Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / K-Pop / BTS / Foolish

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Foolish

von Atelier
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Jimin V
15.11.2020
24.08.2021
11
51.547
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Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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22.07.2021 4.749
 
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Sie saßen noch eine Weile in der Bucht und unterhielten sich leise im Flüsterton über ihre Kindheit, über die Schule, einfach über alles. Jihyun, der noch nie wirklich eine fürsorgliche Person gewesen war, ließ Jimin nicht eine Sekunde los und berührte sein Gesicht, seine Hände, seine Schultern. Der Ältere war dafür dankbar. Er erklärte leise, dass er einen Koffer in seinem alten Schlafzimmer zurücklassen würde, wenn sie Busan verließen und dass sich darin ein Fotoalbum und Briefe  befanden. Jimin erklärte, wie er es nicht ertragen konnte, es ihren Eltern zu erzählen. Lieber ließ er einen Brief für sie zurück. Jihyun protestierte zunächst, verstummte aber sofort, als Jimin wieder anfing zu weinen, und versprach ihm, dass er den Koffer öffnen würde, wenn die Zeit gekommen war.


Sie kehrten Stunden später nach Hause zurück. Jimin setzte einen neutralen Gesichtsausdruck auf, ein kleines Lächeln auf seinen Lippen. Das Abendessen war bereits fertig und zu seiner Überraschung setzte sich Jihyun neben ihn. Er war zwar still, aber geistig anwesend und vermied strikt den Augenkontakt zu Taehyung.


Jimin hoffte, dass er sich daran erinnerte, dass Taehyung an dem keinerlei Schuld trug. Er wusste ja noch nicht einmal das Ausmaß seiner Krankheit.


Nach dem Abendessen sahen sie sich Familienfotos an, redeten und lachten viel, während das Feuer im Kamin leise knisterte. Sein Vater bestand darauf, dass Jimin für sie eine seiner Routinen tanzte. Draußen drehte er sich lachend mit dem Jubel seiner Familie und dem Klicken von Taehyungs Kamera.


Es war spät, bis Jimin und Taehyung am Hotel ankamen. Mijeong bestand zwar darauf, dass sie auch hier bleiben könnten. „Vielleicht beim nächsten Mal.“ ,versprach Taehyung mit einem quadratischen Lächeln und umarmte sie dankend. Sie gurrte über ihn, tätschelte seine Wange, bevor sie sich an Jimin wandte und ihn fest umarmte. Der Geruch ihres Parfüms war ihm vertraut und erinnerte ihn an die Zeiten zurück, als er ein Kind war und die Arme seiner Mutter sich wie der sicherste Ort der Welt angefühlt hatten. Es dauerte lange, bis sie ihn losließ und sein Vater und sein Bruder an der Reihe waren. Letzterer hielt ihn länger als gewöhnlich und ignorierte die neckenden Worte ihrer Eltern, als er flüsterte, wie sehr er Jimin liebte.


Der Ältere küsste seine Stirn, als sein Griff sich lockerte und lehnte seine Stirn gegen die seines kleinen Bruders. „Ich liebe dich auch.“


Sie winkten und stiegen ins Auto ein. Jimin lächelte, als seine Familie in der Ferne verblasste. Die farbenfrohen Gebäude um sie herum trösteten und erinnerten ihn an einfachere Zeiten, während sie zu ihrem Hotel fuhren.



===



„Es war großartig, deine Familie wiederzusehen. Jihyun ist so groß geworden! Gib ihm ein Jahr und er ist größer als du, Jiminie.“ ,ärgerte Taehyung, als sie ihr Hotelzimmer betraten. Jimin schnaubte und schubste ihn sanft, ging ins Badezimmer auf der anderen Seite des Raumes, um sein Make-Up zu entfernen. Taehyung ließ sich auf dem Queen-Size-Bett, das dem Bad am nächsten war, fallen und überließ Jimin das andere an den Fenstern. Er holte seine Kamera aus seiner Tasche, sah auf den kleinen Bildschirm und klickte die Bilder durch, die er heute gemacht hatte.


„Ist ein Gutes dabei?“ ,fragte Jimin, den Mund größtenteils geschlossen, um nicht seinen Make-Up-Entferner zu schlucken. Der Größere summte als Antwort und konzentrierte sich auf seine Bilder. Jimin lächelte nur, ging mit gesäubertem Gesicht zu seiner Reisetasche und hob sie auf. „Ich werde zuerst duschen gehen, ‘kay?“ Taehyung summte erneut. Jimin lachte leise und schlüpfte zurück ins Bad und unter die Dusche.


