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Italienische Liebe kann gefährlich sein

von Filou
GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Gen
Franco Fabiano OC (Own Character) Oliver Dreier Phil Funke
15.11.2020
31.01.2021
23
38.488
7
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Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
15.11.2020 1.616
 
Hey ihr da draussen:D
Schön, dass ihr euch hierher verirrt habt. Diese Geschichte habe ich vor allem im Lockdown im Frühling geschrieben, aber irgendwie habe ich immer vergessen sie hochzuladen xD Also was für einen Rhythmus wünscht ihr euch? Wie oft soll ich die Kapitel hochladen?
Nicht erschrecken über das erste Kapitel;)
LG Noemie
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Mit einem flüchtigen Morgengruß sah sich der Notarzt Oliver Dreier im Raum um, doch die von ihm gesuchte Person war nicht anwesend. „Ist Franco schon hier?“, wollte er nervös wissen, aber vielleicht war sein bester Freund auch nur in den Umkleiden oder auf der Toilette. Ein einstimmiges Kopfschütteln von Phil, Omar, Micha, Marion, Jacky, Dustin, Ben und Denno ließ den Notarzt lautstark fluchen.
„Was ist los? Ist etwas mit ihm?“, sprach Denno die Frage aus, welche auch allen anderen auf der Zunge lag. „Ja, ... nein, ... ich weiß nicht, das will ich aber herausfinden. Er ist schon seit einer Woche komisch“, nuschelte Oli nervös, während er durch den Raum tigerte. „Das ist mir auch aufgefallen. Er sagt kaum etwas und sieht sich andauernd um, als würde er sich beobachtet fühlen. Aber er was am meisten auffällt ist, dass er anscheinend kaum schläft, da er fast durchgehend einnickt bei den Schichten“, warf Phil nachdenklich ein, der drei Tage lang mit dem Italiener Schicht gehabt hatte. Oli hatte die anderen vier Tage mit ihm gehabt.
„Das ist doch nicht mehr normal. Da ist irgendetwas im Busch, oder weiß einer von euch mehr“, hackte Oli nach und fixierte jeden kurz, doch alle schüttelten wieder ihre Köpfe. Ihnen war auch aufgefallen, dass ihr Kollege sich nicht normal benahm, aber Franco hatte alles immer auf den Schlafmangel geschoben, den er angeblich hätte.
Schritte ertönten, dann kam Dominik mit einem Stapel Briefen rein. „Oli, da ist einer für dich dabei“, meinte der Feuerwehrmann und reichte dem Notarzt einen Briefumschlag weiter. Zögerlich nahm dieser in und drehte ihn auf die Rückseite. Feinsäuberlich stand Oliver Dreier geschrieben. Fast hätte er ihn fallen gelassen, da er sofort Francos Handschrift erkannte.
Schnell öffnete er den Umschlag und entnahm ein gefaltetes Blatt. Den Briefumschlag ließ er achtlos auf den Boden fallen. Er spürte die Blicke aller auf sich ruhen, als er mit zitternden Fingern das Blatt entfaltete. Oli hatte Angst davor, was ihn gleich erwarten würde. Innerlich versuchte er sich zu beruhigen und tief durchzuatmen, doch sein Bauchgefühl ließ den Notarzt nichts Gutes erahnen. Langsam begann Oliver zu lesen.

Lieber Oli,
Ich habe einen Fehler begangen, denn ich nicht wieder rückgängig machen kann. Genau heute vor 21 Jahren ist das geschehen, was nie hätte passieren dürfen. Ich habe mich verliebt in eine bezaubernde Italienerin, aber gleichzeitig habe damit ich ihren Tod besiegelt. Sie war nicht nur eine normale junge Frau, sondern die Verlobte von jemanden, den du besser niemals kennenlernst. Doch sie hatte ihn nicht geliebt. Ich wollte mit ihr abhauen und sie mit nach Deutschland nehmen, jedoch hat sie am Tag der Abreise Angst bekommen und mir gesagt ich solle gehen, damit ihr Verlobter mir nichts antun würde. Schweren Herzens bin ich ohne sie abgereist. Trotzdem ist unser Kontakt nie abgebrochen. Jeden Tag haben wir miteinander geschrieben, auch wenn es nur ein Smiley war.
