Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / K-Pop / BTS / Foolish

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Foolish

von Atelier
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Jimin V
15.11.2020
24.08.2021
11
51.547
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23.07.2021 4.003
 
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Die Bombe platzt...




„Du stirbst, verdammte Scheiße, Jimin, und du hast verdammt nochmal nichts davon erzählt?“ Taehyungs Stimme war laut und tief, schnitt quer durch den Raum und ließ Jimin geschockt einen Schritt zurücktreten. Die Stimmen im Wohnzimmer verstummten.


„Taehyung-“


„Was ist mit Bronchitis passiert? Was ist mit Oh TaeTae, mir geht es besser, ich brauche nur etwas Zeit passiert?!“ Seine Imitation von Jimin war hässlich und kalt, teilnahmslos gegenüber den blassen, schockierten Gesichtern ihrer Freunde hinter Jimin.


„Jimin… Was ist los?“ ,fragte Hoseok schwach und griff nach Yoongis Hand. Angesprochener drehte sich überrascht um und öffnete den Mund, um zu antworten, aber Taehyung unterbrach ihn.


„Zwei beschissene Monate. Zwei Monate und wie lange?“ Taehyung schnappte sich das Blatt und überflog es. „Vor zwei Wochen. Du hast vor zwei Wochen herausgefunden, dass du sterben wirst, und du hast es uns allen vorenthalten?! Mir vorenthalten?!“ Er warf das Dokument zurück aufs Bett und trat in seiner Wut gegen Jimins Beutel. Seine Hände griffen in seine Haare, als er sich nach vorne beugte und fest auf seine Lippe biss.


„Du verstehst nicht-“


„Oh, dann erzähl’s mir. Ich versteh rein gar nichts.“ Taehyung richtete sich auf und stand plötzlich direkt vor Jimin, der ängstlich einen zweiten Schritt zurückmachte. „Was ich aber verstehe, ist, dass du ein verdammter Lügner bist, Park Jimin. Wir kannst du mir so etwas vorenthalten? Und den Jungs? Ich kann’s nicht glauben.“ Er lachte höhnisch auf.


„Hyung, beruhige dich für einen Moment.“ Jungkook hatte sich mit erhobenen Händen an den anderen vorbeigeschoben, als würde er sich einem wilden Tier nähern. Taehyung drehte sich zu ihm, die Augen unnahbar und kalt. „Atme- Atme ganz ruhig durch und beruhige dich. Lass es Jimin-hyung erklären.“


Taehyung schien etwas zu verstehen und seine Augen weiteten sich, als sie zwischen Jimin und Jungkook hin und her sprangen. Seine Stimme ließ die Zeit einfrieren und es war so eisig, als er sprach: „Du wusstest es. Jungkook wusste es. Oder nicht?“


„Hyung, ich-“


„Taehyung, er hat nichts damit zu tun!“


Taehyung wandte sich an den Kleineren. „Wusste er es oder nicht?“ Jimin biss sich auf die Lippe und sah weg, als Jungkook anstelle seiner antwortete.


„Ja, das habe ich. Ich war an diesem Tag bei ihm, als du ihn nach seiner Untersuchung angerufen hast und er betrunken klang.“


„Untersuchung…“ ,flüstere Namjoon mit zitternden Händen, die ins Nichts griffen.


„Du warst bei ihm.“ ,wiederholte Taehyung leise. „Und du wusstest alles?“


„Ja.“


Es gab eine verschwommene Bewegung und ein widerliches Knacken. Alle schrien gleichzeitig. Seokjin und Namjoon hielten Taehyung fest, die Haut an seinen Knöcheln war aufgerissen und Jungkook lag blutend auf dem Boden. Jimin sah entsetzt zu und konnte nicht glauben, dass sein bester Freund Jungkook gerade in Gesicht geschlagen hatte. Hoseok hockte neben dem Jüngeren, dessen Lippe aufgeplatzt war, und fragte, ob es ihm gut ginge und ob er Eis brauchte. Yoongi stand zwischen Taehyung und Jungkook, die Arme nach beiden ausgestreckt.


