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Italienische Liebe kann gefährlich sein

von Filou
GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Gen
Franco Fabiano OC (Own Character) Oliver Dreier Phil Funke
15.11.2020
31.01.2021
23
38.488
7
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24.01.2021 1.513
 
„Bora? Bist du hier unten?“, rief eine Stimme nach ihm. Der Türke saß immer noch im kleinen Putzkämmerchen und wusste nicht, wie viel Zeit schon vergangen war. Es interessierte ihn sowieso nicht. Obwohl jemand nach ihm rief, wollte er nicht aufstehen und aus seinem Versteck kommen. Hier hatte er seine Ruhe und vermutlich würde Chiara, wie er an der Stimme gehört hatte, wieder verschwinden, wenn er keinen Mucks von sich gab und sich ganz still verhielt.
„Bora? Bitte komm raus, wenn du hier unten bist. Wir machen uns schon Sorgen um dich, weil niemand dich seit fast zwei Stunden mehr gesehen hat“, rief die junge Italienerin wieder, während die Stimme schon näher klang.
Bora konnte nicht rausgehen, auch wenn er sich wunderte, dass er wirklich schon so lange hier unten saß. Aber hätte er früher geschossen, dann wären Franco und Fabian jetzt nicht weg und Chiara müsste nicht in ständiger Angst leben, dass einem der beiden etwas zustoßen würde. Er brauchte noch einen weiteren Moment für sich, denn er konnte der jungen Italienerin so nicht unter die Augen treten.
„Ich gebe dir nicht die Schuld, dass diese Typen haben fliehen können. Du hast ja nicht gesehen, dass da eine Granate unter dem Auto gelandet ist. Linus trägt auch keine Schuld, keiner von euch. Er hat dich gerettet, weil er nicht wollte, dass du verletzt wirst“, redete Chiara weiter, als wüsste sie, dass er sie hören konnte. Die Stimme der jungen Polizistin war nun ganz nahe, so als würde sie direkt vor der Türe stehen.
Bora konnte sehen, wie die Türklinke heruntergedrückt wurde, doch natürlich ging sie nicht auf. Er hatte ja abgeschlossen. Zum Glück, wie er empfand. Ein Klopfen erklang, bevor eine kurze Pause eintrat, so als würde die junge Frau horchen, ob sie etwas hören konnte.
„Mach sofort die Türe auf, oder ich trete sie ein, verdammt nochmal“, knurrte die junge Italienerin nun schon in einer ganz anderen Stimmlage, nämlich in der, wo sie es wirklich ernst meinte und das Gesagte auch machen würde.
Bora wusste von Can, dass sie bei einem ihrer ersten Einsätze, wo die Schwarzhaarige hatte eine Türe auftreten müssen, dies etwas übermütig getan hatte. Die massive Türe war nämlich aus den Angeln geflogen, weil sie so fest zugetreten hatte und erst noch ein Gespür hatte finden müssen, mit wie viel Kraft sie so etwas machen müsste.
Seufzend stand Bora auf und trat auf die Türe zu, die er nur widerwillig aufschloss. Als er die Türe nach innen aufzog, sah er, dass Chiara sich schon für einen Kick bereitgemacht hatte, was ihn zu einem schwachen Lächeln bewegte.
„Na endlich, ich hätte auf ernst gemacht“, murmelte sie leise. Ihre Augen waren immer noch gerötet vom Weinen, doch sie schien sich zusammenzureißen, damit diese Typen gefasst werden konnten. „Was gibt es?“, wollte Bora seufzend wissen und fuhr sich mit den Händen fahrig durchs Gesicht. „Du warst unauffindbar und wir haben uns Sorgen gemacht, weil du, ohne ein Wort zu sagen, verschwunden bist“, meinte sie, während Aksu einer Musterung unterzogen wurde.
„Alles okay, mir geht es gut. Ich habe einfach etwas Zeit für mich gebraucht, mehr nicht“, beruhigte er die Jüngere, welche nickte. „Kommst du mit hoch?“, wollte sie von ihm wissen, was er mit einem Nicken bestätigte. Gemeinsam gingen sie durch den Keller zur Treppe, die sie hochstiegen. Als sie in den Gemeinschaftsraum eintreten wollten prallte Chiara jedoch gegen Linus, der gerade hinauswollte. Keiner konnte genügend schnell reagieren, weshalb die junge Italienerin zurückstolperte, worauf sie schließlich hinfiel. Dabei knallte ihre Kleeblattkette auf eine Bankecke, während die Schwarzhaarige nur haarscharf daran vorbeisegelte.
„Alles okay?“, fragten Linus und Bora zugleich, doch Chiara winkte nur lächelnd ab. Ihr ging es gut und das würde höchstens einen blauen Fleck geben. Jedoch fiel ihr Blick auf ihre geliebte Kette, die in der Mitte durchgebrochen war. Traurig hob sie die Überreste auf, als ihr etwas auffiel. Die Hälfte, die noch an der Kette hing, war ein USB-Stick. Verwundert sah sie zu den beiden Kriminalkommissaren, die ihr aufhalfen.
„Lass uns den mal mit meinem Laptop verbinden“, meinte Linus. Die drei gingen zu ihren Kollegen in den Gemeinschaftsraum, welche sich neugierig um sie scharrten, als Chiara ihre Kette mit dem Laptop verband. Haje klickte auf das Kleeblattzeichen, dass für den Stick auf seinem Desktop erschienen war. Eine Karte öffnete sich, wo man zuerst die Welt sah, doch dann zoomte es automatisch näher, so dass man Deutschland, dann Duisburg und zum Schluss zwei Punkte erkennen konnte, die sich beide innerhalb der Stadtgrenzen befanden. Linus zoomte bei einem Punkt noch näher, damit man die Straßennamen erkennen konnte. Der rot leuchtende Punkt befand sich genau dort, wo sie waren, also auf der Wache.
„Zeig mal den anderen Punkt“, bat Hans plötzlich aufgeregt. Wortlos tat Linus, wie ihm geheißen. „Das ist die Sechs-Seen-Platte und hier vorne ist der Punkt, genau bei diesem Haus“, meinte Fröndenberger hektisch. „Was ist los?“, wollte Norbert von seinem Kollegen wissen.  
„Linus du hast doch erzählt, dass Franco die gleiche Kette hat wie Chiara, oder?“, sprach der Kriminalkommissar immer noch in Rätseln. „Ja, aber würdest du jetzt bitte mal Klarte... oh, natürlich! Ich Dummkopf“, murmelte Haje und schlug sich mit der Hand gegen die Stirn, während die anderen immer noch unschlüssig zwischen den beiden hin und hersahen.
„Ich habe die Vermutung, dass die beiden Ketten sich orten können und das dieses Haus bei den sechs Seen der Ort ist, wo Franco und Fabian gefangen gehalten werden“, erzählte Hans aufgeregt und offenbarte damit seine Gedankengänge.
Einen Moment lang verdauten alle diese neue Erkenntnis, doch dann ging es schnell. Bora alarmierte das SEK, das nun endlich Zeit hatte, Norbert beorderte zwei Rettungswagen dorthin, die sich jedoch im Hintergrund halten sollten und auch noch zwei Notärzte, da niemand wissen konnte, wie die Zustände der beiden waren. Der Rest legte die schusssicheren Westen an und prüfte den Sitz ihrer Waffen.
„Lasst uns mitkommen, bitte“, flehte Chiara Hans an, der sichtlich mit sich rang. Er konnte sehen, wie Omar nervös seine Finger knetete und auf seine Antwort abwartete. „Wenn ihr mir versprecht, dass ihr im Auto bleibt, bis wir sagen, dass ihr rauskommen könnt“, forderte Fröndenberger, worauf beide brav nickten.