Das heiße Wasser war unglaublich, um seine verspannten Muskeln und den Druck zu lockern, als er seine blauen Locken schamponierte. Er konnte ein Seufzen nicht verhindern, spülte das Shampoo aus und massierte seinen Conditioner ein. Es war ein langer Tag gewesen und er wollte sich nur in sein Bett einkuscheln. Als er auch den Conditioner raus gewaschen hatte, erinnerte er sich an diesen Moment mit Taehyung in der Küche. Heilige Scheiße, wenn das nicht das Sexieste war, was ihm jemals passiert war. Seine Finger strichen leicht über seine Unterlippe. Jimin schloss die Augen, als er zurück unter den Duschkopf trat. Er erinnerte sich an das Gefühl von Taehyungs Daumen, wie er über seine empfindliche Haut strich.


Er stöhnte leise, als sein Körper sich regte und drehte schnell von Heiß auf Kalt. Er wartete ein paar Momente, aber ohne Erfolg. Er musste sich also um das Problem kümmern und ließ eine Hand über seine Brust, seine Bauchmuskeln wandern. Mit einem leisen Zischen schloss er sie um seine Erektion. Jimin dachte an Taehyung, wie er sich in der Küche über ihn gebeugt hatte und bewegte seine Hand schneller. Seine andere Hand bedeckte seinen Mund und unterdrückt das Hecheln und Stöhnen. „Tae…“ ,wimmerte er und biss sich in den Daumenballen.


„Hey Jimin-ah!“ Die Tür schwang mit dem Klang von Taehyungs Stimme auf. Jimin quietschte, zuckte überrascht zusammen und sank mit pochendem Herzen auf den Boden der Dusche. „Oh scheiße, sorry! Ich jag dir heute ja eine ganz schöne Angst ein.“ Sein Lachen war tief. Die kühle Luft des Hauptraumes drang durch den Duschvorhang.


„Was ist Taehyung?“ ,brachte Jimin hervor und versucht sein rasendes Herz zu beruhigen. „Ich denke darüber nach, Essen zu bestellen. Willst du was Bestimmtes?“


„Nicht wirklich, nein.“ Bitte geh.


„Bist du sicher? Ich fahre rum und seh, ob es einen interessanten Laden gibt.“


„Du weißt was ich gerne esse, hol mir einfach irgendetwas.“ Bitte geh, bitte geh. Jimin war durch und durch beschämt. Was wäre, wenn Taehyung ihn gehört hatte?


„Okay, ich bin vielleicht in zehn Minuten wieder zurück.“


„Okay. Tschüss Tae.“


Taehyung lachte und schloss die Tür. „Tschüss Jiminie.“


Als die Tür ins Schloss fiel, hörte Jimin genau hin, als der Jüngere ihr Hotelzimmer verließ. Er stöhnte verbissen auf und schlug wiederholt mit den Handflächen gegen die Wand. „FUCK!“



===



Unnötig zu erwähnen, dass Jimin kein Risiko mehr einging, die Dusche verließ, sich abtrocknete und in seinen Pyjama schlüpfte. Er kämmte seine Haare und fragte sich, ob der rote Fleck auf seinen Wangen dauerhaft sein würde. Ihm war es peinlich und unangenehm und er rätselte, ob Taehyung eine Ahnung von dem hatte, was er vor wenigen Minuten noch getan hatte. Es könnte auch nur schlechtes Timing gewesen sein.


Er hatte sich gerade in die Decke seines Bettes gekuschelt, ein Buch in der Hand und der Fernseher lief leise, als sich die Zimmertür öffnete.


Taehyung sprang ins Zimmer, durchnässt, während ein Sturm hinter ihm tobte. Er hatte einen Pappbehälter für Getränke und eine Tüte mit Essen in den Hände, stieß die Tür mit dem Fuß zu, stellte alles auf dem Esstisch ab und zog erleichtet seine Schuhe aus. „Das ist wie ein Monsun da draußen!“ ,meckerte Taehyung und seine Augen leuchteten auf, als sie Jimins trafen, die ihn überrascht ansahen. „Zuerst war der Himmel klar und schön und dann BOOM! Plötzlich triefe ich und renne zurück zum Auto. Ich fühle mich wie eine nasse Ratte.“


„So siehst du auch aus.“ Jimin schlug sich die Hand vor den Mund und lachte. Der Größere kniff bedrohlich die Augen zusammen und stampfte mit ausgestrecktem Zeigefinger auf ihn zu.


