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Italienische Liebe kann gefährlich sein

von Filou
GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Gen
Franco Fabiano OC (Own Character) Oliver Dreier Phil Funke
15.11.2020
31.01.2021
23
38.488
7
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Dieses Kapitel
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20.01.2021 1.543
 
Phil hatte Oliver wieder mit zu sich genommen, nachdem er von den Ärzten entlassen worden ist. Vielleicht physisch war der sonst so fröhliche Notarzt anwesend, aber psychisch nicht. Ab und an konnte Funke ein leises Seufzen vom anderen hören. Schlafen und essen tat Dreier kaum noch. Phil musste ihn regelrecht dazu zwingen, auch wenn er es nicht gerne tat, doch er wollte nicht, dass sein Kumpel verhungerte, denn er hatte immer noch die Hoffnung, dass er vielleicht irgendwann über den Schmerz hinwegkam oder zumindest ein wenig.
Der Dienststellenleiter hatte ihm frei gegeben, damit er sich um Oli kümmern konnte und so hatte Phil seinen Kumpel erst heute wieder zu einem Psychologen mitgenommen, damit er mit diesem reden konnte, doch Oliver verschloss sich vor jeder Person außer ihm manchmal. Ab und an suchte Dreier von sich aus Trost bei Funke, doch dann war Phil natürlich immer für seinen Notarztkollegen da.
Omar hatte sich gestern gemeldet und Oli geschrieben, dass sein Kumpel aufgrund eines Überfalls auf ihn im Krankenhaus lag und er deshalb nichts hatte von ihm über Franco erfahren können. Oli hatte nur wieder geseufzt und war noch mehr in sich zusammengesackt. Seine Tränen waren schon versiegt, denn er hatte sie alle geweint.
„Komm, wir gehen etwas in den Park und schnappen frische Luft“, schlug Phil vor, obwohl er Olivers Antwort kannte. „Nein, ich habe keine Lust“, kam nur abweisend zurück. „Keine Widerrede, du kommst jetzt mit“, knurrte Funke ungehalten, packte seinen Kumpel an den Armen und zog ihn auf die Beine. „Ich will aber nicht! Also lass mich in Ruhe!“, schnauzte Oli, riss sich los und ließ sich zurück auf aufs Sofa fallen. Demonstrativ verschränkte Dreier die Arme und schaute Phil herausfordernd an.
„Ach Oli, Franco hätte nicht gewollt, dass du in Trauer versinkst. Er hat es sogar noch geschrieben und gesagt“, versuchte der Schwarzhaarige eine neue Strategie, während er sich neben seinen Kumpel setzte.
„Franco ist nicht mehr hier und er wird es auch nie mehr sein!“ schrie Oli, bevor er herzzerreißend aufschluchzte und sich gegen Phil fallen ließ. Dieser legte vorsichtig einen Arm um seinen Notarztkollegen.
„Franco wird für immer bei uns sein. Schließ deine Augen und höre auf dein Herz. Dort hast du die wichtigsten Erinnerungen an Franco eingeschlossen“, murmelte Funke beruhigend, währendem er mit seiner Hand die von Oli nahm und auf dessen Herz legte.
Tatsächlich konnte er mitansehen, wie sein Kollege die Augen schloss und tief durchatmete. Irgendwann schlich sich ein leichtes Lächeln auf sein Gesicht. „Was siehst du?“, wollte Phil ruhig wissen.
„Weißt du noch als Franco am ersten April allen Jungs und Mädels von der Feuerwehr Schlagsahne in die Helme gesprüht hat und die sie dann auch angezogen hatten, als sie losmussten? Die Gesichter waren unbezahlbar und Franco hatte kaum noch aufhören können zu lachen und wäre beim nächsten Alarm fast in einen Baum gefahren, weil er sich immer noch gekringelt hat beim Fahren. Denno hat ihm noch gedroht, dass er das zurückbekommen würde. Als wir nach mehreren aufeinanderfolgenden Einsätzen dann zur Wache zurückgekehrt sind, hat Denno uns zwei Kaffees hingestellt. Franco hat die Drohung schon wieder vergessen gehabt. Mein Kaffee war normal, aber bei Francos heiligem Kaffee hatten sie zwei Esslöffel Salz reingetan. Danach haben sie ihn ja in die Duschräume geschliffen und mit eiskaltem Wasser zuerst nassgemacht, bevor sie ihm Mehl und Federn angeworfen haben“, grinste Oli breit, während er an einen der besten Momente nochmals so nah vor Augen hatte, als würde es gerade passieren. Franco in Einsatzkleidung, klitschnass und voller Mehl und Federn.