Mit Tränen in den Augen schrie Jimin: „Halt! Alle, sofort aufhören!


Zu seiner Überraschung hielten alle sofort inne. Augenblicklich fing er an zu husten und knickte ein. Yoongi war plötzlich bei ihm und wollte nach ihm greifen, als das Blut herausspritzte. Es bedeckte Jimins Hände, während er würgte und Blütenblätter von seinen Handflächen zu Boden tropften. Die Zeit im Raum schien eingefroren zu sein, niemand bewegte sich, bis Yoongi wieder zu Sinnen kam und dem Jüngeren auf den Rücken schlug. Jimin wand sich unter seiner Berührung und krabbelte immer noch würgend vorwärts, um mit zitternden Händen nach seinem kleinen Mülleimer zu greifen. Er zog ihn gerade noch rechtzeitig zu seinem Gesicht, als er einen komischen Klumpen ausspuckte.


Nach ein paar Augenblicken war es vorbei. Jimin konnte nicht von der vollen Blüte wegsehen. Er weinte leise und legte die Stirn auf den Rand des Mülleimers.


„Ich hole ein Handtuch.“ ,murmelte Jungkook, stand schwerfällig auf, verschwand im Badezimmer und kehrte mit einem feuchten Waschlappen und einem Handtuch zurück. Er drückte sich an den anderen vorbei und wirkte auf einmal reifer und älter, als er eigentlich war. „Hier, Hyung.“ ,sagte er leise und Jimin weinte heftiger über die Zärtlichkeit in seinem Gesicht. Als er sich nicht bewegte, setzte Jungkook sich zu ihm und säuberte die Stellen seines Gesichts, die mit Blut verschmiert waren. „Komm schon Hyung, du weißt, dass es schlimmer wird, wenn du aufgebracht bist. Atme tief ein, okay?“


Jimin versuchte seine Atmung zu beruhigen, setzte sich ein wenig auf und spuckte in den Mülleimer. Er riskierte einen Blick auf seine Freunde, deren Gesichter allesamt aschfahl waren. Yoongi sah fassungslos zwischen Jimin, seinen Händen und dem Mülleimer hin und her. „Es tut mir leid, Hyung.“ ,flüsterte Jimin mit heiserer und kratziger Stimme und sah das Chaos auf seinem Shirt. „Du- Du kannst dir eines von meinen nehmen.“ Er nickte zu seinem Schrank, bevor er langsam den Waschlappen nahm, sich Mund und Nacken abwischte und sein Bestes tat, um seine Hände sauber zu kriegen.


„Du musst deinen Mund auspülen und deine Hände waschen. Ich helf dir.“ Jungkook stand auf und streckte Jimin die Hände entgegen. Als der Kleiner aufsah, liefen ihm gleich weitere Tränen über die Wangen. Das Blut von Jungkooks Lippe war getrocknet und leuchtete grell auf seiner Haut. Ein kleiner Schnitt von Taehyungs Ringen und Blutergüsse befanden sich in der Nähe seines Wangenknochens. Zögerlich griff er nach seinen Händen.


„Leute, bewegt euch. Geht ins Wohnzimmer oder so.“ Sie trennten sich so weit, um die beiden durchzulassen, wobei der Jüngeren Jimin stützte.


Als Jimin auf dem Toilettendeckel saß, war das Letzte, was er sah, der betrogene Ausdruck auf Taehyungs Gesicht, bevor sich die Badezimmertür schloss. Jungkook sah ihn mitfühlend an, als er schluchzte. Er löste Jimins Griff um den Waschlappen, um ihn auszuwaschen und säuberte die Stellen, die er vergessen hatte. Jungkook machte leise Shh-Geräusch, um den Älteren zu beruhigen.