Sie hat geheiratet, doch es war keine glückliche Ehe. Ihr Mann hat sie als seine Trophäe gesehen, da war keine Liebe im Spiel. Ich habe sie immer wieder zu überreden versucht, dass sie sich helfen lässt hierhin zu kommen, doch ihre Angst war zu groß.
Ich weiß, dass du und die Kollegen gemerkt haben, dass ich mich komisch verhalte, doch meine große Liebe ist vor einer Woche getötet worden. Ihr Verlobter hat herausgefunden, dass sie und ich eine Affäre hatten und unser Kontakt nie abgebrochen ist. Er hat sie getötet aus Eifersucht und weil ich sie nicht habe gehen lassen.
Ich kann nicht mehr damit leben, dass wegen mir eine Frau, meine große Liebe, gestorben ist. Ich habe es versucht, doch es geht nicht mehr. Diesen Tag habe ich mir ausgesucht, damit alles, was begonnen hat, am gleichen Tag wieder aufhören kann. Jeder Kreis hat weder Anfang noch Ende, deshalb soll es auch hier ein Kreis werden.
Folge mir nicht, denn ich werde nicht mehr erreichbar sein. Lebe dein Leben und lass mich gehen. Du und die Kollegen seid die besten Leute, die ich je treffen durfte. Macht weiter und lasst mich ziehen.
Alles Liebe,
Franco


„Nein, nein, nein, nein!“, murmelte Oli mit erstickter Stimme, als er zurückstolperte und Dominik ihn stützen musste. Den Brief hatte er fallen gelassen. Phil hob ihn auf und überflog ihn kurz. Sofort wurde er kalkweiß und auf das Drängen der anderen Anwesenden stammelte er ein paar Worte: „Franco... er will Suizid begehen.“ Auf einmal ging es schnell. Phil schnappte sich Oli und schrie im Laufen noch zurück: „Omar, Ben, Micha mitkommen. Dustin mach uns einen Einsatz auf und hol für Oli einen Ersatz!“
Die fünf rannten die Treppen runter, während Phil sich das Telefon ans Ohr hielt. „Klaus, keine Fragen. Orte Francos Handy... JETZT! Und schick noch eine Streife an den Ort. Suizidvermutung... Hohenzollernbrücke? Danke.“ Schon saß er auf dem Beifahrersitz des NEF. Omar war am Steuer und Oli auf der Rückbank. Mit Blaulicht rasten sie sofort durch Köln. Das Martinshorn getrauten sie sich nicht einzuschalten, denn sie wollten Franco nicht vorwarnen, falls er noch leben würde.
Die ganze Fahrt über betet Oli, dass es noch nicht zu spät war und sie Franco noch aufhalten konnten, falls er den Brief heute Morgen eingeworfen hatte und nicht schon in der Nacht. Innerlich zog sich alles in ihm zusammen. Er machte sich große Vorwürfe, dass er seinen Freund nicht besser gekannt hatte, damit er die Anzeichen erkannt hatte.
Kaum hatte Omar, dass NEF angehalten, sprangen die drei schon raus. Oli zuvorderst rannten sie durch die Morgendämmerung auf die Brücke zu. Tatsächlich konnten sie in der Mitte jemanden erkennen, jedoch auf der anderen Seite des Geländers. Beim Näherkommen konnten sie den Italiener anhand der schwarzen Jacke, welche er so gern anhatte, erkennen. Im Moment war sie locker um seinen Bauch gebunden. Das Gesicht streckte Franco der aufgehenden Sonne entgegen, als würde er sie noch ein letztes Mal spüren wollen.
„Franco tu‘s nicht“, rief Oli ihm verzweifelt zu, als er nur noch fünf Meter entfernt war. Angesprochener wendete den Kopf etwas zu seinen Kollegen zu, so dass sie sein verweintes Gesicht sehen konnten. Er warf einen weiteren Blick ins Wasser unter ihm. Der Italiener stand nur noch mit den Fersen auf der Brücke, während seine Hände sich verkrampft am Geländer festhielten.