Langsam öffnete Dreier die Augen, umarmte seinen Kumpel. „Danke, danke für alles Phil. Du hast recht, ich darf nicht aufgeben, sondern muss nach vorne sehen, für Franco“, flüsterte Oli in sein Ohr, was ihn breit grinsen ließ. „Du kommst also mit raus und hörst auf hier drin zu versauern?“, fragte Phil vergewissernd, worauf Oliver fest nickte.


„Lass Fabian in Ruhe Lorenzo. Er hat damit nichts zu tun“, knurrte Franco den Mann an, welcher mit seiner Waffe auf Köster zielte. Schwankend stand Fabiano auf und brauchte einen Moment, bis alles aufgehört hatte zu drehen. Mutig trat er einen Schritt vor, so dass er sich direkt in die Schusslinie stellte, damit Lorenzo ihn und nicht den schwarzhaarigen Polizisten treffen würde.
„Hast du wirklich gedacht, dass ich ihn freilasse?“, lachte der Maskierte. Die anderen seiner Gefolgsleute hielten sich im Hintergrund auf. „Nein“, meinte Franco nur schlicht, „dafür hast du zu wenig Herz.“ – „Pass auf, was du sagst, du hast ja schon einmal nicht auf meine Forderungen gehört“, knurrte Lorenzo bedrohlich und trat näher auf Franco zu. „Dann hättest du das Paket nicht auf eine Polizeiwache bringen sollen, denn es ist deren Beruf solch miese Leute wie dich hinter Gitter zu bringen.“
Dieses Mal war Franco zu weit gegangen. Mit einer blitzschnellen Bewegung hatte Lorenzo Franco mit seiner linken Hand am Hals gepackt und drückte erbarmungslos zu. Fabiano konnte nur ein erschrockenes Aufjapsen von sich geben, während er verzweifelt an der Hand des anderen zerrte. „Lass ihn los! Er kriegt ja keine Luft mehr!“, schrie Fabian, doch auf einen Wink von Lorenzo, landete auch schon eine Faust in seinem Gesicht, so dass er von seiner sitzenden Position auf den Rücken knallte.
„Lass... ihn... i-in... Ruhe... hat... n-nichts... damit... zu t-tun“, röchelte Franco atemlos, während er immer wieder versuchte nach Luft zu schnappen. „Dann hättest du den Sprung niemals überleben sollen“, knurrte Lorenzo wütend und schleuderte ihn zweien seiner Leute zu, die seine Arme festhielten. Keuchend holte Franco Luft, damit sich die schwarzen Punkte vor seinen Augen wieder auflösten, was nach und nach gelang.
Fabian hatte sich gerade benommen wieder auf die Knie aufgerappelt und wischte sich etwas Blut aus dem Mundwinkel. Franco musste mitansehen, wie Lorenzo einen seiner Männer auf Köster eintreten und -schlagen ließ.
„Nein, hör auf! Tut ihm nichts, er hat damit nichts zu tun! Ich trage allein die Schuld“, schrie Franco hysterisch, doch Lorenzo lachte nur sein schauriges Lachen, während der Mann weiter auf Fabian einprügelte, der mit der Bewusstlosigkeit kämpfte.
Die meisten Tritte und Schläge hatte Fabian gegen die Brust und den Kopf erhalten. Zuerst hatte er versucht sich mit seinen Händen zu wehren, jedoch konnte man seinen rechten Arm nicht wirklich brauchen wegen seiner Schnittwunde.