Jimin griff nach etwas Toilettenpapier und putzte sich die Nase. „Ich habe es versaut, Kookie.“


„Ja, das hast du.“ Als Jungkook seine Lippen zittern sah, seufzte er und verschränkte die Arme. „Aber ich verstehe, warum du es getan hast, auch wenn ich nicht damit einverstanden war. Und sie werden das auch. Also wasch deine Hände, zieh ein neues T-Shirt an und geh raus, um es den anderen zu erklären. Zeig ihnen die Testergebnisse und all das andere Zeug. Sprich mit ihnen, Hyung. Sie lieben dich und haben einfach nur Angst.“


„Tae wird mir niemals vergeben, oder? Ich wollte…Ich wollte das nicht. Ich wollte nicht, dass er mich hasst. Wenn ich doch nur…“ Sein Satz wurde von einem Schluchzen unterbrochen. Jungkook kniete sich auf Augenhöhe zu ihm und wischte mit dem Daumen seine Tränen weg.


„Er hasst dich doch nicht. Er hat nur Angst und schlägt um sich.“ Jungkook zuckte mit den Achseln und lächelte gequält. „Wenn er jemanden hassen sollte, dann bin ich es.“


„Es tut mir so leid, Kook-ah! Ich hätte dich da nicht mit reinziehen sollen.“


„Es war nicht so, als hättest du groß eine Wahl gehabt, oder?“


Jimin schluckte schwer und seine Augen funkelten, als er zu dem Jüngeren aufsah. „Hasst du mich?“ ,hauchte er.


Jungkook sah ihn mit großen Augen an und schüttelte schnell den Kopf. „Niemals, Hyung.“


Es dauerte lange, bis Jimin aufstehen und sich die Hände waschen konnte. Es war als wäre sein Geist und Körper voneinander getrennt, während er seine Zähne putzte und sich mit starkem Mundwasser den Mund ausspülte. Jungkook hatte in der Zwischenzeit das Bad verlassen und kam mit den Unterlagen aus dem Krankenhaus und einem übergroßen schwarzen Pullover zurück, von dem er sich zu fünfundneunzig Prozent sicher war, dass es Taehyungs war.


Jimin biss sich auf die Unterlippe und rieb sich über die Augen, als sie wieder anfingen zu tränen, als er das Gefühl von weichem Kaschmir auf seiner empfindlichen, überhitzten Haut spürte. Jungkook beobachtete ihn von seiner Position von der Tür aus, lächelte sanft und hielt ihm den Ordner hin.


„Sei mutig, Hyung.“


Jimin holte tief Luft, nahm den Ordner und öffnete die Tür. Taehyungs kalter Blick blitzte durch seine Erinnerung und Gänsehaut lief ihm über den Rücken.


Das Wohnzimmer war totenstill, als er eintrat. Kurz zögerte er, bevor er zum Fernseher ging und sich vor ihn stellte. Jungkook schlüpfte mit einem Stuhl aus der Küche herein und setzte sich an den Eingang zum Wohnzimmer. Hoseok, der Yoongis frischgewaschenen Hände fest umklammerte, saß mit ihm, Seokjin und Namjoon auf der Couch. Taehyung ging unweit von ihnen auf und ab und weigerte sich aufzuschauen, selbst als Jimin ihn anstarrte.


Er räusperte sich leicht und nippte an der Wasserflasche, die er auf dem Kaffeetisch stehen gelassen hatte, bevor er sich schließlich seinen blassen, bestürzten Freunden zuwandte.