„Bitte Franco, wir können dir helfen, lass uns zu dir kommen und wir reden über alles. Ich kenne dich und ich weiß, dass du niemals einen Menschen töten würdest. Du trägst keine Schuld daran, dass diese Frau tot ist. Ich bin mir sicher, sie will, dass du weiterlebst“, redete Oliver auf seinen Kumpel ein, während er sich Stück für Stück vorwagte. Er versuchte zuversichtlich zu sein und seine Tränen zu unterdrücken.
„Verschwinde. Du verstehst das alles nicht“, schluchzte der Italiener erstickt, während er Ben dabei beobachtete, wie er auf die andere Seite von ihm ging. Er kannte dieses Spiel, Ben würde ihn von hinten packen wollen und auf die andere Seite des Geländers ziehen. Ein weitere Blick nach unten, bevor Fabiano wieder zu seinen Kollegen sah.
„Es tut mir leid. Werdet glücklich“, murmelte er, dann ließ er das Geländer los und ließ sich nach vorne fallen. „NEIN!“, von weit her hörte Oli sich schreien, als er nach vorne zum Geländer stürzte, genau, wie seine Kollegen. In Zeitlupe sah er Franco fallen immer weiter, bis das Wasser in verschluckte und er nicht mehr auftauchte.
Oli war drauf und dran seinem besten Freund hinterher zu springen, doch Ben zog den Notarzt bestimmt, aber trotzdem noch sanft weg, bis Dreier schließlich in den Armen des Sanitäters weinend zusammenbrach. Ben sprach ruhig auf Oli ein, während er ihn umarmte und ihm versuchte beizustehen. Auch er spürte, wie sich die Tränen in seine Augen bahnten, doch noch schlimmer war die plötzliche Leere, welche in erfüllte. Er konnte kaum noch klar denken. Wieso hatten sie die Anzeichen nicht bemerkt? Sie waren doch eine Familie, wo alle auf einander aufpassten. Hatten sie versagt?
Phil war währenddessen mit Omar, Micha und den beiden dazugekommenen Streifenbeamten Hannah und Florian am Ufer entlang ein Stück runter gerannt. Gleichzeitig hatte Omar noch die DLRG alarmiert. Doch vom Land aus konnten sie nichts sehen, kein herumtreibender Körper einfach nichts.
„Das bringt nichts“, murmelte Phil, da Francos Körper sehr wahrscheinlich schon weggeschwemmt worden war, da der Rhein ein bisschen zügiger unterwegs war und sie von der Brücke hatten runterrennen müssen, damit sie ans Ufer kamen.
Schon bald waren vom DLRG mehrere Boote flussabwärts unterwegs und auch Taucher wurden eingesetzt, doch nichts war gefunden worden. Kein Lebenszeichen ihres Kollegen und Freundes war zusehen. An alle DLRG, Polizei- und Rettungswachen flussabwärts wurde die Meldung nach einer vermissten Person herausgegeben.
Phil und sein Team gingen wieder zurück zu Oli, der immer noch Halt bei Ben suchte, der ihn nur wortlos im Arm halten konnte. Hoffnungsvoll sah der Sanitäter auf, als die Kollegen kamen, doch die düsteren Gesichter versprachen nichts Gutes. „Nichts“, murmelte Funke leise, aber alle wussten sofort, dass sie sich nicht zu viele Hoffnungen machen durften.
„Hey, Oli. Willst du nicht mir zum RTW kommen?“, versuchte der Notarzt seinen Kollegen zum Mitkommen zu bewegen, während er sich unauffällig einer Träne wegwischte. Weitere Schluchzer in Bens Jacke, waren die Antwort, aber ansonsten kam keine Regung. Egal, was Phil versuchte, er konnte Oli nicht dazu bewegen mitzukommen. Er war in seiner eigenen Welt gefangen. „Könnt ihr bitte die Trage holen?“, bat der Notarzt Micha und Omar mit zittriger Stimme. Die beiden nickten und trotteten mit hängenden Köpfen zum RTW zurück.
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