„Oh, tu ich das? Willst du auch so aussehen?“ Er griff nach Jimin, der laut quietschte, sein Buch zur Seite warf und sich unter seiner Bettdecke versteckte. „Willst du schwimmen gehen?“


„Tae! Nein! Ich war gerade duschen, ich bin trocken! Bitte!“ ,schrie der Kleinere, als Taehyung die Decke von ihm riss und mit griffigen Händen versuchte, ihn in die Finger zu bekommen. Jimin rollte sich unter seiner Attacke weg und sprang aus dem Bett, die Augen wild, als er Taehyung anstarrte, der nur zwei Sekunden davon entfernt war, über das Bett zu ihm zu springen. „Taehyungie, bitte!“


Taehyung richtete sich plötzlich auf, seine Hände stemmten sich in seine Seiten und sah ihn mit einem falschen barmherzigen Blick an. „Da du so höflich fragst, lass ich dich dieses eine Mal laufen.“ Er grinste, als Jimin ihm die Zunge herausstreckte. „Du kannst schon mal anfangen zu essen. Ich gehe duschen.“ Er nahm seine Reisetasche und schickte Jimin einen Handkuss, bevor er die Badezimmertür hinter sich schloss.


Jimin rollte nur mit den Augen, ging zu dem kleinen Tisch und setzte sich auf einen der Stühle. Taehyung hatte wie üblich viel zu viel gekauft, besonders jetzt, da Jimin nie wirklich Hunger hatte. Er nahm ein paar Bissen, bevor er aufgab, zurück zu seinem Bett ging und sich dort einrollte. Er war fast eingeschlafen, als Taehyung aus dem Bad kam. Das Zuschlagen der Tür ließ ihn hochfahren und löste einen weiteren Hustenanfall aus. Jimin rollte sich schnell von der Matratze, presste seine Hand gegen seinen Mund, hastete ins Badezimmer und warf die Tür zu.


Am Rand des Waschbeckens hing noch der Waschlappen, den er zum entfernen seines Make-Ups benutzt hatte, befeuchtete ihn und wischte sich das Blut von Mund und Kinn.


Es klopfte laut an der Tür. „Jiminie? Lass mich bitte rein, ich möchte dir helfen.“


„Es ist alles okay, Taehyungie, gibt mir nur eine Sekunde!“ ,antwortete Jimin, gurgelte mit etwas Wasser, spuckte es ins Waschbecken und trocknete sich mit einem Handtuch ab. Er öffnete die Tür, schlüpfte an dem Größeren vorbei, der ihn besorgt ansah. „Tut mir leid, du hast mich erschreckt. Ich hab mich nur an meiner Spucke verschluckt, wie lahm, oder?“ Er schüttelte den Kopf, setzte ein viel zu breites Grinsen auf und legte eine Hand auf Taehyungs Schulter. „Ich wollte dich nicht beunruhigen, alles gut.“


Taehyung sah ihn eine Weile lang an, sagte aber nichts und zog ihn stattdessen in eine Umarmung. Jimin schloss seine Augen, als er seine Wange gegen Taehyungs Brust bettete. Der Jüngere legte eine Hand auf seine Hüfte und die andere griff in sein Haar. So blieben sie stehen, lange genug, damit das Essen kalt wurde und der Regen nachließ. Es war, als wollte Taehyung sichergehen, dass Jimin wirklich hier war.


Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ er von ihm ab. „Wenn wir zurück in Seoul sind, gehen wir zwei zu einem Arzt. Keine Diskussion.“ Damit ging er zum Tisch und setzte sich, um sein Essen zu essen. Jimin wusste, dass es keinen Sinn hatte, mit ihm darüber zu streiten. Lieber verschob er dieses Gespräch auf ein anderes Mal und verkroch sich in sein Bett.


Es herrschte Stille, die nur gebrochen wurde, als die beiden sich eine gute Nacht wünschten.



===



Am nächsten Tag erkundeten sie Busan und Jimin brachte Taehyung zu all seinen Lieblingsorten. Sie holten sich ein Eis in einem Tante-Emma-Laden am Rande der Stadt und aßen im Restaurant seines Vaters zu Mittag. Sie verbrachten eine Menge Zeit damit, in den vielseitigen Boutiquen zu bummeln und alle Art von Kleidung und Accessoires zu kaufen. Taehyung besorgte sich sogar ein neues Paar Schuhe, sehr zu Jimins Belustigung. Am Ende mieteten sie sich für einige Stunden Fahrräder, radelten durch die verwinkelten Straßen, während Jimin dem Jüngeren eine Tour gab. Sie bewunderten die farbenfrohen Gebäude und die Architektur, als er Geschichten aus seiner Kindheit erzählte. Taehyung machte tausende Bilder von Landschaften, Gebäuden und von Jimin selbst. Nach einer Weile musste er ihm sogar die Kamera aus den Händen nehmen, um ihren kleinen Trip fortzusetzen.