„Zuerst möchte ich mich bei euch entschuldigen. Ich hätte euch nichts vorenthalten sollen. Ich weiß, wir halten solche Dinge nicht voneinander fern, aber ich hatte Angst. Das ist zwar kein nachvollziehbarer Grund, aber die reine Wahrheit.“ Jimin ignorierte Taehyungs spöttisches Auflachen und fuhr fort, obwohl sein Herz schmerzhaft pochte. „Es hat in der Nacht vor dem Club angefangen. Ich war unter der Dusche und hustete Blut und… Blütenblätter aus.“


„Blütenblätter?“ ,wiederholte Namjoon unbewusst. Jimin nickte, griff in den Ordner und zog ein Foto einer Petrischale heraus. Nachdem er Doktor Choi die drei Blütenblätter übergeben hatte, hatte er sie behutsam in die Schale gelegt und Fotos für seine Akte gemacht. Zögernd hielt er es Namjoon hin, der es mit großen Augen ansah, bevor er es weitergab.


„Ich habe mir nicht viel dabei gedacht und bin am nächsten Tag mit euch einkaufen gegangen. Ich hatte eine weitere Episode in den Toiletten des Clubs. Jungkookie war bei mir gewesen. Deshalb wusste er von Anfang an, was los war.“ Jimin klang zum Ende hin flehend, während er Taehyung dabei ansah, der das Bild, das Hoseok ihm geben wollte, nicht anrührte. Er biss sich auf die Lippe, kämpfte mit den Tränen und fuhr fort: „Der Zeitpunkt war schlecht und als Jungkook-ah versucht hat mich dazu zu bringen, es euch zu erzählen, habe ich ihn unter den Bus geworfen. Er hat sich schlecht gefühlt, also hat er mein Geheimnis für sich behalten.“


„Aber ich habe ich mich trotzdem entschieden.“ ,warf Jungkook plötzlich ein und verteidigte seinen Hyung bis zu einem gewissen Grad. „Wir wissen beide, dass du meine Gefühle verletzt hast, aber ich habe selbst die Entscheidung getroffen, deine Wünsche zu respektieren. Du hast mir schließlich erklärt warum.“


Jimin holte tief Luft. „Es war nicht richtig von mir, sondern egoistisch… Ich wusste, dass es schlimmer wurde. Ich konnte weder essen noch schlafen, verlor Gewicht und hatte immer öfter solche Episoden. Ich ging schließlich zu einem Arzt und sie führten einige Tests durch.“


„Welche Tests?“ ,fragte Yoongi mit emotionsloser Stimme.


„Bluttest, ein CT und eine Bronchoskopie.“ ,antwortete Jimin schnell und holte die Röntgenbilder heraus. „Und das sind die Ergebnisse des CTs.“ Er hielt sie den Vieren auf der Couch hin. Seokjin war der erste, der sie nahm, bereute es aber im gleichen Moment, als er sah war drauf war. Er gab es schnell an Hoseok weiter, der einen erstickten Schrei ausstieß. Alle sahen entsetzt aus. „Doktor Choi dachte, diese weißen Flecken in meiner Lunge seien Tumore. Er hat Proben der Fremdkörpern genommen und festgestellt, dass ich mit den Blumen recht gehabt hatte.“


„Wie zur Hölle können Blumen in deiner Lunge wachsen?“ ,flüsterte Hoseok und seine Augen füllten sich mit Tränen, als er aufblickte. „Was bedeutet das überhaupt?“


„Doktor Choi hat sich das Gleiche gefragt. Er hat sich an andere Krankenhäuser gewandt, in und sogar außerhalb von Korea. Er hat einen Mann gefunden, der ein paar Patienten mit denselben Symptomen behandelt hatte.“


„Was ist es? Und du hast behandelt gesagt? Aber wir haben von Taehyung-ah gehört…“ Namjoon konnte seinen Satz noch nicht einmal beenden. Jimin zappelte und klappte den Ordner auf. Taehyung beobachtete ihn jetzt aus den Augenwinkeln.


„Ja, er hatte drei Patienten, die es überlebt haben und einen..der..gestorben ist. Die Krankheit ist im Grunde meine eigene Schuld.“


„Hyung–“ Jungkook wollte protestieren, doch Jimin hob die Hand.


