der Stadt also. Nicht Jeannes Club, was ohnehin nichts zu Bedeuten hatte, da feiern auf ihrer Spaß-Liste ganz weit unten stand. Im Augenblick schien Tessa jedoch hell auf begeistert zu sein. Keine Spur von dem depressiven Mädchen, wie ihre Mom am Telefon ständig behauptete, welches keine fünf Minuten später nach Einlass auf der Tanzfläche war  Vielen Dank fürs Stehen lasen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Typisch Tessa. Das, genau das, war typisch Tessa. Es sei ihr jedoch verziehen.

"Noch einen", mit einem Schubs ließ Jeanne ihr Glas über den Tresen zurück zum Barkeeper schlittern, hob Zeige- und Mittelfinger und verschränkte dann wieder die Arme vor Brust auf der Holzplatte, "Oder gleich zwei, dann erspare ich mir das erneute bestellen. Machen Sie einen doppelte daraus."

"Muss ein ziemlich übler Tag gewesen sein", kommentierte ein weißhaariger Mann so nebenbei Jeannes Bestellung, nippte an seinem Glas und blickte kurz ihr hinüber, "Mieser Job, vom Freund verlassen oder von ihm versetzt worden?"

"Du lebst noch. Habe ich nicht erwartet. Wird das jetzt so ein 'tun wir so, als würden wir uns nicht kennen'-Spiel?", mit dem Glas in beiden Händen drehte Jeanne sich auf dem Hocker zur Tanzfläche, schaute über die Menge und kratzte sich an der Augenbraue, als sie Tessa dort entdeckte, "Wenigstens hat eine von uns Spaß. Okay, dann spiele ich eben dein dämliches Spiel mit. Ich wurde sitzengelassen.... von meiner Schwester."

"Du musst unwahrscheinlich traurig gewesen sein. Eine Trauerkarte kam jedoch nicht", entgegnete Blaine, dem Jeanne einen nüchternen Blick schenkte und zog spöttisch eine Augenbraue hoch, "Du hast nur keinen Spaß, weil du mit den falschen Leuten unterwegs bist. Es ist wie mit einem Film. Dieser kann noch so schlecht sein, mit den richtigen Leuten jedoch, kommt es einem gleich weniger übel vor. Ergo, du bist mit der falschen Person hier."

"Der Ort bleibt immer derselbe, egal mit wem man dort ist. Ergo, wenn der Ort nichts für mich ist, wird es auch weiterhin egal sein, mit wem ich da bin", ein Schmunzeln bildete sich auf Blaines Lippen, der sein Glas leerte und dem Barkeeper zeigte, er wolle zwei neue haben und schob Jeanne eines davon hinüber, "Danke. Wie einfach das Leben einst war. Was ist es bei dir Blaine? Bei dir tippe ich gerade ganz stark darauf, dass du nicht bekommen hast, was du um jeden Preis haben wolltest. Keine Frau, nein, es hat viel mehr mit der Arbeit zu tun. Liege ich damit richtig, zumindest ein wenig?"

"Wenn du die Antwort weißt, warum fragst du?", womit Blaine Jeannes Vermutung bestätigt und somit die Sache, die sie sich ausschließlich gedacht hatte, "Wie kommst du auf deine Annahme?"

"Kerle wie du, die wegen einer Frau vermeidlich Frust schieben, suchen sich direkt eine Neue zur Ablenkung. Das dauert keine zehn Minuten. Du jedoch, beachtest keine einzige, der vielen hübschen Frauen um dich herum und dass mit keinem einzigen Blick. Was daran liegen könnte, du würdest nicht auf Frauen stehen, doch bei dem Blaine, den ich vom College kenne, käme es überraschend", ein trauriges Lächeln bildete sich auf Jeannes als sie Blaine schief betrachtete, "Deshalb tendiere eher zu zweitens. Job. Auftrag oder einen wichtigen Kunden nicht bekommen gar verloren. Frust trinken. An welcher Stelle liege ich nun richtig und womit falsch?"

"Ich war hier, um gute Laune zu bekommen Vert", erwiderte Blaine, dem Jeanne offensichtlich die anfängliche gute Laune verdorben hatte, "Wenn wir woanders hingehen, kannst du dann bitte aufhören, du zu sein? Ich weiß, Spaß ist für dich ein Fremdwort, war es schon immer, daher verliere einfach kein Wort darüber, was mit Arbeit zu tun hat."

Aus der Tasche holte Blaine mehrere Scheine, warf diese auf den Tresen, stand auf und deutete Jeanne mit einer Kopfbewegung zum Ausgang. Glaubte er jetzt ernsthaft, sie würde springen, so wie viele andere Frauen es bei ihm womöglich taten? Nein, daher blieb sie sitzen und setzte ein übertriebenes Lächeln auf, als er deswegen schnaufend die Schultern hängen. Solche Typen, wie Blaine, waren ihr die liebsten. Solche meinen immer, Frauen würde oder müssen sofort springen, wenn etwas gesagt wurde. Die Zeiten waren vorbei, wo Frauen nur zum Vergnügen der Männer da waren. Nur viele von denen, lebten noch immer in diesem Glauben, weil es noch immer einige Frauen sich so behandeln ließen.
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