Die zweite Hälfte des Tages verbrachten sie am Strand. Sie legten einen kurzen Boxenstopp ein, um ihre Schwimmsachen zu holen. Jimin sprang ohne zu zögern mit den Füßen zuerst ins Wasser. Taehyung lachte, als er wieder auftauchte und rief: „Du hast deinen Sonnenschutz vergessen!“ Jimin lachte ebenfalls, trottete aus dem Meerwasser und zu seinem besten Freund.


„Ich konnte es einfach nicht abwarten.“ ,antwortete der Ältere und trocknete sich mit seinem Handtuch ab. Er kniff die Augen zusammen, als er die Tube in Taehyungs Händen bemerkte. „Warte, ich hab dir doch gesagt, du sollst das Spray und nicht die Creme holen.“


„Und ich hab dir gesagt, dass dieser Sprühnebel zu schwach ist und schnell nachlässt. Die Sonnencreme ist besser.“ ,konterte er.


„Ich hasse es, wie sich die Creme auf meiner Haut anfühlt. Außerdem dauert es ewig bis sie einzieht.“ ,jammerte Jimin, breitete sein Handtuch neben dem von Taehyungs aus und legte sich darauf. Der Jüngere kicherte, überkreuzte seine Beine und drehte sich zu ihm um.


„Ich helf dir, du großes Baby. Jetzt setz dich richtig hin und dreh dich um.“ Jimin wurde an seinen Armen hochgezogen, bevor er etwas erwidern konnte. „Ich möchte nicht, dass deine hübsche Haut einen Sonnenbrand bekommt.“ Taehyung sah ihn eindringlich an, hob den Zeigfinger und zeichnete einen unsichtbaren Kreis, bis Jimin sich umdrehte. Er versuchte nicht rot zu werden, als Taehyung die Sonnencreme in großzügigen Mengen in seine Schultern, seinen Nacken und Rücken einmassierte. Jimin wäre bei dem Prozess fast gestorben.


„Ich kriege den Rest alleine hin, danke.“ ,murmelte er, schnappte sich die Flasche und kümmerte sich um Gesicht, Brust, Bauch und Beine bis er zufrieden war. „Fertig. Bereit zu schwimmen?“


„Du hast da eine Stelle übersehen.“ Taehyung beugte sich auf Knien vor und verteilte die Creme auf der freigelassenen Haut seiner Hüfte. Sein Daumen strich am Rand von Jimins Badehose entlang. Panisch rutschte der Ältere von seiner Hand weg und sah Taehyung mit großen Augen an. „Kitzelig oder was, Jiminie?“ Er hob seine Hände und wackelte spielerisch mit den Fingern in der Luft.


„Ich ertränke dich im Ozean.“ ,sagte Jimin mit scharfem Blick.


„Das wäre ein Wermutstropfen. Du bist zu süß, um in einer Gefängniszelle zu hocken.“


„Oh, man würde mich nicht erwischen. Ich würde Yoongi-hyung anrufen und ihn fragen, wo ich deine Leiche vergraben sollte.“


„Klingt nach einem Plan.“ Beide lachten und schickten ein spontanes Selfie in den Gruppenchat mit ihren Freunden. Sie schwammen ewig lange, bespritzten sich mit Wasser und ließen sich auf dem Rücken treiben. Jimin vergrub den Jüngeren im Sand, schoss Fotos von ihm und lachte, als er sich nicht allein befreien konnte.


Als die Sonne unterging, trockneten sie sich ab, packten ihre Sache und gingen redend am Wasser entlang. Taehyung ließ Jimin für mehr Fotos gegen den Ozean und den Sonnenuntergang posieren und lobte ihn in den höchsten Tönen.


Jimin wollte nicht, dass dieser Tag jemals endete.


Nachdem die beiden sich im Hotel umgezogen hatten, trafen sie Jimins Eltern und Bruder zu einem späten Abendessen. Die zwei erzählten die ganze Mahlzeit über von ihrem Tag. Jihyun ließ Jimin nicht für einen Moment aus den Augen. Das einzige Mal, das er mit Taehyung sprach, war, als er nach Kopien aller Bilder fragte. Auch von den verschwommenen und den schlecht gewordenen. Überrascht stimmte Taehyung ohne zu fragen zu und zerzauste Jihyuns Haar.