„Ich habe die Hanahaki-Krankheit. Sie lässt durch unerwiderte Liebe eine Pflanze in meiner Lunge wachsen. Zuerst sind es vereinzelte Blätter, die ich aushuste. Wenn sie dann zu vollen Blumenblüten ausgewachsen sind… sterbe ich.“ Jimin spielte nervös mit dem Ärmel seines Pullovers und erhielt wie erwartet verwirrte und fast ungläubige Blicke.


„Das klingt noch nicht mal möglich.“ ,sagte Seokjin. Jimin übergab ihm wortlos das Informationspaket über die Krankheit. Der medizinische Jargon und die Studien waren nicht zu leugnen, als er die ersten Seiten durchblätterte, während die anderen über seine Schultern blickten. Sie alle sahen nach einem Moment auf.


„Du sagtest, dass sie drei von vier Patienten behandelt haben?“ ,brach Namjoon die Stille.


„So in etwa.“


„Wie wurden sie behandelt? Die drei Patienten, die es überlebt haben?“ ,fragte Taehyung plötzlich, drehte sich zu Jimin um und setzte sich auf die Armlehne der Couch. Jimins Herz sprang ihm beim Klang seiner Stimme bis zur Kehle und schluckte schwer.


„Nun... Zwei von ihnen haben ihre Gefühle der Person gestanden, in die sie verliebt waren. Sie dachten zwar, dass sie keine Chance hätte, dass ihre Liebe niemals erwidert werden würde… aber sie wurde erwidert. Sie wussten es nur nicht. Die Blumen regenerierten sich danach von selbst. Sie waren wieder vollkommen gesund.“ Jimin hatte die ganze Zeit auf den Boden gestarrt, aus Angst, er würde auf Taehyungs Blick treffen. „Der dritte von ihnen wurde operiert, um die Blumen auf diesen Weg zu entfernen. Die Operation ist jedoch mit Komplikationen verbunden. Der Patient musste sein ganzes Leben lang zweimal pro Woche dialysiert werden, um die Blumen in Schach zu halten. Außerdem entwickelte er ein Asthma, das Sport unmöglich machte. Die größte Komplikation war aber die geistige. Er hat die Person, die er liebt, vergessen. Jede Erinnerung, jedes Gefühl, das er einmal gefühlt hat. Alles war vollkommen verschwunden, selbst als er sie wieder gesehen hat.“


„Gott.“ ,murmelte Seokjin und sank auf seinem Platz zusammen.


„Und der letzte Patient?“ ,fragte Namjoon und lehnte sich leicht nach vorn.


„Die Blütenblätter haben sich zu vollen Blüten entwickelt. Nicht lange danach ist er an seinem eigenen Blut erstickt und gestorben.“


„Du bist in jemanden verliebt, Jimin?“ ,fragte Taehyung leise und sah den Kleineren an.


„Ja.“ ,flüsterte er mit geschlossenen Augen. „Aber es spielt keine Rolle, weil niemals etwas daraus wird. Option eins ist nichts für mich.“


Hoseok öffnete den Mund, doch Jimin unterbrach ihn sofort. „Hyung, das ist keine Option! Dieser Jemand wird meine Liebe nicht erwidern.“


„Dann wirst du halt operiert, oder?“ ,fragte Yoongi mit bestimmten Gesichtsausdruck, als er sich aufsetzte. „Operiert dieser Doktor Choi? Was sind seine Referenzen?“


„Ich… Ich mache die Operation nicht.“ ,murmelte Jimin und nahm auf dem Stuhl Platz, den Jungkook ihm eben gebracht hatte. „Das kann ich nicht.“


„Wieso nicht?“ Taehyung stand plötzlich auf und kniete sich vor Jimin hin. „Es würde dein Leben retten, oder nicht? Ich würde dich zu den wöchentlichen Terminen begleiten und wir könnten uns einen Kopf machen, wie es mit dem Tanzen weitergeht.“ Er klang auf einmal so hoffnungsvoll, die Augen nicht mehr so leer wie vorhin. „Du würdest leben, oder nicht?“