Also hatte der junge Polizist noch versucht wegzukriechen, doch nachdem er an der Wand angekommen war, hatte er nicht mehr weiter zurückweichen können. So war er irgendwann in einen Trancezustand gefallen, indem er die Schmerzen größtenteils hatte ausblenden können. Fabian bekam nicht viel mit, während er mit geschlossenen Augen darauf wartete, dass endlich alles aufhörte und der andere von ihm abließ.
„Dein Glück, dass ich euch beide noch als Druckmittel gebrauchen kann, sonst hätte ich ihn wegen deiner Dummheit getötet, Franco.“ Seinen Namen spie Lorenzo nur so aus, jedoch atmete Fabiano hörbar auf, als der Mafiatyp dem, der auf Fabian einprügelte, sagte, dass er aufhören sollte.
„Ach, und damit du meine Drohung auch wirklich ernst nimmst“, knurrte Lorenzo, richtete seine Waffe auf Fabian und drückte ab. Fabians schmerzverzerrter Aufschrei ließ Francos Wut wieder hochkochen.
„Nein! Du herzloser Mistkerl! Wieso hast du das getan?“, schrie Franco ihn voller Wut an, als er von den beiden Männern weggeschubst wurde, so dass er zu Boden fiel. Sofort kroch er jedoch zu Köster, der wimmernd an der Wand lehnte und verzweifelt seine Hände auf seinen rechten Oberschenkel drückte, wo das Blut schon den ganzen Stoff durchtränkte.
Im Hintergrund ging die Türe wieder zu und jemand schloss ab, doch das interessierte Franco nicht. „Hey, Fabian! Sieh mich an! Du musst wachbleiben, du darfst nicht einschlafen, hörst du?“, redete Fabiano ruhig, aber bestimmt auf den Jüngeren ein, welcher schwach nickte. Fabians Gesicht war voller Blut und Hämatomen. Die Haut um beide Augen war angeschwollen und hatte eine dunkelviolette Färbung schon angenommen.
„Zeig mir die Wunde“, bat der Sanitäter. Vorsichtig nahm Fabian seine Hände von der Wunde. Zuvor hatte er in einer Mischung aus Verzweiflung und Angst krampfhaft draufgedrückt. Die Schusswunde war an der Außenseite seines Oberschenkels, jedoch quoll sofort wieder mehr Blut aus der Wunde. „Tiefe Fleischwunde, Schuss nicht drin, zum Glück“, murmelte Franco leise, bevor er Fabians Hände nahm und wieder auf die Wunde legte.
„Weiterhin fest draufdrücken. Ich will dich noch auf weitere Verletzungen abtasten“, meinte der Sanitäter. Normalerweise lagen seine Patienten, wenn er sie abtastete, doch dann würde Fabian die Schusswunde nicht mehr abdrücken können. Spezielle Situationen, forderten halt Kreativität.
Geübt taste Franco den Polizisten ab, der vor allem beim Brustkorb schmerzvoll zischte oder wimmerte. Als Fabiano den Pullover des anderen anhob, sah er auch wieso. Über die linke Seite machte sich schon ein riesiges Hämatom sichtbar.
„Da ist sicherlich was angeknackst und gebrochen“, kommentierte der Italiener besorgt. „In diesem Rattenloch kann man sowieso nichts machen“, murmelte Fabian trübe. „Hey, wach bleiben!“, befahl Franco ihm sofort, der Polizist die Augen schließen wollte. Mit einiger Anstrengung schaffte dieser sie jedoch wieder zu öffnen.
„So ist gut. Red mit mir, erzähl mir etwas über Chiara. Ich will wissen, wie sie sich als Polizistin macht.“ Franco interessierte dies wirklich, aber so konnte er gleichzeitig auch Fabian von den Schmerzen und der Müdigkeit ablenken.
Der Italiener hatte Kösters Hände von der Wunde weggenommen, um selber darauf zu drücken. Ein dickes Grinsen hatte sich schon wieder ins Gesicht des Polizisten geschlichen, als er an Chiara denken musste.
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