Der Abschied war wie der Letzte, lang und herzlich. Jimins Mutter hoffte inständig, dass sie bald wieder nach Busan kommen würden. Da Jimin keinen Ton herausbringen konnte, lag es an Taehyung zu zustimmen.


Die Fahrt zum Hotel war ruhig, beide Jungen erschöpft und bettfertig. Sie fielen nicht lange nach ihrer Ankunft in ihre Betten. Der Ältere erinnerte sich schnell daran, sich einen Alarm zu stellen, um den Zug morgen nicht zu verpassen. Mit einem Lächeln und dem Bild eines Busan-Sonnenuntergangs mit Taehyung schlief er ein.


Der nächste Morgen war hektisch. Beide liefen durch ihr Zimmer und suchten ihre Sachen zusammen. Jimin stopfte seine Kleidung in eine Tasche, die Zahnbürste klemmte zwischen seinen Zähnen und hörte Taehyung „Scheiße, scheiße, scheiße!“ murmeln, als er nach seinem Handy und seiner Brieftasche suchte. Jimin machte ein gedämpftes Geräusch des Sieges, als er beides unter dem Bett entdeckte und hielt sie in die Höhe. Taehyung griff mit einem Freudenschrei danach und steckte sie in seine kleine Tasche. Da er als erstes fertig war, lud er ihr Gepäck ins Auto, während Jimin sich noch fertig machte.


Der Ältere hielt ein Paar Shorts hoch. Etwas flatterte zu Boden und als Jimin es gerade noch rechtzeitig auffing, bemerkte er, dass es seine Prognose war. Da er eine Hose ohne Außentaschen trug, öffnete er die kleine Innentasche seines Beutels und schob den Zettel hinein. Er nahm sich vor, es sobald sie wieder zu Hause waren, sicher und gut zu verstecken.


Jimin scannte ein letztes Mal den Raum und entdeckte ein Ladekabel, bei dem er sich nicht sicher war, ob es seins war, steckte es aber trotzdem ein.


„Lass uns gehen, Jiminie!“ ,rief Taehyung und nahm Jimins Taschen. „Wir müssen nur auschecken und dann ab nach Hause!“


„Taehyungie?“


Taehyung blieb stehen. „Ja, Jimin-ah?“ Der Größere war nicht auf die Umarmung vorbereitet. Jimins Arme schlangen sich fest um seinen Hals, als er dort stand mit den Taschen in den Händen.


„Danke… hierfür. Du hast keine Ahnung, wie viel mir dieser Ausflug bedeutet hat. Ich hätte um keinen besseren Freund bitten können und ich liebe dich dafür.“ Endlich ließ er den Jüngeren los, lächelte ihn mit seinem Halbmondlächeln an und erhielt dafür ein kastenförmiges.


„Wenn du glücklich bist, Jiminie, dann bin ich das auch.“



===



ÜBERRASCHUNG!“


Jimin und Taehyung lachten, als sie ihre Wohnung betraten und praktisch von den lauten Rufen erschlagen wurden. Ihre Freunde sprangen aus allen möglichen Ecken. Ihre Küchentheke war überfüllt mit Essen, Alkohol und Punsch. An der Wand im Wohnzimmer, gleich gegenüber der Tür, hing ein Willkommen zurück-Banner.


„Wie zum Teufel seid ihr hier reingekommen?“ ,fragte Taehyung mit einem breiten Lächeln, stellte seine Taschen ab und zog die erste Person, die er erreichen konnte – in diesem Falle Seokjin – in eine feste Umarmung.


„Yoongi-hyung!“ ,kam die einstimmige Antwort und sämtliche Finger deuteten auf Yoongi, der auf der Couch zusammengesunken war. Er grinste leicht und zuckte mit den Schultern.


„Du bist unheimlich, Hyung.“ ,sagte Taehyung nach einer kurzen Pause, obwohl er eher bewundernd klang. Er ließ von dem Ältesten ab und ging zu Namjoon, um ihn als nächstes zu umarmen. Als er losgelassen wurde, ging Seokjin zu Jimin hinüber und nahm ihm ein Teil seiner Taschen ab.


„Dein Zimmer?“ ,fragte er und ging in die Richtung, in die der Kleinere nickte.


„Erzählt uns alles! Ich wette ihr hattet eine Menge Spaß! Du siehst sonnengebräunt aus!“ Hoseok zog Jimin in seine Arme und schaukelte ihn vor Aufregung hin und her. Jimin lachte und ging zu Jungkook, der sanft lächelnd seine Arme öffnete.