Jimins Herz brach ein wenig mehr bei dem Ausdruck auf Taehyungs Gesicht, der den der anderen im Raum wiederspiegelte. Sogar Jungkook sah hoffnungsvoll aus und Jimin erkannte, dass der Jüngere die ganze Zeit gehofft, das Taehyung ihn irgendwie überzeugen könnte, weiterzuleben. Tränen liefen ihm über die Wangen, als er den Kopf langsam schüttelte und eine kleine Hand auf Taehyungs Wange legte. „Nein Tae. Keine Operation. Das ist es nicht wert.“


Das ist es nicht wert? Jiminie, du würdest leben!“ Taehyung griff nach den Handgelenken des Älteren und legte Jimins Hände an die Stelle, an der sein Herz schlug. „Und wenn juckt’s ob du irgendein Arschloch vergisst, das deine Liebe nicht erwidert. Scheiß auf ihn. Vielleicht wäre das sogar besser, ihn oder sie oder wenn auch immer zu vergessen. Es ist nicht so, dass du die Fähigkeit zu lieben verlierst. Du wirst dich eines Tages neu verlieben. Der Punkt ist, dass du lebst, um es nochmal zu versuchen!“


Der Schmerz in seiner Brust brannte heiß und stark. Er zog sich aus Taehyungs Griff zurück, um Druck auf seiner eigenen Brust auszuüben, um den Schmerz zu lindern. Jimin weinte still und wollte am liebsten von einer Klippe springen. „Ich will die Operation nicht, Taehyung.“


Der Größere wurde immer frustrierter und Jimin erkannte endlich, was sich hinter der Maske befand. Seine dunklen Augen schimmerten vor unvergossenen Tränen, er versteckte seine zitternden Lippen, indem er fest auf sie biss, und er war dermaßen angespannt, weil er wusste, sobald er seine Muskeln lockern würde, würde der Damm brechen. Seinen besten Freund leiden zu sehen, tötete ihn von Innen. „Warum nicht? Warum willst du nicht Jiminie? Hast du Angst?“


„Nein, hab ich nicht–“


„Ist es die Genesung oder die Termine danach? Weil du das nicht alleine durchmachen würdest. Wir alle werden bei jedem Schritt auf diesem Weg bei dir sein. Das weißt du doch, oder?“


„Taehyung–“


„Lass dich einfach operieren, bitte! Gib uns allen mehr Zeit, gib mir mehr Zeit mit dir!“


„Es ist nicht so–“


„Und wenn du die Person, die du liebst, vergisst. Wenn sie dich umbringt, dann ist es das Beste, wenn–“


„Hör auf mich zu unterbrechen!“ Jimin weinte jetzt ernsthaft. „Die Antwort ist Nein, Taehyung, ich mach die Operation nicht und das ist endgültig.“


Taehyung richtete sich auf und sah ihn verwundet an. „Warum ist er es wert? Wie kann es dich dazu bringen, dich umzubringen?“


Jimin war sofort auf den Beinen. „Ich würde lieber sterben, als meine Gefühle für ihn zu vergessen!“


Der Jüngere trat einen Schritt zurück und schüttelte langsam den Kopf. Seine Lippen zitterten unkontrolliert und sein Atem stockte. Eine Hand hob sich zu seiner Brust, zu seinem Herzen.


„Wie kannst du sowas sagen? Wie… Wie kannst du jemanden lieben, wenn er dich umbringt?“


„Weil er es wert ist.“ ,flüsterte Jimin. „Er ist mir wichtiger als mein eigenes Leben.“


„Er ist wichtiger als wir alle? Deine Familie? Deine Zukunft? Wichtiger als ich?“ Taehyungs Stimme brach beim letzten Wort, ein Schluchzen schnitt durch das Wohnzimmer.