Fabian beendete seine Erzählung über Chiara, während er immer noch selig vor sich hinlächelte. „Sie scheint ja ganz schön Energie dabei zu haben, was?“, grinste Franco. „Wir haben immer gesagt, typisch Italienerin halt. Aber es stimmt, dass sie immer mit vollem Ehrgeiz dabei ist“, lächelte Köster schwach, als ein Zittern durch seinen Körper ging.
„Halt noch etwas durch, gib nicht auf!“, spornte der Italiener ihn an, während ihm erst jetzt die langsam herankriechende Kälte auffiel. Als Franco probehalber eine seiner blutverschmierten Hände von der Wunde nahm, sah er, dass sie nur noch ein bisschen blutete.
Fabiano setzte sich so hin, dass der zitternde Fabian sich an ihn anlehnen konnte, damit Franco ihm etwas Wärme geben und gleichzeitig die Wunde abdrücken konnte. „Versprich mir, dass du die Augen offenlässt“, forderte Franco, als Fabian seinen Kopf auf seiner Schulter abgelegt hatte und zitternd einatmete. „Versuche es“, nuschelte der Schwarzhaarige leise und erschöpft. Sein Magen knurrte in die Stille hinein und seine Kehle fühlte sich wieder viel trockener an.
„Deine Kollegen werden uns sicherlich bald finden, da bin ich sicher“, sprach Franco dem Jüngeren gut zu und versuchte zuversichtlich zu klingen, auch wenn die Situation ziemlich ausweglos erschien. Innerlich betete er, dass bald jemand kam, denn Fabian brauchte dringend medizinische Versorgung und vor allem musste man darauf achten, dass die Schusswunde sich nicht durch den ganzen Dreck entzündete, denn dann würde der Polizist noch weniger lange durchhalten. Sicherlich würde man Fabian im Krankenhaus noch eine Blutkonserve anhängen, denn obwohl sie die Wunde so gut wie möglich abgedrückt hatten, hatte der Polizist Blut verloren.
Ein lauter Knall ließ die beiden zusammenzucken. Fabian krallte sich etwas an Franco, der den Druck auf die Wunde weiterhin ausübte, jedoch gebannt lauschte und immer wieder zur Türe sah. Schreie ertönten und auch der eine oder andere Schuss fiel, während es immer wieder krachte, so als würden Möbel zu Bruch gehen.
„S-Sind das... m-meine Kollegen?“, nuschelte Fabian, während ihm immer wieder die Augen zufallen wollten. „Ich weiß es nicht, aber wir können nur warten und hoffen“, flüsterte Franco zurück, während er weiterhin zur Türe sah.
„Wie geht es mit den Schmerzen?“, wandte er sich irgendwann wieder an den Jüngeren. „Geht so“, murmelte dieser erschöpft, als ihm auch schon die Augen zufielen. „Hey, Augen auf Fabian!“, befahl Franco sofort und wurde immer verzweifelt, als der Polizist nicht mehr auf seine Ansprachen reagierten und auch, als er etwas an ihm rüttelte wurde er nicht wach.
„Accidenti!“, fluchte Franco unruhig, als ein Schlüssel ins Schloss gerammt wurde. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen wurde die Türe aufgestoßen und Fabiano hatte schon Hoffnungen, dass es Leute von der Polizei waren, die sie retten würden. Die Hoffnung auf Rettung platzte jedoch so schnell wie eine Seifenblase, die man berührte.
Lorenzo stand mit wutverzerrtem Gesichtsausdruck da und stürmte auf ihn zu. „Ich lasse nicht zu, dass du überlebst! Das hast du nicht verdient“, schrie der Italiener ihn an, hob seine Waffe und schoss.
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