Nachdem alle begrüßt und umarmt worden waren, füllten sie Teller und Gläser und verstreuten sich im Wohnzimmer. Taehyung und Jimin erzählten den anderen begeistert von allem, was sie gesehen und unternommen hatten. Taehyung war aufgesprungen, um sich seinen Laptop zu schnappen und ihnen die Fotos zu zeigen.


Er war ein brillanter Fotograf. Die Aufnahmen waren atemberaubend und Jimin spürte, wie sein Herz bei all den bedeutungsvollen Momenten anschwoll. Momente, von denen er noch nicht mal gewusst hatte, dass sie festgehalten wurden. Es gab eines, in dem seine Mutter herzlich lachte und eines, in dem sein Vater mit einem warmen Lächeln ins Feuer starrte. Es gab Fotos von Jihyun und Jimin, in denen sie miteinander stritten – Jimin lachte und Jihyun streckt ihm die Zunge heraus. Fotos von Jimin, der im Meer schwamm und eines von Taehyung, der im Sand vergraben war.


Es war wunderschön, eine Hommage an ihre Reise und Jimin konnte nicht anders, als sich gerührt zu fühlen. Die Gruppe lobte den Fotografen für sein Talent, gurrte über all die entzückenden Bilder und war neidisch über die wunderschöne Landschaft.


„Was ich wirklich wissen möchte, ist der Kontext dieses Bildes.“ ,grinste Taehyung und deutete auf den Bildschirm. Es war ein Bild von Jihyun und Jimin – der Jüngere von beiden sah selbstgefällig und amüsiert aus, während er schelmisch grinste. Jimin hatte sich mit großen Augen, roten Wangen zu ihm gedreht und schlug so wie es aussah auf seinen Bruder ein.


Der Jimin, der mit auf der Couch saß, wurde ebenfalls rot. Es war der Moment, in dem Jihyun Taehyung seinen Freund genannt hatte. „Möchtest du uns aufklären, Jimin-ah?“


„Er hat sich nur über meine Größe lustig gemacht.“ ,flunkerte Jimin und spielte mit dem Knopf seines Hemdes. „Er ist eine kleine Nervensäge.“


„Ich kann immer noch nicht glauben, wie sehr ihr zwei euch ähnelt.“ ,sagte Namjoon, der irgendwo links von Taehyung saß.


Jimin seufzte erleichtert auf, als das Thema gewechselt wurde. Er schnappte sich seine Serviette und hustete leicht hinein. „Ihr zwei könntet Zwillinge sein.“


„Nur das ich viel besser aussehe.“ ,grinste der Kleinere, schenkte seinem Hyung ein schüchternes Lächeln und brachte ihn zum Lachen. „Aber im Ernst, er wird ein großartiger Kerl, das bin ich mir sicher. Er hat schon Mädchen, die Schlange stehen.“


„Du hast vielleicht einen Herzensbrecher in der Familie.“ ,neckte Hoseok.


„Vielleicht, wenn er unter der Gleichgültigkeit nicht so romantisch wäre.“ Jimin schüttelte den Kopf. „Er versucht zwar sein Interesse zu verbergen, aber ein Bruder kann es spüren, immer.“


„Hört sich nach Yoongi-hyung an.“ ,warf Jungkook ein, grinste den Älteren spielerisch an und bewegte sich sofort außer Reichweite. Zu Recht, denn Yoongi richtete sich erschreckend schnell auf. „Ein Teddybär, eingewickelt in Stacheldraht und mit Gift überzogen.“ ,sang er und versteckte sich hinter Seokjin, als Yoongi sich ihm näherte.


„Komm her, Klugscheißer.“


„Hyung, rette mich!“ ,rief Jungkook Hoseok zu, als er mit vor Angst geweiteten Augen, aber lächelnd über Seokjins Schultern spähte. Hoseok, der irgendwann seine Feile herausgeholt hatte, kümmerte sich weiterhin um seine Fingernägel und machte sich nicht die Mühe aufzusehen. „Derjenige, der den Teddybär provoziert, sollte auch mit seinen Krallen klarkommen.“ Er zuckte mit den Schultern, schielte zu Jimin und zwinkerte ihm zu. Jimin lachte nur, als Jungkook als nächstes zu Seokjin sah.


„Jin-hyung, du würdest doch nicht zulassen, dass Yoongi-hyung mich ausweidet, oder?“


„Ich würde die Tüten aufhalten, während er deine Körperteile reinstopft.“ ,antwortete Seokjin trocken, hob die Hände und trat zur Seite. Alle lachten, als Jungkook ein verängstigtes Geräusch ausstieß, sich umdrehte und versuchte hinter Namjoon Zuflucht zu finden, doch Yoongi erwischt das Handgelenk des Jüngsten. Jimin lachte so heftig, dass er gegen Taehyung fiel, während die beiden Streithähne miteinander rangen. Jungkook war eindeutig der stärkere von beiden, aber seine Angst vor Yoongi hielt ihn zurück.