„Taehyung…“ Jimin trat einen Schritt vor und zuckte zusammen, als Taehyung sich zurückzog.


„Nein…nicht.“ Die Atmosphäre im Raum war unheimlich und es gab kein schockiertes oder enttäuschtes Gesicht, das nicht tränenüberströmt war. „Wie lange?“


„Doktor Choi sagte drei oder vier Wochen, bis die Blüten sich entfalten und danach ist es noch eine Woche. Zwei, wenn ich Glück habe.“ Jimin wischte sich mit dem Ärmel über die Wange und sah sich im Raum um. Niemand wollte ihn ansehen. „Ich wollte das nicht… Ich wollte nicht, dass ihr euch Sorgen macht oder das ihr traurig seid.“


„Nun, es lag nicht an dir, das zu entscheiden.“ Hoseok sah wütend aus und zog Yoongi auf die Füße. „Aber du hast eine Sache bekommen, die du wolltest… Ich bin nicht traurig. Ich bin wütend. Ich kann nicht glauben, das du so egoistisch bist.“ Er half einem stummen Yoongi zur Tür und verabschiedete sich nicht einmal, als sie gingen.


„Es- Es tut mir leid.“ ,flüsterte er und sah zu, wie Seokjin ebenfalls aufstand. Namjoon folgte ihm, der Blick gen Boden gerichtet.


Schließlich sah Jimin zu Taehyung, der mitten im Wohnzimmer stand. Seine Arme hingen schlaff an seinen Seiten. „Tae…“


Der Ruf nach seinem Spitznamen riss ihn aus seiner Betäubung. Er schüttelte den Kopf, ging rückwärts und schnappte sich seine Reisetasche, die er im Flur zurückgelassen hatte. „Ich kann nicht mehr hier bleiben.“


„Warte, TaeTae, bitte, geh nicht!“ Jimin ging auf ihn zu und blieb stehen, als Taehyung abwehrend seine Hand hob.


„Komm nicht näher, ich… ich muss gehen.“ Seine Hand glitt zum Türgriff, als Jimin rief: „Wirst du… Wann wirst du wieder zu Hause sein?“


Seine Augen nahmen erneut diese Kälte an. „Ich weiß es nicht.“


Und dann war er weg, die Tür schlug so hart zu, dass das gerahmte Bild neben ihr herunterfiel und das Glas zerbrach. Jimin starrte auf die Glasscherben, bevor er sich langsam zu Jungkook umdrehte, der mit ausgebreiteten Armen auf ihn zukam. Der Ältere warf sich schluchzend in sie hinein und vergrub das Gesicht seinem Oberteil.


Es war fast Mitternacht, als Jungkook ihn ins Bett verfrachtete und ihm sanft die Haare aus seinem Gesicht strich, während Jimin in sein Kissen weinte. Langsam übermannte ihn die Erschöpfung und ließ ihn einschlafen.



===



Die folgenden anderthalb Wochen waren die längsten und einsamsten in Jimins Leben.


Taehyung war nachdem er die Wohnung verlassen hatte, nicht mehr zurückgekommen und antwortete weder auf Nachrichten oder Anrufe. Seine Freunde schienen Welten entfernt zu sein. Niemand sprach mehr mit ihm. Hoseok hatte sogar seinen Tanzplan umgestellt, so dass er Jimin nicht mehr über den Weg laufen musste. Es herrschte komplette Funkstille und zu Jimins Entsetzten betraf sie auch Jungkook. Auch mit dem Jüngeren sprach keiner mehr, fast als Strafe dafür, dass er trotz Gewissensbisse nichts erzählt hatte. Weil er ein treuer Freund gewesen war, weil er versprochen hatte, dieses Geheimnis zu bewahren. Die Schuld fraß Jimin förmlich auf, zumal Jungkook jetzt auf seiner Couch schlief, da Hoseok, sein Mitbewohner, ihn nach einer lautstarken Auseinandersetzung rausgeschmissen hatte. Es kam zu einem Punkt, an dem der Kleinere tagsüber kaum sein Zimmer verließ, es sein denn, er musste das Badzimmer benutzen. Er konnte mit der erdrückenden Stille nicht umgehen.