Hoseok hatte inzwischen sein Handy hervorgeholt und filmte begeistert mit. Er grinste über Jungkooks hohes Quietschen und die Rufe nach Hilfe. Taehyung zitterte, während er versuchte sein Lachen zu unterdrücken.


Es dauerte eine Weile, bis Jimin Mitleid mit dem Jüngsten bekam. „Hey Hyung?“ ,rief er und erregte Yoongis Aufmerksamkeit. Er saß auf Jungkook, dessen Gesicht in den Teppich gepresst wurde, während Yoongi seine Arme gegen seinen Rücken drückte. „Ich mag diesen Teppich wirklich sehr. Ich würde es hassen, wenn Jungkook ihn vollblutet.“


„Der Teppich, ernsthaft.“ ,erklang Jungkooks Stimme gedämpft.


„Ich denke, es wäre eine Schande, ihn zu ruinieren.“ ,seufzte Yoongi, ließ Jungkook los und stand auf. Der Jüngste lag flach auf dem Boden, bevor er auf die Beine kam und sich mit ausgestreckten Armen auf Yoongi warf. Beide fielen zurück auf den Boden. Jimins Augen tränten, als Taehyung jetzt ebenfalls vor Lachen von der Couch fiel.


„Autsch, verdammt, du kleiner Bengel!“


„Hab mich lieb, Hyung!“


Jimin musterte die glückliche Gruppe um hin herum, zufrieden unter Taehyungs Arm, sein Bein über Hoseoks Schoß geworfen. Namjoon und Seokjin saßen auf dem Boden vor der Couch, Namjoons warmer Rücken drückte sich gegen Jimins Schienbein, während der die beiden zusammen mit Seokjin anfeuerte.


Sie waren Idioten, aber sie waren seine Idioten und er hatte sie nie mehr geliebt.


Sie verbrachten ein paar Stunden damit, herumzualbern. Jimin, Hoseok und Jungkook tanzten einen Ausschnitt ihrer Choreografie. Dies führte zu einer kleinen Tanzparty, die sich zu einem Tanzduell entwickelte und sie zum Lachen und zur Erschöpfung brachte.


Später spielten Taehyung, Jungkook, Yoongi  und Seokjin Mario Party 7 auf der alten Wii-Konsole. Sie waren laut und fluchten, als Yoongi das Spiel selbstgefällig dominierte. Jimin saß eingekuschelt auf dem Sofa, machte gelegentlich Fotos und Videos und unterhielt sich mit Namjoon und Hoseok über ihre Pläne für das kommende Schuljahr.


Es wurde getrunken und viel gegessen. Seokjin sagte allen Bescheid, dass er richtiges Essen bestellen würde, nachdem Yoongi sie in Grund und Boden gespielt hatte. Sofort wurde er von Bestellungen erschlagen und ging in den Flur, um in Ruhe zu telefonieren. Taehyung setzte sich zurück zu Jimin und klammerte sich an ihn.


„Jimin-ah!“ ,jammerte er und warf ein Bein hoch, um auch das um Jimin zu schlingen. Der Blauhaarige kicherte über seine Possen und schnippte ihm gegen die Nase.


„Ja, Taehyungie? Was brauchst du?“


„Mein Handy ist tot und ich kann mein Ladekabel nicht finden! Ich glaub, ich habe es in Busan gelassen.“


Jimin ging ein Licht auf. „Das war also deins! Ich habe es gefunden, als du am Auto warst. Ich war mir nicht sicher, wofür es was oder ob es dir gehört, aber ich habe es trotzdem eingesteckt.“ Taehyung drückte ihn begeistert.


„Yay! Du bist der beste! Wo ist es?“


„In meinem Beutel. Jinnie-hyung hat ihn in mein Zimmer gebracht.“ ,antwortete Jimin und ließ Hoseok anfangen, seinen eigenen Nägel zu feilen. „Ich hole es in einer Sekunde.“


„Schon gut, ich hole es! Danke, Jiminie!“ Er drückte einen schnellen Kuss auf Jimins Schläfe, sprang auf und ging in Richtung Jimins Zimmer. Da war etwas in seinem Kopf, das ihm etwas sagen wollte, doch Hoseok und seine Feile lenkten ihn schnell ab. Seokjin war wieder zurück in der Wohnung, setzte sich neben Namjoon und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Die Wangen des anderen färbten sich in einem verlegenen Rot, er schlug ihn leicht und folgte ihm zur Wii.