Nachts jedoch, wanderte er durch Seoul. Er überquerte Straßen, ging durch Parks, ging Gassen entlang und lief einfach ohne ein bestimmtes Ziel im Sinn. Er lief, bis sich Blasen an seinen Füßen bildeten und seine Knie vor Erschöpfung nachgaben. Erst als die Sonne aufging, machte er sich auf den Heimweg. Schlaf war ein Witz und er hatte trotz Jungkooks Ermutigungen seit vier Tagen nichts mehr gegessen. Er hatte einfach keinen Hunger oder den Willen zu essen. Er konnte spüren, wie sein Körper verkümmerte.


Ihm ging es elend, aber das Schlimmste war, dass er wusste, dass er es verdient hatte. Wäre er von Anfang an ehrlich zu den anderen gewesen, hätten sie vielleicht mehr Verständnis gezeigt. Aber er hatte sich von Angst übermannen und kontrollieren lassen.


Die Erinnerung an Taehyung, der ihm sagte, er solle einfach vergessen. Als wäre so etwas so leicht. Der Gedanke zu leben, aber nicht zu wissen, wer Taehyung war, ließ die Galle in seinem Rachen aufsteigen und er übergab sich auf der Toilette. Wie konnte Taehyung ihn bitten, einfach zu vergessen?


Jungkook hatte mit dem Älteren darüber gestritten, dass er Taehyung einfach sagen sollte, dass er es war, den er liebte. Sie stritten sich in den ersten drei Nächten solange, bis Jimin in sein Zimmer floh und sich weigerte, weiter mit ihm zu sprechen. Jungkook fand es nicht fair von ihm, dass er Taehyung nicht einfach sagte, dass er das Arschloch war in das sich Jimin verliebt hatte. Logischerweise stimmte Jimin zu, aber emotional konnte er nur daran denken, ob Taehyung fähig gewesen wäre, wenn ihre Rollen vertauscht wären.


Als beide sich an diesem Montag zum Tanzkurs auf den Weg machten, fühlte er sich schwer und unmotiviert. Er hätte das Haus nicht verlassen, wenn Jungkook nicht gedroht hätte, seine Eltern anzurufen und ihnen alles zu erzählen. Der Jüngere hatte es eindeutig satt und brauchte wenigstens etwas Normalität. Jimin konnte ihm das nicht übel nehmen.


Der Unterricht war anstrengend und das Brennen seiner Muskeln war ein warmes und willkommenes Gefühl. Seine Augen schlossen sich, als er sich bewegte und sich vom Tanz in eine andere Welt führen ließ. Er genoss die Pause von der Realität und übte den Spin, den sie in ihrer aktuellen Choreografie verwendeten, bis ihm schwindelig wurde. Und endlich war ihm wieder zu lachen zumute.


„Du siehst gut aus, Hyung.“ ,lächelte Jungkook ihn an, als Jimin ein wenig schwankte, um sein Gleichgewicht wiederzuerlangen. Das Schwindelgefühl war intensiv und wartete darauf, dass es nachließ.


Aber das tat es nicht.


Er bemerkte, dass seine Beine nachgaben. Er hörte sich selbst auf dem Boden aufschlagen, spürte es aber nie. Leute umringten ihn, seine Brust schnürte sich fest zu. Jungkook war plötzlich da und redete auf ihn ein. Jimin hörte nur ein entferntes Rauschen, echoartig und meilenweit weg. Seine Sicht schrumpfte zu zwei winzigen Punkten, bis alles pechschwarz wurde, als er das Bewusstsein verlor.
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