„Habe ich interessante Entwicklungen verpasst?“ ,fragte Jimin leise und sah mit hochgezogener Augenbraue zu Hoseok, der sich auf seine Nägel konzentrierte.


„Wenn du wissen willst, ob Joonie und Seokjin-hyung sich endlich den Stock aus dem Arsch gezogen und eingesehen haben, dass sie heißen, wilden Sex miteinander haben wollen, dann lautet die Antwort nein.“ Hoseok summte zustimmend, als Jimin aufstöhnte. „Ich weiß, oder?“


„Vielleicht eines Tages.“


„Ja, wenn Joonie alt und grau ist.“ Der Ältere warf einen Blick auf die beiden, bevor er Jimin ein schüchternes Lächeln schenkte. „Apropos Entwicklungen, wie war der Ausflug?“


„Er war…nötig. Ich habe es wirklich genossen, meine Familie wiederzusehen. Es ist lange her, seit ich in Busan an den Strand gegangen bin. Ich bin erschöpft, aber auch so froh, dass wir gefahren sind. Es war wirklich süß von Taehyung.“


„Ich meine, was würde er nicht für dich tun?“


„Er ist mein bester Freund.“ Jimin zuckte mit einem kleinen Lächeln die Achseln. Hoseok verdrehte die Augen.


„Ich bin froh, dass du Spaß hattest, aber das habe ich nicht gemeint. Ich hab nach irgendwelchen Entwicklungen gefragt.“ Er legte extra viel Betonung auf das vorletzte Wort und Jimin wurde rosa. „Nein, Hyung! Sei nicht albern!“


Es klingelte an der Tür und Seokjin sprang auf, um aufzumachen. Yoongi gab ihm beim Vorbeigehen etwas Bargeld. Namjoon folgte ihm und half ihm, die Bestellungen anzunehmen. Hoseok stand auch auf, warf seine Arme von hinten um seinen Freund und küsste ihn auf die Wange.


„Ich werde sehen, wo Tae bleibt. Bin gleich wieder da!“ ,sagte Jimin mit einem zarten Lächeln und öffnete die Tür zu Taehyungs Schlafzimmer, nur um es leer vorzufinden. Verwirrt ging er zum Badezimmer, klopfte, doch auch hier war er nicht.


„Tae?“ ,rief er leise und ging in sein eigenes Schlafzimmer.


Taehyung saß auf Jimins Bettkante, seine Ellbogen auf seine Knie gestützt und sein Gesicht in seinen Händen vergraben. Jimins Beutel lag achtlos vor ihm auf dem Boden, der Inhalt verstreut und die kleine Innentasche geöffnet…


Auf dem Bett lag das medizinische Dokument, das Doktor Choi ihm vor zwei Wochen gegeben hatte. Seine Diagnose und Prognose stand darauf, in schwarz auf weiß, damit jeder es lesen konnte. Dann bemerkte er, dass seine Nachttischschublade geöffnet war. Darin hatte er den Aktenordner mit sämtlichen Informationen zu seiner Krankheit, Kopien der Testergebnisse und kleinere Röntgenbilder verstaut. Er war aufgeblättert.


Jimins Herz sank ihm in die Hose und für einen Moment dachte er, er würde gleich ohnmächtig werden.


„Taehyung?“ ,flüsterte Jimin leise und sein Griff um die Türklinke wurde eisenhart. Seine Knöchel traten weiß hervor. Sein Atem wurde schneller und er hustete. Das Geräusch schien etwas in Taehyung aufzuwecken. Er sprang von seinem Platz auf und sah den Älteren an. Sein Gesicht war fremd, die Augen hart und kalt, der Kiefer fest aufeinander gepresst. Er war blass, seine Unterlippe war blutig gebissen. Rote Spuren liefen seinen Hals hinunter, Stellen, an denen er sich gekratzt hatte. Taehyung sah in seiner Wut fast unmenschlich aus. Jimin beobachtete, wie seine Hände sich zu Fäusten formten.


„Taehyung, ich-“


„Du stirbst?“




===




Ja, meine lieben Leser, ich LEBE und diese FF auch. Ich habe EWIG kein Kapitel mehr hochgeladen und das tut mir auch echt leid. Ich hoffe es gibt noch einige da draußen, die sich an Foolish erinnern, sie weiterhin lesen und sich über dieses Update freuen.
Auch will ich mich für das Glow-Up bedanken.
Die Empfehlungen?! Die Favoriten?! DIE LESER?! Wow, ich war wirklich überrascht. Danke für alles - wirklich <3
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